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Illustriertes Sonntagsblatt
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Äug. Koch.
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und wann, entschieden gegen den Spionenwahn die Deutschenhetze aufzutreten.
Unter solchen Umständen haben natürlich Hetzer und Schnüffler ein leichtes Spiel. „France" schnüffelt jeden Tag einige deutsche
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2y4 Mk., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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Im Banne der Verhältnisse.
Roman von Theodor Mügge.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
ES wird jedenfalls auch meine Bitte durch die Verhältnifle unterstützt," fuhr er fort. »Unsere Hochzeit muß hier gefeiert werden, denn tu der Hauptstadt würde eS nicht so leicht und paffend geschehen können. Wir müssen Sie als jung vermähltes Paar begleiten."
„Aber mein Sohu!" sagte der Major in seinem Unbehagen, — „wir haben noch immer keine Antwort."
»Haben wir denn eine Antwort so nötig?" fragte Rachau spötttsch lächelnd. „Wenn der Herr Miuisterial- rat nicht antworten will, so ist dies zwar sehr zu bedauern, allein ich denke doch, daß er kein Recht besitzt, Ihrem Willen Einspruch zu thun; auch hoffe ich nicht, Gegenstand seines Mißfallens zu sein. Im Uebrigen sorgen Sie nicht; ich denke mit meinem Schwager gute Freundschaft zu schließen und bald seine Bekanntschaft zu mache», denn ich werde ihn aufsuchen."
Er sah sich um, ein Wagen kam rasch gefahren. »Am Ende fitzt er darin!" Der Major schrak zusammen, aber Rachau lachte noch mehr. »Sehen Sie wohl," scherzte er, „wie willkommem Ihnen der Besuch sein würde! Doch sorgen Sie nicht. DaS ist so ein kleiner Laudkarreu mit einem Verdeckstuhl, in welchem irgend ein ehrsamer Pächter oder Landdoktor nach Hause fährt. Er schlägt den Weg nach der Mühle ein; da ist er schon unten. Also wahrscheinlich ein Gevatter und Amtsbrvder des Spitzbuben, der dort das Mehl beutelt. Der Kerl hat ein fatales, falsches Geficht."
»ES ist ein ehrlicher Manu," erwiderte Brand.
»Ein ehrlicher Mann bei niedriger Pacht, iudeß — das soll fich ändern," sagte er leise, und daun laut: »Laffeu wir ihn. Nur noch ein Wort, mein verehrter Freund, au Sie. Verspreche» Sie mir, während meiner Abwesenheit so heiter und ftoh Ihre Tage zu verleben, wie er Ihne« möglich ist."
Das Glockeugeläute der St. Elisabethkirche z« Marburg.
DaS Staatsarchiv enthält ein Inventar der St. Elisabethkirche vom Jahre 1543, in welchem sich auch die Glocken verzeichnet finden, welche sich damals in der Kirche vorfanden. Es waren deren 9 — während jetzt nur noch 7 darin vorhanden find — nämlich 2 große Glocken, 2 »ziemliche" Glocken, »Buchen«" genannt und 5 kleinere Glocken über dem Chor, welche im Chor geläutet wurden. Die 5 letzteren hingen im Dachreiter, während die 4 zuerst genannten fich auf die beiden Westtürme verteilte». In dem nördlichen Turme hing eine große Glocke, welche sich von West nach Ost schwang, im südliche» dagegen hingen 3, die oibtre große Glocke und die 2 ziemlichen Glocken, welche fich von Nord nach Süd schwangen; diese 4 Glocken bewegte» fich in eisernen Gabeln.
Als Landgraf Ludwig m. von Oberheffen iw Jahre 1568 vom Laudkomtnr Johann von Rehe eine »ziemlich große Glocke" vou der St. Elisabethkirche für das neue Uhrwerk in de» neu errichteten Schloß, tnrm begehrte, wies letzterer dieses Ansinnen zurück — keine andere Absicht liegt hier zu Grunde, als die Harmonie des Geläutes nicht dadurch zu zerstören — und bot ihm dagegen 4 kleine Glocken an, zwei vom St. Elisabethhospital und zwei von den Kapellhöfen (vou der Kapelle Magister» Conradus de Marburg) bet Beltershauseu, woraus der Landgraf fich etue große Glocke gießen lassen könne, welches Anerbieten auch acceptiert wurde.
Unter dem Lavdkomtur Adolf Ettel vou Nordeck zur Rabenau (1652 bis 1664) erhielt die St. Elifath- ttrche eine» neuen Dachstuhl, einen neuen Dachreiter »nd au Stelle der Bleibedeckuug trat eine vou Schiefer, steinen. Bei dieser Gelegenheit.werden, wenn nicht schon ftüher, von den 5 Glocke» im Dachretter 4 hin- weggethan und nur das sog. »filberue Glöckchen" dem- selben belasse» worden sei»; zwei davon wurden be. settigt, die anderen beiden aber, eiue mit Inschrift in
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Deutsches Reich.
Berlin, 5. Okt. Kaiser Wilhelm nahm am Mittwoch Vormittag in Baden-Baden in gewohnter Weise die Vorträge entgegen und erteilte verschiedene Audienzen. Später empfing der Kaiser den Besuch einiger Fürstlichkeiten und fand sodann bei den Majestäten ein kleineres Diner statt. Das Befinden des Kaisers ist vortrefflich. Die Kaiserin Augusta hat an die Berliner städttschen Behörden, sowie an das Zenttalkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz auf deren Geburtstagsglückwünsche Dankschreiben gerichtet. — In Berliner Kreisen sieht man, wie der „Weser-Ztg." geschrieben wird, der weiteren Kur Dr. Mackenzies an dem Kronprinzen mit großer Spannung entgegen, da man den günsttgen Berichten des englischen Arztes kein rechtes Zutrauen mehr schenkt. Mackenzie versprach, de» Kronprinzen schon im Sommer wiederherzustellen; das ist bekanntlich nicht gelungen, der Kronprinz hat nicht einmal für einen Tag nach Berlin kommen dürfen und muß nun sogar den ganzen Winter in Italien bleiben. Bei alledem ist eine bedeutende Abnahme der Heiserkeit noch nicht konstatiert. — Der „Norddeutschen Allg. Ztg." zufolge ist die Aufhebung des von der Regierung in Schleswig ergangenen Verbotes der „Elmshorner Zeitung" auf Grund telegraphischer Anordnung des Ministers des Innern erfolgt. — Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte den Stationsassistenten Arnold wegen Gefährdung eines Eisenbahnttansports durch Unterlaffuug der Pflichtmäßigen Sorgfalt, wodurch am 12. Juni d. I. die bekannte Katastrophe bei Wannsee herbeigeführt wurde, zu
Marburg,
Freitag, 7. Oktober 1887.
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die Deutschen an unschuldigen Kindern und wehrlosen Frauen verübt haben, von feigen, verräterischen Hinterhalten, Spioniererei und anderen schönen Din/<i. Sie wimmeln von blutdürstigen Drohungen schmutzigen Schimpfworten. Es ist naturalistfi, ^ Patriotismus nach dem Muster Zolas, aber um1" bedenklicher, als er sich an die niedrigsten, meist , radezu tierischen Leidenschaften wendet. Die farbig Titelbilder find ebenso viele Karrikaturen auf Deutst.^ land, freilich mehr noch schmutzig und dumm, als gewöhnlich. Wir wollen kein einziges dieser Machwerke nennen oder näher darauf eingehen, schon aus Achtung vor dem Leser. Me Verständigen, die große Mehrzahl der Franzosen, bedauern diese Preßerzeugnisse; aber sie dulden sie, denn sie stehen unter dem Banne des Spionenwahns und der Furcht, als Verräter verdächtigt zu werden.
Noser. 1 M werden. Die übrigen Blätter vermögen daher kaum mehr, als sich gleichgiltig zu verhalten und das Treiben der boulangistischen Trabanten nicht mitzumachen. Nur Blätter, welche ihrer Leserschaft ganz sicher sind, wie z. B. der „Figaro", wagen dann
| „Petit Journal" rc., betrieben. Es ist nicht leicht, O ■ derselben entgegenzutreten, denn Jeder, welcher dies (f . thut, setzt sich der Gefahr aus, selbst als Spion, als ** *e I Prussien, als Verräter behandelt und gehörig zerzaust
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Die Exped. d Oberh. Zeit.
schäftsleute auf, um sie als Spione anzuklagen. Sie giebt Namen und Adreffen an und macht es allen Franzosen zur heiligen Pflicht, jede Verbindung mit diesen Leuten abzubrechen. Die Pariser Korrespondenten deutscher Blätter werden fast allwöchentlich an den Pranger gestellt, verläumdet, der Rache der Patrioten empfohlen. Was ist dagegen zu machen? Nichts. An die Aufnahme einer Berichtigung ist in den meisten Fällen nicht zu denken. An ein anderes Blatt sich wenden, ist wegen der weiter vorn erwähnten Umstände ebenso unmöglich. Bei den Gerichten ist kein Schutz zu finden; einesteils ist das Preßgesetz so gestaltet, daß kaum eine Klage von Erfolg begleitet sein kann, andernteils faßt die „France" ihre Anklagen auch geschickt genug, um den stumpfen Waffen des Gesetzes keinen verletzbaren Punkt zu bieten. Obgleich diese Hatze nur von unverhältnismäßig wenig Blättern betrieben wird, ist sie doch ungemein erfolgreich. Seit dem letzten Kriege haben sich die Franzosen in einen solchen Spionenwahn hineingelebt, daß niemand davon fernbleiben kann. Hat doch selbst der sonst so verständige „Temps" — ebenso auch der Generalstab — sich den Kopf darüber zerbrochen, daß bei der Probemobilmachung kein einziger deutscher Spion aufgespürt worden ist, weshalb denn auch der Generalstab die Vermutung von sich geben zu muffen glaubte, der deutsche Generalstab lasse durch die Berichterstatter von auswärttgen Blättern spionieren.
Neben den bekannten politischen Tagesblättern giebt es noch eine Anzahl kleiner, namentlich militärischer Blätter, welche an dem boulangistischen Strange ziehen. So z. B. der „Le Piou-piou“ (piou-piou ist der Scherzname für Soldat.) Die Nummer vom 1. Ott. trägt u. a. ein großes Bild zum 25jährigen Minister- Jubiläum Bismarcks. Der Reichskanzler sitzt auf einem Kasten mit der Inschrift „Elsaß-Lothringen." Ein französisches Soldatenkind steht neben ihm und zeigt drohend auf die ihn umgebenden Gerippe und Totenschädel, vor denen Bismarck erschrocken zurückbebt. In einem Gedicht: „Der Heine Elsässer an Boulanger" verspricht ein Elsässer Knabe für Frankreich zu sterben. In einer illustrierten Kriegsgeschichte von 1870/71 werden den deutschen Soldaten die scheußlichsten Gräuelthaten angelogen. Es scheint, der Verfasser hat sich darin die Heldenthaten zum Vor- blld genommen, welche die Franzosen zu Anfang dieses Jahrhunderts in fremden Ländern verübten.
Ebenso schlimm sind die seit und durch Boulanger entftanbenen Rache- und Kriegslieder. Ihr Inhalt trieft von Blut, von äbscheulichen Miffethaten, welche
gothifchen Majuskel» bruther ditherich sal heizen ich, welche täglich um 11 Uhr mittags und 7 Uhr abends geläutet wird, und die andere ohne Inschrift, wurde im nördlichen Turme neben die große Glocke aufgehängt; während nun die zuletzt genannte ihre Schwingungen von West nach Ost machte, bewegten sich die beiden kleinen Glocken in entgegengesetzter Richtung.
Aus dem llstimmigen harmonischen Glockengeläute wurde nunmehr ein 7stimmiges, welches aber immer noch ein harmonisches blieb bis um die Mitte des vurigen Jahrhunderts, wo zuerst die große Glocke im Nordturm zersprang, der im Jahre 1792 beim Trauergeläute des römischen Kaisers Leopold von Oesterreich eine der »Bucheren" folgte. Beide Glocken wurden umgegosseu, haben aber dabei nicht nur an Gewicht verloren — die große Glocke «m meisten — sondern auch ihre eigentümliche» Töne eiogebüßt, so daß also von einem harmonischen Glockengeläute in der St. Elisabethttrche keine Rede mehr sein kann, indem nunmehr die 3 mittleren Glocken — an Gewicht find sie fich beinahe gleich — 3 in der To», leitet auf einander folgende Töne g a h anschlagen, welche aber keinen wohltönende» sonder» einen mißtönende» unbefriedigten Zusammenklaug geben; auch ist die Tonlage zwischen der großen Glocke und der darauf folgenden eine zu entfernte geworden, weil vorher dagewesene wesentliche Mtttelhon jetzt fehlt.
Bei der Restauration der Kirche blieb das Glockengeläute unbeachtet, weil dem Leiter der Restaurations- arbetteu die Geschichte desselben unbekannt geblieben war. Seit den letzte» Jahren ist manches Fehlende an den Westtürmen ergänzt worden, allein die Wiederherstellung des harmonischen GlockeugeläateS läßt noch immer auf sich warten, obwohl die Oberhesfische Zeitung wiederholt darauf aufmerksam gemacht und darau erinnert hat. Möchten doch diese kleinen historischen MÜtellungeu au zuständiger Stelle Beachtung finden. W. Bücking.
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Eine der bedenttichsten Folgen des Auftretens des Generals Boulanger ist unzweifelhaft das Entstehen einer üppigen Revanche-, Haß- und Kriegslitteratur in Paris. Ihr ist hauptsächlich all das zuzuschreiben, worüber sich Deutschland zu bettagen hat. Die Hetze gegen die Deutschen und die Ausschnüffelung von Spionen, so schreibt man der „Voss. Ztg." aus Paris, wer^.m hauptsächlich von den boulangistischen Blättern, „France", „Jnttansigeant", „Döfence nationale,"
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII ^(ihTHlTttiT Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L. Buu9
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
einer einjährigen Gefängnisstrafe. — Dem Bundesrat ist ein Verordnungsentwurf betreffend die Militär-Transportordnung für Eisenbahnen im Frieden zugegangen. — Der deutsche Landwirtschaftsrat wird, wie wir hören, Anfangs November unter dem Vorsitz des Herrn v. Wedell - Malchow zusammentteten, um über die Fragen der Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle, der Aufhebung des Identitätsnachweises und des Tarifverttages mit Oesterreich zu verhandeln. — Heute, nachmittags um 3 Uhr, fand auf dem Matthäi-Kirchhofe die Beisetzung der Leichen des Wirkt. Geh. Rats Prof. v. Langenbeck und seiner ihm vor 2 Jahren . orausgegangenen Gattin statt. Die Särge waren überaus reich geschmückt mit Blumen und Kränzen; darunter befanden fich Kränze und Palmenwedel, gesandt vom kronprinzlichen Paare, vom Adjutanten des Kaisers, dem Badenschen Gesandten v. Silberstein, der Deutsche» chirurgischen Gesellschaft, von dem hiesigen ärztlichen Bczirksvereine, von den Dirigenten und den Stabsärzten der Pepinisre, von den Sanitätsoffizieren zu Metz und Mainz, und vom Offizierkorps des Rheinischen Ulanenregiments. Im Trauergefolge befanden sich außer den nächsten Angehörigen sämtliche in Berlin und Potsdam anwesenden Adjutanten des Kaisers und des Kronprinzen, ferner zahlreiche Offiziere aller Grade, darunter General v. Wulffen; ferner die Minister Lucius und v. Goßler; von der Chirurgischen Gesellschaft waren die Profefforen Volkmann, Bergmann, v. Bardeleben entsandt; die Berliner Universität war vertreten durch den Rektor Prof. Vahle» und die Profefforen Künstler, Henoch, Gurlt, Senator u. a.; ferner waren anwesend: der Generalarzt Dr. Mehlhaufen, Präsident v. Sydow, Prof, v. Lauer, Hofprediger Rogge, als Vertreter Berlins die Stadträte Eberth und Sarre; die Studentenschaft war durch einen Ausschuß vertreten; ferner schloffen sich die Vertreter der technischen Hochschule, des Vereins deutscher Studenten, der Neuen Germania u. f. w. an. Ober-Hofprediger Dr. Kögel hielt die Trauerrede. Der Gesang „Sei getreu bis in den Tod!" bildete den Schluß der Feier.
— Der Bundesrat dürfte fich. den „B. P. N." zufolge, demnächst mit der Frage der Beteiligung des Reichs an der Ausstellung in Melbourne zu beschäftigen haben. In gewerblichen Kreisen Deutschlands wird dieser am 1. August 1888 zur Eröffnung gelangenden internationalen Ausstellung lebhaftes Interesse entgegengebracht. Der Zenttalverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande hat bekanntlich dem Wunsche Ausdruck gegeben, es möge eine wirksame materielle Unterstützung
»Ich hoff« es," sagte der Major und dachte mit geheimer Befriedigung daran, daß Rachau jihn ver- laffen werde. Der Druck, den beffen Nähe auf ihn übte, war so stark, daß seine Mienen die Erleichterung ausdrückten, welche er empfand.
Der liebenswürdige Freund schien zn verstehen, was in der Brust seines Freundes vorging. Er lächelte und feine Augen nahmen den wunderbaren Ausdruck an, womit der Sage nach die Schlange ihre Beute bezaubert. »Sie werden gewiß recht oft an mich denken," fuhr er fort, „eben so, wie ich dies thun werde; doch werden wir beide nie vergessen, mit welchen zarten und unauflöslichen Banden wir verbunden find. Meine innigste Ergebenheit wird immer dieselbe bleiben; nur bitte ich, zeigen Sie den Leuten, vor allem auch meiner teur:n Luise, immer ein heiteres Gesicht. ES kommt mit vor, als ob fie zuweilen —"
»Was?" fragte der Major, da er inne hielt.
»Als ob fie zuweilen vou düsteren Ahnungen beschlichen würde. — Zum Beispiel gestern Abend."
»Ahnungen!" sagte der alte Mann mit einem schmerzlichen Beben, „um derentwillen fie — Leib und Seele opfert."
In seiner Aufregung sah er Rachau so wild und zornig an, als sei er noch derselbe, der er einst gewesen, allein mtt größter Sanftmut erwiderte dieser: »Regen Sie sich nicht auf, bester Papa, es würde sehr unnütz und überflüffig sein. Nur keine Reflexionen über Dinge, an denen nichts geändert werden kann! Ich will kein Wort über Ihre Aeußerungen verlieren, doch seien Sie vorsichtig. Luise liebt mich, Sie habe» diese Liebe gebilligt; wen» traurige Ahnungen sie beschleichen, so fragen Sie allein die Schuld."
»Ich trage die Schuld, ja, ich trage die Schuld l" murmelte der alte Mann seufzend, und als wollte er nichts mehr hören, schritt er rascher voran.
Sie befanden fich beide auf dem Fußsteig, der am Flnßthal aufwärts führte. Die Mühle lag nicht wett unter ihnen; man hörte das Rausche» der Wehre