Ar. 166
Marburg, Dienstag, 19. Juli 1887
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Illustriertes Sonntagsblatt
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Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
viel wichtigere Ziel, die gewonnnene Kundschaft sich zu erhalten. Die Unvorsichtigkeit eines Geschäftsmannes, dem Publikum gar zu billige Preise zu stellen, rächt sich oft; aber der Schaden auch für andere Ge- : schüftsleute ist vorhanden. Hat das Publikum billige ; Preise, so verlangt es billigere, und wird, um auch ‘ diese zu ermöglichen, die Qualität der Maare zu sehr verringert, so giebt es Lärm, Streit und schließlich bleibt das Publikum trotz des früheren großen Entgegenkommens fort. Bietet aber ein großes, zum Geschäftsbetriebe zur Verfügung stehendes Kapital die Möglichkeit, die niedrigen Preise aufrecht zu erhalten, dann qt doch der Gewinn fo gering, daß er oft zum Absatz in keinem Verhältnis steht. Reelle Maare muß auch reellen Mert haben, und der ist unter den heutigen Zeitverhältnissen wahrlich niedrig genug. Jeder Ge-
Ju de« Handelskammerberichte«, welche in letzter Zeit veröffentlicht worden sind, trifft man vielfach auf eine Bemerkung, welche in der Thal einen äußerst dunklen Punkt unseres gewerblichen Lebens bloslegt, die Fabrikation zu Preisen unter dem wahren Mert. Es wird hervorgehoben, daß sich diese beklagenswerte Erscheinung nicht nur in der Großindustrie findet, sondern im gleichen Maße auch im Handwerkerstande, daß sie vor allem die Wurzel des gewerblichen Uebels ist. Die Berichte sprechen damit ein wahres Wort aus. Im Laufe des letzten Jahrzehntes sind die Preise nahezu aller Fabrikations- artikel in Groß- und Kleinindustrie beträchtlich im Preise gesunken; vervollkommnete Maschinen und damit erleichterte Herstellung, Ucberproduktion und flaue Zeiten haben die Preise allgemein gedrückt, den Gewinn bedeutend geschmälert. Damit sollte es aber ouef) sein Bewenden haben, und bei Herstellung von Arttkeln auf Bestellung, mag dies nun im Großgewerbe oder int Handwerk der Fall sein, sollten solche Preise aufrecht erhalten bleiben, wie sie zur Existenz notwendig sind. Das gilt nicht für ein Gewerbe allein, sondern für alle gleichmäßig. Ein Geschäft, groß oder klein, darf nicht vegetieren, sondern muß
wie ihn seine Geschäftsunkosten erfordern, zu arbeiten, das kann man niemanden zumuten, das darf auch
niemand thun, wenn er die eigene Position nicht untergraben will. Das Unterbieten der Preise führt nicht zu einer dauernden Verbilligung, sondern am Ende zu einer Verteuerung, denn nur eine wirklich leistungsfähige Industrie vermag entsprechende Preise zu halten.
Am allerschlimmsten stehen die Geschäftsleute da, welche aus zu geringer Fachkeuntnis übermäßig billig arbeiten, welche glauben, dadurch einen größeren Kundenkreis zu erwerben und dann doch zu verdienen. Diese Hoffnung ist sehr oft trügerisch; denn wenn man durch äußerst niedrige Preise und großen Umsatz verdienen will, dann muß man vor allen Dingen viel Geld in den Fingern haben. Mit ein paar hundert Thalern wird ein solches System nicht durchgeführt. Daher sehen wir auch, wie so mancher billige Produzent, von dem das Publikum rühmt, er mache ein brillantes Geschäft, am Ende doch gezwungen ist, sein Geschäft zu schließen. Das sollte eine Mahnung zur Vorsicht und Besonnenheit sein; ohne genaue Erwägung der einschlagenden Verhältnisse und der eigenen Kraft, sollte auch int kleinsten Geschäft kein Schritt gethan werden.
Staat die Mittel haben muß, die er zur Wahrung seiner Existenz gebraucht, so auch das Gewerbe, welches ! streitbar eine der Stützen jedes modernen Staatswesens bedeutet.
Die Fabrikation zu Minderpreisen ist in Deutschland in einem Umsange vorhanden, wie sie nicht vorhanden sein sollte und nicht vorhanden zu sein brauchte. Ihr Hauptzweck ist, Kunden aus der großen Menge des kaufenden Publikums heranzuziehen. Dieses Ziel wird wohl erreicht, aber nicht immer das zweite und
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beiden Jüngeren, ihre Gefühle gefälligst auf der Stelle an den Nagel zu b'rgen und den neuen Studenten ganz unberücksichtft ' lassen, damst sich sein Inter» esse nicht zersplttte sondern auf Eine vereinige. Dagegen erlaubte st <c Aeltesteu, ihr Gefühl zu behalten, es zu nähren uub ganz langsam, aber mit
schließlich zur Katastrophe führen muß. Wie der
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leben, und der ungenierte, etwas freie Ton gegenüber 9e dem mehr steifen, zurückhaltenden in andern Familien, — die er hier kennen gelernt, heimelte ihn an und er» $3 innerte ihn au den leichtlebigen Verkehr in Süd- >e. )eutschland. Er war viel zu harmlos und wett da- lld von entfernt, zu glauben, daß er von Seiten der he Mutter ein Gegenstand der Spekulation, von Seiten $ einer der Töchter ei» Gegenstand der Neigung sein üll könne. Erst in den letzten Wochen hatte er bei den er, immer deutlicher werdenden Symptomen sich der Ueber- 'en zeuguug nicht länger verschließen können, daß die nd älteste Tochter, Friederike, die „rote Rübe", ernstliche Neigung zu ihm gefaßt habe. Diese Entdeckung war m- ihm fürchterlich, da er jenes Gefühl nicht erwidern ffe konnte, er war sich auch bewußt, nicht das Geringste ter gethan zu haben, um es hervorzurufen. Diese Ent» ge, deckung war ihm um so unangenehmer, als ihm be- aze tonnt, daß Friederike einen sehr energischen Charakter Debatte, der nicht so leicht locker ließ, wenn sie etwas Ite erfaßt hatte und einen Plan damit verband, irgend nd ein Ziel zu erreichen. Er hatte hierüber gegen seine Kommilitonen geschwiegen, um nicht Veranlassung zu ine geben zu noch mehr unliebsamen Bemerkungen über in. eine Familie, die schon zu sehr der Gegenstand ebe witzelnder Spöttereien war. Freilich hatte er sich am meisten mit der ältesten Tochter befaßt, aber es hatte ich von selbst gemacht, ohne sein Zuthun, denn die »eiben jüngere» Töchter kümmerten sich anscheinend um ihn sehr wenig, desto mehr aber um die beide» andern Mitbewohner des Rübenfeldes.
DaS hatte seinen guten Grund. Als Roderich zum erstenmale den Töchtern des Hauses yorgestellt wurde, hatte» sich alle drei in de» anzieheuden jungen Man» verliebt. Die Mutter gebot aber sofort den
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Die Gesellschaft war bereits sehr erregt und Mpfing die Nachzügler mtt scherzhafte» Vorwürfe». Hans wurde gefragt, ob er der Juuo von Bellevue »och eine» Besuch gemacht, und an Roderich wurde die Frage gestellt, ob er wohl erst bei der „Schwiegermutter* uud der „roten Rübe* sich die Erlaubnis tiugeholt, noch ein paar Stunden auf die Kneipe zu gehe». Die „Schwiegermutter* war nämlich die Frau des Kaufmanns Runkel und Roderichs Hauswirtin, «i von den Studenten allgemein nur mit diesem “amen bezeichnet wurde. Schnell fertig ist die Jugend -7 namentlich die akademische — mit dem Wort, d. h. vut den Spitznamen. Weil der Vater Runkel^hieß, !° Bannte man seine Töchter die Rüben, und zwar nach der Farbe ihres Haares die rote, die braune die gelbe Rübe. Herr Runkel galt für einen lehr wohlhabenden Mann und nannte fich Kaufmann, »och wußte man nicht Recht, welche Art von Handel *r betrieb. Man hörte wohl einmal, daß er ein Haus ?der einen Bauplatz gekauft und wieder verkauft hatte, 2” Allgemeinen belegte man seine Geschäfte mit der «tzeichnung „dunkle*. Er war sogar schon einmal ®®r'einigen Jahren mit dem Kriminalgericht ein wenig « Berührung gekommen, als er ein wertvolles Objekt ^handelt hatte, daS nicht des Verkäufers Eigentum ö-toefen. Nur mit genauer Not war er einer Strafe Alsangen. Man sagte ihm auch nach, daß er im geheimen Geldgeschäfte mache. Seine Töchter waren ^ie drei recht hübsch und „gebildet*, doch fehlte ihrer «Übung das, was trotz der besten. Schulunterrichts Mt erlernt werden kann: die echte Herzensbildung.
trieben indessen Französisch, Englisch, Ltteratur, -vcufik und fange» auch.
«ater und Mutter Runkel vermochten leider auf
Jäga Leitui ntze.
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kamö e ike ette» spekt.
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg imb Kirchhain.
Exved-tion- Markr 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein unbSogler in Frankfurt a. M-, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt t a. M.,Berlin,Münchenund " Köln; G- L. Daube und
Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. PariS-
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Juli. Die Frau Fürstin Bismarck und Graf Herbert Bismarck sind heute abend nach Hanau abgereist. — Das „British Medical Journal" bringt nachstehende authentische Mitteilung über die Gesundheit des Kronprinzen: Der Kronprinz hat höchst zufriedenstellende Fortschritte auf dem Wege völliger Heilung gemacht. Seine Stimme hat viel an Stärke und Resonanz gewonnen und ist beinahe völlig frei von Heiserkeit. Er kann dieselbe in gewöhnlicher Konversation ohne Ermüdung gebrauchen, darf jedoch, wie leicht begreiflich, dieselbe noch nicht sehr anstrengen. Es existiert noch immer eine leichte Kongestation des Kehlkopfes. Die Aktion der Stimmbänder ist jedoch gegenwärtig völlig hergestellt mit Ausnahme des linken Bandes, welches an der Stelle, wo der Auswuchs war, eine kleine Unebenheit zeigt. Nichts von außergewöhnlicher Natur ist gegenwärtig dort sichtbar, außer einer kleinen Erhöhung, welche dem Sitze der Wurzel der kleinen Warze entspricht. Diese Basis oder dieser Stumpf ist allem Anscheine nach in einem Stadium völliger Ruhe und zeigt weder Zeichen von Entzündung noch von Nachwuchs. Das Lokalbefinden ist in der Thal ?in so zufriedenstellendes, daß die Behandlung gegenwärtig nur eine sedative ist und Se. kaiserliche Hoheit wird jetzt nur einmal jeden Tag von dem Arzte besucht, während noch ganz vor kurzem zwei solcher Besuche stattfanden. Die Wiederherstellung seiM Stimme hat auf das Gemüt des Kronprinzen leinen höchst günstigen Eindruck gemacht und der allgemeine Gesundheitszustand Sr. Königlichen Hoheit ist ausgezeichnet, daß der Kronprinz eines bei ihm wohnenden Arztes
waren Beide von unbekannter Herkunft, über hierbei Strafe höchsten Zornes nie gesprochen werden durfte. Mau sagte Ruukel nach, daß er schon einmal Hausknecht gewesen, und feiner Gattin, daß sie vor ihrer Verheiratung irgend wo „gedient* habe. Sie bewohnten ein sehr hübsches dreistöckiges Haus am kleinen Kiel, welches von den Studenten das „Rübeu- feld" genannt wurde.
Frau Runkel bekümmerte sich um die Geschäfte ihres Mannes nur wenig, dagegen war sie eine Selbst- Herrscherin in Bezug auf alle inneren Angelegenheiten. Sie besaß die Eitelkeit, dereinst die Schwiegermutter von Studierten werden zu wollen. Als höchstes Glück dachte sie es sich, wenn sie noch einmal sagen könne: Meine Tochter, die Frau Doktor ober Amtsrichter, im Notfall auch bie Frau Pastor. Sehr fromm war sie allerdings nicht, aber im letzteren Falle konnte sie es ja immer noch werden. Um dies Ziel zu erreichen, etzte sie alle Hebel in Bewegung, opferte sie Zeit und Geld und kam auf den sehr schlauen Gedanken, im dritten Stock ihres Hauses drei Studenten- wohnungen einzurichten. Seit zwei Jahren waren diese „Studentenbuden" die gesuchtesten in ganz Kiel. Denn nicht allein waren sie sehr hübsch eingerichtet und ungewöhnlich billig, eS wurde den Jnhhbern weder an dem unangenehmen erste» Tage jeden Monats die Rechnung für Miete und Auslagen aufs Zimmer gelegt, noch erhielten sie solche überhaupt. Sie tonnten zahlen, wann es ihnen paßte, der „Pump" war unbegrenzt, ja selbst wenn sie abreisten und noch nie etwas entrichtet hatten, hieß es mit liebenswürdiger Freundlichkeit, eS habe gar keine Elle, habe Zeit, M8 es ihnen bequem sei. Was schadete eS, wenn auch einmal gar nichts gezahlt wurde? Durch diese Liberalttät tarnen die Wohnungen des „Rübenfeldes" in Ruf, man drängte sich zu ihnen, und was die Hauptsache war, die Töchter wohnten mtt wünschenswerten Freiern unter einem Dache, — Gelegeuhett macht ja Diebe, mitunter auch eine Verlobung, dachte Mutter Runkel. Außer dieser Vergüustiguug in Be-
MJAtint täglich außer an LAgen nach Sonn-und Kurtagen. — Quartal- LonnementS-PreiS bei der fcjebiiion 21/* Mk., bei CL Postämter 2 Mk. 50 «g. (excl. B-stellgelb). Lsertionsgebühr für die Spaltme Zeil- 10 $fg., Marne» für die Zelle * 25 Pfg.
nicht bedarf. Während des Aufenthaltes des Kronprinzen auf der Insel Wight wird Dr. Morell Mackenzie fortfahren, ihn von Zeit zu Zeit zu besuchen. — Der deutsche Botschafter Graf Radowitz, welcher heute seinen Urlaub antritt, bringt aus Konstantinopel kostbare Geschenke des Sultans an den deutschen Kronprinzen mit — Die Antisemiten haben in ihrer gestrigen Volksversammlung auf der Bockbrauerei folgende Ergebenheitsadresse an den Kronprinzen einstimmig angenommen: „Die am 15. Juli auf der Berliner Bockbrauerei tagende Versammlung erklärt hiermit ausdrücklich, daß die antisemittfche Bewegung einen rein nationalen Charakter trägt. Die Behauptung der jüdischen Mitbürger, daß sie in ihrer Religion bekämpft werden, wie in den fortschrittlichen Zeitungen behauptet wird, beruht entweder auf Irrtum oder bösartiger Erfindung. Ganz nach dem Vorbilde Friedrichs des Großen läßt der deutsche Anttsemit jeden nach seiner Fasson selig werden, dagegen fordert er aber mit Recht, daß der Deutsche dem deutschen Charakter Rechnung trage, der sich durch deuffche Sittsamkeit, deutsche Treue, deutschen Fleiß und deutsche Rechtschaffenheit auszeichnet. Der Antisemit ist daher kein Religions- Hasser, wohl aber ein Verfechter seiner nationalen Rechte, er liebt sein Vaterland von ganzem Herzen und mit über alles seinen greifen Kaiser, sowie die deutschen Fürsten, die edelsten Vorbilder deutscher Männer." Die „Germania", welche auch die Adresse der jüdischen Korporationen in London an den Kronprinzen für nicht taktvoll erklärt, bemerkt zu vorstehender Antisemitenadresse: Hoffentlich wird die Uebersendung dieser Adresse noch hintertrieben, denn es ist doch noch anzunehmen, daß sich unter den Antisemiten auch Männer befinden, die das Ungehörige dieser Kundgebung einsehen. Der Kronprinz soll einmal den Antisemitismus eine Schmach für Deutschland genannt haben, wie ziemlich glaubhaft nachgewiesen wurde. Davon nehmen wir den berechtigten Kern der Judenfrage, die nun einmal that- sächlich existiert und ihrer Lösung harrt, aus. Der Rassenantisemitismus aber, der in der obigen Adresse aus allen Ecken hervorguckt, das hetzerische Treiben dieses Antisemitismus bei den öffentlichen Wahlen unterliegt entschieden jenem Verdikt, sie sind unsittlich und unchristlich, und dafür will man nun beim Kronprinzen plädieren durch eine Ergebenheitsadresse, die sich noch obendrein eines wenig passenden Tones gegenüber dem künftigen Träger der Krone befleißigt. Wahrlich, wer sich so benimmt, darf sich über das Treiben der liberal-jüdischen Presse nicht beklagen. — Die Polizei entdeckte und verhaftete in letzter Nacht das aus 7 Personen bestehende hiesige sozialdemokratische Zenttal - Komitee. Die „Nation.-Ztg." berichtet hierzu: Wie man uns meldet, hat die Polizei in dieser Nacht das aus sieben Personen bestehende hiesige sozialistische Zenttal-Komitee aufgehoben und
zug auf Miete genoffen die hort wohnenden Studenten auch »och andere Vortelle. Wie ost schickte Frau Runkel be» „Herren" einen Teller mit Sprotten ober Bücklingen zu ihrem Abenbbrot hinauf, wie oft stanb eine Platte mit Erbbeeren, Kirschen ober anderen Früchten auf ihrem Tisch, und gar nicht selten kam es vor, daß die Magd nach großen Kneipcreieu ihnen einen sauren Häring auf das Zimmer brachte. Für diese gute Behandlung verlangte Frau Runkel aber als Gegenleistung von den Mietsherreu, daß sie in der Familie verkehrten. Wer sich in diesem Punkt widerstrebend zeigte, dem wurde schon »ach einem Monat das Logis wieder gekündigt. Es war bekannt, was j-d-r zu leisten hatte: Zuerst mußte er eine An- trittsvisite machen, bann später fich im Sommer an ben Ausflügen zu Wagen unb zu Schiff, im Winter an ben musikalische» Kränzchen beteilige». Auch wurde es gern gesehen, wenn er sich häufiger zum „Thee" abends aumelden ließ, wo feiner daun ein gutes Glas Bier und ein auserlesenes Mahl harrte. Ebenso gern wurde es gesehen, wenn er einige von seinen Kom- mllitonen einführte.
Als Hans und Roderich zu Anfang dieses Semesters nach Kiel gekommen, waren die meisten guten Wohnungen schon vergriffe». Sie hätten gern, wie in Leipzig, in einem Hause gewohnt, da» war aber nicht mehr zu ermöglichen, und so mietete sich Hans !>enn zwei Zimmer in bei Holsteustraße, während Roderich auf das „Rübenfeld" kam, wo ganz zufällig ei» schon besetztes Zimmer wieder geräumt worden war. Ma» hatte ihm sogleich die Vorteile und Annehmlichkeiten dieser Wohnung geschildert, uud als man ihm die Gegenbedinguugen nannte, hatte er erwidert: „Dieselben werde ich gern erfüllen, die drei Mädchen habe», als ich dort mietete, mir ganz gut gefallen." So machte er am anderen Tage feinen Antrittsbesuch. Er gehörte zn den Naturen, die leicht gewonnen sind, wen» ihnen Freundlichkeit entgegengebracht wird, und bann leicht sich zu Dank verpflichtet fühlen. Außerdem liebte er das Familien-
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jur Haft gebracht. Das Zeuttal-Kornitee bildete die Spitze der geheimen Organisation der hiesigen Sozialdemokratie. Jedes Mitglied dieses Komitees hatte besondere Funktionen: dem Einen lag die Organisation der Verteilung des „Sozialdemokrat" ob, der Andere hatte die Kassengeschäfte zu leiten, der Andere wiederum die Geldunterstützungen an die Ausgewiesenen festzusetzen und zu übermitteln. Das Zenttal-Komitee organisierte die Verbreitung der sozialdemottatischen Flugblätter und spielte eine Art Ueberwachungskomitee Über die sozialdemokratischen Abgeordneten und deren Thätigkeit innerhalb und außerhalb des Parlaments. Die Exposes im Züricher „Sozialdemokrat", die mit den Worten „Die Beauftragten" unterzeichnet waren, rührten anscheinend von den Mitgliedern des Zentralkomitees her. In das Zentralkomitee wurden nur solche Sozialdemokraten, die in der Oeffentlichkeit absolut nicht hervorgetreten waren, gewählt. Die geheime Organisation der Sozialdemokraten war derartig, daß aus den zahlreichen kleineren Sektionen je ein Verttauensmann in einen einflußreichen Konven- tikel gewählt wurde und aus diesen wieder je ein Delegierter für eine andere, mit größeren Befugnissen ausgerüstete Körperschaft hervorging. Es war bei diesen Wahlen also eine Art Filtriersystem in Anwendung gebracht. Unabhängig von dem Zenttalkomitee war zur Zeit der Wahlen das sozialistische Zenttalkomitee 1 in Thätigkeit. Die Namen der Mitglieder desselben sind damals bekannt geworben. — Das Gesetz, be- ' treffend die Reichsverhältnisse in den deutschen Schutz- * gebieten, ist vom Kaiser am 7. b. Mts. vollzogen 1 unb wird durch das Reichsgesetzblatt bereits verkündet. 1 Auf Grund desselben ist, wie die „Kreuzzeitung" er- r fährt, im Auswärtigen Amte in Uebereinftimmung r mit dem Reichsjustizamt und der Direktion der Neu- lC Guinea - Kompagnie eine Verordnung ausgearbeitet worden, welche die Grundeigentumsverhältnisse im,e Schutzgebiete dieser Kompagnie regelt. Im Wesent-e= lichen beruht diese Verordnung auf den preußischen *8 Rechtsvorschriften, nur wird die GrundbuchordnungD- vom 5. Mai 1872 nicht in diesem Schutzgebiete ein- geführt, vielmehr ist statt derselben eine vereinfachte eS Grundbuchordnung, welche vom Reichskanzler erlassen n' wird, in Aussicht genommen. Die Verwertung des m Grundeigentums bildet gerade für die Neu - Guinea- Kompagnie einen bedeutenden Teil ihrer Fonds unb te es erscheint deshalb angezeigt, baß die Regelung der $ Grundeigentnmsverhältnisse daselbst so schleunig als19 möglich erfolgt. &
— Die „Köln. Ztg." schreibt: Die Deutschen-li) Hetze, wie sie jetzt in Frankreich betrieben wirb, diese Aufstellung förmlicher Aechtungslisten in der Presse, — ist ein Schandfleck der französischen Geschichte unserer Zeit, sie ist aber auch entwürdigend für uns, denn et unter den gegenwärtigen herrschenden Verhältnissen e= hätte jeder Deutsche die Pflicht, falls ihn nicht die eS Notwendigkeit treibt, bie lockende Aussicht auf Gewinn -------------------------------------- 0-
existieren; denn ein Vegetieren, ein Bestehen von fg- fini heut auf morgen, ist ein krankhafter Zustand, der
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” Ichäftsmaun thut heute sein Möglichstes, um einen mttaz Absatz zu erzielen, aber ohne nennenswerten Verdienst,
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