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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sanutagsblatt

Expeditione Marti 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. «och.______________________________________________________________________

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/« Mk., bei den Postämter 2 Ml 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld!. Jnserti-nsgebühr für bi« gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 11. September 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haafenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Rtagdeburg u. Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt a. Di., Berlin. München u. Köln; G- L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

XXII. Jahrgang.

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Die Bürgschaften unserer Wehrhaftigkeit.

In Großbritannien ist man beflissen gewesen, durch die mit dem Regierungsjubiläum der Königin verbundene große Flottenrevue dem In- und Aus­lande ein großartiges Bild der britischen Seemacht zu entrollen. Frankreich ist zur Zeit am Werke, durch eine sorgfältig von langer Hand vorbereitete Mobilmachung und Konzentration eines Armeekorps die Schlagfertigkeit seines Heeres in ein glänzendes Licht zu stellen. Handelt es sich in beiden Fällen an sich lediglich um Paradestücke, welche nur auf den Laien Eindruck machen können, so sind überdies sowohl in England als in Frankreich die Schäden hervorgetreten, welche auch in den Kreisen der Laien die erhoffte Wirkung erheblich abschwächen müssen. Die Bauart und Ausrüstung eines Teiles der Panzer­schiffe, aus denen die Stärke der britischen Flotte beruht, erwies sich selbst für die Zwecke einer Friedens­übung als unzureichend und in der französischen Heeresverwaltung zeigten sich insbesondere durch die vorzeitige Veröffentlichung der Mobilmachung wunde Punkte, welche zu den ernstesten Besorgnissen An­laß geben müssen.

Einen wesentlich anderen Charakter haben die Manöver, mit denen das deutsche Heer und die deutsche Flotte gegenwärtig beschäftigt ist. Hier handelt es sich nicht um außerordentliche Sensations- und Schaustücke. Alles bewegt sich in dem regelmäßigsten festgeordneten Gange; selbst die Kaisermanöver, welche in Preußen und Pommern stattfinden, erfolgen m dem für diese vorgesehenen Turnus. In Deutschland bilden die Manöver des Heeres und der Flotte eben das regelmäßige Glied der Ausbildung der Offiziere und Mannschaften, den Schlußstein der militärischen Erziehungsarbeit des Jahres. Nicht daS militärische Schauspiel, welches sie darbieten, ist, wie bei den erwähnten Vorgängen bei unseren westlichen Nachbarn, der Zweck der Uebung, nicht des Eindrucks nach Außen wegen werden sie veranstaltet. Wie der langsame Schritt und die Griffe bilden die Manöver einen Teil der unablässigen und treuen Arbeit, welche bei uns von dem höchsten bis zu dem geringsten ©liebe der bewaffneten Macht der Erhaltung und Ver­besserung der nationalen Wehrkraft gewidmet wird. Wie sollte es auch anders sein, wenn der greife Heldenkaiser ungeachtet der Last der Jahre mit dem Beispiele der unentwegtesten Pflichterfüllung voran­geht, wenn ihn die Last des höchsten Greisenalters nicht abhält, die Funktionen des obersten Kriegsherrn mit der größten Treue und selbst auf die Gefahr von Verletzungen hin wahrzunehmen, wie sie'bedauer-

licher Weise die Folge der Parade des Gardekorps waren und die Reise nach Ostpreußen verhindern? Auf dem Geiste einfacher und treuer Pflichterfüllung, der dem erhabenen Beispiele und Vorbilde des obersten Kriegsherrn nicht zum wenigsten zu danken ist, beruht eines der wesentlichsten Momente der Stärke der deutschen Wehrkraft. So ist der Herrscher, welcher im glorreichen Siegesfluge die deutsche Einheit her- ftellte, zugleich der Eckstein, auf dem das Fundament des Reiches, sein schlagfertiges und tüchtiges Herr, beruht.

Deutsches Reich.

Babelsberg, 9. Sept. Der Kaiser begab sich gestern nach der Matrosenstation unweit von Glienicke, besichtigte dort das von der Firma Aron u. Gollnow in Grabow bei Stettin gebaute neue Dampfschiff und sprach sich sehr befriedigt über den unter der Leitung der Kaiserlichen Admiralität ausgeführten Bau aus. Heute vormittag nahm Se. Majestät den Vorttag des Oberhof- und Hausmarschalls Grafen Perponcher und des Geh. Kabinettsrats v. Wilmowski entgegen. Später machten der Kaiser und die Kaiserin gemeinsam eine Spazierfahrt im Parke. Zum Diner sind mehrere Einladungen ergangen.

Berlin, 9. Sept. Der Kaiser wird sich am Montag, den 12. d. M., zu den großen Herbst- Manövern des 2. Armeekorps von Potsdam aus direkt nach Stettin begeben. Das Programm für diese Reise und für den Aufenthalt in Stettin ist wie folgt festgesetzt: Abfahrt von der Station Neu­babelsberg am Montag Nachmittag 1»'« Uhr mittels Extrazuges, und zwar auf dem Nordringe am Stettiner Bahnhofe. Dann von Berlin nachmittags 2 Uhr 5 Minuten direkt ohne Unterbrechung bis Stettin, woselbst die Ankunft um 4*/i Uhr erfolgen wird. Zum Empfange werden auf dem Bahnhofe in Stettin anwesend fein: der kommandierende General, die Divisionskommandeure und der Kommandant, der Oberpräsident, der Vertreter des Provinzialverbandes, der Landesdirektor, der Regierungspräsident, der Ober- Bürgermeister und der Polizeipräsident rc. Auf dem Bahnhöfe wird eine Ehrenwache mit den direkten Vorgesetzten Aufstellung nehmen. Während seines Aufenthalts in Stettin wird der Kaiser im dortigen königlichen Schlosse wohnen. Auf dem Wege vom Bahnhofe nach dem königlichen Schlosse bilden die Kriegervereine rc. und die Schulen Spalier. Am königlichen Schlosse tft gleichfalls eine Ehrenwache aufgestellt, und werden dort die Brigadegenerale und die Regimentskommandeure zum Empfang anwesend

jein. Am Abend um 6 Uhr findet bei dem Kaiser ein kleineres Diner statt und später um 8»/i Uhr großer Zapfenstreich. Am Dienstag, den 13. Sept., morgens 1012 Uhr, zu Wagen nach dem Krekower Exerzierplatz. Dort um 11 Uhr große Parade und nach Beendigung derselben um 1»/« Uhr zu Wagen zurück nach Stettin. Nachmittags 5 Uhr Parade- Diner bei dem Kaiser. Am Mittwoch, den 14. Sept., morgens 9»/i Uhr, zu Wagen nach Brunn und dort Korpsmanöver. Nachmittags 1 Uhr Rückkehr nach Stettin und dort um 5»/i Uhr Diner beim Kaiser mit den Spitzen der Zivilbehörden im Schlosse. Donnerstag, den 15. September, nachmittags 3 Uhr, Diner seitens des Provinzialverbandes. Am nächsten Tage, Morgens 9»/i Uhr, zu Wagen nach Wussow und in der dortigen Umgegend Feldmanöver der beiden Divisionen gegeneinander. Demnächst um 1 Ubr zurück nach Stettin, und um 51/* Uhr ein kleineres Diner bei dem Kaiser. Sonnabend, den 17. September, morgens 9*/a Uhr, zu Wagen nach Sparrenfelde. Feldmanöver in der dortigen Um­gegend und nach Beendigung derselben um 1 Uhr nachmittags zurück nach Stettin und im dortigen Schlosse um 5 Uhr Diner bei dem Kaiser mit einigen Spitzen der Behörden. Alsdann, nach Aufhebung der Tafel, Abreise von Stettin mittelst Extrazuges abends 7 Uhr und Ankunft in Berlin, auf dem hiesigen Stettiner Bahnhofe, abends 9l/< Uhr. Empfang und Begleitung finden auf der Hin- und auf der Rückreise unterwegs an keinem Orte statt. DerNat. -Ztg." zufolge ist von der Absicht der Kronprinzen, nach dem Aufenthalte in Toblach nach Italien zu gehen, in unterrichteten Kreisen nichts bekannt. DieNordd. Allg. Ztg." tritt dem Artikel derKöln. Ztg.", welcher ein unzweideutiges russisches Entgegenkommen verlangt und bei der Auf­fassung verharrt, als sei die deutsche Politik bezüglich Bulgariens durch das Bedürfnis eingegeben, zum Danke dafür von Rußland irgend etwas zu erreichen, entgegen und führt aus: Diese Auffassung derKöln. Ztg." muffe den Eindruck Hervorrufen, als sei Deutsch­land des russischen Entgegenkommens bedürftig. Die Nordd. Allg. Ztg." betont, der Höflichkeitsbesuch in Stettin, wenn er stattfände, wäre an sich keine Gegen­leistung, wofür ein Staat wie Deutschland feine Politik anders als nach den Jntereffen der deutschen Nation einrichten könne; auch würde er auf die europäische Politik nicht maßgebender einwirken, wie s. Z. die Besuche in Danzig, Stiernieroice und Kremsier. Die im Oriente eingehaltene Politik Deutschlands sei ausschließlich eine deutsche und hörte nicht auf, dies

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Die Zwillinge.

((Sine Manöver-Humoreske)

(Nachdruck verboten.)

Da haben wir die Bescheernng!" rief Konrad Altmüller, der älteste Sohn des wohlhabenden Kauf­manns Altmüller, als bei der Rückkehr aus dem Sowtoir ihm und seinem Bruder Gustav von der Mutter zwei amtliche Zaschrifteu überreicht wurden. Das find Reservistenfreudenl Zum Manöver ein- gezogen und gerade jetzt, wo wir so notwendig zu thun haben."

Hab Dich nur nicht so," antwortete der jüngere Bruder Gustav; der ganze Altersunterschied bestand bei den Zwilliugsbrüdern freilich nur in einer halben Stunde, aber er wurde doch geltend gemacht.Mir ist eS ganz recht, für ein paar Wochen aus diesem Stubenhocken herauSzukommen. ES wird famos werden l"

Famos? Jawohl, alle Dummheiten die Du machst, werde ich auszubaden haben. Ich weiß es ja von ftüher her! In der Uniform sehen wir so ähnlich wie ein Ei dem andern. Denn von meinen braunen und Deinen blonden Haaren ist nicht viel zu merken. Ich will wenigstens zuseheu, daß wir nicht in die­selbe Kompagnie kommen; denn dann ist eS nicht zum Aushalten," rief der braune Konrad.

Wird Dir wohl nicht glücken," lachte der blonde Gustav.DaS wäre gegen mein Jntereffe."

Weiß Gott, Du hast mehr Glück, als Du und Deine Bequemlichkeit eS verdienen. Aber diesmal geht Dir nichts durch. Darauf kannst Du Dich ver- lassen."

Wollen sehen," antwortete pflegmatisch der andere.

Und eS kam dahin! Die beiden Gefreiten Alt. Müller kamen richtig zur selben Kompagnie, auch wieder durch ein Versehen. Konrad war bereits der 8. Kompagnie zugeteilt, während Gustav in uner­schütterlicher Seelenruhe seines Schicksals harrte. Zum Donnerwetter, was stehen Sie da noch herum?"

rief ihn der Feldwebel an.Sagte es ja schon mal: Achte Kompagnie!" Gustav Altmüller griente vor ich hin:Der verwechselt mich jctzt schon mit dem Konrad. Na, wird das Brüderchen Augen wachen!" Und er machte sie; ober kein Protestieren half mehr, sie waren beide bei der 8. Kompagnie und blieben auch dabei.

Auch das andere ließ nicht auf stch warten. Gustav nahm die für ihn günstigen Verwechselungen mit seinem Bruder, denn trotz aller Mauöversehnsucht war er nicht ein halb so schneidiger Soldat, als dieser, mit der größten Ungeniertheit von der Welt hin, und brachte dadurch Konrad oft zur Verzweiflung. Leider konnten die Beiden nicht durch ein farbiges Band um den Arm gekennzeichnet werden, sonst hätte der ältere Bruder es gewiß durchgesetzt.Mensch, hast Dn denn gar kein Gewissen?" schrie ihm Konrad einst zu, als ihm irrtümlicherweise wieder ein kleines Unrecht geschehen war.Es ist Dein Pech, Du mußt es tragen," antwortete Gustav achselzuckend.

Man rückte zum Manöver aus. ES mochte sein, daß Gustav es nun doch für an der Zett hielt, seinen Bruder von dem gehabten Verdruß zu befreien; kurz und gut, er hielt sich stramm, und die beiden Ali- müller waren jetzt bei ihren Vorgesetzten so gvt an, geschrieben, daß keinem eine Verwechselung Nachteil bringen konnte. Ja, der jüngere Bruder wurde so- gar der Beliebtere. Er besaß einen gesunden, durch nichts zu störenden Humor, und auf dem Maische brachte er diesen so recht zur Geltung. ES ging außerordentlich munter in der Kompagnie zu, und selbst die Offiziere wurden zuweilen vom Lachen an- gesteckt. Der Hauptmann hatte seine Freude an dem flotten Marschtempo, und zeichnete Gustav Altmüller wiederholt durch freundliche Worte aus. Der Bruder fühlte keinen Neid darüber, sondern gönnte ihm die bevorzugte Stellung von Herzen, wenn auch seine Feldflasche etwas gar zu oft von Gustav in Anspruch genommen wurde. Schweigend ließ er fie wieder für den Durstigen füllen.

Bisher hatten die beiden Brüder stets ein ge, metusameS Quartier gehabt. Nun wurden fie in einem großen Dorfe aber doch einmal getrennt* Gustav, der jüngere, erhielt Quartier in einem schmucken Försterhause, sein älterer Bruder, der inzwischen znm Korporalschaftsführer avanciert war, beim Amtmann auf dem Gute. Beim Abschied von einander meinte Gustav lachend:Weißt Du, das hat etwas zu be­deuten. Hier ist der Finger des Schicksals zu be­merken. Offenbar will es verhüten, daß wir diesmal mit einander verwechselt werden. Paß auf, dahinter steckt ein interessantes Abenteuer. Können wir übrigens gebrauchen, denn bisher ging eS ledern genug zu. Leb wohl!"

Konrad Altmüller kam mit seinen Leuten auf dem Amtmaunshos au. ES gab den herzlichsten Empfang und des Guten so viel, daß Konrad dankbar ab- lehnen wollte.Lasten Sie, lassen Sie," sagte der alte Herr,mein Junge ist jetzt auch im Manöver. Ich weiß, wie eS dem ankommeu würde, wenn er eine kühle Aufnahme fände!" Aber Konrad Altmüller hörte schon nicht mehr so sehr auf die Worte deS Herrn Amtmanns; seine Augen hingen an einer nied­lichen kleinen Person von etwa 18 Jahren mit schwarzen Haaren und schwarzen Augen und einem allerliebsten Schelmenlächeln, die ihn gleichfalls sehr aufmerksam zu betrachten schien. DaS war des Herrn Amtmanns Nesthäkchen und sein Augapfel, von ihm und feiner Frau verhätschelt, aber trotzdem voll frischen, frohen Sinnes, eine angehende und sorgsame Hausfrau, wie sie nur im Buche steht. Konrad hatte fie getroffen, wie fie fein Gewehr mit zaghafter Scheu beobachtete. Er hatte ihr alles erklärt, dann hatten fie gelacht und gescherzt, und in weniger als einer Stunde waren fie gute Freunde geworden. Der sonst so ziemlich ernste und zurückhaltende Konrad war hier wie aus. getauscht.

(Schluß folgt)

zu fein, wenn sie außerdem den Rusten willkommen wäre. Deutschland knüpfe weder Befürchtungen, noch Hoffnungen an die russische Politik und erwarte von ihr weder Handlungen noch Unterlassungen, die Deutsch­land durch irgendwelche Opfer an seinem Interesse ober seiner Würde erkaufen müßte. DieNordd. Allg. Ztg." glaubt nicht, daß die deutsche Politik einen derartigen Handel mit Rußland treibe. Die Stärke der deutschen Politik bestehe in ihrer Be­dürfnislosigkeit ; dieser erfreuen wir uns auch Rußland gegenüber; unserer Politik fehle jedes Motiv, Ruß­land Dienste zu erweisen, wofür wir Gegendienste erwarten könnten. Die deuffche Presse sollte nicht dem Jrrtume Vorschub leisten, als bedürfe Deutsch­land zu seiner Beruhigung eines russischen Certifikats über sein Wohlverhalten. Die Linie, welche die deutsche Politik seit Jahren als die richtige anerkannt habe, nämlich die Achtung vor den Verträgen, sei heute ebenso angezeigt, wie tm Jahre 1878; diese Linie zu verlassen, nur weil sie nicht antirussisch sei, wäre eine Stimmungspolitik. Die deutsche Politik könne durch die russische und durch die deutsche Presse erschwert, aber nicht aus ihrem Geleise gebracht werden. Fürst Bismarck wird wahrscheinlich schon morgen Berlin wieder verlassen, um sich nach Fried- richsruh zu begeben. Gegen den Vorschlag einer Kuponsteuer für ausländische Wertpapiere spricht sich heute auch dieKreuz-Ztg." aus, dieselbe ist zwar im Prinzip für eine Besteuerung ausländischer Fonds, äußert aber gegen die vorgeschlagene Kuponsteuer ge­wichtige Bedenken.

Danzig, 9. Sept. Wie dieDanziger Zeitung" meldet, verlieh der Kaiser dem Oberpräsidenten von Westpreußen, v. Ernsthausen, den Charakter als Wirk­licher Geheimer Rat mit dem Prädikate Exzellenz.

Königsberg, 9. Sept. Bei dem gestrigen Diner des Provinzialverbandes toastete Prinz Albrecht auf die Provinz, nachdem Graf Dohna-Schlodien auf den Kaiser das Hoch ausgebracht hatte. Der Prinz sagte: Alle Provinzen lägen dem Könige in gleicher Weise am Herzen; zu Ostpreußen bestünden jedoch besondere Beziehungen. Der Prinz gedachte weiter der That- sache, daß von hier aus das preußische Königti­gebildet worden sei, und erwähnte die Ereignisse 1807. Er bemerkte sodann, er habe am § den Kaiser gesprochen, der erwähnt habe, daß e-----

hochseligen Vater die bedeutende Anregung vNg bezüglich der Rekonstruktion der Armee. Diel danken, die den König Friedrich Wilhelm den Dm. beseelten, fielen in Ostpreußen auf besonders frucht baren Boden. Der Kaiser habe auch jetzt in dieser

Im Banne der Verhältnisse.

Roman von Theodor Mügge.

(Nachdruck verboten.) Fottsetznng.

Na," lenkte der Müller ein,man kanns nichts sagen, daß er ein Taugenichts war, im Gegenteil, e8 war ein redlicher, fleißiger Bursche." Er suchte ihn weiter noch zu entschuldigen, denn wahrscheinlich wußte er sich von dem Vergehen, daS dem Mathis zur Last gelegt wurde, selbst nicht ganz rein.Wenn man so von den Tieren geplagt wird, daß fie bis in die Gärten kommen, oder man steht fein Feld zerfressen," sagte er,so kann man zuweilen gar nicht anders, als stch wehren. Der MathiS hat freilich weder Kohl noch Kartoffcln zu hüten gehabt, er thats auS Uebermut, dachte auch wohl, Hasen gibis genug in der Welt, und Gott hatS wilde Getier, das dahin und dorthin läuft, für alle geschaffen. Ich habe mein Lebtag aber keinen so flinken Kerl gesehen, wie der war. Alles verstand er und verstehtS noch, sonst käm er nicht durch. Und 's Stehlen läßt er doch auch nicht," fuhr er lachend fort;siuds keine Hasen und Rehe mehr, finds Vögel ober Weidenruten, und sie sehen ihm dabei auf dem Gute durch die Finger, denn leid hats auch dem Herrn gethan; er schämt sich nur, daß ers soll merken lassen, und mag den Mathis nicht vor Augen sehen. Der gibt» ihm frei­lich zurück, so viel in seiner Macht ist, und wenn der könnte"

Der Müller hob seine Faust auf und schüttelte sie, seine Frau aber gab ihm einen Stoß und winkte ihm zu.Ra," sagte er, ,ber Herr wird kein Gerede machen."

Darum sorgt nicht," beruhigte Rachau.Kann man über den Steig nach der Stadt?"

Der Müller bejahte es.Drüben gehtS an der Lehmgrube hin," fügte er hinzu,und gleich dabei im Häuschen, da wohnt der MathiS."

Mit diesem Bescheid nahm Herr von Rachau Ab-