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Wöchentliche Beilagen: Kreis - Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Expedition- Martt 21. Redaktion, Druck und Strlag von Joh. Sag. «och.

Illustriertes Sonntagsblatt.

M L48.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 21/* Mk , bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend,, 22. Oktober 1887.

Unzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Habraana. Stoffe in grantfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L.

Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

Die lachkschen Landtagswalttkn.

Ain Dienstag haben die 29 Ergänzungsn ahlen ^um Landtage des Königsreichs Sachsen stattgesunden, deren Ausfall mit großem Interesse entgegengesehen -wurde. Mir geben vorerst das Resultat: Gewählt find 20 .kimservattve, 3 nationalliberale und 5 Kan­didaten der sächsischen Fortschrittspartei, -welche letztere ündesfen ebensalls von Konservativen und National- fibewlen-nritgewählt wurden. Im Landkreise Leipzig wurde der Sozialistenführer Bebel wiedergewählt. Aus den Mahlausfall war man deshalb fo gespannt, weil von den Sozialdemokraten enorme Anstrengungen gemacht .worden waren, den Orduungsparteien eine Anzahl von Sitzen zu entreißen. Es war das nicht ausgeschlossen:. Das sächsische Wahlrecht ast geheim, wie das Reichstagswahlrecht, läßt ebenfalls die Wähler vom 25. Jahre ab zu und stellt als Wkchlbedingung nur einen Satz von 3 Mark Staatssteuer pro Jahr aus. Es können sich also sehr weite Krsise an den Wahlen beteiligen, und darum hofften dk Sozial­demokraten auch aus neue Siege über die ihrren ent­gegenstehenden Parteien. Sie arbeiteten nm fo eifriger aus bk -letzteren hin, als sie bei de» Reichs­tagswahlen ihre sämtlichen Mandate in Sachse«, das stisher als sozialistische Hochburg gegolten, ein- büßten. Das war ein ungemein schwerer Schlag, der tiefen Eindruck machte. Bei den jetzigen Landtags­wahlen sollte nun die Revanche geholt, die Februar- Niederlage wett gemacht werden. Das ist, wie das eingangs mitgeteilt ziffermäßige Ergebnis zeigt, nicht gelungen. Bebels Wiederwahl ist durchgesetzt, im übrigen indessen sind die sozialdemokratischen Kandi- batai total geschlagen, die Ordnungsparteien haben siegreich das Feld behauptet.

Das Wcchlresultat ist ein ganz besonders bedeut­sames, weil die erste Probe auf den sozialdemo­kratischen Parteitag in St. Gallen ist. Dort ist die gemäßigtere Richtung her Sozialdemokraten zu Fall gekommen, den früheren Abgeordneten Viereck und Geiser ffi ein offenes Mißtrauensvotum erteilt worden. Dieschärfere Tonart" trug in St. Gallen den Sieg davon, setzte das Prinzip der Sozial-Revolution auf ihr Banner und proklamierte die internationale Ver­brüderung aller extremen Elemente. Dieser neue Geist sollte in Deutschland kräftig wirken und reiche Früchte tragen, zweifellos auch schon bei den Wahlen in Sachsen, denen die Verhandlungen in St. Gallen ja unmittelbar vorangestellt wurden, damit nur ja nicht der schöne Eindruck verwischt wurde. Die Rechnung war total falsch. Der Parteitag hat gerade das

Böses Gewisse«.

Original-Roma« von Tr. Sinbler.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

1 Zwei Stunden später sitzt Fritz über ein Schriftstück gebeugt und liest zum hundersten Mal:

......Ich setze hierdurch meinen Neffen, Fritz Klausner, Redakteur, z. Z. wohnhaft zu I., zu meinem alleinigen Erben ein. Wenn wir auch im Leben nicht immer mit einander gestimmt, so wird er doch seinem alten Onkel Lank wissen, denke ich, wenn er ihn vor dem Schicksal bewahrt, die Mittel zum Leben aus der Hand einer Frau empfangen zu müssen u. s. w.

ES war wie ei» Traum. Er, der sich vor wenigen Stunden mit dem Schreckbild unbezahlter Schneider­rechnungen und Wohnungsmieten geängstigt, plötzlich Herr eines, wie es ihm scheinen wollte, ganz unge­heuren Vermögens. Noch alS er endlich wieder in seinem Zimmer war, ging er umher wie ein Schlaf­wandelnder, bis er endlich zu Papier und Feder griff, Um feiner kleinen Grethe zu schreibe».

Vierundzwanzig Stunden früher hatte er auf der­selben Stelle gesessen mit der gleichen Abficht. Aber da war er nicht zum Schreiben gekommen. Denn wenn sein Gewissen ihm sagte: Du mußt ihr offen und klar die ganze Wahrheit sagen, welch LooS ihr an Deiner Sette bevorsteht und ihr dann zur Ent­scheidung vollste Freiheit taffen," bann griff er wohl Zur Feder. Aber gleich darauf befiel ihn ein Zage»: .Was würde fie entgegne» ?' Und bann verbarg er ttcht unmännlich ba8 Gesicht in ben Händen und stüsterte: »Aber ich lieb sie fo sehr, meine kleine Grethe 1*

Heut war das anders. Die Feder flog über das Papier und ohne aufzufeheu schrieb er. Doch plötz- Uch hielt er inne. Das klang doch wohl gar zu freudig für einen am BeerdtgungStage geschriebenen «rief. Er vernichtete ihn und begann einen zweiten. Er hatte jedoch erst wenige Zeilen geschrieben, als er

Gegenteil von dem gewirkt, ivas erwartet wurde, und wird hoffentlich noch immer weiteren Eindruck in dem Sinne machen, wie er im Königreiche Sachsen sich gezeigt hat. Es ist den sozialdemokratischen Agi- toteren wohl gelungen, die Unzufriedenheit eines Teiles der deutschen Arbeiter zu erwecken, während sie es doch nicht verstehen, praktische Mittel zur Besserung der Lage des vierten Standes anzugeben; aber aus den deutschen Sfcbeitern Angehörige einer internationalen Mischmaschpavtei zu machen, für die Vaterland und Heimat Nebensache ist, das war eine verfehlte Spekulation, und das wird niemals gelingen. Ja, es werden sich Schwarmgeister finden, die in die Lobpreisungen auf die rote Internationale ein» stimmen; wie aber bann, wenn diese einst hilflos und heimatlos umherirren? Tolle Pläne lasten sich leicht fasten, aber das Geschick licht sich von einzelnen Phantasten nicht beugen. Wer vermessen in die Räder der naturgemäßen Entwickelung der Mensch­heit .eingreift, den zermalmen sie. So mächtig ist kein Sterblicher, daß er durch seinen Willen eine ganz neue Zeit schaffen könnte.

Vor allem haben aber auch die Wahlen in Sachsen wieder bewiesen, daß es bei energischem Wollen recht wohl möglich ist, die extreme Sozialdemokratie ein« zudammen und einjuengeu. Jede sozialdemokratische WakMiederlage beweist aufs neue die Schalheit der Behauptung, die sozialistische Partei fei die alleinige wahre Volkspartei. Mit Nichten! Was den Sozial- bemofarten Erfolge schaffte, war nicht die Zahl ihrer Anhänger, sondern deren Energie, während die Glieder der Ordnungsparteien zu saumselig waren. Würde den Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen mit der von ihnen entwickelten Energie entgegengetreten, wir würden vielleicht drei oder vier sozialistische Ver- tretcr im Reichstag haben.

Deutsches Leich.

Berlin, 20. Oft. Der Kaiser nahm, wie W. T. B." aus Baden-Baden melden, gestern vor­mittag die gewöhnlichen Vorträge entgegen und fuhr mittags 1 Uhr aus, um bei der Herzogin von Hamil­ton und anderen Fürstlichkeiten Abschiedsbesuche zu machen. Beide Kaiserliche Majestäten empfingen heute morgen den Besuch des Prinzen Wilhelm, welcher, von Baveno kommend, befriedigende Nach­richten von dort brachte. Der Prinz begleitet den Kaiser auf der Rückreise. Die den Fabrikinspek­toren zur Beantwortung gestellte Frage, welche Ein­richtungen von den Arbeitgebern ober unter ihrer Mitwirkung getroffen seien, um die Ausbildung der

gedankenvoll die Feder ruhens ließ. Ja, sollte er mit Onkel Wilhelms Vermögen denn etwa die ge­radezu ärmlich dotierte Stellung des Redakteurs der 3 ... er Nachrichten noch weiter bekleiden? Es wäre lächerlich gewesen, für solch ein Lumpengeld sich noch auzustrengen. Kurz entschlossen schob er den Brief an die kleine Grethe zurück und schrieb an den Verleger in I. die kurze Bitte, die Redakteur, ftelluug seines Blattes anderweitig zu besetze».

»Herr einer Viertelmillion und für ein jährliches Behalt von 800 Thaleru arbeiten eS wäre lächer­lich!" wiederholte er noch einmal, während er das Schreiben adressierte. Dann lehnte er sich in feinen Stuhl zurück und legte sich die Frage vor, wa» nun mit dem vielen Gelbe anzufaugen sei?

Zuerst malte er sich auS, wie er sich ein Heim Herrichten wollte, lauschig unb behaglich und doch glänzend unb luxuriös, in bem bie kleine Grethe über ein ganzes Heer von Dienstboten herrschen sollte. Er bachte sie sich in lang nachschleppenden glänzenden Seidengewänbein mit ihrem hübschesten Lächeln und eine schier unwiderstehliche Luft, fie zu küsse», über- kam ihn.

Unb bann wollte er viel von ber Welt nnb bem Leben kennen lernen, mit eigenen Augen sehen, was er bisher nur aus Büchern wußte. Er wollte reifen, wie er eS sich fo lange, lange ersehnt.. Eine Hoch­zeitsreise durch bie Schweiz, Italien nnb womöglich noch weiter. Er hatte früher freilich selbst gegen bie Hochzeitsreisen geeifert, ja sie gerade heraus eine Unsitte genannt. Und ganz Unrecht hatte er damit auch nicht gehabt. Weßhalb mußte man alle Welt zum Zeugen seines jungen Glückes machen nnb, ben Stempel ber Flitterwochen gleichsam auf ber Stirn, umberreifen von einem Gasthof in ben anbern.

Unb bann überhaupt eine Reife zn Zweien nnb auch dazu mit einer jungen Fran, war doch so ganz etwas anderes als er erwünscht. Da war von freiem Ungebundenfein nicht mehr die Rede. Er war fort- während genötigt, Rücksichten zn nehmen. Unb vor

jugendlichen Arbeiterinnen für den Hausfrauenberus zu fördern, ist im allgemeinen dahin beantwortet, daß selbst bei sonst überaus wohlwollenden Arbeit­gebern häufig keine besondere Neigung für derartige Einrichtungen zu finden ist, weil in Arbeiterkreisen selbst geringes Verständnis für dieselben vorhanden sei unb vielfach der Verdacht vorherrsche, es geschehe alles dies nur zum Vorteil ber Fabrikanten selbst. In einzelnen Bezirken sind die Aufsichtsbeamten mehrfach mit Erfolg bemüht gewesen, neue Versuche seitens der Fabrikanten in Anregung zu bringen. Es liegen Berichte über verschiedene derartige Ein­richtungen vor, aus Posen, Breslau-Liegnitz, Magde­burg, Heffen - Nassau, Arnsberg, Düsseldorf, Trier, Aachen, Ober-Bayern, Schwaben und Neuburg, Zwickau, Leipzig, Bautzen, Meißen, Württemberg, Hessen, Meiningen, Saalfeld und Sachsen-Altenburg. Besonders zu erwähnen sind die Industrieschule der Gutehoffnungshütte zu Oberhausen und die umfang­reichen Einrichtungen der Firma Krupp in Esten. Die Industrieschulen derselben in Nordhof unb Kronen­berg werden von 624 resp. 690 Kindern besucht. In der von 128 Personen besuchten Frauenarbeits- schule zu Esten wird Fabrikangehörigen das Unter­richtsgeld ganz oder teilweise erlassen. Bemerkens­wert ist, daß auch Töchter vermögender Eltern ben Unterricht aufsuchen. Die Firma David Peters u. Co. in Neviges bemüht sich um die häusliche Ausbildung von Arbeitertöchtern, namentlich aber Fabrikarbeite­rinnen. Es werden unterhalten eine Handarbeits­schule für schulpflichtige Mädchen, eine Schule mit Handarbeitsunterricht für Fabrikarbeiterinnen und Arbeitertöchter und eine Koch- und Haushaltungs­schule für erwachsene Fabrikarbeiterinnen und Arbeiter­töchter. Die Nähschule der Firma Brandts in M- Gladbach, welche auch durch anderweite praktische Wohlfahrtseinrichtungen bekannt ist, dient lediglich der Arbeiterinnen der Fabrik zur Ausbildung; zur Teilnahme am Unterricht sind sämtliche Arbeiterinnen unter achzehn Jahren verpflichtet, während den älteren Mädchen die Teilnahme freiftefjt. Die Kammgarn­spinnerei der Firma I. Wülfing u. Sohn in Lennep unterhält eine Näh- und Flickschule, daneben besteht eine Sonntagsschule für Knaben und Mädchen, ferner wird imArbeiterheim" der Firma allabendlich Unter­richt in weiblichen Handarbeiten erteilt; eine Koch­schule ist im Entstehen begriffen. Außer diesen ledig­lich von Arbeitgebern errichteten und unterhaltenen Anstalten zur Hebung der Hausstauentüchtigkeit der künftigen Arbeiterfrauen besteht noch eine Reihe von ähnlich gearteten Unternehmungen, welche nicht von

alle» Dingen, Abenteuer konnte man doch nur allein erleben. Selbst aber, nenn er als würdiger Ehemann darauf Verzicht leisten wollte, würde die kleine Grethe doch sicher all den Dinge», die fein Studium aus­machen sollte», recht romtg oder gar kein Interesse entgegenbringen. Wie sollte sie auch; ihr Gesichtskreis war ein so ganz anderer. Und wie liebreizend feine kleine Frau auch immer fein würde, fo war doch vorauszusehe», daß sie auf einer solche» Reise bis­weilen recht unbequem werde» tonnte.

Nein, eine Hochzeitsreise war es nicht, die er sich so lange ersehnt. Uebiigens die Trauer um Onkel Wilhelm ließ ja eine öffentliche Verlobung jetzt gar nicht zu. Ein halbes Jahr wußte diese wohl wenigstens hinausgeschobeu werde». Unb die Zeit bis dahin konnte er zu einer Reise benutzen in freier Unge­bundenheit, um das Leben und die Menschen zu stu­diere», wie er eS brauchte, um in Wort unb Li-d bas Leben wieberzufpiegel».

So war er enblich zum Entschluß gekommen, aber ben Brief an bie kleine Grethe verschob er auf morgen.

Es war ein kühler, mifreunblicher Herbsttag, als bie Nachricht vom Tode Oberst Brachfelds in Form einer lithographierten Anzeige am A ysfee anlangte. Die kleine Grethe toanberte durch den Garten unb Pflückte bie letzten Blumen, bie ber Herbstwind un­versehrt gelassen. Mit ernstem Gesicht saß sie dann bei ber Mutter unb reichte ihr bie Blüthen zu, bie Jene zu einem Kranz zusammeufügte, ber die Gruft des Oberst Brachfelds schmücken sollte. Sie sprachen Beide kein Wort; das war Grethe sehr lieb. Sie hatte zum ersten Mal int geben ein Geheimnis und das war fo ein eigen Gefühl.

Selbst als der Kranz fertig war, faß die Mutter noch immer still in sich versunken. Grethe stahl sich leise aus der Thür und eilte hinauf in ihr Stübchen, von dessen Fenster fie den ganzen See und noch einen kleinen Teil der Pappel-Allee Überblicken konnte.

Arbeitgebern allein, sondern von Vereinen, denen wohlmeinende Personen jeden Standes und beider Geschlechter angehören, ins Leben gerufen sind.

Breslau, 20. Okt. Heute früh 10 Uhr fand in dem festlich geschmückten Dome die Inthronisation des Fürstbischofs Kopp statt. Nach vollzogenem Zeremoniell trat der Fürstbischof an die Brüstung des Presbyteriums und hielt eine Ansprache an die Diözese, in der er gelobte, seinen Pflichten treu nach­zukommen. Der Fürstbischof bat die Gemeinde, ihm treu anzugehören, sodaß der Oberhirte, die Hirten und die Herde eins bildeten. Zum Schluffe ermah nie er die Diözese, dankbar zu sein gegen den Kaiser, der er es durch das Zusammenwirken mit dem Papste ermöglicht habe, daß der Breslauer Stuhl fo bald wieder besetzt werbe. Die Feier beschloß eine vom Fürstbischof celebrierte Miss» solemnis. Der Feier wohnten die Spitzen der Behörden, darunter der kommandierende General, der Oberpräsident, ber Ober­bürgermeister, ber Rektor der Universität, bie Ritter des Maltheserordens und der Adel bei.

Hannover, 19. Okt. Vergangenen Montag verweilte der Fürstbischof Dr. Kopp auf seiner Durch­reise von Hildesheim nach Berlin im hiesigen St. Vincenz-Stift der barmherigen Schwestern, um mit dem Führer des Zenttums, Herrn Dr. Windihorst, eine mehrstündige Unterredung zu pflegen. Sie wird sicherlich für Kirche und Staat zum Segen gereichen.

Ausland.

Paris, 19. Okt. Der Kriegsminister Ferron besuchte gestern in Toul die Kasernen des 12. Ar­tillerie-Regiments, des 6. Festungsbataillons und das Hospital und hielt dann eine Parade über das 146. Regiment ab. Da man erfahren hatte, daß er alle Strafen aufgehoben habe, wurde er überall mit Hochrufen begrüßt. Um 4 Uhr besichtigte der Minister den Artillericpark und dann die Kaserne von Ecrouves, in welcher eines der neu gebildeten Regimenter liegt. Auch hier schollen ihm Hochrufe entgegen. Nach bem Vorbeimarsch des Regiments richtete der Minister an das Regiment folgende Ansprache:Meine Freunde! Ich bin zufrieden mit euch; ihr seid vor­beimarschiert wie ein altes Regiment. Im nächsten Jahre werdet ihr eine Fahne und eine Musik er­halten. Die Strafen sind aufgehoben." Der General besuchte bann noch das Fort Saint Michel. Unter­wegs jauchzte ihm die Bevölkerung vielfach zu. Nach einem Festessen, dem alle höheren Offiziere anwohnten, kehrte der General nach Paris zurück. Der Unter® suchungsrat hat bekanntlich gegen den General Caffarel

Wie oft hatte sie hier gestanden und ihm entgegen- g> schaut, ihm, ihrem ihrem Fritz. Wie jubelte ihr Herz bei diesem Gedanke». Sie schloß die gingen unb hob baS erglühende Gesichtchen ein wenig empor da war ihr, als fühle sie wieder seine» Kuß auf ihre» Lippen.

Bisweilen wollte es ihr fast wie ei» Unrecht er­scheine», daß fie die Mutter nicht zur Vertrauten ihres jungen Glückes machte, aber durste fie eS den», war eS allein ihr Geheimnis und stand das Recht, davon zu spreche», nicht einzig Fritz zu?

O, weshalb er gerade an jenem Tage fort ge­mußt! Unb nun war der arme, alte Onkel gestorben! Nach dem Begräbnis ja ob Fritz denn wohl gleich wieder kam? Wenn er nur wenigstens einmal geschrieben hätte! Aber er war gewiß viel zu traurig, um an seine kleine Braut ja Braut denken zn können.

So träumte fie weiter.

Sie war glücklich, sehr glücklich das war der Gedanke, der in ihren Träumereien am häufigsten wiedeikehrte.

Während dessen saß unten in dem Wohnzimmer, in das Fritz vor fast einem Jahr unangemeldet ein­gedrungen, noch immer die Mutter, den Kranz vor sich, die Hände müßig im Schooß. Sie dachte der Zeit, in der fie den Wilhelm Brachfeld als schmucken Offizier gekannt. ES war die sonnigste, fröhlichste ihres ganzen Lebens. Er liebte sie und sie sie hatte ihn gern. Ein vertrauter Freund ihres ver­storbenen Vaters war fein Vormund, daher kam cs, daß er auch int Hause ihres Onkels, in bem sie aus- wuchs, häufig verkehrte.

Sie hatte ihn gern unb wußte sich von ihm ge­liebt da hätte fie vielleicht nichts einzuwenden ge, habt gegen eine Verbindung mit ihm, wen» nicht ja wenn es nicht anders gekommen wäre.

ES war ein düsterer Männerkopf mit jenen ge, wattige», fa8dnierenben Augen, bie fie zu bannen nnb willenlos zu machen vermochten, der zwischen