Einzelbild herunterladen
 

MchM IMG

Wöchentliche Beilagen: Kreis - Blatt für die Kreise Marburg

d Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt

Hin

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und » Feiertagen Quartal-Abonnements-Preis bei derExpe-

£aZL dition 2/t 3RL, bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exll.

Bestellgelds. Jnsertinnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 29. Oktober 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Habraana. Moste in Frankfutta. M.,Berlin,Münchenu. Köln; ®. 2. x)

Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover. Patts.

Für die Monate November und Dezember nehmen alle Postan- palten, auf dem Lande die Land­postboten, sowie in Kirchhain nnsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung mit deren Beiblätter entgegen.

Bestellungen für hiesige Stadt nehmen unsere Expedition und unsere Zeitungsträger an.

Mehrfachen Wünschen ent­sprechend, haben wir auch ein Wochen-Abonnement zum Preise von 20 Pfg. eingerichtet, Bestel­lungen unter Beifügung des Be­ttages werden stets von Montag au bei der Unterzeichneten ent­gegengenommen und die Zeitung mit ihren Gratis-Beiblättern hier­für frei ins Haus geliefert.

Exped. d. Oberh. Zeit.

Friede «ach Innen und Anken-

Der Hirtenbttef, welchen der Fürstbischof von Breslau bei dem Antritte dieses Amtes an seine Diözesanen gerichtet hat, ermahnt mit warmen Motten zum Frieden zwischen den verschiedenen Konfessionen Md zum festen friedlichen Zusammenwirken der Kräfte der katholischen Kirche mit denen des Staates zur wirksamen Bekämpfung des gemeinsamen inneren Feindes. Er beweist mit beredten Worten, wie sehr gerade friedliche und steundliche Beziehungen zum Staate den Interessen der katholischen Kirche förderlich sind, während andererseits auch der Staat durch die Beseitigung des Staatskirchenstreits nur ein Element innerer Schwäche entfernt und seine volle Kraft gegen Bedrohungen ton Außen und Innen wicdergewonnen hat. Finden, wie zu erhosten, die patriotischen Worte des friedliebenden Bischofs in den Herzen der preußi-

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rind le r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Würde über die Liebe des jungen Mannes diese Zett überdauern, nachdem sich doch schon jetzt in jenen Briefen dort eine so merkliche Abkühlung deS Gefühls zeigte? Wenn er nun draußen tn der Welt, die er auch eben erst kennen lernte, sich so fesseln ließ, daß er darüber daS unschuldvolle Kind, das dort so glücklich von ihm träumte, vergaß; wenn es daun nicht anderes wäre, als ihr Reichtum, ihr hoher Stang, vou dem sie heut selbst noch nichts ahnte, daS ihn zu ihr zurückführte? O, armes, armes Kindl Du würdest noch schwerere Enttäuschungen durchzu- kosten habe», als jene, die Deine Mutter einst tu die Einsamkeit getrieben. Me aber sie schützen davor?

Und da kam eS wieder, das Fieber. Wahrend der arme Kopf unaufhörlich sich mit der Lösung der Frage mühte: .Wie schütz ich sie davor.*

»Grethe l*

Das junge Mädchen fuhr auS seinen Träumen Mpor. »Oh, Mutier; nicht wahr, Du glaubst auch, morgen muß ich einen Brief von ihm bekommen. ES find mehr als 14 Tage vergangen, seit der letzte ttntiaf.*

»Ich denke, Kind; aber nun bereite mir Limonade; mein Kopf schmerzt, nnd dann setz Dich zu mir und schreibe au ihn.*

,O ja, Mutter! Ich will ihm Mitteilen, daß ich Dir alles gesagt, und eS wird ihn so freuen, einen Gruß von Dir zu bekommeu.*

»Ja, schreib ihm das uod daun, daß ich krank bin, daß ich vielleicht kränker werden könnte; aber mach nicht solch ein erschrecktes Gesicht dazu und daß ich ihn noch sprechen muß. Bitt ihn, zurückzu­kommen; sag ihm, ich könnte nicht warten aus die Vergißmeinnicht.*

Dann sank die Kranke erschöpft in ihrem Stuhl

scheu Katholiken lebhaften Widerhall, so werden sie wesentlich dazu beitragen, die Früchte, welche von dem staatskirchlichen Frieden für die Einigung und Einigkeit des deutschen Volkes zu erhoffen sind, zu zeitigen und jene Elemente, welche den Kultuttampf zur Förderung ihrer gegen das Reich gettchteten politischen Absichten mißbrauchen, mehr und mehr lahm zu legen.

Wenn so der Hirtenbrief des Fürstbischof Kopp aE ein weiterer Schritt vorwärts zur Feststellung des unteren Friedens anzusehen ist, so liefert die Turiner Programmrede des italienischen Ministerpräsidenten Crispi, die wir in ihrem wichtigsten Teil in Bezug ans die äußere Politik in gestriger Nummer mitteilten, de« erfreulichen Beweis von der Festigkeit des Friedens- bündniffes zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien. Der italienische Staatsmann, welcher der nationalen Einigung seines Vaterlandes einen guten Teil seines Lebens und seiner Kraft gewidmet hat, erklärt auf das Bündigste, daß Italien, indem es sich zu Schutz und Trutz mit Deutschland, dem Träger der europäischen Friedenspolitik, verband, zugleich die sicherste Gewähr für die wirksame Förderung seiner eigenen Interessen und die Wahrung seiner europäischen Stellung er­langt hat. Diese Gemeinsamkeit der Interessen giebt der Sympathie zwischen den beiden Völkern, welche sich gleichzeitig und zum Teil in Waffengemeinschaft von einem geographischen Begriff zu nationaler Ein­heit emporarbeiteten, eine feste reale Unterlage; beide Momente wirken zusammen, um dem deutsch-italienischen Bündnis den Charakter der Dauer zu verleihen und damit die in demselben liegende Bürgschaft für den europäischen Ftteden wesentlich zu verstärken.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Okt. Der Kaiier wohnte gestern abend der Vorstellung im Opernhause bei und nahm heute vormittag die Vorträge des Chefs des Militär­kabinetts Generals von Albedyll und des Kriegs­ministers, sowie militärische Meldungen entgegen. Heute nachmittag empfing der Kaiser den Gouverneur von Kamerun von Soden und den Minister von Puttkamer und machte darauf eine Spazierfahrt. Der Bundesrat genehmigte die Entsendung eines Reichskommissars zur Ausstellung in Melbourne und die Uebernahme der dadurch, sowie durch die Aus­schmückung und Beaufsichtigung der deutschen Aus­stellungsräume entstehenden Kosten auf das Reich. DieNordd. Allgem. Ztg." bemerkt betreffs des zu Anfang November bevorstehenden Zusammentrittes des Deutschen Landwirtschaftsrates, derselbe werde auch

zurück, und eS wurde ganz still in dem Zimmer, in dem Häuschen, über der ganzen weiten Landschaft.

»Mein Gott, wo steckt denn wieder der Zimmer­kellner von der ersten Etage!* rief der Portier. »Nummer 10 hat schon sechsmal geklingelt, und der Kerl läßt sich nicht blicken. Er wird wieder eine Flasche Wein über Seite gebracht haben uod ist nun in einer Ecke eingeschlafen.*

Da klingelte es zum siebenten Male. Als der so Geschottene endlich die Thür oben öffnete, sand er nur den Diener deS Herrn von Nr. 10, der in barschen Worten daS Fremdenbuch verlangte.

»Hm,* brummte der Kellner vor sich hin, »nach der Grobhett des Dieners zn urteilen, müßte sein Herr sehr vornehm sein; dabei trägt er doch einen schlicht bürgerlichen Namen, ohne jeden Titel, nicht einmal ein Doktor. Na, jedenfalls gleicht sein Geld- sack diesen Mangel ans.* Mit dieser weisen Schluß­folgerung war er wieder die Treppe hinaufgeeill und überreichte daS verlangte Buch, das der Diener ohne Dank in Empfang nahm und damit in das Schlaf- zimmer seines Herrn ging, wo dieser eben int Begriff stand, sich zu erheben.

»LieS,* sagte er mit einem Blick auf das Buch.

»Joseph schlug dasselbe auf und las gqnze NamenS- regifter der während des gestrigen Tages unb der letzten Nacht eingetroffenen Fremden. Es war eine ganze Reihe. »Hortense Donalis, Fränlein mit Be­dienung,* schloß er, »woher fie stammt, ist nicht an­gegeben.*

»Nun, fie wird aus Krähwinkel oder sonst einem Nest kommen unb will sich damit nicht blamieren. UebrigenS ein sonderbarer Name das. Aber wer weiß, was für eine Schachtel sie ist. Nun, und hast Du eine Spur?'

»Der gnädige Herr meinen von der Fremden?' »Von wem sonst?*

»ES ist mir nicht möglich gewesen ttotz allen aus- gewandten Eifers.*

die Frage der Aufhebung des Jdentttätsuachweises bei der Getreideausfuhr und die Frage der Erhöhung der Getteidezölle beraten, die wahrscheinlich in nicht ferner Zeit die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches resp. Preußens beschäftigen würden. Dasselbe Blatt schreibt ferner an hervorragender Stelle: In der französischen Presse sowohl wie in der englischen wird im Allgemeinen lebhafte Befriedigung ausge­sprochen über den Abschluß eines Abkommens zwischen England und Frankreich, welches die Stellung der beiden Länder zu einander bezüglich des Suezkanals und der Neu-Hebriden definittv regeln soll. Auch hier liegt kein Grund vor, eine solche Verständigung anders als sympathisch zu begrüßen, da dieselbe, wenn sie erst perfekt geworden fein wird, dazu angethan ist, ein weiteres Unterpfand für die Erhaltung des europäischen Friedens zu bieten und eine der Schwierigkeiten, welche diesen gefährden, zu beseitigen. In Sachen des Verdingungswesens ist der Handelskammer zu Osnabrück folgendes Reskript des Reichskanzlers zugegangew: Die von dem königlich preußischen Herrn Minister für Handel und Gewerbe mir in Abschrift mitgeteilte Eingabe der Handelskammer vom 25. Januar d. I. hat mir Veranlassung gegeben, die gewünschte ein­heitliche Regelung des Verdinguugswesens bei den obersten Reichsbehörden ins Auge zu faffen. Nach dem Ergebnis der Erörterungen werden fortan, ab­gesehen von dem Resiort der kaiserlichen Admiralität, in sämtlichen Zweigen der Reichsverwaltung die von dem königlich preußischen Herrn Minister der öffent­lichen Arbeiten unter dem 17. Juli 1885 erlassenen Vorschriften über das Verdingungswesen der Regel ^nach ebenfalls zur Anwendung gebracht werden. Was die kaiserliche Marineverwaltung anlangt, so machen hier die eigenartigen Verhältnisse noch weitere Erwägungen notwendig; jedenfalls wird aber auch in dem Ressort der kaiserlichen Admiralität ein abweichen­des Verfahren nur in solchen Fällen zugelassen werden, in welchen dies durch die Natur der zu vergebenden Leistungen und Lieferungen geboten ist. Aeußerem Vernehmen nach ist der Termin für die Anmeldungen von Ausstellungsgegenständen für die internationale Ausstellung zu Melbourne im Jahre 1888 bis zum 31. Dezember d. I. verlängett.

In der neuesten Schiffsliste der deutschen Kttegsflotte finden sich insgesamt 103 Schiffe und Fahrzeuge enthalten. Den aktiven, zu wirklichen Kriegsleistungen und weiten Kriegsfahrten bestimmten Stamm bilden hiervon jedoch nur 62 Schiffe und Fahrzeuge. Gestrichen und abgesetzt von der Liste ist von diesen neuerdings die Kreuzer-FregatteElisabeth."

»Dummkopf!'

Dabei ließ sich der Herr von Nr. 10 vor dem Toilettenspiegel nieder »nd Joseph begann, ihm das Haar zu ordne».

O hätte Fritz Klausner damals, als er sich der intimeren Bekanntschaft deS Herrn Gerichtsvollziehers Schrader erfrente, der mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, vietteljährlich mindestens eine Exekution fruchtlos vollstreckt, einen einzigen Blick in die Zukunft werfen können und sich in dieser Situation erblickt, tote er da eben fei» üppiges Lockenhaar, auf das er nicht wenig stolz war, den ordnenden Händen eines Kammerdiener anver- iraute! Er selbst lachte hell aus bei diesem Ge­danke». Und was hätte erst der gute, alte, dicke Schrader dazu gesagt, dem er doch mehr als einmal fünf Mark abgeborgt, wenn er gekommen war, ihn auSzupsänden. Ja, was daS Geld nicht alles aus einem Menschen machen kann. Damals war er ans seinen täglichen Wegen mit einem Umweg um das HauS seines Schneiders hervmgegangeu, um nur nicht etwa die verhungerten Gesichter der fünf Kinder am Fenster zu sehen, die ihn tote lebendige Mahnzettel für die verschiedenen unbezahlten Rechnungen auf seinem Schreibtisch anblickten.

Und jetzt? Nachdem er Herr eines großen Ver­mögens geworden, obgleich das noch gar nicht seit langer Zett war, fühlte er sich so unendlich erhaben über dergleichen Kleinlichkeiten des Lebens, daß er sich sogar schon einmal bis zu dem Mangel an Pa­triotismus vettrrt hatte, sich einen Gesellschass-Anzug aus Paris kommen zu lassen. Und was hatte er denn eigentlich von seinem Reichtum? Er hatte fich unverzüglich mitten in den Sttudel gestürzt; er hatte das Leben genossen, was man so Genießen nennt; er hatte mit so hastigen Züge» von dem Becher der Freude geschlürft, daß er ihm nun schon schaal vor- kam, daß er an nichts mehr einen rechten Genuß fand. Damals o, wie harrte er sehnsüchtig dem Sonn­tage entgegen, um wieder in die h..llen Augen der

Nächstdem sind diesem Teil der Liste eingefügt die den Kreuzer - Korvetten zugeteilten beiden neuen ge­schützten KreuzerIrene" undPrinzeß Wilhelm", wie der neue AvisoWacht", deren innere Aus­rüstung noch aussteht und die deshalb für eine un­mittelbare Dienstleistung noch nicht verwendbar sein würden. Endlich ist derArminius" unter den Panzerfahrzeugen noch mit angesetzt, der schon feit einer Reihe von Jahren nicht mehr in Dienst gestellt worden ist. Die Zahl der unmittelbar verwendungs­fähigen Schiffe und Fahrzeuge würde sich soweit nur auf 58 stellen, und zwar auf 13 Panzerschiffe, wovon die beiden PanzerfregattenKronprinz" undFriedrich Karl", wie die Panzer-KorvetteHansa" wegen ihrer zu geringen Panzerstärke allerdings als eigenttiche Schlachtschiffe wohl nur noch bedingungsweise ver­wendbar erscheinen dürsten; 14, oder nach Abzug desArminius", ebenfalls nur 13 Panzerfahrzeuge, von denen jedoch, wie man derM. Ztg." schreibt, nur die beiden neueren Hochsee - Panzerkanonenboote Brummer" undBremse" zu je 1 Geschütz, 1500 Pferdekraft und je 73 Mann Bemannung den neueren Ansprüchen an derartige Fahrzeuge genügend erachtet werden können. Ferner acht Kreuzer-Fregatten, eben so viele Kreuzer-Korvetten und mit Einrechnung der beiden dieser Schiffsgattung zugeteilten geschützten KreuzerIrene" undPrinzeß Wilhelm", wenn deren Ausrüstung beendet, 10 derartige Schiffe, 6 Kreuzer, 5 Kanonenboote und mit Einrechnung der Wacht" 6 Aviso. Von den zehn Schulschiffen würden bei Erfordern die Kreuzer-FregatteBlücher", gegen­wärtig Torpedo-Schulschiff, und die ehemaligen Kreuzer- KorvettenAriadne" undLuise", wie von den 31 zu anderen Zwecken bestimmten Schiffen und Fahr­zeugen die kaiserliche YachtHohenzollern", der noch als Stationsfahrzeug in Konstantinopel in Verwendung befindliche AvisoLoreley" und die beiden ehemaligen AvisoFalke" undPommerania", zusammen also 7 Schiffe, vielleicht zu einer aktiven Verwendung noch mit herangezogen werden können. An Flaggoffizieren und Stabsoffizieren des Seeoffizierkorps sind zur Zeit zwei Vize-Admirale (Graf v. Monts und v. Blanc), fünf Kontre-Admirale (Freiherr von der Goltz, Knorr, Pirner, Paschen und v. Kall), 31 Kapitäne zur See und 54, oder mit Einrechnung des eben erst in diese Stellung aufgerückten Prinzen Heinrich von Preußen, 55 Korvetten-Kapitäne vorhanden.

Frankfurt a. O., 27. Okt. Die Grundsteinlegung für das vom III. Armeekorps seinem einstigen Korps­kommandeur Se. König!. Hoheit dem Prinzen Friedrich Carl zu errichtende Denkmal fand unter Anwesenheit

kleinen Grethe schauen zu können; wie entzückte ihn ihr Lächeln; wie warm strömte es ihm zum Herze», wenn er ihre kleine weiche Hand in der seinen hiett. Und daun? Wie hatte ihr Kuß ihn beseligt! War eS doch daS erste Mal, daß er solche rosige» Mädcheu- lippen auf feinem Muude gefühlt.

Und jetzt? ES hört eben alles auf, einem ueu zu sein. Damals war eS nur daS eigene, warme, poefiedurchtränkte Empfinden gewesen, das ihn bet seiner Werbung um die Liebe der kleinen Grethe ge­leitet. Jetzt war sein Geld für ihn. O ja, der Reichtum, er spart dem Menschen jede Mühe.

Mein Gott, tu welcher Gesellschaft hatte er fich bisweilen bewegt, und welche Lippen hatte er seither geküßt? Da war nichts vou schamhaftem Erröten gewesen, und plötzlich entdeckte er, daß er die Irene, die er damals bet jenem Brautkuß der kleinen Grethe zugeschwore«, längst gebrochen hatte. Wenn er jetzt ihrer dachte, so war es nicht mehr mit dem schnellen, warmen Herzschlag bräutlicher Liebe; nein, wenn er eS jetzt that nnd er gedachte ihrer nicht oft so war es mit jenem Gefühl der notwendige» Pflicht- erfülluag, wie man etwa au die Einlösung einer Ehrenschuld denkt. Das Erblühen der kleinen, blaue» Blume» am Aiyssee war für ihn der Termin, an dem der Wechsel fällig, und er dachte daran mit jener Ruhe, welche das befriedigende Bewußtsein giebt, daß er im Stande war, ihn einzulösen. War doch sein Herz nicht anderweit gebunden. Aber durfte, konnte er dies Gefühl noch Liebe nennen ?

Er betrachtete unwillkürlich seine weiße» Hände, denen der Schmuck eines Ringes gänzlich fehlte. Würde er ihn drücken, wenn er nun bald jenen ein­fachen goldenen Reife», der doch nur das letzte Glied einer Kette war, über den Finger streifte? Nein! Die kleine Grethe liebte ihn ja und war so hold und demütig aospruchloS, wie ein echtes Weib es stets sein wird, dem geliebten Manne gegenüber. Mit ihr vereint zu sein, würde kein schweres Joch auf ihn Laben, auch wenn er sie nicht mehr liebte. Doch