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Marburg, Freitag, 19. August 1887.

XXII. Jahrgang

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1 So weit sind wir noch lange nicht und werden auch v nie dahin kommen, daß die Maschinenkraft die Menschen- rer 1 arbeit völlia ersetzt. Und ffl

Wie, auf Hellenborn? Wo erst vor acht Tagen der Baron v. Rankenvorf gestorben ist?«

»Kannten Sie den Herrn Baron, Herr Leutnant?" »Ihn selbst nicht, aber seine Tochter und Enkelinnen kenne ich."

»Die Frau Professor v. Becker?

»Sie wissen, GrothuuS, wer des BaronsTochter ist ?" »Wir auf der Mühle kannten die Verhältnisse ganz genau, mein Onkel, der Müller Steffens, korre­spondierte häufig mit der Frau Professor."

»Ah, Sie find ein Neffe des Müller-, des ölten Freundes der verstoßenen Baroneß?"

Friedrich und Hans hatten keine Ahnung, daß über ihnen aus einem geöffneten Fenster der Villa vier Augen auf sie hinabblickten, von denen zwei in sichtbaren Triumph leuchteten, die andern beiden aber wie vergiftete Dolche auf sie uiederblitzten.

»Des Müllers Schwester war meine Mutter, ich bin auch in der Mühle erzogen."

Wann haben Sie Hellenborn verlassen?"

,Am Donnerstage."

o »So waren Sie ja noch dort, als der Baron tarb, Sie sagten, Ihnen wären die Verhältnisse be- kannt, haben Sie zufällig, vielleicht durch den Müller, stwaS über die letzten Augenblicke des Barons er- ahren ? Es wäre wir so sehr viel daran gelegen, wenn ich der Frau Profeffor v. Becker mittetlen könnte, "°B der sterbende Vater ihrer in Liebe gedacht?"

»Wiffeu Sie es denn noch nicht, Herr Leutnant? Ach nein, Sie können es gar nicht wissen, der Herr Baron hat kurz vor seinem Tode den Müller rufen lasten, er hat dann ein Testament zu Gunsten der Tochter gemacht, mein Onkel hat dasselbe in einem chwarzen Kasten mit nach Hause genommen, um es persönlich dem Gericht zu übergeben. Da aber au »enselben Tage die Hochzeit seines Sohnes war, die tu Malhagen gefeiert wurde, so mußte er seine Reise nach Schleswig deshalb bis zum andern Tage auf« chieben, und um bis dahin den schwarzen Kasten sicher zu verwahren, trug er ihn auf eine Boden-

Frau v. Sonns, die bisherige Erbin des Barons $at t>em Schlosse zwei dienstwillige ßente, denen eine solche That wohl zuzutrauen wäre; es find der Kammerdiener des gnädigen Herrn und der Verwalter."

Und Sie glauben wirklich?"

.. xDaß Einer von ihnen, vielleicht Beide gemein- ausgefuhrt haben können. Ich sage absichtlichkönnen", mir fehlt natürlich jeder weitere AnhaltSpunki." 1

Was sagt der Müller dazu? Haben Sie ihm Ihre Vermutungen mitgeteilt?" N

Der Müller?" erwiderte Friedrich und machte ein verlegenes Gesicht,dem Müller habe ich nichts gesagt, er war im Pastorat zu Hellenborn geblieben, wir fuhren nach Malhagen zurück, ich sah ihn nicht eher wieder, als bis ich am Donnerstag Abschied von ihm nahm."

"Es wäre doch entschieden bester gewesen, wenn Sie ihm Ihren Verdacht nicht verschwiegen hätten." .. »Das wäre eS gewiß, aber Herr Leutnant, iS hatte es auch ganz sicher gethan, tobeff en es ist AEag zwischen uns ganz anders geworden - ich suhlte mich dort gedrückt und war roh, daß ich mich von meinem Onkel verabschieden konnte, ohne erst viele Worte machen zu dürfen 36 war auch wieder selbst zweifelhaft an meinen eigenen Beobachtungen geworden, hier in Kiel jedoch kamen bei weiterem Nachdenken alle meine Gedanken auf meinen früheren Argwohn wieder zurück." 1

3ft denn zwischen Ihnen und der Familie de- Mullers etwas vorgefallen?"

ö Blutendes, und doch für mich

Nun, was ist es denn, Grothuus? Ist eS derart, daß Sie es mir anvertrauen können?" '

.»Das könnte ich wohl. Ich habe für Sie die höchste Verehrung. Ich denke noch an die Nacht znruck, die ich mit Ihnen im vorigen Herbst während der Kaisermanover, zu denen Sie als Reserveleutuant einbernsen waren ans der entlegenen Feldwache zu.

»Ich wohne hier im Hause und bin bei dem Zimmermann Müller angestellt als Aufseher, Buch- mhrer und so weiter."

. »Wenn ich nicht irre, war Ihre Heimat aus einem Mute in der Nahe von Schleswig?"

.Ja, auf Hellenborn."

Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reiche weist gegenüber dem Vor­jahre im laufenden Jahre eine ganz beträchtliche Zu­nahme auf, so daß es fast scheint, die Periode der finkenden Auswanderung, die 1882 etwa begann, sei bereits zum Abschluß gekommen. Nächst Irland fit Deutschland wohl das Land in Europa, welches alljährlich verhältnismäßig am meisten Landeskinder an fremde Staaten abgiebt. Die Lust zum Wandern steckt den Deutschen im Blut und eine mäßige Aus­wanderung hat auch bei der starken Bevölkerungs­zunahme innerhalb unserer Reichsgrenzen kein Be­denken. Anders stellt sich die Sache freilich, wenn die jährliche Auswanderungszahl die Grenze des natürlichen Bevölkerungsabflusses bedeutend über­schreitet. Das deutsche Reich ist noch lange nicht übervölkert; an zahlreichen Stellen sind die Bewohner sogar noch dünn gesäet, und diese Gegenden leiden besonders noch, weil aus ihnen mehr und mehr Personen nach den großen Städten und den Jndu- striezentten eilen.

kammer und ließ vor die Thür derselben zwei eiserne Stangen legen. Abends spät wir waren Alle in Malhagen kam ein starkes Gewitter herauf, der Blitz schlug in die Mühle, und der Kasten mit dem Testament verbrannte."

Verbrannte? Das ist ja entsetzlich I"

Mein Onkel ist deshalb auch ganz untröstlich. Aber, Herr Leutuannt, wissen Sie, was meine Ge. danken sind? Ich glaube der Kasten ist gar nicht verbrannt!"

Was meinen Sie, Grothuus, wie soll ich das verstehen?"

«Ich habe etwas bemerkt, was mir sehr auffällig war. Als wir nämlich in Malhagen den Feuerschein sahen, sprengte mein Onkel auf dem ersten besten Pferde voran?; auf dem Hofe angekommen, scheute das Tier, warf seinen Retter herunter, und dieser wurde ohnmächtig in ein Nebengebäude gebracht. Eine halbe Stunde später ttafeu wir auf der Brand­stätte ein. Das Dach war längst etogestürzt, es brannte nur noch innerhalb der Mauern. Was mir sogleich auffiel, war, daß das Fenster der Boden, kammer, in welcher der Müller das Testament zurück- gelaffen, auf dem Steinpflaster lag. Es war wohl zer- ttümmert, aber an dem hölzernen Rahmen waren nicht die aeriugsteu Brandspuren, es war nicht einmal geschwärzt. Wie kam das Fenster dahin? Zu gleicher Zeit sah ich, daß die lange Leiter, die sonst immer an zwei Haken an der Mauer hing, ebenfalls auf dem Pflaster lag.

Wer hatte sie von dem Haken heruntergenommeu? Ich erkundigte mich bei Verschiedenen, bei den Hellen- boruer Spritzeuleuteu und andern, ob sie die Leiter gebraucht hätten, aber alle verneinten es. Sollte da nicht gar irgend jemand die Leiter genommen, das Fenster herausgerissen, den schwarzen Kasten geraubt und Gott verzeihe mir diesen Argwohn die Mühle in Brand gesteckt haben, um jeden Verdacht, das Testament könne gestohlen feto, zu vermeiden?"

Wer aber sollte fich zu dieser verruchten That hergegeben haben?"

Unter einem Dache. Roman von Karl Hartmann-Plön. (Fortsetzung.)

fortgesetzt über die großen Lasten, welche der Militarismus" den Kulturvölkern auferlege. Diese nie verstummenden Lamentationen müssen aber ihren Eindruck umsomehr verfehlen, als jene über den Druck dieser Lasten Jammernden niemals dazu übergehen, Mittel anzugeben, wie dem ihrer Meinung nach un­erträglich gewordenen Zustande abzuhelfen sein würde. Die deutschen Organe der demokratischen Richtungen verbinden mit jener allgemeinen namentlich noch die besondere Beschwerde über die dem Einzelnen durch die dreijährige Dienstzeit auferlegte Last. Da aber die militärischen Anforderungen an die Ausbildung des einzelnen Mannes täglich sich steigern, kann das vorgeschlagene Abhülfemittel, Herabsetzung der Dienst­zeit, wohl kaum ernsthaft als ein solches betrachtet werben. Im Allgemeinen charakterisieren sich diese Klagen nur als Ausflüsse eines allerorts von der

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. «och.

Anzeigen nimmt entgegen* die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux

U Pon Haasensteiu undVogler

m Frankfurt a. M., Cassel,

I II Magdeburg und Wien;

IBS. Rudolf Moffe in Franlfurt

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Adln J ®- L. staube und

>>M^ So. in Frankfurt a. M.,

_____________________Berlin, Hannover u. Paris.

Illustriertes Souutagsblatt.

1 Demokratie mit Beharrlichkeit gegen die Autorität ge- i führten Prozesses, dessen Objekt der Reichskanzler in 1 seinen im Januar zur Septennatsfrage gehaltenen Reden zusammensaßte in die Frage: Kaiserliches Heer oder Parlamentsheer? Da die demokratischen Wort­führer nimmer müde werden, diesen, allerdings in Deutschland für sie nie zu gewinnenden Prozeß wenigstens vor den Augen der Mafien als auch bei uns im Fortgänge befindlich erscheinen zu lafien, ist andererseits auch immer wieder auf jene Auslassungen hinzuweisen, die sich in den besten militärisch-wissen­schaftlichen Quellen über diese Frage vorfinden. Einer solchen Auslassung begegnet man nun u. a. in dem Generalstabswerk über den dänischen Krieg ; welche Auslassung, die damaligen Zustände der dänischen Armee schildernd, alle einschlägigen Punkte in wenigen Zeilen berührt. Der betteffende Passus lautet:Das dänische Heer, welches im Frieden 7500 Mann bei den Fahnen hatte, erreichte am 1. Februar 1864, die Ersatz- und Garnisonttuppen, sowie die Kranken eingerechnet, eine Stärke von 54 000 Mann. Bei einer solchen Vermehrung konnten die Mannschaften des Friedensstandes nur einen unzu­reichenden Kern für..die Kriegsformationen abgeben, -rie höheren Kommandostellen mußten neugebildet werden; es kam vor, daß Kompagniechefs bei der Mobilmachung zu Regimentskommandeuren befördert wurden. Mit Beginn des Krieges traten demnach fast überall neue und ungewohnte Verhältnisse ein, und der Truppe verblieb eine unverhältnismäßig ge­ringe Zahl ausgebildeter Offiziere, ein Uebelstaud, der bei der geringen Dienstzeit der Mannschaft um v fühlbarer werden mußte. Auch an tüchtigen Unter­offizieren trat Mangel ein, da die Mobilmachung fast eine Verdoppelung derselben nötig machte. Die meisten dieser Mängel des dänischen Heeres sind schließlich darauf zurückzuführen, daß die Volksvertteter der Regierung für Heereszwecke ungenügende Mittel zur Verfügung stellten. Zudem hatte die einseitig kon- I stitutiouelle Entwickelung des Staates den König der- 1

Deutsches Reich.

Berlm, 17. Aug. Der Kaiser ließ sich gestern auf Schloß Babelsberg von dem Chef des Militär­kabinetts und dem Chef der Admiralität Vortrag halten und empfing dann den General ü la suite oon Winterfeld. Der Professor v. Donndorf soll von dem Kultusminister Herrn v. Goßler den Auftrag erhalten haben, seine Bismarck-Modellbüste in kolossalem Maßstab für den preußischen Staat in Marmor aus- zuführen. Zur Ausführung des Branntweinsteuer­gesetzes hat der Bundesrat in seiner letzten Plenar- sttzung auf Antrag Württembergs und Badens be­schlossen, daß für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September d. I. für Branntwein, welcher aus dem Gebiet der Branntweinsteuer - Gemeinschaft in das Erbiet eines nicht zu dieser Gemenischaft gehörenden Bundesstaates ausgeführt und hier zu gewerblichen Zwecken einschließlich der Essigbereitung verwendet wird, eine Steuervergütung von 48,03 Mk. für das Hektoliter reinen Alkohols aus der Reichskafie zu ge­währen ist, sofern die Landesbehörden den Nachweis als erbracht erachten, daß die betreffenden Branut- toeinaiengen dem Gewerbetreibenden zur Aufrechter­haltung des regelmäßigen Umfanges seines Geschäfts­betriebes notwendig sind, sofern außerdem der Brannt­wein am Bestimmungsorte vorschriftsmäßig denaturiert wird und sofern endlich über die vorbezeichneten Voraussetzungen auf der Ausfuhranmeldung eine steueramtliche Bescheinigung erteilt wird. Tie Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die demokratischen Organe aller Sänber unb aller Schattierungen jammern

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s- 4.

-Lte Deutsche Landwirtschafts - Gesellschaft hat bekannt gemacht, daß sie in den Tagen vom 7. bis 11. Ium 1888 in Breslau eine allgemeine land- wirtschaftliche Ausstellung veranstalten" wird Die Gesellschaft wird also ihrem Programm, alljährlich eme solche Ausstellung abzuhalten, gemäß, auf die Frankfurter Ausstellung von 1887 eine Breslauer fh-I88 T°l9en tafieiL Die Erfolge, "^che die Gesellschaft mit der Frankfurter Schau errungen hat erleichtern derselben das Festhalten des Planes jährlicher Ausstellungen. Die junge Gesell-

Du entschuldigst mich wohl, lieber HauSsagte «ksselbach,weuu ich vorauSgehe."

Bitte sehr, ich folge sogleich nach."

,®ic Seht eS Ihnen deuu?" fragte Hau»

292 ehemalige" Soldaten, nad>bem der Vetter sich «ttserut,find Sie schon lange hier?"

Erst seit einigen Tagen."

St- denn früher? Sind Sie nicht eigentlich Muller?"

1 L »3«, Müller und Zimmermann zugleich. Fast 4Ue Müller erlernen auch das Zimmerhandwerk."

' Ankert, unmittelbar auf die Armee einzuwirken. Die : k^gsmmiiter aber wechselten häufig und waren von i der Mehrheit der Landesvertretung abhängig. Die ' Atzende Kritik, welche diese bei jeder Gelegenheit übte, ließ auch gute Neuerungen nicht unbeanstandet- lte untergrub den Geist der Einigkeit und Unter­ordnung sowie das Ansehen der Vorgesetzten. Unbe­dingte Hingebung und unwandelbare Treue können » - '"monarchischen Staaten nur an die Person des Kriegsherrn, nicht aber an ein parlamentarisches Syst-m knüpfen. Wenn das Verhalten des Heeres und seine Leistungen während des Krieges trotz dieser vielen Schäden doch verhältnismäßig tüchtige waren Lfin hV°&U9§^ei,e an den Charaktere,gen- fäaften des dänischen Soldaten, der, von einer regen Stehe zum Vaterland erfüllt, von Natur ruhig, aus- dauernd und gehorsam ist." Diese Darlegung des Generalstabswerks ist um so markanter, als sie sich

snmer bezieht, in welcher jener Prozeß um ba§ Parlamentsheer bei uns von demokratischer Seite mit größter Energie betrieben wurde; allerdings um dann etwas spater für längere Zeit in den Hi'nter- grunb gefteHt zu werben. Neuerdings aber bemüht stch dw demokratische Propaganda offenbar, diesen ^Jrojeg neu zu beleben. Wer aber aus den Schick­salen anderer überhaupt etwas zu lernen bestrebt ist bem l bm. obc" zitierten kurzen Worten des Generalstabswerkes dazu vollkommene Gelegenheit gebotem Die gestrige Erklärung derNordd. Allg.

se Heurig der deutschen Politik zur neuesten Wendung der bulgarischen Frage wird hier b-^a,b Ar .aufgefafct, weil man überzeugt ist , daß Deutschland weiter als bis zu einem bet arhgen formeaen Protest nicht gehen wird. Personen beF!" Jätung verdient, halten es für aus­geschlossen, daß Deutschland einen Schritt thun würde um Rußlands Geschäfte im Dn,ni 7- b-L L Parole, die irn vorigen Sommer beim Beginn ber bulgarischen Krips abgegeben würbe, daß Deuts ch- lands Interessen dadurch nicht berührt würden, gilt heut- noch. Von anscheinend zuverlässiger ^eite wird der Vos,ifchen Zeitung" versichert, daß em Gesetzentwurf betreffend die Erhöhung der Ge- treldezolle gegenwärtig im Reichsamt des Innern be­arbeitet und noch in dieser Woche den verbündeten Regierungen zugehen werde.

geiertagen. Guartab AdonnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mk.. bei pen Postämter 2 Mk. 50 Bfa. (excl. Bestellgeld). Zaserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., fetiamen für die Zelle 25 Psg.

Auswanderung. Und doch ist diese ganz zwecklos. Es ist ja bekannt, daß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Geschäftslage mindestens ebenso ungünstig ist, wie in ganz Europa, daß nur ein sicheres Engagement allenfalls veranlassen kann, den Weg über den Ozean zurückzulegen. Auch die Land­arbeiter sind dort schlimmer daran; es herrschen Ver­hältnisse, die ganz verschieden von den unfrigen sind, die aber keine Besserung bedeuten. Geradezu ein Wahnsinn ist es, den Verlockungen südamerikanischer und ansstralischer Landagenten Folge zu leisten. Diese versprechen zwar einen scheinbar hohen Lohn, aber sie sagen nichts von dem teueren Lebensunterhalt, der unsagbar mühevollen Arbeit, welche den des Klimas ungewohnten Weißen unerhörte Anstrengungen zumutet und sie in ein frühes Grab bringen kann. Was Tausende von Industriellen, Tausende von Lands­leuten sich oft gesagt haben und immer wieder sagen müfien.Geduld und Thätigkeit!" Das müfien auch die auswanderungslustigen Elemente sich sagen. Es ist unmöglich, der Mißgunst der Zeiten zu entrinnen, toenn sich dieselbe auf alle zivilisierten Staaten er­streckt. Da heißt eskämpfen," denn schließlich wird doch einmal eine Aenderung eintreten müssen, sei es nun im Guten ober im Schlimmen!

M Die Arbeitskraft eines einzelnen Jnbividnums [446' wiegt nicht schwer, aber ein sich regelmäßig Jahr für Jahr wiederholender Verlust von füiifzigtausend zu veD kräftigen Händen bedeutet für den Staat und bas 14461 wirtschaftliche Leben sehr viel, benn bie gesunde Ar­beitskraft ber Bevölkerung bildet einen wichtigen Faktor zur Beförderung des Nationalwohlftandes.

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_ _ Nachdruck verboten.

DaS mächtigste Gefühl, das eine Brust beseelen kann ein Gefühl das durch pathologische Einflüsse «ohl in den Hintergrund gedrängt werden konnte, °ber durch einen einzigen Ton, durch einen ---einzigen Blick wieder in seiner ganzen Stärke hervor- Sebrocheu war, hatte die Entscheidung herbeigeführt, f. Als Herr v. Wesselbach und Hans die Damen «erlassen hatten und im Begriff waren, den Seiten, nugaug der Villa, der tu den Garten führte, zu be- rreteu, kam aus demselben ein junger Mann in einem wllvtaglichen schwarzen Avznge ihnen entgegen, stellte Rr feitswärtS militärisch, mit den Händen au der !,e*j '^'Ennath, auf und sagte in dienstlichem Tone: ICO1 g, Z'^rr Leutnant, ich melde mich, Friedrich Grothuus, 102* Befreiter bet der ersten Kompagnie des fünften Füsilier- *j legimeutsl"

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99*Grothuus, wahrhaftig, Sie sind eS," sagte HanS «freut,woher kommen Sie denn?"

arbeit völlig ersetzt. Und je komplizierter die Ma­schinen selbst werden, um so mehr Hände sind zu chrer Herstellung nötig.

ein k Der Grund für die Auswanderung ist sehr ver- _ ! schieden; aber in den meisten Fällen treibt doch die [4471 Hoffnung, anderswo einen größeren Verdienst und lNoft [damit eine bessere Existenz zu gewinnen. Das wird n. M : schon dadurch bewiesen, daß die große Zahl ber Au«- [443 l Wanderer aus Gebiete» stammt, bie am meisten unter der herrschenben Geschäftsmisere leiben, in ber zeit­weise wohl eine kleine Erleichterung eintritt, von nrrnnt beren wirklichem Verschwinden aber leider nichts zu [IfOn ^merken ist.

Die auf allen Gebieten eingetretene Ueberprobuk- tion ist längst tierminbert, Bebarf unb Probuktiou wußten wenigstens anfangen, einanber auszugleichen; aber ber unheimliche , schwere Druck, der über ganz Europa lagert, wirkt gar zu lähmend. Bestände eine flreifbare Gefahr, es würde sckmeller eine wirtschast- isÄtt« piche Entscheidung eintreten, weil jeder wüßte, woran köniz-er wäre; aber bie jetzige unbestimmte Lage schafft nerr^hochgradiges Mißtrauen, lähmt Kauflust und Unter­nehmungsgeist. Weil niemand weiß, was die nächsten Monate bringen werden, wird jeder vorsichtig und versucht, sich nach allen Seiten zu decken. Eine solche Zeit wirkt durch alle Schichten der Bevölkerung, sie