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Rr. 180.

Mtt^buvg, Donnerstag, 4. August 1887.

XXII. Jahrgang.

25 Pfg.

grföeint täglich außer an ffirtttaqen nach Sonn- und Gen. - Quartal. Lbonnements-Pre,Sbe, der zrvedition 21/. Mk., bei «n Postämter 2 Mk. 5» «g. (erd. Bestellgeld), d-rtionsgebühr für die

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GrrhkjW ZeitW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- BlotteS, sowie d.Annvncen-Bureaux von Haasenstein unt$ogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Taube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Erved'tton Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Deutschland

soll nach den neusten Auslassungen der amtlichen und nichtamtlichen russischen Presse das Karnickel gewesen sein, welches den herrschenden wirtschaftlichen Streit vom Zaune gebrochen hat. Eine wahre Lammesge­duld hätte aber dazu gehört, die wirtschaftlichen An­griffe Rußlands auf das Deutsche Reich zu ertragen. Diese Angriffe sind nicht nur unmotiviert, sie zeugen auch von großer Undankbarkeit. Die Russen spielen sich gern als diejenigen Leute aus, denen Deutschland seine Erfolge von 1870/71 verdankt. Wir sind weit davon entfernt, die Bedeutung zu unterschätzen, welche die politische Haltung Rußlands auf den Gang der Ereignisse in jenen großen Jahren gehabt. Graf Beust in Wien hatte bekanntlich gewaltige Lust, die Schlappe von 1866 damals wett zu machen, und wenn Rußland sich abgeneigt gegen die deutschen Stämme gezeigt, so wäre er vielleicht in seinen Ge­danken noch bestärkt worden. Daß er von den Ge­danken nicht zur That überging, verhinderte indessen nicht das Zarenreich, sondern die überaus schnellen und großen Siege. Diese Siege waren das Haupt­mittel, welches Deutschlands Feinden den Mut zur Einmischung raubte. Rußland hak hingegen aus den deutschen Siegen und Frankreichs Niederlagen einen unblutigen, aber sehr wichtigen Erfolg errungen, es gewann durch Zerstörung des Pariser Vertrages die volle Herrschaft im Schwarzen Meer zurück, und diese Herrschaft ist für Rußland eine Lebensfrage. Hat Rußland uns 187 0/71 durch seine wohlwollende Neutralität gute Dienste erwiesen, so hat es sich doch dafür sofort in sehr ausgiebigem Maße bezahlt gemacht.

Deutschland hat seit 1871 niemals Rußlands Wege und Pläne gekreuzt. Als nach dem Berliner Kongreß die Petersburger Panslawisten die allergrößte Lust hatten, im Verein mit Frankreich über uns her­zufallen , da gebot der Selbsterhaltungstrieb das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn. Daß dieses Bündnis keinen aggressiven Charakter hat, beweist seine nun bald zehnjährige unblutige Existenz. Als dann Ruß­land auf der Balkanhalbinsel eine Politik begann, die in keiner Weise den Anforderungen von Recht und Gerechtigkeit entsprach, als Rußland selbst Deutsch­lands Verbündeten indirekt entgegentrat, da bewahrte die Reichsregierung immer eine ruhige, vorsichtige und versöhnende Haltung. Was wäre wohl gekommen, wenn Deutschland sein gewichtiges Wort gegen Ruß­land in die Wagschaale geworfen haben würde? Eine große Koalition, bestehend aus Deutschland, Oesterreich- Ungarn, Großbritannien, Italien, der Türkei und den Balkanstaaten würde sich gegen Rußland und Frank­reich gebildet haben, und diese Macht hätte nicht nur einen Krieg verhindern, sondern auch Rußlands Einfluß im Orient lahm legen können. Die russische Diplo­matie hatte sich mit ihrer bulgarischen Politik gewaltig verrannt und ein kolossales Fiasko erlitten. Deutsch­lands vermittelnde Stellung erleichterte dem Zaren

Unter einem Dache.

Roman von Karl Hartmann-Plön.

(Fortsetzung.)

Nachdruck verboten.

Gustav, der zu horchen versucht, aber eigentlich nichts gehört hat, sagte mir, daß der Sterbende dem SteffenS wie einem Priester alle seine Sünden ge- beichtet und ihm noch eine Menge Aufträge gegeben habe, die er nach seinem Tode ausführen solle. Das neue Testament sei mit allerlei Geschichten, die der selige« Frau Baronin gehört haben, in den kleinen stlberbeschlagenen Kasten von Ebenholz gelegt Sie kennen ihn ja, gnädige Frau, der Herr Baron hat ihn aus Italien mitgebracht, es kann nur Derjenige ihn öffnen, der mit dem Geheimnis des Schlosses verkant ist und mit diesem Kasten unter dem «rm habe der Müller, nachdem der gnädige Herr den letzten Atemzug auSgehaucht, sich, wie Gustav es selbst gesehen, aus dem Sterbezimmrr entfernt."

,OH, dieser Müller!" sagte Frau v. Souns, »ich habe es immer wie eine Ahnung gefühlt, daß er noch einmal verhängnisvoll sich in mein Lebe» drängen würde! Warum habe ich Hellenborn mit meiner Tochter verlassen l"

.Es ist alles glücklich abgelaufeu, gnädige Frau, 3hr guter Stern hat Sie beschützt."

.Ich bin gespannt darauf, wie er mich beschützt hat." .Der Zufall war uns günstig. Well gestern Reimer SteffenS Hochzeit war, konnte der Müller uicht sogleich nach Schleswig fahren, »m da» neue Testament zu depouiereu und das alte zurückzufordern, sondern war gezwungen, eS bis heute anfzuschieben. Wieder durch Zufall erfuhr ich, daß er den schwarze» «asten auf seiner Bodenkammer aufbewahrt und zur «rößeren Sicherhell zwei eiserne Stangen vor die Thür derselben gelegt habe. Die ganze Famllie war »och Malhagen zur Hochzeit, die Mühle leer bis auf die Magd. Auch diese verließ das Haus, um im

-orfezutanzen. Erstem Abend gegen zehn Uhr

den Rückzug und schuf ihm eine neue gesicherte Po­sition. Das sind Thatsachen, die, wenn auch auf keinen großen Dank, doch zum mindesten auf keine Gegnerschaft Anspruch haben.

Die bekannten Ausnahmemaßregeln der mssischen Regierung gegen die Ausländer in Russisch - Polen sind gegen alle Ausländer gerichtet, aber da zum größten Teil nur Deutsche in Betracht kommen, so heißt es auch hier, auf den Sack schlägt mau und den Esel meint man! Die Deutschen sollen fort, weil russischer Konkurrenzneid ihre überlegene Tüchtigkeit fürchtet, die doch Rußland groß zu machen mit bei- getragen hat. Niemals haben auch die Deutschen in Rußland Feindschaft gegen ihr zweites Vater­land gezeigt.

Wenn die russische Finanzverwaltung nun ver­sichert, sie beabsichtige den Verpflichtungen gegen ihre ausländischen Gläubiger, und besonders auch gegen die Deutschen, in vollem Umfange gerecht zu werden, so ist das sehr schön gesagt, aber zu Worten gehören auch Thaten, und diese müßten sich in der Sistierung der antideutschen inneren Politik Rußlands zeigen. Zwei Staaten können absolut nicht in dauernder politischer Freundschaft mit einander leben, sofern nicht auch die beiden Nationen ein enges Band um­schließt, und von letzterem kann gegenwärtig keine Rede sein. Wenn sich die Minister ihrer Freund­schaft für einander versichern, so ist das ein ange­nehmes Zeichen, aber die ganze Freundschaft bleibt eine taube Nuß, wenn die Völker einander abgeneigt sind. Tie Politik des Petersburger Kabinetts will die Selbständigkeit Rußlands auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete Hervorrufen. Das will sie! Aber was thnt sie? Sie entfremdet sich ihre natür­lichen Freunde und Verbündeten, sie verstopft die reichen Quellen, welche dem inneren und wirtschaft­lichen Leben des Zarenreiches einen neuen Aufschwung geben könnten und tötet die Lebenskraft der Nation. In Rußland wird schon manches nur noch künstlich erhalten, stelle man nicht schließlich das ganze Staats­wesen noch auf zerbröckelndes Gemäuer.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Aug. Prinz Wilhelm ist heute, nachmittags 2% Uhr, nach München abgereist. In Bezug auf die Kaiserbegegnung in Gastein wird genieldet: Kaiser Franz Joseph trifft Sonnabend mittag in Gastein ein. Mit Rücksicht auf den kurzen Aufenthalt des österreichischen Kaisers, welcher Sonn­tag abend bereits Gastein verläßt, wurde in diesem Jahre die frühe Ankunftsstunde festgesetzt, eine Stunde nach der Begrüßung werden die beiden Herrscher beim Diner, das vom Kaiser Wilhelm gegeben wird, sich wiederfinden. Kaiser Franz Joseph verließ gestern Ischl und begiebt sich nach München und von dort zum Besuche der Kaiserin nach Bad Kreuth, wo sich der Monarch drei Tage aufhalten wird. Bon Kreuth

den Kasten wieder haben und wieder gut machen, daß ich mir hatte eine Nase drehen lassen. Bet dunkler Nacht, unter Donner und Blitz schleiche ich den Berg hinunter. Die Magd hatte es mir bequem gemacht und die Küchenthür nicht geschlossen. Ich betrete das Haus, steige die Treppe zum Boden hinauf, mit Schrecken gewahre ich, daß eS nicht in meiner Macht liege, die eisernen Stangen zu entfernen, das Gewitter steht über mir, da fährt ein Blitz in das llockene Strohdach, ich stürze aus dem Hause, nach kurzer Zeit steht die ganze Mühle iu Flamme« der schwarze Kasten ist verbrannt!"

.Verbrannt ? Ha!"

Eine lange Pause erfolgte, dann erhob Frau von Sonus sich und sagte in einem eigentümlichen Tone:

.Verstehe ich Sie recht?"

Wiederum entstand eine Pause, darauf fuhr sie fort: .Das hätten Sie für mich gethan? Sie sind mir ein treu ergebener Diener gewesen, für diesen Dienst will ich mit der Belohnung nicht kargen, fordern Sie selbst den Preis, Jürgensen."

Ich danke Euer Gnade«, daß Sie' anerkennen, was weine schwachen Kräfte geleistet, und überlasse alles Ihrem wohlwollende« Herzen."

Wir werden später eingehender darüber sprechen, Jürgensen; es hat Sie doch niemand gesehen, als Sie die Mühle wieder verließen?"

.Keine Seele, gnädige Fran."

»Wissen Sie, was Herr v. Larse« hier will? Ich habe soeben ein Telegramm von ihm erhalten, daß er hierher kommt, um mir etwas Wichtiges mitzu- teile»." GW

»Ich weiß vo» nichts; wahrscheinlich um Ihnen persönlich die Todesnachricht zu überbriuge» uud der Herrin von Helleuboru seine Hand anzubieten, dellll daß das Testameut verbrannt ist, wird er wahr­scheinlich schon längst wissen."

.Da könnte der Herr Verwalter sich denn doch verrechnet haben!" rief Frau v. Sonn?, wobei zwei

begiebt sich der Kaiser direkt nach Gastein, wo er am 6. August um die Mittagsstunde eintreffen wird. Kaiser Franz Joseph wird sich von Gastein wieder nach Ischl begeben. Kaiser Wilhelm dürfte Mitte nächster Woche Gastein verlassen. Entgegen den bisherigen Angaben verlautet nunmehr, derK. Z." zufolge, daß Kaiser Wilhelm bereits am 11. oder 12. d. Mts. von Gastein auf Schloß Babelsberg eintreffen wird; bald darauf wird sich auch die Kaiserin Augusta von Bad Homburg nach Babelsberg begeben, um dort an der Seite ihres kaiserlichen Gemahls einige Zeit zurückgezogen zu verleben. DieKreuz-Ztg." erhält über das Befinden des Kron­prinzen aus England folgende Mitteilung: Nach der ersten Woche des Monats Juli hat die Heiserkeit des hohen Patienten sich etwas eingestellt, so daß die Stimme desselben zur großen Freude seiner Um­gebung etwas Klang erhalten hat. Wenn keine neuen Wucherbildungen sich zeigen und bisher hat man solche nicht wahrgenommen darf man auf eine allrnälige fortschreitende Besserung, ja schließlich auf völlige Genesung hoffen. Das sonstige Befinden des Kronprinzen ist ein recht befriedigendes und sein Aussehen läßt nichts zu wünschen übrig. Den widerspruchsvollen Mitteilungen über die Alters- und "Jnvalidenversorgung gegenüber, welche in den letzten Tagen durch die Presse gingen, teilen dieBerl. P. N." mit, daß die Grundzüge zu dem Gesetz­entwürfe über die Alters- und Jnvalidenversorgung nebst einer eingehenden Denkschrift mit Berech­nungen rc. am 4. Juli bereits an die Bundes- Regierungen zur Begutachtung mit dem Ersuchen um vorläufige strenge Sekretierung versendet worden seien. Die gutachtlichen Aeußerungen der Einzelregierungen dürften gegen Mitte September oder Anfang Oktober spätestens zu erwarten sein. Die Grundzüge sollen, äußerem Vernehmen nach, so eingehend ausgearbeitet sein, daß, die Zustimmung der Bundesregierungen im allgemeinen und zu den Hauptpunkten vorausgesetzt, die Ausarbeitung des Gesetzentwurfes selbst nur sehr kurze Zeit in Anspruch nehmen würde. Die ein­gehenden Mitteilungen, die vor einigen Tagen durch die Zeitungen gingen, seien der FachschriftDie Be­rufsgenossenschaft" entnommen und dürften aus einer Zeit stammen, ehe die letzte Hand an die Ausstellung der Grundzüge gelegt worden sei. DieVoss. Ztg." brachte in ihrer Abendausgabe vom 27. vor. Monats folgende Notiz: Mit dem Verkauf der Lose der preußischen Klassenlotterie soll es, wie auswär­tigen Blättern von hier geschrieben wird, diesmal besser wie in der vorigen Ziehung gegangen sein. War es der General-Lotteriedirektion beim letzten Spiel nicht möglich, sämtliche Lose unterzubringen, so ist der Vertrieb jetzt ein wesentlich erfolgreicherer ge­wesen, wenngleich alle Lose auch noch nicht Käufer gefunden haben. Für die nächste Klasse erhofft man den Absatz aller Lose. Der Mehrverkauf wurde dies-

.Warum", fuhr sie fort, .haben Sie mir nicht gestein schon den Tod meine» OheimS gemeldet, schriftlich oder telegraphisch?"

.Ich wollte erst versuchen, wieder gut zu machen, waS gegen Sie verbrochen worden war."

.Und der Verwalter warum unterließ er es?"

.Das kann ich Ihnen nicht sagen."

Frau v. Sonns machte einige Schritte durch das Zimmer, dann sagte sie: .Sie müsse» noch heute nach Hellenborn zurückreisen, Jürgensen, ich werde morgen nachfolgen; den Rest des Tages habe ich nötig, um die notwendigen Trauerkleider zu besorgen. Gestern ist der Baron gestorben, die Beisetzung der Leiche kau« wohl erst nächsten Sonntag stattfinden; ist, das geschehen, erfordert es die Kur meiner Tochter, daß ich mit ihr hierher zuröckkehre."

Sie näherte sich dem Kammerdiener und reichte ihm die Hand.

.Noch einmal meinen Dank, Jürgensen. Gehen Sie hinunter ins Restaurattonszimmer und erfrischen Sie sich dort. Wann geht der nächste Zug?"

.Um ein Uhr."

.Dau» haben Sie Zeit genug, sich durch einen Imbiß zu stärken. Alles weitere verabreden wir morgen. Wir werden alle Hände voll zu thu« haben, das Begräbnis nmß, dem Range meines Oheims ge­mäß. so glänzend wie möglich in« Werk gesetzt werden. Wir reisen morgen mit dem ersten Zuge, schicken Sie mir die große Kutsche nach Schleswig entgegen. U«d nun Gott befohlen!'

Der Kammerdiener verbeugte sich sehr tief vor seiner neuen Herrin und verließ das Zimmer.

Frau v. SonuS aber rief laut, nachdem er sich entfernt: .Jetzt ist die Erbschaft mein, und ich will Den sehen, der sie mir streitig machen kau«! End­lich, endlich ist der lang bewachte Schatz i« meine Hände gefallen! Wie nahe war ich daran, ihn zu verlieren!"

Sie schellte ihrer Kammerjungfer, um sich an­

mal namentlich im Auslande erzielt. Dem gegen­über konstatieren wir, daß die Behauptung, es wäre der General-Lotterie-Direktionbeim letzten Spiel" nichts möglich gewesen, sämtliche Lose der preußischen Klassenlotterie abzusetzen, den thatsächlichen Verhält­nissen nicht entspricht, da bereits beim Vertriebe der 175. Klassenlotterie, der ersten Lotterie nach einge­tretener Verdoppelung der Lose, zur vierten Ziehung ein gleich koulanter Absatz erzielt ist, als bei den früheren Lotterieen, und ferner die Lotterie-Einnehmer bei der gegenwärtig im Abschluß befindlichen 176. Klassenlotterie nicht in der Lage gewesen sind, die zahlreichen Bestellungen von Losbewerbern in vollem Umfange zu realisieren so daß die Bestellungen für ca. 10 000 Lose unbefriedigt bleiben mußten. Fast sämtliche Blätter besprechen den Tod Katkows: nur dieNordd. Allg. Ztg." schweigt sich darüber ans. Während dieVoss. Ztg." schreibt:Nun, da der Fahnenträger der Reaktion abgetreten ist, darf das russische Volk wieder freier aufathmen und viel­leicht der besseren Einsicht seines Zaren verkauen, den der Tod von seinem Dämon befreit hat" meint dieGermania" :Katkows Tod ist für die Pan- slavistische Partei ein großer Verlust; derjenige würde aber fehlgehen, welcher jetzt eine Aenderung der rus­sischen Politik erwarten wollte. Katkow hat es vor­trefflich verstanden, seine Günstlinge in die höchsten Stellungen zu lancieren, die er für sich selbst aus­schlug. DieKreuz-Ztg." mißt dem Hinscheiden des Moskauer Publizisten eine europäische Bedeutung bei, da er der geistige Urheber der russischen Politik, namentlich gegen Deutschland gewesen sei. Die Pebrdonoscew, Tolstoi und Kapustin ständen ihm zwar an Fanatismus und Haß gegen alles nichtrussische nicht nach, wohl aber an Begabung und Energie. Der Kaiser habe trotz aller Abneigung gegen kr iege- rische Wagnisse im Herzen die Ansichten Katkows ge­billigt. DiePost" stellt den Tod Katkows als politisch gleichgültig hin, da er uns weder von Schaden befreie noch Schaden bringe.

- Die Zahl der Dampfkessel - Explosionen im Deutschen Reiche betrug im Jahre 1886, obgleich die Verwendung von Dampfkraft vermutlich in letzter Zeit sich gesteigert hat, kaum mehr, als im Durchschnitt der zehn Jahre 1877 bis 1886. Während nämlich durchschnittlich jährlich 15,8 Kessel explodierten, haben nach der vom Kaiser!. Statistischen Amt im Junihefte der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, Jahrgang 1887, veröffentlichten Statistik der Dampf­kessel-Explosionen im Jahre 1886 16 Explosionen stattgefunden. Die Zahl der dabei getöteten ober ver­letzten Personen, welche sich in den Jahren 1877 bis 1886 durchschnittlich auf 43,7 stellte, war im Jahre 1886 nur 23; davon wurden 10 getötet oder ver­storben binnen 48 Stunden, 5 wurden schwer und 8 leicht verwundet. Für jeden einzelnen Fall ent­halten die Nachweisungen eine detaillierte, durch Zeich-

sie sich auf dem Wege nach Kiel, wo sie die nötige« Einkäufe zu machen gedachte.

Herr v. Larsen war gegen ein Uhr mittags iu Kiel angelangt und, einen kleinen Handkoffer tragend, in das unmittelbar am Bahnhofe gelegene Hotel »Germania" gegangen. Hier übergab er dem Wirt persönlich seinen Koffer mit der Bitte, denselben sorg­fältig aufzubewahren, da für ihn sehr wichtige Dinge darin enthaften seien. Darauf Kat er tu das Enträ:, zimmer, bestellte sich nach der Speise- und Weinkarte ein gutes Frühstück und eine Flasche Wein, welches er mtt großem Behagen verzehrte, und zündete sich, nachdem er gesättigt war, mit eben solchem Behagen eine Havanna an.

»Ob ich gehe oder fahre?" sprach er leise vor sich hin, während er Ringe von Rauch aus seinem Munde blieS, die er mit großer Geschicklichkest z« bilde» verstand.Ich werde gehen," fuhr er fort, »die Hitze hat sich nach dem gestrigen Gewitter gelegt, der Weg ist interessant, ich habe ja keine große Eile, komme ich später, finde ich vielleicht de» Kammer- dieaer nicht mehr vor, der mir um drei Stunde» vorangeeilt ist, und kann dann um so ungestörter seine Mitteilung berichtigen nnd meine Netze a«S- werfe«, den schönen Goldfisch zu fangen."

Ich kau« den Kasten von Ebenholz vorläufig hier zurücklassen," setzte er sein Selbstgespräch fort, sie wird mir glauben, wenn ich sage, daß er iu meinem Besitz ist. Zu öffnen ist er nicht, denn das Geheimnis deS Schlosses kennen jetzt nur noch, nach, dem der Baro« gestorben, der Kammerdieuer und der Müller, welchen Letzteren der Sterbende selbst barttt eiugeweiht Beide sollen nie erfahren, daß er »och existiert, und ihn mst der Axt zu zerkümmern ist immer noch Zeft genug, uud können wir uns dies Vergnügen machen wenn alles in Ordnung ist."

Er sah nach der Uhr. Langsam erhob er sich und verließ das Hotel. Langsamen Schrittes wanderte er durch die Holstenstraße, über den Markt, die Dänische