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Marburg, Donnerstag, 28. Juli 1887.
XXII. Jahrgang
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Illustriertes Soiiutagsblatt
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureanx von Haasenstein undDogler in Frankfurt a. M-, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. W-, Berlin.München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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Erved'tton Markt 21. — Redaktton, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.
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•fg. (excl. Bestellgeld). Lkettionsg-bühr für die Äxaltene Zeile 10 Pfg, feflomen für die Zeile ” 25 Pfg.
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pro Doppelzentner), welches für die gesamte, noch in
Industrie allzubedenklich sei. Man gab dem Drängen
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eines großen Teiles der Vertreter der Industrie, welcher auf Beseitigung der Materialsteuer hinar- bcitete, darin nach, daß man den Satz der Rüben-
Für die Monate August und September nehmen alle Postan- talten, auf dem Lande die Land- wstboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen aus die
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Die Zucker-Steuer, n.
Das Gesetz, welches gegenwärtig zu Stande gekommen ist, und welches mit dem l. August 1888 in Kraft tritt, ist das Refultat einer Verständigung der Vertreter der verschiedenen Richtungen. Man war darüber einig, daß neben der Rübensteuer eine l Konsumsteuer vom Zucker einzuführen sei. Die Re- ; gierung hatte den Satz von 10 Mark für den Doppel- e Zentner vorgeschlagen, neben Herabminderung der ' Rübensteuer auf 1 Mark und Festsetzung der Exportvergütung auf 10 Mark für den Doppelzentner Rohzucker. Es wurde von allen Seiten schließlich anerkannt, daß bei diesem Verhältnis die Exportver- i gütung und die in ihr enthaltene faktische Prämie | m einem Maße verringert werde (gegenüber dem bom 1. Oktober dieses Jahres ab geltenden Betrag von etwa 2 Mark 80 Pfg. auf 1 Mark 50 Pfg.
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Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fortsetzung.)
Nachdruck verboten.
Roderich Barlandt, gegen den soeben im Zimmer «r Frau Runkel ein Attentat geschmiedet war, das W die Freiheit seines Herzens kosten sollte, erhob sich erst um dieselbe Zett schlaftrunken und etwas düst im Kopf von seinem Lager. Es war ihm, als ° in der Nacht nach Hause zurückgekehrt war, lange Acht möglich gewesen einzuschlafen; alles, was er am «beud vorher erlebt — die Erzählungen Haus von «elas auf dem Wasser, die neue Bekanntschaft mit dem Geheimrat Borgfeld, deffeu rasch gewonnenes «»trauen, die Mstteilung, daß er mit derjenigen Dame, die dieser früher geliebt, deren Verlust dessen «beusglück zerstört, eine so große AehnlichkeU haben Me, — alles das regte seine Phantasie so mächtig Arf, daß er den Schlaf nicht finden konnte. So oft sich auch die Mahnung des Freundes wiederholte, Acht in jedem Vorkommnis einen möglichen Zusammeu- M>8,mtt seinem dunklen Geschick zu erblicken, so «rknüpfeu seine Gedanken doch immer wieder die ttue Geschichte mit der andern und beide Geschichten "u der Vergangenheit seiner Mutter.
. War es aber denn so durchaus unwahrscheinlich, °atz ein Faden, der von finsteren Mächten, in der 8-toviuzialstadt, wo Borgfeld ein junges Mädchen ge- *M hatte, gesponnen war, über Rom nach Weißen- “ttQ und von da nach Kiel leitete? Ja, weiter nach Hellenborv, zu dem Baron v. Rankendorf? W doch konnte alles wieder nur Zufall sein. War -E Sehnlichkeit, die der Geheimrat in Roderichs Ge- W entdeckt haben wollte, wirklich so groß, wie Letz- ^r fie zu feijen glaubte? Nichts bringt größere ^Auungsverfchiedeuheiten hervor, als die Frage über
Nach stundenlangem Hin» und Herdenken über I»ien aufregenden Gegenstand kam er doch schließlich M dem Schluß, daß er Belas Rat, die in uahe Aus-
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steuer noch etwas — auf 80 Pfg. pro Doppel- Zentner — ermäßigte, indem man aber die Vergütung bei der Ausfuhr etwas günstiger als nach dem Vorschlag der Regierung, auf 8 Mk. 50 Pfg. pro Doppelzentner, festsetzte — und .nan entschädigte endlich die Reichskasse für den größeren Ausfall der Rübensteuer durch eine Erhöhung der Konsumsteuer von 10 auf 12 Mark.
Die Einführung der Konsumsteuer, bei welcher jeder in den freien Verkehr des Inlands tretende Doppelzentner Zucker 12 Mark Abgabe entrichtet, macht eine Reihe von Einrichtungen in den Fabriken und umfassende Kontrollmaßregeln nötig, deren Belästigung andererseits durch eine große Ersparnis an Steuer-Verlag (nur noch 80 Pfg., anstatt Mk. 1.70 pro Doppelzentner Rüben) ausgewogen wird. Eine entschieden ungünstigere Stellung der Rohzuckerfabriken liegt in der verhältnismäßigen Verringerung der Ausfuhrvergütung gegenüber dem jetzigen Zustand, die sich auf 1 Mk. 10 Pfg. pro Doppelzentner berechnen läßt. Die Landwirtschaft steht mit der Zuckerfabrikation in so untrennbarer Verbindung, daß sich mit Sicherheit annehmen läßt, daß dieser Nachteil für die Industrie unmittelbar oder mittelbar in der Verringerung des Preises, zu dem die Zuckerrüben verkauft oder verwertet werden, seinen Ausdruck findet, und er dürfte sich mit annähernd 6 Pfennig für den Zentner Rüben berechnen lasten. So bedauernswert dies an sich int Interesse des Rübenbaues ist, so muß man sich doch andererseits vergegenwärtigen, daß eine radikalere Umwälzung weit größere Gefahren für die gesamte Zuckerindustrie und damit für die Landwirtschaft bringen konnte. Die Gegenden, welche Zuckerrüben bauen, sind verhältnismäßig die noch am günstigsten situierten und leiden unter dem allgemeinen Druck der tief gesunkenen Preise landwirtschaftlicher Produkte noch am wenigsten. Die Konsumabgabe an sich wird auf die Rohzuckerfabriken kaum einen nachteiligen Einfluß üben.
Für die Zucker-Raffinerie sind die günstigen Vergütungs-Sätze des Gesetzes von 1886, verhältnismäßig erhalten, und an sich kann das Aufblühen der deutschen Raffinerie, wenn es auch den Absatz von Rohzucker im Ausland zeitweise erschwert, nur erwünscht sein. Für die reinen Melasse-Entzuckerungs- Anstalten (Strontianit-Fabriken) wirkt das Gesetz ungünstig, aber es eröffnet diesen Anstalten die Möglichkeit, in der Raffinerie einen Ersatz zu finden.
Von großer Bedeutung für die Reichsfinanzen und für die Ausgestaltung unserer Konsumsteuern ist die Nnführung der Konsumabgabe, welche für die Ausnutzung dieses wichtigen Verbrauchsgegenstandes als .Steuerquelle von hohem Wert ist. Auf ihr beruht wesentlich das finanzielle Ergebnis des Gesetzes, welches eine Reichs - Einnahme aus der Zuckersteuer von etwa 50 Millionen Mark wieder sicherstellt. Wenn man den Branntwein zu einer höheren Steuer
icht gestellte völlige Genesung seiner Mutter erst abzuwarten, befolgen und keine weiteren Schritte vorher thun wolle, von denen er wohl wußte, daß fie unter Umständen ihn in eine furchtbare Aufregung stürzen könnte», die zu ertragen, er nicht die Kraft zu habe» glaubte.
Während Roderich Barlandt fich unruhig auf einem Lager hin und her warf, hatte er die verschie. rensten Pläne gemacht: er wollte Borgfeld nach dem Namen seiner früheren Geliebten fragen und ihm die Photographie seiner Mutter zeigen. Aber selbst wenn dieser antwortet, Jene sei eine geborene Wesselbach gewesen, wenn er beim Anblick des Bildes auSgernfen hätte: „Das ist sie!" — wäre damit eine zweifellose Entscheidung geschaffen? Es hätte sich allerdings herauSgestellt, daß Borgfeld zu Hans v. Belas Erzählung in enger Beziehung stand, die Photographie aber konnte den Geheimrat wiederum nur durch die Aehnlickkeit täuschen nnd keinen weiteren sicheren Beweis liefern. Eine Gewißheit war nur dadurch zu erzielen, daß man Borgfeld und feine Mutter einander gegenüberstellte. Aber die Anwendung dieses Mittels durfte bei dem geistigen Zustand der Leidenden unter keinen Umständen schon jetzt gewagt werden, well dabei alle Errungenschaften der Heilung verloren gehen konnten. Und selbst diese Gewißheit war nicht einmal eine vollständige, wenn der Geist der kranken nach feiner vollendeten Genesung nicht in diejenige Kammer des Gedächtnisses zu bringen vermochte, in der die Jugenderinuerungen legen, wenn die Thür dazu für immer verriegelt blieb, wenn feine Mutter auch die Erinnerung an eine frühere Liebe verloren hatte.
Und durste er nun den Mann, den er schon in '»er ersten Stunde liebgewounen, der ihm, demJüng. tag, seine Freundschaft angeboten, deffeu Herz von >em Liebesleid, das ihm widerfahren, noch immer nicht geheilt war, durch Fragen und Aufzählung seiner Vermutungen in eine ungeheure Austeguug hiueiu- reißeu, den schwer erkämpfteu Frieden feiner Seele
heranzieht, ist es gewiß gerechtfertigt, den Zucker nicht zu vernachlässigen, der doch in der Hauptsache in größerem Maße von den wohlhabenderen Klassen verbraucht wird. Seine Belastung durch das neue Steuergesetz ist gegenüber dem jetzigen Zustand noch immer eine sehr mäßige. Will man für dieses Verhältnis der Belastung einen Maßstab gewinnen, so muß man die Rohzucker-Preise des Inlandes, wie sie jetzt bestehen, mit denen, welche sich unter der Herrschaft des neuen Gesetzes bilden werden vergleichen. Jetzt steht der Preis für Rohzucker im Inland um den Bettag der Ausfuhrvergütung, also um 17 Mk. 25 Pfg., über dem Zuckerpreis des Weltmarktes. Nach Durchführung des Gesetzes wird dem Weltmarkt- Preis der Bettag der zuküufttgen Ausfuhrvergütung, also 8 Mk. 50 Pfg., und der Bettag der Konsumsteuer, also 12 Mark, zusammen 20 Mark 50 Pfg., hinzuzurechnen sein. Das ergiebt auf den Doppelzentner Rohzucker eine Verteuerung für den Konsumenten um 3 Mark 25 Pfennige, oder, um es für die Privatwirtschaft verständlicher auszudrücken: für das Pfund Zucker eine Verteuerung von wenig mehr als l*/i Pfennig — em Betrag, der gegenüber den so schon jährlich fallenden Zuckerpreisen im kleineren Verkehr kaum gefühlt werden dürfte.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juli. Es steht nunmehr fest, daß die Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Oesterreich in Gastein stattfinden wird; Kaiser Franz Josef wird am 6. oder 7. August daselbst Eintreffen und gedenkt zwei Tage bei seinem Kaiserlichen Verbündeten zu bleiben. Davon, daß ihn sein Minister des Auswärttgen, Graf Kalnoky, begleiten wird, wie kürzlich von Wiener Blättern behauptet wurde, ist hier nichts bekannt; dagegen verlautet hier, daß sich Graf Kalnoky Mitte des nächsten Monats zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Kissingen begeben wird. Auch die bayerischen Minister v. Crailsheim und Dr. v. Lutz sollen die Absicht kund gegeben haben, den Reichskanzler wieder in Kissingen zu besuchen. — Der „Voce della Verita" zufolge hat der Papst Kaiser Wilhelm und der Königin - Regenttn von Spanien zwei der goldenen Medaillen zugeschickt, die jüngst geprägt worden und die päpstliche Vermittelung im Karolinenstreit darstellen. Die Medaillen befinden sich in sehr eleganten und kostbaren Futteralen von ausgesuchter Arbeit und mit dem päpstlichen Wappen, welches in Miniaturmalerei ausgeführt ist. Auch Fürst Bismarck und der spanische Exministerpräsident Canovas haben dieselben goldenen Medaillen zugeschickt erhalten. — Der Präsident der Justizprüfungs- kommissiou, Dr. Stölzel, ist nach der Schweiz abgereift. In der Abhaltung der Prüfnngstermine für die zweite juristische Staatsprüfung tritt eine Ferienpanse bis zum 6. September d. I. em. — Die „Kreuz- Ztg." bringt heute einen Leitartikel über unser Ver
stören, die Narbe von der noch nicht ganz geschloffenen Wunde lösen, damit fie aufs Nene zu bluten anfange? Nein, das konnte er nicht, das durfte er wenigstens etzt ooch nicht. Der neue Freund war hierhergekommen, sich nach anstrengender Arbeit zu erholen, Roderich konnte es nicht verantworten, ihn in der Ruhe, die seinem Körper nötig war, zu stören.
Um sechs Uhr morgens erst versank Roderich in einen festen, traumlosen Schlaf, der ihn denn auch ohne Unterbrechung bis in den halben vormittag hinein festhielt. Nachdem er erwacht und zur klaren Besinnung gekommen war, durcheilte er noch einmal n rascher Folge alle Gedankenwege, die er in der Nacht durchwandert; für einen Augenblick war der Wille fast so stark wie die Lust, dem Geheimrat Borgfeld alles zu entdecken, gleich darauf faßte er jedoch abermals den Entschluß, vorläufig ihm nichts zu verraten.
Er wollte heute nicht gern die Klinik versäumen und begab fich nach den Krankenhäusern auf den Weg. Es war am Abend vorher verabredet worden, zwischen iwöls und ein Uhr im „Englischen (Sorten* einen Frühschoppen zu trinken, und dann wollte Barlandt den Geheimrat entweder zu Land oder zn Wasser nach Bellevue begleiten, wo Borgfeld sich für die Dauer von vier bis sechs Wochen einzumieteu gedachte.
Roderich, der erst gegen ein Uhr int „Englischen Garten* eintraf, fand daselbst im Freien alle Koulenr- ! »rüder, mit denen er am Abend vorher fröhlich zn- ammen gezecht hatte, nur Hans fehlte, der um diese Zeit bei Frau von SonuS war. Letzterer hatte Gabriele nicht die Unwahrheit gesagt, als er ihr mitteilte, daß am Nachmittag abermals ein gemeinschaftlicher Ausflug gemacht werden solle, nur das war nicht richtig, daß er dadurch verhindert war. Er hatte gar nicht die Absicht, fich daran zu beteiligen, einesteils, weil er verschiedene Briefe zu schreiben hatte, »ater liefen auch einen an feinen Vetter Wesselbach; andern, teils fühlte er fich nicht aufgelegt, inmitten einer mit : ebem Glase Bier lauter werbenden Gesellschaft stunden-
hälttiis zu Frantteich, in dem sie sagt, das Kabinett Rouvier sei eben so gut ein Revanchekabinett, wie jedes seiner Vorgänger und Ferron sei nur ernster und überlegter als Boulanger. Der Schluß des Artikels lautet dann: „Auch ohne russische Hetzereien und Anstachelungen wird sich in Paris wohl in näherer Zeit noch, als man zu berechnen vermag, die Logik der Thatsachen vollziehen und ein Ministerium ä la Clemenceau ober Rochefort sich erheben mit Boulanger an der Seite, wie unglaublich dies auch momentan klingen mag. Damit ist dann das Signal entweder zu einer sozialen Revolution gegeben oder zu dem geplanten Ueberrumpelungs-Rachekriege. Auf Ueberrumpelung ist derselbe im Beginne angelegt, aber es giebt noch eine dritte Eventualität, nämlich die, daß die wahnwitzige Verfolgung und Angeiferung alles Deutschen in Frankreich, welche mit der russischen bald ganz Hand in Hand arbeiten wird, Deutschland seiner selbst wegen zwingt, die Katastrophe in dem französischen Nationaldrama, das sich vor uns abspielt, zu beschleunigen und damit zugleich das uns gegenüber geplante Prävenier zu vereiteln. — Die „Polit. Nachr." bemerken zu der von den Blättern erörterten Frage, ob Schuwaloff während seines jüngsten hiesigen Aufenthaltes mit Flnanzkreisen in persönliche Beziehungen getreten, um beruhigende Versicherungen über die russische Finanz- polittk zu geben, daß die Frage müßig sei. Wäre Schuwaloff in der Lage gewesen, Mitteilungen von thatsächlichem Werte über die russische Finanzlage zu machen, so würde er dieselben in politischen Kreisen zur Sprache gebracht haben. Daß ein Botschafter in privater Unterhaltung nicht anders als beruhigend über die Finanzlage des von ihm verttetenen Landes sprechen könne, sei selbstredend.
— Wie der „Magd. Zig." geschrieben wird, waren gestern über das Befinden des Kronprinzen abermals eingehende Berichte in Potsdam eingelaufen. Hiernach ist der Zustand des Pattenten derart befriedigend, daß sich für den Augenblick Besseres nicht wünschen läßt. Beim Schlucken ist noch eine geringe Empfindung vorhanden, die aber nicht schmerzlich auftritt, sondern nur kleine Unbequemlichkeiten verursacht. Man wird die Reizung sich so darstellen dürfen, als sei im Halse ein ganz geringer Speiserest hasten geblieben, den zu entfernen ein einfaches Auf- husten genügt. Die Störung ist als dauernde ausnehmend peinlich, aber fie verhindert weder das Sprechen, noch erschwert sie das Essen; sie erinnert nur in jedem Augenblick an das Vorhandensein einer Unregelmäßigkeit, die nicht ohne Einfluß auf die Stimmung ist. Jede Reizung des Halses muß vermieden werden, und dies wird dadurch bewirkt, daß der Pattent das Genießen heißer Speisen vermeidet und nur lauwarme Nahrung zu sich nimmt. Sechs Mal des Tages wiederkehrende Gurgelungen bezwecken eine den fremden Bestandteil auflösende Wirkung, und
lang auSzuharre», sondern er wollte mit feinen jungen Gefühlen allein sein, ganz allein, um ungestört von der Geliebten träumen zu können. ES war in der That von der „Teutonia* beschlossen worden, heute eine Fahrt aufs Meer hinaus zn machen. Zn diesem Zweck hatte man sich den Personendampfer, der den Namen „Klaus Groth* führt, gemietet. Um vier Uhr sollte derselbe bestiegen, nnd sofort auf dem Verdeck ein Faß Bier angestochen werden. In Laboe, einem kleinen Badeorte, rechts am Eingang des Hafens gelegen, wollte man eine halbe Stunde Station machen und dann auf unbestimmte Entfernung in die offene Ostsee htaausdampfen.
Auch Roderich, dem ein tagelaugeS Kneipen wenig zusagte, hatte fich vorgenommen, zu Hause zu bleiben, ich aber anders besonnen, als er vernahm, daß Borg- -elb bie Tour mitmachen wolle unb sich sehr barauf freue, bas Meer einmal wieberzufehen.
Als ber Frühschoppen getrunken war, entfernten ich bie einstigen Studiengenossen des Geheimrats, um bis vier Uhr noch anberroettige Geschäfte unb Besuche zu erledigen. Borgfeld und Roderich aber wanderten an den Hafen, wo fie ein Boot bestiegen, um fich von dem Inhaber desselben nach Bellevue ähren zu lassen. Sie mußten von dort leider unverrichteter Sache wieder fortgehen, da daS Logierhaus vollständig besetzt war, bekamen aber vom Wirt die Weisung, sich nach ber Villa des ZimmermeisterS Müller zu verfügen, woselbst noch mehrere Wohnungen ur Badegäste frei wären. Dieselbe wurde ihnen näher bezeichnet und die Beiden begaben sich dorthin zu Fuß auf den Weg. Roderich hatte keine Ahnung, daß das dieselbe Villa fei, in der am Abend vorher ite Sonate seines Freundes gespielt worden war. Er hätte sie auch, deren Umriffe er nur tat Dunkeln von der Wafferseite aus undeutlich gesehen, am Tage vom DÜsterubrooker Wege auS nicht wiedererkannt. Den Namen des Besitzers hatte er garuicht erfahren.
AIS sie bei der Villa anlangten, sahen fie, daß eine Droschke vor der Thür hielt, aus deren Kutscher«