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Illustriertes Sonntagsblatt.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Loch.
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Bestellgeld». Jnserii-nsgedübr für die gespaltene Zelle SvNNllbeNd. 10, ößtitCttlfoCr 1887. Stoffe,n Frankfurt a. M.,Berlin, Münchenu. Köln; G- L. " a a
10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. ’ " Daube u.Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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Des Koburgers Ster« im Sinke».
Wenn je ein Thronkandidat Glück gehabt, so ist es
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ob seiner langen Zögerung mißtrauischen Volke em-
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Herr auf, der tiefe Ehrfurcht und Verehrung fordert.
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Dazu ist er aber noch zu jung und hat zu wenig geleistet. Sein sehr geschickt abgefaßtes Manifest an die Bulgaren ist durch die Art seines persönlichen Auftretens sehr abgeschwächt, und wenn der Fürst
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Prinz Ferdinand von Koburg gewesen. Unbekümmert um alle Bestimmungen des Berliner Vertrages hat er den erledigten Thron des Fürstentums Bulgarien
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len nid bestiegen, niemand hat ihn gehindert, sein Land zu betreten. Er ist mit großem Enthusiasmus von dem
)!arbun pfangen worden und hat unter großen Ehren seinen [482( Einzug in die Landeshauptstadt gehalten. Drei Großmächte, Oesterreich-Ungarn, England und Italien, wachten sorgsam darüber, daß wider ihn keine Exekutionsarmee ins Feld geschickt wurde, und der russische Plan, den General Ernrot als Generälkommissar nach Bulgarien zu entsenden, verhalf dem jungen Fürsten nur zu einem sicheren Minlsterium. Darauf fiel der schöne Gedanke vollständig ins Wasser, weil auch für ihn die einstimmige Genehmigung der Großmächte nicht zu erlangen war. Fürst Ferdinand war also in Sofia so sicher, wie in Abrahams Schoß imb konnte mit Seelenruhe die heftigen russischen Preßangriffe zu Fidibussen verwenden. Unter solchen Umständen wäre es eigentlich nicht gerade schwer gewesen, sich fest in Bulgarien zu setzen und eine für die Dauer bestimmte Herrschaft zu gründen; aber es sieht doch wenig darnach aus, als ob es dahin kommen sollte. Es hilft nichts: Trotz aller großen Glücksfälle ist des Koburgers Stern im Sinken!
Fürst Ferdinand ist von seiner Mutter als hochgeborener Fürstensproß erzogen; er fühlt sich als Prinz und Fürst auch als Herr. Damit kommt er aber in Bulgarien nicht durch. Die Bulgaren sind ein urkräftiges, aber auch urwüchsiges Volk, und von Frack und weißen Handschuhen, Hof etckette und tiefen Verbeugungen ist bei ihnen verzweifelt wenig die Rede. Unter Alexander Battenberg konnte jeder gewöhnliche Mann, wenn er nur anständig auftrat, ohne viele Zeremonien zur Audienz kommen; der Battenberger zeigte sich vom Scheitel bis zur Sohle als ein Fürst nach den Herzen der Bulgaren. Trotz der weitgehendsten Leutseligkeit imponierte er den Leuten, und sowohl in der Diplomatie und Regierungsarbeit, wie im Feldlager, zeigte er sich als Muster. Sein Nachfolger hat einen geschniegelten CaM und gebiegelten Hofstaat mitgebracht, der in Sofia . jgg? noch nicht angebracht ist, und der Fürst tritt als
auch jetzt sich leutseliger zeigt, der Unterschied zwischen ihm und Alexander Battenberg ist noch immer groß; die Bulgaren merken es sehr genau, und es ist kein Wunder, wenn die Anhänglichkeit an den Battenberger immer kräftigere Blüten treibt.
Das persönliche, herrenmäßige Auftreten des Fürsten würde indeffen noch nicht allzuviel besagen haben; aber es scheinen ihm auch hervorragende staatsmännische Fähigkeiten abzugehen. Nachdem er einstimmig zum Fürsten gewählt war, konnte er auch auf eine feste Stütze bei den Parteiführern und im Lande rechnen. Es ist nicht völlig klar, was passiert ist; aber geschehen ist etwas, was auch die angesehenen bulgarischen Politiker ihm entfremdet hat. Unter diesen Herren besteht ein gutes Stück persönlicher Eifersucht, aber bei geschicktem Eingreifen hätte es dem Fürsten doch zweifellos gelingen müssen, sich selbst eine mächtige Partei und ein ergebenes Ministerium zu bilden. Nichts von allem! Ein Glückszufall, die russischen Drohungen verschafften ihm ein Kabinett. Dasselbe ist jetzt kaum acht Tage alt und schon wieder ist die Zwietracht in vollem Gange. Das beweist, daß Fürst Ferdinand keine Autorität besitzt oder nicht versteht, sie geltend zu machen. Und Eins ist so schlimm wie das Andere. Die Bulgaren haben sich in dem Koburger getäuscht; greift dies Gefühl weiter um sich, wird es an neuen Putschen schon nicht fehlen. Die Position des Fürsten Ferdinand ist noch lange nicht unhaltbar; aber das ist zweifellos, daß sein Stern nicht mehr so hell leuchtet, wie bisher. Er kann seine Fehler noch recht wohl wieder gut machen und festen Fuß im Lande fassen, es wird dann aber Zeit damit. Gehen die Dinge weiter, wie sie jetzt gehen, wird Fürst Ferdinand bald der Regierung in Sofia und über Bulgarien müde werden.
Deutsches Reich.
Babelsberg, 8. Sept. Der Kaiser befindet sich sehr wohl und machte, ebenso wie die Kaiserin, eine Spazierfahrt im Parke. Zum Vortrage empfing der Kaiser heute den Oberhof- und Hausmarschall Grafen Perponcher und den Chef des Militärkabinetts General von Alöedyll. Zum Diner sind mehrere Herren aus Berlin geladen.
Berlin, 8. Sept. Der Entschluß Sr. Majestät des Kaisers, den Manövcrn des 2. Armeekorps beizuwohnen, steht vorläufig unabänderlich fest, was schon aus der Meldung des Hofberichtes sicher zu entnehmen ist, welcher meldet, daß das kaiserliche Paar am Sonnabend oder Sonntag von Babelsberg nach Berlin zurückzukehren gedenkt. Mit dem Kaiser wird
die Kaiserin, sowie Prinz und Prinzessin Wilhelm sich nach Stettin begeben. Prinz Wilhelm wird bekanntlich ä la suite des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommerschen) Nr. 2 geführt. Daß auch Prinz Albrecht den Festlichkeiten in (Stettin beiwohnen werde, davon ist hier bis jetzt nichts bekannt. Am Sonnabend werden die nötigen Wagen und Pferde unter Leitung des Wagenmeisters Bretting und des Sattelmeisters Hanig aus dem königlichen Marstall von hier nach Stettin abgehen, denen noch ein stattlicher Teil Reserve - Wagen und -Pferde sich anschließen wird. Aus dem voraufgehenden Nachsatz darf man wohl mit Recht darauf schließen, daß es sich noch um die Anwesenheit einer hochstehenden Persönlichkeit handelt, unter der kein Anderer, als der Kaiser von Rußland gemeint sein kann. Dies wird wenigstens an einer Stelle behauptet, aus der man gewöhnlich recht gute Nachrichten zu schöpfen pflegt. — Der Unterrichtsminister läßt einen Auszug aus einem Berichte des rheinischen Provinzial-Schulkollegiums in Coblenz über den Betrieb des Unterrichts im Obstbau an den Schullehrer- Seminaren der Rheinprovinz wie über die Ausbildung von Seminar- und Volksschullehrern in Geisenheim amtlich bekannt machen, woraus zu ersehen ist, daß im laufenden Jahre alle Lehrer - Seminare der Provinz mit Einschluß des bisher zurückgebliebenen von Linnich und Mörs den Lehrgang in Geisenheim vollenden und somit einen theoretisch und praktisch für den Unterricht im Obstbau ausgebildeten Lehrer besitzen. Bei Auswahl der Seminarlehrer war durchweg darauf Bedacht genommen worden, daß denselben Lehrern, welche den naturkundlichen Unterricht am Seminar erteilen, auch der Unterricht int Obstbau anvertraut ist. „Daß bei den zur Zeit tiefgesunkenen Erträgnissen der Landwirtschaft in einer erhöhten Pflege des Obstbaues teilweise Deckung gesucht werden kann (so heißt es in dem Berichte), ist eine Ueber- zeugung, die sich auch in hiesiger Provinz in immer weitere Kreise verbreitet und von den landwirtschaftlichen Vereinen nachdrücklichst ausgesprochen wird. Daß die Volksschullehrer, namentlich auf dem Lande, viel dazu beitragen können, die Obstbaumzucht zu fördern, liegt ja auf der Hand, da ja erfahrungsmäßig der Landmann weniger durch theoretische Belehrung als durch handgreifliches Beispiel für die Aufnahme oder ausgedehntere Pflege eines Kultur- zweigs bestimmt zu werden pflegt. Es ist daher wirffchaftlich von der größten Bedeutung, daß mit den Volksschulen, wo immer Boden und Klima es zulassen, Baumschulen verbunden sind und diese zu
Musterstätten rationeller Baumzucht erhoben werden. Leider laffen die meisten Lehrer die erforderliche Neigung für die nützliche und dabei angenehme Beschäftigung vermiffen, so daß außer den Anregungen auch weitere Spornmittel, wie Belohnungen, Anerkennungen u. s. w., erwünscht wären." Im ganzen haben von 1875 bis einschließlich Frühjahr 1886 im preußischen Staate an den Lehrgängen für Obstbau in Geisenheim ein Seminardirektor, 23 Seminarlehrer (4 aus Hessen - Nassau, 3 aus Westfalen, 14 aus der Rheinprovinz, 2 aus der Provinz Hannover), 316 Elementarlehrer (161 aus Hessen - Nassau, 63 aus Westfalen und 92 aus der Rheinprovinz) teilgenommen. — Sämtliche Bezirksregierungen haben von dem Unterrichtsminister eine Verfügung erhalten, wonach die Bestrebungen des Deutschen Bienenwirtschaftlichen Hauptvereins thunlichste Förderungen verdienen, und deshalb anheimgestellt wird, in geeigneten Fällen, namentlich wenn Bienenzucht treibende Lehrer es beantragen, zu dem Besuche der vom 21. bis 26. ds. in Hannover stattfindenden zweiten Wanderversammlung des Vereins und der damit verbundenen Bienenzucht-Ausstellung Urlaub zu erteilen. Hierzu sei bemerkt, daß bisher Norddeutschland, Oesterreich, Schweden und Dänemark sich an der Ausstellung u. s. w. beteiligt haben, Süddeutschland aber fast ganz zurückgeblieben ist.
Aachen, 7. Sept. Die deutschen Forstmänner beabsichtigten Montag nachmittag die Hüttenrauch-Beschädigung in den Waldungen bei Stolberg und unternahmen Dienstag einen Ausflug mit der Eisenbahn in die Gegend von Montjoie behufs Besichtigung der Oedländereien und Aufforstungen im hohen Veen. In der heutigen (zweiten) Sitzung der Versammlung wurde als Ort für die nächstjährige Zusammenkunft München einstimmig gewählt und als Vorort für das darauffolgende Jahr Leipzig in Aussicht genommen. Herr Forstmeister Roloff von Aachen referierte über die Frage: Welche Erfahrungen sind bezüglich der Aufforstung von Oedländereien gemacht worden? und verbreitete sich hier eingehend über die einschlägigen Verhältnisse in den Kreisen der Eifel und des hohen Veens. Der Korreferent Herr Oberförster Hey von Hagenau besprach die bezüglichen Verhältnisse in dem Reichslande. Zu dem zweiten Gegenstände der Tagesordnung, der Wildschadenfrage, schlug der Referent, Herr Dr. Borggreve von Münden, zwei Resolutionen vor, welche gegen die Ausnahme dieser Materie in das neue deutsche bürgerliche Gesetzbuch gerichtet sind und von denen die eine namentlich gegen einen anderweitigen Beschluß des vorjährigen deuffchen Juristen
ter. I« Banne der Verhältnisse.
1 I Roman von Theodor Mügge.
ifebe. (Nachdruck verboten.)
Fortsetzung.
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War der Major wünschte oder hoffte, bezweifelte »der befürchtete, verschloß er in sich, allein zuweilen fliegen ihm Gedanken ans, bei denen sich sein Gesicht dunkler färbte, und er streckte dann ungeduldig seinen 81m ans, als wollte er etwas gewÄtfam von sich abhalten.
Der alte, hitzige Herr dachte, wenn er dies that, au den Doktor Gottberg, mit welchem er sich im Geiste viel beschäftigte. Der Doktor bereitete ihm aber ge- diß kein Aergernis, denn er sah ihn wenig anders »ehr in diesen Tagen, als beim MsttagSessen, aber a mochte ihn weder aufsnchen, noch ihm begegnen. Sonst hatte er den jungen Gelehrten, den der Zufall in seine Familie gebracht, jederzeit gern gesehen und niemals gewünscht, daß er ihn verlaffen möchte. GotlbergS mhigeS und ernstes Wesen, daS doch keineswegs mürrisch und adgeschloffen war, hatte ihm intme: gefallen; er hatte ihn selbst gebeten, zu bleiben, und nie war ihm dabei eingefallen, waS ihm zuerst in jener Nacht ein fiel, wo er Wilkens am Abend vorher gesehen — und waS er jetzt mst aller Gewatt von Mh abschütteln wollte und nicht konnte.
So blind war er allerdings nicht gewesen, um nicht zu bemerken, wie hoch Gottberg in der Gunst seiner Sinder stehe; aber er war ja auch in seiner eigenen Gunst, war der Freund seines Sohnes, der ihm innig anhing und fortgesetzt Briefe mit ihm wechselte. ES kam dem Major vor, als sei das alles ganz natürlich, und wenn er seinen Mädchen nach, blickte, wie sie vertraulich mit dem Doktor umgingen, °IS sei dieser mit ihnen aufgewachsen, so fühlte er ki wohlthuend in seinem Herzen. Gottberg gehörte tot Familie; den Kopf hatte er auf dem rechten Flecke, und wer ihn kennen lernte, zollte ihm Achtung. Solch ein Mann mußte auch einmal in der Welt
seinen Platz einnehmen; dies war wieder ein Gedanke, mit welchem der Major sich zuweilen heimlich beschäftigte, wenn er ihn mit Luisen im Gespräch traf und beide beobachtete. Aber alle diese Erlebnisse eines JahreS gingen verloren, als er Willens im roten Bären gefunden.
Bon der Abreise des Doktors war nicht wieder die Rede gewesen, allein daß WilkenS Mutmaßungen hegte, die, begründet oder nicht, doch mit deS Majors Besorgnissen übereiustimmten, ließ sich nicht bezweifeln. Mit bewundernswerter Geduld that Gottberg aber, als sähe und höre er nichts von Eduard Wilkens; auch ließ sich nicht die geringste Bemerkung.gegen sein Benehmen int Umgänge mit Fräulein Luise machen. Immer gleich höflich, bescheiden und freundlich konnte die genaueste Beobachtung ihn auf keinem verfäng. licheu Blicke ertappen. Mit vollkommenem Selbst- gefühl behauptete er eine würdige Haltung, und diese machte eS möglich, daß er ohne ein äußeres Zeichen von Schmerz oder Kränkung eben so wohl sich Luisen nähern konnte, wie allen anderen.
Da das Fräulein jedoch meist immer von Eduard WilkenS belagert wurde, machte er diesem Platz, ohne einen Versuch, ihm den Vorrang zu bestreiten. Sein richtiges Gefühl sagte ihm, waS er zu thun habe. Denn verborgen konnte es ihm gewiß nicht bleiben, was im Werke fei. — Der Major war mtt diesem Benehmen zufrieden. Er begünstigte Eduard Wilkens ersichtlich, obwohl dieser, wie er eS gelobt, mit ihm wenig Umstände machte und sich Freiheiten herauS- nahm, die schwer zu ertragen waren. Ueber die Langweiligkeit dieses Landlebens und über die Einrichtungen des HanseS hatte WilkenS eben so viel zu be. merken, als über die Ansichten und Meinungen seiner Verwandten und über dessen wirtschaftliche und Fa- milien-Angelegenheiten. Er that manche Fragen, die dem heftigen, alten Herrn großen Aerger verursachten und deren Beantwortung ihm sauer wurde; dennoch blieb er standhaft in seiner Höflichkest und nahm selbst anmaßende Borwürfe hin. Die Verpachtungen
und der Gewinn, den der Major aus dem Gute, zog, gaben WilkenS besonders Veranlaffung zu lebhaftem Tadel und heilsamen Vorstellungen, welche so ein- dringlich gemacht wurden, als fei sein Eigentum dadurch verletzt worden.
„ 2aS ist ja gräßlich!" sagte er, „das find ja Preise, wie vor fünfzig Jahren, als lebten wir noch in der schönen Zeit, wo die Pächter reich wurden und die Eigentümer arm. Aber daS muß sich ändern; laffen Sie doch die Pachtkontratte sehen, die Hälfte mehr ist noch zu billig. Wie ist das möglich, daß Sie so — so wenig zeitgemäß fein können!"
Die Milderung seines Ausdrucks kam daher, weil der Major ihn anblickte, als spränge Feuer aus feinen Augen, und WilkenS einen Schreck bekam. „Alle Donner!" schrie der Major, „waS — hm! meinen Sie?" setzte er sich besinnend hinzu. „Es wäre rnög. lich, daß man etwas höher gehen könnte, aber ich will keinen Menschen drücken."
„Was daS für eine Redensart ist!" lachte WilkenS. „Hier muß der alle Zopf auSgetrieben werden."
„Lieber wollte ich, daß —* schrie der Major, allein er besänftigte sich nochmals und verfuchte zu lachen. „Vetter," sagte er, „jeder muß seinen eigen;n Zopf abschneideu."
„WaS daS anbelangt, so hat eS bei mir keine Not," versetzte Wilkens, „ich kenne die Well. Prak, tisch muß man sein, und daS bin ich. Vielleicht ist eS das beste, das Gut wird verkauft. Die Preise sind noch hoch, obwohl sie schon fallen. Schulden sind nicht da, ober doch nicht viel. Was haben Sie an Hypotheken? Wie viel ist es?"
ff: !. Der Major wandte sich wie ein Wurm. Ein Feuer brannte in seinem Gehirn, die Flamme tanzte vor ihm her; er überwand sich aber auch diesmal und tointte abwehrend mit der Hand, wobei er that, als ob er lachte. „Wir vollen jetzt nicht weiter da- von sprechen," sagte er. „Schulden find da, es ging nicht anders."
„Man muß niemals mehr ausgeben, als man einnimmt," krähte Wilkens. „Ihre Gastfreiheit und Großmut sind freilich berühmt, mein bester Vetter, aber lieber ein Bischen einschränken. Warum haben Sie diesen Doktor hier?"
Es war ein Glück für den Unverschämten, daß er diese Wendung einschlug, denn der alle Soldat konnte es nicht mehr ertragen. Zum letzten Male besann er sich und sagte mit einer Stimme, die vor Auf. regung zitterte: „Brechen wir ab davon. Meine An- gelegensten werden immer nur meine Sache sein und bleiben."
„Aber mein lieber Vetter," beteuerte WilkenS, „ich meine eS wahrhaftig aufs allerbeste."
„Gut, ich danke Ihnen; aber ich denke, eS kommt im Leben nicht immer anfS Geld an."
„Nicht?" rief WilkenS, auf feine Tasche schlagend. »Auf» Geld kommt doch zuletzt alles an. Wers Geld nicht achtet, kann zu nichts kommen. Also, mein lieber Vetter, wollen wir diesen Pnntt wenigstens niemals vergessen."
Die Miene, mtt der er dies sagte, sah so boshaft lauernd auS, daß der Major sich beunruhigt fühlte. „Bah!" fuhr Wilkens fort, „wir werden gute Freunde bleiben, ich sehe eS Ihnen an. Ich gehe jetzt und suche mein Konfinchen, denn ich sehne mich nach ihr. Der Davor fitzt mit Toni am Büchertisch, Rach au ist spazieren gelaufen, so kann ich ungestört mein Glück befördern. Helfen Sie nur hübsch dazu, damit wir bald zu Rande kommen. Je eher, je besser, womöglich heut noch!"
Diese Aufforderung glich einer Mahnung, tu welcher zugleich eine Drohung lag. ES ging dem Major beinahe wie seiner Tochter, als er die kalte, feuchte Hand fühlte und in das dicke, schlaffe Gesicht sah. Es lief ihm ein Schauder über die Haut, und alle geheimen Pläne und Hoffnungen sanken bis ans den Geftierpnntt. Sein Widerwille war so groß, daß er sich nrndrehte und gar keine Antwort gab; als aber Wilkens ihn verlassen hatte, warf er seine