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Illustriertes Soniitagsblatt.
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seine Regierung während eines ganzen langen Jahres verstanden, ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit treu zu bewahren. Man hat sich von dem anfänglich gar zu bedächtig erscheinenden Fürsten Ferdinand wenig versprochen; jetzt hat er gezeigt, daß er doch ein sehr kühnes Wort zu reden versteht. Die Proklamation, welche er nach seiner Eidesleistung auf die Verfasiung von Tirnowa aus erlassen hat, ist ein offener Absagebrief an den Zaren, der junge Fürst kann nach diesem Schriffftück auch nicht entfernt auf eine Verzeihung des Zaren hoffen. Er dankt den Regenten und dem ganzen Volke für die mutige Wahrung der bulgarischen Selbständigkeit, er redet von einem freien Bulgarien, dem noch eine glänzende Zukunft winke, weist hin auf das alte mächtige bulgarische Zarenreich, aber von dem Zaren in Petersburg , von den hohen europäischen Großmächten sagt er keine Silbe. Mit den Großmächten hat er es verdorben, aber sein Volk vorläufig gewonnen. Es kommt nun darauf an, ob letzteres einig in der Treue zu dem jungen Fürsten bleibt. Gegenwärtig ist der Empfang in allen bulgarischen Städten der enthusiastischste, alle Militärkommandanten haben sich für den Fürsten ausgesprochen; die Flitterwochen der fürstlichen Herrlichkeit sind also ganz angenehme, aber so bleiben wird es schwerlich. Fürst Ferdinand hat jetzt lauter Sonnenschein über sich und um sich; es giebt aber Sturmwind, und in gefahrvollen Lebenslagen bewährt sich erst der Mann.
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
Nachdruck verboten.
wähle» zu können, die er zur augeublicklichea Verwendung brauchte? Es mußte wohl ein ähnlicher Vorgang statt gefunden haben, denn Frau Barlandt, nachdem sie den Namen gehört, verspürte tu ihrem Kopf einen mit einem sonderbaren Klingen verbundenen erschütternden Stoß, der sie einer Ohnmacht nahe brachte, so daß sie sich an einem kleinen Tisch halten und die Augen schließen mußte. Aber in dem nächsten Augenblick öffnete fie dieselben wieder und richtete fie forschend auf das vou dem Wiederscheiu des Abendrotes hell beleuchtete edle und immer noch schöne Gesicht Borgfelds, und in demselben Augenblick hatte sie ihn erkannt. Mt dem lauten Aufschrei: „Heinrich, ja, Du bist es!' stürzte fie ihm entgegen und sank schluchzend an seine Brust.
Eine volle Minute verging, ohne daß die beiden so lauge getrennt gewesenen Liebenden fähig waren, ein einziges Wort hervorzubringen. Borgfeld glaubte, daß er sich mitten in einem Traum befände, und als er endlich im Stande war, zu sagen: „Bist Du es denn wirklich, Gertrude?' da fürchtete er, daß nun sofort der Traum zerriuuen müsse. Aber nein, es konnte ja kein Traum sein, denn er fühlte das Herz der Teuren an seiner Brust schlagen, fühlte den warmen Atem, die heißen Thränen, eS war kein Traumbild, das er iu seinen Armen hielt, sondern entzückende Wirklichkett.
„Ja, ich bin es,' erwiderte fie, bog den Kopf zurück und sah ihm in die Augen, „ich bin Deine Gertrude, jetzt weiß ich, daß ich so heiße. Lange, lange Jahre hindurch hatte ich das Gedächtnis au alles, waS hinter dem Tag meiner Erkrankung lag, vollständig verloren. Auch Dein Blld, Dein Name, unsere Liebe war aus weinen Erinnerungen verschwunden, jetzt mit einem Male tauchen fie wie aus einem dichten Nebel wieder hervor. Sage mir, wie hieß der Ort, wo wir uns kennen lernten?'
„Es war in Rodenberg, wo ich als Referendar am Gericht arbeitete.« , .
„Rodenberg, — ganz recht, wir vohnteu iu dem
weckt, die Pläne über Umbildung des Ministeriums sind von neuem hervorgetreten, werden aber vor dem Herbst schwerlich eine Lösung finden. Lord Salisbury hielt eine Rede, in welcher er aussprach, er halte den Frieden für gesichert, und in der er namentlich das Uebereinkommen mit Rußland wegen der afghanischen Grenze herausstrich. Im Anschluß daran ist die Mitteilung aufgetaucht, Rußland und England hätten beschloffen, Afghanistau unter sich zu teilen, falls der Emir sterben oder verjagt werden sollte. — In Italien ist die Cholera fast überall im Nachlaffen. Leider kommen aber Ausschreitungen noch immer in bedeutender Anzahl vor.
Eine Anerkennung des Fürsten Ferdinand durch die Großmächte ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Rußland bekennt sich als seinen entschiedenen Gegner und droht, den Berliner Vertrag zerreißen zu wollen, wenn irgend eine Macht die Anwesenheit des Koburgers in Bulgarien gutheiße. Am fatalsten ist die ganze Geschichte für die Türkei. Rußland protestiert laut gegen die Wahl des Fürsten Ferdinand und verlangt, der Sultan solle mitthun. Der hat aber keine Lust, den Bulgaren vor den Kopf zu stoßen, die ihm schließlich doch einmal von Nutzen sein könnten und fragt nun wieder bei den Großmächten an. So wird wieder ein Aktenstoß nach dem anderen vollgeschrieben, aber an eine bewaffnete Intervention in Bulgarien ist in keiner Weise zu denken. Rußland möchte wohl, aber Oesterreich duldet es nicht. Deuffchland stellt sich streng auf den Boden des Berliner Vertrages, dem die Anwesenheit des Fürsten Ferdinand in Bulgarien widerspricht. Nur so ist es auch möglich, einen Konflikt zwischen Rußland und Oesterreich zu verhüten, welchen die orientalische Frage sonst nur zu leicht herbeiführen kann.
Die Woche hat wohl die totale Sonnenfinsternis gebracht, aber bei Weitem keine Verfinsterung des politischen Himmels. Eine kleine dunkle Umrandung mag eingetreten fern, aber weiter nichts, und von der ist gegenwärtig noch nicht allzuviel zu fürchten. Der europäische Friede hat in den letzten fünf bis sechs Jahren schon manchen gehörigen Stoß auShalten müssen und ist heil geblieben, also wird er auch wohl wegen der Reise des Koburgers nicht in die Brüche gehen, obgleich die Reise plötzlich ein ganz anderes Gesicht bekommen hat. Gerade vor einem Jahre wendeten sich auch alle Blicke nach Bulgarien: Fürst Alexander verließ damals sein Land infolge des schändlichen Bubenstreiches von Sofia; jetzt zieht sein Nachfolger ein, nachdem es das bulgarische Volk und
„Wollen Sie sich nicht setzen, bis Roderich kommt!? sagte sie und wies mit der Hand auf einen Lehnsessel, der schon im Bereich des Hellen Lichtes stand.
Borgfeld hörte kaum, was sie sagte, so sehr war er in ihrem Anschauen verloren. Eine so merkwürdige, kaum faßbare Aehulichkeit hatte die Natur bis dahiü noch nie geschaffen. Wäre ihm nicht als verbürgt und verbrieft mitgeteilt worden, daß die Geliebte seines Herzens, die in Rom von ihrem Vater gezwungen worden, einem ungeliebten Manne die Hand zu reichen, gestorben sei, er hätte auf den Gedanken kommen können, daß sie und Roderichs Mutter ein und dieselbe Person seien. Er sah indessen wohl ein, daß hier nur ein Spiel der Natur seine schmerzlichen Erinnerungen in einer Weise wachgerufeu, als wäre erst vor Kurzem das gauze Unglück auf ihn eingestürmt, er wurde aber einen Augenblick so sehr von ihnen ergriffen und erfaßt, daß er die Gegenwart darüber vergaß. Und während er fast mechanisch sich anschickte, der Aufforderung sich zu setzen, Folge zu leisten und aus dem dämmerigen Hintergründe des Zimmers in de» lichtvolleren Vordergrund trat, entschlüpfte ihm, wenn auch uicht laut, doch immerhin doch deutlich genug, das eine Wort „Gertrude'.
Hatte er diese» Namen früher in gleicher Weise, « gleichem Tonfall öfter gerufen? War der Klang wie ein elektrischer Funke in den Gehörnerven weiter geleitet worden and wie ein Blitz in das Bollwerk gefahren, welches fest gefügt sich inmitten deS Gedächtnisses aufgebaut und die alten und neuen Er. illnerungen durch eine feste' Wand geschieden hatte, so daß diese zertrümmert zusammensank und das helle Acht in den bis dahin verdunkelten Raum drang? War dadurch dem Geiste ein freier Eingang gestattet, um »»ter den tausenden von an einander gereihten Bilder» aus der Vergangenheit sich diejenigen auS-
Wocheufcha«.
Kaiser Wilhelm verlebt nach der Rückkehr aus Wildbad Gastein auf Schloß Babelsberg, wo nun auch die Kaiserin Augusta eingetroffen ist, ruhige, bei Erholung gewidmete Tage. Die Dauer des Aufenthaltes auf dem hohen Havelfchloffe hängt von bet Witterung ab. Auf Babelsberg empfing der Kaiser auch den Reichskanzler Fürsten Bismarck vor befien Abreise nach Kis singen. Im Schlöffe zu Pots- bam fand die Nagelung und Weihe der 29 Fahnen ber am 1. April dieses Jahres neu errichteten Regimenter und Bataillone statt, in Babelsberg war Galadiner zur Feier des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich, beiden Akten konnte jedoch der Kaiser wegen Unwohlseins nicht beiwohnen. Der Kronprinz wird bis Ende d. M. in Branmar m Schottland bleiben, deffen stärkende Lust chm vortrefflich bekommt.
Auch in der inneren Politik ist es in dieser Woche wieder lebhafter zugegangen. Die früher im Umlauf befindlichen Gerüchte von einer Reichstagsnachsession find zwar völlig verstummt, aber es scheint sicher zu fein, daß die längst erwartete Vorlage über die Erhöhung der Getreidezölle ausgearbeitet ist und binnen Kurzem den verbündeten Regierungen zur Kenntnisnahme zugehen wird. Den Hauptgegenstand der Erörterung blldete aber der plötzlich aufgetauchte Plan betreffend die Gründung einer großen Aktiengesellschaft , welche den gesamten deutschen Spiritus- Handel in ihren Händen konzentrieren will. Ob die Idee zur Ausführung gelangt, wird binnen Kurzem sich zeigen.
In Paris geht es jetzt recht still z»; man lebt in Erwartung der Anfang September beginnenden Probemobilisierung, die der französischen Militärverwaltung neuen Ruhm bringen soll. Inzwischen reist der Revanche-Apostel Töronlöde noch immer in Rußland herum und läßt sich beweihräuchern. In Nischnei- Nowgorod hat sogar der russische Gouverneur in voller Uniform mit Herrn Däroulöde auf die russisch- französische Freundschaft getoastet. Darob Jubel in Paris, aber der hinkende Bote kam nach. Ein rufsisches Regierungsblatt erklärte m dürren Worten, Rußland könne niemals der Freund eines radikalen, boulangistischen Frankreich sein; nur eine gemäßigte französische Regierung könne auf seine Sympathiecn rechnen. Das war eine bittere Pille.
Der Stern des alten Gladstone scheint im Wiederaufgehen begriffen. Abermals hat seine Partei bei einer Ersatzwahl zum Parlament einen Erfolg davongetragen. Bei der Regierung hat das Bedenken er-
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lug. «och.
in Potsdam besucht; der am Abend aber eintretende Umschlag des Wetters, der starke Niederschläge mit sich brachte, scheint das Unwohlsein des Monarchen erzeugt zu haben. — Der „Voss. Ztg.' wird aus Londoner zuverlässiger Quelle folgendes über das Befinden des Kronprinzen mitgeteilt: „Das gegenwärtige Befinden des Kronprinzen ist völlig befriedigend, und es ist jede Aussicht auf eine dauernde Heilung seines Uebels vorhanden. Andererseits wird der Heilungsprozeß jedoch höchst wahrscheinlich nur langsam von Statten gehen. Die Wucherung ist nicht wieder zum Vorschein gekommen, gleichwohl ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, daß sie noch mehrere Male zum Vorschein kommen wird, ehe eine vollkommene Heilung bewerkstelligt ist. Das beunruhigendste Symptom ist eine beständige Neigung sich zu erkälten oder, um es genauer auszudrücken, die frühere Neigung zu einer Kongestion der Schleimhäutchen des Kehlkopfes in verschiedenen Teilen dieses Organs. Diese subin- flammatorischen Anfälle dürften eine Verdickung der Stimmbänder verursachen, was, wenn derselben nicht Einhalt gethan wird, Heiserkeit erzeugt. Solche Kongestionsanfälle werden herbeigeführt, wenn man sich den Luftströmungen in abspannenden Himmelsstrichen , sowie auch den Einwirkungen einer kalten feuchten Atmosphäre aussetzt. Vorübergehende örtliche Kongestionen des Kehlkopfes enfftehen auch durch zu häufigen oder zu langen Gebrauch der Stimme. Dem Kronprinzen wird demnach wahrscheinlich anempfohlen werden, den Herbst im Norden Italiens zuzubringen und wenn er vorher nach Berlin zurückkehrt, wird er genötigt sein, sich des Gebrauchs seiner Stimme zu enthalten." Das bestätigt unsere eigenen Meldungen, lautet aber gleichzeitig leider in feinen Einzelheiten viel weniger zuversichtlich als die früheren Voraus- fagen des Dr. Mackenzie. — Justizminister Dr. Friedberg ist aus Ems wieder eingetroffen. — Der Land- wirtfchaftsminister Dr. Lucius ist nach England abgereist. — Die „Kreuzztg." meldet aus Paris, daß bei dem bevorstehenden Mobilmachungsmanöver Berichterstatter ausländischer Zeitungen nicht zugelaffen werden. — Fürst Bismarck hat, wie sich jetzt herausstellt, für seine Person als Brennereibesitzer die Beteiligung an dem Spiritusringe abgelehnt. Er hat uämlich der „Schles. Ztg.' zufolge den in Breslau tagenden Branntweinbrennern etwas wesentlich anderes depeschiren lassen, als ein hiesiges für das Projekt der Spiritusmonopol-Bank gewonnenes Börsenblatt gemeldet hat. Geheimrat Rottenburg hat in seinem Namen depeschiert: „Se. Durchlaucht hält das Unternehmen für ein nützliches und wünsche demselben gutes danke» überrascht, stehe» unb sagte in einem ängstlichen Tone:
»Habe ich auch wie ftüher ein Recht, diese Hand zn fassen, mein Haupt a» Deine Brust zu legen? Hat nicht eine andere größere Rechte! Heinrich, bist Da vermählt?'
„Nein, Gertrude, ich bin nnvermählt geblieben, nie habe ich den Schmerz überwinden können, de» Dein Verlust, die Nachricht von Deinem Tode mir bereitet haben, nnb niemals hätte ich nach Dir ein anderes Weid wieder lieben können.'
,.D» lieber, lieber Mann, so sehr hast Du mich geliebt, und ich, ich ward Dir untreu? Ach, wenn Du wüßtest, wie sehr man mich bestürmte, wie sehr man mein kindliches Herz bedrängte! Der Vater wäre verloren, der Not preisgegeben gewesen, wenn ich ihn nicht gerettet hätte. Doch höre meine traurige Geschichte von Anfang an.'
Sie gab jetzt einen umständlichen Bericht vou de» Ereignisse» in Rom bis zu dem Eintritt iu die Jrreu- austalt zu Weißenberg. Nur selten hatte fie nötig, fich auf einzelne Thatsacheu erst lange zu befiuueu, so vollständig hatte jenes eine kleine Wort ihr Ge. dächttlis wieder hergestellt. Daraus schilderte fie ihr ganzes ferneres Leben bis zu dem Augenblick, wo Roderich ihr vor einer Stunde die beglückende Mitteilung gemacht, daß sie feine Mutter fei.
. Borgfeld folgte ihr mit gespanntem Ohr, er war glücklich, selig und fühlte sich zu neuem Leben erwacht. Mit seinen Armen umschlang er die alte Geliebte, die wie eine junge Braut sich au ihn schmiegte, und ihu herzte und küßte.
„Es ist fast dunkel geworden," sagte fie, nachdem fie ihre Erzählung beendet, „ich kau» Dein Gesicht nicht mehr sehen und möchte Dir doch stets in die Augen schauen."
Sie erhob fich und suchte im Zimmer umher nach einem Stteichhölzchen. Borgfeld stand ebenfalls a»f, zog, ihr zuvorkommend eine Zündholzdose mä der Tasche und entzündete einen Arm der GaSkroue.
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Deutsches Reich.
Berlin, 19. Ang. /Offiziell./ Der Kaiser ist infolge des plötzlichen Umschlages des Wetters von einer Erkältung befallen, welche sich hauptsächlich durch zeitweise auftretcnde rheumatische Schmerzen äußert. Bei der gestrigen Fahnenweihe war der Kaiser durch die Kaiserin, nicht durch den Prinzen Wilhelm, ver- tteten. — Die Nachrichten von einer neuerlichen. Erkrankung des Kaisers haben, wie der „M. Ztg.' berichtet wird, hier in weiten Kreisen Beunruhigung hervorgerufen. Zum Glück verlautet, daß dieselben völlig grundlos sind. Der Kaiser leidet an einer leichten Erkältung, welche wie in früheren Fällen sich auch diesmal auf Organe des Unterleibes geworfen und das alte Blasenleiden wieder hervorgerufen hat. Die Aerzte glauben sicher in wenigen Tagen die völlige Wiederherstellung des Kaisers bewirken zu können. Es soll, wie wir vernehmen, die Erkältung des Kaisers am Dienstag, dem Tage der Rückkehr der Kaiserin, erfolgt sein. Der Kaiser hatte sich an diesem Tage überaus wohl befunden und sogar die Marinestation
großen Eckhause am Markt, wir sahen uns heimlich 'm Pavillon unseres Gartens, weil wir uns vor meinem Vater fürchteten. Oh, eines nach dem andern kommt mir wieder in die Erinnerung! Wer war mein Vater?'
„Herr v. Wesselbach.'
„Ja, ja, ich sehe ihn plötzlich wie lebend vor mir stehen!'
Sie schwieg einen Augenblick und sah starr vor sich hin, als wenn sie in wette, wette Fernen blickte.
Da riß sie fich von Borgfelds Brust mit einer ungestümen Bewegung los unb rief mit lauter Stimme:
„Nun weiß ich alles, allmächtiger Gott — alles, alles!'
Sie streckte die Hände von fich, als wenn sie etwas Entsetzliches, was ihr zu naben drohte, vou sich ab- wehren wollte, wobei sie wieder starr und ängstlich auf einen bestimmten Fleck schaute, darauf verschwanden wieder die Wolken auf ihrer Stirn, ein glückliches Lächeln umspielte ihre Lippe» und mit den Worten: „Gott sei Dank, daß diese fürchterliche Zeit nicht wieder kehren kann,' ergriff sie Borgfelds Hand und fuhr fort, auf das Sopha deutend: „Setze Dich neben mich, mein Geliebter, dann will ich Aug in Auge, Hand in Hand mit Dir, gerade so, als säße» wir noch jetzt im verschwiegenen Pavillon unseres Gartens zu Rodenberg, Dir die ganze Kette meiner Leiden erzählen, die mich seit unserer Trennung in so furchtbarer Weise getroffen. Ich glaube kaum, daß mich mein Gedächtnis, selbst in Kleinigkeiten, noch im Stich lassen wird, denn alles, was geschehe», steht mir in blendender Deutlichkeit vor Augen.'
„Sprich, Gerttude, wie ist es möglich, daß Du lebst? Ganz Rodenberg glaubt ja doch, daß Dn gestorben seiest.« ,
„Ich entfloh meinem tyrannischen Gemahl, man wird mich gesucht nnb nicht gefunden und vielleicht für nmgekomrneu, verunglückt gehalten haben.«
Sie zog ihn »ach dem Sopha hin, doch blieb fie auf halbem Wege, wie von einem plötzlichen Ge
lt wird nwalts- 'lägigev lfe ge- Exped. [4509 fichaelir idche» gesucht Exped" [4447
»vier ifen.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Siliert-»*!»-»**** Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte»,
Feiertagen. - Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expe- II» sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasensteiu und Bögler
dition 2*/4 Ml-, bei den Postämter 2 Mk 50 Pfg. (exkl- oo in Frankfurt a. UL, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXD. Habraana.
Bestellgeld). Jnsertr-nsgebühr für drr gespaltene Zeile SOtlltttttt, 21. ÄUllUll 1887. Mvffe in Frankfurt a. M., Berlin, Münchenu. Köln; G. L.
10 Pfg-, Reklamen für die Zeile 25 Pfg. ° 1 Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Pari».