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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Loch.
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Bestellgelds. Jnserti'nsgebühr für di, gespaltene Zeile Sonntaa, 4. September 1887. Moffe in Frankfurta.M., Berlin, Münchenu. Köln; G-L. ' 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. “ ' Daube u. Co. in Frankfurt a. R., Berlin, Hannover. Paris.
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Wochenschau.
Von einer neuen Kaiserbegegnung ist recht lebhaft die Rede, trotzdem von keiner Seite etwas sicheres mitgeteilt werden kann. Es heißt, Zar Alexander mrde auf der Heimfahrt von Kopenhagen nach Rußland in Stettin Station machen und dort mit dem Kaiser Wllhelm bei Gelegenheit der deutschen Kaiser- mauöver Zusammentreffen. Ob an diesen Annahmen aber wirklich etwas wahres ist, läßt sich nicht sagen. Kaiser Wilhelm hat Schloß Babelsberg verlassen und ist nach Berlin zur Abhaltung der großen Herbst- parade über das Gardekorps zurückgekehrt. Mit nächster Woche beginnen die Manöverreisen. Nach Königsberg reist der Kaiser allein; in Stettin trifft er später mit der Kaiserin zusammen. Es ist das erstemal, daß der Kaiser sich ohne den Kronprinzen zu den Manövern begiebt. Die kronprinzliche Fa- milie wird Ende der Woche aus England in Toblach in Tyrol eintreffen. Dr. Mackenzie hat seinem Patienten nochmals die bestimmte Versicherung erteilt, das Halsleiden werde schließlich völlig beseitigt werden, aber dazu gehört Geduld und viel Schonung. An ein öffentliches Auftreten des Kronprinzen ist vor der Hand nicht zu denken.
Fürst Bismarck verweilt noch in Kissingen, wo ihm der Badeaufenthalt vortrefflich bekommt. Daß noch in Kifsingen die bisher verschobene Besprechung mit dem Grasen Kalnoky stattfinden wird, ist nicht wahrscheinlich; voraussichtlich werden die beiden Staatsmänner sich erst in Friedrichsruhe sehen. Grund, die Zusammenkunft zu beschleunigen, liegt nicht vor. Für die Vortrefflichkeit der Beziehungen zwischen den beiden Kaisermächten spricht auch die auf spezielle Einladung des Kaisers Franz Joseph eingetretene Teilnahme des deutschen Generalquartiermeisters Grafen Waldersee, Moltkes Stellvertreter, an den österreichischen Kaiser- manövern. Der General hat auch Detailübungen bei- gewohnt, zu welchen man sonst keine Offiziere einzuladen pflegt, am allerwenigsten den Chef des General-
Jus Bad.
((Sine Humoreske)
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Frau Affefforin Walter empfing den Herrn ®e» Mahl mit etwas mißvergnügter Miene. Sie hatte reichlich eine halbe Stunde mit dem Essen auf ihn Marten müsse». Klotilde war in Wahrheit eine schöne Fran; aber ste war, wenn sie auch ihren Gatten über alles liebte, leicht erregbar, und nur sein behagliches, humorvolles Temperament verhütete zahlreichere kleine häusliche Szenen. Als er von der Straße hinauf zu den Fenstern seiner Wohnung blickt, seufzte er, mit den Eigenheiten seiner Frau aufs Beste vertraut: »Oh wehl Heute gibts ein kleines Unwetter. Und daran ist doch nur die Lucie mit ihrer Liebesgeschichte schuld. Aber abschlagen konnte ich dem kleinen Ding die Gefälligkeit wirklich nicht. Ob ich Klotilde alles »zähle? Bei dieser Stimmung scheint mir das etwas verfrüht. Sie kennt unseren kleinen Liebesroman und---* * Damit war er vor der Thür seiner
Wohnung angekommen, die von innen sofort geöffnet Murde. Walter drückte einen herzlichen Kuß auf Klotildes roten Mund und sagte besänftigend: „Sei Vicht bös, mein Kind, ich bin etwas aufgehalten!* Die Frau Affefforin erwiderte nichts und man ging zu Tische. Die Mahlzeit verstrich recht schweigsam; als sie beendet, bat Walter: „Entschuldige mich ein Stündchen, Klotilde; ich habe noch ein Aktenstück zu bearbeiten, das sofort erledigt werden muß." Damit Sing er in s:tn Arbeitszimmer, nnd die junge Frau Mars sich auf eine Chaiselongue. Die zierlichen Falten auf ihrer weißen Stirn hatten sich merkbar vertieft. »DaS war rücksichtslos von ihm!'-rief sie. In diesem Moment klopfte es an die Thür. Das Mädchen brachte den gereinigten Ueberrock des Assessors, da das junge Ehepaar sonst gleich nach dem Kaffee einen Spaziergang za machen pflegte. „Der Herr ist noch beschästtgt. Lege den Rock nur dort auf den Stuhl,' befahl Klottlde. Dauu entfernte sich das Mädchen.
stades eines Nachbarreiches, der mit ganz anderen Augen sieht, als ein einfacher General. Wäre die gute Freundschaft zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn, trotz der bulgarischen Angelegenheit, nicht über alle Zweifel erhaben, man hätte in Wien den Grafen Waldersee warhaftig nicht hinter die Conliffen schauen lassen. — In Stuttgart starb plötzlich der württembergische Minister des Innern, von Hölder, im Alter von 68 Jahren. — In Trier tagte unter zahlreicher Beteiligung der deutsche Katholikentag. Die Versammlung sprach sich auch diesmal wieder für die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papst- tumes aus. Mit mehreren anderen Zentrumsführern war Herr Windthorst zugegen, dem große Ovationen bereitet wurden. — Das deutsche Volk feierte gestern allüberall seinen Sedantag, wenn auch nicht mit großem äußerem Pomp, so doch in wahrer Vaterlandsfreude.
Die Komödie der Probemobilmachung hat in Frankreich bei dem int Bezirke von Toulouse stehenden 17. Armeekorgs begonnen. Ernst nehmen selbst die französischen Blätter die Sache nicht mehr, nachdem bereits in der zweiten Hälfte der vorigen Woche der ganze Mobilmachungsplan von dem Pariser „Figaro" veröffentlicht worden ist, die Kommandos des 17. Armeekorps also die größte Zeit hatten, sich alles in voller Ruhe vorzubereiten. Ohne einigen Lärnt tst es bei dem leicht erregbaren französischen Charakter doch nicht abgegangen; eine ganze Zahl von Gemeinden, denen ein gewöhnliches Bekanntmachen der Mobilmachungsordre noch nicht genügte, ließen mit den Sturmglocken läuten, und was es für ein Aufsehen machte, läßt sich denken. Gegen die Verräter des Mobilmachungsplanes soll ein strenges Verfahren ein geleitet werden und ein paar als Schreiber im Kriegsministerium beschäftigte junge Soldaten sind auch bereits verhaftet worden. Es scheint aber, als sollten die armen Teufel die Sündenböcke spielen und die entsetzliche Plamage, welche der Vorfall der Pariser Militärverwaltung bereitet, verdecken. Die wirklichen Verräter des Mobilmachungsplanes dürften ganz andere Personen sein. Auf jeden Fall kann sich aber das französische Kriegsministerium zu dem Pflichtgefühl und der Verschwiegenheit seiner Beamten gratulieren. ’ So etwas giebt es wohl in ganz Europa nicht mehr. Für die französische Unzuverlässigkeit spricht auch ein anderer Vorfall noch. Eine Wagenladung der neuen Jnfanteriegewehre ist auf der Bahn trotz des Bleiverschluffes und der sorgsamen Ueber- wachung erbrochen worden. Nach den Thätern sucht man heute noch.
Ziemlich still sieht es in London aus. Gladstones
Eine Stunde war vergangen. Oskar kam noch nicht wieder zurück. Die junge Frau schritt ärgerlich im Zimmer auf und ab. Dabei bemerkte sie auch, wie aus der Brusttafche deS UeberrockeS etwas Weißes hervorsah. Sie faßte darnach, eS war ein zierliches Briefchen, LueieS Brief. Er war ohne Ueberfchrift, nur flüchtig gefchloffeu. Die Frau Affefforin wachte sich gar kein Gewissen daraus, ihn vorsichtig zu öffnen; eS war keine schwere Arbeit. Und dann las sie mit seltsam glänzenden Augen: „Mein Oskar! Tausend Dank für Deinen Brief. Er hat mich aufgerichtet und getröstet. Hoffe und harre, es wird alles noch gut werden, uusere Liebe wird alle Hindernisse, die jevt so groß erscheinen, überwinden. Eiue» Kuß für Dich, mein Geliebter. Lucie!' Mit zitternden Fingern schloß Klotilde den Brief wieder, brachte ihn an die frühere Stelle und warf sich auf die Chaiselongue zurück. Sie hielt ein Tuch vor die brennenden Augen, aber keine Thräne quoll daraus hervor.
Etwa zehn Minuten später kehrte Waller zurück. Er nahte sich leise der regungslos Daliegeudeu und küßte ste zärtlich. Klotilde rührte sich nicht. „Bist Du krank, mein Schatz?" fragte er besorgt.
„Ich glaube, ja," antwortete sie matt. Er ging hastig, auf und ab; sie hatten schon tinen längeren Kampf um eine Badereise gekämpft; er war kein Freund davon und fühlte sich behaglicher im lauschigen Heim, aber jetzt kam es ihm in den Siu», um deö liebe» Hausfriedenswillen vachzugeben. Es wird am besten sein, Du reift doch in ein Bad," begann er liebevoll, „Deine Nerven scheinen sehr gelitten zu haben. Ich werde alles Nötige besorgen, in ein paar Tagen kannst Du schon unterwegs sein!'
„Ich reife nicht ohne Dich!'
„Aber, liebes Kind, Du Weißt doch, wie sehr ich zu Ihun habe. Jetzt kann ich nicht abkommen, mich hält hier zu viel!'
„Zu viel, das glaube ich!' antwortete stein ganz eigenem Tone, ihm voll ins Gesicht blickend. „Dies „Zuviel" hat Dich auch wohl heute abgehalten, pünkt-
Mißtrauensvotum gegen das Ministerium Salisbury wegen des Vorgehens gegen die irische Landliga ist mit großer Mehrheit int Unterhause des Parlamentes abgelehnt worden. Seitdem Verhalten sich beide Parteien abwartend. Auch in Irland ist außer den landesüblichen Raufereien zwischen Pächtern und Beamten nichts von Belang passiert. Die vorwöchentliche Londoner Meldung, der Aufstand in Afghanistan fei total niedergeschlagen, war, wie nunmehr sicher festgestellt ist, eitel Schwindel. Im Gegenteil hat der Aufstand infolge der Grausamkeit des Emir neuen Boden gewonnen. Der gefangene Führer des aufständischen Kabul - Regimentes ist von den Soldaten aus seinen Befehl gesteinigt worden, und das hat sehr viel böses Blut gemacht. Der aus Teheran entflohene Thronprätendent Ejub Khan ist auf russischen Boden eingetroffen, also in Sicherheit. Das Mindeste, was die russischen Zeitungen nun erwarten, ist die Bildung eines eigenen Fürstentumes Herat unter Ejub, womit die Festung Herat ohne Weiteres russisch würde. Dahin kann es allerdings sehr bald kommen.
Von einem neuen Attentat auf den Zaren, das ein als Gardeoffizier verkleideter Nihilist kurz vor Abreise der Kaiserfamilie nach Kopenhagen unternommen haben sollte, war gerüchtweise die Rede. Auf die Nachricht wurde nicht viel gegeben; eine Meldung aus Kopenhagen scheint aber zu zeigen, daß an dem Gerücht doch etwas gewesen. Der Zar sollte nämlich bei dem angeblichen Attentat ganz leicht an der Schulter verletzt sein, und jetzt wird aus Kopenhagen gemeldet, der Kaiser müsse eines „Gichtanfalles" wegen einen Arm in der Binde tragen. Gichtanfall oder Kugel! Wer weiß das aber sicher?
Fürst Ferdmand von Bulgarien lebt noch immer sicher im fürstlichen Palast zu Sofia. Rußland hat es zwar an erneuten Drohungen und Aufforderungen in Konstantinopel, den Koburger aus dem Lande zu vertreiben, nicht fehlen lassen, aber der Sultan will partout nicht darauf eingehen, und zum Ueberfluß geben auch Oesterreich-Ungarn, England und Italien recht deutlich zu verstehen, sie würden einen militärischen Spaziergang nach Sofia nicht dulden. Die Türkei hat nun die ganze diplomatische Aktion sich vom Halse geschoben und erklärt, sie werde erst dann neue Schritte thun, wenn die Mächte einig seien. Und bis es dahin kommt, hat es gute Weile. Inzwischen sind für den Fürsten Ferdinand die Flitterwochen feiner neuen Herrlichkeit ziemlich vorüber. Die Bulgaren, als ein ganz urwüchsiges Volk, sind an Hofetiquette noch verzweifelt wenig gewöhnt und Alexander Battenberg trug diesem Umstande Rechnung.
lich zum Essen zn kommen?" — „Klotilde!" rief er scharf. Der Ton ihrer Stimme hatte ihn gewaltig ve-letzt. „Znm letzten Male also, willst D» reisen oder nicht?"
„Nicht ohne Dich," antwortete sie kalt.
„Gut, dann bleibe. Du scheinst heute der Ruhe zu bedürfen und ich will Dich nicht stören. Lebe» wohl!" Er ging zur Thür hinaus. Draußen war. tete er noch einen Augenblick, aber nichts regte sich drinnen, niemand rief nach ihm!
* * *
Für den armen Assessor kamen böse Tage. Klotilde war tn äußerst schlechter Stimmung, unter der auch andere zu leiden hatten. Als Lucie eines Tagcs zum Besuch kam, um von Oskar einen Brief Red- lingens in Empfang zu nehmen, war es zwischen ihr und Klotilde zu einer recht unbehaglichen Auseinandersetzung gekommen. Mühsam ihr Schluchzen verbergend, hatte sie das Haus verlassen, in dem statt des behaglichen Glückes der Unfriede eingekehrt war. End- lich konnte Walter es nicht mehr ertragen. „Ich muß ihr den Gefallen thun und mit ihr reifen, Kleine," sagte er zu Lucie, „es ist in meinen vier Pfählen nicht mehr zum Aushalten. Immer und ewig diese Anspielungen, die einer thörichten Eifersucht entspringen, das ist ja schrecklich. Und Eure Sache muß nun auch zu Ende kommen. Ich habe mit Redliugen gesprochen, und er will thun, was ich ihm vorgeschlagen habe. Paß also auf! Der alte Rechtsanwalt R. legt seine Praxis binnen Jahresfrist nieder, wie er mir vertraulich erzählte, Reblingen muß bis dahin umsatteln und für ihn einttete». Wenigstens einen großen Teil der Praxis wird er doch erhalte». Nun weißt Du alles, komm, wir wollen jetzt vereint Deinem Vater zu Leibe gehen. Er muß einwilligen, mag er wollen oder nicht." Sie sah mit einem so glücklichen Gesicht zu ihm, daß er seinen häuslichen Aerger vergaß, und sich den Rest deS ihm zugestaudeue» Lohnes von ihren Lippen Holle. „Weiß Gott, ich glaube, Du hättest es nicht so arg getrieben, wie jetzt Klo-
An seinem Hofe ging es äußerst schlicht zu. Ferdinand von Koburg will aber nicht nur Fürst heißen, sondern auch Fürst sein und das paßt nicht recht mit der bulgarischen Ungeniertheit. Deshalb sind besonders die Offiziere etwas gegen ihn eingenommen, zum wenigsten beginnen sie Vergleiche zwischen ihm und seinem Vorgänger zu ziehen, deren Resultat nicht immer für den neuen Fürsten ist. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wichtiger ist, daß dem Fürsten der Verkehr mit den Parteiführern feines Landes nicht leicht wirb. Die Bildung des neuen Kabinets ist ein herzlich saures Stück Arbeit. Anzuerkennen ist, daß Ferdinand von Koburg auch hier viel Energie zeigt, aber er ist allem. Man muß abwarten, was er ausrichtet.
Beim Beginn der kühleren Witterung tritt in Italien der Gedanke an den Rachezug gegen den König von Abesiynien in den Vordergrund. Daß so etwas stattfinden wird, ist sicher, aber die Regierung hüllt sich bezüglich ihrer Pläne in tiefes Schweigen.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Sept. Der Kaiser fiel gestern während des Umgangs nach dem Parade-Diner infolge der Unebenheit des Fußbodens auf die linke Hüfte und den linken Ellbogen. Er zog sich eine mäßige (Quetschung der genannten Teile zu, setzte aber die Unterhaltung mit verschiedenen Gästen im Umhergehen noch längere Zeit fort. Der Schlaf war in der letzten Nacht im ganzen befriedigend. Das Allgemeinbefinden ist ungestört. Der Kaiser ist kurz nach 9 Uhr aufgestanden. — Der Kaiser empfing vormittags die Vorttäge des Oberhof- und Hausmarschalls Grafen von Perponcher und des Geheimen Kabinettsrates von Wilmowski, später den Adjutanten des Kronprinzen, Major von Kessel. Abends wird bei den Majestäten der Thee eingenommen, wozu der Herzog von Ratibor, der Kammerherr von Reischach, der Botschafter von Radowitz und der deutsche Gesandte in Athen, Freiherr von den Brincken, geladen sind. — Wie die „Nat.-Ztg." erfährt, würde, wenn die Kaiserzusammenkunft, für welche der 10. Sept, in Aussicht genommen fei, sich realisieren sollte, nach der Natur der Sache die Rhede von Swinemünde Ort der ersten Begegnung sein. — Das Marine- Verordnungsblatt veröffentlicht eine Kabinettsordre des Kaisers vom 16. August, wonach vom 1. Ott. an bei jeder Marinestation eine Torpedoabteilung zu bilden ist, welche ein für die Bedienung der Torpedowaffe bestimmtes Personal auszubilden hat. Die Stärke jeder der beiden Torpedoabteilungen ist un-
tilbe, meinte er, nahm de» Arm der Errötenden nn ging mit ihr geraden Weges in da» Privatzimmer deS alten Walter. ES war ein sehr heißer Kampf, der wohl an zwei Stunden dauerte, dann aber in völligen Si:ge endete. Walter hatte sich neben die eine Zimmerthür gesetzt, Lucie neben die andere, und so verhinderten sie den hitzigen alten Herrn am Entkommen. Und endlich, endlich willigte er ein.
Assessor Walter ging hastigen Schrittes nach Hause zurück, etwas froher im Herze», als seit langer Zeit. Klottlde empfing ihn mit der eiskalten Miene der letzten beiden Wochen; es fröstelte ihn, aber da kam auch die alte Liebe und er umarmte sie herzlich: „Zwei gute Nachrichten, mein Schatz, Lucie und Referendar Oskar Reblingen haben sich soeben mit einander verlobt, und wir können reisen, wann Dn willst!" Die Wirkung dieser Worte war eine ganz seltsame. Fran Klotilde schlang b-ide Arme um den Hals ihres Gatten und preßte ihn so heiß und leidenschaftlich an sich, als wolle sie nie wieder ihn von sich lassen. ,MaS hast Du denn?" fragte er ganz erschrocken, sie schüttelte den Kopf, Freudeuthiänen tn den Augen, sie vermochte nicht zu sprechen. Zwei Tage später reiften sie ab inS Bad, habet war eS geblieben, und das junge Brautpaar hatte sich auf dem Bahnhof zum Abschied etngefunden. Wahre Herzenssreundschast kubierte den AbschiedSgrnß.-------
Im Banne der Verhältnisse.
Roman von Theodor Mügge.
(Nachdruck verboten.) Fortsetzung.
Geh ihnen entgegen, zeige ihnen, wo ich z» finde» bin. Und halt noch Eines! — Laß das rote Zimmer anfschlteßen und die Bette» in Ordnung bringen."
„Das rote Zimmer! für die Gäste, lieber Vater?" „Du verstehst mich doch! Ich spreche deutlich genug." Luise hörte eS wohl, verstand es aber doch nicht. DaS rote Zimmer war das beste unter allen; warum sollten diese Fremden so ausgezeichnet werben?