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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sanntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Loch.

M 232.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2/+ Mk., bei den Postämtern 2 Ml EO Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserti»nsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 4. Oktober 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasensteiu und Bögler in Frankfurt a- M-, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf HU Moffe in Frankfurt a.M., Berlin, München ».Köln; G-L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

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Oberhesfische Zeitung

mit deren Gratis-Beiblätter

Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

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Die Exped. d Oberh. Zeit.

Pas IweiKaiserbüu-nis und Rußland.

Der letzte Zweifel, daß die bulgarische Angelegen­heit eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn zur Folge ge­habt, ist geschwunden! Nein, es ist keine Differenz vorhanden, die Friedrichsruher Besprechungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnoky haben ein volles Einvernehmen der beiden verbündeten Kaiserstaaten ergeben. Dies sagt mit recht deutlichen Worten die vom Kaiser Franz Joseph verlesene Thronrede zur Eröffnung des ungarischen Reichs­tages ; es wird dort bestimmt erklärt, daß das große Ziel des Zweikaiserbündnisses, die Erhaltung des Friedens in Europa, unentwegt dasselbe geblieben ist. Aber kein Friede ohne die Macht, den Frieden zu erhalten! Wie Deutschland arbeitet auch Oesterreich- Ungarn kräftig an der Vervollkommnung seiner Wehr­kraft. Es ist traurig, daß wahre Friedensliebe allein, wie sie die Regierungen von Berlin und Wien doch zweifellos beseelt, den Frieden nicht zu garantieren vermag, daß nur die Scheu vor der Stärke des Gegners den Säbel in der Scheide hält. Die Völker müssen diesen Zustand mit schweren Lasten büßen; aber sie sind unvermeidlich, so lange nicht die Ursache

Bernhard von Langenbeck f.

Der Tod hält starke Ernte unter den Vertretern der deutschen Wissenschaft; schon wieder ist ein Mann heimgegangen, der in seiner Person ein ganzes großes Stück ihrer eigenen Geschichte dargestellt hat: der be­rühmte Chirurg Professor Dr. von Langenbeck. Als Neffe des berühmten Anaromen Konrad Johann Martin von Langenbeck am 9. November 1810 zu Hannover geboren, studierte er in Göttingen, unter­nahm Studienreisen nach England und Frankreich, ließ sich im Jahre 1838 als Privatdozent der Phy. siologie in Göttingen nieder, wo er gleichzeitig als praktischer Chirurg thätig war. Im Jahre 1842 wurde er als Professor der Chirurgie nach Kiel be­rufen, im Jahre 1847 als Nachfolger Di-ffenbachs mit der Professur in demselben Fach und dem Di­rektorat des König!. Chirurgischen Klinikums in Berlin betraut. Während des schleswig-holsteinischen Krieges im Jahre 1864 that er sich als Leiter des Sanitäts­wesens hervor; nicht lange darauf erhielt er zum Lohne für seine selleueu Erfolge den Adel. Den Feldzug von 1866 machte er als Generalstabsarzt der preußischen Armee mit; in gleicher Eigenschaft wirkte er während des Krieges 1870/71. Er hat sich in diesen Zeiten, wie in seiner sonstigen Thätig- keit, unvergeßliche Verdienste erworben als eine kaum erreichte chirurgische Kapazität, gleich genial in opera­tiver, wie in therapeutischer Hinsicht. Auf dem Ge­biete der Chirurgie hat er durch zahlreiche Besserungen und Erfindungen eine neue Epoche angebahnt.

Er selbst bezeichnete sich mit Recht als den Führer der konservativen und plastischen Chirurgie, d. h. der. jenigeu, welche durch ihre Operqtiouen die Erhaltung der Glieder und die Beseitigung der Mißbildungen erstrebt. Besonders förderte er die konservative Chi- rurgie durch die Lehre von deu Resektionen. Indem er ganz bestimmte Regeln und Vorschriften dafür aufstellte, deu Wert der sofortigen Immobilisierung dmch Gypsverband «ach der Operation hervorhob,

davon in Wegfall kommt. Die ungarische Thronrede sagt zugleich abermals deutlich, daß Deutschland und Oesterreich im gegebenen Falle Rücken an Rücken stehen werden. Sie hofft, dieser Fall werde nicht eintreten; aber sollte er kommen, das ist zwischen den Zeilen zu lesen, so ist alles vorbereitet.

Hände weg!, heißt es für die russischen Politiker, welche das Deutsche Reich gern von Oesterreich fort ins russische Schlepptau ziehen möchten. Die Be­strebungen, Deutschland zu einem Vorgehen in der bulgarischen Frage zu veranlassen, hatten und haben gar keinen anderen Zweck, als die Freundschaft der beiden Kaiserreiche zu trennen. Aber damit ist es nichts! Deutschland kann Rußland recht wohl in weit­gehendem Maße gefällig fein; aber es hat dafür eine Grenze und diese heißt: Oesterreichs Interesse. Unser Verbündeter kann eine Festsetzung Rußlands in Bulgarien absolut nicht dulden, denn damit wäre nicht nur der Kampf über die Vorherrschaft auf der Balkanhalbinsel zu Gunsten Rußlands entschieden, sondern auch die Südgrenze Oesterreichs wäre aufs Höchste bedroht. Rußland kann durch Bulgarien im Kriegsfälle eine gewaltige Macht gegen Ungarn werfen und mau kann für diesen Fall nur sehr schwer an einen Sieg Oester­reichs denken, für welches die Chancen dann doch gar zu ungünstig lägen. Was kümmern Oesterreich- Ungarn die Herren Stambulow und Genossen und Fürst Ferdinand, es toirir um diese nicht einen Finger rühren; aber daß Bulgarien eine russische Statthalter­schaft wird, das kann es niemals dulden und dem­zufolge kann auch Deutschland dies nicht befürworten.

Was wäre die Folge, wenn das Zweikaiserbündnis sich trennte? Die russischen Generale haben es wider­holt schon ausgesprochen, es sei ihr sehnlichster Wunsch, ihre Pferde in der Donau bei Wien zu tränken. Nun, das geht wohl nicht so schnell, denn schlägt Rußland los, ist auch für England der günstige Moment gekommen, und Italien würde auch nicht lange zögern, Oesterreich fände mithin Bundesgenossen. In dem Augenblick, wo Deutschland aber ganz allein dastünde, würde aber auch Frankreich vorgehen, und seine Revanche für 1870/71 zu holen suchen. Um den Krieg kämen wir also auf keinen Fall und des­halb nennt man mit Recht das Zweikaiserbündnis das Friedensbündnis. Deutschland hat übrigens nicht die geringste Veranlassung, dem russischen Bären die Honigfässer zum auslecken zu öffnen. Gegenwärtig wäre das geradezu eine Thorheit. Der Russe, der Slave kann und wird den Deutschen nie lieben, und er macht aus seiner Abneigung gegen uns auch gar kein Hehl. Deuffchland hat von Rußland auch in

bewirkte er, daß sich die Erfolge der Resektionen un­gleich günstiger gestalteten und daß jetzt unzählige Glieder erhalten werden, welche früher amputiert werden mußten. Von ihm find die Resektionen auch in die Kriegschirurgie eingeführt worden, indem er nach der Schlacht bei Schleswig zum erstenmale mit glücklichem Erfolge resezierte. Die von ihm ange­gebenen osteoplastischen Resektionen, vor allem die Uranoplastik, die Staphyloraphie oder Gaumnaht, die subkutane Osteotomie zur Geraderichtung schief ge­heilter Knochenbrüche und anchylosierter Gelenke, die Behandlung der letzteren mittels allmählicher foicierter Streckung in der Chloroform - Nar­kose, die Durchschneidung deS äußeren HaltebandeS bei einwärts gebogenem Kniegelenk, die Kauterisation dts Hämorrhoidalknoten mit dem Glüheisen und an. bere seiner Neuerungen sind, wie der »Rhein. Cour.* hervorhebt, Gemeingut den Chirurgie geworden.

Die weitgehende Bewunderung, die Langenbeck als Lehrer und Kollege in der ärztlichen Welt genoß, war daher eine verdiente. Im Professoren-Kollegiuw der Berliner Universität verblieb er bis zu seinem Tode, wenn er auch keine Vorlesnugeu mehr hielt. Die Gesellschaft für deutsche Chirurgie, deren Be­gründung sein Werk war, wie die Berliner Medi­zinische Gesellschaft wählten ihn stets zürn Vorsitzenden, später, als er sich aus Gesundheitsrücksichten 1882 in sein Tuskulum zu Wiesbaden zurückzog, zum Ehren­präsidenten; auch stellte sie seine Marmorbüste iw Klinikum auf, gewiß alles Zeichen der höchsten Ver­ehrung. . Sein Erscheinen in diesen Gesellschaften war in den letzten Jahren stets ein fteudig begrüßtes Ereignis. Mit Bedanern vermißte man ihn beim letzten Chirurgen-Kongreß, von dem ihn der Tod feiner treuen Gattin und eigenes Augenleiden fern hielt. ÜM Noch kurz vor feinem Tode Überstand er eine Staaroperation glücklich. Nun ist er feiner treuen Lebensgefährtin gefolgt und ihm trauern nicht nur die wrfferffchastlicheu Kreise nach, sondern die ungezählten Taufende, die die Seguungeu seiner Kunst erfahren

den Zeiten, in welchen die Freundschaft die größte war, nichts gutes erfahren; in Petersburg wurde aufgespielt und die Deutschen sollten nach russischer Pfeife tanzen. Es giebt da viele dunkle Punkte. Deutschland kann gute Freundschaft mit Rußland halten, es beweisen das die Tage von Skierniewice; aber dazu gehören zwei. Und Rußland hat sich nicht als eine zuverlässige Partei gezeigt. Der Traum ist also aus.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Okt. Angekommen ist Se. Excellenz der Staatsminister und der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizmalangelegenherten, Dr. von Goßler, aus Ober-Italien. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Staatssekretär Graf Herbert Bismarck ist heute nachmittag abgereist, um den italienischen Ministerpräsidenten Crispi in Büchen zu empfangen und von dort nach Friedrichsruh zu geleiten. Die Ministerverantwortlichkeit ist bekanntlich eine wunder­same Lehrmeisterin. Oppositionelle Wildfänge erzieht sie in unglaublich kurzer Zeit zu besonnenen Diplo­maten, und was keiner Ueberredungskunst der Welt gelingt, nämlich einen Menschen zu einer andern politischen Ansicht zu bekehren, gelingt ihr in wenigen Stunden. Noch vor Jahresfrist konnte man Crispi. feiern hören als einen der hervorragendsten Träger des Panlatinismus, als den Vorkämpfer der roma­nischen Raffenverbrüderung; damals wehrte Crispi seinen französischen Lobrednern nicht und heute befindet er sich auf dem Wege nach Friedrichsruh. Der Zweifel, mit dem die Nachricht von der bevor­stehenden Reise noch in Paris ausgenommen wurde, ist also recht wohl zu erklären. Es sei fern von uns, den Ministerpräsidenten des Königreichs Italien mit dem billigen aber modernen Vorwurf der Ge­sinnungslosigkeit auf deuffchem Boden zu begrüßen, wir heißen ihn vielmehr willkommen mit dem Ge­ständnis, daß wir ihn als Gegner gefürchtet haben; um so besser wird er verstehen, wie hoch wir seine Freundschaft schätzen. Die Wände der Kanzlerzimmer in Friedrichsruh machen keine Ausnahme von der Regel, sie haben keine Ohren, wenn es daher den beiden Staatsmännern nicht gefällt, wird nichts von ihren Verhandlungen an die Oeffeutlichkeit bringen. Mag nun die bulgarische oder die römische Frage, mögen Egypten, Marotto ober Abessinien den Gegen­stand ihrer Besprechung bilden, sicherlich wird eines nicht unberührt bleiben, und das ist der Anschluß Italiens an Deutschland und Oesterreich oder, was

Haden. Einer der ersten, welche dieselbe dankbar anerkannten, war unser Kaiser; war doch Langenbeck nicht nur ein ausgezeichneter Forscher, ein genialer Chirurg und kühner Operateur, sondern was seine Schüler an seinem siebzigsten Geburtstag besonders betonten, vor allem auch ein vorurteilsfreier, großer und edler Mensch und seine Persönlichkeit, die unge­zwungene Anmut mit der verbindlichsten und liebens­würdigsten Feinheft vereinte, hob noch diese in heu­tiger Zeit doppelt zu schätzenden Eigenschaften. Auf das Grab diesesFürsten* der Chirurgie, wie er genannt wurde, wird darum die ganze Nation einen reichen Kranz ihrer Verehrung zu legen wissen.

Im Banne der Verhältnisse.

Roman von Theodor Mügge.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Am nächsten Tage erfolgte die Erklärung, Rachau befand sich am Ziel seiner Wünsche. Ohne eine sicht- bare Ueberwindung gab Luise ihr Wort und unterzog sich allen üblichen Zärtlichkeiten deS neuen Verhältnisses mit tadelloser Bereitwilligkeit. Nur gegen die so­fortige Veröffentlichung der Verlobung erklärte sie sich mit mancherlei Gründen.Wir müssen damit wenigstens noch einige Zeft warten," wandte sie ein, um den Verhältnissen nach, die hier gewaltet haben, der Schicklichkeit genug zu thnn. Ich wünsche über­dies, daß mein Bruder zunächst davon benachrichtigt wird und unsere Freunde umher nicht allzusehr überrascht werden."

Rachau stimmte ihr bei, der wahre Grund schien ihm gewiß genug. Sie schämte sich vor dem Geschwätz und wollte dem flüchtigen Gottberg nicht die Ber- lobungskarte so schnell nachschickeu. Im Stillen jedoch gelobte er sich, daß es nicht lange dauern sollte, und bis dahftr ließ sich die Sache so weit vorbereften, daß Niemand mehr überrascht sein konnte.

Sieben Sie mich nur ein wenig so, wie ich Sie

damit gleichbedeutend ist, die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens. Dieser Punkt ist es zweifellos, welcher dem heutigen Tage ein für die gesamte politische Welt hochbedeutsames Gepräge und eine geschichtliche Tragweite gibt. Auf den Besuch Kal- nokys folgt der Crispis in Friedrichsruh, und damit wird heute zum ersten mal das deuffch - österreich- italienische Bündnis öffentlich bekundet, das für die weitere Zukunft vor allem berufen ist, der Welt den Frieden zu gewährleisten. Es ist das unumstößliche Verdienst Crispis und zeugt von feinem weiten staats­männischen Blick, daß er, obgleich früher Oppositions- Politiker, bei feinem Eintritt ins Ministerium im April d. I. sofort die außerordentliche Bedeutung erkannte, die dieses dreifache Bündnis für Italien insbesondere und nicht minder für ganz Europa be­sitzt. Er trat demgemäß für die Aufrechterhaltung dieses Bündnisses ein und bricht heute durch seine Reise allen Zweifeln, welche vor allem in der fran­zösischen Presse nicht verstummen wollten, die Spitze ab. Für die beiden leitenden Staatsmänner der ver­bündeten Reiche mag das Bedürfnis, sich über die Folgen dieses Bündnisses im einzelnen und über die gesamte politische Lage im mündlichen Gedankenaus­tausch auszusprechen, immer dringlicher hervorgetreten fein, und da Fürst Bismarck bei feinem leidenden Zustande und hohen Alter nicht in der Lage ist, weite Reifen zu unternehmen, so hat Crispi ebenso, wie es bisher Kalnoky gethan, gern der Einladung entsprochen, den deutschen Reichskanzler auf feinem Waldfchlosse aufzusuchen. Deuffchland wird es dem italienischen Ministerpräsidenten Dank wissen, daß er nicht vor den Strapazen der weiten Reise zurückge­schreckt ist; es wird mit warmer Genugthnnng aner­kennen, daß es seiner Haltung und der seines Königs gelungen, Deuffchland und Italien den allgemeinen Wünschen der beiden Völker entsprechend zu einem festen Bunde mit einander zu verbinden, der hoffent­lich noch auf viele Jahre von unerschütterlichem Be­stände sein und bleiben wird. Es war bisher nicht Brauch, daß dergleichen Besuche fremder Staats­männer in Friedrichsruh der Welt in so hochoffiziöfer Form angekündigt wurden, wie es heute in der Nordd. Allg. Ztg." mit dem Besuch Crispis geschieht. Die Entrevue der leckenden Staatsmänner Deutsch­lands und Italiens erhält dadurch von vornherein einen ganz besonders offiziellen Charakter und man scheint kundgeben zu wollen, daß man besonderen Wert auf sie legt. Der Besuch, den der italienische Botschafter Graf de Launay vor einigen Tagen dem Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck gemacht hat,

liebe, teure Luise," sagte er,so bin ich mit allem zufrieden und darf getrost erwarten, daß Sie bald meinen Bitten uachgeben. Wie glücklich bin ich nicht schon jetzt, da ich bei Ihnen fein kann; ein wie viel größeres Glück, wenn die ganze Welt es weiß, um mich zu beneiden?"

Im weiteren Verlaufe dieses Gesprächs gab Herr von Rachau auch nähere Nachrichten über seine eigenen Verhältnisse. Er legte dem Major ein Taufzeugnis vor, in dessen Besitz er sich befand, und nach welchem er sich als ber Sohn eines Oberbeamten in Preußen auswies. Seine Eckern waren beide früh gestorben, die mäßige Hinterlassenschaft znrn Teil für seine Er­ziehung verwendet worden, zum Teil später Bei Studien und Versuchen daraufgegangen, ihm den Weg in die Welt zu bahnen. Er deutete au, daß er sich vielfach liüerarisch beschäftigt habe, auch mit mehreren Re­gierungen und politischen Personen in Verbindung gewesen sei. Die französische Regierung habe ihm zu einem längeren Aufenthalt in Nordafrika besondere Veranlassung gegeben, bis er nach seiner Rückkehr in Paris Eduard Wilkens kennen lernte, der, mit eigentümlicher Zuneigung ihn beglückend, sich ihm anschloß, und den er begleitete, als die Nachricht vom Tode seines Vaters eintraf.

Im Allgemeinen waren diese Nachrichten weder besonders beftiedigend, noch besonders vorteilhaft. Ersichtlich hatte sich Herr von Rachau noch kein ge. stcherteS Dasein begründet, sondern dem Anschein nach ein ziemlich ungewisses und wechselndes Leben geführt. Seine Heirat sollte ihm erst geben, was ihm fehlte, die feste Grundlage in der Gesellschaft; eS hatten somit Diejenigen nicht eben so ganz Unrecht, die mit einigen mißtrauischen, kleinstädischen Be­denklichketten nach Besitz, Amt, Würde oder Sellung deS liebenswürdigen jungen Herr» spionierten. Jn- deß leben heut zu Tage Tausende wie die Lilien auf dem Felde, und man kann eben so wohl große Vermögen in einer kleinen Brieftasche bei sich tragen, wie man weder Amt noch Geschäft, noch stolze Titel