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Marburg, Dienstag, 9. August 1887.
xxii. Jahrgang
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Anzeigen nimmt entgegen- die Expedition d. Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureaux- von Haasenstein undVogler in Frantfurt a. M., Gaffet, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankjurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris.
Gemäldes „Mors Imperator" von der Ausstellung teilt der Präsident der Akademie Becker das Votum der Ausstellungs-Jury mit, welches dahin lautet, daß nicht der Stoff an und für sich, sondern der unkünstlerische Ausdruck eines schiefen Gedankens Grund der Ablehnung sei. Dieses einstimmig abgegebene Urteil sei dem Kaiser berichtet worden. — Zur Luxemburger Erbfolgefrage wird der „Franks. Ztg." von informierter Seite folgendes mitgeteilt: Die Diplomatie hat sich bereits mit der Eventualität des Todes des Königs der Niederlande beschäftigt und einen Gedankenaustausch zwischen den europäischen Mächten mitBezug auf die Luxemburger Thronfolge herbeigeführt. Es besteht nunmehr ein vollständiges Einverständnis zwischen den Mächten, daß der Herzog Adolf von Nassau sofort nach dem Tode des Königs Wilhelm III. zum Großherzog von Luxemburg proklamiert werde und den Luxemburger Thron besteige. Das Erbfolgerecht des Herzogs von Nassau gilt als unanfechtbar. Da der König Wilhelm die ottonische Linie des Hauses Nassau in ihrem Mannesstamme erlischt und in Luxemburg die weibliche Erbfolge ausgeschlossen ist, so succediert die wallramische Linie Nassau. Die Selbständigkeit des Großherzogtums wird dessen Neutralisierung zur Folge haben. Die meisten europäischen Mächte geben sich der Erwartung hin, daß die Frage ihre naturgemäße Lösung in aller Ruhe finden werde; sollten sich jedoch wider Erwarten irgendwelche äußere Einflüsie geltend machen, würde der Herzog von Nassau auf die Unterstützung der Zentralmächte mit Sicherheit rechnen können.
Ausland.
Wien, 6. Aug. Die „Wiener Abendpost" schreibt: „Der Kaiser Franz Joseph ist Mittags in Gastein eingetroffen, um seinen erlauchten Freund und Verbündeten Kaiser Wilhelm zu begrüßen. Längst gewohnt , in diesen regelmäßig wiederkehrenden Begegnungen der beiden mächtigen Monarchen ein sicheres Unterpfand des Friedens zu erblicken, begleitet die öffentliche Meinung Europas auch die diesjährige Zusammenkunft beider innig befreundeter Herrscher mit vollen Sympathien. Die Völker Oesterreich- Ungarns aber wenden ihre Blicke voll freudiger Hoffnung nach dem herrlichen Alpenbade, in der Überzeugung, daß das zwischen dem altehrwürdigen Reiche der Habsburger und dem deutschen Reiche zum beiderseitigen Helle bestehende überaus herzliche Einvernehmen durch das persönliche Zusammentreffen der erhabenen Gebieter beider Staaten nur gekräftigt werden kann."
Gastein, 6. Aug. Kaiser Wilhelm machte gestern nachmittag der Gräfin Lehndorff einen längeren Besuch, und nahm daselbst abends den Thee ein. Gestern waren zur Tafel geladen der Oberhofprediger Dr. Kögel und Herr v. Willenberg. Heute früh nahm Se. Majestät ein Bad und machte daraus einen
und wenn es auch hart klingt, hier giebt es kein anderes Mittel, als: Arbeiten oder Hungern. So hart der Ausspruch klingen mag, diese Härte ist notwendig.
Der sträfliche Leichtsinn eines immerhin noch großen Teiles des Publikums, gegenüber dem professionsmäßigen Vagabondentum beeinträchtigt ganz wesentlich die Wirksamkeit der gemeinnützigen Einrichtungen gegen die Landstreicher. Die letzteren werden sich begreiflicherweise hüten, solche Verpflegungs- oder Unterstützungsstationen aufzusuchen, wenn sie beim Betteln von Haus zu Haus Geld genug herausschlagen. Auch die Wachsamkeit der Polizei kann nichts ausrichten, wenn das große Publikum nichts thut. Kommt es doch gar nicht so selten vor, daß die Stromer noch besonders gewarnt werden, nicht einen bestimmten Weg einzuschlagen, weil dort ein Polizeibeamter wohne. Das heißt doch direkt die Bettelei und die Vagabondage fördern. Und die letztere muß auf das eifrigste bekämpft werden, denn sie entzieht nicht nur der allgemeinen gewerblichen Thätigkeit viele Kräfte, sondern liefert auch zahlreiche Rekruten für das Verbrechertum. Deshalb ist hier jedes Mitleid von Uebel, es hilft nur Strenge.
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haar Geld sind vor Kurzem bei einem „armen Reisenden" im Königreich Sachsen gefunden worden, welches er sich im Laufe der Jahre zusammengefvchten hatte. Der Mann nahm außerdem noch alle Stationen mit, welche zum Besten reisender Handwerksburschen errichtet sind und in denen für Billiges viel Gutes geboten wird, und lebte somit seinen guten Tag. Sem Leben ist ein weit bequemeres, als wenn er
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Während sie spielten, flüsterte Georgs ihrer Mutter zu: „Das wird ein Paar.*
Frau Johannes erschrak förmlich bet diesen Worten ihrer Tochter. „Georga,* sagte sie ebenfalls leise, „wie kannst Du eine so leichtfertige Aeußeruug machen! Wenn Herr v. Bela ahnte, daß Du auch nur im Scherz solche Aeußerung gethan, er würde unsere Schwelle nicht wieder betreten. Du bist ein liebes, gutes Kind, Orga, aber Du läßt Dich noch zu sehr gehe», Du sprichst, was Du denkst, mit einer Kühn- beit ans, die mich schon oft in Verlegenheit gebracht hat. So die Einladung heute Nachmittag. Me wird Herr v. Wesselbach es aufgefaßt haben, daß er von Damen sogleich zum Abendbrot eingeladen wird, ohne daß wir ihn kennen, ohne daß er vorher einen offiziellen Besuch abgestattet?"
„Daß er es gut aufgefaßt hat, bezeugt sein Erscheinen."
„Das ist noch die Frage; er kam allerdings, doch nur, um sogleich wieder zu gehen. Nimm Dich doch in Zukunft ein wenig zusammen, wäge Deine Worte genau ab, man darf in keiner Lage die herkömmlichen Formen mißachten nnd niemals taktlos erscheinen."
„Du hast ganz gewiß Recht, liebe Mama, ich verspreche es Dir, mich mehr zusammenuehmeu zu wollen, aber daS wird doch ein Paar!"
Hans war kaum im Stande, seine Aufmerksamkeit o weit aus Noten und Tasten zu richte», um nur nicht falsch zu spiele». Diese unmittelbare Nähe der liebliche» Mädchens, wo leichte gegenseittge Berührungen gar nicht vermieden werden konnte», so entzückend sie ihm war, brachte doch eine solche Unruhe in den Kreislauf seines Blutes, daß fein Herz tark klopfte nnd sein Atem schwerer ging. Me belauerte er, alS die Symphonie zu Ende war, nun aufstehen zu müssen; so kurz war sie ihm noch nie vorgrkomme»; wie war ei möglich, daß schon alle Blätter umgewandt waren?
Anna wollte eine zwette Flasche entkorken, er wmde ihr schwer, der Pftopfen saß zu fest. Haar
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rechtschaffen mit Hammer und Kelle, der Zehntausend- Mark-Mann war feines Zeichens Maurer, thätig wäre. Der Fall ist seiner speziellen Art nach ein sehr vereinzelt dastehender, aber nicht selten ist er als
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
, Nachdruck verboten.
„Gott mag wisse», woher es kommt," fuhr Wesselbach fort, „ist es der zerrüttete Zustand meines Ge- hiruS und eine daraus hervorgeheude krankhafte Logik, oder ist es nur das Bedürfnis der Seele, die, an- SepchtS eines vielleicht baldigen Endes, sich für die nch mehrenden Gewissensbisse ein Beruhiguogsmittel sucht, ich kann den Gedanken nicht wieder verscheuche», daß meine Tochter gar nicht tob ist und sich in irgend einem Winkel dieser Erde vor dem Gatten, der sie Mßhandelte und vor dem Vater, der ihr keinen Schutz gurähreu wollte, versteckt hat. Alle Gründe, die ich vir selbst schon hundertfach dagegen angeführt, nütze» nichts, ich widerlege fie immer mit dem einen «ort: ES ist wenigstens möglich. Immer mehr werde «h von dieser Annahme beschäftigt, immer mehr setzt m sich bei mir fest, so daß ich den Enschluß gefaßt dabe, den nächste» Winter nach Italien zu gehen, und wenn ich mir auch sagen kau», daß die Reise S-nz erfolglos fein wird, so beruhigt es mich vielleicht, «te Stätte in Rom wiederzusehe», wo meine Tochter heweilt, und vielleicht werde ich ja auch gänzlich dort von meinem Wahn geheilt. Du hast,* fahr er fort, »heute nachmittag durchblicken lassen, daß Du Dich
‘j"e der beiden Töchter der Frau Johannes inter- Mertz. Ich denke mir, wenn Du Heiratsgedanken Vst, so sehnst Du Dich nach einem Heim, und gibt « einen schöneren Aufenthalt für ein junges, ver- «ebteS Paar, als unser Schloß mit seiner schönen uuigebung? WaS hast Du mir darauf zu erwidern?" , „Ich muß ja schon »achgebeu, Onkel, da Du es so sehr wünschest!*
.Ist eS denn jetzt nicht auch Dein eigener Wunsch?* «Der Gedanke ist mir nicht mehr nmmgeuehm.* »Topp, nnn ist eS abgemacht. Du zahlst mir eine Erliche Peufio», die wir noch näher feststellen können, Md ich übergebe Dir schon jetzt dar Majorat als
ftföeint täglich außer an Detttagen nach Sonn- und ■tiertogen. — Quartal- «ormementS-PreiS bei der Expedition 21/. Mk.. bei Postämter 2 Mk. SN gfo. (excl. Bestellgeld). 4wertiouSgebühr für die in
allgemeiner Belag für die Thaffache, daß das Herum- lungern auf der Landstraße und das Fechten vor stemden Thüren seinen Mann noch ganz behaglich nährt. Den wirklichen, Arbeit suchenden Handwerks- burschen, der durch großes Reisepech genötigt wird, auch an Thüren anzuklopfen, die nicht Meistern seines Gewerkes gehören, kann man schon unterstützen, und mancher, der selbst in jungen Jahren mit dem Ränzel auf dem Rücken Deutschland durchwandert ist und des Reisens Lust und Leid kennt, thut es gern, denn solche Personen treibt nicht der angeborene Hang zum Müßiggang, sondern wirkliches Bedürfnis; aber die Gewährung von Beihilfen an die frech auftretenden : .Stromer" ist ein wahres Verbrechen. Der Unterschied zwischen den verschiedenen „armen Reisenden" I ist leicht zu erkennen; das Stromertum giebt dem Gesicht einen wüst-frechen Ausdruck, welcher von vornherein abstößt.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt heute: Auf Wildbad Gastein und die dort stattsindende Begrüßung Kaiser Wilhelms mit Kaiser Franz Josef sind am heuttgen Tage die Blicke und Gedanken der Friedensfteunde der ganzen Welt gerichtet. Deutschland und Oesterreich - Ungarn, verkörpert in den herrschgewaltigen Personen ihrer erhabenen Souveräne, reichen sich in der Abgeschiedenheit jenes vielgenannten Alpenkurorts, wie in früheren Jahren, so auch heute wieder die Hand zur Erneuerung jenes Bruderbundes, der, in guter Stunde zuerst geschlossen, seinen segensreichen Einfluß vorbeugenden und ausgleichenden Wirkens schon so manchesmal zur Geltung gebracht hat. Durch gemeinsames Bedürfnis, gemeinsame Neigung, gemeinsame Jntereffen auf Bethätigung einer friedlichen Politik hingewiesen, haben die mitteleuropäischen Kaiserreiche sich dieser ihrer Mission mit dem ganzen sittlichen Ernste gewidmet, den das Bewußtsein, das Gute zu wollen, gepaart mit der Kraft, es zu vollbringen, verleiht, und lassen sich, statt alles Lohnes, an dem Erfolge genügen, daß Europas Friede die Frucht ihrer Bestrebungen gewesen ist. Ein weithin sichtbares Zeichen der deutsch-österreichischen Bundes- freundschast stellt den Völkern beider Reiche die heutige Gasteiner Zwei - Kaiser - Begegnung dar und wird als solches freudwillig und mit dem Wunsche begrüßt, daß der Bestand des europäischen Friedens aus dieser Monarchenzusammenkunft erneute Kstäfte schöpfen möge. — Das Eintreffen des Kronprinzen wird gegen den 10. d. M. erwartet. Davon, daß
selbstständiges Eigenthnm. Wir wollen morgen eingehender darüber sprechen, ich sehe eS Dir an, Dir brennt der Boden unter den Füßen, weil es schon nach acht Uhr ist. Na, brechen wir ans. Aber aufrichtig gestanden, mein Junge, mir kommt diese abendliche Visite etwas sonderbar vor.*
„Badefreiheiteu.*
„Was mich betrifft, so beschränke ich meinen Besuch nur auf eine Antrittsvisite und ziehe mich sogleich wieder zurück.*
„Onkel Du wirst doch nicht?*
„Ich entschuldige mich damit, daß die Seeluft wich müde gemacht, was auch in der That der Fall ist. Zudem suche ich überhaupt gern um neun Uhr mein Bett auf. Wenn ich fort bi», hast Du ja das Reich allein.*
Wenige Minuten später stellte Hans de» Alten >er Frau Johannes und ihren Töchter» vor. Der 2heim führte feinen Vorsatz aus, nach einer Viertelnde zog er sich, trotz der dringenden Aufforderung, zu bleiben, zurück. Nun hatte Bela wirklich daS Reich allein. Im Nebenzimmer hatte Georga den Theettsch »ergerichtet, auf dem sich außer der Theemaschiue nur Brot und etwas falte Küche befanden.
»Sie sehen, Herr v. Bela,* sagte $ran Johannes, als fie fich zu Tische setzte», „daß wir keine Umstände gewacht haben. Wir haben daS Abendbrot ebenso einfach hergerichtet, wie wir es in Leipzig thateu, wo wir fast an keinem Abend ohne Gast waren."
ES war ein länglicher Tisch, an dem fie saßen; Hans nahm mit Frau Johannes, der er den Ar» geboten, die LängSsette ein, links von ihm an der Breitseite saß Anna, ihm gegenüber Georga. Der vertrauliche To», der schon heute nachmittag angebahnt war, setzte fich »och in gesteigertem Maße während >es EsfeuS fort, und als daS Mahl beendet war und te wieder in das Wohnzimmer zurückkehrten, war es >en Damen und Hau«, als wenn fie fich schon Jahre aug gekannt hätten.
sich der Kronprinz demnächst zu einer Nachkur nach Bad Ems begeben werde, ist noch nichts bekannt. — : Dem Vernehmen nach war die jüngste Reise des preußischen Finanzministers nach Varzin vorzugsweise durch die Ausführungsbestimmungen veranlaßt, welche der Bundesrat nach seinem Wiederzusammenttitt in bezug auf das neue Branntweinsteuergesetz zu erlassen hat. — Die „Post" sagt: Eine große Anzahl der sranzösischen Blätter erhob bei der Besprechung von Katkoffs Tode Anschuldigungen, welche die Leiter der deutschen Politik als gewerbsmäßige Giftmischer und Mörder darstellen. Wir wollen an jene Verdächtigungen nur die Bemerkung knüpfen, daß sich in ganz Frankreich auch nicht eine Stimme gefunden hat, um gegen die moralische Verkommenheit, welche aus jenenVer- dächtigungen spricht, Protest zu erheben. Dies zeugt von einem durch die deutsch-feindliche Partei ausgeübtenTerro- rismus, der hier nicht außer acht gelaffen werden darf. — Kultusminister von Goßler stattete gestern nachmittag dem hier eingetroffenen Gesandten von Schlözer einen Besuch ob. Am Vormittage hatte Herr v. Schlözer dem Kultusminister einen Besuch gemacht. — Der preußische Kultusminister veröffentlicht im „Staats- Anzeiger" eine Bekanntmachung, betreffend das Seminar für orientalische Sprachen; die Eröffnung des Seminars wird am 18. Oktober stattfinden. Die Direktion derselben ist dem ordentlichen Professor an der hiesigen Universität und Mitglied der Akademie der Wissenschaften Hierselbst, Dr. Karl Eduard Sachau, kommissarisch übertragen. Mitglieder des Seminars können sowohl künftige Aspiranten für den Dolmetscherdienst des Auswärttgen Amts, als auch Angehörige sonstiger Berufsstände werden, sofern sie den erforderlichen Grad geistiger und sittlicher Reife besitzen. Meldungen zum Eintritt sind unter Beifügung der Zeugnisse und eines Lebenslaufs an den kommissarischen Direktor des Seminars Professor Dr. Sachau, Berlin W., Hitzigstraße 7, zu richten. Der Unterricht im Seminar wird folgende Sprachen umfassen: Chinesisch, Hindostemisch, Arabisch, Persisch, Türkisch und die Suaheli-Sprache. In Verbindung mit dem sprachlichen Unterricht werden auch die Realien der betreffenden Sprachgebiete, Statistik und neuere Geschichte, behandelt. Für jede Sprache wird ein besonderer Lehrkursus eingerichtet, welcher den theoretischen Unterricht mit praktischen Uebungen in der Art verbindet, daß regelmäßig der erstere durch deutsche Lehrer, die letzteren durch eingeborene Lektoren erteilt werden. Ter Kursus dauert 6—8 Semester für das Chinesische, 6 Semester für das Japanische, je 4 Semester für Hindustani, Arabisch, Persisch und Türkisch, 2 Semester für Suaheli. Die Kurse sind für unbemittelte deutsche Teilnehmer unentgeltlich; wegen der Bewerbung um Stipendien bleiben weitere Bestimmungen Vorbehalten. — Gegenüber der von den Zeitungen veröffentlichten Erklärung der Malerin von Schmidt - Preußen wegen des Ausschlusses ihres
Anna, die bei seinem ersten Besuch fast gar nichts gesprochen, sondern Hans mit ihren großen Augen wie verwundert beständig ungeschaut, hatte sich heute nachmittag schon etwas mehr in die Unterhaltung gemischt; heute abend führte sie dieselbe bisweilen ausschließlich mit ihm. Ihr ganzes Wese» war lebhafter, unbefangener.
Sie entfernte fich für einen Augenblick, kam aber gleich mit einigen Flaschen Bier zurück, entkortte eine derselben, füllte ein Glas unb präsentierte es Hans mit ben Worten:
»Ich bin überzeugt, Sie trinke» lieber Bier, als Wei», nicht wahr? Bier ist ja boch bas Getränk ber Studenten.*
„Ich trinke lieber Bier,* sagte Hans, „nnb baute Ihnen, gnädiges Fräulein, für Ihre liebenswürdige Aufmerksamkeit.*
Er sah ihr bei diesen Worten so voll, so groß in die Auge», daß ihr Geficht fich plötzlich wie mit Blut übergoß und der Teller in ihrer Hand, auf dem sie daS Glas ihm dargebote», leise zitterte.
Sie wandte sich ab, um ben Teller auf einen Nebentisch zu stellen, unb es währte längere Zeit, ehe fie ihre Unbefangenheit znrückerlangte.
Hans bat Anna, ein Musikstück vorznttage».
»3ch würbe es gern thnn,* erwiderte fie, „aber ch fürchte nur, wir stören dadurch Ihren Herrn Vetter 1*
»Das ist nicht ber Fall, mein Vetter hat bie Eigentümlichkeit, bann am liebsten Musik zn hören, wenn er sehr mfibe ist, um von ben Tönen in ben Schlaf gewiegt zn werben.'
„Das zeugt nicht gerabe von großer Begeisterung für bie Musik.*
»Er ist auch wirklich ganz unmnfikalisch.*
„Wollen wir nicht etwas vierhänbig zusammen fielen ?" sagte Anna, bie ihre Verlegenheit von vorhin endlich überwunden hatte, „zum Beispiel die zweite Symphonie von Beethoven?'
„Sehr gern.*
Hans und Anna setzten fich ans Pianoforte.
Eine solche Handlungsweise ist auch nicht kleinlich, sie ist nur ein notwendiges Mittel, die Faullenzer von der Landstraße und aus Feld und Wald von ihren fidelen Sommerreisen zu kurrieren. Darum braucht man feiner einem richtigen Handwerksburschen noch lange keine solche Arbeit zuzumuten, ein Unterschied ist auch hier zu machen. Der arbeitscheue Stromer verschwindet nach solcher Gegenofferte sehr schnell, weil er hofft, noch anderswo allzu gutmütige Leute zu finden, die seinen Krokodillsthränen Glauben schenken. Darum muß die Abweisung einmütig sein,
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CH. ind. tot
Das Mitleid ist ein ganz schönes Ding, aber es muß auch angebracht sein und richtig ausgeübt werden. Es giebt Leute, denen es fast unmöglich ist, einer recht jämmerlichen Tones vorgebrachten Bitte zu widerstehen. Können sie es durchaus nicht übers Herz bringen, den Ritter von der Landstraße, der ____schon vierundzwanzig Stunden nichts gegessen haben schäft toUI' dem es aber nicht um ein Stück Brot und » einen Teller Suppe, sondern um Geld für Brannt- lyC wein zu thun ist, infolge seiner kläglichen Bitten ab- Kfi zuweisen, so mag man als Ersatz für die zu ge-
P*' währende Gabe etwas Arbeit heischen. Es ist gar
nicht zu viel verlangt, wenn solch' ein Besucher au: eine halbe oder ganze Stunde Besen, Spaten oder Axt in die Hand nimmt.