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befriedigender Weise zu lösen. Der österreichische Reichsrat hat sich vertagt, nachdem er der Verlängerung des Handelsvertrages mit Deutschland um ein halbes Jahr zugestimmt hat. Die Czechen haben mit ihren Angriffen gegen den Unterrichtsminister von Gautsch wegen des Mittelschulerlasses, dessen Aufhebung sie forderten, doch nichts durchgesetzt. Sie sind abge­wiesen und haben ihre Wünsche und Hoffnungen auf später vertagt.

Dem gewaltigen, lärmenden Trubel der Vorwoche in Paris waren recht stille Tage gefolgt, und in der zweiten Hälfte dieser Woche sind die parlamentarischen Arbeiten wieder ausgenommen worden. Die beantragte Untersuchung wegen des Ordensschachers und gegen Grövys Schwiegersohn Wllson wird keinerlei bedenk­liche Folgen haben, um des Präsidenten der Republik willen wird der Sache die Spitze abgebrochen werden. Wilson wird freilich allgemein schonungslos verurteilt, und mit seinem Ansehen ist es vorüber. Die Stellung des Ministeriums Rouvier ist aber keineswegs eine gesicherte, es wird um seine Existenz in der Kammer noch sehr hart zu kämpfen haben. Boulanger hat am 13. d. M. seinen dreißigtägigen Arrest abgemacht und wird Tags darauf in Paris eintreffen, um sich, den militärischen Vorschriften gemäß, beim Kriegs­minister zu melden. Das wird ein recht erbauliches Wiedersehen geben! Was die Konvention betreffend die Neutralität des Suezkanales anbetrifft, so steht jetzt schon fest, daß sie die Zustimmung aller europäischen Mächte erhalten wird.

Die viel besprochene große Frage der Reiseroute des russischen Kaiserpaares ist nun, man kann wohl sagen: definitiv, entschieden. Für die eben erst von den Masern genesenen Kinder des Kaiserpaares empfehlen die Aerztc eine Seereise nicht, und der Weg wird deshalb zu Lande durch Deutschland, und zwar über Berlin, genommen werden.

Auf der Balkanhalbinsel sieht es nach wie vor ruhig aus. Die Verhandlungen der bulgarischen Sobranje gehen ohne Störung vor sich, man hat dem Fürsten Ferdinand eine feierliche Ergebenheits- Adresse übersandt. Die Nachrichten von Attentats­plänen gegen den Fürsten haben sich als der reine Schwindel herausgestellt. Das Rustschucker Blatt .Bulgarin" ist wegen Beleidigung des deutschen Kon­suls von Löper zu 200 Franken Geldbuße verurteilt worden. In Serbien hat König Milan einen sehr schlauen Schachzug gegen seinen eigenwilligen Minister­präsidenten Ristics gethan. Er hat zu Krondepu­tierten der Volksvertretung nicht Leute aus Ristics Partei genommen; infolge dessen hat letzterer keine

„Nun, für mich ist es das gerade nicht; denn diese Reise ist längst geplant." Dann wandte er sich an Joseph und beauftragte ihn, ein Komsbuch zu bringen und die Rechnung zu verlangen.

»Wohin wollen Sie denn," fragte der Graf.

»In die Rheingegend."

„Jetzt im Winter? Du lieber Gott!"

„Ja, es ist eine Marotte von mir." Da kam Joseph mit dem Komsbuch. Fritz blätterte eifrig darin und rief dann dem Diener zu: „Zu dem 2 Uhizug muß ein Wagen nach der Anhalter Bahn be­reit sein."

Graf Dammark wandte sich ab, wie wenn er von bi. fern Betragen höchlichst ennuyrt sei. Dann lächelte er still vor sich hin und sagte: „Aha, das ist der nächste Zug nach Frankfurt a. M." Bald darauf empfahl er sich.

Auf Fritz's Frage, wo er die nächste Zeit zu ver- bringen gedenke, entgegnete er: „Sie wissen ja, daß ich ein Mann von kurzen Entschlüssen bin; heut hier, morgen da, das ist so mein Prinzip."

Bald darauf kam der Kellner mit der verlangten Rechnung, auch präsentierte er zugleich die des Fräu­lein Donalis.

„Das arme Weib hat sie bei ihrer fluchtäholichen Abreise zu begleichen vergeflen," sagte sich der Uner­fahrene, und heißer noch entflammte seine Sehnsucht, sie wieder zu finden.

* * * '

Drei Tage lang hatte die kleine Grethe ihren Spaziergang dem Briefträger entgegen wiederholt; aber jedes Mol war fie mit traurig geneigtem Köpfchen, wie ein frierender Vogel, heimgekehrt. Und wenn die Mutter dann liebreich die Hand über ihr blondes Haar gleiten ließ und fragte: „Nun?" dann ant­wortete sie traurig dar Wort, das fie täglich von dem alten Briefträger zu hören bekam: „Nichts l" Der Seufzer, mit dem die Mutter dar Wort be- gleitete, {lang wohl noch schwerer, als der der kleinen Grethe. Ihr bangte um ihres Kindes Zukunft I

parlamentarische Mehrheit und muß hübsch be­scheiden sein.

Die Appellation der sieben zum Tode verur­teilten Chicagoer Anarchisten ist vom Ober-Bundes­gericht in Washington abgewiesen. Es heißt aber, der Gouverneur von Illinois wolle drei von ihnen begnadigen, während die vier am schwersten Bela­steten gehängt werden. In dem revolutionsreichen Guatemala hat es wieder einmal einen solchen in- terressanten Zwischenfall gegeben. Die Regierung wurde aber der Empörer Meister und machte kurzen Prozeß. Vierzehn Rädelsführer wurden am Tage ihrer Verhaftung standrechtlich erschaffen. Der im Bau begriffene Panamakanal soll im Februar 1890 eröffnet werden, — wenn etwas daraus wird.

Aentsches Reich.

Berlin, 4. Nov. Das Befinden des Kaisers war am Freitag sehr befriedigend, da derselbe in der Nacht fest und ruhig geschlafen hatte. Der Kaiser stand deshalb auch schon am Vormittage auf. Eine nach Tausenden zählende Menge hatte schon von 12 Uhr an vor dem Palais Posto gefaßt. Mit der Schloßwache zogen neue Scharen heran, eine gewal­tige Wagenburg umsäumte den Platz. Aber das Militär zog vorüber, ohne daß der Kaiser erschien. Langsam begann die Menge sich zu zerstreuen, da erreichte die schon in geraumer Entfernung befind­lichen ein plötzliches Jubelrufen. Von allen Seiten stürzte man in fliegender Kraft zurück zum Palais und in der That hatte der Kaiser den Ausharrenden die Freude gemacht, noch an das Fenster zu treten. Von dort aus konnte er beobachten, wie Hunderte zurückeilten, wie Herren und Damen aus den Droschken sprangen. Und er wartete, bis alle wieder zurück­gekommen. Der Kaiser blieb, wie üblich, im offenen Waffenrock, lange am Fenster stehen, verbeugte sich und dankte herzlich und erfreut. Der greife Monarch sah wohl und kräftig aus. — Der Kaiser nahm bann den Vortrag von Wil.nowskis entgegen. Nachmittags empfing der Kaiser den Staatssekretär Grafen Bismarck. — In der gestern unter dem Vorsitz des Staats- Ministers, Staatssekretärs des Innern, v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung faßte der Bundesrat Be­schluß: über die von den Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen vorgeschlagene Ergänzung der vor­läufigen Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz über die Besteuerung des Branntweins, über eine weitere Ausführungsbestimmung zu dem Gesetz, betr. den Verkehr mit Ersatzmitteln für Butter, sowie über

Welche Beruhigung wäre e8 ihr gewesen, ihr uner- fahrenes Kind unter dem Schutz eines liebenden ManneS zuiücklassen zu können. O, fie, sie hatte das Leben da draußen kennen gelernt.

Fünf Tage waren vergangen, seit Grethe den Brief mit der Bitte der Mutter, zu ihr zn eilen, um ihren Segen noch empfangen zu können, abgesandt hatte. Sie hatte gebeten, so innig und demütig und doch so dringend, daß es unmöglich war, daß er dieser Bitte nicht nachkommen würde, wenn nichts anderes ihn abhielt, als seine Studien. Es war recht schlimm, daß sie nicht wußte, wo er sich auf­hielt, daß sie die Briefe immer nur an den Ban guter in Berlin schicken konnte. Wer konnte wissen, ob der genau dafür sorgte, daß sie gleich weiter geschickt wurden. Hent war der Zustand der Mutter ein so schlechter gewesen, baß Grethe nicht hatte wagen können, bem Briefträger entgegenzugehen; benn das Schnee­gestöber, bas schon feit Mittag draußen herrschte und der scharfe Nordostwind, der um bas Hans pfiff und die Weidenbaume am Ufer schüttelten, allein hätten sie wohl nicht abgehalten. Es ward heut noch früher als gewöhnlich dunkel, und da stand Grethe an dem Fenster ihres Stübchens und fchattte hinaus. Di: Mutter hatte die alte Martha zu sich gerufen, da durfte das junge Mädchen schon ein Stündchen hier oben bertränmett.

Dort stand der Kirschbanm, auf dessen starken Aesteu Fritz im Sommer gesessen und die kleinen, roten Früchte gepflückt hatte, während fie ihm, auf der Leiter stehend, das Körbchen hinhielt. Und dort in dem Pavillon lag die Gondel, in her fie, o, so oft, ihm glücklich gegenüber gesessen; aber jetzt lag Schnee über dem allen, und es schien, wenn fie da hinaussah, tu das Schneetreiben und den bleigrauen Himmel darüber, als könne eS nie wieder Frühling werden. Und doch erst mit dem Frühling wollte er kommen, erst mit dem Vergißmeinnicht. — Sie seufzte so schmerzlich auf, daß es klang, als sei jede Hoff- nung dort draußen unter dem Schnee begraben!

eine Abänderung der Vorschriften über die Verladung und Beförderung von lebenden Tieren auf Eisen­bahnen. Eine Eingabe des Zentralvorstandes deutscher Arbeiterkolonieen zu Berlin wegen Verringerung der Zahl der Schankftätten wurde dem Reichskanzler über­wiesen. Der Gesetzentwurf über die Heimschaffung der Hinterbliebenen im Auslande angestellter Reichs­beamten und der Antrag Oldenburgs, betreffend den Zollanschluß von Brake, wurden den zuständigen Ausschüsien zur Vorberatung übergeben. Dem Ent­wurf eines Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Wein, und den Verordnungs-Entwürfen, betreffend die landes­rechtliche Anwendung des Reichsbeamten - Gesetzes in Elsaß-Lothringen, sowie über die Formen des Ver­fahrens vor dem Reichs - Versicherungsamt und vor den auf Grund der Gesetze vom 5. Mai 1886 und vom 13. Juli 1887 errichteten Schiedsgerichten er­teilte die Versammlung die Zustimmung und beschloß, der Eingabe des Vorstandes des Verbandes selbst­ständiger Konditoren zu Berlin, betreffend die Ab­grenzung des Konditorgewerbes gegenüber dem Bäcker­gewerbe, ferner mehreren Gesuchen um ^Befreiung der Schneidereibetriebe und Damenkonfektionsgeschäfte von der Unfallversicherungspflicht, und dem Gesuch des Vorsitzenden des deutschen Fleischerverbandes zu Lübeck, betreffend die allgemeine Einführung der Fleischschau, keine Folge zu geben. Dem ebengenam^en Jnnungs- verbande wurde auf feinen Antrag auf Grund des § 104 h. der Reichs-Gewerbeordnung die Fähigkeit beigelegt, unter feinem Namen Rechte, insbesondere Eigentum und andere dingliche Rechte an Grund­stücken zu erwerben, Verbindlichkeiten einzugehen, vor Gericht zu klagen und verklagt zu werden. — In der heutigen Sitzung des Landwiräschastsrates wurden in provisorischer Abstimmung über die Getreidezölle angenommen: die Zölle auf Roggen und Weizen zu sechs Mark, auf Hafer und Gerste zu drei, auf# Buchweizen und Hülsenfrüchte zu zwei, auf andere Getreidearten zu zwei Mark. Minister Lucius und andere Regierungs - Vertreter waren anwesend, er­griffen aber nicht das Wort. Die definitive Ab­stimmung findet morgen statt. In der weiteren provisorischen Abstimmung des Landwirtschaftsrats wurden angenommen: Zölle für Malz zu 6 Mark, Raps 5 Mark, Mais 3 Mark, Cichorien 2 Mark, Mühlenfabrikate 12 Mark, Fleischextrakt 40 Mark, Oleomargarin 20 Mark, Talg 10 Mark, Pferde 50 Mark, Füllen und 'Ponies 20 Mark, Schweine 10 Mark. — Hiesige Blätter, so die „Voss. Ztg." und die „Post" bringen an leitender Stelle Arttkel, in denen die baldige Einführung eines neuen Jnfan-

Lange, lange Zeit saß fie so, bis ihr mutiges, vertrauendes H-rz den Trübsinn besiegte. Sie rief sich alles wieder in das Gedächtnis zurück, jedes Wort, das er gesprochen, jeden liebevollen Blick, jeden Hände­druck. „Noch ein paar Monate," fagte sie endlich, „dann ist der Frühling wieder da und mit ihm kommt Fritz; er hats gesagt und er wird kommen." Und damit stand fie aus und ging wieder hinab in das Krankenzimmer.

Als fie eintrat, hörte fie die alte Martha sagen: ,O, gnädige Frau, ich werde e8 gewiß thuu, alles thnn; aber Gott gebe, daß ich es nicht nötig Habel"

„Martha! was ist Dir, weshalb weinst Du?" fragte Grethe, die Hand auf der Alten Schulter legend, die ihrenEiutritt gar nicht bemerkt zu haben schien.

„O, Fräulein Grethchen," stammelte Martha, „cs ist nur, der Fiau Mama gehts gar nicht gut, und der Doktor ist heute nicht einmal herausgekommen."

Jetzt erst fiel dem jungen Mädchen die schreckliche Veränderung aus, die während der letzten T-ge in dem Antlitz der Mutter vorgegangen. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen, von schwarzen Ringen umgeben, und auf den eingefallenen Wange» brannte Fieberröte.

„Mama, liebe Mama!" flüsterte Grethe, ihre frische Wange an die der Leidenden gelehnt. „Fühlst Du Dich nicht wohl?"

Ein matter Blick war die ganze Antwort.

„Die gnädige Frau wird ein wenig fchlafeu wollen," flüsterte die Alte, „es wäre recht gut; fie ist gar so matt." Damit ging sie hinaus.

Grethe setzte sich an das Fußende des Bettes. In dem matten Schein der Nachtlampe war es ihr nicht möglich, sich irgend wie zu beschäftigen. Sie war ganz ihren Gedanken Preis gegeben. Tiefe Stille herrschte ringsum, nur der Wind pfiff draußen den Schneeflocken seine wilden Tauzweisen, und im Zimmer ließ die Uhr ihr gleichförmiges Tick — Tack hören.

(Fortsetzung folgt.?

Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2‘/t Mk., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertinnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pig., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Wochenschau.

Kaffer Wilhelm krank! Diese Nachricht weckte, wie stets, eine Fülle von Besorgnissen und herzlichen Wünschen auf baldige Genesung in allen deutschen Herzen, wenn auch zu ängstlichen Befürchtungen an und für sich kein Grund vorlag und diese nur m dem hohen Alter des greisen Patienten ihren Ursprung hatten. Die veränderliche, ungemütliche Herbstwitterung hat es. wie Tausend Anderen, auch dem Kaiser ange- than, und ihm ein rheumatisches Leiden gebracht, das wohl etwas schmerzhaft, aber sonst ganz ungefährlich ist. Der Kaiser hat auch bereits wieder begonnen, Vorträge entgegenzunehmen, und ganz unbegründet waren die von einzelnen Blättern verbreiteten Nachrichten, der Kronprinz werde auf Wunsch des Kaisers binnen Kurzem nach Deusschland zurückkehren. Davon kann keine Rede sein. Der Kronprinz befindet sich den Umständen nach wohl, aber an seine Heimkehr ist vor März oder April kommenden Jahres in keinem Falle zu denken. Die kronprinzliche Familie ist jetzt von Baveno nach dem wärmeren San Remo an der Riviera übergesiedelt. Die Kaiserin Augusta, die immer noch etwas leidend ist, hat sich von Baden- Baden nach Koblenz begeben, von wo sie später nach Berlin zurückkehrt. Bedauerlich ist es, daß die Störung im Befinden der kaiserlichen Majestäten auch zu infamen Börsenspekulationen benutzt ist. Man hat sich nicht geschämt, auch an der Berliner Börse ge­fälschte Nachrichten über den Gesundheitszustand des Kaisers zu oerbreiten, um mit diesem verwerflichen Mittel ein Geschäft zu machen. Auf die Entdeckung der Persönlichkeiten, welche die Nachrichten verbreitet haben, ist eine hohe Belohnung gesetzt worden. Hoffentlich gelingt es, sie der gerechten Strafe zu­zuführen.

Die kaiserliche Ordre, welche den deutschen Reichs­tag auf den 24. November nach Berlin beruft, ist nunmehr veröffentlicht worden. Die Thronrede wird voraussichtlich der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär von Bötttcher, verlesen. Von Vorlagen wird der Reichstag sofort den neuen Etat und mehrere kleinere Gesetze erhalten.

Kaiser Franz Joseph von Oesterreich hat die Delegationen — das Oesterreich und Ungarn gemein­same Parlament — in feierlicher Audienz in der Wiener Hofburg empfangen und eine kurze Ansprache an dieselben gerichtet. Der Kaiser betonte darin, daß in Europa noch lange nicht alles völlig klar liege, daß man aber doch hoffen könne, den Frieden unge­schmälert zu erhalten und die bulgarische Frage in

Marburg,

Sonntag, 6. November 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie b. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. SW., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Mraaita. Blosse m Frankfurta.M.,Berlin,Münchenu.Köln; GL.

Daube u. Co. in Frankfurt a. SW., Berlin, Hannover. Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition Martt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Böses Gewisse».

Original-Roman von Tr. Rindler.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Fritz Klausner riß den Brief auf, ohne auf die Gegenwart des Grafen Rücksicht zu nehmen. Ein paar dichtbeschriebeue Blätter fielen heraus. Er griff eines davon auf, es war zwar nicht der Anfang, aber gleichviel; er las:

„Ich habe Gefälligkeiten, Dienstleistungen von Ihnen in Anspruch genommen, tote ein Weib es nicht thuu sollte von einem fremden Manne. Uad ein Fremder müssen Sie mir bleiben, Ihrer selbst willen. Sie dürfen mich auch nicht schelten, daß ich unfern Verkehr mit einander ein so schnelles, unerwartetes Ende mache, obgleich er doch so viel Gluck für mich in sich barg. Hätte ich länger ge« zögert, ich hätte vielleicht nicht mehr die Kraft dazu gefunden, und doch muß ich gehen, um meinen Frieden zu retten. Möge ein gütiges Schicksal verhindern, daß uusereLebevSwege sich wieder kreuzen; denn ich bin Ihrer nicht würdig, Friedrich."

Einen Augenblick staud er wie vernichtet. Dieses «erloreuwähneu der Geltebteu entfachte erst seine ganze Leidenschaft, und damit zugleich erwachte auch der Trotz, fie nicht verloren geben zu wollen, in ihm. Er zwang sich, ruhig zu erscheinen, faltete den Brief zusammen und setzte fich wieder zu feinem Gaste.

„Nun, Sie Komme de lettre»", rief der Graf, der sich während dessen von Fritz's Frühstück bedient hatte, „Sie werden also Teil nehmen au dem Eisfest heute Abend? Der Hof wird bi fein und die aus- indischen Gesaudtschafteu, Chinesen uud Türken.

wird sehr interessant werden."

„Nein," erwiderte Fritz, „ich werde nicht die Zeit dazu haben."

„Aber weßhalb nicht?"

iSBeil — weil ich verreisen muß."

„So plötzlich?"