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Illustriertes Sonntagsblatt.
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: Anzahl von Anhängern gewonnen haben, so können | doch derartige Enthüllungen über ihre wahre Natur । und Absicht bei dem deutschen Volke nur Abscheu erregen und Deutschland mehr und mehr zu einem ; ungeeigneten Boden für die Bethätigung ihrer Ge-
Das haben auch die Sozialdemokraten sehr wohl gefühlt und deshalb in das auf dem letzten Kongreß enrworfene Programm einen gegen den Anarchismus gerichteten Satz ausgenommen. Allein sie haben sich
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Dianellen ihre schmalen Wedel aus, große Rhapis umsäumten den Altar selbst, auf dem blühende Rosen, Nelken, Anthemis und Chrysanthemen prangten. Schon in früher Morgenstunde war das Gotteshaus von Gläubigen dicht gefüllt. Um 8 Uhr versammelten sich vor der Kirche die katholischen Vereine mit ihren reichgestickten Fahnen und Bannern und nahmen alsdann im Mittelgang Aufstellung. Kurz vor halb 9 Uhr wurde der Fürstbischof von dem sürftbischöf- lichen Delegaten Propst Aßmann aus dem Hotel abgeholt. Am Hauptportal der Kirche wurde der hohe Würdenträger von der gesamten Berliner katholischen Geistlichkeit und 50 weißgekleideten Kindern empfangen. Propst Aßmann hielt hier an den Fürstbischof eine begrüßende Ansprache, in der er ihm die Glückwünsche der Gemeinde aussprach und Treue, Anhänglichkeit und Liebe versicherte. Der Fürstbischof wurde sodann durch den Mittelgang, auf den die Kinder Blumen streuten, nach dem Hochaltäre geleitet, wo er unter Assistenz des Propstes Aßmann, des Kuratus Laxi und des Kaplans Werner die Messe las und den Segen spendete. Alsdann hielt er eine kurze Ansprache an die Gemeinde, in der er der Delegation die Zuwendung seiner besonderen Sorgfalt versprach. Er nahm dann die Huldigung des Klerus, den Ringkuß entgegen und wurde alsdann in feierlichem Zuge durch die nunmehr vor der Kirche Spalier bildenden Vereine nach der Propstei geleitet, wo er die Kirchenvorstände aller hiesigen Gemeinden empfing.
— Der Generalbericht, betreffend die Ergebniffe der Erhebungen über die Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn- und Feiertagen ist nunmehr dem Bundesrate zugegangen. Aus demselben ergiebt sich, daß infolge der Ungleichmäßigkeit in der Aufnahme der Untersuchung und der Zusammenstellung statistisch nur die Berichte für die preußischen Regierungsbezirke, mit Ausnahme von Danzig, Merseburg, Hildesheim, Münster, Wiesbaden und Düsseldorf verwendbar waren. In diesen 30 Regierungsbezirken haben sich die zahlenmäßigen Ermittelungen erstreckt auf 500 156 Betriebe mit 1 582 591 Arbeitern. Bei denselben kommt Sonntagsarbeit vor für 288 939 Betriebe (57,75 Prozent) und 668 027 Arbeiter (42,25 Prozent); Sonntagsarbeit kommt nicht vor für 211217 Betriebe (42,25 Prozent) und 919 564 Arbeiter (57,75 Prozent). Es ist also die Mehrzahl der Betriebe, dagegen die Minderzahl der in denselben beschäftigten Arbeiter an Sonntagen chäsig. Was die Durchführbarkeit eines Verbotes der Sonntagsarbeit betrifft, so haben sich die Ansichten für einen erheblichen Teil der Befragten zahlenmäßig "er-
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feit in die revolutionäre Propaganda gelegt, praktische Mitarbeit an positiven Reformen dagehen abgelehnt worden. Dem gesunden Sinn unseres Volkes^ dürfte diese Wendung die Sozialdemokrasie nicht eben synst/ pathischer gemacht haben. '
Böses Gewissen.
Original-Roman von Tr. Rind le r.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Diese friedvolle Stille machte auch sie schweigend. Als Fritz endlich sagte: »Wir wollen noch einmal hiuausrudern. Wer weiß, wie ost das Wetter unS das noch gestattet," — nickte sie nur stumm dazu. Er setzte sich ihr gegenüber und lenkte daS Fahrzeug gerade nach der Mitte des SeeS. Dort zog er die Ruder ein, beugte sich ein wenig vor und streckte dem Mädchen beide Hände entgegeu: »Grethe, liebe Grethe!"
Sie hatte gedankenvoll in die blaue Flut geschaut und in ihrem Spiegel den Zug der Wolken verfolgt. Als er zn ihr sprach, sah fie auf mit jenem ernsten frommen Blick, mit dem sie damals in der Kirche zu dem Bilde des Gekreuzigten aufgeschaut hatte. Und dann legte fie mit einer langsamen fast unbewußten Bewegung ihre Hände tu die seinen.
Er zog diese braunen Händchen au seine Brust und fragte, den Blick tief in ihr Auge gesenkt: »Liebe Grethe, btst D« mir gut? Sieh ich — ich habe Dich so lieb I"
Tiefe Röte ergoß fich langsam über ihr Antlitz und dann ging ein sonniges Lächeln darüber auf. Und so lächelnd nickte fie ihm zu. Da ließ er ihre Hände frei, doch nur, um dafür das lachende Gesicht zwischen die seinen zv nehmen »nd eine» ersten innigen Kuß auf diese rosigen Lippen zu drücken. Dabei aber glitt ihr der Hut vom Kops und als er hastig danach flrtff, um ihn nicht in das Wasser fallen zu laffen, löste fich auch die blaue Schleife, die ihre Zöpfe zusammeuhielt. Fritz legte den Hut neben sich auf die Bank und schlang dann fich weit vorneigend den Arm um ihre Schultern. »Liebe, liebe Grethe," sagte er weich. »Du bist mir gut und willst Dich mir verttauensvoll zu eigen geben. Glück nnb Leid mit mit mir teilen?" Und zn jedem einzelnen Wort nickte fie ihm ein freudiges »Ja".
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Zustand hat sich in den letzten Tagen so sehr verschlimmert, — die Aerzfe erwarten daS Schlimmste. Die Tante bittet im Namen des Sterbenden, zu ihm zu eilen — da muß ich wohl reisen, sofort. Aber jetzt, gerade jetzt — wie kann ich das?" —
Seine Blicke suchten Grethes Augen.
Sie war bei seinen Worten bleich geworden, aber sie nickte entschlossen dazu, als die Mutter sagte: »Gewiß, mein lieber, junger Freund, Sie müssen unverzüglich reisen. Sie dürfen keinen Augenblick verlieren. Es ist jetzt vier Uhr. Wenn Ihnen unser Herr Pastor seinen Wagen leiht, können Sie noch zn rechter Zeit nach V. gelangen, um den Abendzug nach der Residenz zu benutzen. Eilen Sie und nehmen Sie meine innigen, innigen Grüße mit für den Sterbenden."
Sie drückte dem jungen Manne die Hand, wandt- fich dann schnell ab und ging mit dem Pastor am Ufer entlang.
Fritz und Grethe schritten neben einander ge« senkten Hauptes dem Hause zu. Drinnen erst standen fie still und sahen sich an. Gioße Thräuen standen in den Augen des jungen Mädchens. Er ergriff ihre beiden Hände. »Grethe, ich muß! Wie schwer eS mir wird, gerade jetzt zn gehen, weiß Gott."
Und dann zog er sie an seine Brust und küßte ihr die Thräuen von den Wimpern. Aber ich werde wieder kehren, und dann wollen wir die Mutter um ihren Segen zu unserem Bunde bitten, meine süße, meine geliebte Braut."
Da schlang fie plötzlich beide Arme um feinen Nacken, bedeckte seinen Mund mit stürmischen Küssen und flüsterte ihm zu: »Ich liebe Dich so — so — zum Sterben sehr."
Dann war fie plötzlich ans der Thür und bald daranf trat die Magd ein und meldete, daß der Wagen bereit stehe. Draußen legte Grethe eben eine Decke für die Nacht nud ein Körbchen mtt einem Abendbrot in den Wagen und verficherte, fie werde dafür sorgen, daß Frau Hertiug ihm gleich morgen
Geflogenheit des Zaren zuwieder läuft, Reisen und Entschlüsse von irgend welcher Bedeutung gegen irgend ^eniMib. auf so viele Tage voraus bekannt zu geben -öder auch nur anzudeuten. Die Unwahrscheinlichkeit der bez. Zusammenkunft erhellt überdies aus dem allbekannten Gange der letzten hochpolitischen Begebenheiten. — Scheinbar offiziös wird in der „Post" geschrieben: Es hat in Deutschland überall Befriedigung hervorgerufen, daß die Reichsregierung den Vorfall an der französischen Grenze bei Raon auf ioM) prompte und coulante Weise zur Erledigung gebracht hat. Das Verhalten unserer Regierung ist um so anerkennenswerter, als die französische Regierung in ähnlichen Fällen es durchaus an Zuvorkommenheit fehlen läßt. So ist im Juni 1886, also vor bereits fünfviertel Jahren durch Verschulden eines französischen Offiziers die Faktorei eines unserer an der afrikanischen Westküste ansässigen Handlungshauses Fr. Colin zerstört und geplündert worden. Die Verantwortlichkeit der französischen Regierung in diesem Falle ist durch die Aussagen von vereidigten Zeugen unumstößlich festgestellt. Die Akten hierüber liegen seit Jahr und Tag in Paris, aber bis jetzt hat die französische Regierung stets versucht, sich der Konsequenzen der Handlung ihres Beamten zu entziehen und dies, ttotzdem es sich eigentlich nur um eine Bagatelle von 25 000 Fr. handelt. Es ist gut, wenn solche Thatsachen Verbreitung finden, denn sie tragen dazu bei, die allgemeine Lage und unser Verhältnis zu Frankreich llarer zu stellen. — Prinz Heinrich von Preußen ist Montag abend 7% Uhr in Baveno eingettoffen und im „Hotel Bellevue" abgestiegen.
— Der Fürstbischof Dr. Kopp hat heute früh in der St. Hedwigs-Kirche die heilige Meffe gelesen. Das Gotteshaus war aus diesem Anlaß in herrlicher Weise geschmückt. Ueber dem Hauptportal prangte einvier Meter langes und drei Meter breites Kreuz aus gelben und weißen Anthemis, aus Sonnenblumen und Astern geflochten. Die Säulen umschlangen Laubgewinde, die Kapitäle waren untereinander mit Guir- landen verbunden. Vor der Mittelthür standen riesige Pyramiden-Lorbeerbäume, wohl die schönsten ihrer Art in ganz Berlin. Die Vorhalle glich einem herrlichen Palmenhain, auch das Innere der Kirche war überreich geschmückt. Kugellorbeeren standen zu Seiten des Mittelganges, von den Kronenleuchtern aus zogen sich nach allen Seiten hin Laubgewinde, alle Seitenaltäre waren mit exosischen Pflanzen umstellt. Den herrlichsten Schmuck aber hatte der Hochaltar erhalten. Zu Seiten des Altarplatzes breiteten zwei mächtige
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Dann aber suchte sie sich ans feinen Armen loszumachen und griff nach dem blauen Bande, es wieder um ihre Zöpfe zn schlingen. Er aber entzog e8 ihr schnell nnb verbarg es auf seiner Brust. »Das ist mein, Grethe, ein Andenken an diese Stunde."
»Sie lächelte ihm zu und sagte nicht Nein. Dann aber sah fie auf ihre halbgelösten Zöpfe nieder. Fritz lachte zn diesem ratlosen Blick und löste sie völlig. Grethe schüttelte heftig abwehrend den Kopf, aber das hatte nur die Folge, daß die blonde Flut ihr wie ein Mantel um die Schultern fiel. Er hielt ihre Hände fest, welche die blonden Strähnen über die Schultern zurückwerfen wollten.
»Jetzt bist Du erst ganz die Nymphe vom Aryssee; meine Nymphe, die es mir angethan für alle Zeit, daß ich nur leben kann im Strahl ihrer Augen, von ihrer Liebe durchwärmt und beglückt, Grethe!" Er öffnete die Atme und fie lehnte sich selig lächelnd an seine Brust.
»Lieber, lieber Fritz!"
»Grethe, Herr Klausner," tönte eS da vom Ufer herüber.
Der Kahn war, ohne daß fie eS bemerkt, in eine der kleinen Schilfbuchten getrieben, daß sie den Blicken der im Garten Stehenden entzogen waren.
Das junge Mädchen richtete sich schnell auf und versuchte ihr Haar zu ordnen. Mtt einiger Mühe und einigen verunglückten Versuchen von Fritz Seite, ihr dabei zu helfen, gelang eS endlich.
Der Pastor, diesmal ohne seine Enkelin, war gekommen und mit ihm zugleich war ein Bote aus I. eingetroffen, der einen expreß zu bestellenden Brief an Herrn Redakteur Klausner überbrachte.
Nachdem erben alten Herrn begrüßt hatte, öffnete Fritz hastig baS Schreiben, baS er nach ber Aufschrift als von Tante Martha kommenb, ernannte. »Was soll ich thun?" rief er erschreckt, nachdem er b:n kurzen Inhalt desselben überflogen. »Ich muß reifen, — aber gerade jetzt? —! Mein Onkel — Sie wissen, gnädige Frau, er ist schon lange leidend. — Sein
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scheu Besatzungsheeres ob, aber der Abschluß des Friedens war wenigstens gesichert. Jene Anarchisten aber wollten, während die Ration in Waffen das Vaterland gegen den äußeren Feind verteidigte, den inneren Vernichtungskampf entzünden. Glücklicherweise gediehen diese Ausgeburten einer zum Wahnwitz erhitzten verbrecherischen Phantasie nicht über die ersten Anfänge der Verwirklichung hinaus. Das Können und Vollbringen stand im argen Mißverhältnis mit dem Willen.
Wenn die Anarchisten auch in Amerika eine größere
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Zug. Koch.
Anarchismus und Sozialdemokratie.
Selten wohl hat eine Gerichtsverhandlung ein abschreckenderes Bild verbrecherischen Wollens entrollt, rote der Prozeß gegen den Anarchisten Neve vor dem Reichsgerichte, welcher mit der Verurteilung des An- • geklagten zu 15 Jahren Zuchthaus endete. Ver- mchtung alles Bestehenden, die Ermordung unseres greisen Kaisers eingeschlossen, war der rote Faden, ; welcher sich durch das gesamte Wirken dieses Mannes hindurchzog, und Dynamit das Mittel, an das er allein appellierte. Charakteristisch für das Treiben und die Gesinnung der Rotte, in welcher Neve eine Haupttolle spielte, ist vor allem der Gedanke, den : Ausbruch eines europäischen Krieges zum Signale für den Beginn des Vernichtungskampfs gegen die „Ordnungsbestie", wie die anarchistische Spräche die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung bezeichnet, ' zu wählen. Dieser Plan übertrifft an Scheußlichkeit - noch die Pariser Kommune; der Kommune-Aufstand - spielte sich allerdings auch vor den Augen des deut-
Deulfches Kridj.
Berlin, 18. Oft. Der „Reichs-Anz." - meldet: Dr. Mackenzie besuchte vor seiner Rückkehr nach England nochmals den Kronprinzen zu Baveno, bestätigte abermals ine fortschreitende Besserung des Halsleidens, hielt aber die größte Schonung im Sprechen, sowie, behufs Vermeidung von Erkältungen, einen Winteraufenthalt des Kronprinzen im warmen Klima unbedingt für notwendig. Der Kronprinz wird daher zunächst noch in der sehr zweckmäßig und bequem eingerichteten „Villa Clara" zu Baveno verbleiben und dann voraussichtlich an der Riviera Aufenthalt nehmen. — Die „Berl. Pol. Nachr." erklären die Nachricht der offiziösen Telegraphenbüreaus über die Eventualität einer Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren für sehr unwahrscheinlich. Es fehlt aber auch an scheinbaren Bestärkungen der Kopenhagener Meldung nicht; namentlich sucht man eine solche darin, daß der Zar die beiden russischen Dachten „Derjhawa" und „Zarewna" die Rückfahrt nach Kronstadt ohne ihn und feine Familie antteten lassen will. Man schließt daraus, daß er meist über Land zurückfahren will und er würde dann Preußen berühren können. Stichhaltig sind diese Beweise durchaus nicht, da z. B. die Rückreise der Zarenfamilie eben so gut deswegen zu Land angetreten werden kann, weil die Zarewna das Bedürfnis fühlen dürfte, ihre geheilte Schwester, die Herzogin Thyra in Gmunden aufzusuchen. In Deutschland steht man allen russischen Plänen durchaus passiv, ja kühl gegenüber und überläßt es vollständig dem Zaren, sich mit den Pflichten der Höflichkeit und Pietät gegen unseren greisen Kaiser, die es bisher bei Seite geschoben hat, abzufinden. — Der Besuch des Zaren bei unserm Kaiser gilt somit wieder einmal für abgethan. Die Ansicht, daß es sich bei der Lancierung dieser Nachricht um ein Börsenmanöver gehandelt habe, findet Glauben, — Die „Kreuzztg." schreibt: „Wir sind in den Stand gesetzt zu versichern, daß in hiesigen Regierungstteisen von der Möglichkeit einer solchen Zusammenkunft nicht das Mindeste bekannt ist und sie auch nicht erwartet wird. Die Nachricht, deren Ursprung in einer Börsenspekulation zu suchen sein dürfte, trägt aber auch darum den Stempel der Erfindung an fich, als es jeder
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| doch zu einer klaren und netten Absage an die 1.65: Anarchisten nicht aufraffen können. Indem diese Be-
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I strebungen derselben als das Produkt der Bedrückung durch die bestehende Staats- und Rechtsordnung dargestellt werden, wird zugleich ein Hinterthürchen zu einer demnächstigen Vereinigung offen gelassen, t Ist doch gerade auf diesem Kongresse die extrem revolnsionäre Richtung innerhalb der Sozialdemokratie Siegerin geblieben und der Schwerpunkt der Thätig-
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes,
Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe- tl# sowie d. Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Vogler
dition LV. Ml., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. " . oc>w Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIL Mraana.
Bestellgeld). Jnseriir-nsgebübr für die gespaltene Zeile DoNNerstaU, 20. DuDDCt 1887. Moffe »n Frankfurt a. M.. Berlin, München n. Köln; G- L.
10 Pka- Reklamen für die Zeile 25 Pfg. a' Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
alles Nötige nachschicke. Schon ttn Wagen sitzend, strich er über ihr Haar nnb flüsterte lächelnd: »Hausmütterchen." Dann aber beugte er fich noch einmal auf ihre kleinen, braunen Hände nieder und drückte seine Lippen darauf in heißem Kusse. »Meine süße geliebte Braut!"
Da zogen die Pferde an---
* * *
»Tante Martha I"
»Fritz, mein Herzens junge!" Und die kleine verwachsene Gestalt der alten Dame lehnte fich an die Brust des jungen ManneS nnb schluchzte ganz herzbrechend.
»Wie geht es dem Onkel?" fragte er und streichelte besänftigend die Wange der Tante. Sie konnte nicht sprechen vor Schluchzen. Sie schüttelte nur mit dem Kopf und sah aus ihren verweinten Augen mtt einem Blick zu ihm auf, in dem deutlich zu lesen, stand: »Sehr, sehr schlecht."
Es lag so tiefer Jammer in dieser Geberde, daß Fritz unwillkürlich die Augen feucht wurden, was er durch angestrengtes Betrachten der Zimmerdecke zu verstecken und zu überwinden suchte. Denn — im Grunde hatte er keine Veranlassung, den Onkel besonders lieb zu haben, der immer nur, wie er sehr wohl wußte, in nicht besonders freundlichen Ausdrücken von ihm gesprochen. Ja, wenn er jemals auch nur die kleinste Schuld für ihn bezahlt hätte! So aber —. Er hatte wirklich keinen Grund, ihn gar zu schmerzlich zu betrauern. Sterben mußten ja am Ende alle, und Onkel Wilhelm hatte schon ein langes Leben hinter sich. ,
Ganz wollte eS ihm aber doch nicht gelingen, alle Rührung abzuschütteln, so lange er die schluchzende kleine Gestalt in seinem Armen hielt. Ja, selbst als die Tante in das Krankenzimmer gegangen war, um den gerade anwesenden Arzt zu fragen, ob der junge Mann zu dem Kranken geführt werden dürfe, konme er fich nicht ganz frei davon machen.
M'ch'M' Miiim