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Marburg, Sonnabend, 13. August 1887.
XXII. Jahrgang
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Illustriertes Somitagsblatt.
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Roderich folgte ihr, er dachte nicht daran, daß Friederike ihm den Auftrag gegeben, die Mutter auf 8^„^"^bung vorzubereiten, und daß er deren Zuruckkunst erst abwarten müsse; mechanisch durch- ichritt er den Salon, er höite nicht das Brausen und °e» Lärm, den die große Gesellschaft in den Hinteren Raumen verursachte, und der das ganze Haus erfüllte, inn Auge erfaßte nichts, denn sein Gehirn hatte alle Wahrnehmungsfähigkeit verloren, weil ein eiuziger Gedanke es beherrschte, und laut und ununterbrochen »tönte es darin: .Die Geliebte des Barons, nicht seine Gattin l"
Mit dem Kasten unter dem Arm stieg der junge »ianiL Dreppe hinauf und betrat sein Zimmer. Die Dunkelheit darin lenkte seine Gedanken einen Augenblick von diesem schmerzlichen Gegenstand ab, » zündete die Lampe an, stellte den Kasten auf den und warf fich in eine Ecke seines SophaS.
Lauge Zeit starrte er schweigend vor fich hin, es «ar noch immer das eine Wort, welches er leise vor mH hiumurmelte, bis er es zuletzt mit lauter Stimme vehiwalS hinter einander und im Tone der Ver- «weifluug ausrief.
»Und mit diesem Wort," sprach er weiter, „stürzen S-J.meine Hoffnungen zusammen, wendet mir das Gluck, welches mich anzulächel» schien, wieder den Rucken. Kanu denn ein Maua vor Dich hiutreten, «rorga, deffen--entsetzlicher Gedanke!"
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Mt Schreiner, welche zu Neivenanfällen geneigt war, von der drückenden Hitze des Tanzsaales überwältigt, Wlmächtig geworden war, so daß nach belebenden Wenzen verlangt wnrde, die Frau Runkel in Gewahrsam hatte.
Kn Hauptinteresse der Arbeiter - Gesamtheit.
Tie im Jahre 1885 vorgenommene Erhöhung bei Getreidezölle hat die von den Freihändlern prophezeite Verteuerung des Brotgetreides nicht zur Folge gehabt. Der bei Einführung der Getreidezölle im Jahre 1879 gethane, damals von manchesterlicher Seite als Widersinn bezeichnete Ausspruch, daß das Ausland den Zoll bezahlt, hat sich wiederum in der Praxis glänzend bewährt, Die Preise des Brotgetreides stehen so niedrig, wie kaum jemals. Die Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Getreidezölle sind nicht zu den Ausgaben des Staates verwandt, sie dienen wenigstens in Preußen zur Erleichterung der Kommunallasten. In den Großstädten würden
ob sie nie etwas anderes thäten, als auf deutsche Herausforderung antworten. Ihr Hauptbeweis für ihre eigene Unschuld ist folgender: Erst seit etwa einem halben Jahre treten uns die Deutschen schroffer gegenüber; da wir aber gerade in dieser Zeit nichts anderes gethan haben, als in den verflossenen 15 Jahren, die Deutschland keinen Anlaß zu besonderer Klage gaben, so ist es klar, daß der böse Wille auf Seiten der Deutschen ist. Es ist fast unnötig, das Fadenscheinige dieser Beweisführung nachzuweisen. Eigentlich wird durch sie nur gezeigt, daß Deutschland sich das Revanche-Unwesen schon viel zu lange gefallen ließ, ohne dagegen Einspruch zu erheben; im übrigen wird sich aber daß gegenwärtige deutsche Verhalten am besten als die endlose Folge zahlreicher Nadelstiche erklären lassen, deren Wirkung der „Gaulois" in dem angezogenen Artikel ganz richtig geschildert hat.
Stuttgart, 11. Aug. Der „Staats - Anzeiger" meldet, der König habe in Friedrichshafen in den letzten zwei Monaten zur Bekämpfung seiner neuralgischen Schmerzen und der Bewegungsschwäche seines linken Beines die Knetkur des Dr. Roechling gebraucht. Der Erfolg sei günstig, die Schmerzen haben abgenommen, die Bewegung habe sich gebessert.
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
der Gedanke hervortritt, die deutsche Landwirtschaft durch weitere Schutzmaßregeln lebensfähig zu erhalten, so liegt die Erreichung dieses Zieles nicht blos im Interesse dieses Erwerbszweiges und der darin beschäftigten Arbeiter, sondern aller Zweige des nationalen Erwerbslebens, der Industrie wie des Gewerbes, und der gesamten deutschen Arbeiterschaft.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureanx von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wienp Rudolf Masse in Frankfurt a. M.,Berlin,Münchenund Köln; G- L. Daube und Co. in Franlsurt a. St-, Berlin, Hannover u. Paris.
die aus den Getreidezöllen den Stadtkasien zufließenden Anteile sehr wohl die Beseitigung der die ärmeren Schichten der Bevölkerung am meisten bedrückenden Abgaben, wie Mietssteuer und Schulgeld, ermöglichen. Wo freilich die Stadtverwaltungen unter dem Einflüsse der freisinnigen Partei stehen/ wird es da-
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
©mehition Mark» 21 Redaktion, Druck und Vertag von Joh Aug. Koch.
Men Gewinne abhängen, haben daher ein dringendes Interesse daran, daß die deutsche Landwirtschaft „ konsumtionsfähig bleibt. Dieses Interesse ist um so ilt all dringender, als die fortschreitenden Rückgänge der mi - Erträge der Landwirtschaft der Lohn der landwirtschaftlichen Arbeiter herabgehen und ihre Zahl be- tfutz. schränkt werden müßte, wodurch ein Ueberströmen der letzteren in die Industrie und die Großstädte und ein Druck auf die Löhne auch der übrigen Arbeiter notwendig herbeigeführt werden würde. Wenn daher
Verbrauchsabgabe bis zu sechs Monaten gegen Sicherheit in Aussicht genommen. Die Sicherheit besteht in der Niederlegung inländischer Staatspapiere, in von der Reichsbank beleihbaren Effekten, Wechseln und Hypotheken, oder in Bestellung eines Faustpfandes von Branntwemvorräten und anderen Waren oder auch in Bürgschaftsleistung. In letzterem Falle steht die Entscheidung über die Stundung den Direktionsbehörden, sonst den Haupt-Steuerämtern zu.
— Unsere Feinde im Osten und Westen, schreibt die „N. R.-C.", ruhen nicht. In Warschau kommen in letzterer Zeit, namentlich in Volhynien, Deutsche an, welche aus jenen Gegenden wieder zurück nach Deutschland ziehen. Sie schildern den dortigen Aufenthalt für Deutsche schwierig und peinlich: Regierung und Bevölkerung vereinigten sich jetzt, den eingewanderten Deutschen das Leben schwer zu machen. Diese Heimkehrenden gehören meist dem Bauernstände an. Eine Verlängerung ihrck Pachtkontrakte wurde ihnen nicht mehr zugestanden, die Ausführung der sogenannten „Zeitkäufe" verweigert. Den deutschen Lehrern, welche sie auf ihre Kosten erhalten, hat man nun vorgeschrieben, ein russisches Lehrerexamen zu machen und in russischer Sprache zu unterrichten. Die vertriebenen deutschen Bauern führen zuweilen Wagen und Pferde, mit ihren Habseligkeiten beladen, mit sich. Manche unter ihnen wollen nach dem Posenschen gehen, um sich auf den angekauften polnischen Ländereien kolonisieren zu lassen. — An der deutsch-französischen Grenze herrschen womöglich noch gespanntere Verhältnisse. Der Chauvinismus steht bei unseren westlichen Nachbarn in vollster Blüte. Nur selten findet sich ein Franzose, der einsichtsvoll und vorurteilsfrei genug ist, um der Frage näher zu treten, wohin der jetzige Zustand hochgradigster Ueber- reiztheit schließlich führen soll. Ein solcher erhebt eben jetzt seine Stimme im „Gaulois" und sagt: „Alles das wird ein schlechtes Ende nehmen, wenn man nicht bald Aenderäng schafft. Man wird sicherlich nicht Millionen Soldaten aus Anlaß eines einzelnen dieser kleinen Streitfälle mobil machen, aber in ihrer Gesamtheit werden sie gefährlich und wirken wie Nadelstiche, die einzeln leicht erträglich sind, zusammen aber eine schwere Wunde bilden." — Es ist bedauerlich, daß diese Ueberzeugung sich so spät Bahn bricht, und noch mehr, daß sie weit entfernt ist, allgemein geteilt zu werden. Was übrigens das vom „Gaulois" angenommene „beiderseitige Verschulden" an der heutigen Lage anlangt, so kann man dagegen zwar protestieren, muß aber doch bekennen, daß diese Ausfassung in den Augen der meisten Franzosen das denkbar größte Zugeständnis enthält, da sie fast alle der Ansicht sind, daß die gesamte Lage ein Ergebnis der deutschen Herausforderung sei. Sie sehen nur immer das, was ihnen von deutscher Seite entgegengehalten wird, niemals aber das, was sie selbst thun, zum mindesten aber stellen sie die Sache so dar, als
könnte, als wenn meine Hoffnungen fich wieder daran beleben könnten! Wirst Du ihn erkennen, wenn Du ihn siehst? Oh, wenn Dein Gedächtnis doch znrück- kehren möchte! Du sollst ihn sehe«, ehe ich ihn der Frau Johannes übergebe, der Frau Professor von Becker, der Tochter des Barons v. Raukendorf — vielleicht, welche wunderbaren Verhältnisse — meiner Schwester, meiner Stiefschwester!"
Zur Gesellschaft wollte Roderich nicht wieder hinunter, er fühlte fich auch vou der Aufregung so er- chöpft, daß er, nachdem er den Kasten in seinen Pult verschloffen, sich entkleidete und ins Bett legte. Daß er vor lauter Grübeln und Plänemachen den Schlaf nicht finden konnte, war begreiflich. Alle Zweifel, die ihn immer wieder aufs neue befielen, konnten nach feiner Meinung am sichersten durch deu Inhalt des Kastens gelöst werden, und fich eine Einsicht in das Testament zu verschaffen, bevor er eS der recht- mäßigen Eigentümerin zustellte, sollte seine nächste Aufgabe sein. Besser noch freilich konnte seine Mutter )ie gewünschte Aufklärung geben, sobald sie im Stande ein würde, der Vergangenheit fich wieder zu erinnern; aber es war sehr fraglich, ob fie, wenn überhaupt emals vollständig, schon in nächster Zest diesen Stand- -unkt erreichen würde, daher beschloß er, mit dem ersten Frühzuge nach Schleswig zu reisen und da
'ctt6orn/ den Kasten mitzunehmen und sich vom Müller Steffens die Art der Eröffnung desselben zeigen zu lasten.
Er verließ das Bett wieder in deu Augenblick, US er den Auf brach der letzten Gäste vernahm, die ' Üch /aut und lachend entfernten, schrieb einen Brief an seine Mutter, worin er ihr mitteilte, daß er ge- zwuugen sei, eine kleine Reise zu unternehmen, und wohl nicht vor dem Abend zurückkehren werde, vielleicht erst am andern Morgen, und bat fie, ihm zu ver. 1 zeihen, daß er erst am andern Tage fie in die neue Wohnung führen könne. AlS der Tag graute, ver- 1 ieß Roderich das still gewordene Haus mü einer Reisetasche um die Schütter, worin der Kasten not»
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Ausland.
Salzburg, 10. Aug. Der Hofzug, mit welchem Kaiser Wilhelm heute abend von Lend hier eintraf, wurde vorn Präsidenten Baron Czedik und von dem Hofrat Ritter von Klaudy geleitet. Auf dem Bahnhof hatten sich der Landeshauptmann Graf Chorinsky, Bürgermeister Scheibe!, zwei Stabsoffiziere der Garnison und der Kommandeur der Gendarmerie zum Empfang eingefunden. Als der Kaiser den Salonwagen verlassen hatte, wurde ihm von der Gräfin Pestalozza ein prachtvoller Blumenkorb überreicht. Die Menge begrüßte den Kaiser mit brausenden Hochrufen. Der Kaiser wohnt im Europäischen Hof. Die Abreise nach Passau ist auf morgen nachmittag 5 Uhr festgesetzt.
Paris, 11. Aug. Der „Agence Havas" wird aus Orsowa gerüchtweise gemeldet, der Prinz von Coburg werde nach seiner Ankunft in Widdin ein Rundschreiben an die Mächte erlassen, in welchem er ausführe, daß keine Macht eine Einwendung gegen seine Person erhoben habe, sondern lediglich gegen die Existenzbedingungen der Sobranje. Da er (der Prinz) diese Frage als von geringerer Bedeutung ansehe, so halte er sich für berechtigt, dem Rufe Bulgariens Folge zu leisten.
London, 11. Aug. Lord Salisbury hielt gestern abend eine Bankettrede im Mansionhouse. Er betonte die Pflicht der Regierung, die ihr gewordene Aufgabe zu erfüllen und die von der Kammer bewilligten Mittel zur Erhaltung der Ordnung in Irland auf die ihr am geeigneten erscheinende Art und Weise zu verwenden; die Regierung habe die Pflicht, dürftig Platz fand, und waudette zum Bahnhof, wo er noch frühzeitig genug aukam, um vor dem Abgang des Zuges zur Belebung seiner Neiv-n eine Taffe Kaffee und etwas Brot genießen zu könneu.
In Schleswig angekommen, «ahm Roderich sich einen Wagen und fuhr nach Helleuborn. Im Wirtshause des Dorfes ergab sich schon die gänzliche Ver- geblichkeit seiner Reise. Man sagte ihm, daß am vorgestrigen Tage der Müller Steffens mit seiner Tochter nach Leipzig gereift fei, um der Tochter deS verstorbenen Barons die letzten Grüße ihres Vaters zu überbringen. Man war hier schon von allem unterrichtet, daß der Gutsherr ein Testament zu Gunsten der verstoßenen Tochter gemacht, daß er es dem Müller anvertraut, und daß der Blitz in die Mühle geschlagen, während alle Hausgenossen in Malhagen auf der Hochzeit gewesen. Man fügte hinzu, daß Johano Hinrich Steffens halb wahnsinnig 'ei und den Schl ig nicht überleben würde. Auf den Verdacht der Brandstiftung war man noch nicht ge» kowmeu. Roderich wurde gefragt, ob er etwa die Frau des Müllers sprechen wolle, die zur Zeit noch in Malhagen sei. Roderich versprach sich zwar von dieser Weiterreise sehr wenig, machte sich aber doch dahin auf den Weg.
Frau Steffens empfing ihn zurückhaltend, als er aber erklärte, daß er vou der Fran P oftffor von Becker käme, die zur Zeit in Kiel wohne, da wurde ie freundlicher und unhellsamer, erzählte den ganzen Borgang sehr umständlich, antwortete aber doch auf eine hingeworfene Frage, ob ihr Mann fie ringe« weiht habe in das Geheimnis, wie der Kasten zu er« chließeu sei, mit nein. Ihr mitjuteilen, daß er im Besitz des Kastens sei, hielt Roderich nicht für an» gezeigt und notwendig.
„Wissen Sie zufällig," fragte er sie, „in welchem Gasthaus Ihr Herr Gemahl logiert?"
„Der Pastor in Hellenborn riet ihm, „das Hotel du Nord" zu wählen."
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Deutsches Reich.
Berlin, 11. Aug. Fürst Bismarck ist heute abend 6 Uhr hier eingetroffen, wird sich zwei Tage lang hier aufhalten und auch vom Kaiser empfangen werden. — Die Nachrichten über das Befinden des Kronprinzen sind befriedigend. Allerdings hat man sich in der begreiflichen allgemeinen und tiefgefühlten Freude über die Besserung im Zustande des Thronerben vor gutgemeinten Uebertreibungen zu hüten. Nachdem ein Wiener Blatt gestern beunruhigende Meldungen über den Kronprinzen gebracht, haben wir Gelegenheit genommen, bei einer schon ihrer Stellung nach unterrichtetenPersönlichkeitErkundigungen emzuziehen. Danach kann mit denkbar größter Sicherheit auf die baldige und vollkommene Wiederherstellung des Pattenten gerechnet werden, aber heute schon von der vollendeten Wiederherstellung zu sprechen, wäre verfrüht. Schon daß der Aufenthalt des Kronprinzen in England resp. Schottland um drei bis vier Wochen verlängert wird, spricht nicht dafür, daß die Aerzte ihre Aufgabe als bereits erfüllt ansehen. — Ueber die Sommer-Reisen der Minister berichtet die „N. Pr. Ztg." folgendes: Von den mit Urlaub abwesenden Mitgliedern des Staatsministeriums werden der Justizminister Dr. Friedberg anfangs und der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf Mitte nächster Woche hier wieder eintreffen. Der Vize - Präsident des Staatsministeriums, Minister v. Pnttkamer, welcher sich von Westerland ans Sylt noch nach Pommern begeben will, der Staatsminister und Staatssekretär des Innern v. Bötticher und der Minister für die öffentlichen Arbeiten Maybach kehren gegen Ende August wieder nach Berlin zurück. Der Kultusminister Dr. v. Goßler, welcher seinen diesjährigen Urlaub erst am heutigen Tage von Göttingen aus antritt, trifft Mitte der zweiten Hälfte des Septembers hier wieder ein. Der Finanzminister v. Scholz wird dieser Tage einen mehrwöchentlichen Urlaub antreten und dem Vernehmen nach sie auf seine bei Konstanz belegene Besitzung begeben. Der Minister für die Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. Lucius, geht Ende nächster Woche in Urlaub. Dr. Lucius mitt zunächst auf kurze Zeit nach England reifen und sodann den übrigen Teil des Urlaubes auf seinen Gütern Groß- und Klein-Ballhausen bei Erfurt zu- bringen. Vollständig versammelt wich das Königliche Staatsministerium erst gegen Ende September hier wieder sein. — In den Ausführungsbestimmungen des Branntweinsteuer-Gesetzes ist die Stundung der
Er stand ans und ging mehrmals im Zimmer auf und ab.
.*äber „nei”' "ein!" fuhr er fort, und seine Augen blickten plötzlich Heller, freudiger, „es ist ja gar nicht möglich, hat dies fürchterliche Wort mich so sehr getroffen, daß mir alle Fähigkeit verloren gegangen ist, die Thatsachen richtig mit einander zu verknüpfen? Wenn meine Mutter wirklich Wesselbachs Tocht-r ist 0 ist fie auch die legitime Gemahlin des Barons von Rankendorf, ist fie es nicht, ja, dann stehe ich wieder vor dem Rätsel, dessen Lösung ich als so nahe bevorstehend glaubte."
Wiederum verdüsterten sich seine Züge, und in dumpfem Tone sagte er:
»Aber der Traum — es war am Sonntage, als ber Traum ihr sagte, daß er gestorben, und am Sonntage starb auch der Baron — kann dieser nicht auch noch eine Geliebte gehabt haben, die ihm entfloh und in die Irrenanstalt zu Weißenberg kam? Gott, Gott, wer bringt mir Licht in diese furchtbaren Zweifel?"
Er trat an den Tisch und nahm den Kasten in die Hand.
„Wenn er zu öffnen wäre? Sein Inhalt würde das Dunkel lichten! Nur der Müller zu Hilleuborn kennt das Geheimnis, wie er zu schließen ist. Wenn ich den Kasten zertrümmerte ? Wäre ich deshalb zu tadeln?" 0
_ Roderich besah den Kasten von alle» Seiten, er brndtte hier nnb ba, er schüttelte ihn, aber vergebens. Da fiel plötzlich sein Blick aus das eingraviette Bild der runden silbernen Platte.
„Was ist das?" rief er aus. „Ist das nicht die EngelSburg zu Rom und die Brücke mit deu Statuen? lud ist es dieser Bild, meine Mutter, welche? Du chon früher gesehen zu haben glaubtest? In Wirk- lichkett und vielleicht auch schon auf diesem Kasten? Inb da stehen auch die Anfangsbuchstaben eines Namens: G. v. R, geb. v. W. Ach, eS ist nur ein schwacher Beweis, es ist eigentlich gar kein Beweis, aber eS ist mir doch, als wenn ich mich daran hatten
mit noch gute Weile haben; diese Partei braucht den Steuerdruck zur Erregung ber Unzusriebenheit unb bietet daher bie Hand zu Erleichterungen dieser Art nur bann, wenn sie gar nicht ausweichen kann.
So haben die arbeitenden Klassen von jener Zollerhöhung nicht den mindesten Nachteil gehabt, c. Grott wohl aber eine, wenn auch nach den Absichten der [433» Regierung keineswegs ausreichende Erleichterung der rdt's j Kommunallasten erlangt. Die Landwirtschaft freilich hat die von der Zollerhöhung erhoffte Verbesserung ihrer Lage nur zu einem geringen Teile erreicht. Sie leidet nach wie vor unter dem Preisdrucke, welcher den landwirtschaftlichen Betrieb mehr ober minder unrentabel macht unb die Landwirte nötigt, sich bezüglich ber Ausgaben die größte Zurückhaltung aufzuerlegen. Daß dabei die übrigen Erwerbszweige, Industrie unb Handel in Mitleidenschaft gezogen werden, ist klar. Der Absatz der Erzeugnisse des heimischen Gewerbefleißes, der Geschäftsumfang der Handeltreibenden verändert sich in demselben Umfange, wie die Kvnsumtionssähigkeit des noch immer wichtigsten inländischen Konsumentenkreises, desjenigen der Landwirte. Dies ist um so erfreulicher, als gerade ber inlänbische Absatz nicht blos ber sicherste, sondern auch der lohnendste ist.
Die industriellen Arbeiter, deren Löhne wesentlich vcs 6on dem Umfang des Absatzes unb dem babei er-