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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg imb Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

ExpÄntion: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. »och.

M 244.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 21/. Mk-, bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserti->nsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 18. Oktober 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie b. Amioncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: 0.8. Dauben.Co. in Frankfurt a. M., Berlin,Hannover.Paris.

XXL Jahrgang.

Zirm 18. Oktober.

Der Tag der Leipziger Völkerschlacht ist auch der Geburtstag des deutschen Kronprinzen, der am 18. Oktober 1831 im neuen Palais zu Potsdam als Sohn des Prinzen Wilhelm von Preußen, ältesten Bruders König Friedrich Wilhelm IV., geboren wurde, der würdige Sohn eines großen Vaters, unseres Kaisers Wilhelm. Der Kronprinz genießt im ganzen Deutschen Reiche eine Popularität, die nur von der­jenigen des Kaisers übertroffen wird. Kronprinz Friedrich Wilhelm hat sich im Kriege, wie im Frieden als ein Mann gezeigt, zu dem man wohl mit Ver­trauen aufblicken kann, als ein Fürst von gewaltigen Geistesgaben. An alle große Waffenthaten des letzten Krieges knüpft sich auch der Name des Deutschen Kronprinzen, alle gemeinnützigen Bestrebungen des Friedens, Kunst und Wissenschaft, Gewerbe und Hand­werk, Handel und Wandel, haben an chm nicht nur einen teilnehmenden Freund, mehr noch, einen eifrigen Md fachverständigen Förderer gefunden. Der Kron­prinz urteilt und prüft mit großer Schärfe, lobt aber Mch in reichem Maße, was des Lobes wert. So ist er auf deutschen Ausstellungen, in gewerblichen Vereinigungen oft erschienen, ratend und ermunternd, prüfend und lobend. Auch als Herrscher hat sich der Kronprinz, wenn auch nur für eine kurz bemessene Zeit, gezeigt. Es war in jenem bösen Jahr, wo elende Mordbuben das edle Blut des Kaisers aus zahlreichen Wunden fließen ließen. Damals stand der Kronprinz dem greifen, schwerkranken Vater treu zur Seite, und das Ruder der Reichsregierung hat gewiß fest in seinen Händen geruht. Aber das Bild des deutschen Kronprinzen würde doch nicht voll­ständig sein, wenn wir nicht noch eines Umstandes gedächten, der ihn dem deutschen Volk ganz besonders lieb und wert macht: Das ist der einfache, schlichte Bürgersinn des hohen Herrn, das gesunde, wahrhaft deutsche Familienleben, welches in der kronprinlichen Familie herrscht, und welches für jeden deutschen Hausstand ein Vorbild sein kann. Tausende haben aus eigener Erfahrung die ungemein große Leutselig­keit des Kronprinzen kennen gelernt, Tausende be­wahren feine freundlichen Worte als kostbare Er- umerung. In dem deutschen Kronprinzen verehrt die deutsche Nation auch den echten deutschen Mann, und darum gedenkt sie teilnehmend seines Wiegenfestes, und bringt ihm ihre herzlichsten Glückwünsche für sein ferneres Wohlergehen dar.

In jedem deutschen Hause ist die Anwesenheit des Gefeierten die erste Vorbedingung einer wahren Fa-

Böfes Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rind ler.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ei» leichtes Kdpfnetgen und eine einladende Handbeweguvg, sich ntebergxlaffen, und bann sagte die sympattsche Stimme von vorher wieber:O, hier auf bem Lande nehmen wir eS nicht so genau in Etiquettef ragen. Jedenfalls muß Sie ober eine wichtige Angelegenheit hierher führen in unsere Ein- sawkeit, denn sonst sind wir nicht gewöhnt, einen Gast bei uns empfangen zu dürfen. Wollen Sie mir daher Mitteilen, in wie fern ick Ihnen dienlich sein kann."

»O, nein, gnädige Frau, es ist nichts Wichtiges und eigentlich auch keine Angelegenheit, die mich zu Ihnen führt. Ich komme nur, um Ihnen Grüße in bringen."

Ein schwermütiges Lächeln spielte um die Lippen der Dame. .Grüße?" fragte sie und strich nach­denklich das bereit» ergraute Haar aus der Sttrn, von wem sollten mir die kommen? Da draußen in der Welt hat man mich längst vergessen."

Nein gnädige Frau, da draußen in der Welt kbt Einer, der ihr Gedächtnis treu bewahrt. Und das ist Oberst Brachfeld, mein Onkel."

»Wilhelm Brachfeld?" fragte sie und ergriff seine Hand, während eine heiße Blutwelle über ihr Antlitz Tut einen Moment jugendlich färbte. .Und er denkt aoch an mich? Und Sie find sein Neffe? Oh, dann leien Sie mir doppelt herzlich willkommen! Sie müssen vir sehr, sehr viel von ihm erzählen. Hat er Sie r» mir geschickt?" Fritz wurde ein wenig verlegen unter dem forschenden Blick, der auf ihm ruhte. »Das nicht gerade, gnädige Fran; aber ich weiß, wie treu er Ihr Gedächtnis bewahrt, und ich dachte mir, es würde Sie vielleicht freuen, einmal von ihm zu Horen und zu sprechen."

»Und wie nennt er mich, wenn er von mir spricht?" «tue ängstliche Spannung lag bei dieser Frage auf

milienfeier. Darum denken wir in diesem Jahre vor allem daran, daß der Kronprinz fern von Deutsch­lands Grenzen weilt, und sorgenvolle Gedanken mischen sich mit dem fröhlichen Erinnern. Der Kronprinz, bisher die Gesundheit selbst, und ein rastloser Arbeiter zur Erfüllung seiner Pflichten, ist nun schon Monate durch ein heimtückisches Leiden zur Unthätigkeit ver­urteilt, von Deutschland ferngehalten. Das hat manche Sorge wachgerufen, größere, als vielleicht nötig war. Aber sie erklärt sich aus der Anhänglichkeit an den einzigen Sohn Kaiser Wilhelms! Bangt man doch für ein besonders teueres Gut doppelt. Und nach des Kaisers Leben ist keins uns teurer, als das des deutschen Kronprinzen. Das eigenartige Leiden des hohen Hern», das feit dem Frühjahr nicht allein Deutschland, sondern ganz Europa beschäftigt, ist in seinem lebensgefährlichen Teile zweifellos überwunden. Es handelt sich nicht um ein Krebsleiden, wie im Anfang befürchtet wurde, und das Gewächs im Halse konnte ohne schwierige Operation entfernt werden. Wenn somit auch für das Leben nichts mehr zu fürchten ist, so scheint doch eine lästige Empfindlichkeit der betreffenden Körperteile eingetreten zu sein, die zu hoher Vorsicht mahnt, und so kommt es, daß der Kronprinz Monat für Monat von Deutschland fern bleibt. Es ist nicht zu verwundern, wenn oft beun­ruhigende Nachrichten verbreitet wurden; es handelt sich um einen Patienten, auf den Millionen sehen. Aber diese schlimmen Nachrichten wurden doch immer wieder schnell als unrichttg befunden. Zu wünschen wäre es freilich, es würde ein größerer Aerztekreis zur Behandlung hinzugezogen, der bestimmte Gutachten über den Gesundheitszustand des Kronprinzen in regelmäßigen Zwischenräumen abgäbe und damit dem deutschen Volke Gewißheit über den Fortschritt in der Besserung gäbe. So hoffen und harren wir, daß recht bald eine vollständige Genesung eintreten und wenn nicht früher, so doch zum Frühjahr nächsten Jahres der Kronprinz in voller Gesundheit wieder heimkehren werde ins Deutsche Reich, wo ihn die ganze Nation mit voller Herzlichkeit begrüßen würde. Sechsundfünfzig Jahre erst vollendet der Kronprinz, die er in ruhmvoller und treuer Arbeit für Kaiser und Reich verbracht hat. Mag ihm schnell, recht schnell die volle Kraft wiederkehren, die gerade er so notwendig gebraucht! Das ist unser Geburtstags­wunsch.

Pariser Moral.

Bei dem Skandal Caffarel in Paris handelte es sich anfänglich nur um den Ordensschacher, welchen ihren Zügen. »Fran Klementine Helm", erwiderte Fritz verwundert und sah, wie sie erleichtert aufatmete-

Da öffnete sich die Thür wieder und eine schlanke, jochgewachsene, junge Dame trat in das Zimmer. Auch sie war von dem goldigen Sonnenlicht draußen noch geblendet, denn ohne jeden Gruß sagte sie: »Mama, eS war ein Herr draußen, der nach Dir tagte. Ist er schon wieder fort?"

Da erst ward sie des jungen Mannes ansichtig und wandte sich verwirrt ihm zu. Doch der war nicht weniger verlege» als sie, deu» das war dieselbe helle Stimme, die unter dem Helgoländer Hut hervor il» ihm gesprochen, das waren dieselben erhitzten Wange«, dieselbe kleine braune Hand, die ihn nach dem Hause gewieseu, dasselbe schmucklose Kleid. Kurz, >as Wesen, das er vorher für eine Dtenstmagd ge­halten, wurde ihm jetzt als die Tochter des Hauses vorgestellt. Wo aber hatte er auch nur seine Augen izehabt, daß er nicht sofort die Dame in ihr gesehen? kr wußte wahrhaftig kein Wort der Begrüßung zu rüden. Er hörte wie die Mutter sie einander vor- tellte, sah wie sie sich anmutig verneigte und dann mit einer reizenden, verlegenen Bewegung mit beiden Hände» das wellige, blonde Haar aus der Stirn strich, lud er stand da, ohne ein Wort über die Lippen zu bringen. Das war dem Herrn Redatteur bisher noch nicht begegnet. ,

Endlich kam Frau Helm den beiden zu Hilfe, indem sie Fritz fragte: »Sie bleibe» doch für heut unser Gast nicht wahr?"

Als er darauf höflich ablehnend antworten wollte, chie» Grethe? Verlegenheit plötzlich überwunden, denn ie sagte lachend: »Ja, ja, Sie müssen schon. Bei uns ist es gerade wie in den verzauberten Märchen- chlösseru: »Wenn sich da einmal Einer hinein verirrt, kommt er auch nicht so leichten Kaufes wieder davon. Also, nicht wahr, Sie bleiben gutwillig?"

Und er entgegnete: »Recht, recht gern!"

Das junge Mädchen verschwand bald wieder, um in der Küche ihres Amtes zu walten, und Fritz saß

dieser General in Verbindung mit berüchtigten Frauen­zimmern getrieben. Je mehr die Angelegenheit be­sprochen wird, um so mehr tritt aber dieser Punkt in den Hintergrund, und hervor tritt die furchtbare moralische Verderblichkeit, welche so ziemlich alle regierenden Kreise der Republik besitzen. General Caffarel hat es arg getrieben; aber man ist schon so weit gekommen, daß man sagt, andere trieben es nicht minder arg. Sie gehen nur frei aus, weil keine Anklage gegen sie erhoben ist. Wollte man all Leute in Paris zur Rechenschaft ziehen, welche Ämter­schacher getrieben, die Gerichte hätten für Jahr und Tag zu thun. In Paris besteht ein so furchtbares Kliquen- und Protektionswesen, daß die Zustände des dritten Kaiserreiches davor vollständig erbleichen. Es werden Stellen geschaffen, für welche nicht das ge­ringste Bedürfnis vorliegt, lediglich um für Günst­linge Unterkommen zu schaffen. Es werden Orden verliehen, nicht für wirkliche Verdienste, sondern für Unterstützung in der Politik. Kein Land bietet eine so widerliche Ordensjägerei, als Frankreich. Das dritte Kaiserreich mit seiner elenden Wirtschaft im Innern steigerte die Kosten der Staatsverwaltung in den neunzehn Jahren fernes Bestehens um 303 M ll. Franken. Eine hübsche Summe in der That, wird man sagen! Und die Republik Frankreich, das spar­same, nichtmonarchische Regiment, das die Verschwen­dungssucht des Kaiserreiches nicht schwarz genug malen kann, hat die Verwaltungskosten in den sechszehn Jahren ihres Bestehens erhöht um 585 Mill. Franken. Das ist republikanische Einfachheit und Sparsamkeit, die so laut gepriesen wird.

In den Pariser Ministerhotels achtet man den Wert des Goldes überhaupt nicht. Die Wirsschaft, die dort herrscht, übersteigt alle Grenzen. Von dem, was in einem einzigen Hotel die gewöhnlichen Be­diensteten erhalten, wird in Deutschland so ziemlich das Personal eines ganzen Ministeriums besoldet. Und dabei ist eine Beamtenzahl noch vorhanden, die sich selbst im Wege ist. Aber diese Zustände sind natürlich. Die Abgeordneten in der Kammer, die sich so oft schon als Ministermacher gezeigt, nützen ihren Einfluß in einer Weise aus, die nicht mehr republikanisch ist, sondern geradezu von politischer Unmoralität zeugt. Die Minister wollen gern lange ihre Ämter behalten; gut! Zu dem Zwecke müssen ie die einflußreichen Abgeordneten, und in Paris glaubt jeder Volksvertreter ein großes politisches Licht zu fein, so warm als möglich zu halten suchen. Die Abgeordneten müssen sich wieder ihrer einflußreichen Wähler versichern, und so wäscht eine Hand die «it Frau Helm in dem dämmerige» Zimmer uud prach von Onkel Wilhelm und der guten, alten Tante Martha. Und dazwischen erzählte sie mit ihrer weichen, traumhaften Stimme, ans der es wie ein Nachhall einst geflüsterter LiebeSworte klang, von längst entschwundenen Tagen.

Da steckte Grethe den Kopf zur Thür herein und fragte: »Herr Klausner, wollen Sie mir nicht helfen zum Nachtisch einen Korb Kirschen zu pflücken?"

»Aber Kind," wehrte die Mutter.

»Mama, das ist für die Herren aus der Stadt etwas Neues und daher amüsiert eS sie. Nicht wahr, Herr Klausner?«

»Gewiß, gnädiges Fräulein, und ich werde sehr geru von Ihrer Erlaubnis Gebrauch macheu.«

Sie nickte ihm ohne wetter zu antworten zu und eilte voraus.

Im Garten hinter dem Hause ging sie dann prüfend von Baum zu Baum, bis sie endlich stehen blieb, die Leiter, die auf dem Rasen lag, gegen einen stamm lehnte und erklärte: hier würden wohl die besten fein.

Während er dann droben in dem Geäst saß, und te ihm, auf d:r Letter stehend, deu Korb hiuhielt waren sie bald in ein fröhliches unbefangenes Plaudern gekommen. Grethe erzählte von ihrem einsamen Leben hier und von der ftöhlichen Zeit, die sie in der Pension verlebt unter einen Schar von dreißig Altersge- nofsinnen vier Jahre lang. Und dann fragte sie »ach seinem Leben und machte ein fast ehrfürchtiges G-sicht, als er ihr von seiner Thätigkeit erzählte, sie sagte, daß sie seinen Namen schon so ost in den er Nachrichten gelesen und bekannte errötend, daß ce sogar einige von seinen darin veröffentlichten Ge­dichten zu ihrem Vergnügen answendig geleint habe. Dann fragte sie wieder, wie lange er sich schon in I. aufhalte, warum er sie nicht längst ausgesucht, und ob er nun auch recht oft kommeu wollte: es sei gar so hübsch, Besuch zu haben.

»Sie ist eines der hübschesten und naivsten Land-

andere, aber die Zeche bezahlt der Staat. Vermittler für solche Protektionsgeschäfte haben da ein gutes Feld, und daraus erklärt sich so manches, was uns Deutschen absolut nicht einleuchten will.

Alle einsichtigen Pariser Blätter sind einig darin, daß mit der Bestrafung des Generals Caraffel das Uebel nicht beseitigt ist. Von Herrn Wilson, dem Schwiegersohn des Präsidenten Grevy, ist nicht erst jetzt, sondern vor Jahr und Tag schon behauptet, daß er seine verwandsschaftliche Stellung zum Staatsober­haupt in nicht gerade rühmenswerter Weise zu Pro- tektions- und Börsengeschäften ausnütze. Bei dem Reden ist es aber auch geblieben, weil andere große Herren ebenfalls thun, was sie können. Und der große General Boulanger, wie hat er im Kriegs­ministerium gewirtschaftet? Aerger sah es mit der Günstlingswirtschaft auch unter ©ambetta nicht aus. Slemenceau, der Führer der radikalen Partei, findet auch nichts in diesem Treiben, und wenn solche Männer schon der Ansicht sind, daß zur Erreichung polittscher Zwecke auf politische Moral nicht geachtet zu werden braucht, dann ist es auch nicht mehr wunderbar, wenn ein verschuldeter General, wie Caraffel, sich offen als Ordenverkäufer etabliert. Der Urgrund dieser ganzen Verderbtheit aber ist der Mangel einer angesehenen Regierung. Frankreich besitzt keinen Mann, der durch die Macht feiner Per­sönlichkeit schon Eindruck macht, der es nicht nötig hot, fortwährend um seinen Ministersitz zu zittern. Das Fehlen eines solchen Mannes ist biefe Ursache all der stattgehabten Skandale, des Sinins,po­litischen Moral und der militärischen DiszPe;^ Her Schwächung der Finanzkraft des Landes. ®otme,S 'A einmal gesagt:Frankreich kann nicht ruiniert wem es ruiniere sich denn selbst!" Daran muß man do ehr denken jetzt.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Okt. Am künftigen Donnerstag wird der Kaiser wieder in Berlin erwartet und zwar, wie es heißt, zu dauerndem Aufenthalt. Der Kaiser har seiner Umgebung gegenüber den lebhaften Wunsch geäußert, sich an einigen Hofjagden zu beteiligen und bei dem gegenwärtigen vortrefflichen Befinden des Monarchen ist es möglich, daß diesen Plänen keine Bedenken begegnen. Es bestätigt sich, daß Prinz Wilhelm im nächsten Winter den Kaiser bei einer Reihe von Hoffesten vertreten wird, dagegen soll, wie man versichert, eine anderweitige Arbeitsentlastung des Kaisers hinsichtlich der Vorträge über militärische Angelegenheiten und bergt mehr nicht geplant sein.

kinder, die ich je gesehen," dachte Fritz. AIS er ober zufällig im Gespräch einmal die Hand auf ihr6 Schulter legte, trat sie mit einer so bestimmten Be" wegung einen Schritt zurück, während ein streng zu­rechtweifender Blick ihn traf, daß er zugestehen mußte, dies naive Landkind beanspruche genau dieselbe er. urchtsvolle Rücksicht, wie nur eine Dame von der Wett. Es dauerte geraume Zeit, in der er sich alle Mühe gab, fie die kleine Taktlosigkeit vergessen zu machen, ehe fie sich wieder in der vorigen harmlose» Weife gab.

Nach dem im Freien fröhlich eingenommenen Mittagsmahl machte Fritz mit Grethe einen Rund. 6a»9 durch die kleine Besitzung. Er mußte die in voller Blüthe stehenden Rosen bewundern, dem frischen Stand der Gemüsebeete sein Lob zollen und die Bekanntschaft des gesamten Geflügels, der Kuh und sogar des Kettenhundes machen.

Gegen Abend, nachdem er mit dem Versprechen, bald wiederzukomme», von Frau Helm Abschied ge­nommen, ruderte thu Grethe, die ihm noch eine der chönsteu Rosen in das Kopfloch gesteckt, in ihrem kleine», schmalen Boot selbst über den See. Er faß chr müßig gegenüber, ließ die Hand in daS laue Wasser hängen, und verfolgte wohlgefällig die gleich, gestatt^' fra^t,oHen Bewegungen der schlankenMädchen-

Am Ufer drüben sprang fie mit ihm aus dem Kahn, um ibm_ deu kürzesten Weg zu zeigen. Dann ; Äderte sie zurück, während er, an den Stamm einer Werde gelehnt, ihr nachschaute.

Ans dem langen einsamen Heimweg ließ er noch einmal oll die Eindrücke des Tages an sich vorüber ehe», und wiederholte sich unaufhörlich:Das also t das Mädchen, von dem Tante Martha wünscht, daß ich es heirate!"

->^ach Haus gekommen, setzte er sich sofort an de» schrerbtisch, um die erbetene Nachricht nach der Re« rdenz zu schreibe». Er begann drei, viermal, um doch immer wieder den Bogen in den Papierkorb zu