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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition Markt 21. Reaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

M 267.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2/+ Mk., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserti-'nsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 15. November 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Habraana. Moste in Frankfurta. M.,Berlin,Münchenu. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

Skandal über Skandal.

» Wenn der Krug voll ist, läuft er über! So geht es jetzt in Paris. Wilson, der Schwiegersohn des Präsidenten Grsvy, ist glücklich über den Ordens­schacher und die Porto-Affaire fortgekommen; nun ist er aber doch über einen Stein gestolpert, der den NamenFälschung" trägt. Er hat es doch gar zu arg gemacht, und nunmehr kann ihn selbst die Regie­rung nicht mehr in Schutz nehmen. Es haftet auf ihm der dringende Verdacht, nicht nur die Beziehungen zu feinem Schwiegervater ausgenutzt, sondern auch die Behörden bestochen, vor allem selbst Briefe gefälscht zu haben. Alles das der Schwiegersohn des Staats­oberhauptes der französischen Republik! Der Prozeß gegen den General Caffarel und die Frauenzimmer Limousin und Ratazzi ist schon schmutzig, äußerst schmutzig. Er zeigt, daß der General, welcher einen so hohen Vertrauensposten im Kriegsministerium be­kleidete, bei Ordens- und Vermittelungsgeschäften ganz gehörig von den gemeinsten Schwindlern, beiderlei Geschlechtes hineingelegt ist, und nun kommt noch dieser Lärm! Es steht fest, daß kompromittierende Briese Wilsons, welche als Beweisstücke in dem Prozesse dienen sollten, auf dem Wege von der Polizei zum Gericht verschwunden sind; zwei andere Briefe hat Wilson durch gefälschte ersetzt, um sich so von allem Verdachte zu befreien. Nur hat er nicht an das Papier-Wasserzeichen gedacht, nach welchem das Papier erst weit später sabriziert ist, als das Datum des Briefes zeigt. Wilson kann diese gemeine Fälschung nur durch Beamtenbestechung begangen haben, denn die echten Briefe waren behördlich bei der Limousin beschlagnahmt. Infolge dieses Zwischensalles ist die Entscheidung in dem Caffarel-Prozesse ausgesetzt, und die strafrechtliche Unterfuchung gegen die Schuldigen eingeleitet. Die Regierung hat selbst die Untersuchung besohlen, der Skandal überschritt denn doch alle Grenzen. Niemand kann heute Wilson mehr für einen makellosen, ehrlichen Menschen halten.

In der Deputiertenkammer verursachte die Ge­schichte einen wahren Höllenlärm. Von allen Seiten wurde auf das Ministerium losgeschrieen, bis die Erklärung erfolgte, die Untersuchung werde ohne Rücksicht auf die Person geführt werden. Wohl hatte man Bedauern mit dem alten Grevy, aber diesmal ging es nicht anders; die Würde von ganz Frankreich stand auf dem Spiel, die Justiz war geradezu be- fchimpst worden. So wird denn die Unterfuchung ihren Gang haben, und alles, was bisher mühsam Md mit großer Anstrengung verhütet wurde, kann

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rind le r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Seit jenem Rout in dem palastartigen Hanse am Königsplatz hatte sich die Stimmung von Fritz und Hortense merklich geändert, obgleich sie nichts davon ahnten, daß sie belauscht worden waren und auch keine Silbe von dem Nachspiel, das ihre Schäfer- stnnde in dem Tode der Baionefle Hindelang gefunden, tu Erfahrung gebracht hatten. Hortense war unruhig und zerstreut geworden, während Fritz, durch eine brennende Eifersucht unablässig gequält, bisweilen im heitersten Gr kose aufspringen konnte, um Hortense mit einer düsteru Glut in seinen Blicken zu betrachten, daß sie sich eines ängstlichen Gefühles oft nicht er­wehren konnte. Wenn sie dann versuchte, mit schwel, chelnden Liebkosungen die Falten von seiner Stirn zu scheuche», wenn sie zärtlich fragte, was ihn bedrücke, daun konnte es wohl geschehen, daß er plötzlich vor ihr auf die Knie stürzte, fein Antlitz in den Falten ihres Kleides vergrub und schluchzte wie ein Kind, um im nächsten Augenblicke wild aufzufahren und uud sie fast heftig zu fragen, ob sie ihn noch liebe und ob sie ihm Treue halten werde, all? Zeit? Dann durchzuckte sie die Furcht, daß er doch eine Ahnung habe von ihrem Vorleben, uud sie dachte an Felix und ob er wohl geplaudert? Aber nein das konnte er nicht; dazu hatte sie ihn zu sehr in der Hand. Und um daun Fritzs Leidenschaft zu besänftigen, legte sie ihm die^Arme um den Nacken und sagte: »Wie könnte ich je aufhören, Dich zu lieben 1 Du bist mir wie der Sonnenschein, ohne den ich ver­kümmern würde, wie der frische Quell, der mich er­quickt und labt." Aber dann sprang er auf und tief: »So, gerade so habe ich eS auch geliebt, das blonde Kind am Aryssee, und treulos bin ich doch geworden und treulos wirst Du auch!"

Hortense fand, daß es gefährlich sei, so geliebt

nun doch plötzlich hereinbrechen, eine PräfrdentenkriNs. Grevys Ruf ist makellos, man hat ihn den französi­schen Aristides nicht mit Unrecht genannt, aber kann er diesem ungeheueren gemeinen Skandal und Schmutz gegenüber, den Wilson über ihn und seine Familie gebracht, unberührt bleiben? Gewiß nicht! Es liegt auf der Hand , daß Frankreich kein Staatsoberhaupt haben tarnt, dessen Verwandter ein Schwindler und Fälscher ist, der seinen Platz in schamlosester Weise gemißbraucht hat. Findet die eingeleitete staatsanwalt­liche Untersuchung Wilson strafbar, kommt dieser vor das öffentliche Gericht, so ist auch der Rücktritt seines Schwiegervaters gewiß.

Es fehlt ja nun nicht an zum Ersatz geeigneten Männern, da sind vor allem Ferry, Freyeinet, Brisson, aber die Wunde, welche der ganzen Staatsform Frank­reichs zugefügt ist, kann weder durch Wilsons Ver­urteilung, noch durch Grevys Rücktritt geheilt werden, denn dieser Skandal ist nicht der einzige, nur der größte. Die Kammer will dieser unerhörten Wirt­schaft ein Ende machen, Strenge und Gerechtigkeit sollen wieder obwalten. Nun gut, wir werden sehen, ob man die Kraft und den Willen besitzt, dies Pro­gramm in allen Punkten friedlich durchzuführen. Gegenwärtig ist die ganze Regierung Frankreichs in ihren Grundvesten erschüttert, niemand weiß, was der nächste Tag bringen kann, ob nicht neue Leute bald an der Spitze unseres Nachbarlandes stehen werden. Die Wogen gehen gewaltig hoch, es bedürfte schon einer eisernen Faust, die erregten Gemüter zu bän­digen und in Schranken zu halten. Man mag sich wohl vorsehen, daß in dem allgemeinen Tumult kein Mißgriff gethan wird. Boulanger und Genossen er­warten sehnsüchtig den Augenblick, wo sie das Staats­ruder Frankreichs wieder ergreifen und ihren Ehrgeiz befriedigen können. Im Palais Bourbon zu Paris hat man nur zu oft schon allein der Stimme der Leidenschaft gelauscht, und die der Mäßigung und Vernunft überhört; hüte man sich, darin noch weiter zu gehen. Das Ende könnte unheilvolle Verwickelungen bringen.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Nov. Der Kaiser stand heute vor­mittag um 11 Uhr auf und empfing den Prinzen Heinrich, den Erbprinzen von Meiningen und später den Chef des Militärkabinettes General von Albedyll und den Generalfeldmarfchall Grafen Moltke. Den Ehrendienst bei dem Kaiser von Rußland während seiner Anwesenheit in Berlin werden der General der Infanterie von Werder, Generalmajor

zu weiden, und doch zog diese Leidenschaftlichkeit sie mächtig an, Sie hatte bisher nur das Spielen mit den Herzen gekannt, niemals dies Völlig-Ausgehen in einem Gefühl, einem Gedanken. Da sie nun auch zu der Uebeizeugung gekommen war, daß eS am besten sein würde, Felix bei seiner Ankunft, die stündlich bevorstand, mit einem Fait accompli gegen« übertreten, mit dem er einfach zu rechnen gezwungen war, statt ihm erst zu Erwägungen Zeit zu lassen, so benutzte sie diese Gelegenheit, zärtlich um die Be­ leunigung ihrer Hochzeit und eine nunmehrige öffentliche Bekanntmachung ihrer Verlobung zu bitten.

Laß mich erst ganz Dir angehören, bann werden diese Zweifel schwinden," hatte sie gebeten, und dann war Fritz gegangen, um zuerst Tante Martha, die er trotz seines wiederholten Aufenthalts in Berlin feit Onkel Wilhelms Tode nicht wieder gesehen hatte, mit dem Wechsel seiner Verhältnisse bekannt zu machen uud sie aus deu Empfang feiner Braut vorzubereiten.

HortenseS Zärtlichkeit hatte die Schatten von feiner Stirn gescheucht, und so war er in ziemlich freudig erregter Stimmung, als er die Klingel an dem wohlbekannten Hanse in der Wilhelmstraße zog. Der alte Diner, der öffnete, machte aber viel mehr ein erschrecktes, als ein freudig überraschtes Gesicht beim Anblick seines jungen Herrn, uud sein Willkomm. Gruß klang stammelnd und unsicher. 1

Ist das gnädige Fräulein zu Haus?" fragte Fritz.

Ja, Herr Klausner", entgegnete der Diener zögernd und schien eS sehr ungern zu sehen, als Fritz an ihm vorbeieilte, um unangemeldet in das Wohn­zimmer seiner Taute einzntreten. AIS er die Thür öffnete, saß Tante Martha auf ihrem gewöhnlichen Platz vor dem kleinen Arbeitstisckchen am Fenster. Tic sonst io unermüdlich fleißigen Hände aber ruhten müßig im Schooß und der Kopf mit de» vom vielen Weinen geröteten Augen war trübe niedergeneigt. Sie wandte Fritz langsam das Gesicht zu; aber auch darauf malte sich bei feinem Erkennen mehr Schrick

von Lindequist und Oberst von Henninges über­nehmen. Den Ehrendienst beim Fürsten-Thronfolger wird General Graf Waldersee thun. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Reichskanzler wird sich auf Befehl des Kaisers zu Beginn der nächsten Woche wieder in Berlin einfinden. In Verbindung mit dem Kaiserlichen Gesundheitsamte ist eine ständige Kommission für Bearbeitung der Pharmakopö errichtet worden, nm die Beschlüsse des Bundesrats über periodisch herbeizuführende Berichtigungen und Er­gänzungen der Pharmakopö vorzubereiten. Die nächste Aufgabe der Kommission besteht in der Sammlung des einschlägigen Materials, um dasselbe weiterhin zu sichten und zu prüfen. An die sich für die An­gelegenheit interessierenden Herren Fachmänner richtet der Vorsitzende dieser Kommission, Direktor des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Köhler, das Ersuchen, die Arbeiten der Kommission durch Mitteilung ihrer Erfahrungen auf den in Rede stehenden Gebieten, soweit nicht bereits eine Veröffentlichung in Fachzeit­schriften stattgefunden hat, gefälligst fördern zu helfen. Die Einsendung bezüglicher Beobachtungen und Vor­schläge an den Direktor des Reichs-Gesundheitsamts werde mit Dank erkannt werden.

Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit den Kron­prinzen betreffend, veröffentlicht derReichs-Anz." nachstehendes Bulletin: Nach den Nachrichten ans San Remo ist leider kein Zweifel mehr darüber möglich, daß das Leiden Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit des Kronprinzen in der That karcinomatöser Natur ist. lieber die weitere Behandlung wird eine zuverlässige Nachricht erst möglich fein, nachdem der auf Allerhöchsten Befehl nach San Remo geschickte Dr. Moritz Schmidt hier mündlich Bericht erstattet haben wird. Aus den privaten Mitteilungen der heutigen Morgenblätter laffen wir nur folgende An­gaben derNat.-Ztg." aus San Remo vom gestrigen Abend folgen: Heute fand eine neue Konsultation von halbstündiger Dauer statt, sodann eine Be­sprechung der Aerzte. Schrötter und Schmidt reisten ab. Ihre Abreise ist überraschend, da den früheren Dispositionen entgegen. Dr. Krause bleibt noch diese Woche hier. Die Abreise des Prinzen Wilhelm er­folgt morgen, liebet das Ergebnis der ärztlichen Konsultation wird Geheimnis bewahrt. Der Kron­prinz, der zwei Tage zu Haufe geblieben war, ist nachmittags wieder ausgefahren. Der Kronprinz wurde von dem Ergebnisse der Konsultatton, wonach es sich um krebsartiges Leiden handelt, unterrichtet; er zog sich für einige Zeit zurück und entschied sich alsdann dahin, daß die Operation unterbleibe. Prof.

als Freude. Erst als er dicht zu ihr getreten war, ihre Hände ergriffen hatte und fragte:Freuest Du Dich den» gar nicht ein Bischen, mich wiederzusehen?" ging es für einen Moment wie ein flüchtiges Leuchten über ihre Züge, nm doch im nächsten schon wieder derselben Trauer Platz zu machen. Statt aller Antwort hatte sie nur de» Kopf ein wenig bewegt, wovon Fritz nicht wußte, ob er es zustimmend oder ablehnend deuten sollte.

Weshalb kommstDu!" fragte endlich die alteDarne.

Ihn Dir eine Mitteilung zu machen, Tante Martha eine bedeutsame, die Dich hoffentlich freuen wird, wen» überhaupt mein Glück Dir »och Freude be­reite» kaun."

So laß das für später," sagte sie und erhob sich. Ich bin jetzt nicht in der Stimmung, dergleichen zu hören."

Aber was für ein Unglück ist denn geschehen?" Die alte Dame schaute ihm forschend in die Singen, während sie mit vor Thränen stockenden Stimme entgegnete:Baronesse Hindelang ist vorgestern ge- storbe»; heute Abend wird sie beigesetzt."

Kanntest Du sie?"

Ich habe sie sehr, sehr lieb gehabt."

Ich erinnere mich, den Namen schon einmal ge­hört zu habe»; auf dem Rout bei Graf auf dem Königs platz war sie zugegen. Ich hörte von ihr als von einer Loreley-Erscheinung'sprechen, aber ich sah sie nicht."

Doch sie sah Dich im vertraulichen Gespräch mit einer Dame, Hortense Donalis, beim Eintritt in ein kleines Kabinett"

Ah! sprach sie Dtr davon?"

Ja, eine Stunde darauf, in derselbe» Stunde erkrankte sie. Jetzt ist sie tobt!

Fritz zuckte die Achseln.

Eine sonderbare Art, meinen Namen mit dem der Fremden in Zusammenhang zu bringen; nun man muß es ihrer Trauer zu Gute halten. Alte Leute werden eben wunderlich, dachte er.

Die alte Dame schcllte nach Hut und Mantel

Bergmann sagte heute vormittag seine Vorlesungen ab, da er infolge eingegangener Nachrichten ander­weitig beschäftigt sei. In den Depeschen derVoss. Ztg." vom gestrigen Abend heißt es: An den Kaiser ist ein schriftlicher, von allen Aerzten gemeinsam auf­gesetzter Bericht über die Ergebnisse der Konsulta­tionen erstattet worden. Morgen früh reist Prinz Wilhelm mit Adjutant und Dienerschaft direkt nach Berlin. Dr. Krause ist noch hier geblieben. Wie man hört, hat Dr. Krause mif den Kronprinzen einen sehr günstigen Eindruck gemacht und letzterer scheint gewillt, ihn den Winter bei sich zu behalten. Mackenzie sendet soeben mehrere Telegramme ab, die dahin lauten, daß alle Aerzte einig sind, daß für jetzt eine äußerliche Operation nicht nötig ist. Professor Schrötter ist Sonnabend abend in Wien eingetroffen und wurde auf dem Südbahnhofe von zahlreichen Reportern belagert, ohne irgendwelche Auskunft zu erteilen. Wie man hört, findet Schrötter den Zu­stand des deutschen Kronprinzen höchst bedenklich und Rettung, wenn überhaupt, nur durch operativen Ein­griff möglich. Unter den Aerzten in San Remo herrschte große Meinungsverschiedenheit; Schrötter ist weder mit der Diagnose, noch mit dem Heilverfahren Mackenzies einverstanden. Als Schrötter vom Kron­prinzen dringendst aufgefordert wurde, die Wahrheit zu sagen und seine Meinung abgab, nahm der Kron­prinz das Gutachten mit bewunderungswürdiger Kalt­blütigkeit entgegen. Schrötter wird am Montag vom Kaiser Franz Joseph inAudienz empfangen werden; ebenso erstattet er besonderen Bericht dem Grafen Kalnoky. Die WienerNeue Freie Presse" veröffentlicht eine Inhaltsangabe des schriftlichen Gutachtens, welches die Aerzte Schrötter, Krause und Mackenzie am 9. d. M. in San Remo über das Leiden des deutschen Kronprinzen abgegeben haben. Dasselbe besagt: Schrötter erklärte, er halte die neue Sprießung unter­halb der Stimmbänder entschieden für Krebs und stimme daher für eine vollständige Ausschneidung des ganzen Kehlkopfes; er halte wohl dafür, daß eine sofortige Operation am nützlichsten wäre, allein er würde auch einer Verzögerung derselben zustimmen, da inzwischen das Uebel auch durch Anwendung anderer Mittel, namentlich durch eine Tracheotomie, bekämpft werden könnte. Schrötter ist aber der Uebeizeugung, daß das Leben des Kronprinzen durch eine gänzliche Ausschneidung des Kehlkopfes erhalten werden könnte, obwohl die Operation eine der ge­fährlichsten fei; ein sicheres Resultat biete diese ge­fährliche Operation allerdings nicht, sie könne jedoch für die Dauer von guten Folgen begleitet fein, während

und fragte, ob der Wagen vorgefahren sei. Dann wandte sie sich zu Fritz:Ich habe noch einen trüben Gang zu machen; Du wirst mich begleiten, ja?"

Fritz hätte sich dem gern entzogen, aber als er Einwendungen machte, entgegnete sie:Du bist e8 schuldig," und im Grunde war eS Fiitz nicht unan­genehm, dadurch einen kleinen Aufschub für seine Besprechung mit Tante Martha herbeizuführen; denn er fürchtete ihre Fragen nach der kleinen Grethe, Fragen, ans die er sich bis sitzt selbst die Antwort schuldig geblieben. So weigerte er sich denn nicht weiter. Schweigend legten sie die Fahrt zurück.

Vor einem stattlichen Hanse der Bellevuestraße hielt der Wage». Der alte Diener, der sie begleitet öffnete den Schlag,noch immer mit jener uner­klärlichen Leicheubittermiene," wie Fritz dachte, denn konnte doch der Tod einer fremden Dame nicht dermaßen betrüben. Sie schritten durch de» kleinen Vorgarten die wenige» Stufen hinaus, durch die mtt Blattpflanzen und schwarzen Flur dekorirte Veranda in einen großen Saal. An den Wänden rings hinge» eben so trauer feierlich geschmückte lebensgroße Porträts und in der Mitte stand ein schwarzer Katafalk mit einem offenen Sarge. Aus der Schwelle zu diesem Saal blieb Tante Martha einen Augenblick stehen die Hand als wenn eS gelte, einen schweren Entschluß ausznführe», auf das Herz gepreßt. Dann ergriff sie Fritz am Arm und zog den Widerstrebenden, der nicht begriff, weshalb er an die Leiche dieser Fremden treten sollte, bis zu Füßen des Katafalks. Nu» streckte sie die Hand aus und wies nach dem mar­morbleichen Antlitz der Toten. Fritz Blick folgte unwillkürlich dieser Bewegung; im nächsten Augenblicke aber schwankte er; alles um ihn versank in Nacht und Dunkel, nur das friedliche, von blondem Gelock umrahmte Gesicht der Toten hob sich daraus hervor, und durch das Brausen und Rauschen, daS vor seinen Ohren tlang.lönten klar und deutlich und hart die Worte, die, er wußte nicht wer sprach:DaS ist Dein Werk!" (Schluß folgt.)