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Illustriertes Sonntagsblatt.
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machung Hervorrufen würden? Dort hängt alles davon ab, daß nichts zu früh und nichts zu spät kommt. Die Requisition der Pferde stieß auf größere Hindernisse, als gerade nötig war und das Material war nicht immer das beste. Oft sogar auffallend geringwertig. Die Verladung der Truppen auf der Bahn ging ohne Störung von statten; aber man wird daran denken müffen, daß schon vor mehreren Wochen die nötigen Vorbereitungen auf den Bahnhöfen getroffen waren. Mit der raschen Einquar- tterung der Truppen haperte es an manchen Orten; die Ortsbehörden hatten keine Quartierlisten aufgestellt und die Truppen wußten deshalb nicht worin und woaus. Geradezu schlecht fungierte die Intendantur. Die Verpflegung der Mannschaften, die doch im Ernstfälle so ungeheuer wichtig ist, ließ sehr viel zu wünschen übrig; es traten Stockungen von ganzen Tagen ein. Man denke, wie das im Ernstfälle wirken muß. Daß die Mobilisierung innerhalb der vorgeschriebenen Zeit beendet war, kann trotz dieser Mängel nicht überraschen; es war eben nur ein Armeekorps und bei dieser verhältnismäßig geringen Truppenzahl
ind solche Hinderniffe weniger fühlbar, als bei der Totalmobilmachung.
Wir kommen zu den Manövern, und hier hat 'ich gezeigt, was die Franzosen keineswegs beruhigen kann, trotzdem die Mannschaften den besten Willen zeigten. Aber achttäge Manöver sind kein Feldzug. Uni recht viel ausgebildete Soldaten zu bekommen, werden viele Korps mit schwachem Mannschaftsbestand unterhalten, die dann, wie hier durch die längere oder kürzere Zeit gedrillten Reservisten vervollständigt werden. Aber diese Reservisten sind keineswegs kern- este und stramme Militärs, wie die Deutschen, der Mangel an Ausbildung ist trotz aller Schönfärberei ichtbar zutage getreten. Auch mit den Leistungen mancher Kompagnie- und Bataillonskommandeure sah es windig aus. An ihre schwächeren Kadres gewöhnt, hatten sie die Truppen nicht genügend in der Hand, die einheitlichen und geschlossenen Bewegungen ehlten. Bei den französischen Soldaten ist der „Elan" die Hauptsache. Voller Feuer gehen sie im ersten Angriff tapfer vor, aber es fehlt ihnen der gediegene Kern, welcher auch ungünstige Krisen über- teht. Uebersetzen wir diese Wahrnehmung in die Manöversprache, so heißt das: alles recht schön, aber nur oberflächlich und keine gesunde Tiefe. Die Franzosen haben sich auch richtig von dem äußerlich glänzenden Verlauf der Mobilmachung und der folgenden Manöver bestechen lassen; aber ein ruhiger Beobachter kann sich dadurch nicht täuschen lassen und deshalb wird man übereinstimmend zu dem Schluffe kommen, daß Frankreich zwar sehr viel Geld für eine Armee ausgegeben und die Quantität beträchtlich vermehrt hat, aber der richtige Zug in der Verwaltung und die richtige Qualität in den Truppen, die sind noch nicht da.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Sept. Die Kaiserin trifft erst am Freitag Mittag von Stettin hier ein. — Minister v. Puttkammer, der den Manövern in Ostpreußen beigewohnt hatte, ist gestern von Königsberg hierher zurückgekehrt. — Das Leiden des Staatssekretärs v. Bötticher, welcher noch eine Badekur in Karlsbad nötig machte, soll nicht ganz geringfügiger Natur sein und Zweifel rechtfertigen, ob Herr v. Bötticher in nächster Zeit seine Arbeiten in vollem Umfange wieder aufnehmen wird. Es ist leider auch zu erwarten, daß die gesetzgeberischen Vorarbeiten z. B. zum Altersversicherungsgesetz, durch die lange Abwesenheit des Staatssekretärs eine Verzögerung erfahren. Der Wunsch, daß der hochverdiente Beamte
sind vorüber. General Ferron, der Kriegsminister, hat sich im allgemeinen sehr zufrieden mit den Resultaten des Versuches ausgesprochen, und die übergroße Mehrheit der sranzösischen Blätter jubelt ihm nach, wie ausgezeichnet es um die Wehrkraft Frank-
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bald wieder in alter Rüstigkeit seine Arbeiten aufzunehmen im Stande sein möge, wird allgemein geteilt werden. — Infolge der mit dem 1. Oktober 1879 eingeführten neuen Justiz - Organisation hat sich in Preußen die Zahl der Richter und Justizbeamten nicht unerheblich vermindert, und zwar die Richter um 383, die Staatsanwälte um 84, die Büreau- beamten um 2406, die Kanzleibeamten um 226, die Unterbeamten um 2070. Infolge dieser Verminderung des Beamtenpersonals mußte eine große Anzahl von Beamten zur Disposition gestellt oder versetzt werden. Hiervon wurden betroffen: 4 Präsidenten und 14 Räte des Obertribunals, 9 Präsidenten und 84 Räte der Appellationsgerichte, 66 Direktoren und 183 Richter der Untergerichte, der Generalstaatsanwalt der Obertribunals, 5 Oberstaatsanwälte, 1 General- Advokat und 12 andere der Staatsanwaltschaft. Die Zahl der auf Wartegeld gesetzten Subalternbeamten und der Unterbeamten betrug mehr als 1800. Inzwischen hat sich die Zahl aller vorerwähnten auf Ruhegehalt oder zur Disposition gestellten Beamten infolge von Todesfällen bedeutend vermindert und die hierdurch erzielte Ersparnis dürfte sich auf mehr als 1 Million Mark belaufen. — Die heutige deutsche Wirtschaftspolitik soll nach manchesterlichem Verdikt aus einer Kette folgenschwerster Irrtümer und verhängnisvollster Mißgriffe bestehen, weil sie von dem Grundsätze ausgeht, daß unser Volk vor allen Dingen wirtschaftlicher Herr im eigenen Lande sein muß, ehe es daran denken kann, von der solcher Gestalt verbürgten nattonalen Grundlage seiner industriellen Existenz aus thätig und erfolgreich in den internationalen Wettbewerb auf, dem Weltmärkte einzugreifen. Gleichwohl hat gerade unter diesem, von den Gelehrten und mehr noch von den Interessenten des Manchestertums so sehr verketzerten wirtschaftlichen Regime, wie die „B. P. N." hervorheben, Deutschland nicht nur seinen Platz an der Seite der konkurrierenden Völker genommen, sondern schreitet so rasch voran, daß namentlich die manchesterlichen Engländer Not und Mühe haben, hinter uns nicht allzuweit zurückzubleiben. Eine neue Variante zu diesem in den englischen Konsularberichten ständig gewordenen Klageliede stimmt der englische Vizekonsul in Porto - Alegre, Brasilien, an, indem er konstattert, daß die englischen Arbeiter — und zwar sowohl die Kopf- als die Handarbeiter — von ihren deutschen Mitbewerbern fast überall, und noch obendrein ohne sonderliche Anstrengung, ausgestochen worden. Das in England allmächtige Manchestertum ist also nicht im Stande, den englischen Arbeiter so tüchtig vorzubilden, wie es
das auf wirtschaftlichen „Abwegen" wandelnde Deutschland thut.
— Der General z. D., Graf Werder, ist vorgestern, an seinem 80. Geburtstage, zu Grüssow bei Belgard (Pommern) gestorben. (Wilhelm Leopold Graf v. Werder, geb. am 12. September 1808, ent- tammte einer altadeligen märkischen Familie; sein Vater starb 1837 als Generalleutnant a. D. in Glogau. In der Divisionsschule dieser Stadt für den Militärdienst vorbereitet, trat Wilhelm Leopold v. Werder 1825 in die Armee ein und wurde 1826 Offizier. Nachdem er 1833 — 36 die allgemeine Kriegsschule zu Berlin besucht hatte und 1839—40 als Lehrer des Kadettenkorps thättg gewesen war, nahm er 1842 — 43 als Premierleutnant an dem russischen Feldzuge im Kaukasus teil, in welchem er chwer verwundet wurde. Nach Preußen zurückgekehrt avancierte er im Laufe von zwanzig Jahren zum Generalleutnant. Im Kriege von 1866 führte er die dritte Infanterie-Division, an deren Spitze er 'ich namentlich bei Gitschin auszeichnete. Reichere Lorbeeren brachte ihm der französische Krieg. Bei Wörth befehligte er das badisch - württembergische Armeekorps und leitet dann die Belagerung von Straßburg, dessen Kapitulation ihm die Beförderung zum General der Infanterie eintrug. Es folgten die 'iegreichen Kämpfe der aus preußischer Landwehr und den badischen Truppen gebildeten Werdcrschen Armee gegen die Garibaldischen Schaaren bei Dijon, Nuils u. s. w. und endlich im Januar 1871 der großartige und heldenmütige Widerstand gegen den Versuch Bourbakis, Belfort zu entsetzen, der mit der siegreichen Entscheidungsschlacht vor Belfort (15.—17. Januar) endete, die Werders Namen mit einem Schlage zu dem populärsten im ganzen Süden des Reiches machte und ihm die höchsten Auszeichnungen eintrug. Nach Beendigung des Krieges erhielt er das Generalkommando über das 14. (badische) Armeekorps, wurde Ehrendoktor der Philosophie der Universität Freiburg, Ehrenbürger zahlreicher Städte und mit Geschenken und Huldigungen förmlich überschüttet. In das Verhältnis zum Großherzog von Baden vermochte der General sich nicht immer und überall zu finden. Bei seinem hitzigen Temperament kam es hin und wieder zu Reibungen, die notwendig auf beiden Seiten verstimmend wirken mußten. Im April 1879 wurde Werder unter Verleihung des Grafentitels zur Disposition gestellt und lebte seitdem auf seinen Besitzungen in Pommern.)
Stettin, 14. Sept. Der Kaiser erteilte im Laufe des Vormittags mehrere Audienzen. Die Prin-
»hnun ; nicht verdenken. Das ganze Spektakelstück war ja nur zur Erhöhung des militärischen Nimbus in Frank-
l meinen Die Probemobilmachung des 17. sranzösischen Nr» 1( Armeekorps und die sich daran anschließenden Manöver
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erfragej Ras wahre Resultat der Mobit- machimg.
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Wöchentliche Beilagen: «reis-Blatt für die Kreise Marbnrg Md Kirchhain
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Bug. «och.
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icm neue aber den Versuch, wie er in Wahrheit verlaufen ist. Balkoi Die Landbehörden zeigten zum großen Teil eine >00. Mai äußerst mangelhafte Kenntnis der Mobilmachungsbe- Näh i stimmungen. Sie waren mit den jungen Leuten 1494 jhxxx Dörfer verfchiedentlich 24 Stunden früher am »ohnmi! Platze, als nötig war. Im vorliegenden Falle kam Ute ohi das zu Nutzen, man denke aber, welche Konfusion Zu erfi solche Unregelmäßigkeiten bei einer großen Mobil-
Mobilmachungsbezirks, auch nicht vorgekommen. Die V Stubi eigentliche Mobilmachung mar in dem bestimmten 'bst Zube Zeitraum beendet, Mannschaften und Ausrüstung waren ktober zi ^ur Stelle und die Truppen zeigten den besten Willen, re Expei ,um Gelingen des Ganzen beizutragen. Aeußerlich 1.499 sein sehr glänzendes Bild also! Betrachten wir nun
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dadurch um Arbeit und Brot. Das war der Aufaug der traurigen Tage.
Fritz hatte guten Mut. Er meint*, es werde ihm schnell gelingen, wieder einen passenden Posten zu finden. Aber eS gelang ihm nicht. Kaum die Hälfte seines bisherigen Einkommens bot man ihm. Er wies alle diese Vorschläge ab. In der arbeitslosen Zeit wurden aber alle Ersparnisie aufgebraucht, manches hübsche Wirtschaftsstück mußte versetzt werden und verfiel, weil Geld zum Wiedereinlösen fehlte, und Annas Arbeit, zu der sie sich endlich doch hatte entschließen müssen, brachte nur wenig ein. Die junge Frau war stets zufrieden, klagte nie über den Umschwung der Verhältnisse, die fie in eine finstere Hofwohumig ans dem freundlichen Vorderstübcheu vertrieben hatten. Aber Fritz konnte auf die Dauer nicht ruhig bleiben. Er gab seinem Unmut heftigen Ausdruck, der von den anderen, die in gleicher Lage waren, genährt wurde, schaute das blaffe Gefich: seiner Frau und wurde dadurch, waS er nie bisher gewesen, zum Schnapstrinker. Manchen abend faß Anna allein daheim beim Raffeln der Nähmaschine und dachte darüber nach, wie es doch so ganz anders gekommen war. »
Endlich kränkelte die junge Frau. Sie konnte nur wenig noch arbeite», in der Wohnung sah eS dürftig aus, und Fritz Reimann mußte daher eine Stelle um jeden Preis einnehmen. Sie bot ein sehr geringes Einkommen, kaum so viel, als zum Leben unbedingt notwendig war, aber fie sicherte doch den Lebensunterhalt des jungen Ehepaares. Das sagte Anna, die sich nut langsam wieder erholte, auch alle Tage ihrem Manne, aber sein frischer Mut war dahin. Er war mürrisch und verdrießlich geworden, flagte über Gott und alle Welt, und wen» er seiner Fran auch nichts BöseS sagte, so waren seine freund, lichen Worte doch zu zählen. Selten nur ging er noch mit der abgemagerten Frau auS, die ein Schattenbild der alten Anna nur noch war, und daS alles in der kurzen Zeit von zwei Jahren.
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Hof drei Treppen.
(.Gine Berliner Geschichte.)
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Fritz Reimann hätte nur zuzugreifen brauchen und mit der Wittwe wäre auch das Geschäft sein gewesen; aber er hatte der braunen Anna nun einmal zu tief in die Augen geschaut und konnte sie nicht vergessen. Auch er hörte freilich bald genug: .Sie hat nichts und fie bekommt nichts!' sein Verstand sagte ihm tausendmal, daß man von ter Liebe allein nicht leben könne, daß die Schlosierwittwe und die Schlosserei tausendmal der armen Putzmacherin vor. znziehen feien, aber wo die Liebe ins Spiel kommt, siegt das Herz bekanntlich über den Kopf. So war es auch hier. Auch Annas Mutter riet ab; denn daß Fritz den Werkführerposten nicht behalten würde, wenn er die Hand der Meisterin auSschlage, lag klar zu Tage. Aber alles half nichts, die beiden Leutchen waren guten Mutes und der festen Hoffnung, sie würden sich gut durchs Leben schlagen. So machten fie Hochzeit.
Fritz Reimann hatte sich eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stelle in einer großen Berliner Kunst, schlosseret gesichert, in der er schon früher gearbeitet hatte. Das Ehepaar siedelte nach Berlin über und kann von dem Einkommen, wenn auch nicht reich, so doch ruhig leben. Anna wurde von ihrem Manne vergöttert; er wollte nicht, daß auch sie um Geld ar» beiten sollte, und sie dankte ihm mit herzlicher Siebe. ES war ein frohes Leben. Fritz thaute, wie er sagte, in dem flotten Berliner Treiben wieder auf, und auch Anna befand sich wohl unter den großstädtischen, freien Verhältnissen. DaS ging ein halbe« Jahr so. Dann brach in der Fabrik ein allgemeiner Stticke aus. Fritz Reimann hatte keine Ursache, sich au dem. selben zn beteiligen, aber seine Kameradschaft dnldete auch das Fernhalten nicht. Er strikte mit, ließ sich verleiten, eine Führerrolle zu übernehmen und kam
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Und immer schlimmer kam es! Anna weigerte sich eines abends, da sie sich äußerst unwohl fühlte, ihren Manu zu einem dumpfen Kellerlokal zu be» gleiten, indem er jetzt feine Abende verbrachte. Er ging allein, die Thür heftig hinter sich zuschlagend. Eine Stunde saß sie thränenlos an der Thur; da hörte sie draußen auf dem Korridor zwei Nachbarinnen mit einander zischeln: «Das müßte seine Fran sehen!' Seine Fran! Einennbestimmte, quälende Angst überkam sie bei den Worten; fie raffte sich auf, warf ein altes Tuch über den Kopf, damit sie niemand erkennen könne, und schlich mehr, als sie ging, auf die Straße hinab. Die Kräfte drohten zu versagen, mühsam tastete sich die Arme au der Hausmauer vorwärts. Endlich stand fie vor dem Kellerlokal, einem rauchgeschwängerten niedrigen Raum. Eine Handharmonika sandte ihre kreischenden Töne auf die Straße und nach demselben drehten sich einige Paare. Auch Fritz war dabei, er tanzte mit einem froh ans. sehenden Mädchen in auffallender Kleidung. Dann gingen sie beide zu einem Tische und tränten aus einem Glase. Leichenblaß stand draußen die Frau.
Anna wollte nicht mehr sehen, sie konnte es auch nicht. Mühsam schleppte fie sich weiter, aber nicht nach Haus zurück. Auf dem anderen Sttaßenende zog sich der Kanal vorüber, da gab e« Ruhe für immer und ewig. Hier war ja doch alles vorbei. Langsam schlich sie am Ufer hi«, ein Gebet, und das Wasser netzte ihre Füße. Aber mit ihrer Kraft war es vorbei; sie sank im seichten Wasser um. Der Kopf blieb auf dem Uferrande liegen. So fand man fie bei Tagesanbruch und brachte fie in ein Krankenhaus, in dem fie Monate lang zwischen Leben und Tod schwebte. Und dann kam zögernd die Genesung. Wie von einem Faustschlag getroffen, brach aber Fritz Reimaun zusammen, als er die furchtbare Knude hörte. Von dem Tage an war er still und in sich gekehrt, und als er zum erftenmale die bewußtlose Anna im Krankenhause auf suchte, ihre furchtbaren Fieber« Phantasten hörte, da siand in ihm der Entschluß fest,
mit dem bisherigen Leben zu brechen.----
Gerade an ihrem dritten Hochzeitstage ward Anna ans dem Krankenhause entlassen, ihr Mann holte sie in einer Droschke ab. Zu Hanse haben fie nicht viel geredet, nur geweint, aber eS waren FreudenthrSnen. Der harten Tage standen noch viele bevor; alte Schulden mußten bezahlt, neue Wirtschaftsgeräte mußten gekauft werden. Nur sehr, sehr langsam ging es vorwärts. Die frühere Wohnung hatte Fritz b r« lassen, Anna sollte durch nichts mehr an die fürchterlichen Tage erinnert sein. Nach drei schweren Jahren waren ste endlich wieder zu bescheidener Behaglichkeit gekommen, wenn auch im Hof drei Treppen. Fr^tz Reimaun kam nach Hause und die Frauen schickten ihm mitleidsvoll ein »der arme Mann!' nach. Hätten sie nur die beiden oben gesehen!------
Im Banne der Verhältnisse.
Roman von Theodor Mügge.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Und der ist ein Narr, der nicht frisch tafelt, was ihm geboten wird," rief Wilkens. „Ich bin kein Kostverächter, schönste Kvufine. Ich nehme mU allem fürlteb und frage nicht lange.
Mit übermütiger Geberde reichte er ihr seinen Arm und führte fie dem Hanse zu; der Major folgte mit Rachau nach, und wenige Minuten nachher waren fie im Speisezimmer, wo sich auch der Doktor Gottberg gleich darauf mit seiner Freundin Toni einstellte.
Eduard Wilkens sah ihn so vergnügt an, wie es noch niemals der Fall gewesen. »Nun, mein g*« ehrtester Herr Doktor," sagte er, „haben Sie Ihre Arbeiten vollendet?"
Der Doktor verneigte stch mit seiner gewöhnlichen Würde, ohne weitere Antwort.
„Sie müffen ein Glas Wein mit mir trinken," fuhr WftkenS fort. „Ich trinke auf Ihr Wohl, auf Ihre Zukunft, die reich au Freuden aller Art fein mögt I"