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Marburg, Freitag, 29. Juli 1887.
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kaiserliche Verordnung, betreffend den Eigentumserwerb und die dingliche Belastung der Grundstücke im Schutzgebiet der Neuguinea-Kompagnie vom 20. Juli 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin.München und Köln; G- L. Daube und Co. in Franks urt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Für die Monate Äugust und September nehmen alle Postan-
männische und politische Erfolge erzielt, als viele seiner Vorgänger, die noch als Könige von Rom den Kirchenstaat regierten/Bedeutende Männer lockt eine Aufgabe um so mehr, je schwieriger sie scheint, und deshalb kann es nicht Wunder nehmen, daß Leo XIII. gerade in der Lösung der römischen Frage das Hauptziel seines Lebens erblickt-.
König Humbert ist wohl der Mann, der in ganz Italien am aufrichtigsten die Versöhnung mit dem heiligen Stuhle wünscht, die allerdings bedeutende politische Folgen haben würde. Der König herrscht streng konstitutionell, aber er ist im Grunde seines Herzens durchaus konservativ. Daß er den Liberalen weniger geneigt ist, als den Konservativen, beruht wohl daraus, daß dieselben gar zu starke Fühlung mit den Radikalen und Republikanern unterhalten. Das italienische Volk ist überwiegend monarchisch gesinnt, aber es ist heißblütig, und der König wünscht eine über alle Zweifel erhabene Befestigung seiner Dynastie. Durch den gegenwärtigen Konflikt zwischen Staat und Kirche sind nun aber thaffächlich tausende von konservativen Elementen von jeder Teilnahme am politischen Leben zurückgehalten, sür sie gilt die päpstliche Losung: „Weder Wähler, noch Gewählte!" Es kann deshalb nicht zweifelhaft sein, daß eine Einigung mit dem Papste eine starke konservative Partei Hervorrufen und zur Regierung bringen würde. Und diese Erkenntnis ist einer der Gründe, aus welchen die vorgeschrittenen Parteien ganz energisch gegen jede Konzession an den heiligen Stuhl protestieren.
Die Einladung des Papstes zur Versöhnung ist, wie wir oben gesehen, in durchaus freundlichen Worten gehalten, aber als Grundbedingung wird die Wiederherstellung der päpstlichen Herrschaft über Rom gefordert. Ihre Erfüllung ist für König Humbert absolut unmöglich, weil sie ihm seinen Thron kosten könnte, und kein Minister sich finden würde, welcher darauf einginge. Das weiß man auch im Vatikan recht wohl, und deshalb meint man neuerdings doch wieder, der Papst werde nicht ganz Rom beanspruchen, sondern nur die sogenannte leoninische Stadt, welche die Peterskirche und den Vatikan in sich schließt. Wir wagen nicht zu entscheiden, ob auch eine solche Forderung nur durchführbar ist; die Stimmung in Italien neigt zur Zeit nicht nach rechts, sondern nach links, und Minister, wie heute Crispi, sind wenig zur Nachgiebigkeit an den Papst geneigt; sie würden höchstens die Unabhängigkeit des eigentlichen vatikanischen Gebietes zugestehen. Eine europäische Frage ist die über den Besitz von Rom nicht, sondern nur eine rein italienische, und deshalb wird sich auch kein Staat einmischen. Für Italien ist sie freilich eine Fußfessel, aber zur Befreiung von derselben wird wohl noch manches, manches Jahr gehören.
' entgegen.
Bestellungen für hiesige Stadt I nehmen unsere Expedition und unsere Zeitungsträger an.
Mehrfachen Wünschen entsprechend , haben wir auch ein Wochen-Abonnement zum Preise von 20 Pfg. eingerichtet, Bestellungen unter Beifügung des Betrages werden stets von Montag an bei der Unterzeichneten entgegengenommen und die Zeitung mit ihren Gratis-Beiblättern hier für frei ins Haus geliefert.WM
Exped. d. Oberh. Zeit.D
Der König von Rom.
Papst Leo XIII. hat es für angemessen erachtet, in der stillen politischen Zeit die Frage des Besitzes von Rom von neuem aufzuwerfen. In einem Schreiben an den neuen Kardinalstaatssekretär Rampolla spricht er sich ausführlich darüber aus. Die maßvolle Besonnenheit und politische Klugheit, welche das zeitige Oberhaupt der katholischen Kirche so sehr auszeichnet, ergiebt sich auch in diesem Schreiben. Weit entfernt, gegen das moderne Italien heftige Angriffe wegen der Annektion von Rom zu richten, erklärt er sich in freundlichen Worten zur Aussöhnung bereit. Auf dem Herrscher Italiens ruht noch immer der große Kirchenbann. Praktischen Wert hat derselbe längst nicht mehr, und besonders bei den letzten Reisen des Königs Humbert durch Italien sind allenthalben die Kirchen- fürsten in unmittelbare und persönliche Berührung zu ihm getreten. Das Verhältnis zwischen dem Quirinal, dem römischen Königspalast, und dem Vatikan, dem Sitz des heiligen Stuhles, ist gegenwärtig also ein ganz anderes, als in früheren Jahren, und der Wechsel beruht wesentlich auf den beiden Männern, welche an der Spitze der kirchlichen und weltlichen Gewalt in Rom stehen. Ter Papst hat bedeutendere staats-
nennen, trotz der Freiheit der Bewegung, die ihnen die republikanische Verfassung giebt, die soziale Gesetzgebung in einem traurigen Stillstände verharrt, sind wir auf diesem Gebiet mit den einschneidendsten Maßregeln vorgegangen. Die Krankenkaffen, die Unfallversicherung, die Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, die Einsetzung der Fabrikinspektoren iverden allmälig eine vollkommene Umwandlung in den Verhältnissen und Zuständen der Arbeiterbevölkerung herbeiführen. Gelingt es in irgend einer Form, eine Altersversorgung für die Invaliden der Arbeit, wenn auch nur mit einer bedeutenden Beihülfe des Staats, zu schaffen, so sind wir die Pfadfinder der Menschheit in dem Labyrinth der sozialen Frage. Denn da sich die Menschheit nicht in Sprüngen entwickelt, können sich nur Schwärmer und Thoren von dem plötzlichen Umsturz der bestehenden Ordnung eine Besserung und ein goldenes Zeitalter versprechen. Nur in allmäliger Umgestaltung vermögen sich auf dem wirffchaftlichen Gebiete neue, und wie wir hoffen, glücklichere Zustände herauszubilden. Gerade wie unsere gelehrten und technischen Schulen und Anhalten. fängt auch unsere soziale Gesetzgebung die Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich zu ziehen an. Wie man ihr auch, bei den weit und scheinbar noch unversöhnlich auseinandergehenden Meinungen über das Mögliche und das Phantastische in den sozia- I istischen Theorieen, gegenübertreten mag, einen kühnen und großen Zug wird man dieser Gesetzgebung nicht absprechen können. Eine außerordentliche Reformarbeit wird hier, unter der Aegide der monarchischen Gewalt, unternommen, auf dem Boden der alten gesellschaftlichen Ordnung dauernde und umfassende
berg und dann zu den Mauövern nach Königsberg und Danzig, sowie nach Liegnitz begeben. — lieber die Lage der Vorarbeiten zum Nord - Ostsee - Kanal wird der „Kieler Ztg." aus Süderditharschen berichtet: „Die Nord - Ostsee - Kanallinie ist nunmehr allenthalben amtlich endgültig festgeftellt. Was die Richtung derselben betrifft, so kommen auf der größten Strecke, vom östlichen Ausgangspunkte des Kanals bis zur Wasserscheide zwischen dem Eider- und Elb- gebiet nur sehr wenige und unwesentliche Abweichungen von der ursprünglich projektierten Linie vor, wogegen etwa von dem Dorfe Hochdonn bis zum Kudensee die jetzige Richtung fast fortwährend in unmittelbarer Nähe der hiesigen Kreisgrenze darauf links von der im Kirchspiel Eddelack belegenen Ortschaft Blangen- moor und somit auf der ganzen westlichen Strecke, soweit der Kanal unseren Kreis berührt, durchschnittlich ungefähr 2V2 Kilometer weiter südlich läuft, bis der Kanal ca. 1 Kilometer östlich vom Brunsbütteler Hafen in die Elbe mündet. Bezüglich der Anlage der in Anlaß des Kanalbaues herzu stellenden Schleusen, Drehbrücken, Dampf- und Handfähren, Lösch- und Lagerplätze rc. sind die ersten Pläne unverändert geblieben. Die Vorbereitungen für den Kanalbau sind ferner auch dadurch einen bedeutenden Schritt weiter gekommen, daß im Laufe der letzten Wochen überall an den betreffenden Stellen zwischen der Baukommission und den Vertretern der in Betracht kommenden Kommunalverbände rc. die nötigen Verhandlungen stattgefunden haben, welche namentlich die auf dem Gebiete der Entwässerungs- Verhältnisse eintretenden Veränderungen in den bezüglichen Niederungen betrafen." — Durch die Zeitungen läuft die Nachricht, die neuen 20 - Pfennigstücke aus Nickel würden in kurzem wieder eingezogen und umgeprägt werden, weil die Mischung des Materials, aus dem die Münzen geprägt sind, angeblich mißlungen, und weil dieselben so schnell -schwarz würden, daß die Prägung schwer erkennbar sei. Wir können demgegenüber konstatieren, daß an den Stellen, welche in dieser Angelegenheit informiert sein müßten, von einer derartigen Absicht nichts bekannt ist. Eine Einziehung und Umprägung der 20-Pfennigstücke ist umsoweniger aus den vorgenannten Motiven abzuleiten, als die Mischung des Materials genau der bereits bewährten Mischung enspricht, welche unsere 10-Psennig- und 5-Psennigstücke aus Nickel aufweisen, die bereits seit 10 Jahren int Umlauf sind und keineswegs infolge von Schwarzwerden eine unbedeutende Prägung zeigen. — Die „Kreuz-Ztg." will erfahren haben, daß die großmüchtlichen Kabinette von Seiten des Prinzen Ferdinand von Koburg auf geeignetem Wege verständigt worden sind, daß er unter keinen Umständen die Bestimmungen der internationalen Vertrüge außer Acht lassen werde. Dem bisherigen Wohlverhalten des Prinzen würde dies durchaus ent- prechen. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine
Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fort setzung.)
Nachdruck verboten.
Die Hauswirtin, ein altes, häßliches Weib, war ausgegangen, um einige Erfrischungen einzukaufen; da die bitterste Armut im Hause herrschte, hatte ich der Frau am Morgen ein paar Thaler gegeben. Die Lampe brannte schon auf einem Tisch neben dem Bett und beschien ein von erneutem Fieber aufgeregtes Gesicht. Ich fragte, ob etwas Besonderes etngetreten sei, worauf mir die Patientin erwiderte: »Es ist nnr die Erwartung, die mich so sehr erregt; ich habe heute morgen meine ganze Kraft zusammeu- genommeu und meine Freundin, von der ich Jdnn schon erzählt, schriftlich gebeten, wenn eS ihr möglich wäre, noch heute an mein Krankenlager zu kommen, um Abschied für dieses Leben von ihr zu nehmen."
»Sie glauben doch nicht, daß Sie sterben werden?' agte ich.
»Seit gestern weiß ich, daß meine Stunden gezählt ftnb,' erwiderte sie. „Gestern nämlich war der erste Assistent der Poliklinik hier. Ich schlief, als er kam, «wachte aber, während er noch hier war. Er hatte Mein Erwachen wohl nicht bemerkt, denn er unterhiett sich mit meiner Wirttn über meinen Zustand. Letztere drang darauf, daß ich ins Krankenhaus geschafft würde, worauf der Asfistenzart entgegnete: „Haben Sie nur noch ein paar Tage Geduld, daun ist es wtt ihr zu Ende.'
„Das haben Sie entschieden mißverstanden,' sagte «h, um sie zu l östen.
„Lassen Sie e8 gut fein, Herr Doktor,' sprach sie in einem feierlichen Tone, ich weiß, was ich weiß, tob sehe meiner Auflösung mit Ergebung entgegen. ®ott wirb mir vergeben, was meine Jugeub gefehlt hat.'
Sie schwieg einen Augenblick mtt zum Himmel gerichteten Augen unb fuhr bann fort: „Wollen Sie mir eine Gefälligkeit erweisen, Herr Doktor? Ich Mag eS kaum von Ihnen verlangen, aber Sie sind
— In einem die soziale Entwickelung Deutschlands besprechenden Artikel äußert die „Nat.-Ztg." : --Wie wenig stimmen doch die Klagen unserer Oppositionsparteien über die inneren Zustände Deutschlands mit den Ansichten des Auslandes über unsere beständigen Fortschritte in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung überein! Während unsere Freisinnigen und Sozialdemokraten, bald von dem offenen, bald von dem heimlichen Beifall des Zentrums unterstützt, in unserem Vaterlande nur eine ungeheuere Waffenschmiede und Soldatenschule sehen, wo alles auf den Militarismus gerichtet und gestimmt sei, preisen und fürchten die Engländer die Kenntnisse, die Unternehmungslust und Klugheit unserer kaufmännischen Jugend, gestehen die Schweizer die Ueberlcgenheit unserer Manufakturen vor den ihrigen zn, ist es vielleicht der größte Stachel, der die Franzosen zur Revanche für Sedan treibt, daß wir sie auch wirtschaftlich zu überflügeln drohen. Während bei den Franzosen, die sich so gern das Volk der Initiative
ftatten, auf dem Lande die Land- jwstboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) »ttr . Bestellungen auf die tq. ■ Oberhessische Zeitung
mit deren Beiblätter
Nun trat ich aus ber dunklen Küche heraus. Erschrocken, entsetzt über mein Erscheinen wie vor einem Gespenst, floh das junge Mädchen vor mir in eine Ecke des Zimmers.
„Erschrecken Sie nicht, mein Fräulein,' sagte ich, „beruhigen Sie sich, ich bitt der behandelnde Arzt der soeben Verblichenen, unb wenn ich .meine Anwesenheit in ber Küche, wohin ich gegangen, um der Kranken Wasser zn holen, nicht betraten habe, so geschah es nnr, nm die Freude des Wiedersehens nicht zu stören. Dieses plötzliche Ende konnte ich nicht erwarten. Sie ist tot, — die Unglückliche hat aus- gelitteu.'
Ich trat ans Bett, ergriff noch einmal die Hand der Verblichenen und verhüllte darauf ihr Gesicht mit dem Bettlaken.
„Mein Herr,' sagte da» junge Mädchen, wie eS chien, völlig gefaßt, ich vertraue Ihrer Ritterlichkeit. Ich bin dem Ruf dieser armen Unglücklichen gefolgt, ®ei£ ich sie früher sehr lieb gehabt habe. Ohne Wissen meiner Eltern habe ich es gewagt, allein, ohne jede Begleitung diese abgelegene, finstere Straße ufzusuchen. Es ist das erstemal, daß ich hinter jrem Rücken etwas unternommen habe, aber ich konnte nicht wiederstehen, ich mußte die Jugendfreundin, die Spielkameradin, mit der mich als Kind eine innige Freundschaft verband, vor ihrem Ende noch einmal Wiedersehen. Niemals würde ich von meinen Eltern di« Erlaubnis bekommen haben, allein hierher zu gehen, ich wollte und mußte aber Helene allein ohne Leugen sprechen. Meinem Vater namentlich, der einen so gewagten selbständigen Schritt sehr streng vernrtellen würde, muß dieser Besuch ein Geheimnis 1 eiben, es würde ihn betrüben, daß ich es gethan, und ich möchte seinen Tadel nicht hören, aber ich tonnte nicht anders, mich rief eine Sterbende, ich durste ihr diesen letzten Trost nicht versagen. Erst letzt fühle ich die Größe des Wagnisses.'
Sie trat festen Schrittes an das Bett, schlug das Laken vom Gesicht ber Tobten zurück, brückte einen
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1102 ?
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt fiir die Kreise Marburg Md Kirchhain.
Erved-rion Markt 21. — Redaktion, Druck und Lerlaq von Joh. Ang. Koch.
Kuß auf die erkaltete Stirn und sagte darauf, während sich ihre Augen aufs Neue mit Thräuen füllten: „Schlaf wohl, Helene!'
Mehrere Sekunden sah sie die Tobe unverwanbt an, dann verhüllte sie das Antlitz der Leiche wieder.
„Mein Herr,' sprach sie jetzt zu mir, „Sie kennen >ie Beweggründe meines Hierseins, ich beschwöre Sie, bewahren Sie gegen Jedermann als unverbrüchliches Geheimnis, daß Sie mich hier gesehen. Oh, mein Gott, wenn ich bedenke, welche Deutung man meinem Besuche geben könnte — wollen Sie mir das Versprechen geben?"
„Sehr gern, und ich werde es um so leichter halten können, da ich nicht einmal Ihren werten Namen kenne." „ „Sie wissen nicht, wer ich bin? So hat Ihnen Helene meinen Namen nicht genannt ?"
„Nein; indessen," fuhr ich fort, „wir haben uns am Sterbebett einer Unglücklichen kennen gelernt, sollten wir in der That auseinander gehen, ohne uns zu kenne»? Ich bin der Student der Medizin Roderich Barlandt."
„Ich bitte Sie, fordern Sie nicht von mir, daß ich mich Ihnen nenne."
„Unb wenn ich dennoch in Sie bringe ?"
„So müßte ich es Ihnen versagen."
„Unb wenn ichSie an einem drittenOrte wiedersähe?"
„So erforbert es Ihre Ehre, daß Sie mich nicht kennen, daß Sie mich nicht grüßen, daß Sie sich nicht nach meinem Namen erkundigen."
„Nein," rief ich laut aus, „das ist zu viel verlangt, ich will Ihnen versprechen, Sie nicht zu kennen. Sie nicht zn grüßen, keinem Menschen werde ich jemals verraten, daß wir nnS hier zusaunnenfandeu, aber sehe ich Sie wieder, so werde ich die ganze Welt fragen, wer Sie find!" Und unwillkürlich einen Schritt ihr näher tretend, fuhr ich mtt erhobener Stimme fort: „Unb alle Hebel werde ich in Bewegung setzen, Sie, die ich nie vorher gesehen, persönlich kennen z« lernen."
/ Hricheint täglich außer an Verklagen nach Sonn- und »Vertagen. — Quartal- Abonnements-Preis bei der Krvedition 21/» Mk., bei bro Postämter 2 Mk. 50 «fa. (erd. Bestellgeld), f Hnsertionsgebühr für die , gefpaltene Zeile 10 Pfg., i Reklamen für die Zeile 1 25 Pfg.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli. Nach hier vorliegenden Nach- r'chten wird der Kaiser von Gastein sich nach Babels-
so gut, so lieb gegen mich — ich habe einen brennenden Durst, die ganze Flasche mit Wasser habe ich schon geleert, meine Wirtin ist nicht hier, möchten Sie nicht nebenan in die Küche gehen nnd die Flasche wieder Men?'
„Herzlich gern,' sagte ich, nahm die Flasche und ging in das Nebengemach, dessen Thür ich weit aufließ, damit ber Schein ber Lampe durch dieselbe hindurch bringe, um das Gefäß mit Wasser finden zu können, ans dem ich die Flasche wieder füllen sollte.
Kaum war ich mit diesem Geschäft fertig, als ch vernahm, wie die Zimmerthür sich öffnete und wie eine jugendliche Stimme, „Helene, meine arme Helene!' auSrief.
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1101 k. zu 1109
- „Kommst Du wirklich, Olga?' — ober Orga, den Namen verstand ich nicht deutlich — hörte ich die «ranke sagen, „oh, habe tausend Dank!'
Gleich darauf sah ich von ber dunklen Küche anS, wie ein wunderhübsches Mädchen sich zu der Kranken niederbeugte uud sie auf den Mund küßte. Beide weinten und schluchzten. Helene legte die abgemagerten Arme um den Nacken der Freundin. Welch :in Gegensatz: das blühende Leben vorn Tode um- chlunge»! Die Kranke schien in ber Erregung über das freudige Wiedersehen meine Anwesenheit ganz vergessen zu haben.
Nun erfolgte eine kurze, aber rührende Scene, in >er Helene sich selbst anklagte und die Freundin sie n trösten suchte. Ach, auS jedem Wort der Letzteren irach ein edles, gutes Herz. Für die arme Leidende aber war die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches zu übertnältigenb gewesen, die Freude, das Glück, >re Jugendfrenudin zn sehen, hatte» den letzten Rest i irer Kräfte verzehrt. Plötzlich stockte sie mitten in nem angefangene« Satz, über die Lippen floß Blut, lautlos, ohne Kampf, als wenn der Lebensfaden mit e rter Scheere abgeschnitten worden sei, sank sie in
Kissen zurück und war verschieden.
„Allmächtiger Gott!' schrie in furchtbarer Be- türzung die Freundin ans.
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