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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Matt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Mark 21. Redaktion, Druck and Berlag von Joh. Ang. Loch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expe­ditton 2</4 Mk., bei den Postämter 2 Mk 50 Pfg. (exll. Bestellgeld!. Jnserti-nsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen sür die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 23. September 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cafsel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXU. Z-ahraana Moffe m Frankfurt a.M , Berlin, München u. Köln; G L. aj 1 u o

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

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WriM Anzeigen finden in derOberhessischen Zeitung

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der Exped. für Marburg Mk. 2,25.) Die Exped. d Oberh. Zeit.

i ihrem großen Leserkreis eine wirksame Verbreitung. Im Feuilleton erscheint im neuen Quartal:

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rindtler.

Alle Landpostboten nehmen auf m Lande Bestellungen entgegen.

Die Neutraliberung des Suerkarmls

ist jetzt wieder zu einer Tagesfrage und zum Gegen­stände eifriger Verhandlungen zwischen England und Frankreich geworden, welche letztere in seinen Forde­rungen vertraulich aber kräftig von Rußland unter« tützt wird. Nach dem Sultan, der als Oberherr von Egypten doch eigentlich das letzte Verfügungs­recht über den Kanal hat, fragt in dieser ganzen Sache kein Mensch; hier ist dieWahrung der Rechte des Sultans", wovon in der bulgarischen Frage so viel die Rede ist, nicht von Interesse für die betei­ligten Staaten und deshalb kümmert sich auch niemand darum. Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien eigen wenig zu dieser Sache und ein Dazwischen­reden hat auch keinen Zweck. Wenn die Neutralität des Suezkanals abermals feierlich beschlossen wird, o ist es eben so sicher, daß sie im Ernst- und Not­salle doch nicht respektiert wird. Wir haben in Europa die neutrale Schweiz und das neutrale Belgien; und beide Länder fühlen sich unter dem Schutze der verbrieften und besiegelten Neutralität so wenig sicher, daß sie ihre Truppen fortwährend ver- 'tärken und neue Befestigungen ausführen. 1870 rat der französische General Bourbaki gezwungen über die Schweizer Grenze; erlebten wir aber einen deutsch - französischen Krieg und dem französischen Generalisimus gewährte ein Zug durch die Schweiz oder Belgien die Aussicht auf einen großen Erfolg, er würde auch nicht einen Moment zögern, diesen Zug anzutreten. Neutralitätsverträge sind recht hübsche, staatliche Dokumente und in Friedenszeiten wird sie auch niemand antasten; kommt es indessen zu einer Katastrophe, so sind sie ein Stück Papier, wie jedes andere. Sie fliegen in den Ofen oder werden zerrissen, denn Not kennt kein Gebot.

Frankreich strebt die Neutralisierung des Suez­kanals trotzdem aus allen Kräften an. Der Kanal soll einer europäischen Kommission unterstellt werden und ein Truppenkorps von 2000 Mann soll die Neutralität verteidigen. Der Suezkanal wurde be­kanntlich schon gleich bei seiner Erbauung für eine neutrale Wasserstraße erklärt und blieb sie auch so lange, bis es eben anders wurde. Das war zur Zeit des Aufstandes Arabi Paschas, wo die Engländer ohne Weiteres den Kanal zur Basis ihrer Kriegs­operationen machten und von dort aus Über Vielel- Tabir gegen Kairo vordrangen. Das wissen die Franzosen sehr wohl und sie können sich vorher sagen, daß es bei einem ähnlichen Falle ebenso kommen wird. Darum ist auch die ganze Suezkanalfrage nur

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Illustriertes Sonntagsbtatt igst erneuern zu wollen.

DieOberhessische Zeitung", in großem Zeitungs­

mat erscheinend, wird auch im neuen Quartal fort- hren, die Zeitereignisie durch gediegene Leitartikel d zuverlässige Korrespondenzen eingehend zu örtern. Wichttge Vorgänge bringt dieOberh. st." ihren Lesern durch Telegramme sofort zur nntnis. Belehrende Aufsätze für Gewerbe und dwirtschaft aus der Feder bewährter Mit-

, ferner Berichte über die Schwnrgerichts- und lNg gi Ltrafkammerverhandlnnge», sowie übevplle lokalen [ö08i «d provinziellen Vorgänge.

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er.

Für das vierte Quartal 1887 ersuchen wir die Postbestellungen aus die

Oberhessische Zeitung

mit bereit Gratis-Beiblätter

jirersbtatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

tmer, 1 !

- arbeiter, ausführliche Berichte über Sitzungen der irberoba landwirtschaftlichen Vereine und sonstige ge» »kinnützige Mitteilungen gehören znm regel« müßigen Inhalt derOberhessischen Zeitung", sowie

mm. DieOberhessische Zeitung" [st kostet bei der Post mit Bringer- 26. lohn 2 Mk. 90 Pfg. (Bei unserer

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Das «ene Kleid.

Sine Familien-Plauderei.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

ruhige Leider o? sagt mittag in

schien Frau Lina der Ausgang am Vor­dem nebligen, unfreundlichen Wetter nicht

25

[5091 zmn Besten bekommen zu sein. Sie war ein wenig Htr, hustete aber sehr stark. .Armes Herz,- sagte melye«. zzrMchx Gemahl tröstend, »schone Dich künftig etwas mehr. Du siehst, wohin allzu großer Eifer logis- lthrt. Aber es wird ja bald vorüber sein.'

r. 15.

DaS wünsche ich auch/ erwiderte lebhaft Frau Ana.Du weißt doch, wir haben heute eine Ein­ladung zu L.'s für nächste Woche erhalten, zum Haus­ball, und da möchte ich doch nicht fehlen. Ich will recht, recht viel mit Dir taugen 1*

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37.

iten i» .Sollst Du auch, Frauchen/ lachte er, .einem «mtt Herzblatt wie Du, das ihrem Manne alles an den ;u ver> Augen absteht, kann mau nicht genug zu Gefallen [509s Huu! Und eine so reizende Tänzerin, wie Du bist!'

[ »Nein, ich sage die Wahrhett. Wie entzückend LUll* wirst Du in der geblümten Robe aussehen!'

13.

.Aber das sieht man ja gar nicht, wenn solch ein Engel wie Dn in dem Kleide steckt. Und Du hast la auch Zeit genug, einige moderne Abänderungen vornehmen zu lassen.'

Ganz modern wird es aber doch nicht,' seufzte die hübsche Frau wehmütig.Aber es geht nun ein- nicht anders, es mnß schon dabei bleiben, damit Du siehst, daß auch wir Frauen Wort halten können!' .Du bist reizend,' rief entzückt der junge Manu aus.------

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Sasse 1881 »Handel

.Ja, das sagst Du wohl,' antwortete Frau Lina sehr ernsthaft, .aber andere Leute werden das nicht sagen. Siehst Du, das Kleid ist schon ein Jahr alt m Jitf und etwas aus der Mode.'

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iebe.

Es ward dunkel. Man hatte zu abend gegessen. Die Heiserkeit der jungen Fran war fast ganz vorüber,

nur der Husten schien stärker geworden zu sein. Sie lehnte in einer Sophaecke, ein feines Taschentuch vor den Mund haltend, während der Herr Gemahl seinem Bedauern Ausdruck gab, daß der böse Husten immer noch sortdanere. »Ich werde deshalb heute abend auch recht frühzeitig au8 dem Klub Heimkommen!' schloß er.

Wie, Du willst heute abeud ausgehen, während ich allein und krank daheim bleiben muß,' rief Frau Lina, sich hastig aufrichtend.

aber, liebes Kind, Du weißt do», daß ich ge­rade heute nicht gut fehlen kann. Und eigentlich krank bist Du ja auch nicht. Ich komme ganz be- stimmt so früh wie möglich zurück!' Frau Lina be­gann zu schluchzen. Bruno begann sich zu ärgern. Es war ja doch nur eine Lappalie und darum be. gann seine Frau Streit ? Er hätte das nicht gedacht. Er suchte aber doch noch mit einem Scherz über die Situation fortzukommen.

.Sag einmal, Lina, Du hast wohl heute einen Roman gelesen, in welchem der bekannte erste Zank zwischen junge» Eheleuten dargestellt ist, und willst nun auch probieren, was an der süße» Versöhnung Wahres ist?' Damit hatte er aber Oel. ins Feuer gegossen. Das Schluchzen hörte sofort auf, und Frau Lina antwortete mit scheinbar unendlich großer Ruhe: .Wenn Du mir Backfischschwärmereien zutrauft, Bruno, so bist Dn sehr im Irrtum. IS habe heute Wein für Dich gekauft, Dir den neuen Anzug besorgt, Dir hoch und teuer versichert, daß ich zum Balle kein neues Kleid haben will, laufe auf der Straße umher, um selbst einzukaufen und zu sparen. Und was thust Du? Jetzt wo ich Dich bitte, bei mir kranken Frau einen Abend zu bleiben, mußt Du fort zu Deinen Kneipbrüdern. Wenn Du nicht bleiben willst und kannst, so geh, ich hatte Dich nicht!'

Bruno war einen Moment betroffen. Das war alles wahr, und nicht zu beftretten.Aber, Kind," begann er dann seine Verteidigung,Du weißt doch, eS wttd wirklich eine ganz wichtige Sache verhandelt.

eine Maske. Einerseits liegt der französischen Regierung daran, über England einen diplomatischen Erfolg zu erringen, dann aber, und das ist die Hauptsache, ist das ganze Vorgehen nur eine Etappe auf dem Wege zum großen Streite über die Herrschaft im Mittel­meer, der ebenso gewiß kommen wird, wie der russisch­englische Kampf um die Herrschaft in Asien. Die Franzosen betrachten sich als die natürlichen Herren des Mittelmeeres, wissen aber recht wohl, daß sie es nicht sind, sondern die Engländer. Gibraltar, Malta, Cypern, der Suezkanal, alles ist in englischen Händen und so lange das nicht anders wird, ist der schöne ranzösische Traum von der Gründung eines Mittel­meerreiches im Anschluß an Algerien und Tunis un­ausführbar. Die übrigen großen Mittelmeerstaaten, Italien und Oesterreich-Ungarn, können zur See sich nicht gegen die überlegene französische Flotte behaupten und daraus ergiebt sich von selbst eine Freundschaft mit England in dieser Frage, denn daß Frankreich als vorherrschende Mittelmeermacht ein ganz anderes Register aufziehen würde als England, ist außer Zweifel. Frankreich strebt mit seiner Neutralitäts- orderuug für den Suezkanal also nichts anderes an, als die Verdrängung Englands aus dem Mittelmeer. England muß diesen Posten aber behaupten, weil es nur so Indien, die Hauptstütze seiner Macht, halten kann. Sollte es zu Truppenversendungen jetzt »och den weiten Weg um die Südspitze von Afrika machen, ö wäre seine Stellung unhaltbar. Darum begünstigt Rußland auch Frankreichs Vorgehen, denn in Peters­burg, wie in aller Welt, weiß man recht wohl, daß der Kampf um Englands Macht, um den Suezkanal und das Mittelmeer in Asien, in Indien, ausgefochten werden wird. Es liegt hinreichend Zündstoff zu großen Kriegen in der Luft. Wenn sie trotzdem nicht kommen und hoffentlich noch lange auf sich warten lassen werden, so ist daran die Gruppierung der Mächte schuld. Beim ersten Schlag, wo er auch allen mag, stehen große Koalitionen da und in dem entstehenden Kriege geht es dann nicht nur um Millionen, sondern um die Existenz.

Deutsches Keich.

Berlin, 21. Sept. Der Kaiser besuchte gestern die Vorstellung im Opernhause, nahm heute die Vor- ttäge des Ober-Hof- und Hausmarschalls, Grafen Perponcher und des Geh. Oberregierungsrates Anders entgegen und besuchte nachmittags um zwei Uhr die Kunstausstellung. DieBerliner Politischen Nach­richten" melden, die wieder aufgenommenen Verhand­lungen wegen einer russischen Anleihe in Paris ließen

Und ich kann nicht fortbleiben, wen» nicht etwas ganz Wichtiges vorliegt. Und lebensgefährlich ist Dein Husten ja doch gerade nicht. Also, laß uns in Frieden scheiden, sei nicht bös und gteb mir den gewohnten Kuß!'

Fran Lina hatte während dieser Worte beängstigend gehustet und dabei das Gesicht ganz hinter dem Taschen­tuch verborgen. Bruno konnte so auch nicht sehe», wie ein verstohlenes Lächeln blitzschnell über das Gesicht huschte. Dann sank das Taschentuch nieder. Die hübschen Züge feiner Fran blickten Bruno Walther ruhig entgegen.Nun, wenigstens bist Du von Deinem Kapitel vom ersten Zank abgekounneu und fängst hoffentlich nicht wieder damit an. Ich will Dich gar nicht zwingen, hier zu bleiben, wen» Du nicht bleiben kannst, wie Dn sagst. Aber die Rück, sicht auf mich müßte es Dir schon gebieten. Weißt Du »och, als Du vor einem halben Jahre leidend warst? Wer hat da de» ganze» Tag an Deinem Bette gesessen ? Ich und wieder ich, Deine Fra». Das war meine Pflicht, und ich habe eS mit tausend Freuden geihan. Aber was kennt Ihr Männer von Pflichten gegen Eure Frauen? Erst kommt Ihr, bann nochmals Ihr und bann bie Frauen noch lange nicht. Aber, ich will nichts weiter sagen, damit Du keine Ursache hast, über mich herzuziehen, leb recht wohl und amüsier Dich gut!'

Damit bot sie ihm ihren k einen Mund zum Kuß dar. Sie schloß dabei die äugen recht fest, imb Bruno küßte sie mit ganz merkwürdigen Gedanken. Dann reichte sie ihm selbst seine» Hut und Stock, und er schritt zur Thür. Eben wollte er die Hand auf den Drücker legen, als er sich von hinten von zwei weichen Armen umfaßt fühlte, nochmals zwei Lippen sich auf die feinen drückte», uvd ihm die Worte ins Ohr klangen:Adieu, Liebster!' Dann öffnete Frau Linas kleine Hand selbst die Thür und stieß ihn sanft hinaus. Als Brunos Schritte der- hallt waren, warf sich die kleine Fran herzlich lachend auf das Sopha. Der Husten war wie mit einem

neuerdings die Realisierung des Projektes hoffen. Es 'ei zu wünschen, daß sich diese Hoffnung erfülle, da, je breiter der Markt der russischen Werte werde, desto eher die deuffchen Kapitalbesitzer sich wenigstens eines Teiles ihres Besitzes an solchen Werten ohne zu empfindliche Einbuße entledigen können.

Mönche«, 21. Sept. Die Kammer der Abge­ordneten beriet heute die Branntweinsteuervorlage. Referent von (Sagem empfiehlt die Annahme der Vorlage. Der Finanzminister gab namens des Ge- amtministeriums über die staatsrechtliche Seite der Frage folgende Erklärung ab: Nach Auffassung des Ministeriums sei em Reservatrecht reichsrechtlich als aufgehoben anzusehen, wenn Bayern seine Zustimmung dazu im Bundesrate erkläre; dagegen sei das Mini- "terium dem Lande gegenüber für eine derartige Er­klärung voll verantwortlich. Kein Ministerium, ins­besondere auch nicht das gegentoärtige, werd deshalb daran denken, ein Reservatrecht von irgend welchem Belang ohne vorherige Zustimmung des Landes auf­zugeben. Die nach § 47 des Reichsbranntweinsteuer- Gesetzes den süddeutschen Staaten vorbehaltenen Rechte eien »ach Auffassung der Regierung Reservatrechte, welche ohne Zustimmung des Landtages nicht auf­gegeben werden können. Die Abstimmung über das heute vorliegende Gesetz erfordere jedoch nicht die für eine Verfassungsänderung vorgesehenen Förmlichkeiten; auch halte es die Regierung nicht für opportun, bei dieser Gelegenheit eine so schwierige Prinzipienfrage zu entscheiden; vielmehr empfehle es sich, die Frage von Fall zu Fall zu erledigen. Hieraus sei aber nicht ein Präjudiz abzuleiten, daß nicht bei künftigen anders liegenden Fällen auf Erhaltung jener Förm­lichkeiten zu bringen sei, und zwar nicht blos seitens des Landtages, sondern auch seitens der Regiernng, denn auch letztere habe daran ein wesentliches Interesse. Der Finanzminister sagt die Berücksichtigung der mittleren und kleinen Brenner zu. Abgord. Evora (Demokrat) ist gegen das Branntweingesetz, durch welches ein Nahrungsmittel der ärmeren Klasse ver­teuert werde und fordert die Einführung einer pro­gressiven Einkommensteuer, sowie Sparsamkeit. Der Finanzminister will mit dem Abg. Evora über die direkten Steuern nicht streiten: er weist nach, die Einzelverkäufer des Branntweins verdienten 300 bis 400 Proz.; daher rühre die Belastung des armen Mannes; eine Begünstigung der Großbrenner durch Bayern finde nicht statt. Bei der nachfolgenden namentlichen Abstimmung wurde das ganze Brannt­weinsteuergesetz mit 133 gegen 18 Stimmen angenommen.

Zauberschlage verschwunden.Und mein Kleid be­komm ich doch, darauf will ich wette». Eine schwache Seite hat jeder Mann, man muß die richtige nur zu finden wisse»,' lachte sie.

Bruno Walther ging nachdenklich zum Hause hin­aus und nachdenklich die Straße entlang. Alles, was Lina gesagt, war in der That zutreffend. Er hatte gedacht, sie wolle einen Zank provoziere», um als Bersöhnnngsobjekt am Schluffe doch das neue Kleid zu bekomme», aber von alledem keine Silbe! Sie hatte ruhig und versöhnlich mit ihm gesprochen, keine Spur mehr von Streit und Zwist, »ud zuletzt ihr Abschiedskuß! Ihm strömte das Blut voll zum Herzen, wenn er daran dachte. Und wie war sie be­sorgt gewesen für seine Bkqnemlichteit, hatte an alle seine geheimen Wünsche gedacht, sie erfüllt; und was hatte er gethan? Gar nichts.Er hatte ihr de» Herr» zeigen wollen, wenn sie ihrKleidversprechen" nicht hatten und schon jetzt eine neue Toilette be­gehren sollte. Und mit keinem Wort hatte fie dies Verlangen geäußert. Ja, so war alles, kein Wort ließ sich davon fortreden.

Der junge Manu stand plötzlich vor dem Mode- waarenladen, in welchem seine Frau am Vormittage gewesen, und ehe er eS selbst recht wußte, war er im Laden.Sie hat mir eine Freude bereitet und nun soll sie auch eine haben. ES ist noch nicht acht Uhr, ich kaufe das Kleid und sie kann heute abend »och den Stoff daheim haben." Das war der plötz­lich gekommene Entschluß und ebenso schnell war er ausgeführt. Die Robe, welche Frau Lina sich an­gesehen, war leicht zu ermitteln, und eine Viertel­stunde später gab bereits ein Hausdiener daS Packet in der Wohnung Walthers ab.

Die hübsche Frau klatschte froh in bie Hände, als sich der kostbare Stoff schimmernd auf dem Tische ausbreitete. Ein Lächeln zuckte um ihren Mund. Es schien zu besagen:Wenn wir Frauen nicht schlauer wären!"