Marburg, Donnerstag, 18. August 1887.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonutagsblatt.
Exved'tion- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
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Rußland protestiert.
Fürst Ferdinand von Bulgarien, ihn jetzt noch Prinz Ferdinand von Koburg nennen zu wollen, nachdem er die Regierung seines Landes faktisch angetreten, hat ja nicht den geringsten Zweck, hat in seinem an die europäischen Großmächte gerichteten Zirkular über seine Thronbesteigung ganz besonders hervorgehooen, daß gegen seine Person kein Protest von irgend einer Seite erhoben sei, daß Widerspruch laut geworden nur gegen die Giltigkeit der bulgarischen Nationalversammlung, die ihn gewählt. Da diese Frage nur von formeller Bedeutung sei, sagte der Fürst dann weiter, habe er sich für berechtigt und auch für verpflichtet gehalten, dem an ihn ergangenen Rufe der Bulgaren zu entsprechen. Dies Wort vom mangelnden Protest hat den Zar aller Reußen auch nicht eine Nacht ruhig schlafen lassen. Am Donnerstag hat Fürst Ferdinand seine Zirkulare erst versandt und schon kommt Rußland mit einem scharfen Protest gegen des Fürsten Auftreten in Bulgarien, das ja mit den Bestimmungen des Berliner Vertrages thaffächlich in Widerspruch steht. Dieser Protest entspricht nicht ganz den Ankündigungen der Petersburger Journale, welche erklärten, Rußland werde sich um den Koburger überhaupt nicht bekümmern, da dessen Herrlichkeit schwerlich von lange; Dauer sein werde. Warum nun der Protest? Der Grund liegt nicht allzufern. Fürst Ferdinand hat bereits eingesehen, daß er sich, wenn er auch eine Versöhnung der bulgarischen Parteien herbeizuführen sich bestreben kann, doch auf eine Partei vor allem stützen muß, und zwar auf die, welche im Moment die stärkste ist. Natürlich ist das die natioualbul- garische, rusienfeindliche, und in dieser wieder die Fraktion Stambulow, des bisherigen ersten Regenten. Gerade dieser Mann, welcher mit großer Fähigkeit den Widerstand gegen Rußland organisiert und geleitet hat, will Rußland aber gestürzt sehen und mit ihm alle hervorragenden Anführer der Nationalpartei und des bulgarischen Selbständigkeitsgedankens. Da Fürst Ferdinand sie aber beibehält, ist er auch zum Russenfeinde geworden, auf den die ganze Petersburger Preßmeute gehetzt wird.
Buchstaben töten nicht. Wenn außer Rußland auch alle übrigen europäischen Großmächte, mit der altersschwachen Türkei an der Spitze, gegen die Anwesenheit Ferdinands von Koburg in Bulgarien protestieren, so braucht sich dieser darüber doch nicht groß zu beunruhigen. Es läßt sich sogar voraussehen, daß diese Proteste seine Popularität in Bulgarien nur verbreiten und stärken werden. Die Bulgaren werden infolgedessen ihren neuen Fürsten mit ganz anderen Augen ansehen; er kann bei ihnen nur gewinnen, wenn er zum Gegenstand von Verhandlungen der europäischen Diplomatie gemacht wird. Ernst wird die Sache erst, wenn aus der papiernen Demonstration eine solche mit den Waffen gemacht wird,
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
Nachdruck verboten.
Er sah netzt, wie die beiden Paare sich gegenseitig die Hand reichten und Hans und Wesselbach sich verabschiedeten, um deu links gelegenen Garteneingang der Villa zu erreichen, die beiden Damen aber die Leraudatreppe betraten.
Frau Johannes machte ein etwas erstauntes Gesicht, als fie einen jungen Mann mit ihrer Tochter allein sah.
„Herr Barlaudt," beeilte sich Georg«, Roderich dorzustellen, „Hans Freund, der Dich, Mama, zu sprechen wünscht, um Dir eine wichtige Mitteilung tu machen. — Meine Mutter, meine Schwester."
„Als Hans v. Belas Freund heiße ich Sie willkommen", sagte Frau Johannes," und bitte Sie, mir «Magen, was Sie zu mir führt. Wünschen Sie, daß «h Ihre Mitteilung ohne Zeugen entgegennehme?"
„Es ist eine freudige Nachricht, gnädige Frau, nie ich Ihnen zu überttagen habe. Dieselbe betrifft ^nächst Sie selbst, aber Ihre Fräulein Töchter werden mcht minder dadurch berührt. Gestatteu Sie mir, ®a6 ich in deren Gegenwart meine Mitteilungen mache ?"
„Stach Belieben, Herr Barlaudt, uehmen Sie Platz, «h bin begierig, zu hören."
Roderich setzte sich auf den nächsten Stuhl, Frau Johannes und Anna nahmen ihre Hüte ab »nd setzten sich ebenfalls, Georg« blieb am Fenster stehen.
„Erlauben Sie mir vorerst, Ihnen zu sagen, daß Wr Ihr wirklicher Name bekannt ist."
„Haus bat mich soeben um Entschuldigung, daß tt Ihnen unser Inkognito verdaten."
, „Er weiß, daß jedes Geheimnis bei mir so gut Ewfgehoben ist, wie bei ihm selbst."
„Ich bin auch nicht besorgt."
„Gnädige Frau, heute vor acht Tagen starb Ihr Herr Vater, der Baron v. Rankendorf auf Hellenborn. Sei sind feine Tochter."
und daran ist nicht zu denken. Ein Vorgehen Rußlands erlaubt Oesterreich nicht, und die Türkei, die dann in Bettacht käme, hat kein Geld zu solchen Unternehmungen und auch keinen Charakter mehr. Die zweite Gefahr, welche dem Fürsten erwachsen könnte, besteht in einer etwaigen Uneinigkeit der Nationalpartei, auf welche er sich jetzt stützt. Mit Hilfe der Russenleute kann er nicht regieren; gelingt es den letzteren aber, Zwietracht unter ihren ehemaligen Gegnern zu säen, dann wird die Lage bös. Bei der Arbeit sind die Anhänger des Zaren schon. Die Rede des Mettopoliten Clement in Sofia ist äußerst verdächtig. Clement feiert den Fürsten Ferdinand und fordert in dringend zur Aussöhnung mit Rußland auf, dis er trügerischer Weise als möglich hinstellt, während er in heftigster Weise gegen den Regenten Stambulow aufreizt. Dies Treiben bezweckt nichts anderes, als den Fürsten den Bulgaren als Ruffenfreund zu verdächtigen, ihn mit der Nationalpartei zu verfeinden, zu isolieren und endlich ge- demütigt dem Zaren zu Füßen zu führen. Von den Jnttiguen im Lande, der Eifersucht der bulgarischen Parteiführer hat Fürst Ferdinand am meisten zu fürchten, daraus erwächst ihm die größte Gefahr. Der Protest ist weit harmloserer Natur, daran i mußte der Fürst von vornherein borbereitet sein; der Protest wird ihn deshalb auch ebensowenig stürzen, als im vorigen Jahre General Kaulbars mit seiner Agitation die Regentschaft zu stürzen vermochte. Für solche Mittel sind die Bulgaren bereits zu selbständig geworden.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Ang. Der Kaiser empfing heute vormittag in Babelsberg den Oberhof- und Haus- Marschall Grafen von Perponcher, den Chef des Militärkabinetts General von Albedyll, später den Chef der Admiralität Generalleutnant von Caprivi zum Vortrage. Gestern machte der Kaiser eine Spazierfahrt, sowie einen Spaziergang im Parke. — In nächster Zeit beginnen um Potsdam die großen Exerzitien der Garde-Kavallerie. Am 30. August marschiert die Kavallerie zur großen Parade nach Berlin, die Infanterie schon vier Tage früher. — Prinz Ludwig von Bayern ist zur Teilnahme an den deutschen Marinemanövern in Kiel angenommen. — Das Schulgeschwader ist von Danzig nach Kiel in See gegangen. — Die bayerischen Minister von Lutz von Crailsheim sind am Dienstag Abend von München zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Kissiiigen gereist, der Botschafter Herbett von Paris nach London zu Salisbury. — Der Verein deutscher Spritfabrikanten (Rektifikateure) trat am Dienstag im Zenttal- hotel in Berlin zu einer Sitzung zusammen behufs Stellungnahme zu dem Plane der Errichtung einer großen Spiritus-Aktiengesellschaft. Die Verhandlungen wurden vertraulich geführt. Es machte sich eine
„Auch das ist Jhuen bekannt?"
„Nicht durch Haus habe ich es erfahren, sondern aus einem andern Wege. Darf ich Sie fragen, ist Ihnen von irgend einer Seite, vielleicht schriftlich, durch den Müller Steffens eine Mitteilung über die letzten Stunden Ihres sterbenden Herrn Vaters ge- macht?"
„Nein," erwiderte Frau Johannes, „von keiner Seite. Es kann auch nichts für mich Wichtiges ge- chehen fein, sonst wäre ich längst durch Steffens benachrichtigt worden."
„Der Müller ist am Donnerstage nach Leipzig abgereist, um Sie dort aufzusuchen."
„Ist es Wahrheit?" rief Frau Johannes freudig aus. „Oh, so hat er mir allerdings etwas Wichtiges zu überbringen, vielleicht einen letzten Gruß des sterbenden Vaters, vielleicht gar feine Vergebung? Sind 3bnen Herr Barlaudt, auch die Verhältnisse bekannt, die zwischen mir und meinem Vater obgewaltet haben?"
»3°, gnädige Frau, ich bin in alles eingeweiht. Ich selbst war gestern in Hellenborn, um den Müller zu sprechen, und als ich von seiner Abreise erfuhr, h?sie ich von Schleswig ans ihm telegraphiert, daß Sie hier wohnen, er kann heute, spätestens morgen, hier eintreffen."
„Darf ich mir die Frage erlauben, was Sie veranlaßte, nach Hellenborn zu reisen?"
„Ich wollte von dem Müller die Eröffnung eines ^Warzen Kastens erwirken, dessen geheimnisvolles Schloß nur er ganz allein zu erschließen vermag?"
„Und dieser Kasten, hängt er irgendwie zusammen mit —"
„In diesem Kasten lag das zweite Testament des Barons v. Rankendorf."
„Wie? Er hat ein zweites Testament gemacht?" „Ich vermutete, daß in diesem Testament, vielleicht n_ einem besonderen Dokument daneben, Dinge er» wähnt fein können, — die mich persönlich angeheu."
„Sie, Herr Barlaudt? Ihre Person könnte in irgend einer Verbindung mit dem Testament meines
prinzipielle Zustimmung zu dem Projekt geltend. Ebenso beschloß eine in Posen abgehaltene Versammlung der Brennereibesitzer der Provinz einstimmig, der Spiritus-Aktiengesellschaft beizutreten.— Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Telegraphischen Nachrichten zufolge habe der Prinz von Coburg am 14. August den Verfasiungseid geleistet und eine Proklamation erlassen, worin er sich „von Gottes Gnaden" nenne, zu seinem „freien" Volke spreche und anzeige, daß er den Thron der hochberühmten bulgarischen Nation bestiegen habe. Die Proklamation schließe mit den Worten: „Es lebe das freie, unabhängige Bulgarien!" Der Mächte und des Sultans geschehe keine Erwähnung, der ganze Zusammenhang der Kundgebung erwecke den Anschein, als ob sie die Bedeutung einer Unabhängigkeitserklärung haben solle. Die Reise des Prinzen nach Bulgarien und die Ueber- nahme der Regierung involviere eine Verletzung des Artikels 3 des Berliner Vertrages. Sollten sich obige telegraphische Nachrichten in ihrem ganzen Umfange bestätigen, so würde ein verstärkter Bruch des bestehenden Verttagsrechts konstatiert sein, den die deutsche Politik nicht gutheißen könnte. Die Thatsache, daß dieser Sommer der dritte sei, in welchem rechtswidrige Vorgänge in Bulgarien die Ruhe und die Friedensaussichten störten, deren Befestigung allen Großmächten am Herzen liege, könne dem bulgarischen Volke und seinen Führern die Sympathieen der Mächte, welche für die Erhaltung des Friedens thätig seien, unmöglich erwerben. — Das Komitee zur Gründung einer Wien-Gesellschaft für Spiritusverwertung besteht aus der Deutschen Bank, der Diskonto- Kommandit-Gesellschaft. Delbrück, Leo u. Co., der Dresdener Bank, Hardt u. Co. in Berlin und H. F. Lehmann in Halle. Noch andere Firmen sollen eingeladen werden. — Aus einer vom Kultusministerium veranstalteten Zusammenstellung der im Ressort dieses Ministeriums während des Jahres 1886 durch königliche Erlasse genehmigten Schenkungen und letztwilligen Zuwendungen scheint hervorzugehen, daß der Wohl- thätigkeitssinn nach dieser Richtung hin stärker ausgeprägt ist bei den Katholiken, als bei den Protestanten. Bon der Gesamtsumme von 4779517 M. entfallen nämlich 1 006 238 M. auf evangelische Kirchen und Pfarrgemeinden, 520 425 M. auf evangelisch-kirchliche Anstalten, Stiftungen und Vereine, 97 473 M. auf evangelisch - kirchliche Gemeinschaften außerhalb der Landeskirche, dagegen 168 495 M. auf Bistümer; 1 232 261 M. auf katholische Kirchen- und Pfarrgemeinden, 787 588 M. auf katholisch-kirchliche Anstalten. Von dem Reste erhalten: Universitäten 215 082, höhere Lehranstalten 205 522, Volksschulen 36 565, Taubstummen- und Blindenanstalten 51 000, Waisenhäuser 128 000,Kunst- und wissenschaftliche Institute 203 300, Heilanstalten 127 000 M.
— Der Schriftwechsel zwischen der preußischen und der englischen Regierung über das evangelische
Vaters, mit ihm selbst stehen? Sie sehen meine Ueberraschung. Ich stehe vor lauter Rätseln, ich bitte Sie, erklären Sie mir —"
„Haben Sie es jemals erfahren, gnädige Frau, >aß Ihr Herr Vater sich vor vierundzwanzig Jahren in Italien zum zweiten Male vermählt hat?"
„Mein Vater sollte sich wieder vermählt haben? Das ist ganz unmöglich! Das beruht unter allen Umständen auf einem Irrtum, das hätte der Müller Steffens mit nicht verschwiegen, wenn es wahr wäre!"
_ „Die Thatsache ist unzweifelhaft, aber der Ver- mählung des Barons mit einem jungen Mädchen, das nur gezwungen ihm die Hand reichte, folgten unmittelbar darauf höchst unerquickliche Auftritte, so daß Ihr Herr Vater es vorgezogen haben muß, hier mit keinem Menschen über seine zweite Heirat zu prechen. Niemand weiß darum, als nur sein Kammerdiener Jürgensen, der mit ihm in Rom war, wo die Vermählung stattgefunden."
„Ich kann es noch immer nicht glauben."
„Hat denn Hans Ihnen hierüber noch nichts mitgeteilt?"
„Bis jetzt nicht. Er sagte mir allerdings vorhin, daß er über die früheren Verhältnisse meines Vaters noch heute einige Aufklärungen geben würde. Sollte er dies gemeint haben?"
„Ohne Frage; Hans kennt sie wohl noch genauer, als ich, da er sie von dem Vater der zweiten Gemahlin des Barons selbst erfahren hat. Ja, gnädige Frau, Sie werden erstaunen, wenn ich Ihnen sage, wer der Vater dieser zweiten Frau ist. Es ist der- elbe Herr, mit dem Sie so eben Arm in Arm den Garten heraufschrttten."
„Herr v. Wesselbach?" tief Frau Johannes, fast betäubt durch die Fülle von Neuigkeiten, die so plötzlich auf sie eiustürmten.
„Herr v. Wesselbach?" tiefen auch beide Töchter ebenso erstaunt, und Georg« fügte, mtt einem fteund- ichen Blick Roderich dabei ansehend, hinzu: „Das st ja ein ganzer Roman, Herr Barlaudt!"
Bistum Jerusalem ist jetzt im Wortlaute nach den dem englischen Parlamente vorgelegten Aktenstücken bekannt geworden. Seitens Preußens wurde, wie wir in der „N. Pr. Ztg." lesen, unter ausführlicher Begründung im Juli 1882 das Abkommen von 1841 über das evangelische Bistum gekündigt. Der Erzbischof von Canterbury erwiderte darauf im Dezember desselben Jahres, daß eine Erhaltung des bestehenden Verhältnisses, oder eine angemessene Abänderung der Vereinbarung von 1841 vorzuziehen wäre. Diesen Wunsch unterstützte Earl Granville und ließ durch Lord Amphtill die preußische Regierung ersuchen, darauf bezügliche Vorschläge zu machen. Darauf übergab Graf Münster im Jahre 1884 dem eng- lffchen Auswärtigen Amte ein Schreiben, worin Verhandlungen über zwei Punkte behufs Abänderung des Verttages verlangt wurden. Der erste derselben war das Vetorecht, welches sich der Erzbischof von Canterbury inbezug auf die Ernennung eines Bischofs durch Preußen Vorbehalten hatte, wobei, wie es wörtlich in dem Schreiben heißt, Se. Majestät in eine Lage gegenüber dem englischen Erzbischöfe gebracht ist, welche ihren bezüglichen Stellungen nicht entspricht. Der zweite Punkt betraf die Frage, ob der von der Krone Preußen ernannte Bischof, wenn er einer deutschen evangelischen Kirche angehört, außer seiner bischöflichen Konsekration sich noch einer Re- ordination durch die anglikanische Kirche unterziehen und die 39 Artikel dieser Kirche unterschreiben soll. Nachdem der Erzbischof darauf eine ausführlichere und formelle Aufstellung dieser Punkte und ihrer gewünschten Abänderung verlangt hatte, reichte der deuffche Geschäftsttäger Baron Plessen im September 1884 zwei Memoranden ein, welche diesem Verlangen entsprachen. Bezeichnend war die Antwort des Erzbischofs hierauf, welche im Februar v. I. erfolgte. Er machte gar nicht den Versuch, auf Unterhandlungen einzugehen, sondern berichtete einfach, die Trustees hätten am 28. Juli 1885 eine Resolution beschlossen, daß es wünschenswert wäre, das zwischen Preußen und England vereinbarte Abkommen über dus anglikanische Bistum Jerusalem möge sofort aufgehoben werden. Diesen Beschluß ersuchte der Erzbischof, der deutschen Regierung mitzuteilen. Graf Hatzfeld erklärte hierauf, die preußische Regierung ei vollständig mit der Aufhebung einverstanden und hoffe trotzdem auf ein künftiges harmonisches Zusammengehen und fortdauernde Gemeinsamkeit der Begräbnisstätte. Der Erzbischof antwortete zustimmend. — Die veröffentlichten deutschen Schriftstücke zeichnen ich durch sorgfältiges Eingehen auf die Grundlagen des Abkommens, durch würdige und ruhige Sprache aus.
München, 15. Aug. Die Staatsminister Dr. Frhr. v. Lutz und Frhr. v. Crailsheim werden sich zum Besuche des Fürsten Reichskanzlers voraussichtlich morgen abend nach Kissingen begeben. Fürst Bismarck oll sehr wohl aussehen.
„Sie haben vollkommen Recht, gnädiges Frän- ein," entgegnete der junge Mann, „es ist ein voll» kündiget Roman. Sie werden ans meinem ferneren Bericht ersehen, daß hier sich eine Unzahl wunder- barer Thatsachen in einer ungewöhnlichen Verschlingung zusammengefügt haben, und der Himmel möge nur geben, daß sich alles zu Glück und Freude entwirrt und wie in einem Roman einen Abschluß findet, der befriedigt und beglückt."
„Was werde ich noch mehr hören?" sagte Frau Johannes. „Schonen Sie mein Gehirn und muten Sie meinem Fassungsvermögen nicht allzu viel zu! Also Herrn von Wesselbachs Tochter war die zweite Frau meines Vaters? Lebt dieselbe denn noch? Und in welcher Beziehung stehen Sie, Herr Barlaudt, zu der ganzen Sache? Ich weiß nicht, welche Frage ich zuerst beantwortet haben möchte — verzeihen Sie der Tochter, wenn ich Sie bitte, mir zuerst über die letzten Stunden meines Vaters zu berichten."
„Es war auch meine Absicht, dies vorauszuschicken und erst später die Vermutungen, die ich an den Namen Ihres Herrn Vaters knüpfte, folgen zu lassen."
Roderich erzählte jetzt den gespannt horchenden Damen, was er aus dem Munde der Frau Runkel erfahren, daß der Baron zu Gunsten feiner Tochter ein zweites Testament gemacht, daß er es dem Müller in einem schwarzen Kasten übergeben, damit dieser et beim Gericht zu Schleswig niederlege, daß Steffens es auf der Bodenkammer feiner Mühle verwahrt, weil er nach Malhagen zur Hochzeit seines Sohnes habe fahren müssen, daß während eines heftigen Gewitters der Kammerdiener die Mühle angezündet, )«mit das Dokument verbrenne, daß der Verwalter es zu eigennützigen Zwecken gerettet und dem Herrn Runkel übergeben habe, damit dieser es der Fran von Sonns verkaufen solle. Er berichtete alsdann, >aß Frau Runkel, von schweren Bedenken ergriffen, ihrem Gatten den schwarzen Kasten wieder entwendet, um diesen von der Mitthäterschast an einem Buben» iück zu bewahren und ihm, Roderich, das dusorc,