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Illustriertes Sonntagsblatt.

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Die russische Diplomatie

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Der Postillon nahm sein Horn au den Mund, )tnn der Wagen rumpelte jetzt über das Pflaster au der Thorbrücke und somst hörte daS Gespräch auf, während dessen Dauer die beiden Reisenden verschie. d«e Blicke gewechselt hatten. Jetzt lachten fie zu, ammen und sprachen dabei, aber der Postillon hörten nichts davon, auch kümmerte eS ihu nicht. Er fuhr zwischen den beiden alten Thortürmen die schmale

für den Freihandel Deutschlands Industrie schutzlos der übermächtigen Konkurrenz Englands, seine Land­wirtschaft derjenigen Nordamerikas, Indiens und Ruß­lands preiszugeben und so einen großen Teil der deutschen Arbeiter brotlos zu machen drohten? Eine solche Thorheit wird niemand denkenden Menschen zu­trauen. Der Erfolg mag nicht überall das für die Beur­teilung allein entscheidende Moment sein, der Miß­erfolg allein aber ^berechtigt sicher viel weniger zu dem Anspruch auf Vertrauen, als der Erfolg. Dos mag für diejenigen unerwünscht sein, deren Kunst allein in der negativen Kritik und unfruchtbaren Nörgelei besteht, kann aber das deutsche Volk nicht hindern, dem Staatsmanne sein Vertrauen zu er­halten, in dessen erfolgreichem Wirken es mit Recht die Zeichen überlegener Staatskunst erkennt.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnementl-Preis bei der Expe­dition 2*/4 Mk., bei den Postämter 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld». Jnserli-nsgedühr für di« gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

ist in ihren Mitteln niemals sehr wählerisch gewesen, wenn sie nur das erstrebte Ziel erreichen halfen. Ihre einzige Besorgnis war stets, trotz der ange­wandten Mittel möchte der erhoffte Erfolg ausbleiben. Auch jetzt hat die russische Politik wieder so ein Mittelchen angewendet, um ein lange gehegtes Ver­langen erfüllt zu sehen, nämlich das Verlangen nach dem Besitz der afghanischen Grenzfestung Herat, dem sogenanntenSchlüssel von Indien." Die ganze Schlauheit der Petersburger Politiker tritt in dieser Angelegenheit hervor. Als General Skobelew 1879 den entscheidenden Sieg über die Teke - Turkmenen erfochten, und damit die russischen Grenzen Afghanistan um ein bedeutendes Stück genährt hatte, erfolgte von der russischen Hauptstadt nach London die feierliche Versicherung, man werde nun keine Eroberungen weiter machen. Fünf Jahre später waren die Russen trotzdem in Merw. Erobert hatten sie Merw nicht, die Turkmenen dieser Stadt waren durch reichliche Rubelspenden bewogen, sich dem Zaren freiwillig zu Mterwerfen. Als sie Merw hatten, beanspruchten die Russen für ihre neuen Unterthanen deren ganzes Stammgebiet. Darüber kam es zum bekannten afghanischen Grcnzstreit und endlich zur Grenzregu­lierung, welche die Kosaken auf 70 Meilen an Herat brachte. Draußen vor der schönen Stadt zu stehen, kein Vergnügen, und deshalb wird jetzt der Ein­marsch vorbereitet. Vielleicht ein halbes oder ganzes Fahr dauert es noch und die Russen werden in Herat sein.

Ihr Plan ist sehr schlau. Der Emir von Afghanistan schlägt sich schon Monate lang mit seinen aufständischen Unterthanen herum und es will zu keiner Entscheidung kommen. Unter derEntscheidung" versteht man in Rußland die Vertreibung des Emirs Abdurrahman und in der darauf folgenden Anarchie würde der Rubel schon dafür sorgen, daß auch die Bewohner von Herat die Ruffen zum Schutze herbei-

,Zwet hat er. Ein Fräulein ist schon groß, und eine ist noch klein und bekommt Unterricht von einem Lehrer, den sie im Hause haben.' 1

«Du weißt ja sehr gut Bescheid, wie» dazugeht," lachte der Reisende.

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Im Bauue der Verhältnisse.

Roma« von Theodor Mügge.

(Nachdruck verboten.)

Nicht weit vom altertümlichen Thore einer leb, haften Kreisstadt machte die Laudstraße, statt gerade­aus darauf los zu gehen, einen Bogen, denn ihr im Wege lag ein ziemlich ansehnliches Haus mit feinen Nebengebäuden. Ein Gartengebäude lief weit da­hinter fort, und wo eS aufhörte, begannen Waldhügel uit hohen Bäumen besetzt, an deren Gipfeln der rote Abendschein glühte.

Abendlich still dämmerten auch Luft und Land und ießen sich von den Heimchen und Heuschrecken in den «chlaf singen; nur ans der Landstraße klapperte eine Postkalesche der Stadt zu und wirbelte eine Staub­wolke auf. Ein paar Koffer waren hinten aufge. schnürt, und unter dem weit überhängenden Halbdeck aßen zwei Reisende in Mäntel gehüllt und In die «ken gelehnt. Bei der Dämmerung ließ sich nichts Leiter von ihnen erkennen; als aber der Wagen dem tandhause näher kam, richtete der eine sich auf und ireckte den Kopf vor. Die Stadt lag vor ihm mit hren allen spitzen und zackigen Thürmen, welche sie u den Hussitenkriegen uneinnehmbar gemacht hatten, aber mit ihren Epheugewiudeu als ein malerisches ^tück Mittelalter allein von der allen trotzigen Wehr- laftigkeit übrig geblieben waren. Blauer Luft ver­mischte sich mit Nacht und Ranch, umduukelte den Wohnplatz der friedlichen Bürger; grünende Felder tob Matten, der Wald jensestS auf der Höhe und in Fluß, deffen Helles Bett in manchen Windungen »ch verfolgen ließ, bildeten einen artigen Rahmen dazu.

Der Reisende that einen raschen Blick darauf, >ton heftete sich seine Aufmerksamkeit auf daS uahe ?ans. Er hatte ein wohlgeformtes, feines Gesicht tob klare, scharfe Augen darin.

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Für den Monat September nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten) Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung

mit bereu Beiblättern '

entgegen.

In Kirchhain sind Bestellungen an unsere Agentur (Herrn Buchbinder Rindt) und in hiesiger Stadt an die Expedition zu richten. Von letzterer werden auch Wochen - Abonnements L 20 Pfg. angenommen.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.

Expedition: Markt 21. Reaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

.Schläfst Du?' rief er feinen Gefährten an. e» . »Ich wache eben auf,* war dessen Antwort. »Wo |tob wir denn?'

i .Er ist lange Offizier gewesen unter dem Na. l poleou, hat den fpanischeu Krieg mitgemacht und auch den gegen die Russen. Der fragt wenig danach, wenn er in Wut ist; hinterher hatS ihm leid gethan, ob.

. wohl er freigesprocheu wurde in dem Prozeß, den sie f ihm machten. Während MathiS im Gefängniffe faß, i hat er Frau und Kind erhalten und jetzt, wo Jener wieder los ist, gibt er noch. ES follS keiner wissen, i aber eS ist doch bekannt, wenn auch der Mathis schimpft. Nah!'

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Deutsches Reich.

Babelsberg, 30. Aug. Gestern waren Prinz und Prinzessin Wilhelm bei den kaiserlichen Maje­stäten zum Thee. Heute vormittag nahm der Kaiser die Vorttäge des Oberhof- und Hausmarschalls Grafen Perponcher, des Oberstallmeisters von Rauch und des Chefs des Militärkabinetts, Generals von Albedyll entgegen. Nachmittags um 1 Uhr empfing der Monarch Herren und Damen der Potsdamer Gesell­schaft. Zum Diner um 4V2 Uhr sind einige Herren geladen. Im Laufe des morgigen Tages findet die Rückkehr des kaiserlichen Paares nach Berlin statt

Berlin, 30. Aug. Betreffs der zu bildenden Aktien-Gesellschaft für Spiritusverwertung wird der Nat.-Ztg." mitgeteilt, die Brenner würden sich bis zum 15. September an den Vertrag gebunden er­klären und das Finanzkonsortium würde sich seine Entscheidung nach Maßgabe des Resultats am 15. Sept. Vorbehalten. Die diesjährige Uebnngsreise des großen Generalstabes, die soeben beendet wurde, war nach derKreuz-Zig." recht anstrengend; sie begann in der bayerischen Pfalz, ging den Saarfluß hinaus und endete in Saarbrücken. Am letzten Uebungs- tage fuhren die Herren nebst den Pferden auf einem Exttazuge nach Bolchen, ritten dann unter Zugrunde­legung von strategischen Aufgaben die 45 Kilometer lange Sttecke von dort bis Mörchingen, woselbst sie wieder mit ihren Pferden den Extrazug bestiegen und gelangten damit wieder an den Ausgangspunkt der Uebung zurück. DasAvenir militaire" schreibt über diese Uebung u. a.:Wir wissen nicht, welches Thema der Generalfeldmarschall Graf Moltke seinen Offizieren zu lösen gegeben hat, jedenfalls war es sehr interessant; denn die Reise fing in Rhein-Bayern krumme Straße hinauf, au der Kirche vorüber auf dm Marktplatz, wo sowohl die Post wie der Gasthof zum roten Bären standen, und da dieser der aner. kannt beste von den dreien war, unter denen die Aus. wähl offen stand, und die Reisenden expreß nach dem besten verlangt hatten, fuhr er sie dahin und blieS aus Leibeskräften, sobald er um die Ecke bog.

Der Wirt kannte das Zeichen. Der Kellner lief vor die Thür, er selbst kam hinterher. Es langten nicht viele Fremde hier an, um zu übernachten, die meisten fuhren weiter; eine Extrapost war aber immer ein wichtiges Ereignis. Ein Dutzend barfüßige Jungen [?nnVon aCcn Setten herbei, am Brunnen blieben die Mädchen stehen, und hinter den Scheiben der Fenster zeigten sich neugierige Gesichter. Vor dem Wirtshause standen eine Menge Baueinwagen mit Ksrnsäcken beladen, denn am nächsten Tage war Markt, und zur linken Seite im Hause befand sich in üblicher Weise die Schänkstube für das Volk, rechts dagegen ging es in die Gastzimmer für die vornehmere Gesellschaft. 1

Der Wirt hals den beiden Herren beim Aussteigeu. Es war ein gemütlicher dicker Wirt von der alten Art, ohne übermäßige Höflichkeit, aber mit einem zutraulichen und herzlichen Anstrich. Er sah gleich ein, daß er es mit Leuten zu thun hatte, die ihn in Atem setzen wurden.

.Zwei Zimmer,' sagte der feine, schlanke Herr, welcher mit dem Postillon gesprochen hatte.

.Sehr wohl, mein Herr,' erwiderte der Wirt. .Die besten,' fuhr der Reisende fort.

.Werde nicht ermangeln,' sagte der Wirt.

.Sie haben doch gute Betten?'

.Ganz neue Betten.'

.Soffen Sie uns sehen,' sagte der Reisende, in» dem er einen mißtrauischen Blick auf das Haus warf.

b" Ubcr8<,1Iflnn9 aber, daß auf jeden Fall nichts rbrtg bleibe, als anzunehmeu, was geboten wurde, fugte er hinzu: .Lasten Sie die Koffer abschnallen und den Wagen räumen."

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aufgewendet werden, sie schnellstens in eine vorteil­haftere und angenehmere umzuwandeln. Widerspruch gegen eine Okkupation von Herat wird auch England kaum erheben. In London mußte man schon bei der Unterzeichnung des letzten Grenzverttages, daß derselbe nicht dauernd bestehen bleiben würde.

Die Vertrauenswürdigkeit der Kanzlerpolitik.

Zn den regelmäßig wiederkehrenden Beschuldi­gungen der Freisinnigen gegen die Anhänger der Bismarckschen Reichs- und Wirtschaftspolitik gehört auch die, daß sie dem Erfolge nachgingen. Man wird anerkennen können, daß es verkehrt wäre, sein Urteil lediglich und in allen Fällen von dem Erfolge bestimmen zu lasten. Auf der anderen Seite aber läßt sich bei unparteiischer Würdigung nicht ver­kennen, daß der Erfolg ein für die Beurteilung keineswegs unwesentliches Moment bildet, welches sehr wohl und namentlich bann entscheidend für oder gegen in die Wagschale fallen kann, wenn die Gründe und Gegengründe im Uebrigen sich das Gleichgewicht halten. Denn der Erfolg ist in der Politik nicht, wie in der Lotterie, das Ergebnis des blinden Zu­falls, sondern wird in der Regel bedingt durch die richtige Beurteilung der thatsächlichen Verhältnisse und die kräfttge und energische Durchführung der danach als richtig erkannten Maßregeln. Wie dem Feldherrn, so läßt sich dem Staatsmann im Einzelnen nachweisen, auf welchen Eigenschaften des Geistes und des Charakters Erfolg und Mißerfolg beruht, und einem Staatsmann, welcher in einer bald ein Vierteljahr­hundert umfastenden leitenden Stellung eine nahezu ununterbrochene Kette von Erfolgen aufzuweisen ver­mag, steht die Vermutung hervorragender Staatskunst so gut zur Seite, wie dem Feldherrn, welcher das vaterländische Heer von Sieg zu Siege führte, der Ruf des berufensten Schlachtenlenkers. Das Ver­trauen, welches das Volk dem erfolgreichen Staats­manne entgegenbringt, beruht sonach nicht auf Ver­blendung , sondern auf richtiger Würdigung der vorhandenen thatsächlichen Momente. Oder sollte etwa das deutsche Volk auf dem Gebiete der aus- wärttgen Politik jenen Kritikern des leitenden Staats­mannes das größere Verttauen entgegenbringen, welche uns 1863 mit Rußland verfeinden und damit der wirksamen Rückendeckung in den Jahren 1866 und 1870 berauben wollten oder welche ange­sichts des französischen Krieges uns einseitige Ab­rüstung empfahlen? Sollte das deutsche Volk auf wirtschaftlichem Gebiete denjenigen Polittkern sein Vertrauen zuwenden, welche in theoretischer Vorliebe

Wenns Fräulein nicht wäre, so wärs noch schlimmer,' sagte der Postillon. ,Jm Grunde ist er auch gut, denn Geld ästimiert er nicht, und wo was zu geben ist, ist er allemal da.'

.Hat er denn so viel zu geben?' fragte der Fremde.

«Na, er nimmt schönes Geld ein, aber übrig wird wohl nichts bleiben. Wie er im vorigen Jahre die Mühle neu baute, hat er borgen müssen. Es geht alles drauf. Wer da kommt, ist gut ausgenommen, und früher giugs noch größer her, ober das Fräu. lein ist jetzt an der Spitze und hälts bester zusammen.'

.Wohnt er schon lange hier?'

«An die zehn, zwölf Jahre. Er hat alles geerbt* »Den Acker hat er verpachtet?'

-Den hat er verpachtet, blos die Jagd hat er be­halten, denn das Jagen ist seine Sache und darin versteht er keinen Spaß. Wenn sie ihm Holz stehlen, das kann er leichter ertragen, aber mit Wilddieben hat er kein Erbarmen. Einen hat er lahm geschossen, es ist noch nicht zwei Jahre her. Der Fuß wird dem Mathis nicht wieder gerade."

DaS ist ja ein alter Sakermenter!'

Warum sollt ich nicht?' erwiderte der Postillon. ,J- bin ein Paar Jahre bei ihm gewesen, daraus bin ich Postillon geworden. Aber ich wollte, daß ich e» nicht gethan hätte.'

.Schäme Dich,' scherzte der Fremde, .man muß niemals bereuen, was man gethan hat'

.Das ist wohl wahr,' meinte der Postillon, ,ge- chehene Dinge find nicht zu ändern, und gefallen kann man fich auch nicht alles lasten.'

.Es ist also wohl ein böser Herr?'

»Böse ist er eigentlich nicht, das kann man nicht agen, aber hitzig. Alle Donnerwetter kriegt man auf den Hals, sowie das Geringste los ist.*

I »Da muß mit ihm schlecht Kirschen effen sein.*

riefen. Weil die Sache aber nicht recht vom Flecke will, haben russische Agenten etwas Feuer dahinter gemacht: der afghanische Thronprätendent Ejub Khan ist aus Teheran, wo er interniert gehalten wurde, entflohen und damit bekommen die Dinge in Afghanistan ein ganz anderes Gesicht. Ejub ist der Sohn Schir Alis, gegen den Lord Beaconsfield 1878 den un­heilvollen Krieg zurGewinnung einer wissenschaft­lichen Grenze Indiens" begann. Als Schir Ali kurz nach dem Einrücken der Engländer gestorben war, folgte ihm sein ältester Sohn Jakub Khan, der, ohne einen ernstlichen Schlag zu wagen, Frieden mit den Engländern schloß und ihnen eine Gesandtschaft in Kabul zugestand. Kurz nach seiner Ankunft daselbst wurde indesien der englische Gesandte Major Conagnari ermordet. Eine heranrückende englische Armee nahm Jakub gefangen, der des Thrones verlustig erklärt wurde, weil Verdacht wegen Mitschuld am Tode Canagnaris gegen ihn vorlag. Ein Aufstand der Afghanen zwang indessen den englischen Oberbefehls­haber Roberts zum Verlassen der Hauptstadt, der er sich erst wieder bemächtigen konnte, nachdem er die Afghanen aufs Haupt geschlagen hatte. Mit Umgehung von Jakubs Bruder Ejub, der als Statthalter von Herat bisher am Kriege nicht teilgenommen hatte, wurde von den Engländern der landflüchtige Vetter Abdurrahman, der in Taschkerad russisches Gnaden­brot, auf den afghanischen Thron gesetzt, nachdem er feierlich der russischen Freundschaft entsagt hatte. Darüber war der Sommer 1880 herbeigekommen. Der durch die Bevorzugung seines Vetters gereizte Ejub erklärte sich als Feind der Engländer und rückte mit 10 000 Mann von Herat auf Kandahar vor, in besten Nähe er dem englischen General Burrows bis zur Vernichtung schlug. Ejub benutzte aber seinen Sieg nicht, vergeudete seine Zeit mit der Belagerung von Kandahar und wurde am 1. September von dem in Eilmärschen herbeigeeilten englischen General Roberts vollständig geschlagen. Ein Jahr hielt er sich noch in Herat, mußte dann aber nach Persien fliehen, wo er in Teheran interniert wurde, aber sichtlich russischen Schutz genoß. Russische Agenten haben ihm auch zweifelsohne den Weg zur Flucht geebnet und kommt er nach Afghanistan, so hat er große Aussicht, seinen Vetter zu verjagen. Rußland sieht dem Allen an­scheinend mit Seelenruhe zu. Es hat ein neues Register aufgezogen, einen neuen Zwischenfall einge­leitet, der, wenn er im russischen Sinne verläuft, Herat dem Zaren zu Füße« legt, ohne daß es besondere Anstrengung kostet. Die russische Stellung kurz vor Herat ist eine unnatürliche und deshalb wird alles

.Dicht bei der Stadt. Und dies hier muß das Haus fein.*

»So?" sagte der andere Herr, indem er gähnte, seine Augen rieb und dann ebenfalls hiuauSschaute .glaubst Du es?'

Nach dem, waS man uns berichtete, scheint es mir gewiß zu fein. Wir wollen uns gleich davon überzeugen. Heda, Schwager, weißt Du, wer hier wohnt?"

Der Postillon wandte fich um, nahm die kurze Pfeife aus dem Munde und sagte:Hier wohnt der Herr Major von Brand, und daS ist sein Gut. Der ganze Wald gehört dazu, der Acker da drüben auch, und die große Wassermühle unten vor der Stadt ebenfalls. Er hat aber alles verpachtet.'

Er ist also wohl nicht hier?'

Ja freilich ist er hier, in dem Hause wohnt er ja.' Hat er keinen Sohn?'

Einen Sohn hat er, der ist aber weit fort Er st beim obersten Gerichte.'

Töchter hat et auch?'

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler

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Donnerstag, 1. September 1887. ''W in Frankfurt a. M Berlin, MünchenU. Köln; G. L. AAU1 ^ayrgang ______________________________ Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Pari».