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Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.

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M 211.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-Abonnementt-Preis bei der Expe­dition 2*Ä Mk-, bei den Postämter 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnseni-nsgedühr für di» gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 9. September 1887.

Anzeigen nimmt entgegen eie Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII Qftfirrtrtttrr Messe in Frankfurta.M., Berlin, München u. Köln; G.L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Baris.

Tie Erneuerung des deutsch-österreichischen

«Handelsvertrages bildet schon seit Jahr und Tag ein Schmerzenskind, das nicht leben und sterben kann. Tie politischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn sind die allerherzlichstcn und gesichertsten. Aller orientalische Lärm kann darin keine Aenderung herbeiführen; denn das Zweikaiser­bündnis bildet eine feste, unumstößliche Grundlage, an der nicht einmal gerüttelt werden kann und an der alle Aufhetzereien und Jntriguen machtlos ab- prallen. Aber auch das Verhältnis zwischen Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn hat einen Punkt, über welchen nicht vollständige Klarheit herrscht, und diesen Punkt bildet eben die Erneuerung des beiderseitigen Handelsvertrages. Wiederholt ist damit anaesetzt, aber immer kam nur Stückwerk, kein Definitorium zu Stande. Bei den guten politischen Beziehung zwischen Deutschland und Oesterreich - Ungarn ist es ausge­schlossen, daß wegen dieser wirtschaftlichen Meinungs- Verschiedenheit ein Konflikt entstehe, die Dinge würden dann eben weitergehen, wie sie gehen wollten; aber ein solcher Zustand wäre schon zu beklagew Gegen­wärtig, wo überall die Zollschranken befestigt werden, und man besonders gern der kräftig aufblühenden

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deutschen Industrie zu Leibe möchte, können wir gute Freunde auch auf wirtschaftlichem Gebiete mehr als je gebrauchen. Groß ist ihre Zahl so wie so nicht.

Im vorigen Jahre traten in Oesterreich-Ungarn bekanntlich Zollerhöhungen in Kraft, welche mancher deutschen Export-Industrie empfindlichen Schaden zn- gcfügt und die Einfuhr verschiedener deutscher Fa­brikate in Oesterreich beträchtlich vermindert haben.

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Ten Heißspornen in Wien-Pest waren diese Zoll­maßnahmen noch lange nicht scharf genug; sie for­derten noch viel weitergehende Zollsätze, um an der deutschen Industrie für die Erhöhung der Kornzölle Revanche zu nehmen. Denn die Getreidezollfrage ist es, um die sich im Grunde der ganze Streit dreht. Ungarn spricht in dem Doppelstaate Oesterreich-Ungarn in der That das erste Wort, und in dem getreide­reichen Ungarn hängt wieder alles vom Kornhandel ab. Die Pester Regierung fordert freie Absatzwege für das ungarische Getreide; Deutschland hat seine landwirtschaftlichen Schutzzölle, und in diesem Punkte stoßen also die widerstrebenden Jnteresien zu­sammen. Die Differenz muß sich notwendig durch die von der Reichsregierung weiter in Aussicht ge­nommene Erhöhung der Getreidezölle verschärfen, und lediglich die Rücksichtnahme auf Oesterreich-Ungarn ist es wohl nur, weshalb die Einbringung einer neuen Getreidezollvorlage im deutschen Reichstage aufge­

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Eine Säntis-Besteigung am 23. und 24. August 1887. AuS dem Briefe eines Marburgers.

(Schluß.)

Schon gleich nach 4 Uhr wirds lebendig im ganzen Haufe nebst Anbau, da der Sonnenaufgang um 10 Minuten vor 5 Uhr stattfinden wird. Ju den sonder» barsten Vermummungen, die Meisten noch mit den roten und blauen wollenen Schlafdecken umhaugen, finden sich nach und nach alle Gäste, etwa 50, auf dem durch ein Drahtseil gesicherten Wege nach der Spitze des Berges, noch etwa 100 Schritte höher, als das Hotel, beim Observatorium ein und hier er* wartet man, freilich wieder bald bei der Schneelaze und dem kalten Winde mit naffen Füßen und nicht übermäßig behaglich, den feierlichen Moment des Sonnenaufgangs. Von Westen bis über den Osten hinaus ist der Rand des Horizont? mit gelblicher Farbe übergossen, und diese Art Morgendämmerung und Vorheiveikündnng nimmt immer zu an Höhe der Ausdehnung sowie an Intensität der Farbe. Die Trübung der Dämmerung verliert fich demzufolge immer mehr, ebenso der Schimmer von Mond und Sternen. Endlich beginnt das erhabene Schauspiel des Sonnenaufgangs, zu dessen richtiger Darstellung mir die Worte fehlen. Zunächst schießen ein, dann zwei, drei, sechs Strahlen von der Farbe eines roten bengalischen Feuers am Rande des Horizonts empor, westhin intensiv blitzend, daun zeigt sich ber äußerste Rand der Sonnenkugel Über dem Horizont, ebenfalls in fast bengalischem Rot, das bald den ganzen Ge­sichtskreis überflutet. Staunend -schaut das geblendete Auge die Großartigkeit dieses Moment», ferner, wie verhältnismäßig rasch der ganze Sonnenball empor* kommt. Man meint ordentlich, als fühle mau die kotierende Bewegung der Erde, die nun bald von goldigem Gelb überall überstrahlt zu sei- beginnt, sodaß mau nach uud nach die Einzelhesteu von Bergen, Thäleru, Seeeu uud Alpe- zu msterscheideu vermag.

schoben ist. Ans Rußland und dessen Getreidepro­duktion würde von deutscher Seite schwerlich irgend welche Rücksicht genommen werden; denn von der Petersburger Regierung ist die Zollschranke ganz ge­hörig gehandhabt, und gerade deutsche Fabrikate sind davon betroffen worden.

Die Erneuerung der Handelsvertragsverhand- lnngen mit Oesterreich-Ungarn steht abermals bevor, und es läßt sich auch jetzt noch nicht absehen, welchen Ausgang dieselben diesmal nehmen werden. Von ungarischer Seite namentlich ist schon mehrfach vor­geschlagen, eine große d eutsch-österreichisch-nngarische Zollunion zu bilden, und damit für die Industrien beider Länder ein erweitertes einheitliches Absatzgebiet zu schaffen. Der Gedanke hat sehr viel für sich, ist aber doch unausführbar und wird jedesmal bald nach seinem Auftauchen wieder zu den Akten gelegt. Gerade bei einer Zollunion würde die Getreidefrage erst recht verschärft, und wird das Getreide vom Ver­trage ausgenommen, so hat dieser keinen Zweck, denn Industrie und Landwirtschaft sind gleichwertige Fak­toren. Man muß also zum einfachen Handelsver­träge znrückkehren. Kommt keine Einigung zu Stande, so würden Deutschland gegenüber noch verschiedene österreichische Zollerhöhungen in Kraft treten, die um so weniger willkommen sind, als auch von Italien ans Zollverschärfnngen zu erwarten sind. Ein Fehl­schlägen der Verhandlungen ist also keineswegs eine gleichgiltige Sache, wenn deshalb auch noch lange kein Zollkrieg einzutreten braucht und auch schwerlich eintreten wird. Fürst Bismarck wird diese Ange­legenheit wahrscheinlich in hervorragender Weise zum Gegenstand seiner Besprechungen mit dem Grafen Kalnoky machen. Trotzdem läßt sich freilich nicht sicher von einer Einigung reden, denn hier kommen wichtige Interessen ins Spiel, aber ausgeschloffen ist sie bei der versöhnlichen Stimmung in Wien und Berlin keinesivegs.

Deutsches Reich.

Babelsberg, 7. Sept. Der Kaiser machte heute vormittag eine Spazierfahrt im Park und empfing den Oberhof- und Hansmarschall Grafen Perponcher und den Chef des Zivilkabinettes Geheimrat v. Wil- nwwski zum Vortrage. Zum Diner sind einige Ein­ladungen ergangen.

Berlin, 7. Sept. Staatsminister v. Pnttkamer ist soeben nach Königsberg abgereift. Der Reichs­kanzler Fürst Bismarck wird, wie derPost" mit* geteilt wird, mit feiner Gemahlin gegen Ende der Woche, wahrscheinlich am Freitag, von Kissingen hier

Beklommen fühlte fich gewissermaßen bie Seele burtfs die Majestät des fich Vollziehenden und fast überall herrschte Schweigen, nur vereinzelt unterbrochen durch ein demütig frohes Oh! und in Mehrerer Augen glänzte eine die gewaltige Empfindung bekundende Thräne! Von einem behäbigen Appenzeller Land* amwanu, welcher schon 18 mal den Säritis bestiegen, aber kaum einmal einen so vollständig klaren Horizont gesunden zu haben versicherte, zunächst zum Kaffee- Trinken eingeladen, um später von ihm die einzelnen AusfichtSgebiete genannt zu erhalten, verfügen wir uns in da» Gastzimmer des Hotels zurück, wo in­zwischen die Vorbereitungen zum allgemein sehnsüchtig erwarteten Kaffee getroffen werden. Beim Umdrehen an der Ecke vor dem HauS hat mein St. ©aller Ge­ährte noch das Malheur, feinen Strohhut von einem heftigen Windstoß in die unendliche Tiefe entführt zu sehen, was nicht blos eine Lachsalve der Zuschauenden zur Folge hat, weil er einige verzweifelte Sätze im tiefen Schnee macht, um den Ausreißer zu fangen, andern auch ihn zwingt, eine Kopfbedeckung ohne Fapon und erkennbare Grund-Farbe von einem Knecht letbroeife gegen einen Franken Trinkgeld zu acqwiriren, die er aber beim Herabsteigen nachher forgfam mit einem Tuche festbindet. Im Gastzimmer stellt die Wrtin 10 Näpfe auf je einen Tisch und ladet dann Männlein und Weiblein zum gemeinsamen Platznehmen ein; jeder Tisch erhält 2 große Kannen voll wohl- duftenden Kaffee» nebst Geisenmilch, ferner Brot, Butter, Zucker und Bienen - Honig, (letzterer freilich ehr zweifelhafter Qualität), zum Bedienen nach Be­ieben, war denn auch gehörig geschieht, ohne daß besondere Aufmunterung nötig wäre. Die Behag­lichkeit deS erwärmte» und gesättigte« Körpers erhöht man durch eine Zigarre und besteigt bann wieder die Spitze, wo nun durch den freundlichen Landamman» mit Hülfe guter Krimstecher uns die Aussicht rings- nm erörtert wird, vom Jura bis Vogesen, Schwarz­wald, rauhe Alp, Allgäu, Bregenzer und Vorarlberger Berge, Tyroler Alpe» hinter« Rheiuthal bis zum

eintreffen. Der Fürst dürfte, wie es heißt, einige Tage in Berlin verweilen und sich alsdann nach Friedrichsruh begeben. Die Einberufung des Reichs­tages erwartet man diesmal zu Anfang November. Als Hauptgegenstand seiner Thätigkeit wird außer einer Vorlage über Erhöhung der Getreidezölle eine große Vorlage über die Altersversorgung der Arbeiter bilden. Dieselbe soll, wie es heißt, demnächst dem Volkswirtschaftsrat vorgelegt werben und bann erst an den Bundesrat gehen. Außerdem spricht man von einer Vorlage über die Besteuerung ausländischer Fonds, Einführung der Arbeitsbücher, den Befähi­gungsnachweis der Handwerker, und auch dem vom Reichstag beschloffenen Arbeiterschntz-Gesetz wird der Bundesrat demnächst nahe treten. Hoffentlich so nahe, baß er fich dasselbe aneignet und es bald Gesetzes­kraft erlangt. In einigen Kreisen soll, wie vor kurzem in ber Presse erwähnt wurde, die Absicht be­stehen, die aus der lex Hnene herrührenden lieber« Weisungen zur Unterstützung von Angehörigen einge­zogener Reservisten zu verwenden. Gegen solche Ver­wendung wirb offiziös jetzt Widerstand erhoben, da sie mit den Vorschriften des Ueberweisungsgesetzes vom 14. Mai 1885 nicht vereinbar sei. Denn nach den Bestimmungen des § 4 sei die Verwendung der Ueberweisungsbeträge nicht in das Belieben der Kreise gestellt, vielmehr sollen dieselben der Regel nach nur zur Erfüllung solcher Ausgaben verwandt werden, für welche seitens der Land- und Stadtkreise die Mittel durch Zuschläge zu den direkten Staatssteuern ober durch direkte Gemeindeabgaben aufgebracht werden. Nur wenn in den Landkreisen die überwiesenen Summen nicht sinngemäße Verwendung finden, dürfen sie mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde zur Ent­lastung von Schul- und Armenlasten verwandt werden. Heber die Einrichtung der Feldbäckereien, welche während der diesjährigen Manöver in Anwendung kommen, berichtet dieOstpr. Ztg." folgendes:Jede Feldbäckerei ist in Sektionen geteilt, von denen jede 5 Oefen mit sich führt. Die Hauptbestandteile ber« selben bilden starkes Wellblech. Ans dem Erdboden wirb eine angemessene, nicht tiefe Fläche ausgehoben, welche mit gebrannten Ziegeln belegt wird, die, wo es angängig ist, ein Unterlager von feinem Sande erhalten. Diese Ziegelfläche ist der eigentliche Herd; sie wirb geheizt, auf ihr backen die Brote. Ueber ber Ziegelfläche erhebt sich der eiserne, ans zwei zu einander gepaßten Teilen bestehende Ofen aus Well­blech. Die Eiseuteile werden zur besseren Festhaltung der Hitze mit Erde beschüttet. Je 5 Oefen haben einen großen Kessel, der einen eisernen Fuß zur

Bernina, die nahen Churfürsten, Glürnisch, Tödi, die Kette des Berner Oberlandes, mit Hervorhebung der Häupter, Thäler, Seren. ein enormes Bild, eben­falls unvergeßlich! Wir werden auch alsdann unterrichtet über das Observatorium, wo zur Anstellung und telegraphischen Mitteilung der Wetter - Beo­bachtungen auch während deS ganzen Winters ein Beamter des Eidgenössischen Postdepartements sich anshält, in Gesellschaft von nur einem Knecht und einer Magd oftmals wochenlang abgefchnitteu von jedem persönlichen Verkehr mit den Thalbewohnern. Welcher beschwerdereiche, kaum erträgliche Posten! Man denke sich nur, daß Erkrankung oder ein schwerer Unfall eintritt oder die Kommunikation durch den Telegraphen zufolge Sturm, Blitz, Eis rc. unmöglich wird! Wozu nicht alle die menschliche Natur fich b.-quemt! Bald nach halb sieben Uhr trat eine teilweise Verschleierung der Aussicht durch Nebel ein und der Führer riet zum Abstieg, bevor ber Schnee noch weicher werde. Mit Mühe und nicht ohne Ver­lust eines Paares Strümpfe, das fich nicht wieder aufsinden ließ, wurden die zum Trocknen gegebenen Sachen wieder zusammengefncht und gepackt und zvm Schluß eine Depesche in die Heimat aufgesetzt sowie bas Frembenbuch durchgeblättert mit seinen zahllosen Ergüssen in Poesie und Prosa jeden Kalibers. Seit 15. August 1887 ist ein neuer Band des Fremden­buchs begonnen worden, gestiftet au» Dankbarkeit für den SäntiSwtrt von einem Stuttgarter Buchhändler Christmann, den nebst seinem Söhnchen der Säntis- «irt gerettet, als sie sich verirrt hatten. Kurz vor 7 Uhr begannen wir, vor und nach uns wieder der- chiedeue Gesellschaften, den Abstieg »ach MegliSalp, der kaum !/* Staude» dauerte, aber namentlich im Anfang bei de» steile» Stellm de» allerschwierigste» Teil der ganze» Tour bildete. E» ging jedoch Gott- lob alles glücklich von Statten und frohgelaunt be­grüßte« alle das Ende des Schnee«, mit Schneeballe« ich znm Abschied Grüße znsendeud. Kurz vor der MegliSalp brachte u«S auch »och ein GeiSbub et»

Feuerung besitzt. In diesem Kessel wird das zum Auteigeu erforderliche Wasser gekocht. Anteigbecken, Wassereimer und sonstige Gerätschaften, aus gutem Holze gefertigt, sind in ausreichender Zahl vorhanden. Neben den Oefen erheben sich vierseitige Zellen, die zur Kühlung des fertigen Brotes bestimmt sind, das auf schmalen Brettergerüsten lagert, tote man sie in jeder gewöhnlichen Bäckerei findet. Die Herstellung der Brote erfolgt nur in Stücken zu 3 Pfund und es bildet ein solches Brot die Tagesportion für zwei Mann; täglich kommt frisches Brot zur Veraus­gabung. Arbeitet die Sektion mit ihren 5 Oefen bei Tage und bei Nacht, was vorkommt und wobei die Mannschaft sich ablöst, so können in 24 Stunden 4000 Stück Brote hergestellt werden, eine Anzahl, die genügt, um 8000 Mann für einen Tag mit Brot zu versorgen. Zur Fortschaffung einer solchen Sektion mit ihren Gerätschaften sind 2 Kriegs-Bagagewagen ausreichend.

Wir hatten kürzlich derLeipziger Zeitung" einen Artikel entnommen, in welchem mit Rücksicht auf eine bestimmte Reihe von Angaben über Preise von Roggen, Roggenmehl und Roggenbrot, die sich in einem Aufsätze des Geheimrats v. ScheelZur Statistik der Brotpreise in Deutschland" (in Conrads Jahrbüchern für Nationalökonomie, Augustheft) finden, gesagt war, daß das Schwanken der Brotpreise, wie sich ans jenen Zahlenreihen ergebe, vorzugsweise auf das Schwanken des Unteruehmergewinnes, nicht auf dasjenige der Rohmaterial-Preise zurückzuführen sei. DieFreihandels-Korrespondenz" und die von ihr bediente Presse war nun sogleich wieder mit der Behaup­tung zur Hand, dieoffiziöse Presse" habe jenen Scheelschen Aufsatz mißbraucht, um eine Stütze für ihre Theorie zu finden, daß die Brotpreise von derWillkür des Bäckers" abhängen. Die Freihändler haben be­kanntlich den Glaubenssatz:Der Zoll verteuert das Brot des armen Mannes" (nicht auch des reichen?), und um den Gegnern etwas entsprechend Absurdes anzuhängen, machen fie ihre Leute glauben, es sei offiziöse" Theorie, daß der Brotpreis ganz von der Willkür der Bäcker bestimmt werde. Das ist aber die Verdrehung und Uebertreibung eines ganz richtigen Gedankens, der von der nichtfreihändlerischen Preffe vertreten wird, und dessen Gang folgender ist: Daß die Höhe des Rohstoffpreises, also des Getreides bezw. des Mehls, auf die Dauer die Höhe des Brotpreises mit bestimmt, ist klar. Nach den Angaben v. Scheels, die sich auf eine Dresdener Großbäckerei beziehen, kostete im Durchschnitt der acht Jahre 187885 das zu 1 Kilogr. Brot verwendete Mehl 18,7 Pfg., tzaudvoll srftch gepflücktes, hier recht selten gewordenes Edelweiß und sodann wurden von dem Führer auf d-m Freiberg» rechts in der Ferne oben am Hang 3 Gemsen entdeckt, die fich auf das gemeinsame Schreien und Pfeifen hin wirklich in rascher Flucht fortbewegten, was alles durch die Krimstecher genau konstatiert werden konnte. Es sollen auf diesem in Heege ge­legten Teile d«S Säntis-Stockcs wieder über hundert Stück Gemsen Vorkommen, denen eine recht zahlreiche Vermehrung um so mehr zu wünschen wäre, als man dann auch Aussicht hätte, wieder einmal einen veri- tablenGamS'-Braten vorgesetzt zu erhalten. Die MegliSalp lag noch tief im kühlen Schatten, war aber schon lebendig von Tonriste« und Touristinnen, welche da übernachtet hatten und fich zum Aufstieg auf den Säntis anschickteu, begierig auch nach allem sich bei uns erkundigten.

Nach halbstündiger erquickender Rast gings ohne besondere Erlebnisse, aber bei herrlichstem Wetter und in bester Stimmung über die Hütteualp nach Weiß- bab zurück, wo ein warmes Bad, gutes Mahl uno 2 stündiger Schlaf auf einer bequemen Chaiselongue die ausgestandenen Strapatzen bald vergessen ließ und von wo uns der Omnibus zum Vieruhrzug der Eisenbahn nach Appenzell brachte, mittelst deren wir cho» vor sieben Uhr hochbefriedigt daheim wieder eintrafen. Gleich anderen Tags traten Mehrere aus der Knrgesellschaft die Säntis-Tour tu gleicher Art an, mußten aber erfahren, daß abends und morgens der Horizont zum größten Teile verschleiert war, ob- wohl auch fie immerhin hoch erhoben sich fanden durch die herrliche Partte im Uebrigen.

Kissinge», 6. Septbr. Dieser Tage erhielt Fürst BiSmarck von einer nordamerikanischen Ver­ehrerin als ein Zeichen der Anerkennung seiner Ver­dienste um die Erhaltung des Weltfrieden» eine echte Friedenspfeife, die aus dem Besitze eines indianische« Häuptling» stammt, verehrt.