Mr. 185
Marburg, Mittwoch, 10. August 1887
XXII. yuitgang
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Illustriertes Sonntagsblatt.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenftein undVogler in Franlfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien Rudolf Moffe in Iranlsurt a. M., Berlin.München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frank iurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain
Ervedrtion Markt 21. — Redaktion. Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
. Erscheint täglich außer au «Ztagen nach Tonn- und ! «riertagen. — Quartal- Itonnements-Preis bei der Edition 2'/. Mk., bei Postämter 2 SRI. 50 «kg. (efd. Bestellgeld). ch»sertionsgebahr für die «soaltene Zeile JO Pfg, NeSamen für die Zeile 25 Pfg.
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aller Welt und dem ganzen Hasse der augenblicklichen Stimmung preisgegeben wurden, ist herzzerreißend."
Nach einer telegraphischen Meldung, wurde unterm 8. d. M. von den französischen Behörden der Firma Weisbach die Wiedereröffnung ihrer Spielwaren-Fabrö! in Embermsnil gestattet. Ohne sich lächerlich zu machen, kann nun einmal die „Republik Frankreich" nicht mehr sein.
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angemessen hielte, das Herz meines kranken Vaters vor seinem Tode wieder zu gewinnen. Und deshalb md wir nach Kiel gereist, damit ich von hier aus mich mit meinem alten Freunde, dem Müller Steffens, in Verbindung setzen könne, um mit ihm mich zu be- raten, welcher Weg wohl einzuschlageu sei. Habe ich auch in den Augen meiner Standesgenossen gefehlt, als ich dem Manne mein Herz schenkte, deffen Adel der Gesinnung ich längst erkannt hatte, so bin ich mir doch vor Gott keiner Schuld bewußt, ich gab den Vater, gab die Heimat auf, achtete nicht der bösen Rede, die der Abtrünnigen oachgerufen wurde, und wlgte dem bürgerlichen Künstler, dessen Größe und Erhabenheit meine Seele bezwungen, dessen höchste Höhe in der Kunst die Anerkennung der ganzen Welt ich errang. — Ich mußte ihn dahingebeu, zu dem ick hinaufblickte, wie zu dem Inbegriff alles Edlen und Schönen. Und nun trifft mich der zweite Schlag, fuhr fie mit schmerzlicher Stimme fort, „nun ist auch mein Vater tot, uud was ich mit glühender Sehnsucht erhofft, daß vor seinem Ende seine Hand auf meinem Haupt und dem meiner Kinder segnend ruhen möge, kann sich nicht mehr erfüllen. So wenig zugänglich auch von jeher sein Herz für die kindliche lceigung seiner Tochter war, so hart er mich auch von sich gestoßen, ich habe nie aufgehört, ihn zu tebeu, und nur einmal noch wollte ich an seine Ärust mken. Nun ist alles ans, unsere Reise war vergebens. Sobald die Leiche beigesetzt ist, gehen wir lus einen Tag nach Hellenborn, nicht auf das Schloß, on^rn in die Mühle zu meinem treue» Freunde Steffens, ich will am Grabe meines Vaters ein Gebet zum Himmel schicke», und wenn das vollbracht, kehre» wir nach Leipzig zurück. Ach, ich, seine einzige Tochter, tann ih» nicht zu seiner letzte» Ruhestätte geleiten, er hat mich uicht in sein HauS zurückgerufen, ich bin ausgeschlossen von der Feier! Wie mag wohl sei» Ende gewesen fein? Sollte er nicht noch ein Wort, ein Gruß für sein fernes Kind zurückgelaffeu haben? Ich würde schon dankbar sein, wenn er in seiner letzten
Stunde nur meinen Namen genannt, wenn er nur mit einem Gedanken meiner gedacht hätte!"
Annas und GeorgaS Thränen stossen mit denen der Mutter. ES war ein rührendes Bild, wie diese lieblichen schönen Mädchen, zu beiden Seiten der in ihrer Art ebenso schönen Matrone fast auf de» Kuien liegend, jede eine Hand der letzteren erfaßt hatten.
„Gnädige Frau," sagte Hans mit einer Stimme, der man es anhörte, daß er von Mitgefühl ergriffe» war, „ich danke Ihnen für das Vertrauen, dessen Sie mich in diesem Augenblick für wert erachten. Ge- tatten Sie mir, es auszusprechen, wie sehr ich mit Ihnen den Schmerz empfinde, der Ihr Haupt nieder- beugt. Verfügen Sie über mich, wenn ich Ihnen in rgend einer Weise dienen kann. Fran von SonnS hat mich eingeladen, an dem Begräbnis Teil zu nehmen — wenn ich schon früher »ach Hellenborn ginge? Venn ich dort Erkundigungen einzöge, ob Ihr Herr Vater vielleicht einen Aufttag, einen Brief für Sie zurückgelasse» hätte? Ich möchte so gern etwas thun, was Ihre» Kummer miudern könnte."
„Sie find sehr freundlich, Herr v. Lela, aber ich lehne Ihr Anerbieten dankend ab. Ist das, wonach Sie forschen wollten, geschehen und hat mein Vater eS einem von seiner gewöhnlichen Umgebung übertragen, so wird es, davon bin ich überzeugt, nicht >is zu mir gelangen, uud ganz bestimmt wird es auch hne» voreuthalten werden. Hat er dazu eine andere ^-rson gewählt, so wird diese mich schon zu finde» wiffen. Ich möchte gern alles vermeiden, was meinen Aufenthalt hier verraten könnte, ich bin hier vergessen, ich will nicht, daß mein Andenken wieder auflebt und die Bosheit aufs neue ihre Pfeile schärft. Ich will «8 wenigstens nicht sehen, uicht erfahren. Am letzten Tage meines Aufenthalts in Schleswig-Holstein werde ich Helleuboru besuchen, so unauffällig wie möglich. Mutmaßt man dann später, oder erfährt man eS wirklich, daß ich eS gewesen, so bi» ich wieder fern von der Heimat und höre weinen Nachruf nicht. Bis dahin bitte ich Sie, auch hier mein Inkognito zu ehre».*
„Ich werde es nicht verraten,' sagte Hans und fugte gleich darauf hinzu: „Und nicht wahr, gnädige Frau, sie lassen es mich nicht entgelten, daß ich ahnungslos vorhin Worte aussprach —•
„Oh nein, nein, gewiß nicht.'
«Sie gereichen der Frau von SonnS nicht zur Ehre; alle Verhältnisse müssen ihr bekannt sein; daß sie im Stande war, sich in so gehässiger Weise auszudrucken, toit ft ein helles Streiflicht auf ihren Cha- ratter. Vergesse» Sie diese Worte.'
„Sie find schon vergessen, beruhigen Sie sich darüber, mein Freund.'
„Sie nennen mich Ihren Freund? Ich bin eS in des Wortes wahrster Bedeurung.*
„Ich betrachte Sie als solchen. Ich wiederhole die Worte der Thekla im Walttnsteiu:
Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn. Ein unglücksvoller Zufall machte Sie Aus einem Fremdling schnell mir zum Vertrauten. Bleiben Sie der Freund und Vertraute, so lange wir in Kiel weilen.'
„Nur so lange?'
„Wir werde» Ihrer in Freundschaft gedenken."
„Und mir gestatten, wenn ich zum Winter nach Leipzig gehe, Ihr Haus zu betrete«?"
„Sie find uns willkommen."
„Oh Dank, tausend Dank!" kam es so frenbig der Hans Lippe», daß Anna und Georg« zu gleicher L ett aufblickten. Sein Auge traf ganz wie vorhin das der ersteren, aber diesmal fentte sie nicht de« Blick, sonder« hielt den seine» aus und als darauf >ie Lider sich schloffen, umspieüe ein glücklicher Zu« ür einen Augenblick ihre Lippe».
In dem Herze» des jungen ManneS rief eS laut: „Sie liebt mich!" Das Herz AnnaS aber fragte nur »och schüchtern: „Sollte er mich wohl lieben können?"
Auch Fra« Johannes, die dies Mineuspiel gesehen, fragte sich: „Sollte Orga Recht haben?"
Einen Augenblick ging HanS mit sich zu Rate, ob er «och einmal das Gespräch ans den Herrn von
diese Versicherung nicht wahrheitsgemäß abgegeben hat, wird von den Ministern des Innern und der Finanzen je nach dem Grade der Verschuldung auf Zeit oder für immer von der Prüfung ausgeschlossen. § 24. Zu einer Prüfung können mehrere, jedoch nicht über sechs Referendare vorgeladen werden. Nach einer Zirkularverfügung der Minister des Innern und der Finanzen sollen diese Aenderungen sofort mit der Maßgabe in Kraft treten, daß der § 12 in seiner neuen Fassung auf diejenigen Refe- rendarien keine Anwendung findet, bereit Beschäftigung in Domänensachen zur Zeit bereits ganz ober teilweise stattgefunben hat. Auf die Zahl der bei den einzelnen Regierungen überhaupt zur Beschäftigung zuzulassenden Referendarien sollen für die Folge alle in den Vorbereitungsdienst aufgenommenen Referendarien bis zum Zeitpunkte ihrer Ernennung zum Re- gierungsassesfor oder ihrer Entlassung aus dem Vor- berettungsdienst in Anrechnung gebracht werden. Hierbei kommen sonach in Betracht: 1. alle zur großen Staatsprüfung präsentierten Referendarien 2. die gemäß § 26 Abs. 2 des Regulativs vom 26. November 1883 behufs besserer Vorbereitung an eine Regierung zurückgewiesenen Referendarien, 3. die an eine andere Regierung behufs Ausbildung in Domänen-Verwaltungs-Angelegenheiten oder in den Geschäften des Bezirksausschusses vorübergehend überwiesenen Referendarien, und zwar sowohl bei der Regierung, der sie überwiesen sind, als bei derjenigen, von welcher die Ueberweisung ausgeht. So lange die hiernach zulässige Zahl noch durch die Zahl der zur Zeit beschäfttgten Referendarien überschritten wird, sollen Gesuche um Annahme als Regierungsreferendar nicht berücksichtigt werden. Soweit mit Rücksicht auf früher bereits erteilte Zusagen oder aus sonstigen besonderen Gründen die Ueberschreitung der Maximalzahl von den betteffenden Regierungspräsidenten für wünschenswert erachtet werden sollte, ist zu derselben die Genehmigung der Minister des Innern und der Finanzen in jedem einzelnen Falle einzuholen.
Aachen, 7. Aug. Die Versammlung der deutschen Forstmänner, welche int vorigen Jahre in Darmstadt tagte, wird in diesem Herbst vom 4. bis 8. September hier abgehalten werden. Dem Vernehmen nach sind u. a. Ausflüge nach den herrlichen Hochwalbungen im Südosten der Stadt in Aussicht genommen. Die Stadt Aachen wird den Forstmännern em Fest in den neuen großartigen Anlagen des Lous- bergs geben.
Nürnberg, 8. Aug. Der 18. deutsche Anthro- wlogen-Kongreß wurde durch den Vorsitzenden, Prof. Virchow aus Berlin, heute morgen um 9 Uhr int Museumsgesellschafts-Saale eröffnet. Derselbe erörterte die Entwickelung des Gebrauchs der Metalle bei den verschiedenen Völkern und die neuerforschte Kupfer- periode. Merkel begrüßte die Versammlung namens der bayerischen Staatsregierung, Bürgermeister v. Seyler
Don 1791 über die Zollgrenze gestützten Befehl enthielt, daß die Fabrik binnen 24 Stunden geschlossen werden müsse. Dieses Gesetz soll nämlich vorschreiben, daß für Fabriken in der Zollregion außer der gewöhnlichen Bau- und Einrichtungsbewilligung noch eine besondere Ermächtigung der Zollbehörde erforderlich ist, und bei der Errichtung der Fabrik scheint diese Förmlichkeit unterblieben zu sein. Daß die ganze Sache nur auf Schikaniererei hinausläuft, liegt natürlich auf der Hand. Die Gebrüder Weisbach erhielten 1881 die amtliche Niederlassungserlaubnis, und wenn diese anfechtbar war, so hätte doch die zuständige Zollbehörde Protest erheben müssen, da die Fabrik dicht vor ihrer Nase lag. Ein Vorgehen nach 6 Jahren entspricht den Forderungen der Billigkeit und des Rechtes entschieden nicht. Und um das Maß voll zu machen, sind alle deutschen Arbeiter der Fabrik, die binnen drei Tagen keine Arbeit gefunden, mit Ausweisung bedroht. Das spricht doch deutlich genug für den Geist der Maßregel. Die Reichsregierung hat sich natürlich der Gebrüder Weisbach angenommen, und man kann nun gespannt sein, welches Resultat die Verhandlungen nehmen werden. Feststeht freilich schon jetzt, daß den Eigentümern der Fabrik durch die Schließung der letzteren ein großer Schaden erwachsen ist.
Einer der Inhaber der Fabrik schreibt in einem Privatbrief, der in die Oeffentlichkeit gelangt ist, folgendes: „Wenn wir auch durch Vermittelung des Reichskanzleramtes wohl die Erlaubnis zur Wiedereröffnung erlangen werden, wozu alle Aussicht vorhanden scheint, da die deutsche Negierung die Sache mit aller Energie in die Hand genommen, so ist doch immerhin unsere und unserer armen deutschen Arbeiter (60 Seelen) Lage eine im höchsten Grade mißliche. Unser Besitz ist durch den Streich entwertet, die Arbeit von 5 Jahren vernichtet. Wir haben wohl für 30 000 Fr. halbfertige Ware liegen, die wir nicht fertig machen lassen, für 140 000 Fr. Kommissionen, die wir nicht ausführen können. . . . Der Präfekt bezieht sich auf einen § von 1791, der in keiner Gesetzessammlung mehr zu finden ist, Niemand konnte uns bis jetzt sagen, was er enthält. Wir wissen also eigentlich bis jetzt selöst noch gar nicht, warum mir gemaßregelt worden sind. Heute reise ich nach Nancy, um vielleicht dort zu erfahren, was der betreffende § sagt und um mir einen Rechtsbeistand zu nehmen, d. h. wenn ich dort einen bekomme, denn unser Anwalt in Lüneville hat sich geweigert, uns in der Sache zu dienen, weil wir Deutsche sind. Fünf Jahre lang hat er indeß in allen Angelegenheiten uns als Berater gedient und mit Vergnügen unser Geld genommen, jetzt hat er es refüsiert, uns zu dienen. Was wir thun und wo anfangen sollen, wir wissen es nicht, der Jammer unserer Arbeiter, die treu wie Gold zu uns stehen und mit dem einen Schlage in Armut und Elend, in fremdem Lande brotlos, verlassen von
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Aug. Der preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhle, Wirkl. Geh. Rat von Schlözer, hat sich am Sonntag früh von hier zum Reichskanzler Fürsten Bismarck nach Varzin begeben, von wo er in zwei bis drei Tagen hierher zurückzukehren gedenkt. — Der russische Botschafter am hiesigen Hofe, General Graf Paul Schuwalow, hat mit seiner Gemahlin gestern vormittag Berlin wieder verlassen und sich nach Schloß Remplin in Mecklenburg zurückbegeben, wo der Botschafter mit seiner Familie bis Ende dieser Woche zu verbleiben gedenkt. — Das Regulativ vom 30. November 1883 zu dem Gesetze, betteffend die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst, vom 11. März 1879, hat durch einen Erlaß des Staatsministeriums vom 16. Juni eine Abänderung erfahren. Hiernach sollen an Stelle der Paragraphen 12, 21 und 24 des Regulativs vom 30. November 1883 folgende Vorschriften treten: § 12. Behufs Ausbildung in Domänen - Verwaltungsangelegenheiten ist der Refereudarius bei der Finanzabteilung einer derjenigen Regierungen, in deren Bezirke größere Domänengüter vorhanden sind, während eines Zeitraumes von .nindestens 4 Monaten zu beschäfttgen. Zu diesem Zwecke, sowie behufs Beschäftigung bei einem Bezirksausschüsse oder in einem Geschäftszweige, für den die Behörde, bei welcher der Referendarius angenommen ist, eine genügende Gelegenheit zur Ausbildung nicht darbietet, kann derselbe auf seinen Wunsch vorübergehend und ohne daß es einer Versetzung nach § 4 bedarf, einer anderen Regierung zur Ausbildung überwiesen werden. § 21. Der Präsident der Prüsungskornmission hat dem zur Prüfung zugelasfenen Referendarius die Aufgaben zu den beiden wissenschaftlichen Arbeiten mitzuteilen. Jede dieser Arbeiten ist binnen einer sechs- wöchentlichen Frist abzuliefern, welche Frist aus erheblichen Gründen vom Präsidenten bis zu zwei Monaten erstreckt werden kann. Wird die Arbeit wegen gehörig bescheinigter Krankheit oder wegen anderer erheblicher Hindernisse nicht abgeliefert, so ist die Fristversäumung von dem Präsidenten für ent- chuldigt zu erachten und dem Kandidaten auf seinen Antrag eine andere Aufgabe zuzuteilen. Bei unent- chuldigter Fristversäumung gilt die Arbeit als ungenügend. Am Schluffe der Arbeiten hat der Referendarius die Versicherung abzugeben, daß er dieselben selbständig angefertigt habe. Der Kandidat, welcher
Der Fall Weisbach.
Als s. Z. Schnäbele an der Grenze von deutschen Polizisten verhaftet wurde, gab es in Paris ein furchtbares Lamento über deutsche Brutalität und wie die schönen Redensarten alle hießen. Der auch von uns erwähnte Fall Weisbach zeigt so klar, wie selten, wie in Frankreich das Recht geachtet wird. Es verlohnt sich, genau den Sachverhalt klar zu legen: Die seit dem Jahre 1873 zu Straßburg bestehende Firma der Gebrüder Weisbach, Kurz- und Spielwaarenhandel, Hai im Jahre 1881 zu Embermänil bei Lüneville, in Französisch-Lothringen, eine Fabrik gekauft, in welcher früher eine Korbfabrikation betrieben wurde, und hatte dort eine Fabrik von Kinderpuppen errichtet, deren Produkte Grossisten, sowie Puppeu- ankleidern in Frankreich verkauft wurden. Vor Eröffnung dieser Fabrik hatten die Gebrüder Weisbach durch den Bürgermeister von Embermsnil, an welchen fie empfohlen waren, alle nötigen Förmlichkeiten zur Erlangung einer Bau- und Betriebsbewilligung eines Gewerberpatentes erfüllen lassen. Die betteffenden Papiere wurden ihnen von diesem Bürgermeister zu- gestellt, und so dachten sie, daß alles in bester Ordnung sei. Embermsnil liegt einige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, zwischen der vielgenannten Grenzstation Avricourt und Lüneville. Bis zur Gründung der Fabrik der Gebrüder Weisbach gab es in Frankreich kein ähnliches Geschäft. Die französischen Grossisten und Puppenankleider ließen sich bis dahin die Puppenleiber aus Deutschland kommen und auch jetzt giebt es nur ein konkurrierendes Geschäft in Frankreich. Wegen der hohen Eingangszölle hatten die Gebrüder Weisbach ihre Fabrik in Frankreich gegründet und ihre Konkurrenz richtete sich nicht gegen dieses Land, sondern gegen Deutschland. Ihre Rohstoffe bezogen sie, soweit erhältlich, aus Frankreich, außerdem kauften sie jährlich in Frankreich für 50 000 Franken Kurzwaaren ein, die für ihr Straßburger Geschäft bestimmt waren.
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Da stellte mein Vater mir die Alternative, von hm Musikanten zu lassen und dem Manne meine H°»d zu reichen, den er bereits für mich gewählt, ober mich von dieser Stunde an nicht mehr als feine pochier betrachten, die er ans seiner Nähe verbannen und enterben würde. Ich wählte das Letztere »nb eine Stunde später wanderte ich, eine Ausgc- Mene, den Berg hinab nach der Mühle. Becker ichloß mich in seine Arme und versprach mir, das «oen an seiner Sette dennoch zu einem beneidens- tottten zu machen. Er hat Wort gehalten. Noch nnmal wvrde ein Versuch gewagt, das Herz meines Astrs zu meinen Gunsten zu bewege». Müller ««ffeus, auf bett mein Vater immer große Stücke Malte», ging ins Schloß hinauf, aber auch ih» be» llrdigte der erregte Man» derartig, daß auch er das «chloß nicht wieder betreten konnte.
Wir feierten unsere Hochzeit ohne den Segen des «aters. Ich begleitete meinen Gatten auf allen feinen "tofeu, fast die ganze Welt haben wir durchstreift, «ew Ruhm wuchs von Jahr zu Jahr. Ich war Slncklich an feiner Seite und" hätte das Glück noch »efer empfunden, wenn es mir möglich gewesen wäre, «einen Vater zu versöhnen. Ich schrieb von Zeit zu «eit an ih», zu seinem Geburtstag regelmäßig. Aber *”e erfolgte eine Antwort. Schmerzlich für mich war **' "aß ich auch noch diese Briefe hinter dem Rücken «eines ManneS schreiben mußte. Mein Gemahl war »er edeldenkendste Mensch auf der Erde, ober zu tief ®“r die Kränkung meines Vaters ihm in die Seele Sedrunge»; in diesem einen Punkt war er starr und »»versöhnlich, er wollte nicht, daß jemals in diesem r-tt’eu eine Annäherung wieder statt fände, es fei «««, daß mein Vater ihn fußfällig nm Verzeihung sufttH „.»v Erst auf feinem Sterbelager hat er mir eS l । Schattet, diejenige» Schritte einzuleiten, die ich für
In der ersten Zeit waren die Gebrüder Weisbach ß|'| genötigt, in ihrer Fabrik zu Embermsnil fast aus-
___ ' - schließlich deutsche Arbeiter zu verwenden, weil sie in ' 01 ■ Frankreich aus dem bereits angegebenen Grunde, keine
fanden, die mit dieser Arbeit vertraut waren. Nach und nach bildeten sie aber französische Arbeiter heran, ^■1 und in der letzten Zeit waren von den etwa hundert Personen, die sie beschäftigten, nur noch etwa zwei Fünftel deutschen Ursprungs. Schon vor einiger Zeit war die Weisbachfche Fabrck von dem Pariser Journal „France" als eine nicht zu duldende deutsche Niederlassung denunziert worden. Da sich aber die Gebrüder Weisbach nicht mit Politik, sondern nur mit Ihrem Geschäfte abgaben, so glaubten sie vor besonderen Maßregeln sicher zu sein, als am 30. Juli ein Gendarm erschien und ihnen einen Beschluß des Präfekten Herrn Schnerb zu Nancy kund gab, der vom 6. Mai datiert war und den auf ein Gesetz