1887.
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WöchenIlichcBcilagkn: Ureis-Blatt für die Kreise Marburg mid Kirchhain. - ZÜustricrleS Lomtagsblatt.
Expedition; Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag vou Joh. Sug. »och.
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Marburg,
Mittwoch, 19. Oktober 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G-8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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Böses Gewisse«.
Original-Roman von Tr. Rindler.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Maß von Blamage, welches es jetzt erlitten, wäre ihm sicherlich erspart geblieben. Aber die Panslawisten haben so laut das hohe Lied von der nationalen russischen Politik gesungen, daß der Zar am Ende daran geglaubt hat. Er hat deshalb auch geglaubt, ein Besuch bei seinem kaiserlichen Großoheim in Stettin könne als Verzicht auf diese russische Selbst- ständigkeitspollttk ausgelegt werden, und darum blieb er gerade in dem Moment fort, als alle Welt sein Eintreffen zuversichtlich erwartete. Wäre er gekommen, hätte er natürlich nicht als erklärter Deutschenseind kommen können. Im übrigen wäre gewiß nichts von
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e bisher Arm mit Deutschland und Oesterreich gegangen, das eutnant
Der kaiserliche Großneffe.
Was das Freundschaftsgefühl des russischen Kaisers für Deutschland nicht zu Stande bringen konnte, das scheint die tolle Weinlaune des Großsürsten Nikolaus, des Vetters des Zaren, bewirken zu wollen, nämlich eine Begegnung der beiden Monarchen, auf der Rückreise Alexanders III. von Kopenhagen nach Petersburg in einem deutschen Ostseehafen. Man spricht vou Warnemünde. Der Ort liegt für beide Kaiser ( sicher am günstigsten. Von Berlin sind es nur wenige Stunden und von Kopenhagen ist der Umweg auch nicht bedeutend, welchen Alexander III. auf der Reise nach Petersburg machen müßte. Kaiser Wilhelm könnte ganz bequem die Begrüßung seines kaiserlichen Großneffen in einem Tage erledigen. Aber rechnen wir noch nicht zu sicher darauf, daß die Kaiserbegegnung wirklich in kurzem stattfinden wird. Am russischen Hofe machen sich oft gar sehr widerstrebende Strömungen geltend, und was heute fest abgemacht erscheint, ist morgen schon wieder verworfen. Wir • können also nur mit Möglichkeiten rechnen.
Als der Kaiser in Stettin war, galt ein Besuch durch den Zaren schon als ganz gewiß, und es ist ■ auch nicht in Abrede zu stellen, daß er thatsächlich ■ ins Auge gefaßt war. Dann besann sich Kaiser . Alexander wieder. Er protegiert momentan in der auswärtigen russischen Politik eine Politik der Selbst- - ständigkeit, die keinem anderen Staate gegenüber Verpflichtungen eingehen will. Weßhalb das geschieht, : ist freilich nicht recht klar, denn Rußlands gegenwärtige isolierte Stellung ist recht traurig. Das mächtige Zarenreich hat in der bulgarischen Frage mit seiner selbständigen Politik auch nicht den aller- ■ geringsten Vorteil davon getragen; es ist vielmehr in I dem ganzen diplomatischen Feldzuge von den bulgarischen Regenten total aufs Haupt gefchlagen. Wäre Rußland, wie zur Zeit von Skierniewice, Arm in
»Sieh des Himmels Blau, das lichtdurchwobeu, lieber uuS den Riesenbogen zieht, Sieh den Feuerball, der hoch von oben Seit Jahrtausenden die Welt dnrchglüht. — Sieh den See, auf seinem Grund, dem Hellen Schwindelnd tief ein zweiter Himmel liegt. Daß der Kahn sich auf den lichten Wellen Wie inmitten zweier Welten wiegt. — Sieh wie aus den tiefen Wasserferuen DaS Gestirn Millionen Funken sprüht, Daß es, wie mit tausend Augensternen Auf zu uns ans grans'gen Tiefen steht. — Hör' daS Wasser, wie eS plätschernd kräuselt, WaS au« seinem leisen Murmeln spricht — Was daS Schilf am Ufer nickend säuselt — Ist eS nicht ein einzig Weltgedicht?
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Aber leblos blieb mir, was da webet, Tod die Sonne, fahl des Himmels Blau, Fühlt ich uicht mein Innerstes durchbebet, Wenn ich Dir ins blaue Auge schau.
Ist auch bald die Welt mir dann versunken, Schöner fie aus Deinen Augen spricht, Beides hat Dein Auge ja getrunken: Himmelsbläue und der Sonne Licht!
Und so wie geheimnisvoll verbindeu Sonnenglanz und Himmelsbläue fie, Glaub' in ihrem Schein jetzt zu empfinden Ich der Schöpfung ganze Harmonie!"
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rKnq® Der junge Mann sah ihr einen Moment in die Augen, ließ dann die Blicke über Himmel und See nietheil. schweifen und begann:
ihm verlangt, und selbst einem Kaiser macht es Ehre, dem Höflichkeit und Achtung zu bezeugen, der sie wirklich verdient. Allein die leidige politische Rücksicht verdarb den verwandtschaftlichen Besuch.
Wenn man glaubt, die Begegnung von Friedrichsruhe zwischen Fürst Bismarck und Minister Crispi hätte den Zaren aufgeheitert, so ist das ein Irrtum. Auf keinen modernen Staatsmann ist der gute Russe erboster, als auf diesen Crispi, der am alleroffensten für die bulgarische Unabhängigkeit eintritt. Aber diese Stimmung wechselte, als Alexander III. von dem prachtvollen Toast seines Vetters in Dünkirchen vernahm. Der Zar ist, das muß man ihm zum Lobe nachsagen, in Wahrheit ein gerader, ehrlicher Mann, der solche Hintertreppenpolitik durchaus nicht vertragen kann. Er macht keinen Hehl aus dem Haß, aber er duldet nicht, daß bestehende erträgliche Beziehungen zu anderen Staaten von irgend einem Mitglied seiner Familie verschlechtert werden. Der Großfürst Nikolaus ist deshalb auch von dem Kaiser für sein weinseliges Schwatzen ganz gehörig abgekanzelt worden und wird wohl an die Lektion denken. Seitdem ist bei dem Zaren von neuem der Gedanke aufgetaucht, seinem greisen Großoheim einen verwandtschaftlichen Höflichkeitsbesuch abzustatten, der aber mit der Politik absolut nichts zu thun haben soll. Alexander III. will Kaiser Wilhelm seine Hochachtung bezeugen und damit zugleich, daß nur er es ist, welcher über Krieg und Frieden in Rußland entscheidet. Ob diese guten Gedanken zur That werden, das ist freilich eine ganz andere Sache. Wir haben auch nur kurz skizzieren wollen, wie die Dinge heute liegen. Käme der Zar nach Warnemünde, er würde sicher freudig begrüßt werden, bliebe er fort, nun, so müßten wir es auch tragen. Eine einzige politische Bedeutung, freilich auch eine sehr hervorragende, würde nur die Begegnung haben, denn sie würde sagen: Erneuert auch der Zar das Freundschaftsbündnis mit dem Deutschen Reiche nicht, so denkt er doch erst recht nicht an eine Allianz mit Frankreich! And allerdings, wenn etwas geeignet ist, dem russischen Kaiser solche Ideen aus dem Sinn zu bringen, so sind das die zahlreichen Skandale der letzten Zeit in Paris. Nichts kann dem russischen Selbstherrscher so zuwider^sein, als das zügellose Treiben, welches gegenwärtig in Frankreich herrscht.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Okt. Der Kronprinz selbst und alle die, welche die Verantwortung für sein Leben und seine Gesundheit tragen, müssen sich eigentümlich
Er hatte mit halblauter Stimme gesprochen, die Blicke sinnend in das leise rauschende Schilf gesenkt, während ihre Augen mit bewunderndem Ausdruck an seinen Lippen hingen. Als er geendet, blieb sie ein Weilchen noch ganz still, als lausche sie dem Nachhall seiner Worte. Dann streckte sie ihm plötzlich die Hand hinüber und öffnete die Lippen, um etwas zu sagen, doch ehe fie es noch gethan, tönte die Stimme der Mutter vom Garten herüber: .Grethe, Grethe l"
Die Gerufene entzog Fritz schnell ihre Hand, fuhr damit über die Stirn, als wolle fie die dahinter ruhenden Gedanken zurückdrängen. Daun rief sie über den See zurück: »Wir kommen."
Fritz griff nach den Rudern und bald darauf, ohne ein Wort mit einander gewechselt zu haben, landeten sie beim Garten.
Der alte Pastor, den Fritz schon von der heutigen Predigt her kannte, war mit seiner Enkelin, eimm dicken rotbäckigen Bauernmädchen mit einem Paar wasserblauen Augen und vou scheu verlegenem Betragen, zum Besuch gekommen. Der alte Herr nahm den jungen Mann, nachdem ihm derselbe vorgestellt worden, und er mit feiner ehemaligen Schülerin ein paar freundliche Worte gewechselt, vollständig in Beschlag, während feine Enkelin kicherns und flüsternd Grethe mit sich fortzog tiefer in den Garten.
Er bekam fie für den Rest des Tages nur noch wenig zu sehe» und auch dann immer nur in Begleitung der Andern, die sich mit einer Art verlegener Aufdringlichkeit au ihren Arm gehängt. Selbst am Abend, als sie ihn wieder über den See ruderte, begleitete sie der Pastor und feine Enkelin.
Ans dem Heimwege mußte er fortwährend Vergleiche anstellen zwischen den beiden Mädchengestalten. Und wahrlich, es hätte keine Andere als das Enkelkind des Predigers besser dazu gepaßt, durch solchen Vergleich die Eigenschaften, das ganze Wesen der kleinen Grethe auf das Vorteilhafteste hervortreten zu lassen.
berührt fühlen von der Geschästtgkeit, mit welcher jetzt von gewisser Seite (wer wollte, könnte Namen nennen) ein deutscher Ersatz für den englischen Arzt oder wenigstens eine Art Konttolle über seine Thätig- keit gefordert wird. Die „Köln. Ztg." bittet Herrn Mackenzie, „die Verantwortung, die er jetzt allein trägt, mit einem anerkannten deutschen Spezialisten zu teilen." Wenn man nur sagen wollte, wer dieser Spezialist wäre; man könnte an Tobold denken, aber die Eingeweihten wissen, daß er ebenso wie unsere großen Chirurgen und Pathologen mit der Berufung des Engländers ganz einverstanden war und heute noch ist und daß er ein solcher „Spezialist" für eine selten vorkommende Krankheit auch gar nicht sein will. Große Aerzte hier sagen neidlos, daß Mackenzie in diesen „speziellen" Dingen die größte Erfahrung besitzt unter den jetzt Lebenden. Der einzige vielleicht, der mit ihm in derselben Linie rangiert, ist der Wiener Störck; indessen wenn er seinerzeit statt Mackenzie berufen worden wäre, hätte man wieder fragen können, warum Mackenzie nicht zugezogen wird. Beide neben einander in Thätigkeit treten zu lassen, wäre wohl nicht angegangen. Uebrigens hat man doch keineswegs den Kronprinzen ohne ärztlichen Zuspruch auch von deutscher Seite gelassen. Es klingt durchaus gehässig, wenn gesagt wird: „Der den Kronprinzen begleitende deutsche Hofarzt ist unseres Wissens ebenso wie der englische Gehilfe Mackenzies noch ein so jugendlicher Arzt, daß er den Anspruch nicht erheben wird, in seinen Aussprüchen als Autorität für das deutsche Volk zu gelten." Unseres Wissens ist dieser „jugendliche Hofarzt" in feinen militärischen Verhältnissen Oberstabsarzt erster Klasse, und dazu Macht man in Preußen keine „jugendlichen" Leute, er hat, wenn wir nicht irren, 1864 das Staatsexamen gemacht und ist also wohl gleichalterig mit Mackenzie selbst, der 1837 geboren ist, d. h. eia Fünfziger, und leider ist das für einen Arzt durchaus keine Jugendlichkeit. Das Alter kann keine Autorität schaffen, es kann sie vielleicht verstärken. Aber wir haben doch gerade hier in Berlin ein unvergeßliches Beispiel gehabt, wie ein „jugendlicher" Arzt eine „Autorität für das deuffche Volk" war. Als Albrecht Gräfe im Jahre 1870 starb, da war er kaum in das 43. Lebensjahr getreten, aber heute noch zweifelt niemand, daß ihm keiner gleichkam in seiner Kunst, nicht in Deutschland und nicht auf dem ganzen Erdenrund. Eine Arzt soll auch in seinem Berufe keine Nattonalität kennen, es wäre nicht gut, wenn das anders würde in Deutschland und wenn ein begreiflicher Weise erhöhtes nationales Gefühl auch
Von da an wurde es zn feiner stereotypen Ge wohnheit, des Sonntags am frühen Morgen feine Wanderung nach dem Arysfee anzutteiben. Und je öfter er das wiederholte, desto mehr wurde er in dem bescheidenen Landhause ein gern gesehener, fröhlich bewillkommter und nach und nach sogar sehnlich erwarteter Gast. Er fand von da an stets den Kahn am Ufer feiner harrend und öfter als einmal fand er sogar Grethe dort. Sie hatte nicht auf ihn ge. wartet — bewahre — sie war sogar sehr erstaunt, daß er gerade jetzt kam. Wenn sie vorher so erwartungsvoll nach der Gegend der Pappelallee ausgeschaut hatte, so hatte sie auf ganz andere Dinge gefejen! Wie sie aber um diese frühe Stunde hierher kam? Sie wußte hier ganz nahe ein paar Stellen, wo so viele und große VergißmeMnicht standen. Davon wollte fie einen Strauß für den Mittagstisch pflücken. Daß dicht neben dem Garten die kleinen blauen Blumen so ganz besonders üppig wucherten, daran — ja — daran hatte fie nicht gedacht. Er erbat sich eine kleine Spende von ihrem Blumen- reichtum für sein Knopfloch — und sie steckte ihm einige Stielchen davon hinein. Wenn er bann aber ihre braunen Hände haschte, um fie plötzlich und stürmischer als sonst zu küssen, bann entzog sie fie ihm plötzlich unb verfiel in einen so gemessenen Ton, daß er wieder der Schranke inne wurde, die sie stets um sich zu ziehen verstand. Dennoch bemerfte Fritz mit einem gewissen Gefühl der Befriedigung, daß fie, seit er einmal ihren Helgoländer Hut .abscheulich" genannt, fie ihn in seinem Beisein nie mehr trug, daß sie dagegen stets ein blaues Band durch ihre blonden Zöpfe schlang, feit er dies einmal .hübsch' gefunden. Ihm selber unbewußt beschäftigten sich aber auch seine Gedanken je mehr und mehr mit der kleinen Grethe.
Fran Herting schüttelte zu dem Setragen ihres Mietsmannes feit einiger Zeit bedenklich den Kopf. So unsolide, daß er Sonntag für Sonntag am frühen Morgen fortging und erst spät in der Nacht wieder-
nach dieser Richtung hin von den egoistischen Interessen einzelner sich leiten lassen wollte. — Der Londoner Korrespondent der „Kreuzzeitung" hat eine Unterredung mit Mackenzie über das Befinden des Kronprinzen gehabt und berichtet darüber: „Nach den Versicherungen Mackenzies ist das Befinden des Patienten durchaus zufriedenstellend, und nichts liegt vor, was die beunruhigenden Nachrichten rechtfertigen könnte, welche aus Berlin, Rom und Wien hierher telegraphiert worden sind. Richtig ist allerdings, daß der Kronprinz in Toblach eine starke Erkältung davontrug, welche eine Entzündung des Kehlkopfs zur Folge hatte und den Aerzten große Besorgnis einflößte. Es fiel jedoch den Aerzten Dr. Schrader und Dr. Hovell leicht, die Entzündung zu beseitigen. Der Kronprinz ist jetzt vollständig genesen von den Wirkungen des starken Katarrhs, welcher dazu nötigte, das etwas ungeeignete Klima von Toblach mit der milden Luft von Bsveno zu vertauschen. Es ist vollständig gelungen, die Entwickelung des Halsleidens zu hemmen, und durchaus ohne Grundlage sind jene Angaben, welche glauben machen wollen, daß die Bildungen an der Kehle in einer bedenklichen oder anderen Form wiedergekehrt seien. Die schnelle Genesung von der Erkältung in Toblach wird von den Aerzten als ein günstiges Symptom betrachtet uud als ein Beweis, daß das Allgemeinbefinden des hohen Patienten sehr zufriedenstellend ist. Obgleich die Genesung nicht so schnell vorschreitet als wünschenswert ist, so ist doch aller Grund zur Hoffnung vorhanden, daß bei einiger Vorsicht der Kronprinz seine volle Gesundheit wiedererlangen wird. Die ärztliche Behandlung hat sich seit der Beseitigung des Katarrhs nicht geändert und •bie ärztlichen Berater des Kronprinzen sind jetzt durchaus überzeugt, daß die vollständige Genesung nur eine Frage der Zeit ist. Seine kaiserliche Hoheit befindet sich vollkommen wohl, lautet die nachdrückliche Versicherung Dr. Mackenzies. — Slaatsekrekär Graf Herbert Bismarck, der sich gestern nach Friedrichsruh begeben hat, ist heute mit dem Minister v. Bötticher hierher zurückgekehrt. — Fürstbischof Kopp trifft heute abend hier ein, morgen findet die Eidesleistung statt und dann ein Diner, welches der Kultusminister von Goßler zu Ehren des Fürstbischofs gibt.
— Die Reise, welche der Herr Staatsminister von Bötticher gestern auf Einladung des Herrn Reichskanzlers nach Friedrichsruh angetreten hat, bezwecke, wie die „Berl. Pol. Nachr." bemerken, ohne Zweifel, das Einverständnis des Herrn Reichskanzlers mit der im Reichsamt des Innern in Aussicht genommenen weiteren Behandlung der Alters- und Jnvalidenver-
kam, so unsolide war er bisher doch noch nicht gewesen. Dabei machte er freilich auffällig wenig Schulden, bas mußte fie zugestehen, benn er halte ihr sogar einen Teil ber rückständigen Miete bezahlt, — aber was war aus seiner Poesie geworden! Seine Gedichte handelten fast ausnahmlos von Nymphen und Nixen, unb daS waren ganz unanständige Frauenzimmer, die im Wasser umherschwammen und nichts weiter sich zu bedecken hatten, als ihre langen Haare unb höchstens noch einen Strauß Wasserrosen. Sie hatte einmal ein Bilb vou biesen Personen gesehen. Unb er war noch solch ein junger Mann, ihr Dichter, unb schon so berberbt Das war recht betrübenb.
O, fie hatte ein Urteil über solche Dinge, hatte boch seit mehr benn zwanzig Jahren ber jeweilige Redakteur bet J'er Nachrichten bei ihr gewohnt.
Eines Sonntags kam ber Herr Redakteur noch ganz besonders spät heim, obgleich bie Nächte schon empfinblich kühl zu werben begannen unb bie Wasserfahrten nur noch so lange, als bie Sonne auf ben Spiegel bes Sees schien, zu ben Vergnügungen ge* zählt werben konnten. Statt sich bann aber wenigstens sofort zur Ruhe zu begeben, setzte er sich au ben Schreibtisch.
»Ich habe mich lange genug gegen biefe Erkenntnis gesträubt", schrieb er, nachdem er schon mehrere Male die Seiten gewandt, „doch nun kann ich mir selbst nicht länger etwas weiß machen. Nicht wahr, Du liebe Alte, Du mußt wohl beistimmend nicken, wenn ich Dir sage: Ich bin ber kleinen Grethe recht von Herzen gut unb will fie heiraten, benn ich benfe, ich hoffe, ich glaube auch sie mag mich gern. Warum ich Dir aber bies alles schreibe, noch bevor ich zu ber kleinen Grethe selbst bies alte, süße Wort gesprochen, ba ich doch sonst nicht gerade gewohnt gewesen, meinen Beichtiger in Dir zu sehn? Einzig darum: ich will Dich bttten, dem Onkel die ganze Geschichte zu erzählen und ihn zu ersuchen, die kleine Grethe gütigst zu enterben. Sie braucht fein Geld nicht als meine Frau. Der verspottete Federfuchser