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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsbiatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-AdonnementS-Preis bei der Expedition 2Mk-, bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertiensgebühr für die gespaltene Zeile W Pkg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 30. Oktober 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstei» und Vogler in Frankfurt a. M-, Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIL Mraatta Moffe inFrankfutta.M.,Berlin,Münchenu. Köln; G- L.
Daube u. Go. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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Für die Monate November und Dezember nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande die Landpostboten, sowie in Kirchhain nnsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen auf die
Oberhessische Zeitung mit deren Beiblätter entgegen.
Bestellungen für hiesige Stadt nehmen unsere Expedition und nnsere Zeitungsträger an.
Mehrfachen Wünschen entsprechend, haben wir auch ein Wochen-Abonnement zum Preise von 20 Pfg. eingerichtet, Bestellungen unter Beifügung des Betrages werden stets von Montag an bei der Unterzeichneten entgegengenommen und die Zeitung mit ihren Gratis-Beiblättern hier- ftr frei ins Haus geliefert.
Exped. d. Oberh. Zeit.
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Wochenschau.
Kaiser Wilhelm ist durch eine leichte Erkältung
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verhindert, den Hofjagden beizuwohnen. Die ruhigen Wochen in Baden-Baden waren ihm so vortrefflich bekommen, daß er sich ohne Nachteil für sein Befinden
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nach Wernigerode hat begeben und der Einladung des Grafen Stolberg entsprechen können. Der Kaiser war auch hier der gute Schütze, der er ist. Von dem Kronprinzen brachte der Prinz Wilhelm, welcher zur Feier des Geburtstages nach Baveno gereist war, die besten Nachrichten ein. Die Genesung von dem Hslsleiden schreitet zwar sehr langsam nur, aber doch sicher fort. In diesen Tagen wird die kronprinzliche
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Familie von Lago Maggiore nach San Remo am Mittelmeere übersiedeln, wo der Aufenhalt für den Winter genommen wird. Es läßt sich also erhoffen,
daß der Kronprinz zum Frühjahr in voller Gesundheit nach Deutschland wird heimkehren können.
Der heftige Streit zwischen der österreichischen Regierung und der Czechenpartei zieht sich langsam zu. Für diesmal kommt es noch nicht zum Bruch, aber alle guten Patrioten in Wien sehen doch den Uebermut der Czechen mit Sorge. Auf die Dauer kann es so nicht weiter gehen. — Viel Aufsehens macht ein Diebstahl von Befestigungsplänen in der galizischen Festung Przemyk. Es soll sich aber nur um weniger wichtige Akten handeln, mit denen der Spitzbube über die russische Grenze geflohen ist.
Das große Ereignis dieser Woche hat sich im entlegenen Winkel Oberitaliens, in der alten Hauptstadt Turin, abgespielt. Der italienische Ministerpräsident Krispi hat dort seine Programmrede gehalten, die nach seiner Reise zum Fürsten Bismarck nach Friedrichsruhe mit verdoppelter Spannung erwartet wurde. Und die Bedeutung der Rede rechtfertigte diese Spannung vollkommen. „Wir haben uns um den Frieden verdient gemacht!" So hat Fürst Bismarck beim Abschiede in Friedrichsruhe zu seinem italienischen Kollegen gesagt, und diese Worte geben den Grundton der Krispischen Rede an.
Am Dienstag sind nun auch in Paris die französischen Kammern eröffnet worden und haben gleich eine hübsche Portion Arbeitsmaterial erhalten. Man nahm aber zuerst zu dem Ordensschacher und dem Caffarel-Skandal Stellung und beschloß mit sehr großer Mehrheit die Niedersetzung einer parlamentarischen Kommission, welche die Sache sofort untersuchen soll, trotzdem Minister Rouvier dagegen protestierte unb. bat, man möge doch der gerichtlichen Untersuchung nicht vorgreifen. Diese kleine Schlappe wird übrigens keine bösen Folgen für das Ministerium weiter haben; der Hieb war hauptsächlich gegen den in die Schwindel- affaire mit verwickelten Herrn Wilson, Den Schwiegersohn des Präsidenten Grsvy, gerichtet. Wilson ist auch von seinen Wählern in Tours in einer sehr stürmischen Versammlung aufgefordert worden, sein Mandat niederzulegen. Der präsidentliche Schwiegersohn befindet sich also in keiner angenehmen Lage.
Die schon lange schwebenden Verhandlungen zwischen Frankreich und England wegen Neutrali- sierung des Suezkanals und Räumung der Neuen Hebriden-Inseln sind nun endlich zum Abschluß gekommen. Die Franzosen räumen die Neuen Hebriden unter der Bedingung, daß der Suezkanal für neutral erklärt wird. Zu letzterem werden wohl alle Großmächte ihre Zustimmung geben.
In London haben die beschäftigungslosen Arbeiter,
unter die sich immer mehr rohes Gesindel mischt, wiederholte Lärmszenen veranstaltet, sind aber von der Polizei leicht auseinander getrieben worden. Zu Blutvergießen ist es nicht mehr gekommen. Es finden jetzt auch umfassende Sammlungen zum Besten der Notleidenden statt. Auf Irland ist alles unverändert. Aus Afghanistan kommt die bestimmte Nachricht, daß der Prätendent Ejub sich wirklich unter seinen Anhängern befindet, und nur einen günstigen Moment abwartet, einen großen Schlag gegen seinen Vetter Abdurrahman zu thun.
Kaiser Alexander von Rußland ist durch die Masernkrankheit seiner Kinder immer noch in Schloß Fredensborg bei Kopenhagen zurückgehalten und wird auch schwerlich vor Mitte November den Heimweg nach Petersburg antreten. Wahrscheinlich wird ihn die Rücksicht aus seine Kinder doch zur Reise durch Deutschland zwingen, von einem Besuche Kaiser Wilhelms ist indeffen keine Rede mehr.
Die bulgarische Nationalversammlung in Sofia ist durch den Fürsten Ferdinand in feierlicher Weise eröffnet worden. Die Vertreter der Großmächte waren natürlich nicht zugegen. Im Lande selbst ist alles still, denn Ministerpräsident Stambulow hat eine sehr schwere Hand. In Konstantinopel hat der russische Botschafter den Sultan wieder einmal aufgefordert, gegen Bulgarien vorzugehen. Was soll der „kranke Mann" aber anfangen, wenn der mächtige Zar nichts hat ausrichten können? An der Donau oll ein Attentäter auf den Fürsten Ferdinand verhaftet sein. Es steckt wohl schwerlich viel dahinter. König Milan von Serbien ist nach Belgrad heimgekehrt, während seine Gemahlin, die schöne Natalie, nach Florenz gereist ist. Die serbische Regierung hat eine entschiedene Note nach Konstantinopel gerichtet, in welcher sie über die fortwährenden Grenzüberfälle durch türkische Arnauten recht energisch Klage führt.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Oft. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser mußte einer leichten Erkältung wegen die Fahrt zur Jagd nach Hubertusstock aufgeben. — Der Kaiser empfing heute nachmittag den Hauptmann Grafen Werder, der die Orden seines verstorbenen Vaters zurückgab, alsdann zwei Offiziere, die als Instruktoren nach China gehen, und hierauf den Fürsten Pleß. Mit der Abhaltung der morgigen Jagd bei Hubertusstock ist Prinz Wilhelm vom Kaiser beauftragt worden. — General - Feldmarschall Graf v. Moltke veröffentlicht folgendes Dankschreiben: „Zu meinem Geburtstage am 26. Oktober sind mir auch
dieses Jahr wieder schriftlich und telegraphisch so zahlreiche Glückwünsche von Privaten, Vereinen und Korporaiionen zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, allen Beteiligten persönlich zu danken. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen verbindlichsten Dank und die Versicherung aussprechen zu dürfen, daß das mir ausgedrückte freundliche Wohlwollen mich in hohem Maße erfreut hat. Kreisan, den 27. Oktober 1887. — Der Bundesrat erklärte sich in der am 27. d. M. unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretärs des Innern, von Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung damit einverstanden, daß für die internationale Ausstellung in Melbourne im Jahre 1888 ein Reichskommissar entsendet, und daß zur Be- treitung der hierdurch sowie der durch die allgemeine Ausschmückung und durch die Beaufsichtigung der deutschen Ausstellungsräume entstehenden Kosten der erforderliche Betrag in den Reichshaushalts-Etat für 1888/89 ausgenommen werde. Ferner wurde in der Sitzung Beschluß gefaßt: über den Beginn und das Ende des Rechnungsjahres bei der Unfallversicherung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, über die Bildung von Bernfsgenossenschaftm der Unternehmer land- und forstwirtschaftlicher Betriebe je für das Gebiet des Herzogtums Anhalt, des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt und des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, über den Erlaß von Branntweinsteuer in den hohenzollernschen Landen, über die Besetzung mehrerer Steuerbeamtenstellen bei dem vereinsländischen Hauptzollamt in Hamburg, über die Zulassung von Ausnahmen von den Vorschriften über Einrichtung der Anlagen zur Anfertigung von Zündhölzern und über die Befetzung einer Ratsstelle bei dem Rechnungshöfe des Deutschen Reichs. Seitens des Ausschusses für Rechnungswesen wurde über die allgemeine Rechnung zu dem Reichshaushalt für 1883/84 nebst den dazu vom Reichstag gefaßten Beschlüssen Berichtet erstattet. Eine Eingabe der Dynamit-Aktiengesellschaft zu Hamburg, betreffenb die Lage der Sprengstoff - Industrie in Deutschland , wurde dem Reichskanzler überwiesen. Von der Zusammenstellung der Berichte der mit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten für das Jahr 1886 nahm die Versammlung Kenntnis und beschloß, einer Eingabe, betreffend die Zuckerausfuhrvergütung für gemahlene Raffinade, sowie einem Gesuche wegen Bewilligung eines Privat-Transitlagers für Schweine beziehungsweise Schweinefleisch keine Folge zu geben. Endlich wurde noch über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt.
Breslau, 28. Okt. Die protestantenvereinliche
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Böses Gewissen.
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Original-Roman von Tr. Rindler.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Da stieß sei» Fuß an etwas, was im Wege lag. Er bückte sich und tastete darnach; denn zu sehen vermochte er kaum mehr. Es war ein menschlicher Körpers und das lange Haar verriet, daß es ein Weib war. Er rüttelte sie mit lautem Ruf; aber sie rührte sich nicht. War fie jchon tot, erstickt in dem furcht- baren Rauch? ob c nur bewußtlos vor Schreck und Angst? Der grnyrote Schein hinter ihm wurde immer stärker, und seine Brust begann zu schmerzen in der Atemsnot. Im nächsten Moment hatte er M Anstregung der letzten Kräfte das bewußtlose Weib auf feine Arme gehoben und eilte nun, so schnell seine zitternden Kniee es erlaubten, den dunklen Gang hinab. Dort war eine Thürl Er rüttelte daran; — fie war verschlossen; dort noch eine, fie flab seinem Druck nach, im nächsten Moment stand et mit seiner Bürde in einem Zimmer, dessen Luft denigstenS wieder zu atmen erlaubte. Schnell schlug er die Thür hinter sich zu und ließ dann die Be- vußtlose von seinem Arm auf einen Sessel nieder. Bleiten.
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Aus einem Tische daneben brannte eine Lampe, während die Möbel fast sämtlich umgestürzt oder un> ordentlich umherstanden und lagen; ein Zeichen der hastigen Flucht der Bewohner des Zimmers. Fritz Klausner aber sah von alledem nichts. Er war an das Fenster gestürzt und schaute hinaus. Eine dichte Menschenmasse von der jenes eigentümliche lärmende Gesumm auSging, das er schon iyi Traume gehört, wurde dort unten von wachhabenden Polizisten nur mit Mühe so weit zurückgehalten, daß fie die Feuerwehr in ihren Ausübungen nicht behinderte. Er wußte versuchen, sich dort unten bemerklich zu machen, damit ihm eine Leiter angelegt wurde oder wenigstens rin Springtuch sein Wagnis, aus einem der Fenster
zu entkommen, weniger gefährlich machte. Er wandte sich und riß eine Decke von einem Tischchen, um mit ihr den Leuten ein Zeichen zu geben; denn sein Rufen würde man nicht hören in dem finnbetäubenden Lärm. Da fiel ihm ein, daß er nicht nur für sich zu sorgen hatte. Jene Bewußtlose, die er mit Aufbietung aller Kräfte hierhergebracht, er mußte auch weiter für fie sorgen. Aber lebte sie denn noch? Er trat zu ihr; der Schein der Lampe fiel voll auf ihre Gestalt und wie geblendet blieb er stehen. Ah, solche Schönheit hatte er noch nicht geschaut.
Das marmorbleiche Haupt ruhte weit zurückgelehnt ans der Lehne des Sessels. Die vollen Lippen waren halb geöffnet und ließen ein klein wenig das Perlenweiß der Zähne durchschimmern. Das in langen Strähnen herabhängende tiefschwarze Haar floß wie ein Mantel um die weißen Schultern. Das Ans- brechen des Feuers mußte auch fie im Schlafe überrascht haben, denn fie war nur notdürftig bekleidet.
Fritz Klausner hatte alles um fich her vergessen im Anblicke dieser Schönheit; die nnwlllkürlich gefalteten Hände zum Gesicht erhoben, stand er da, wie etwa ein Künstler vor einem griechischen Götterbilde, in anbetende Bewunderung versunken. Da — ein erschütterndes Krachen. Es mußte die Treppe fein, die zusammengestürzt. Das gab ihn der Gegenwart und der Gefahr, in der er sich befand, zurück.
Er blickte suchend im Zimmer umher. Da hing ein langer Mantel von dickem, weichem Wollenstoff, in den hüllte er die schöne, willenlose Gestalt, und dann eilte er zum Fenster, riß es ans und wehte mit der Decke hinaus. Jetzt hatten einige Menschen unten ihn bemerkt. Mau rief, man zeigte hinauf, man brachte Leitern, fie waren aber zu kurz; man beriet, man schrie, man drängte hier- und dorthin. Fritz knüpfte einen Zipfel der Decke um das Fenster kreuz, damit die unten es in der langen Reihe nicht verwechseln könnten. Jetzt wußte er ja, man würde ihm Hilfe bringen, ihm unb ihr.
Er eilte zu ihr zurück und neigte fein Ohr dicht
an ihre Lippen. Ein leises, kaum merkliches Atmen sagte ihm, daß fie lebe. Und wieder vergaß er, während dieser leise Hauch seine Wange streifte, die drohende Gefahr.
Immer dichtere Rauchmaffen quollen durch die Thürspalte, aber er bemerkte es nicht, und doch glaubte er wahrzunehmen, daß der kalte Luftzug vom Fenster her belebend auf das bewußtlose Weib einwirkte. Im nächsten Moment vielleicht kam ihnen Hilfe von unten; er mußte fie andern Händen annertrauen, unb wenn er sie bann morgen wiebersah in d-m Salon irgenb eines andern Hotels, bann würde sie ihm vielleicht entgegentreten in strahlender Toilette, ein paar kühle Worte des Dankes auf den schönen Lippen und ihm kaum erlauben, die schlanken Finger mit feinen Lippen zu berühren. Und das würde alles sein.
Aber nein! Er wollte fich seinen Lohn vorweg nehmen, obgleich ja seine Heldenthat nicht eben groß gewesen. Er kniete nieder an ihrer Seite unb brückte einen heißen Kuß auf ihre vollen Lippen.
Da — ein knackendes Geräusch ganz nahe, ein breiter Riß war ber Länge nach in bie Thür gesprungen unb burch ihn quoll eine Menge glührot leuchtenden Rauches. Mit einem Schrei sprang er empor, schob den Sessel mit der Bewußtlosen nah zum Fenster und begann bann toieber, nach unten Zeichen zu gehen.
Da legte man unten eine Leiter an, bie bis zu seinem Fenster emporreichte. Aber im selben Moment schlugen auch bie Hellen Flammen aus ben Parterre- sensteru unter ihm. Würde es ihm möglich sein, mit dem bewußtlosen Weib auf feinen Armen dies züngelnde Feuermeer dort unten zu passieren? Doch — es galt keine Wahl mehr. Das Feuer ans dem Korridor mußte die Zimmerthür bereits erreicht haben, denn schon leckten gierige Flammen durch den klaffenden Riß. Mit schnellem Entschluß hob er das schöne Weib auf ben Fenstersims, schwang fich bann selbst hinauf, um fich zu dem Wagnis anzuschickeu. Doch
ba hatten die züngelnden Flammen unten schon einige Sprossen auf der Leiter erfaßt. Sie würde unter ihm zusammenbrechen, wenn er fie jetzt mit seiner Last betrat.
Doch ba — geschwinb unb gefdjmeibig wie eine Katze kletterte einer ber Feuerwehrleute bie Sprossen hinan, und ehe Fritz es noch begriffen, stand er oben dicht am Fenster. An feinem breiten Gürtel war ein Strick befestigt. Den schlang er um das Fenster, kreuz, nachdem er es aus seine Festigkeit geprüft und zog nun daran einen langen, breiten, tuchähnlichen Streifen, dessen Ende seine Kameraden unten fest hielten, herauf und schwang fich dann genau in dem Augenblick, in dem bie Thür völlig auseinanderbarst, in das Zttnmer.
»Nun vorwärts," commandirte er, „jetzt hinabrutschen, beide auf einmal; es ist nichts habet zu riSkireu." Und den Blick in die Flammen hinter fich sich geheftet, schlang Fritz seinen Arm um ben Leib des Weibes unb that, wie ihm geheißen.
Eine Minute barauf staub er unten in ber ihn jubelnd empfangenden Menge, während sein Retter oben das Tuch fallen ließ, um bann toieber mit ber Gewandtheit einer Katze an b-m Strick herabznklettern, Fritz eilte auf ihn zu, drückte ihm feine Börse in die Hand und stammelte ein paar erregte Worte des Dankes, die jener aber zurückwies, indem er entgegnete: »Herr, ich habe nur meine Pflicht gethan, und Zeit, Redensarten zu wachen, hab ich auch nicht. Aber wenn Sie mir denn durchaus was schenken wollen, so nehme ich das Geld hier mit Dank an; denn ich bin ein armer Mann und habe fünf Kinder. Und damit Gott befohlen."
Er wandte fich ab, und Fritz sah fich um, ob er nirgends ein Fleckchen entdecken könnte, um einen Augenblick ausznruhen. Da sah er bei einem Häufchen von Koffern und allerhand Reiseutenfilien Joseph sitzen. Er schleppte fich mit Mühe zu ihm hin, bet ihm freubig entgegeneilte.
(Fortsetzung folgt.)