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Wöchentliche Beilagen: «reis-Blatt fiir die Kreise Marburg und Kirchhain. -

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von 3oh. Slug. »och.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. SU, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. H-ahraana. Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. a b

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

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Staate und der katholischen Kirche mit dem Ausdrucke warmer Anerkennung gedachte und seine lebhafte Freude aussprach, daß der verwaisten Diözese Breslau in der Person des Fürstbischofs ein neuer Oberhirte wiedergegeben werde, welcher sich des Vertrauens des Kaisers wie des Oberhauptes der katholischen Kirche erfreue. Der Fürstbischof erwiderte mit bewegten und von echt patriotischem Geiste getragenen Worten mit der Versicherung aufrichtiger Ehrfurcht und treuer Ergebenheit gegen das kaiserlich-königliche Haus, sowie mit der Erklärung, daß er fest entschlossen sei, alle Kräfte daran zu setzen, um das ihm anvertcaute ober- hirtliche Amt unter Gottes gnädigem Beistände und unter dem königlichen Schutze zum Wohle des Staates und der katholischen Kirche zu verwalten. Nachdem der Fürstbischof unter Beobachtung des üblichen Zeremoniells den durch die Verordnung vom 13. Febr. 1887 vorgeschriebenen Bischofseid abgeleistet hatte, empfing er Allerhöchstem Befehle zufolge die am 1. Oktober vollzogene landesherrliche Anerkennungs­urkunde aus den Händen des Ministers, welcher chlicßlich den Fürstbischof der Unterstützung des Staates und seiner Behörden in der Ausübung des bischöflichen Amts versicherte und das Verttauen aus­drückte, daß die Verwaltung des Fürstbischofs allezeit darauf gerichtet sein werde, den Geist der Einttacht und des konfessionellen Friedens zu fördern. Der eierliche Akt hinterließ bei den Anwesenden einen tiefen Eindruck und wurde von ihnen empfunden als ein neues Unterpfand des Friedens ^zwischen dem Staate und der katholischen Kirche. Der Fürst­bischof von Breslau, Dr. Kopp, hat mit seinen beiden Begleitern, dem Domkapitular und Hausprälaten Sr. Heiligkeit und Regens des bischöflichen Seminars Dr. Komp und dem Domkapitular Dr. Wilhelm Kleespies, heute vormittag 8 Uhr 27 Minuten vom Bahnhof Friedrichstraße aus Berlin wieder verlasien, um sich nach Breslau zu begeben, woselbst die Ankunft heute nachmittag 4 Uhr erfolgt. Mit dem Fürstbischof Dr. Kopp ist auch der hiesige katholische Propst Aßmann zugleich von hier nach Breslau abgereist. Bei der Abreise von Berlin hatten sich viele hohe katholische Geistliche und andere hohe Personen zum Abschiede auf dem Bahnhofe eingefunden, lieber den Aufenthalt des Fürstbischofs Dr. Kopp in Berlin erfahren wir noch nachträglich vom gestrigen Tage: Nach dem Gottesdienste in der katholischen St. Hedwigskirche kehrte der Fürstbischof Dr. Kopp in sein Hotel zurück und stattete bald darauf den Ministern rc. seine Besuche ab, welche von denselben im Laufe des Tages im Hotel Royal erwidert wurden. Nachmittags

schränkung, 4068 für Verbot mit Einschränkung, für Undurchführbarkeit 4069; von Arbeitnehmer sind 1172 für uneingeschränktes, 2913 für eingeschränktes Verbot der Sonntagsarbeit, 1549 für Undurchführ­barkeit desselben.

Der Bericht sagt:Die Frage nach der Durch- mhrbarkeit eines Verbotes der Sonntagsarbeit ist von der überwiegenden Mehrheit der geehrten Auskunfts­personen verneint worden; die anderen Gutachten gehen teils dahin, daß ein Verbot unbeschränkt durch- ührbar, teils daß bestimmte Ausnahmen erforderlich leien. Für das Speditionsgeschäft, den Frachtfuhr­werk- und Flußfchiffahrts-Bettieb, sowie für die Hafen­arbeiten wird ein Verbot von einigen Seiten unter der Voraussetzung für durchführbar erachtet, daß die Expeditionsweise auf den Eisenbahnen und auf den Dampfern geändert werde. Auch die Komtorarbeit könne unter dieser Voraussetzung verboten werden an Sonntagen. Im Eisenbahnverkehr ist ein uneinge- chränktes Verbot für die Personenbeförderung, ebenso 'ür die Binnenschiffahrt und für die Post und Tele­graphie ein Verbot der Sonntagsarbeit überhaupt für undurchführbar erklärt worden.

Der Jahresbericht der FabrUr- Inlpektoren.

Der im Reichsamt des Innern zur Vorlage an den Bundesrat und Reichstag zufammengestellte Jahres­bericht der Fabrikinspektoren pro 1886 ist soeben aus- gegeben worden. Darin wird die wirtschaftliche Lage der Arbeiter, wenn auch nicht überall, so doch im Großen und Ganzen als befriedigend bezeichnet. Viele Berichte lasten gegenüber dem Vorjahre eine Besserung erkennen. Freilich trifft dies nicht für alle Industrie­zweige zu, insbesondere nicht für diejenigen, welche in näherer Beziehung zur Landwirtschaft stehen, deren nicht gerade günstige Verhältniste sich auch auf anderen Gebieten naturgemäß fühlbar gemacht haben. Manche Industriezweige hingegen vermochten den Arbeitern, namentlich den geschickteren und den Facharbeitern, vermehrte Arbeitsgelegenheit, bei mindestens dem Vor­jahre gleichbleibenden, in manchen Fällen auch dar­über hinausgehenden Löhnen zu bieten. Als allen Arbeitern zu Gute kommend, wird die Thatsache mehr­fach hervorgehoben, daß die Preise der Lebensmittel im allgemeinen dieselben blieben; vereinzelt sind sie allerdings auch gestiegen, dagegen an manchen Orten unter diejenigen des Vorjahres zurückgegangen. Ein vielfach hervortretender Uebelftand besteht darin, daß der Arbeiter sich noch häufig genötigt sieht, für seine Wohnung einen größeren Teil seiner Einnahmen zu verwenden, als einem richtigen Verhältnis dieser Aus­gabe zur Gesamtheit der notwendigen Ausgaben ent­sprechen würde. Wohl ist, um nach dieser Richtung Abhilfe zu schaffen, mancherlei geschehen, und ver­schiedene Mitteilungen lasten auch für das Berichts­jahr wieder Fortschritte erkennen, so in Schleswig- Holstein, wo mehrere größere Fabriken eine beträcht­liche Anzahl von Häusern mit 23 Arbeiterfamilien- Wohnungen erbauen ließen, in Pommern, wo in der Umgegend von Stettin, um der durch die bettächt- liche Vermehrung der Arbeiterzahl desVulkan" herbeigeführten Wohnungsnot zu steuern, 160 Arbeiter­wohnungen errichtet und auch auf einer großen Cemeut- fabrtl ähnliche Einrichtungen geschaffen wurden und ferner in den Aufsichtsbezirken Mittel- und Ober­franken, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Meißen, Plauen, Baden, Hessen, Schwarzburg-Sondershausen, wo ent­weder Arbeitgeber, oder besondere, zu diesem Zwecke ins Leben gerufene Vereine sich die Erbauung zweck­mäßiger Wohnhäuser für Arbeiter unter Gewährung billiger Mietpreise angelegen sein ließen. Dem vor­handenen Bedürfnis ist jedoch bisher noch keineswegs genügt worden. Mehrfach wird in den Berichten

dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß das Kapital, trotz des fchon länger bestehenden Mangels, dem Wohnungsbedürfnis gegenüber noch immer eine ge­wiße Zurückhaltung beobachte, ungeachtet wohl auch hier eine Gelegenheit zu nutzbringender Anlage ge­boten fei.

Nach Ausweis der gegebenen Ueberfichten hat die Zahl der 1886 in Fabriken und diesen gleichstehenden gewerblichen Anlagen beschäftigten Kinder sich gegen­über 1884 von 18 882 auf 21053 vermehrt, also um 2171 zugenommen, die der jungen Leute hat sich dagegen von 135 377 auf 134 529 vermindert, also um 938 abgenommen, so daß sich also für das Be­richtsjahr eine Vermehrung der jugendlichen Arbeiter überhaupt um 1223 ergiebt.

Der Mehrzahl der Berichte zufolge hat gegenüber 1884 eine Zunahme m der Zahl der Arbeiterinnen überhaupt stattgefunden. Zahlenmäßige Angaben für beide Jahre, 1884 und 1886, welche eine Vergleich auch bezüglich der einzelnen Jndustriegruppen gestatten, stehen nur für die kleinere Hälfte der Aufsichtsbezirke zu Gebote; die meisten Berichte begnügen sich mit summarischen Angaben. Aus den ersteren ergibt sich eineZunahme von 78 Prozent, an welchem Durch­schnittsergebnis die einzelnen Bezirke jedoch in sehr verschiedenem Maße beteiligt gewesen sind ; fast überall hielt jedoch die Zunahme in der Zahl der Arbeiterinnen Schritt mit der Zunahme und Ausdehnung der An­lagen und der wachsenden Zahl der Arbeiter überhaupt, denn eine Zunahme ist auch für die männlichen Arbeiter zu konstatieren.

Wir fügen auch hier gleich das Generalrefultat der bekannten Erhebungen über die Sonntagsarbeit bei. Es geht aus den erstatteten Berichten, welche sich über das gesamte Gebiet der Arbeit und des Bettiebes verbreiten, hervor, daß die Mehrzahl der befragten Arbeitgeber und Arbeiter ein Verbot der Sonntagsarbeit für undurchführbar erklärt, während die Zahl derjenigen, welche ein Verbot mit weiteren Einschränkungen befürworten, nur wenig belangreich ist. So sagen die Aeußerungen für die Groß- und Fabrik-Industrie, einschließlich der hausindustriellen Verhältniste folgendes: 706 Arbeitgeber sind für ein Verbot ohne Einschränkung, 2879 für ein Verbot mit Einschränkung, 1704 erklären ein Verbot für undurchführbar. 712 Arbeiter sind für ein Verbot ohne, 2306 für ein Verbot mit Einschränkung, 1051 erklären es für undurchführbar. Aehnlich gestaltet sich das Verhältnis bei den befragten Handelsorganen, Arbeitervereinen und Kassen. Bezüglich der Klein­gewerbe sind 1764 Arbeitgeber für Verbot ohne Ein-

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Deutsches Reich.

Berlin, 19. Okt. Wie aus Rom gemeldet wird, haben anläßlich des Geburtstages Sr. kaiserl. und künigl. Hoheit des Kronprinzen die meisten dorttgen Blätter äußerst sympathische Beglückwünschungsartikel veröffentlicht. DieRiforma" hebt hervor, daß die Wünsche und Hoffnungen, die sich an den Geburtstag des Kronprinzen knüpften, in Rom die nämlichen eien, wie in Berlin; im entlegensten Dorfe Siziliens wie in der niedrigsten Hütte Pommerns würden für den Kronprinzen dieselben Wünsche gehegt. Der Kronprinz werde diese Wünsche jedenfalls mit gleich großer Befriedigung aufnehmen und, getragen von der Sympathie und Achtung der ganzen Welt, der Zukunft mit Vertrauen entgegengehen. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Gestern fand im Kultus­ministerium die Vereidigung des neuernannten Fürst­bischofs Kopp statt. Zu dem feierlichen Akte waren vom Kultusminister als Zeugen geladen: der Unter« staatsfekretär, die Direktoren und Räte des Ministeriums, die Oberpräsidenten der die Diözese Breslau und deren Delegaturbezirk umfassenden Provinzen. Der Fürstbischof erschien in Begleitung des fürstbischöflichen Delegaten, Ehrendomherrn Aßmann und des Kuratus Scholz. Der Minister begrüßte den Fürstbischof, indem er der Verdienste desselben um die Wieder­herstellung freundlicher Beziehungen zwischen dem

Marburg,

Freitag, 21. Oktober 1887.

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rindler.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wiederum nach Verlauf einiger Zett beugte sie sich dicht an sein Ohr und flüsterte:Fritz, lieber Junge, denke er hat wirklich sein Testament ge- didert, gleich nachdem ich ihm Deinen Brief zu lesen gegeben. Ich hatte geglaubt, er würde ihn versöhnlicher stimmen, aber er wurde fuchswild. Den Brief fand ich nachher ganz zerknittert in einer Ecke auf dem Füßboden uud was er nun in das Testament ge­schrieben , das habe ich nicht erfahren löone»; kein Wort davon. Ach, Fritz, er hat gewiß das ganze Geld der Kasse für mittellose OffizierS-Wittwen oder dergleichen ^vermacht uud für die hat er doch bei Lebzeiten schon genug gethan."

Fritz hatte, als er den Brautkuß auf die frischen Lippen der kleinen Grethe gedrückt, mit keiner Silbe an die reiche Erbin gedacht, und auch die trotzig abwesenden Worte in seinem Brief an Tante Martha waren, als er sie schrieb, völlig ernst gemeint gewesen. So erwachte auch jetzt nichts als Trotz in ihm. Wenn er dem kranken Mann da vor ihm nur noch hätte beweiseu können, daß er seines Beistandes nicht be- durfte. Tante Martha schien sich plötzlich des Auffallenden in ihrer Rede bewußt zu werden. Eine Schwester am Schmerzenslager des Bruders sich in Vermutungen über seinen Nachlaß ergehend! O, es war aan* ungeheuerlich.

Jetzt sah fie erst wieder die Leicheufarbe in dem schmerzentstellten, abgezehrten Antlitz deS Bruders und es überkam sie ein Schuldbewußtseiv, als hätte sie dem Sterbenden selbst wehe gethan. Thränenden Auges liebkoste fie leise seine-Hand und horchte ängstlich auf seine Atemzüge. Alle ihre Gedanken gehörten wieder nur ihm.

Fritz dagegen verfolgte die angeregte Idee mit wahrer Selbstquälerei. Anfangs fühlte er nichts als

Stolz. Er pochte auf feine frische Kraft uud fein Können. Er und nicht im Stande sein, ein Weib zu ernähren. Ec brauchte, er wollte die Mittel zum Leben nicht von einer Frau. Doch bann nach und nach erst leise dann immer lauter stiegen Zweifel in seiner Seele auf.

Er sah sich wieder in seinem Stübchen, uud vor ihm staub Frau Herting mit einer ellenlangen Rechnung bereu auf bem Schreibtisch noch mehrere in völlig nrquittiitem Zustande zu finden waren. Dann trat auch noch die wohlbekannte Gestalt Schraders dazu um wieder eine seiner fruchtlosen Exekutionen zu vollziehen und plötzlich zauberte seine Phantasie die kleine Grethe ba mitten hinein.

Du lieber Gott I" sagte er ganz laut, was Tante Martha nur als einen Ausruf des Mitleids für den Lridendeu nutz zulegen schien, denn sie nickte leise schluchzend dazu. Und nun begann Fritz einmal ganz klar und kusl darüber nachzudenken, was eS von der praktischen Seite bedeutet, verheiratet sein. Bisher hatte er sich nur Bilder eines glücklichen Seins voll Duft und Poesie in einem lauschigen Heim, wo man versucht ist, bett ganzen Tag nur in Versen zu sprechen ausgemalt. Denn wo ber strahlenbe Blick der kleinen Grethe weilte, ihr Helles Blondhaar schimmerte und ihr silbernes Lachen ertönte, da mußte allezeit Souue und Wonne sein. Ihr Lächeln mufft? jeden trüben Gedanken verscheuchen, fine leise Berührung ihrer kleinen braunen Hand die Falten von der Stirn streichen. Das war die poetische Seite solch eines jungen Hausstandes. Aber wenn dann Rechnungen kamen wenn Grethe Geld verlangte, die Ausgaben deS Hauses zu bestreiten und wenn et dann keines hatte er ihr zumuteu, bis zum nächsten Quartal ohne Frühstück auszukommen uud das Mittagbrot zu borgen? Und da waren bann auch noch andere Ausgaben. Die Wohuungsmiete, die pünktlich bezahlt werden mußte, uud die sich vervierfachte iw Vergleich zu seinen jetztigeu Bedürfnissen in dieser Beziehung. Wie sollte er es anfangen, plötzlich soviel mehr zu

erwerben, als es ihm bis jetzt möglich gewesen, und wie kam e8 nur, daß er bisher niemals darüber nachgedacht? Hatte doch der Gedanke, daß die kleine Grethe eine reiche Erbin sei, ihn darin beeinflußt? Jemehr er darüber grübelte, desto deutlicher und schreckhafter wurde das Gespenst einer jungen Ehe unter solchen Verhältnissen. Er strengte seinen Kopf an, um auf einen Ausweg zu kommen, wie seine Verhältnisse mit einem Schlage zu ändern seien. Doch über diesem Bestreben ward sein Kopf schwer und schwerer und sank an die hohe Lehne des Stuhles zurück. Er schlief ein. Da sah er im Traum die kleine Grethe mit hohlen Wange» uud verweinten Augen daheim in seinem Stübchen uud er sagte sich, daß das vom Hungern komme.

Frau Herting stand wieder wie so oft in der Thür, die Hände in die Seiten gestemmt und sagte:Es ist eine Schande, seine junge Frau so zu behandeln.' Er mußte ihr Recht geben und fühlte nach seinem eigenen Gesicht: es war ebenso abgemagert wie das der kleinen Grethe. Da öffnete sich die Thür und Herr Schrader trat ein. Er trug einen schwarzen sarg unter dem Arm und stellte ihn zwischen Fritz und die kleine Grethe. Dann ging er im Zimmer umher und suchte nach Sachen, die er pfänden könne. Er fand aber nichts und so wollte er Fritz den Rock ausziehen, um doch etwas zu haben. AIS Fritz sich aber wehrte, er könne doch den Rock nicht entbehren, zeigte der Beamte auf deu Sarg, als wollte er sagen: dort brauchst Du ihn nicht mehr.' Uud wie er nun hinsah, da lag die kleine Grethe schon darin mit einem bleichen, geduldigen Gesicht. Neben ihr war noch ein Platz, der war für ihn. Hinter dem Sarge stand Fran Herting und hob den Deckel auf, um ihn darüber zu legen. Da zupfte Herr Schrader wieder an Fritz Rock, aber mit einem energischen Ruck machte er sich von ihm los und schlug die Augen auf. Vor ihm stand Taute Martha mit rotgeweiuteu Auge» und preßte schluchzend die Finger auf die Lippen, zum Zeichen, daß er still fein möge. Zn Häupten des

Lagers stand ein Herr mit einem G-sicht voll gc* schriftlicher Rührung, wie vielbeschäftigte Aerzte sie bei solchen Gelegenheiten zu zeigen pflegen.

Der Morgen dämmerte grau herauf und sein bleiches Licht kämpfte mit bem gelben Schein ber Nachtlampe.

Auf ben Kissell ruhte in biefem Zwielicht ein wachsbleiches Antlitz mit ruhig geschlossenen Augen, Frieben auf der hohen kahlen Stirn.

Tod,' sagte Fritz leise.

Martha nickte, ergriff dann feine Hand, ihn hin- auSzuziehkn und flüsterte:Komm!' Er schüttelte gedankenvoll den Kopf.Nein, laß mich noch einen Augenblick mit ihm allein.'

Als die Tante mit bem Arzt daS Zimmer ver­lassen, richtete ber junge Mann ben Blick voll auf das Antlitz des Toden und und ließ ihn unverwandt darauf ruhen, und so, noch unter bem grausigen Ein. druck.seines Traumes, dachte er nach.

Hatte er, der Federfuchser, wie der Onkel ihn so oft genannt, denn das Recht, einen Hausstand zu gründen, solch ein junges sorgloses Wesen an seine ungewisse Existenz zu k.tten? Und diesen Gedanken steigerte er bis zur Selbstquälerei.

Endlich hörte er Schritte sich der Thüre nähern. Er erhob sich, beugte sich noch einmal über ben Toben, legte seine Hanb auf bie verschlungenen erstarrten Finger unb flüsterte:Ich habe Dich hart genannt sehr oft. Aber Recht hattest Du doch wohl."

Die Begräbnisfeierlichkeiten waren vorüber. In dem verödete» Arbeitszimmer des alten Militär saßen Martha Brachfeld und Fritz Klausuer. Die kleine Gestalt ber alten Dame war noch mehr in sich zu, fammengefunten, unb ihre Auge» waren rot umränber vom viele» Weinen. Sie sah sehr bleich aus und konnte nur mit Mühe sprechen, well ihre Stimme immer iu Schluchzen überzugehen brohte. Unb doch mußte fie ihren Fritz, ihren Herzensjungen, tröffen, war fie doch bie Veranlassung, baff bie kleine Grethe nun feine Braut war, bie kleine Grethe, jetzt ein