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1887,

Wöchentliche Beilagen: Kreis s Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition! Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Sng. »och.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Ouartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2*/t Mk., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgelds. Jnserti^nsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 14. Oktober 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXII Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G- L. ^uyiyuug.

Daube u. Co. in Frankfurt a. R., Berlin, Hannover. Paris.

Der Pariser Skandal.

Paris ist von jeher eine Stadt der üppigsten Skandale gewesen und wird es auch bleiben. Darin beruht sogar für Biele die Hauptanziehungskraft der Stadt an der Seine, und nicht wenige Pariser Blätter fristen durch diese Skandale ihr Dasein. Privat- Skandale und politische Aergennsse hielten sich unter Napoleon IIL in Paris so ziemlich die Wage. Hof, Gesellschaft und Regierung sorgten gleichmäßig für die Unterhaltung der sensationslüsternen Hauptstadt, freilich nicht zu ihrem Vorteil. Durch die Chronique scan- daleuse des Hofes und der Regierung wurde das Kaiserreich des dritten Napoleon in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre fürchterlich untergraben und als letztes Rettungsmittel blieb der Gesellschaft, welche Napoleon III. beeinflußte, nur noch der Krieg übrig. Die Kanonen von Sedan fangen dem Empire den Grabgesang. Dem verderbten Regierungssystem des Kaiserreiches folgte die einfache, schlichte Republik. Zunächst bestand sie freilich nur dem Namen nach, denn in den gesetzgebenden Körperschaften herrschten die Monarchisten, und der zweite Präsident Mac Mahon war alles andere eher, als ein Republikaner. Wenn es nicht zu einem Staatsstreich und einer Restauration der Monarchie kam, so lag die Schuld doch gewiß nicht an ihm. Aber endlich gelang es Gambetta doch, den Monarchisten den Garaus zu machen und mit Präsident Grevy begann das Regiment der reinen, unverfälschten Republikaner, die Frankreich ein neues Zeitalter bringen, ihm zeige« wollten, wie ein Land regiert werden müsse.

Die Regierung der Republikaner in Paris hat aber nicht weniger, sondern nur noch etwas mehr politische und Privat - Skandale zu Wege gebracht. So, wie bei-der letzten Präsidentenwahl Grevys im Schlosie zu Versailles, geht es kaum bei einer wüsten Rauferei in einer elenden Dorfkneipe zu, und was die Generale Thibaudin und Boulanger für den politischen Skandal geleistet, das haben die Minister des dritten Napoleon nicht fertig gebracht. Gambetta führte ein skandalöses Cliquen- und Protektionswesen ein, wie es in dem absolut regierten Rußland nicht größer sein kann, und sein Tod durch den Revolver seiner Maitresie war des Exdiktators und Volks­tribunen auch nicht gerade würdig. In letzter Zeit steht der Verrat des Mobilmachungsplanes ohne Beispiel da. Aber was sind diese Skandale und noch viele andere gegen denallerneuesten", gegen die unerhörte Geschichte vom General Caffaralli und seinen Ordensschwindeleien? Schlechte Subjekte giebt

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr- Rind!er.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der rote Lichtstreif an der Wand war immer höher hinauf geglitten und endlich ganz erloschen. Martha zog die Vorhänge vor den Fenstern zurück, um daS nun nicht mehr blendende Tageslicht un. behiuderte herein zu lassen. Daun setzte sie fich wieder aus ihren alten Platz und nahm ihre Arbeit zur Hand. Sie verhielt sich ganz still, um den Bruder in den angeregten Gedanken nicht zu stören. AuS dem Selbst­gespräch, das er in solchen Stimmungen zu halten pflegte, erfuhr sie ja doch alles, was ihr zu wissen nötig.

Sie hatte fich denn in ihrer Voraussetzung auch nicht getäuscht. ES dauerte gar nicht, so begann Wilhelm, während er fiunend in den abendlich ge­färbten Himmel starrte:Schade istS doch um den Jungen! Hätt nie gedacht, daß »och einmal ein solch verflixter Federfuchser auS ihm würd, wenn ich ihn früher auf den Knien geschaukelt und ihm weine alten Soldatengeschichten erzählt hab. Wie ihm da die hellen Augen blitzte», wenns so recht tüchtig ans Drausschlageu kam. Und aufS Reiten war er ja rein versessen. Bin nicht ein einzig Dtal vom Gaul gestiegen, ohne ihn dann hinauf zu heben, bis ja bis fie ihn fortschickteu aufS Gymnasium. DaS war es! Da haben fie ihn mir verdorben. Im Grunde kann der Junge nichts dafür. Aber von dem Tage au, au welchem der Onkel Wilhelm in feinem schuldigen Respekt erst hinter seinen Doktoren und Professoren, und wie die Bücherwmmer alle heißen, rangirte, von dem Tage an ists schlecht uw ihn bestellt gewesen. Unds hat doch solch ein pa­tenter Kerl von Offizier in ihm gesteckt, daß ich die helle Freude hatt, wcuu ich uur drau dachte. Bei allen kriegsmäßig gepackten Tornistern, wenn er das geworden wär, waS ich gehofft, kein anderer sollte mein Eibe fein und dann ja wahrhaftig, die

es überall; aber einer der ersten Beamten im Kriegs­ministerium, ein Mann mit einem jährlichen Ein­kommen von 15 000 Franken, General und ein ge­meiner Betrüger und Schwindler da hört denn doch alles auf.

General Boulanger übergiebt diesem verschuldeten, pielsüchtigen und ausschweifenden Offizier einen der ersten Vertrauensposten im Ministerium. Dieser Offizier läßt sich mit einer abgeblühten Halbwelt­dame, abgefeimten Kupplerin und Gelegenheitsmacherin, die noch ein halbes Dutzend ähnlicher Dämchen au der Hand hat, ein, und dieseDamen" führen ihm die ordenslüsternen Leute zu, denen er gegen hohe Summen Orden verschafft. Erbärmlich die freien Republikaner, die Orden kaufen, erbärmlicher der General, der mit Konkubinen sich einläßt, um durch den Ordensschwindel Geld zu gewinnen! Jetzt schreit in Paris eine- Partei gegen die andere, eine jede schiebt der anderen die Schuld für den unerhörten Vorgang zu; aber mit Unrecht! Es liegt in den Franzosen einmal drin, sich durch Skandal auszu­zeichnen, traurig ist es nur, daß auch die Republik gerade in solcher Weise ihre Lobpreisungen auf sich selbst für unwahr erklärt. Und wenn es allein bei dem Ordensschtvindel des Generals Caffarelli fein Bewenden hätte! Ganz bodenlose Privatskandale sind damit zugleich aufgedeckt, die besonders in der Pro­vinzbevölkerung die Achtung vor der bestehenden Staatsform wahrlich nicht erhöhen werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Okt. DasBerl. Tagebl." bringt aus London anscheinend aus dem Munde Mackenzies als Resultat von deffen letzter Untersuchung des Kronprinzen in Bavenn Mitteilungen, die trotz ihrer begütigenden Form lebhafte Besorgnisie erregen dürsten. Sie lauten mit Weglassung der lobenden Beiworte, welche die Thätigkeit des englischen Arztes als eine vorzügliche hinstellen sollen, folgendermaßen: Erfreulich ist das Allgemeinbefinden des Kronprinzen, fein Appetit und fein Humor sind vorzüglich, was absolut nicht der Fall fein könnte, wenn eine bösartige Wucherung seit Monaten im Halse vorhanden wäre. Allein andererseits wieder kaffen gewisse Erscheinungen leider Raum zu Besorgniffen, welche sich vielleicht schließlich als ungegründet Herausstellen dürften, die aber doch nicht unerwähnt bleiben können. Der chronische Kehl­kopf-Katarrh zeigt nämlich 'Neigung zu einer akuten Luströhren-Eutzündung, und an dieser, begleitet von starkem Fieber, litt der Kronprinz während der letzten Tage feines Aufenthaltes in Toblach. Diese akute

kleine Grethe hätt feine Frau werde» müssen! Aber so wolltS jedem Weibsbild verargen, wenns sich in solch einen Federfuchser verlieben könnt. Die kleine Grethe die soll unter de» Männern noch das Aussuchen habe». Mit meinem Vermögen kann fie daS. Da wird sich denn auch schon noch ein Offizier für fie finden, ein schneidiger Kerl, wie ich ihn ihr wünsche. Das würd ein schönes Paar werden, ein Paar wie wir eS abgegeben hätte». Sie ist hübsch tote ihre Mutter damals, wen» auch aus andere Art.

Es war ein merkwürdiges Zusammentreffen, das ihm ans einer ganzen Kompagnie von Backfischchen gerade die kleine Grethe zuführte. Er saß in seinem Rollstuhl im Wiesbadener Kurgarten. Er hatte seinen Diener sortgefchickt und der blieb ganz ent« setzlich lange ans. Die Julisonne war mittlerweile so hoch gestiegen, daß fie nun unbarmherzig auf feinen Kopf brannte, von dem ihm der Hut herabgefallen war. Er lag ganz »ah auf dem jtieS und doch für feine gichtkranken Glieder unerreichbar. Da waren sie in den Weg eiugeboge», voran die Vorsteherin und hinterdrein die Zöglinge des Pensionates mit ihren Hellen Stimmen zwitschernd wie eine Schaar Sperlinge. Die kleine Grethe, eine der Letzten, war herbeigeeilt und hatte ihm den Hut aufgehoben. Darauf hatte fich ein Gespräch zwischen ihnen ent- spönne». Als daS junge Mädchen das Bild ihrer Mutter zeigte, das sie i» einem Medaillon am Halse trug, da wußte er, daß er Clementines Tochter vor sich hatte. Wie aber mochte es kommen, daß sie ihren Mädchennamen wieder angenommen hatte? Wie Weshalb hatte sie den Titel ihres Mannes wieder abgelegt ? Wie oft hatte er seitdem darüber nach­gegrübelt!

Tie kleine Gestalt der Schwester, die bisher regungslos am Fenster geseffen, erhob fich geräuschlos und glitt wie ein Schotten ans dem Zimmer. Wenn das, was sie da gehört, für die Zukunst ihres lieben Junge», ihres Fritz, auch nichts sehr Tröstliches war,

Luftröhren - Entzündung wurde wohl dank sofortiger Behandlung beseitigt, auch erwies fich der Aufenthalt im südlicheren Klima bereits von günstigem Einfluß, da die Entzündung verschwand und der unmittelbar frühere Zustand wieder eintrat; allein eine derartige Luftröhren - Entzündung selbst der oberen Schleim­häute, giebt zur Befürchtung der Möglichkeit Veran­lassung, daß dieselbe sich wiederholen könnte und dann eine Entzündung der unten liegenden Gewebe unter dem mokuseu Membranen (feuchten Schleimhäuten) ein treten könnte, welche zu strukturellen Veränderungen der tiefer liegenden Gewebe unter den Schleimhäuten Anlaß geben könnte. Die Hauptaufgabe der Aerzte ist nun die Verhütung einer abermaligen Entzündung der Luftröhre, wozu vor allem warmes Klima und Enthaltung von Sprechen notwendig find. Wahr­scheinlich wird der Kronprinz sich in kurzem nach St. Remo ober Nervi begeben. Augenblicklich be­steht die Krankheit in chronischem Kehlkopfkatarrh, aber von ziemlich hartnäckigem Charakter. Mackenzie zweifelt nicht, daß dieser durch den Aufenthalt im warmen Klima und durch Schonung im Sprechen beseitigt werden kann. Viel zur Hoffnung auf baldige Genesung trägt das vorzügliche Allgemeinbefinden und die gewöhnliche vorttesfliche gute Laune des Kron­prinzen bei.He is generally in good spirits immer guten Mutes wie der ärztliche Aus- lautet. Zum Schluß spricht Mackenzie den anderen ärztlichen Begleitern des Kronprinzen, Herren Dr. Schrader und Hovell, die volle Fähigkeit zu, in etwaigem plötzlich vorkommenden Falle zweifellos Tüchtiges leisten zu können. Nach den bisherigen ärztlichen Berichten hatte man eine völlige Genesung des Kronprinzen erwartet, so zuversichtlich sprachen sich dieselben aus; um so mehr werden diese neuesten Mitteilungen schmerzlichste Enttäuschung erregen. Das energische Dementi, welches die russische Botschaft in Paris durch dieAgeuce Havas" gegen den an­geblichen Toast des Großfürsten Nikolaus erläßt, wird von hiesigen Blättern fehr kühl behandelt. Man erblickt darin jedenfalls den ernstlichen Willen der russischen Regierung, den ärgerlichen Vorfall aus der Welt zu schaffen.

DieK. K." beschäftigt sich in einer Reihe von Artikeln mit dem Arbeiterschutz, und führt dabei aus:Sehr übel steht es mit der Gewohnheit einzelner Organe der regierungsfreundlichen Presse, den Arbeitern dadurch ein Herz für ihre Sache zu beweisen, daß man mit ihnen um die Wette den reinen sozialdemokratischen Jargon redet. Was uns an Proben dieser Art an verschiedenen Stellen begegnet,

so hatte sie das Selbstgespräch des Bruders doch auf einen Gedanken gebracht, der weiter ausgesponnen werde» mußte. Vielleicht war eS möglich, auf diese Weise alles zn dem erwünschten Ziel zu führen.

Kurze Zett darauf meldete Johann, der Diener deS Oberste», den Notar.

Führe den Herrn in mein Arbeitszimmer.»' Soll ich den Herrn Oberst nicht gleich mit hin­über geleiten?*

Nein, bitte das gnädige Fräulein zu mir zu kommen. *

Als Martha gleich darauf bei ihm eintrat, wandte er ihr mürrisch das Gesicht zu.

Weiß der Himmel, wenn ich Dich nicht brauche ober einmal ein bischen Ruhe haben will, so bist Du gewiß ba, um mit mir zu zanken, und mich in jeder Hinsicht zu stürm, wenn Du mir aber auch nur einen kleinen Dienst erweisen sollst, bann bist Du selbstverständlich nicht zu finden."

WaS fehlt Dir de»»?"

Was mir fehlt? mir fehlt jemand, der mich in mein Arbeitszimmer geleitet! Der Notar ist da."

Ich werde Johann rufen."

Natürlich, Johan»; eS wäre wohl auch zuviel verlangt, wenn Du Deinen kranken Bruder einmal nnterstütziest."

Aber Du gehst bequemer mit ihm, ich bin zu klein." Zn klein, das ist wieder einmal solch eine Redens­art! Du bist groß genug, aber wenn es Dir zu schwer fällt, mir die kleine Gefälligkeit zu erweisen.."

Aber Wilhelm!* Sie hatte ihm bereits die Decke von den Knieen genommen und half ihm empor. Als sie bann de» Stöhnenden langsam hinüber ge­leitet, zog fie sich in das Nebenzimmer zurück, doch ließ sie die Thür halb geöffnet, so daß kein Wort der Verhandlung ibr entging. Nachdem sie sich Der. gewisser!, baß bie Testamentsbestimmungen genau in bem Sinne lauteten, i» welchem ihr Brnber bisher über biefelben gesprochen, setzte sie fich entschlossen an den Schreibtisch und begann einen Brief.

muß wirklich zu den ernstesten Bedenken Anlaß geben. Man kann gewiß behaupten, daß unsere Arbeiter schon jetzt eine wirtschaftlich gebesserte Lage und, auf Grund der bereits bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, ein Maß von Schutz genießen, welches ihnen mehr Anlaß zur Zufriedenheit, als zur Erbitterung gibt. Statt dieser Anerkennung oder mindestens statt ernster Mahnungen zur Geduld und zum Verttauen auf das weitere Wohlwollen der verbündeten Regierungen und der sie unterstützenden Parteien lesen wir aber in Blättern, in denen man dergleichen wirklich nicht er-, warten sollte, von einerunbarmherzigen Ausnutzung" der Kräfte unserer Arbeiter durchgewissenlose Arbeit­geber" , von einer Härte, mit denen den Arbeitern das, was sie mit Recht fordern dürfen, vorenthalten würde, und als Refrain Warnungen, doch nicht mit aller Gewalt unsere Arbeiter durch Vernachlässigung ihrer begründeten Ansprüche der Sozialdemokratie in die Arme zu treiben und nicht auch bei uns Ausbrüche ihrer Unzufriedenheit, wie die in Belgien, heraufzu­beschwören. Die unverantwortliche Uebertrerbung solcher Schilderungen der deutschen Arbeiterverhältniffe und namentlich ihres Vergleichs mit den jammervollen, ganz anders gearteten belgischen Zuständen richtet fich in den Augen jedes Einsichtigen von selbst. Wir muffen namentlich aber auch vom konservativen Stand­punkt aus mit aller Bestimintheit bestreiten, daß der Kernpunkt beffex, was ben bethörten Arbeiter ber Umsturzrichtung in bie Arme treibt, auf einem aitberen, als bem sittlichen unb religiösen Gebiet liegt, ober baß unsere Industriearbeiter, wenn sie nur endlich anfangen wollten, mehr unter und neben sich als über sich zu blicken, gegründete Ursache haben, sich zu Haufen von Mißvergnügten zusammenzuthun. Wer sie also nicht mit Ernst auf diesen Standpunkt und auf ihre sittliche, religiöse unb patriotische Pflicht hinweist, wer im Gegenteil mit ihren Wühlern unb Hetzern um bie Wette mit ber Faust auf ben Tisch schlägt unb ihnen unter allerhanb troffen Uebertreibungen herzählt, wie­viel gute Rechtstitel sie barauf haben, unzufrieden zu sein, zumal der Regierung gegenüber, der züchtet in Wahrheit, welches auch seine Absicht fein mag, mit seinen jeder Besonnenheit ermangelnden, arbeiter- freundlichen Tiraden mir Sozialdemokraten."

lieber den Normallehrplan für den deutschen Unterricht an den Schulen des französischen Sprach­gebiets in Elsaß - Lothringen wird berichtet:Der Normallehrplan verlangt zunächst,daß die zur Ent­lassung kommenden Kinder leichte deutsche Sprach­stücke ordentlich lesen unb münblich unb schriftlich ohne grobe Verstöße wiedergeben können." Um bieses

Mein lieber Junge!*

Unb bann flog ihre Feder über daS Papier, bis bie Verhanblnnge» im Nebenzimmer beendet waren und daS Dienstpersonal zur Zeugenunterschrift herbei» gerufen würbe.

* *

Martha Brachfelds Brief machte bie Reise bis an seinen Bestimmungsort, eine Stabt In ber öst» lichen Provinz bes Reiches. Dort hauste Fritz Klausner, berliebe Junge* und berNichisthuer*, wie er in bem Hause des Obersten Brachfeld genannt wurde, ober ber wohlbestellte Redakteur der I . . er Nach­richten, alS welcher er den Einwohnern von I. be­kannt war.

Während der Briefträger das Schreiben in seine Lebertasche steckte, um eS in bie Hände des Adressaten gelangen zu lasse», ging dieser selbst in höchster Miß­stimmung in seinem sehr genial unordentlichen Zimm.r aus unb nieder. Ein Pack Zeitungen, dos, wie manch anderer Stoß von Schreibereien unb Papieren auf der Diele lag, wurde, als er in seine Nähe tarn, mit dem Fuß heftig bet Seite gestoßen, baß die Schnur, bie eS zusammenhielt, sich löste, und die einzelnen Blätter sich weit über den Fußboden zer­streuten.

Du lieber Gott, können Sie denn die Ordnung nie groß genug haben?* sagte eine behäbige alte Frau in weißer Schürze bie in ber Thür staub und mit de» Augen den Bewegungen deS jungen Mannes folgte.

Das gehört sich fo unb geht Sie nichts an," brauste der Angerebete auf. Dann blieb er plötzlich mit einer schnellen Wendung vor ber Alten stehen unb fragte:Sie wollen also wirklich bie paar Groschen für mein Frühstück nicht länger auslegen, Fran Herting?*

O gewiß, recht gern, wen» der Herr Redakteur mir nur meine Rechnung bis heut erst bezahlen wollen.* knixte bie alte.

Du lieber Himmel, Frau, wie oft soll ich eS Ihnen denn sagen, daß ich mein Gehalt erst