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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt sill die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition. Mar» 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. «och.
Jti. 257.
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei den Postämtern 2 Mt 50 Pfg. lexkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 3. November 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Habraana. Moffe m Frankfurt a. M., Berlm, München u. Köln; G. L. 'O ) o □
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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snidlichen Familie — der bekanntlich die Rückreise ohne Aufenthalt ärztlicherseits anbefohlen — nicht
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versichern, daß kein Zweifel an der Zuverläfsigkeit derselben besteht — ist man schon — trotz aller entgegenstehenden Meldungen der Blätter — seit längerer Zeit in hiesigen höchsten Kreisen von dem bevorstehen- ; den Besuch des Zaren unterrichtet, welch letzterer die ■ feste Absicht kundgegeben haben foll, unserem Kaiser einen Besuch in seinem Palais abzustatten. Die Enttevue in Stettin war so fest geplant, daß nur besondere Zwischenfälle, bei denen Sicherheit des Zaren in Frage kam, dieselbe vereiteln konnten. Dieser letztere Punkt soll nun unseren greisen Kaiser veran- : laßt haben, auch für die bevorstehende Durchreise des Zaren die Art der Begegnung so einzurichten, daß der Zar nicht allein seiner in der Rekonvalescenz be-
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Deutsches Reich.
Berlin, 31.Okt. Offizielle Meldung: Rheumatische Kreuzschmerzen im Verein mit Ermüdung und Abspannung, wie sie im Verlause einer Krankheit gewöhnlich einzutreten pflegen, geboten dem Kaiser, gestern den ganzen Tag im Bette zu verbleiben. Em mehr
stündiger Schlaf im Laufe des gestrigen Tages beein- irächtigte einigermaßen die Gleichmäßigkeit der letzten Nachtruhe. — Zur Rückkehr des Zaren schreibt man ms: Nach unserer Information — und wir dürfen
roß am längere Zeit entzogen wird, sondern auch seinen leb- 1 Acker hasten Wunsch, dem Großoheim endlich einen Gegen-
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besuch abzustatten, selbst der Erfüllung entgegenkühren
belegen dim. Der Zar wird demnach mit der Zarewna Termin mittels des Kaiserlichen Salonzuges von Fredensborg
nbarcs über Berlin nach Rußland zurückkehren und entweder
was nach unseren Informationen noch wahrscheinlicher
mittags sein soll — auf dem Zentralbahnhofe selbst Gelegen-
nichr ausgeschlossen, daß in letzter Stunde die bis jetzt getroffenen Dispositionen noch eine Aenderung erfahren, doch dürfen wir schon heute versichern, daß Seine Majestät unser Kaiser und König den festen Willen
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ihnuntz heil haben, Kaiser Wilhelm in den dortigen Königlichen Appartements zu begrüßen. Es ist natürlich
lgt unb - vom Zentralbahnhof Friedrichstraße Ms dem Kaiser gegebkll " int Palais einen kurzen Besuch abstatten, oder —
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’astes dmdgegeben hat, in Berücksichtigung der völligen i mit Sicherheit des reisenden Zaren, diesem eine Begrüßung
torch das unserem Landesherrn in so hohem Grade e(h*“ eigene liebenswürdige Entgegenkommen in jeder Weise s Mittel W erleichtern. Eine Reise des Zaren über Lübeck
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Md Stettin ohne Berührung Berlins ist völlig aus- Pschloffen. Beide Monarchen werden sich in Berlin sehen und sprechen. — Von dem Vertreter der dwtschen Kolonialgesellschaft „Südafrika" in der
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Original-Roman von Tr. Rindler.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsrhung.)
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Das Mädchen an ihrem Lager schlief auch ei«, bei dem gleichwäßigeu Geräusch der liefen ruhigen 8temzüge. Es war schon Heller, lichter Tag als fte geweckt wurde durch ein leichtes Rütteln an ihrem Ann. Vor ihr stand ein Kammermädchen, ein (»genanntes feines, wie sie unb ihre Kolleginnen sich auszudrücken pflegten. ES hatte den Finger auf die Lippen gelegt zum Zeichen, daß sie still sein wöge Md deutete ihr nur an, daß sie ihren Posten der» l»ffen könne.
.Aha", dachte fie, „daS wird die verlorene Jungfer »rttats und entfernte sich geräuschlos.
$• Im Vorzimmer fand fie eine ganze Versammlung j-laco® ton allerlei weiblichen Wesen mit großen Schachteln Mari ttfc Packeten.
„Aha, die kamen, nm die verbrannte Toilette der Madigen Fran wieder zu ersetzen. ES war doch eine »Änderbare Geschichte daS. Sie erlebte wunderliches Seng genug, aber so etwas kam doch nicht alle Tage vor."
Da fuhr drinnen die schöne Schläferin mtt einem Angstschrei vom Lager empor. Der Ruf: »Feuer! Feuer !• war im Traum wieder an ihr Ohr gedrungen. Sie schlug die Augen auf unb starrte mit einem entsetzten Blick nach dem Fenster, wo die Wimerfonne goldigem Schein auf den weißen Vorhängen lag. «ber das Entsetzen wich aus ihrem Blick. Ein wohliges «fühl des sicheren GeborgeufeinS durchströmte fie Mld ein glückliches Lächeln breitete sich über dies schöne Antlitz. Sie drückte anfatmenb die Hand ans bie Brust, während ein Seufzer der Erleichterung 1 'hren Lippen enteilte. Jetzt trat die kleine Zofe zierlich knixend herzu und fragte mit einem letchtschwei- berischeu Accent in ihrer Aussprache, ob e8 Madame «rfällig wäre, jetzt daS Frühstück einzunehmen und »bbie gnädige Fran Thee, Kaffee oder Ehokolade befehle.
Kapstadt ist ein angeblich völlig beglaubigtes Telegramm hier eingelaufen, welches die Entdeckung von reichhaltigen und ausgedehnten Goldminen in Lüderitzland meldet. Der Reichskommissar Göhring und der Führer der Goldgräber sind von den entdeckten Minen in Kapstadt angekommen.
Berlin, 1. Nov. Der Kaiser hatte eine ziemlich gute Nacht. Die Schmerzen sind gering, derselbe hörre heute den Vortrag des Generals v. Albedyll. — An der heutigen Börse gingen mehreren Mitgliedern Rohrpostmitteilungen über den Gesundheitszustand des Kaisers und der Kaiserin zu, um Beunruhigung hervorzurufen. Es sind bereits Maßnahmen getroffen, um die Verbreiter der Mitteilungen zu ermitteln und ihre Bestrafung zu veranlaffen. — Selbstverständlich wird es vom Befinden des Kaisers abhängig sein, ob eine Begrüßung mit dem Kaiser von Rußland stattfinden kann, deffen Absicht hierherzukommen nunmehr von keiner Seite mehr bezweifelt wird. Seine Abreise von Kopenhagen ist auf den 12. November festgesetzt. Fürst Bismarck wird bis dahin, wie zuverlässig verlautet, nicht nach Berlin kommen, und es wird auch dadurch zum Ausdruck kommen, daß die Begrüßung der beiden Monarchen jedes politischen Charakters entbehrt. — Die neue Session des Reichstages soll, wie nunmehr verlautet, am 24. November beginnen. Die Veröffentlichung der betreffenden kaiserlichen Verordnungen steht der „Kreuzzeitung" zufolge in den nächsten Tagen bevor. — In der heutigen Konstituierung der deutschen Kommission für die Brüsieler Welt- Ausstellung wurde Freiherr Landsberg - Vehlen zu Steinfurt zum Vorsitzenden, Generalkonsul Goldberger, Geheimrat Dietrich zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mit der Geschäftsführung wurden betraut die Herren Goldberger, Stadtrat Friedel und Dr. Jannasch. Die Kommission besteht aus 36 Mitgliedern, darunter befinden sich Akademie - Präsident Becker, Reinhold Begas (Berlin), Professor Albrecht (Königsberg), Hofrat Ackermann (Dresden), Generalkonsul Behrens (Hamburg), Kammerrat Weidert (München), Landes-Direktor Levetzow, Direktor Marius, Handelskammerpräsident Molinary (Breslau), Kommerzienräte Paffavant (Frankfurt a. M.), Jörger (Mannheim), Konsul Beuger (Stuttgart) u. Albertus v. Ohlendorf (Hamburg.) — Staatsminister Dr. Friedenthal hat mit allerhöchster Genehmigung aus seinem Gute Gießmannsdorf bei Neisse ein Majorat gebildet. Herr Dr. Friedenthal hat keine direkte männliche Descendenz. Majoratserbe wird laut Stiftung der älteste Sohn seiner mit dem Freiherrn von Falkenhausen auf Bielau vermählten Tochter. Die künftigen Majoratsbesitzer
Die Anger edete maß die kleine, zierliche Gestalt mit einem Blick der Verwunderung unb fragte: „Wer sind Sie?"
Ich bin seit einer Stunde zu Madames persönlicher Bedienung befohlen. Ich heiße Marion."
„Nun gut, Marion, wer hat Sie herbeigerufen?" „Der Herr, der mit Ihnen gekommen, Madame." „Wo befinde ich mich denn eigentlich?"
„Im Hotel de Rome, Madame."
„Und wie bin ich hierher gekommen?"
„DaS weiß ich nicht. — Vor einer Stunde erst kam der Diener des Herrn zu mir und bestellte mich unverzüglich hierher."
„Wie heißt jener Herr?"
„Ich habe ein schlechtes Gedächtnis für diese deutschen Namen, bei denen man nichts denken kann.
„Graf Dammark vielleicht?"
„Nein, es war anders. — Im Vorzimmer warten seit geraumer Zeit schon eine Menge Mädchen, welche beauftragt find, die verbrannte Garderobe von Madame zu ergänzen. Darf ich fie eiuloffen, damit Madame ihre Wahl treffen kann?"
Sie nickte in Gedanken verloren und bemühte sich, einen Zusammenhang zwischen heut und gestern herauszufinden. Wie war eS denn nur gekommen? Felix hatte fte hierher berufen. Sie war in einem Hotel abgestiegen, hatte dann eine AuSeinandersstzung mit Felix gehabt; das hatte ihr die Stimmung verdorben für den ganzen Tag. So kam eS, daß fie früh zur Ruhe gegangen war und dann plötzlich aus dem Schlaf geschreckt wurde, durch den entsetzlichen Ruf: „Feuer! Feuer I“ Sie hatte in ihrer Ängst kaum so viel Geistesgegenwart behalten, irgend eines der herumliegenden Kleidungsstücke über die Schultern zu werfe«. Dann war fie hinausgestürzt in sinnloser Hast der Treppe zu; aber schon züngelten helle Flammen daran herauf. Ts war zu spät. Der Rauch benahm ihr den Atem, fte taumelte, sank nieder und dann schwand ihr Bewußtsein gänzlich. Welch gütiges Geschick sich ihrer erbarmt, fie wußte eS nicht; aber fie »ar ihm
werden, wie die „Nat.-Zig." mitteilt, den Namen Freiherren von Friedenthal-Falkenhausen führen.
Koblenz, 31. Okt. Kaiserin Augusta ist heute 41/» Uhr mit dem Sonderzuge hier wohlbehalten angekommen. Bis Karlsruhe hatten die grobherzoglich badischen Herrschaften der Kaiserin das Geleit gegeben.
Aus Lippe-Detmold, 30. Okt. Ganz unerwartet ist der Landtag auf Mittwoch, den 2 Noveinber, einberufen worden. In dem Einladungsschreiben wird den Abgeordneten mitgeteilt, daß die Sitzungen des Landtags nur geheime fern werden, da dem Kabinettsministerium daran liege, daß der Verhandlungsgegenstand vorläufig nicht zur allgemeinen Kenntnis gelange.
Stuttgart, 31. Okt. Zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs Karl im Jahre 1889 wird, wie der „M. A. Ztg." berichtet wird, die Veranstaltung einer Landesgewerbe-Ausstellung beabsichtigt.
München, 31. Okt. Der Prinzregent verlieh dem Hoftheater-Jntendanten von Perfall das Großkreuz des Michaelsordens.
Ausland.
Wien, 31. Okt. Das Herrenhaus nahm ohne Debatte den Gesetzentwurf, betreffend die provisorische Regelung der Handelsbeziehungen zu dem deutschen Reiche und zu Italien, an. Am Schluffe der Sitzung erklärte Ministerpräsident Graf Taaffe im Namen des Kaisers dm Reichsrat für vertagt.
Bern, 31. Okt. Von den bis jetzt bekannten 144 Nationalratswahlen entfallen 98 auf die radikaldemokratische Partei , 5 auf das liberal-konservative Zentrum, 41 auf die konservativ-ultramontane Partei.
Rom, 1. Nov. Wie der „Osservatore Romano" meldet, brachte der Kardinal Fürst Hohenlohe dem Papste anläßlich seines Priesterjubiläums die Glückwünsche des deutschen Kronprinzen dar. Der Prinz- Regent und die Königin-Mutter von Bayern gratulierten dem Papste unter Uebersendung reicher Geschenke brieflich.
Paris, 1. Nov. In der gestrigm Sitzung der Akademie der Wissenschaften teilte Graf Lesieps mit, der Panamakanal würde am 3. Februar 1890 eröffnet werden. Die Arbeiten würden dann zwar noch nicht ganz beendigt sein, doch würden täglich zwanzig Schiffe passieren können. — Dem „Journal des Debats" zufolge, beabsichtigt der französische Botschafter in London, Waddington, seinen Posten aufzugeben. Als Nachfolger desselben wird Graf Chaudordy genannt.
Madrid, 30. Oktbr. Artikel 2 eines Dekrets
bantbar; denn sie liebte das Leben — trotz allem. — Da trat Marion wieder ins Zimmer unb hinter ihr folgte ein ganzer Zug der Bediensteten verschiedener großer Geschäfte. Und diese begannen nun ihre Herrlichkeiten vor der Dame anSznbreiten. Nach Verlauf von weniger als einer Stunde war Marion im Stande, ihre Herrin mit einer Toilette zu schmücken, zu der nicht die geringste Kleinigkeit fehtte.
Da ließ Fritz Klausner anfragen, wann er der gnädigen Frau feine Aufwartung machen dürfe, nm fich nach ihrem Bl finde« zu erkundigen. Und diese Bitte wurde ihm sofort gewährt. In merklich er. regtem Zustande musterte er, nachdem fein Diener ihm diese Antwort überbracht, vor dem Spiegel seinen Anzug und sein Aussehen schickte dann Joseph voran, ihn zu melden und trat endlich herzklopfend bei ihr ein, bei ihr, der während dieser ganzen Nacht feine Gedanken ausschließlich gehört hatten. Aber er wurde nicht empfangen, wie er es sich in der Nacht ausgemalt, mit einem stolzen, kleinen Neigen des schönen HanpteS und einem kühlen Wort des Dankes. Nein!
Als er eintrat, wandte fie ihm das Antlitz zu. Ein langer Blick dieser großen, tiefen Augen, die er zum ersten Male sah und die eine magnetische Kraft auf ihn auSznÜben schienen, heftete fich auf sein Gesicht; bann eilte fie ihm entgegen, reichte ihm beide Hände und bemühte fich, etwas zu sagen. Plötzlich aber Übergoß tiefe Glut ihr schönes Antlitz und den stolzen Nacken, und fie senkte wortlos die Lider--
Marion, der Joseph augenscheinlich gefiel, hatte fich, ohne erst auf Erlaubnis zu warten, aus dem Zimmer gestohlen.
ES war eine recht peinliche Pause, und doch wollte Beiden nichts einfallen, womit sie dieselbe unterbrechen könnten. Endlich erkundigte fich Fritz, ob fie sich von den Schrecken der Nacht erholt habe. Da war daS Eis gebrochen.
Er mußte ihr erzählm, wie alles gekommen, wie fie dem sichern Tode entgangen. Er erzählte und war bei jeder Frage, die fie dazwischen that, von
vom 27. Oktober beauftragt eine Kommission mit Aufsuchung der Mittel zur Aufhebung der Spiritus- Denaturirung. Die Verordnung tritt erst in Kraft, wenn die Kommission ihre Aufgabe erledigt hat.
London, 31. Oktbr. Offiziell wird gemeldet: Lord Lytton wurde zum Botschafter in Paris ernannt. Die Königin verlieh dem bisherigen Botschafter daselbst Lord Lyons die Würde eines Earl. — Das Obergericht in Mullingar (Irland) bestätigte das Urteil, wodurch der Deputierte Sayden wegen Aufreizung zu Ordnimgsstörungen gelegentlich der Ausweisung von Pächtern zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten mit Zwangsarbeit verurteilt worden ist. — Das Appellgericht bestätigte die über O'Brien wegen aufrührerischer Reden vom Gericht in Michelstown verhängte Gefängnisstrafe von 3 Monaten. — Nachrichten aus Middleton melden, daß O'Brien nach der Verkündigung des Urteils des Appellgerichts das Gerichtsgebäude verlaffen wollte, woran er jedoch durch die Polizei verhindert wurde. Die anwesenden Freunde O'Briens protestierten gegen die Verhaftung ohne vorherige Erlaffung des Verhaftsbefehls. Der letztere wurde schließlich unter fortwährendem Lärmen ausgefertigt und O'Brien nach einem heftigen Kampfe mit der Polizei festgenommen und unter Militär- escorte in das Gefängnis von Cork gebracht. — Nach einer Reutermeldung aus Kapstadt ist Umquikela, der Oberhäuptling des Pondolands, gestorben.
— 1. Nov. In der Versammlung der Unionisten in Truro bemerkte Lord Hartington bezüglich der neulichen Rede Harcourts, worin dieser Gladstone mit Bismarck und Cavour verglich, diese Staatsmänner verdienten die hohe Würdigung und Verehrung ihrer Landsleute, weil sie große Staaten schufen und befestigten und Völker einigten, welche dieselbe Sprache sprechen, während die Geschichte dereinst konstatieren müffe, daß Gladstone alle Anstrengungen gemacht habe, um die politischen Bande, welche die Völker des britischen Reiches verbinden, zu lockern.
Dublin, 31. Okt. Gegen das Unterhausmitglied Cox ist eine gerichtliche Vorladung erlassen worden, weil er der von der Regierung verbotenen Versammlung der Patriotenliga in der Grafschaft Clare bei- gewohnt hat.
Sofia, 1. Nov. Die Sobranje nahm einstimmig eine Adresse an, welche der innigsten Dankbarkeit gegen den Prinzen Ausdruck giebt, mit Genugthuung die Sympathien des Sultans und der Mächte für Bulgarien hervorhebt und bemerkt, die Deputierten würden vor keinem Opfer zurückschrecken, um das von dem Prinzen im Interesse des Vaterlandes und zum
neuem entzückt über den weichen, vollen, tiefen Klang ihres Organs, und dabei beobachtete er den wechselnden Ausdruck ihres Gesichtes, daS bald erbleichend in der Angst, die er nm ihr Leben erlitten, bald errötend in holder Scham bei dem Gedanken, wie er sie auf seinen Armen getragen, deutlich ihre Gefühle wiederspiegelte. Als er zu Ende war mit feinem Bericht, streckte fie ihm beide Hände entgegen und flüsterte leise: „Mein Retter! Dank!"
Aber er wehrte diesen Dank ab. „Nicht doch, nicht doch 1 Ich habe eine ziemlich jämmerliche Rolle bei dieser Rettung gespielt. Wenn Sie mir denn durchaus ein Verdienst zuschreiben wollen, so könnte es einzig das fein, Sie hier einigermaßen bequem und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit unter Dach gebracht zu haben. Ist dies der Fall, gnädige Frau?"
„Oh," fie errötete wieder, „nur zu sehr. Ich fürchte im Gegenteil, daß Sie — meine Verhältnisse — bei weitem überschätzt haben. Ich werde nicht im Stande fein, einen längeren Aufenthalt in diesen Räumen mit meinen bescheidenen Mitteln zu bestreiten und werde mich gezwungen sehen, mir ein weniger elegantes Zimmer anweisen zu lassen, besonders da ich fürchten muß, daß ich bei dem Unglück heute Nacht meine kleine Baarschaft bis auf den letzten Heller verloren habe."
Er wollte sprechen, aber fie legte, Ruhe gebietend, einen Moment ihre Hand auf seinen Arm und fuhr fort: „Ich sage Ihnen das nur, um in ihren Augen nicht als Undankbarkeit erscheinen zu laffen, was doch nur Notweudigkett ist. Nicht wahr? Sie werden eS nicht mißdeuten, wenn ich diese Appartements, in denen ich heut mit einem so wohligen Gefühl des GeborgeufeinS erwacht, noch vor abend verlasse. ES ist ja keine Schande, nicht reich zu sein."
Jetzt unterbrach er aber doch.
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Sie schüttette leicht mit dem Kopf: „Nicht doch! Ich bin nicht verheiratet."