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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg Md Kirchhai». - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Marit 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
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gewandten Mittel. So sind uns die bulgarischen
3#r deutschen auswärtigen Politik. "Die an die Gerüchte über eine bevorstehende Zu- Mwenkunft zwischen unserem Kaiser und dem russischen Zaren anknüpfenden Aeußerungen offiziöser Or= ga-ie und sonstiger unsere auswärtige Politik mit Zcrstand behandelnder Blätter sind in der letzten §oche überall mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, weil sie uns das Gefühl gaben, daß wir in einer Krisis ständen. Auch betreffs der Art dieser Lrisis ergab sich ein bestimmter Eindruck; es scheint, daß die russische Diplomatie sich über das Maß von Unterstützung, welches sie von Deutschland ohne Mssicht auf Dank, ja mit der sicheren Aussicht auf Wdank erwarten darf, Selbsttäuschungen hin^egeben hat und von diesen Illusionen jetzt befreit ist. In innerer Hinsicht würden die Thatsachen, in denen dieser Aufklärungsprozeß und der Widerstand, den die russische Diplomatie in den deutschen leitenden Kreisen gefunden hat, zum Ausdruck gekommen ist, ßch kurz dahin angeben lassen, daß der Plan, einen «ssischen Generalkommissar nach Bulgarien zu senden,
den Fieberparoxismus zu schließen, in welchen der Ausfall der Toulouser Parade - Mobilmachung alle Kreise des französischen Volkes versetzt hat — bereits erreicht zu sein, in welchem selbst die besonneneren Elemente Frankreichs diesen Zusammenstoß nicht weiter werden hinauszögern können. Daß wir diese Eventualität nicht fürchten, brauchen wir niemandem erst zu versichern; sein Eintritt würde uns aber, wie wir bei dieser Gelegenheit offen aussprechen können, sogar von der einzigen Sorge befreien, die auf dem Gebiet unserer Beziehungen zum Ausland seit geraumer Zeit auf uns gedrückt hat, von der Besorgnis, daß die Geduld, die wir allen Unverschämtheiten der französischen Preffe seit Jahren entgegengesetzt haben, sich einer Abstumpfung unseres nationalen Ehrgefühls entwickeln könnte. Läßt sich der Ausbruch eines Konflikts mit Frankreich also noch Hintertreiben, so sind wir es zufrieden; wir geben auch zu, daß die erforderliche Abwiegelung der durch Emissäre und Revancheschreier verhetzten öffentlichen Meinung Frankreichs durch eine entsprechende Haltung Rußlands herbeigeführt werden kann. Läßt sich dieses Ziel aber nicht anders erreichen, als durch eine blinde uns bloßstellende Unterwürfigkeit unter die Wünsche Rußlands, entschließt sich Rußland namentlich nicht zur Herstellung einer dauernden Form loyaler und freundschaftlicher Beziehungen zu uns, und haben wir sonst auch keine Bürgschaft dgfür, daß sich sein Spiel mit Frankreich nicht bei gegebener Gelegenheit und neuen russischen Wünschen in ähnlicher Weise wiederholt, so wird es keinen vaterlandsliebenden und klarblickenden Mann in Deutschland geben, am wenigsten in den Kreisen seiner Regierungen, der den Schaden, den ein solcher Galgenfrieden unserem Nationalgefühl zufügt, nicht für weit schwerwiegender hält als seinen kärglichen Gewinn, und ihm nicht einen sofortigen Krieg mit soviel Fronten, wie es sein muß, aber mit unverletzter Ehre vorzieht. Daß Rußland den Vorteil, den es aus einem mitteleuropäischen Krieg für seine Orientpolitik ziehen würde, nicht überschätzen sollte, daß sich ihm speziell auf der Balkanhalbinsel leicht doppelt so viel Schwierigkeiten, als die ihm bisher begegnet sind, in den Weg stellen ließen, haben wir wiederholt ausgeführt. Wir lassen diesen Punkt, wie ähnliche Erwägungen, betreffs der Entwickelungen, die in dem bezeichneten Falle des Innern Frankreichs möglich sind, aber heute auf sich beruhen. Die Hauptsache scheint uns zunächst zu sein, daß sich Rußland überzeugt, daß es inDeutsch- land Leute mit der Devise des Friedens um jeden
des Irrtums in der Thatsache zu finden sein, daß Mn von gewissen Dingen in Deutschland und seiner ' Presse nicht täglich spricht, aber nur aus dem Grunde, Mil sie uns als selbstverständlich gelten. Zu diesen Dingen gehört die Anffaffung von dem Grundcharakter der deutschen Politik, in der die weit überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes sich mit dem Fürsten Bismarck durchaus Eins fühlt, und, im engsten Zu- smmenhang damit, die Würdigung unseres Verhält- «ffes zu Oesterreich. Wir alle glauben in Deutsch- loid, daß das Ziel der Bismarckschen auswärtigen Politik sich in die Formel zusammenfaffcn läßt, wenn irgend möglich Deutschland und Europa den Frieden M erhalten, oder, wenn diese Aufgabe mit Ehren
Händel im vorigen Jahre und ihre Vorgeschichte verdrießlich gewesen, weil sie ohne Not den Ansatz zu einem europäischen Konflikt und einer für uns unvorteilhaften Konstellation schufen, und wir haben demjenigen, der diese Lage heraufbeschworen, dem Prinzen Alexander von Battenberg, das Gegenteil von Dank gewußt, geschweige denn uns zu einem besonderen Enthusiasmus für seine Person und seine „Mission" auf der Balkanhalbmsel ausschwingen können, weil unsere Teilnahme an fremden Helden- thaten und der wirklichen oder imaginären Beglückung fremder Völker da aufhört, wo die Frage um unser eigenes Interesse anfängt. Wir haben es dementsprechend weiter durchaus gerechtfertigt gefunden, wenn unsere Diplomatie dem Gedanken an eine Rückbildung der Lage auf der Balkanhalbinsel zu festen, geordneten Verhältnissen, unter jeder nur möglichen Berücksichtigung der russischen Empfindlichkeit und der russischen berechtigten Ansprüche,. sich nicht versagte. Aber wie will Rußland, wenn nur das deutsche Interesse für uns maßgebend sein kann, von uns erwarten, .daß wir seine Wünsche auf der Balkanhalbinsel auch noch mit einem besonderen Eifer unterstützen, wenn wir nicht gleichzeitig unzweideutige Beweise für seinen Entschluß, die französischen Revanchebestrebungen nicht länger unterstützen zu wollen, in Händen haben? Oder wie kann Rußland auf den Gedanken kommen, daß wir mitten in diesen Zweideutigkeiten ihm zu Liebe das Interesse Oesterreichs schädigen helfen werden, in dem wir einen unter allen Umständen zuverlässigen Bundesgenossen besitzen und dessen Hintenansetzung gegen den russischen „Freund" uns somit nicht blos um des Rufes unserer Ehrlichkeit willen, sondern sogar schon unter dem Gesichtspunkt unseres nackten Interesses schlechterdings unmöglich ist? Hier scheint uns, wie gesagt, doch eine nicht ganz klare Auffassung von dem Charakter der deutschen Politik im Spiele zu sein, eine Auffassung, die der letzteren nicht einmal das landesübliche Maß von Vorsicht zutraut.
Wenn Rußland aber nicht der Ansicht ist, daß uns der sentimentale Drang nach seiner Freundschaft gegen jede andere Erwägung blind macht, sondern darauf rechnet, daß uns der Blick auf Frankreich veranlassen muß, jeden, auch den höchsten Preis für seine Freundschaft zu zahlen, so würde uns auch dieses Calkul auf einer nicht stichhaltigen Grundlage zu ruhen scheinen. Wir haben uns längst mit dem Gedanken eines baldigen neuen Zusammenstoßes mit Frankreich vertraut machen müssen; der Augenblick scheint nahe, wenn nicht — nach den Berichten über
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Weiu- Wein-
peutsches Reich.
Neubabelsberg, 12. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute, nachmittags 1 Uhr 19 Min., mit dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm und dem Prinzen Leopold nach Stettin abgereist.
Berlin, 12. Sept. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Allerhöchste Verordnung vom 9. Sept., betreffend die Besteuerung des Branntweins im Großherzogtume Baden, wonach die bezüglichen Paragraphen des Branntweinsteuergesetzes und das Gesetz, betr. die Steuerfreiheit des Branntweines zu gewerblichen Zwecken, mit den gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen für Baden am 1. Oktober d. Js. in Kraft treten. — Zu dem am 23. d. M. stattfindenden 25. Ministerjubiläum des Fürsten Bismarck werden äußerem Vernehmen nach auch seitens des preußischen Staatsministeriums Vorbereitungen getroffen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." dementiert die Nachricht, Fürst Bismarck habe sich zum Vermittler in der Affaire Ernroth angeboten. Deutschland habe die von der Pforte gewünschte Vermittelung abgelehnt, well es keine Verantwortlichkeit in der Orientfrage übernehmen, weil es angesichts der Situation Europas nicht seine Aufgaben vermehren und seine Kräfte teilen wollte. Deutschland war mit der Enffendung des Generals Ernroth nicht nur einverstanden, sondern auch bereit, dieselbe anderen Mächten anzuempfehlen, wenn dieselbe von der Pforte und Rußland amtlich beantragt worden wäre. — Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine ausführliche Charakteristik des Königs Malietoa von Samoa und bemerkt dabei, daß die jüngst gegen denselben von der Kaiserlichen Regierung angeordneten Maßregeln nicht etwa durch die allgemeine Lage der Verhältnisse auf Samoa, sondern notwendig geworden sind durch Räubereien auf den deutschen Plantagen, durch Beleidigung des Kaisers Wilhelm und durch Mißhandlung einiger Reichsangehörigen, welche am 22. März den Geburtstag des Kaisers in Apia gefeiert hatten. Die „Norddeutsche Allg. Ztg.", welche alsdann das Leben Malietoas von dessen erstem Auftreten im Jahre 1874 an bis auf die Gegenwart schildert, bemerkt: Dieser Charakterlosigkeit im öffentlichen Leben entspricht auch sein anstößiges Privatleben, welches ihn in den Augen der Samoaner erniedrigte und verächtlich machte. — Der Attache der chinesischen Gesandtschaft King In thai ist gestern von einem Pferdebahnwagen überfahren worden und mußte in das Elisabeth-Krankenhaus gebracht werden, wo ihm das rechte Bein am Knie amputiert wurde. — Der Abg. Hobrecht, Staatsminister a. D. und früher Oberbürgermeister von
noch ausstehenden türkischen Kriegskontributions-Zah- bmgen besetzen werde, bis jetzt sich nicht in eine Äinde Unterwürfigkeit unter die russischen Wünsche hat hineinschrecken lassen.
Fragen wir nun nach den Gründen, welche in einzelnen russischen Kreisen anscheinend Mißverständ-
(4892 n‘Üe betreffs der von Deutschland zu erwartenden Haltung hervorgerufen haben, so mag eine Quelle
dell länger festgehalten werden kann, uns wenigstens Ae günstigsten Bedingungen für den Kampf zu sichern, Md jeder Einsichtige in Deutschland billigt sowohl dieses Ziel wie die bisher zu seiner Erreichung auf-
gescheitert ist und die Pforte auch durch die Drohung, daß Rußland den Berliner Vertrag kündigen und ßrzerum und Trapezunt als Pfandobjekt für die
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Jm Banne der Verhältnisse.
Roman von Theodor Mügge.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
»Das wäre eine Rache, mit der Du als bescheidener Mensch schon zufrieden sein könntest," lachte der junge «rr. „Aber mein guter Freuud, damit ist es nichts, «ns Fräulein ist verständiger; es wird allerdings Md heiraten."
»Den Doktor?" fragte Mathis.
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»Eineu Herrn, wie er zu ihr paßt, uach ihres «aters Wünschen, mrd wenn D» klug bist und Dich «rauchbar bezeigst, wirst Du nicht voll ihm vergessen derben.* — Es näherte sich jemand dem Hause, der «chatten eines Menschen fiel auf die Schwelle, uud Mlich stand die, von der so eben die Rede gewesen, «s Fräulein von Brand, vor ihnen.
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»Uud wie geht es dem Kinde?"
»Er fehlt ihm nichts," stieß er grob hervor.
, . Ein großer Sommerhut bedeckte ihren Kopf, in der , Md trug sie einen Deckelkorb, der nicht ganz leicht ' r® mußte, denn sie war erhitzt von der Austrenguog ’ Ar sie sich unterzogen. — Ihr erster Blick fiel auf 1 Mau, der aufsprang, fie begrüßte nud ihr verlegenes ' «staunen nicht zu bemerkeu schien.
1 c. 3m nächsten Augenblick hatte fie es überwunden. «>e gab ihm seinen Gruß zurück und sagte: »Sie
1 -ler zu finden, tonnte ich nicht denken, Herr von Rachau." _ »Man findet oft, was man nicht denkst-, erwiderte Er. „Es geht mir ebenfalls so."
»Ich besuche nicht selten diese arme Familie," Mrte fie, „deren Mißgeschick meinen Anteil erregt, «o ist eS auch heut geschehen."
i i»Sie kommen, um zu beweisen, daß e8 noch Wr barmherzige Samariterinnen giebt," fiel er ein.
»Wo ist Eure Frau, Mathis?" fragte das Fräulein , »Drinnen brummte der Korbflechter, ohne auf, ; «blicken.
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Sie ging an ihm vorüber und öffnete die Stubenthür. Die Frau stand mit dem Kinde schon dort.
»Da seid Ihr ja, gute« Tag!" rief ihr die freundliche Dame zu, indem fie ihr die Hand reichte. »Wie geht es Euch?"
„Es macht stch schon," antwortete die Frau mtt unverkennbarer Freude und doch auch furchtsam nach ihrem Manne blickend.
Luise streichelte den müden Kopf des blassen Kindes. „Du armer, Keiner Schelm,-- sagte fie, „Du hast schon viel gelitten. Lache doch einmal, damit Du Deiner Mutter Freude machst."
Die arme Frau drückte deu Shtaben fest an sich, ein kummervolles Liebeslächeln mischte sich mit ihrer Dankbarkeit. „Wenns nur noch mtt ihm totrb," seufzte sie.
»Ihr müßt nicht muthloS sein," tröstete das Fräulein. „Gott hat Euch manche Prüfungen aufgelegt, aber fie werden vorüber gehen."
Mathis warf Korb uud Ruten draußen von seinem Schoß uud ballte tückisch seine Faust zusammen. „Könnt ich Euch auch nur was auflegen, daß die Prüfungen an Euch kämen," murmelte er, „ich wollts Euch gönnen!"
»Gott lohns Ihnen," sagte die Frvu drinnen. »Sie haben uns immer gnädig in unserer Not bei- gestanden."
»Verdammte» Weib!" drohte Mathis, „ich möcht Dir den Lohn geben!"
»3ch hoffe, daß ich bald einmal mehr thuu kann,-! redete das Fräulein. »Habt nur Geduld und haltet Euch brav."
»Oho!" höhnte Mathis, feinen Kopf in beide Hände stützend, „wenuS wahr ist, was der Herr sagt, wen» fie eiueu Bornehmen heiratet und de» dummen Doktor auslacht, daS ist auch brav. Ich wollte, fie müßte Eiueu uehmen, der fie alle unglücklich machte, alle ins Elend brächte.
Inzwischen war in der Stube weiter gesprochen worden, und eben sagte Luise: »Nehmt deu Korb
hier und leert ihn aus; inzwischen gebt mir das Kind, ich wills verwahren."
„Ah, bestes gnädiges Fräulein," dankte die Frau, »Sie sind doch gar zu gut; wir verdienen es nicht."
„Sprecht nicht weiter, geht nur," antwortete Luise, das Kind nehmend, und mit Liebkosungen trug sie es hin uud her, schaukelte eS auf ihrem Arm, ließ es tanzen und sprach dabei mit dem Herrn von Rachau, der über ihr neues Amt scherzte.
MathiS saß auf dem Flur und hörte sie. Er sah durch den Spalt, wie die vornehmen Leute in seiner Hütte lustig und guter Dinge waren, wie sie prächttg und glücklich aussahen/ wie das schöne Fräulein gelobt und geschmeichelt wurde vou dem feinen Herrn, der ihr die artigste» Dinge sagte, uud bet alledem schwoll ihm das Herz noch böser auf. — Der Herr sagte ihr so viel Schönes über ihre himmlische Herzensgüte und ihren edlen Charakter, rühmte es so übermäßig, wie glücklich der fei, der dies in ihrer Nähe empfinden könne, und hatte so viele herrliche Glückwünsche für ihre Zukunft bereit, daß eS dem Mathis ordentlich wohlthat, als sein krankes Kind dazwischen schrie.
Das Fräulein lächelte ftenndlich dankend den Herrn an, aber ihre großen braunen Augen sahen so sauft und ruhig au8, alS ob das Schmeicheln ihr nicht viel thäte. »Meine Zukunft," sagte fie, „wird, wie ich hoffe, dem stillen und einfachen Leden angemessen bleiben, das mir bestimmt ist und das mit meinen Neigungen übereinstimmt."
»Gauz wie ich denke," erwiderte er, „aber leider kann man nicht immer seinen Neigungen folgen."
»Ma« muß nur den rechten Willen haben," sagte fie.
»So kann man Glanz und Reichtum entbehren und die Hütte dem Palast vorzieheu," fiel er lachend ei«. »DaS ist die Sprache eines edlen Herzens, die ich mtt Entzücken höre, allein das Lebe» spricht oft ganz anberS."
»Unser Leben hängt immer davon ab, was wir daraus macheu wollen," antwortete Luise.
„Und, meine edle Freundin — verzeihen Sie, wenn ich es wage, dies hohe Wort zu gebrauchen — trägt wirklich kein Verlangen, ihr Leben so glänzend und angenehm zu machen, wie eS in ihrer Macht steht?"
»Ich bin zufrieden mit dem, was ich besitze,-- sagte sie, »und begehre nichts."
„Wenu aber dennoch ein Verwegener eS wagte, nach solchem Glück zu trachten, seine Schätze dafür zu bieten?"
„Dann würde ich ihm antworten müssen, daß ich nicht gewähren kann, was er fordert, aber — ich würde dem Freunde sehr verbunden fein, der mir beistände, daß eS nie dahin käme."
»O, gewiß! der Freund wird nicht zögern, Ihren Befehl zu erfüllen, wenn er weiß, daß — Sie dazu entschlossen find."
»Daran zweifeln Sie nicht, wenn dieser Zweiftl allein Sie abhätt," flüsterte Luise.
»Dann alles für Ihr Glück!" rief er, »möge eS nie getrübt werden und Ihnen die reichsten Lebensfreuden gewähren!"
Das Kind schrie wieder auS allen Kräften, nud Rachau sagte lächelnd: »Da sehen Sie, wie eS oft mit unserem Willen beschaffen ist. So viele Liebe und Güte kau» deu kleinen Schreihals nicht still machen. Doch hier kommt einer, dem es schon besser gelingen totrb."
Mathis hinkte herein, er konnte eS nicht länger brauße» auhöreu, unb bas Kinb streckte bem häßlichen zottigen Vater beibe Aermchen entgegen.
»Es paßt immer am besten das Gleiche zum Gleichen," sagte Rachau; »der Junge weiß, wohin er gehört."
»DaS sollte ein jeder wissen," fiel Mathis mürrisch ein. »Wenns keiner vergessen thät, blieb mancher ungeschoren."
(Fortsetzung folgt.)