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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Lltd Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
M 237.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei den Postämtern 2 Ml 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnser!i>'nsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 9. Oktober 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Habraana. Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G-L.
Daube u. Go. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Baris.
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Für das vierte Quartal nehmen noch alle Post- anstalten Bestellungen auf die
Oberhesfische Zeitung
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Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Illustriertes Sonntagsblatt
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Alle Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen an. .
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der Exped. für Marburg Mk. 2,25.) Die Exped. d Oberh. Zeit.
gung i. entgegen.
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2 PeriH Die „Oberhessische Zeitung" kostet bei der Post mit Bringer- iTÖ lohn 2 Mk. 90 Pfg. (Bei unserer ftni Agentur in Kirchhain (Herr Buch-
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Deutsches Reich.
Dr. v. Lauer würde wahrscheinlich noch heute den-
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Klarheit des Verstandes, Urteils- und Willenskraft
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Berlin, 7. Okt. Ueber das Befinden des Kronprinzen, der heute von Venedig nach Mailand gereist ist, kommen erfreulicherweise günstigere Nachrichten. Der ihm beigegebene General v. Winterfeld hat einem Dankes - Telegramme an die Garnison und Stadt Memel auf ausdrücklichen Befehl des Kronprinzen hinzufügen müssen, daß die Aerzte mit dem Fortgänge der Genesung ganz zufrieden seien. Was den
find durchaus ungestört. Das Gedächtnis ist be- H wundernswert, die Arbeitslust und Arbeitskraft sind unerschöpflich; das Allgemeinbefinden des Kaisers ist munter, freundlich und wohlwollend. Im ganzen ist
zu ver- selben Brief unterschreiben, welchen er gerade vor i. [5343 einem Jahre, am 19. Oktober 1886, von Baden- Baden aus an einen Berichterstatter des „Newyork-
Itrator, heu hnung erfragen [5368
jcbt i'i Herold" richtete, und worin er wörtlich sagte: „Die beendig! körperliche Kraft hat den Kaiser bei Erledigung aller [5002 nötigen und der Erledigung bedürftigen Geschäfte noch niemals im Stiche gelassen. Begriffsvermögen,
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d. Efl Kaiser betrifft, so ist auch in diesem Herbste seine
£5356 gesunde Rüstigkeit staunenerregend. Sein Leibarzt
Im Bauue der Verhältnisse.
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Roman von Theodor Mügge.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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Jgat den da abgeholt!" rief er stier, nach dem Bett der Kinder gewandt.
„Er schläft, MathiS, nach drei Tagen schläft er," flüsterte die Frau. »Sieh nur hin, ganz ruhig schläft er."
MathiS beugte fich über sein Kind. Es atmete, es lebte. ES lag in weichen reinen Betten, als hätte
.Warum?" fragte er.
.Ein Engel ist bei unS gewesen," sagte sie, ihre Hände faltend.
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und nichts war im Hause. DaS Kind wimmerte und wand fich, ich fiel auf meine Knie und bat Gott i« Himmel um Erbarmen. Und wie ich lag, hörte ich eine Stimme, und wie ich aufdlickte, stand fie da."
„Wer?" murmelte Mathis.
„Wer konntS sein, Mathis, als die liebe Dame, das liebe Fräulein. Du hattest ste zum HauS hinaus- getrieben, jetzt kam fie dennoch wieder; die Schwester hatte ihr von unserer Not gesagt. Und kaum hatte fie gesehen, wie es stand, so mußt ich fort nach der Stadt hinein, einen Zettel an den Doktor bringen; darauf stand geschriedeu, er müßte auf der Stelle kommen. Und tote er kam, Mathis, war fie noch hier, und vom Gute war noch ein Manu gekommen und hatte die Betten da gebracht und Vielerlei — Vielerlei!"
„Der Doktor — was sagt et?" fragte Mathis, als wollts ihn ersticken.
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— [ er keinen Schmerz und sein bleiches Gesicht einen 1C6»/, neuen Lebevsschimwer.
lf0.W Er setzte sich auf den Holzschemel und drückte seine Hände zusammen, immer hefttger zusammen, je mehr er hörte. „Ich wußte nicht, wohin mehr," sagte die Fran, „den ganzen Tag hattest Du mich allein güassen,
der Gesuudheitszustaud des Kaisers ein solcher, daß er, wenn nicht unvorhergesehene Zufälle eintreten, hoffen läßt, daß Se. Majestät sich, so Gott will, noch eine Reihe von Jahren einer lebensfrischen Thatkraft erfreuen wird. — In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers v. Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurden die neu eingegangenen Vorlagen den zuständigen Ausschüssen überwiesen, so der Entwurf einer Militär - Transportordnung für Eisenbahnen im Frieden, die Vorlagen, betteffend die für 1888 in Aussicht genommene internationale Ausstellung zu Melbourne, sowie betreffend die Bildung einer land- und forstwirtschaftlichen Bcrufsgenossen- schaft für das Gebiet des Fürstentums Schwarzburg- Sondershausen, endlich ein Antrag Lübecks wegen der Zollbehandlung von Arrak, Cognak und anderem Branntwein in Weintheilungslagern. Dem Preußens entsprechend, wurde die Ausdehnun^tz^M auf Grund des § 28 des Gesetzes gegen die 'genffjfc' gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokrckt^KP lassenen Anordnungen auf den Stadtkreis Spemdcm genehmigt. Bezüglich einer zwischen den beiden Groß- herzogthümern Mecklenburg und der freien und Hansestadt Lübeck schwebenden Grenzstreitigkeit beschloß die Versammlung, dieselbe nach Maßgabe der Vorschläge des Justizausschuffes ihrer Erledigung zuzuführen. Den Schluß machte die Erledigung einiger früherer und die Vorlegung der neu eingegangenen Eingaben. — Der Zudrang zur richterlichen Saniere scheint in Preußen etwas abzunehmen. Während vor einem Jahre um diese Zeit 3724 Referendare gezählt wmden, gab es deren nach dem eben erschienenen Terminkalender im August d. I, nur noch 3385. Dagegen ist die Zahl der Gerichtsassessoren seit dem Vorjahre nicht unerheblich, um 248, gestiegen und beträgt jetzt 1485. Rechtsanwälte und Notare giebt es 2848 gegen 2721 im Jahre 1886. — Das am 20. Juni d. I. erlassene Gesetz über den Verkehr auf Kunststraßen hat den Selbstverwaltungsbehörden weitgehende Befugnisse und Vorschriftserteilungen zugewiesen, mit welchen sich jene Behörden bald zu beschäftigen haben werden, da mit Anfang nächsten Jahres ihre Beschlüsse in Kraft zu treten haben. Der Bezirksausschuß kann nämlich im Grenzverkehr für bestimmte Gegenden oder Fuhrwerksarten Erleichterungen der Bestimmungen über die erforderliche Breite der Radfelgenbeschläge und das zulässige Ladegewicht gestatten und auch der Provinzialrat kann Normalgewichte für die Wagen und die wichtigsten Frachtgüter feststellen. Die Bezirksausschüsse der Grenz- sowie derjenigen Bezirke mit sehr gebirgigen und waldreichen Gegenden werden
also bald an ihre Arbeit gehen, wozu sie anzuweisen die Ober- und die Regierungspräsidenten veranlaßt worden sind. — Der „Reichsanz." verkündet heute amtlich die Ernennung des bisherigen ordentlichen Professors der Rechte an der Universität Breslau, Dr. Behrend zum Reichsgerichtsrat. Der Neuernannte ist ein geborener Berliner und Sohn des noch lebenden hochbetagten Arztes, der sich um die arznei- wiffenschaftliche Seite der hiesigen Sittenpolizei mannigfache Verdienste erworben hat. Behrend gehörte früher der hiesigen Universität als Lehrer an, kam dann nach Greifswald (wo er der erste jüdische Rektor war) und von dort nach Breslau.
— In der gestern hier angekommenen Nummer der „Times" findet sich ein vom 3. d. M. datiertes Telegramm des Berliner Korrespondenten des City- Blattes, welches von einer ernstlichen Erkältung zu berichten weiß, welche sich der Kronprinz bei seinem Aufenthalte in Toblach zugezogen habe. Es sei dort morgens und abends zu kalt gewesen, drei bis vier Grad Kälte während der Nacht. Das Hotel, in welchem die Herrschaften wohnten, sei zwar vorzüglich gelegen, aber es sei für den Sommer gebaut, und es dringe kein Sonnenstrahl in seine Räume. Deshalb habe Morell Mackenzie, sobald er nach Toblach gekommen, den Kronprinzen bestimmt, nach dem Süden abzureisen, wo sich indes die Nachwehen der Toblacher Erkältung bis jetzt noch nicht ganz verloren hätten. In Baveno am Lago Maggiore werde Mackenzie seinen hohen Pattenten noch einmal untersuchen, aber es sei schon jetzt vorauszuseheu, daß von einer Rückkehr desselben aus Oberitalien vor dem Ausgange des Winters keine Rede sein könne. Den Eindruck, welchen der englische Arzt durch sein Aussehen und sein ganzes Wesen und Auftreten hervorbringe, hat sich Ludwig Pietsch von dem erst in jüngster Zeit aus Toblach zurückgekehrten Bildhauer (und künstterischen Leiter unserer Porzellan-Manufaktur) Professor Sußmann-Hellborn als „sehr bedeutend und imponierend" schildern lassen. Ein hoher Grad von durchdringender Klugheit und Willensenergie spreche aus Sir Morell Mackenzies Blick und aus seinen Gesichtszügen. Wenn es dieser Energie gelänge, den Kronprinzen zu bestimmen, während der ganzen Dauer des Winters fern von Berlin zu bleiben und sich vor den Gefahren eines hiesigen Winteraufenthaltes zu sichern, so wäre alles gewonnen und wir Deutschen hätten vollen Grund, jene männliche Eigenschaft des britischen Arztes nicht minbet zu segnen, als die operative Leistung an seinem Patienten. Im übrigen sagen Sußmann-Hellborn und die beiden Maler, die
zu gleicher Zeit mit ihm das kronprinzliche Paar in Toblach besuchten, Lutteroth und von Angeli, in jenem liebenswürdigen Optimismus, der Künstlern so gut steht, in Bezug auf die äußere Erscheinung des Kronprinzen übereinstimmend aus, daß in dem Gesichte des Kronprinzen die Haut-Fältchen und -Falten auffällig ausgeglichen und manche völlig verschwunden seien und daß bte Hautfarbe von einer Frische, die Augen von einer leuchtenden Klarheit waren, wie es bei einem an einem ernstlichen und gefährlichen Uebel Leidenden schlechthin unmöglich sei."
Anstand.
Baveno, 7. Okt. Der deutsche Kronprinz ist heute Mittag hier eingetroffen und in der „Villa Clara" abgestiegen.
Paris, 7. Okt. Bei dem Bankette in Signe hielt Minister Spuller eine Rede, in welcher er hervorhob, die Führung der Regierung durch den Präsidenten Grevy könne als Bürgschaft für die Sicherheit Frankreichs und für eine Politik des Friedens gelten. Der Redner forderte die Anwesenden auf, sich dieser Politik anzuschließen, welche bezwecke, die Aussöhnung aller Republikaner mit allen Franzosen herbeizuführen. — Der Botschafter Herbette kehrt am nächsten Montag nach Berlin zurück. — „Soleil" und „La paix" besprechen die marokkanische Frage und heben hervor, keine Partei Frankreichs beabsichtige, Marokko, für Frankreich zu beanspruchen. Die „Republique frangaife" meint, andere denken vielleicht daran; dann allerdings werde Frankreich gezwungen sein, ein Wort mitzusprechen. — Der Großfürst Nikolaus soll nach dem „Figaro" und „Matin" an Bord des französischen Schiffes „Bruguay" bei Dünkirchen eine von Deutschenhaß überfließende Rede gehalten haben. Eine Allianz Rußlands und Frankreichs bezeichnete er zur Stunde als noch unmöglich wegen der vielen deutschgesinnten Beamten Rußlands; doch sei der Zar entschlossen, alle deutschen Elemente zu entfernen. Redner selbst würde in einem Kriege gegen Deutschland im französischen Heere dienen.
Dublin, 7. Okt. Der Prozeß gegen O'Brien wegen des gleichen Deliktes, wegen dessen auch der Lordmayor von Dublin Sullivan angeklagt ist, wurde bis nach der Entscheidung über die Appellation des Staatsprokurators in dem Prozesse Sullivan vertagt.
Petersburg, 7. Okt. Anläßlich der Generalrevision des Zolltarifs durch die hierzu eingesetzte Ministerialkommifsion wird der Finanzminister durch den Verein zur Förderung der russischen Industrie
„WeuuS gut gepflegt würde, Mathis, sorgfältig gepflegt, so würds durch kommen."
„Gut gepflegt!" Versetzteer, auf das Kind niederschauend.
„Es hat keine Not, »ei», »ei», eS hatS sicht," fuhr sie ängstlich fort. „O, MathiS! liebster MathiS, falt Deine Hande zum Himmel auf, der unS den Retter geschickt hat."
MathiS erwiderte nichts. Er hielt seinen Kopf niebergefentt und rührte sich nicht, selbst nicht, als er Schritte tu der Stube hörte und gleich darauf nahe bei ihm eine Stimme sprach, die er gut genug kannte. — Es war Gottberg, das wußte er, und was dieser wollte, wußte er auch; aber hinter Gottberg stand noch ein Herr, bet im Schatten an der Thür stehen blieb.
„Du hast mich vorhin nicht höre» wollen, Mathis," sagte Gottberg, „willst Du wich jetzt hören?" —
„Seid Ihr schon da?" murmelte Mathis.
„Und er kommt nicht allein," antwortete der Fremde.
Mathis fuhr in die Höh, tote der Fremde sprach, und musterte ibn bei dem schwache» Lichte. Es war ein großer, kräftiger Herr, noch jung an Jahren, aber mit einem klugen, scharfen Gesicht und einer Brille auf feiner Nase, unter welchen feine Augen stechend hervorblitzte».
„Kennst Du mich wohl noch?" fragte er.
„Ja, Herr," antwortete Mathis.
„Manch hübsches Mal haben wir zusammen Dohnen gestellt und Sprenkel für die Schnepfen," fuhr der Herr fort; „wollen wir nicht wieder zusammen eine» Raubvogel fangen ?"
„Nein, Herr," sagte Mathis.
„Nicht?" erwiderte der junge Herr. „Mein Vater hat Dtt böses gethan."
MathiS Gesicht zog fich zusammen.
„Dafür willst Du ihm nichts Gutes thnn. Aber Eines kannst Du mir sagen, mir dem Sohn — Du hast ja auch einen Sohn — hat mein Vater" —
„Halt!" fiel MathiS ein, „so geht es nicht."
„Wie geht es also?"
„Kommt mit!"
„Wohin?"
„Aufs Gut hinauf. Ich will ihn fangen."
Der Ministerialrat von Brand ließ seine Augen forschend auf ihm ruhen und sagte daraus: „Du willst zu dem Herrn von Rachau?"
„Er hat mich zu seiner Verlobung ctngelaben."
„Nun willst Tu kommen?"
„Ja, Herr ich toül kommen."
„Wir werden Dich begleiten."
„So muß eS geschehen, Herr."
„Höre, MathiS," begann der junge Herr von Brand „ich weiß, Du thust nichts um Lohn und nichts aus Furcht; aber wissen sollst Du doch, daß, wenn Du uns tteullch helfen und dienen willst, der reiche Lohn nicht ausbleiben wird; willst Du unS aber täuschen, so könntest Du leicht a!S ein Gehülfe bei dem Ver- brechen, das hier begangen scheint, bettachtet.und danach behandelt werden."
„Ich helfe Euch nicht und diene Euch nicht," antwortete Mathis unerschütterlich.
„Wem dienst Du denn?" fragte der Justizbeamte, nicht ohne Mißtraue».
,Jch toül 8 Euch sagen, Herr," rief der Bettler, indem seine Auge» einen lichten Glanz erhielten. „Nicht Euch, nicht dem Herrn dort oben." — Er schlug fich mit der Hand auf die Brust. „Mit all Eurem Geld solltet Ihr meinen Mund nicht aufthun, aber — um des Kindes willen da und um de» Engel, derS in seinem Arm genommen hat, darum muß es so sein, und jetzt kommt und laßt uns gehen."
„Ich bürge für Mathis," sagte Gottberg zu seinem Freunde, der nicht recht zu wissen schien, was er aus diesen Aeußerungen macken sollte. „Laß ihn gewähren, er wird uns nicht täuschen."
Nach einigen Minute» war MathiS auf den Beinen, und rüstig führte er die beiden Herren an den Fluß hinab »nd an den Steg zur Mühle hinüber; von dort ging der bei weitem nähere Pfad zum Gute
gerade hinauf an dem Schuppen vorüber; durch die Waldhügel jedoch lief der einsame Weg, an dessen Rande Eduard Wilkens sei» unglückliches Ende gefunden. Diesen Weg schlug Mathis ein.
Seine Begleiter hinderten ihn nicht daran; als fie jedoch an der Mühle vorübergingen, stand der Müller an seiner Thür, und »ach einem kurze» Geflüster sprang er zurück und kam bald darauf wieder mit einem alten Gewehr auf der Schulter und br» gleitet von drei tüchtigen Knechten und Mühlknappen, jeder mit seinem eiseubeschlagenen Stock, einer mit einem rostigen Säbel.
So zogen sie hinter de» beiden Herren her, aber nicht ganz leichte» Mute 8. Seit der Todte hier gefunden wurde, scheute sich jeder vor dem Sang. Mancher hatte schon über den Vorfall den Kopf geschüttelt, und unheimliche8 Geflüster ging umher, wenn auch keiner laut und öffentlich ein verfänglich Wort zu sagen wagte. Dergleichen höhnisch Lachen und spitzig Wesen erlaubte sich Mathis allein. SBie der aber über den Major lachte und ihn verwünschte, das war bekannt genug, also gaben die Leute auch nickts auf seine giftigen Bemerkungen über den Reichtum, der dem Herrn inS HauS gefallen, und den Vetter, den er dafür sicher eingesargt ins LeichenhauS gesetzt habe; aber sitze» geblieben war dennoch manches, wette jedesmal so geht. So unglaublich »nd unerhört der Verdacht auch war, de» jeder von fich wies, so war die Thatsache doch nicht zu leugnen, und das geheime Grauen warf fich auf den blutigen Fleck Erde an dem wilden Rosenstrauch, der allein hätte erzählen können, was hier geschah.
Der Mond schien in voller Klarheit und beleuchtete de» Weg und die Hügel und die schwarzen Tannen und de» kleine» Wiesengrund, ans dem der Rosenbusch stand, filberhell. Die Haut zog fich dem MWer und seinen Myrmidoneu im Nacken zusammen, als fie deutlich sahen, wie der lahme MathiS plötzlich an dem Strauch ftiCftaub, und wie er mit beu beiben Herren sprach, welche dicht bei ihm zuhörteu. Bei