L Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Brrlag von Joh. Ang. tkoch.
I JS 242.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2*/4 Ml, bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 15. Oktober 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. SR., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. 2. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paria.
XXII. Jahrgang.
Die Wahlen in Bulgarien.
Bei den am letzten Sonntag stattgehabten Wahlen zur bulgarischen Nationalversammlung hat die Regie- rung des Fürsten Ferdinand einen großen Erfolg errungen. Die Männer, welche das jetzige Ministerium bilden, gelten dem Lande vor allem als Verfechter seiner Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, und ihnen in erster Reihe gilt das Vertrauensvotum des Volkes, aus dem deshalb auch kein Mißtrauensvotum gegen den Fürsten Ferdinand werden konnte. 258 Abgeordnete der Regierungspartei wurden gewählt, und nur 27 Kandidaten der Russenpartei. Sieben Wahlen blieben unentschieden. Der Wahlsieg des Ministerpräsidenten Stambulow, der Seele des bulgarischen Widerstandes gegen Rußland, ist um so bemerkenswerter, als er nicht unter dem Druck des Belagerungszustandes stattgesunden hat. Die Opposition hatte freie Hand, für ihre Ziele zu agitieren, ihren Standpunkt mit Wort und Schrift zu verteidigen. Die Anhänger der Rusfenpartei nahmen auch kein Blatt vor den Mund, und ihre Wühlereien gegen den Fürsten Ferdinand und seine Regierung überschritten alle Grenzen. Ihnen ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß bei den Wahltumulten 25 Personen getötet und 40 verwundet wurden. Was die zankowistischen Journale produzierten, war der reine Hochverrat, was sie predigten, war Rebellion. Aber ihre Rede verhallte im Winde, der sie nicht weiter trug. Wenn je ein Wahlresultat, so bildet dies den unverfälschten Ausdruck der Gesinnung des Volkes. Weder die Umtriebe der Demagogen, noch die,Agitationen der Rnsienfreunde, noch auch die klingenden Argumente, mit denen von Rußland aus die revolutionäre Propaganda in Bulgarien unterstützt wurde, noch die ange- zettelten Unruhen vermochten das bulgarische Volk in seiner mannhaften und entschlossenen Haltung zu erschüttern. Es stand treu zu dem Banner der Unabhängigkeit, welches die Regierung des Fürsten Ferdinand entfaltet hat. Und stolzer als je flattert es heute im Winde.
Der Wahlsieg der Regierung ist von großer Wich' tigkeit und Bedeutung. Die Sache des Koburgers wäre total verloren gewesen, wenn sich das Volk an der Wahlurne gegen ihm erklärt hätte. Nun, da es sich für ihn ausgesprochen hat, wird die bulgarische Regierung mit erhöhtem Selbstbewußtsein an die schwierigen Aufgaben herantreten, die ihrer noch zur Bewältigung harren. Ihre Position im Lande ist gestärkt, wenn dies überhaupt noch möglich war, nachdem sie schon früher auf der festesten Grundlage zu
Böses Gewisse«. iX .
Original-Roman von Tr. Rindler.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der junge Manu nahm aus einem Schubfach ein Packet eugbeschrtedeuer Blätter, warf ein paar Zeilen auf einen Briefbogen, und machte aus dem Ganzen ein postfertiges Packet.
»Nun schnell fort!' Doch da stutzte er plötzlich. »Himmel, ich kann die Sachen nicht unfrankiert fort- schicken, — aber wo nehme ich daS Porto her?'
Im selben Moment klopfte eS an die Thür, und auf das „Herein* trat die dem Herrn Redakteur wohlbekannte Gestatt deS Gerichtsvollziehers ein.
»Guten Tag, Herr Schrader,' empfing ihn bet junge Mann freundlich, „Sie könnten mir einen recht großen Gefallen thun. Leihen Sie mir doch bitte ein paar Mark nur zum Frankieren dieses Packetes. Und dann entschuldigen Sie mich einige Augenblicke. Das Packet muß mit dem nächsten Zuge fort; ich habe also keine Zeit zu verlieren. Nachher stehe ich ganz zu ihrer Verfügung, um in der gewohnten Weise Abrechnung zu hatten.'
Der Gerichtsvollzieher, der wohl nicht ost auf so freundliche Weise empfangen wurde, hatte, ohne es selbst zu wisieu, bei dem Verlangen deS jungen MauneS feine Börse gezogen, welcher Fritz Klausner ohne weiteres ein Fünfmarkstück entnahm.
»Na, aber — erlauben Sie, junger Maun! Das ist ja eine neue Manier, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen', sträubte sich der.
»Ich kann das Packet nicht unfrankiert schicke», ist unmöglich!' erklärte ihm Fritz aber mit größter Seelenruhe: „Ich muß es eingeschrieben schicken, das ist ja teurer und daun brauche-ich notwendig Brief, waiken und Postkarten; die will ich auch gleich besorgen. Und nun schönen Dank, Herr Schrader. In einer Viertelstunde bin ich zurück.' Dabei griff er zum Hut und fügte schon in der Thür noch bei
ruhen schien. Auch die Position gegenüber dem Auslande ist nunmehr imponierend geworden, mehr als je wird sich Ministerpräsident Stambulow darauf berufen kömien, daß die Politik, welche er vertritt, die der bulgarischen Nation ist. Wir stehen gegenüber einer nicht zu unterschätzenden Demonstration des kleinen, heldenmütigen Volkes am Fuße des Balkans für die Prinzipien, welche Fürst Alexander Battenberg zu den Leitzielen Bulgariens gemacht hat. Diese Prinzipien wurden nicht aufgegeben, haben vielmehr immer festere Wurzel gefaßt und Europa wird nun damit rechnen müssen. Vergebens mag Rußland, wie es nun voraussichtlich wieder geschehen wird, gegen die „Ungesetzlichkeit' der bulgarischen Wahlen, gegen die angebliche „Verfälschung der öffentlichen Meinung," gegen den „Terrorismus" und die „Gewaltakte" der bulgarischen Regierung, die in Wahrheit niemals in Erscheinung getreten sind, protestieren. Die Großmächte werden diese einseitige und gesuchte Beschuldigung des Petersburger Kabinetts nicht gelten lassen können. Sie können gegen den Bruch des Berliner Verttages durch den Fürsten Ferdinand Einspruch erheben, aber nun und nimmermehr dem bulgarischen Volke anempfehlen, einen russischen Generalgouverneur mit offenen Armen aufzunehmen. Der Gedanke an die Entsendung eines solchen, wenn er überhaupt noch bestanden hat, muß nunmehr doch ganz definitiv geschwunden sein. Die Bulgaren wollen nun absolut nichts mehr von Rußland wissen, und wer will sie anderer Meinung machen? Das kann weder Rußland, noch die Türkei, noch ganz Europa. Die russische Polittk hat sich überhaupt nicht so beliebt bei den friedlich gesinnten Staaten von Europa gemacht, daß es für diese ein Vergnügen wäre, den Bulgaren andere Denkungsart beizubringen.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Okt. Zu der gestern von uns mit- geteilten Londoner Meldung des „B. T." über den Gesundheitszustand des Kronprinzen erhält die „Freis. Ztg." von sehr sachverständiger Seite eine Zuschrift, in der eS heißt: „Ein akuter Katarrh ist keine Wohlthat für eine vernarbte Fläche, aber auch keine direkte Gefahr. Die theoretischen Erörterungen, welche in der erwähnten Londoner Korrespondenz an den kleinen Thatbestand anknüpsen, sind übertrieben, vielleicht absichtlich, um anzudeuten, daß der Kronprinz sich größere Schonmig auferlegen möge, wie dies vor Kurzem auch von anderer Seite gewünscht wurde. In der Hauptsache ist nichts Bösarttges zu erwarten." Die „Nordd. Allg. Ztg." erhält von einem Korrespon-
„Machcn Sie stch indessen immer mit dem Stand meiner Habseligkeiten vertraut, bitte, ohne jedes falsche Zartgefühl.' Damit sprang er pfeifend die Treppe hinunter.
Nach der angegebenen Zeit trat er wieder in sein Zimmer. „Nun, mein lieber Herr Schrader, was ist das Resultat Ihrer Nachforschungen? Ich wüßte nicht, daß, seit ich zuletzt der Ehre Ihres Besucher teilhaftig geworden, etwas besonders Bemerkenswerte» zu meinen Besitztümern hinzugekomweu wäre, eS feien denn einige unbezahlte Rechnungen und etwa diese Flasche alter Kognak. Ich hoffe dariu aber auf ihre Menschenfreundlichkeit, die mir helfen wird, diesen Stein deS Anstoßes aus dem Wege z« räumen.' Damit füllte er ein kleines Glas und reichte eS dem Beamten. Dieser leerte es mit einem schnellen Zuge und zog sich gegen die Thüre zurück.
Der junge Manu reichte ihm noch die Hand und sagte treuherzig: „Nicht wahr, Herr Schrader, wir scheiden als Freunde bis aus ein erfolgreicheres Wieder- scheu.'
Der Beamte verbeugte sich ei» über daS andere Mal: „Meine Hochachtung, Herr Redakteur, meine Hochachtung! Ich empfehle mich ganz ergebenft.' Damit hatte er sich endlich aus der Thür gemacht. Draußen richtete er sich wieder auf uud drückte die Mütze in die Stint. ,
»Es ist nun schon daS dritte Mal, daß er mir etwas abborgt, wenn ich komme ihn auszupfänden. — Ich gehe aber auch nicht wieder zu ihm. Mag er schuldig sein, wem er will!'
Fritz streckte sich während deffen wohlgemut auf sei» Sopha uud legte, da eS für seine Länge bei weitem nicht auSreichte, die Beine über die Seitenlehne, was seiner Wirtin schon so vielen Verdruß bereitet.
Da klopfte es von Neuem.
»Himmel, soll das denn kein Ende nehme»,' rief er ärgerlich uud wandte das Gesicht nach der Thür, durch die soeben der Briefträger eintrat. Er hielt
denten ans Italien eine Mitteilung über die Ankunft des Kronprinzen in Mailand am letzten Donnerstag- Darin wird gesagt: .Ich befand mich auf dem Bahnhof in der Nähe des Kronprinzen. Er sah sehr frisch aus und stark gebräunt; er trug Zivil wie die Herren seines Gefolges. Zu seiner Begrüßung war der deutsche Generalkonsul und der Präsekt von Mailand erschienen. Die Stimme des Kronprinzen klang etwas belegt, aber doch acccntuicrt und sonor." — Der Bundesrat überwies die Vorlage, betr. den Zollanschluß von Geestemünde und Lehe, an- die Ausschüsse für das Zoll- und Steuerwesen , sowie für Handel und Verkehr und für das Rechnungswesen. — Bezüglich der auswärtigen Politik sind in neuerer Zeit wieder Gerüchte in Umlauf gesetzt worden, von denen verschiedene Blätter Nottz nahmen, die aber darum noch nicht an Glaubwürdigkeit gewinnen konnten. Zuerst sollte Salisbury auf dem Punkte stehen, unserem Reichskanzler in Friedrichsruh einen Besuch abstatten zu wollen. Die Nachricht ist jedenfalls durch die Kombination entstanden, daß, wenn Kalnoky und Crispi in Friedrichsruh unter anderem auch bezüglich der bulgarischen Frage mit Fürst Bismarck in Friedrichsruh konferiert haben, notgedrungen nun auch der englische Minister dorthin reifen werde, als Vertreter der dritten, bisher noch von den deutsch-russisch-französischen Anschauungen in der bulgarischen Angelegenheit dissen- tierenben Macht. So viel wir erfahren, ist in maßgebenden Kreisen von einer derartigen Absicht des Lord Salisbury niemals etwas bekannt gewesen und bezweifelt man auch, daß letzterer einen solchen Plan je gehegt habe. Eine andere ebenso wenig begründete Nachricht ist die, daß es sich bei dem Besuche Crispis in Friedrichsruh in der Hauptsache darum gehandelt habe, daß Crispi die Vermittlerrolle hinsichtlich der Aussöhnung Frankreichs mit Deutschland übernommen habe. Jedermann weiß allerdings, daß Fürst Bismarck seine ganze Thätigkeit auf die Erhaltung des Friedens richtet, aber trotz des Wunsches, Frankreich eine friedliche Haltung Deutschland gegenüber fortdauernd einnehmen zu sehen, würde er doch wohl schwerlich stch dazu verstehen, hierzu die Hilfe des ttalienischen Ministers zu erbitten, da die Haltung Frankreichs weniger von den leitenden Ministern, als von den Franzosen selbst abhängt und die Gesinnung der letzteren wohl kaum durch Herrn Crispi umzugestalten ist. Die erwähnte Nachricht hat daher gar keine Begründung für sich und ist auch, wie man in ein- geweihten Kreisen behauptet, auf Erfindung irgend eines stoffbedürfttgen Reporters zurückzuführen.
ein Schreiben hoch. „Von der Tante ans der Rc- stdeuz, Herr Redakteur, ganz besonders dick heute.'
»Zeigen Sie her, Herr Reinhardt. Und dann erzählen Sie mal, tote es mit Ihrem Vater steht.
„Du lieber Gott, Herr Redakteur, mau hat feine Sorge mit dem alten Man». Der Doktor will durchaus, er soll täglich ein Glas fchwereu Wein trinken. Da fragt er mich nun jeden Abend, wenn ich nach Haufe komme, ob ich Wein mitgebracht habe. Aber, wo soll ich das Geld dazu hernehme»? Hab noch eine Frau und drei Kinder zu ernähren, da gehtS so schon knapp genug zu. Ja, man hat feine Sorge — manchmal wünscht ich, es wäre auS und vorbei.'
Fritz hatte indessen daS Kouvert seines Briefes aufgerissen und bemerkte nicht, tote ein paar graugrünliche Papiere daraus aus den Fußboden fiele», während er sich fast heftig halb aufrichtete. „Pfui. Reinhardt, schämen Sie sich nicht, derlei Reden zu führe»? Sie sollten Gott auf Ihren Knieen danken, daß er Ihnen den Vater so lange erhalten. Wahrhaftig Eie verdienen dies Glück gar nicht. Glaube» Sie nur, aus mir wäre ein anderer Mensch geworden, wenn mir solche Pflichten zu erfüllen geblieben wären. Und Sie, Sie können wünschen, daß eS aus und vorbei wäre?'
Der Briefträger stand da tote ein gescholtener Schulknabe. »Die Worte hab ich nicht auf meinen Vater bezogen, Herr Redakteur, behüte. Aber Sie wissen nicht was es heißt, keinen Groschen Geld in der Tasche zu haben und daheim fünf hungrige Mäuler zu wissen, für die ich sorge» muß und doch keine Aussicht zu haben, wo für die nächsten Tage etwas herzunehmen sei um sich satt zu mache». Und solche Zeit kommt fast tu jedem Vierteljahr — da wünscht ich denn manchmal, ich könnt die Augen zu- machen uud wär auf einmal alle Sorgen los.'
Eine nervöse Unruhe bemächtigte sich bei dieser Erzählung des jungen Mannes. Er legte den Brief bei Seite und fuhr mit den Händen in die Taschen, sich noch einmal von ihrer gänzlichen Leere zu über»
— Der Advokat Friedrich Maßmann zu Rostock, welcher am 11. Oktober d. I. sein 90. Lebensjahr vollendete, wurde, nach der „Boss. Ztg.", an diesem Tage durch folgendes im Kaiserlichen Auftrage an ihn ergangenes Glückwunsch-Telegramm geehrt und erfreut: „Seine Majestät lassen Ihnen an Ihrem heutigen Geburtstage die vollste Anerkennung Ihres erfolgreichen Bestrebens, Allerhöchstdemselben im Lebensalter Konkurrenz zu machen, aussprechen und wünschen, daß Gott diesen Eifer durch zufriedenstellende Rüstigkeit an Geist und Körper noch lange befördern möge. Im Allerhöchsten Auftrage v. Wil- mowski.' Der Advokat Maßmann verweilte seit langen Jahre» regelmäßig gleichzeitig mit dem Kaiser in Gastein. Der Kaiser redete ihn dort wiederholt in huldvoller Weise an und sprach ihm seine Freude aus, in ihm einen so rüstige» Altersgenossen zu haben. Das obige Schreiben des Koffers ist ein neuer reizender Zug von der Liebenswürdigkeit desselben.
— Mit diesem Jahre verfügt die deutsche Armee für den Kriegsfall über die volle Zahl der innerhalb sieben Jahren militärisch ausgebildeten Ersatzrefervisten, deren Hebungen zum erftemnale im Jahre 1881 stattfanden. Offiziös wird dazu geschrieben: „Die Gesamtquote der inzwischen in jedem Herbste einge- zogenen Ersatzreservisten hat verschiedentlich gewechselt und umfaßr noch lange nicht alle Übungspflichtigen Ersatzreservisten. Die Militärverwaltung geht aber von dem Grundsätze aus, auch nach dieser Richtung hin nur das unbedingt Notwendige zn verlangen^und die persönlichen Lasten nach Möglichkeit zu beschränken. Im Jahre 1881 wurden innerhalb des Reichsheeres über 40 000 Mann zu einer ersten — 1 (»wöchentlichen Hebung eingezogen, jetzt beträgt diese Zahl schon seit geraumer Zeit nur ungefähr 21 000 Mann jährlich und im ganzen dürften innerhalb des siebenjährigen Turnus, der nunmehr abgeschlossen ist, 160 000 Ersatzreservisten eine abgekürzte militärische Ausbildung erhalten haben. Es bleibt aber daran festzuhalten, daß die ganze Einrichtung der militärisch ausgebildeten Ersatzrefervisten nur ein Notbehelf ist, da es aus finanziellen und volkswirffchaftlichen Rücksichten nicht angängig erscheint, die allgemeine Wehrpflicht bis zu ihren äußersten Konsequenzen durchzuführen. Unter den realen Vorteilen, welche die bis jetzt nur im deutschen Heere emgeführte militärische Nutzbarmachung der Ersatzreservisten bietet, steht aber obenan, daß hierdurch erstens.eine absolute Vermehrung unserer Heeresstärke erreicht wird, und zweitens, daß nunmehr ausreichender Ersatz für diejenigen Fälle zur Verfügung steht, in welchen die ersten
zeugen. Es war doch gar z« schlimm, so ohne Geld dazustehn.
„DaS ist feige, Reinbardt, solche Gedanken zu haben,' sagte er dabei, ohne den andern anzuseh». „Mit gutem Mut und--*
Der Briefträger hatte sich während deffen gebückt, die grünlichen Blättchen aufgehoben und reichte sie nun dem jungen Mann:
„Sie find auS dem Brief gefalle».'
„Ah, von Taute Martha, das kommt tote gerufen.' Er griff schnell danach und faltete sie auseinander : zwei Zwanzig-Mar k-Scheioc. Schnell drückte er den einen dem Briefträger in die Hand: »Da, Sie Kleinmütiger. Und heut gehn Sie nicht wieder ohne eine Flasche alten Wein zu Ihrem Vater. D er Rest wird dann wohl noch anSreicheu, die hungrigen Mage« zu Hans zu befriedigen.'
„O, Herr Redakteur, ach Herr Klausner, wüst soll ich nur sagen?"
„Gar nichts, Reinhardt. Aber einen Gefallen müssen Sie mir noch thun. Da bringen Sie den anderen Schein dem Schneider in der langen Gasse, und sagen Sie ihm, die Rechnung, die er mir heut geschickt, würde ich am nächsten Ersten bezahlen. Meine Frau Herting wird mir zwar ein langes Ge» ficht machen, wenn ihr dies bei ihrer ausgeprägt,n Rundlichkeit möglich, wenn sie erfährt, daß fie wieder teer ansgegangen. Sie will mir kein Frühstück mehr geben. Immerhin! So werde ich Gelegenheit haben, festzustellen, wie lange ein normaler Mensch nüchtern gehen kann, ohne Beschwerden in seinem Speisereservoir zu fühlen.
„Dank, Herr Redakteur", stammelte der Briefttägcr.
„Unsinn, Reinhardt! Doch, d propos — können Sie mir nicht einen unverheirateten Schneider »ach- weisen ? Ich würde ihn gern zu meinem Hoflieferar t>n erheben, 's ist nur der vielen Kinder wegen! Ter Gedanke ist mir lästig, daß die Würmer meinetw-gen vielleicht hungern müssen."