zir. 170.
Marburg, Sonnabend, 23. Juli 1887.
XXII. Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt,
ewbitinn Marti 21. — Redaktion. Druck und Verlag von Ioh. Sng. Koch.
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Die Zeiten des Dreikaiserbündnifses und, wie es scheint, wirklich und unwiederbringlich hahin. Die erste Drei-Kaiser-Allianz von 1872 hat durch den Berliner Kongreß von 1878 ihren Todesstoß erhalten; die russische Diplomatie sah es damals a[5 selbstverständlich an, daß Deutschland den verfahrenen Karren der russischen Polittk durch den stefsten Schmutz ziehen sollte. Das ging nicht an, Mil damit ein großer Völkerkrieg entfacht worden wäre. Nach mehren Jahren bitterer politischer Gegnerschaft, welche das Bündnis zwischen Berlin und Wien hervorriesen, gelang es der Staatskunst Fürst Bismarcks, die Zusammenkunft von Skierniewice und damit das zweite Dreikaiserbündnis, wenn wir es so nennen wollen, heevorzurufen. Die Zwischenfälle im Orient zerstörten 1885 das gute Einvernehmen zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn, und damit hatte auch von selbst das Dreikaiserbündnis ein Ende. Auf dem Papier, wie die Allianz zwischen Deutschland Md Oesterreich, hat es schwerlich je gestanden, um so einfacher war also die Auflösung. Damit gewann von neuem die deutschfeindliche Strömung in Petersburg die Oberhand: wenn sie auch nicht große Erfolge in der hohen Politik aufzuweisen hat. denn ihrem Hauptziel, dem Bündnis mit Frankreich, stemmt sich der unbesiegbare Widerwille des Zaren entgegen, hat sie doch in der inneren und Wirtschaftspolitik um so größere Lorbeeren errungen, md Hier ist das Tischtuch zwischen Rußland und Deutschland zerschnitten. Vielleicht flickt maus nochmal zusammen, aber welches Vertrauen kann man auf Flickarbeit setzen?
Alexander III. weiß recht gut, daß er weder ein genialer Staatsmann, noch ein tüchtiger Feldherr ist. Da er beides nicht sein kann, so will er wenigstens ter unumschränkte Selbstherrscher und Schützer des nationalen Russentums sein. Sein Selbstherrschertum
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richtet sich gegen die Republik Frankreich, sein Russentum gegen Deutschland und Oesterreich. Diese beiden Charakterzüge liegen einmal tief im Zaren drin und niemand wird sie daraus vertreiben können. Sie allein ttllären auch die zeitige russische Politik, welche Rußland politisch und wirtschaftlich zu einer in sich selbst starken Macht erheben will. Der Gedanke schwebt dem Zaren vor, durch ihn hofft er den Nihilismus zu besiegen. Aber wenn man einen hohen Turm mfführen will, muß das Fundament aus festen Quadern und nicht aus vermorschendem Holz bestehen. Rußlands Regierung und Verwaltung ist aber morsches Holz, über dessen Fäulnis die Bevölkerung durch künstliche Mittel getäuscht werden soll, und zu diesen Mitteln gehört auch der in vollem Schwünge befindliche Feldzug gegen alles Ausländische Md alles Deutsche im Speziellen, der solche Maß- mhmeu angenommen hat, daß auch in Deutschland ter Geduldfaden gerissen ist. Schwerlich wäre der Krieg gegen die russischen Staatspapiere entbrannt,
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Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
(Fottsetzung.)
Nachdruck verboten.
»So nehmen Sie ihn doch, diesen hübschen und stattliche» Mann," rief Frau von SounS walitiös anflachend, „ich trete ihn mit Freuden ab und gebe 3hne» eine glänzende Aussteuer mit in den Kauf."
»Nun, liebe Gabriele, so furchtbar lächerlich ist die Sache durchaus nicht; in der ersten Zett machte « mir dm Hof — meine Kapttalteu hätten auS- terercht, eine größere Pacht zu übernehmen —, da sttl es Ihnen ein, an ihm Wohlgefallen zu finden, vld ich wurde bei Seite gesetzt.'
»Davon hatte ich gar keine Ahnung, da find Sie gar auf mich eifersüchtig?' Dies sagte Frau d. Sonus noch lachend, gleich darauf aber nahmen Züge einen noch schmerzlichen Ausdruck au, und >it halblauter Stimme setzte sie hinzu: »Oh, eS muß d«tt sein, von dem Manne, den man mit der ganzen *raft feiner Seele liebt, nicht wiedergeliebt zu werdm. vttt, bitterhart I'
»In diese Lage werden Sie nie geraten."
»Wenn Sie wahr sprächen, ich würde Ihnen die Hülste meiner Erbschaft geben !'
. Gabriele machte aufs Neue eine Promenade durch
Zimmer, und daun plötzlich vor der Gesellschafterin «"heu bleibend, sagte sie:
»Wie denken Sie über Herrn v. Bela?'
»Nun, er ist jedenfalls ein hübscher Mann.'
^Das meine ich nicht. Sagen Sie mir einmal aufrichtig, Amanda, was hasten Sie von seinem Auf- «tten mir gegenüber?'
-Ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen.*
Fräulein Ätzer wußte eS nur zu genau. Jetzt M sich ihr aber eine günstige Gelegenheit, sich im ^»Semeineu und im Besondern für dar so eben wahr- «Nommkne malitiöse Lächeln ein wenig rächen zu können.
»Glauben Sie,' fuhr Frau v. SounS fort, »daß . Nch ernstlich für mich interessiert?'
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wenn die Sage nicht wäre, wie sie eben ist. In Berlin hat man Rußland gegenüber eine ungemeine Geduld und Langmut bewiesen, in der Hoffnung, es werde in Petersburg ein Umschwung eintreten. Diese Hoffnung schlug aber fehl.
Die russische Regierung wird sich durch ihre Wirtschaftspolitik die sie drückende, schwere Last nicht vom Halse schaffen können; auch ein Krieg kann ihr wenig helfen, denn sie gebraucht zu demselben Gelder, die sie nicht hat, und zu deren Aufbringung muß sie sich doch wieder ans Ausland wenden. Es ist deshalb nicht unmöglich, daß schließlich mit dem jetzigen System wieder gebrochen und etwas eingelenkt wird; denn mit dem Kopf durch die Wand kann Niemand rennen, auch Rußland nicht. Wird aber in Zukunft die Petersburger Regierung noch großes Vertrauen finden? Schwerlich! Ein Freund, in dessen Land alle Augenblick eine andere Strömung vorherrscht, ist ein „unsicherer Kantonist", auf dessen Beistand im Notfälle man keine Häuser bauen kann. Deutschland hat nur einen wahren Freund, dessen Gesinnung bewährt ist, das ist Oesterreich - Ungarn. Rußland zeigt uns seine Zuneigung nur, wenn es uns gebraucht, und schließlich ist dann wieder Undank des Zaren Lohn.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Juli. In dem Bezirke einer Königlichen Eisenbahndirektion sind im vergangenen Jahre wiederholte Unterschlagungen von Fahrgeldern seitens des Zugbegleiter-Personals entdeckt worden, welche hauptsächlich durch Verabfolgung bereits benutzter Retourbillette an dritte Personen bewirkt worden. Es hot sich dabei herausgestellt, daß das Zugpersonal in vielen Fällen zu derartigen verbrecherischen Handlungen durch Reisende und andere Personen vermittelst Gewährung von Geldgeschenken angestiftet worden war. Die Sache wurde von der betreffenden königlichen Direktton den Gerichten übergeben und die Untersuchung derselben ist in den meisten Fällen abgeschlossen. Wie wir hören, ist nicht nur das betreffende Beamtenpersonal zu strengen (Strafen verurteilt — ein Schaffner erhielt z. B. wegen schwerer Bestechung und Urkundenfälschung, wegen wiederholter Verbrechen im Amte und mehrfacher Unterschlagung eine Gefängnisstrafe von insgesamt 3 Jahren nebst Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 4 Jahre —, sondern auch gegen diejenigen Personen, welche durch Geldgeschenke die Beamten verleitet hatten, sind schwere (Strafen ausgesprochen worden. Diese bedauerlichen Vorgänge werden eine Lehre fein auch für solche Reisende, welche bisher kein Bedenken gefunden haben, sich die Billetveruntreuungen des Fahrpersonals zunutze zu machen. — Zur Zeit werden in einzelnen Landesteilen genaue Aufnahmen über die Arbeitsverhältnisfe der hervorragendsten Gewerbzweige vorgenommen. Diese Feststellungen dürften eine höchst wertvolle Grundlage für die Beurteilung der Arbeiterbewegung, uament-
„Herr v. Bela?'
, »Natürlich I — Wer sonst?"
»Ist Ihnen denn daran so besonders gelegen?* »Welche Frage!'
»Bin ich denn bis dahin blind gewesen?* sagte Amanda mit einem ganz barmlosen Gesicht. »Lieben Sie denn nicht Herrn v. Flamming?'
»Flamrning? Sind Sie von Sinnen?'
»Es ist aber unzweifelhaft, daß Herr v. Flamrning Sie liebt!'
»Mag er doch.*
»Sie find doch sehr freundlich gegen ihn! Ich habe wirklich angenommen, daß auch Sie sich für ihn iutereffierteu und mit Herrn v. Bela trat ein wenig koquettierteu, um Herrn v. Flammiugs Eifersucht zu schüren. Sie haben ja so oft die ausgezeichnete Wirkung dieses Manövers gerühmt.*
»Sie haben falsch gesehen, hätten Sie die Ver- hältnisie umgekehrt, würden Sie das Richtige getroffen haben.'
»Sie lieben also Herrn v. Flamming nicht?'
»Nein. Sie sagen, Flamming liebe mich — haben Sie denn nicht dasselbe Gefühl bei Hernt von Bela entdeckt?'
»Ich habe wohl bei ihm ein getdiffeS Jntereffe bemerkt, aber —*
»Aber?"
»Aber wenn ich auftichttg die Frage beantworten soll, wirkliche, tiefe Siebe scheint eS mir nicht zu fein."
„Sie sprechen die Unwahrheit, Sie sprechen gegen Ihre Ueberzeugung, nur nm mich zu ärgern."
„Das ist ein grundloser Verdacht. Ich sage ja nur, was ich bemerkt habe, Sie können ja ganz andere Beweise erhallen haben, wenn Sie mit ihm allein waren."
„Er war nicht anders, als in ihrer Gegenwart." „Dann meine ich aber, liebe Gabriele, haben Sie noch nicht einen einzigen sicheren Beweis."
„Er muß mich lieben, er soll mich lieben!" rief die schöne Fran erregt ans.
lich bei ausbrechenden Arbeitseinstellungen, bilden, zumal da die Aufnahmen in regelmäßig wiederkehrenden Zeitabschnitten stattfinden und sich schon jetzt aus dem Vorhandenen Stoff ersehen läßt, wie die von den Feiernden aufgestellten Lohnverhältnisse von den amtlichen Festsetzungen abweichen. — Die Umgestaltung des Vermeffungswesens in Preußen steht bevor, indem der Finanzminister den Vorstehern der Katasterämter folgendes hat eröffnen lassen: „In denjenigen Katasterämtern, in welchen der Umfang der amtlichen Geschäfte und die körperliche Rüstigkeit der Kataster- konttolleure es gestattet, sind fortan alle Geschäfte, welche sich auf die örtliche Ausführung der Fort- fchreibungsvermessungen beziehen, von dem Kataster- konttolleur ausnahmslos persönlich auszuführen. Die ertellten Ermächttgungen zur selbständigen auswärtigen Verwendung, von Privatgehilfen sind dergestalt zurückzuziehen, daß die Beschäftigung der Gehilfen zugleich mit dem Ablauf der etwa verttagsmäßig zwischen ihnen und den Katasterkonttolleuren vorgesehenen Kündigungsfrist endet. In denjenigen Katasteramtsbezirken, in welchen es unthunlich erscheint, den Katasterkontrolleur zur persönlichen Ausführung sämtlicher Fortschreibungsvermessungen anzuhalten, muß gleichwohl die selbständige auswärtige Beschäftigung ungeprüfter Gehilfen abgestellt werden. Auch in den hier in Rede stehenden Bezirken liegt dem Katasterkontrolleur die persönliche Ausführung der Fortschreibungsver- meffungen in dem durch die Berhältniffe gestatteten beschränkten Maße ob, wogegen dem Katasterkontrolleur die persönliche Vornahme geomettischer Privatarbeiten unbedingt untersagt wird. Für denjenigen Teil der Fortschreibungsvermeffungen, welche der Katasterkontrolleur unter den in einzelnen Fällen obwaltenden Umständen persönlich zu erledigen außerstande ist, sind geprüfte Feldmesser als Gehilfen anzunehmen. Sie werden aufgefordert, in kürzester Frist die Namen derselben und den Ablauf der Vertragszeit anzugeben. Fortan darf keiner derselben zu selbständigen auswärtigen Arbeiten, insbesondere zu Fortschreibungsvermeffungen verwandt werden." — Von einigen Seiten ist die Neuerung empfohlen worden: die Postkarten vor dem Einwerfen in die Postbriefkasten zu kniffen oder in der Mitte zu brechen, um das Verschieben zwischen Zeitungen und andere Umhüllungen zu verhüten. Dieser Vorschlag erscheint bei näherer Betrachtung ebenso ungeeignet, als nutzlos. Sollen die Postkarten etwa an allen vier Ecken geknifft werden, da sie sonst mit den übrigen Ecken sich doch verschieben können? Und nun gar die in der Mitte gebrochenen Postkarten! Sie würden viel eher zwischen Zeitungen u. s. w. verschwinden, als ungebrochene, eine größere Fläche bietende Postkarten. Der ganze Vorschlag ist aber auch nutzlos, da die Postbeamten die geknifften Postkarten sofort wieder freiten oder glätten müßten, um sie für die postalische Behandlung, das Stempeln, (Sortieren und Verpacken geeignet zu
Sie ließ sich aus einen Lehnsessel nieder, und das Gefickt in beide Hände vergrabend, sprach sie in einem weichen, schmerzlichen Tone weiter: „Ich liebe ihn, Amanda, liebe ihn mtt einer Glut, wie ich nie vorher einen Mann geliebt habe. Ich hatte ihn nie zuvor gesehen, — gleich das erstemal, als er sich mir als einen entfernten Verwandten meines verstorbenen Gemahls vorstellte, da flog ihm meine ganze Seele entgegen; als ich ihn das zweitemal sah, da schlugen Helle Flammen in meinem Herzen ans, und diese Flammen werden mich verzehren, wenn ich keine Gegenliebe finde. Wenn ich nur seine Stimme, wenn ich nur seinen Schritt höre, so zittte ich, und nur wenn er da ist und freundlich zn mir spricht, fühle ich mich glücklich, aber ist er fort, so vergehe ich vor Sehnsucht nach ihm. Mir graut selbst vor der Höhe einer solchen Leidenschaft, und ich weiß nicht, war ge- schiebt, wenn ich eS erleben muß, daß ich vergebens gihofft. Bis jetzt habe ich alle Qualen in mir Der» schloffen, es war mir nicht möglich, Ihnen meine Gefühle zu schildern, vielleicht ans Scham, daß ich Ihnen nicht zugleich die Mitteilung von einer erwiderten Liebe machen konnte. Aber ich muß mich einmal aussprechen, muß meinem Herzen Lust machen, soll ich nicht an diesen Zweifeln ersticken! Was Sie bemerkt haben, auch ich fühle eS: in allem, was er sagt und thut, in jedem Wort, jeder Freundlichkeit liegt nicht der kleinste Beweis, daß er mehr für mich empfindet, als ein flüchtiges Wohlgefallen. Und das wacht mich elend!"
Fräulein Ätzer hatte bis jetzt ohne jedes Mtt- gefühl den Ergießungen einer gefolterten und verzweifelnden Seele zugehört und dabei gedacht:
„Wie ost habe ich ebenso gefühlt, tote oft bin ich ebenso verzweifelt gewesen, und niemand hatte Mitleid mit mir. ES ist gut, daß sie, die bis dahin vom Schicksal so Verwöhnte, auch einmal tarnen lernt, waS unglückliche Liebe ist."
SIS Fräulein Ätzer nun sah, daß ihre Herrin an. fing zu schluchzen und Helle Thräueu über bereu
machen. Die Karten würden also im Laufe der Beförderung doch der Möglichkeit einer Verschiebung ausgesetzt sein. Dagegen wird das Breiten und Glätten der Karten viele nutzlose Mühe und vielen Zeitverlust verursachen und deswegen möglicherweise das Zurückbleiben der Karten verschulden. Die Post würde guten Grund haben, die Absender gebrochener oder gekniffter Karten für das Zurückbleiben derselben selbst verantworttich zu machen, oder solche Karten überhaupt von der Beförderung auszuschließen und zurückzuweisen. Es gewährt also das empfohlene Mittel keinen Nutzen, hält im Gegenteil die Beförderung der Karten auf und ist sogar gefährlich für die rechtzeitige und richtige Ueberkunft derselben. Wir raten daher dringend von diesem Mittel ab. — Die „Kreuzzeitung" kommt nochmals auf die russischen Werte zurück. Daß die Kourse derselben nicht genügend gefallen sind, schreibt sie, abgesehen von der Intervention des russischen Finanzministers, vornehmlich den deutschen Bankiers zu, die dadurch auch verhindert haben, daß die russischen Pläne, die sich auf die Konversion der alten und die Aufnahme neuer Anleihen beziehen, nicht definittv gescheitert sind und schreibt dann: „Unseren Wünschen enffpricht eS übrigens durchaus, wenn der Verkauf der Masse der in Deutschland eingedrungenen russischen Effekten nicht etwa auf dem Wege einer Deroute erfolgt. So wie jetzt die Dinge durch den Widerstand der haute finance sich allmälig abwickeln, kann das Publikum sich wenigstens vor einem Teil jener Verluste schützen, welche es unausbleiblich erleiden wird, wenn die russische Politik auf ihren gefährlichen Pfaden beharrt und wenn die Kapitalisten sich in der Hauptsache nach dem Rat allerdings sachkundiger, aber in hohem Grade interessierter Banquiers richten. Daß aber die haute finance die Macht hat, in einem zwischen Deutschland nach Rußland geführten wirtschaftlichen Kampfe die Interessen Rußlands mit solchem Elffolge zu schützen, und daß sie von dieser Macht zu Gunsten des Auslandes unbedenklich Gebrauch macht, ist freilich ein bedeutsames Zeichen der Zeit, an dem der internationale Charakter des Großkapitals mit besonderer Deutlichkeit in die Erscheinung tritt.“ — Der russische Botschafter, Graf Paul Schuwalow, reist voraussichtlich morgen vormittag zu seiner Famllie nach Remplin zurück. Graf Peter Schuwalow, der Bruder des Botschafters, ist heute zum Besuche desselben hier eingetroffen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffenb den Verkehr mit Kunstbutter, sowie die Erklärung der deutschen und der portugiesischen Regierung, betreffend die Abgrenzung der beiderseitigen Besitzungen und Interessensphären in Süd-Afrika.
Straffburg, 19. Juli. Die reichsländische Regierung ist der Frage näher getreten, auf welche Weife in den Volksschulen innerhalb des französischen Sprachgebiets die deuffche Sprache größere Berücksichtigung finden könne, als bisher der Fall war.
Wangen liefen, da kam bei diesem Anblick ihre nr’ sprünglich gutmütige Natur zum Durchbruch; totebe1 gedachte sie der eigenen Liebesschmerzen, da sie schon mehrfach ganz ähnlich, wie jetzt Frau v. SounS, empfunden, ja, immer noch saß der Stachil in ihrem Herzen, den Herr von Larsen hineingestoßeu. Um so leichter öffnete sie jetzt die Thür ihres Mitgefühls, da Larsen ja nicht der Gegenstand war, um den Ga- briele trauerte, um so rascher gab sie sich dem Mitleid hin, als der Umstand, daß der hübsche Verwalter nun aus bett unheilvollen Banden entlassen sei, einen leichten Hoffnungsschimmer in ihr aufdämmeru ließ. Sie erhob sich, näherte sich der Leidenden und sagte:
»Meinen Sie nicht, liebe Gabriele, es kann ja noch alles gut werden."
Fra» von Sonus richtete sich auf, als wenn in diesen Worten ein wirklicher Trost gelegen, nnd sah ihre Gesellschafterin mit einem dankbaren Blick an.
„Sie glauben, daß noch eine Möglichkeit — ?"
„Warum nicht? Hat Herr v. Bela bis dahin noch kein Wort gesprochen, was auf tiefere Gefühle schließen ließe, so wiffen wir darum doch noch nicht, wie eS in seinem Innern aussieht. Die Männer find so verschieden. Der Eine trägt feine Empfindungen auf der Zunge, verrät fie durch das Auge, der Andere versteht es, stch zu beherrschen, weil er in weiser Vor- ficht sowohl sich selbst prüfen will, ob feine Neigung eine nachhaltige fei, als auch, wett er den Gegenstand derselben erst einer Prüfung unterwerfen will, ob er auch alle Bedingungen erfüllen kann, die zu dem Glück eine» laugen Lebens notwendig find. Eine solche Vorsicht traue ich allerdings Herrn von Bela zu. So sehr sich solche Männer nun auch in Acht nehmen, sich nicht vorzeittg der Betteffenden zu verraten, so wenig können sie eS bisweilen anderen gegenüber."
„Da mögen Sie Recht haben."
„Befehlen Sie über mich, Gabriele, wenn ich Ihnen hierin beistehen kann."
„Aber wie?"