Marburg, Sonntag, 17. Juli 1887
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und hat feine Seele auch sanft in die bessere Welt hinübergeführt. Du nnb Georga, Ihr mußtet ihm auf seinen Mansch seine erste Komposition, die er noch als Jüngling gemacht, Vorspielen, während er im Nebenzimmer sein edles Leben aushanchte. Seine letzten Worte waren: „Wenn ich gestorben sein werde und Ihr trauert um mich und suchet Trost, so setzt Euch ans Klavier, eS giebt keine Sprache, die rascher das arme Herz beruhigt, als die Musik.*
Bis jetzt war ich noch nicht stark genug, diesen Trost zu suchen, jeder Ton hätte nur meinen Schmerz vermehrt, und was das rasche Tempo des ersten Satzes nicht vermochte, das hat der ernste Hauch, der durch das Andante weht, hervorgebracht. Das ganze Weh um den Verlust meines unvergeßlichen Gatten wallte wieder in mir aus.*
„Ich werde nicht weiter spielen, Mama,* sagte das junge Mädchen, den Körper wieder ausrichteud.
„Thue es dennoch, Anna, ich bin jetzt schon ruhiger und will versuchen, den Trost zu finden.*
Aus dem geöffneten Nebenzimmer erschollen plötzlich die von einer Hellen Stimme laut gerufenen Worte: „Mama, der Thee ist fertig, wollt Ihr kommen?"
„So warten wir mit der Fortsetzung bis nach dem Essen," sagte die Mutter und erhob stch aus ihrer Sophaecke. Sie legte ihren Arm in den der Tochter nnb Beide entfernten sich langsam in das an- stoßende Gemach.
Erst jetzt, nachdem die Damen verschwunden, kam der Lauscher auf der Veranda, der in den letzten Minuten seine Blicke starr und ausschließlich auf das Gesicht des jungen Mädchens gerichtet und kaum gehört hatte, was Mutter und Tochter zusammen gesprochen, wieder zum Bewußtsein, wo er sich befand. Er glaubte anfangs allen Ernstes zu träumen, denn eine solche Wirklichkeit konnte ja gar nicht existieren, und nie zuvor, meinte er, ein so liebliches Gesicht, eine mit solcher Anmut übergösse Erscheinung gesehen zu haben. Als die S-’aerin sich auf ihrem Klavierstuhl herumgedr^ Hatte, und er mm das
hatte es ausgesprochen. Bis jetzt hatte er seine Augen ausschließlich auf die Klavierspielerin gerichtet, erst jetzt hefteten sie sich auf die zweite im Zimmer an. wesende Person.
Es war eine stattliche, etwas korpulente Dame, die auf dem Sopha saß und von Zeit zu Zeit das Taschentuch an die feuchten Augen führte. Sie war, gleich wie ihre Tochter am Klavier, ganz schwarz gekleidet, und diese Gewänder deuteten darauf hin, daß die Damen den Verlust eines nahen Angehörigen be- tionerten. Diese Trauer war auch in diesem Augenblick auf dem immerhin noch schön zu nennenden, vornehm geschnittenen Gesicht der älteren Dame deutlich ausgedrückt.
Hans war wieder ganz Ohr, nnb feine Augen verließen die Mutter, um sie unverwandt auf die Tochter zu richten, als diese nun mit dem Andante der Sonate begann. Aber wie entzückend spielte sie es auch, wie schien sie ihre ganze Seele in den Vor- trag zu legen! Er mußte sich eingestehen, daß er nicht halb so innig selbst bei der Komposition empfunden, als wie das junge Mädchen dieselbe wieder- zugeben wußte.
Letztere hatte die erste Seite der Andante heruntergespielt und so eben das Notenblatt gewandt, als sie plötzlich inne hielt, sich auf ihrem Klavierstuhl herum- brehte und gleich darauf mit den im Tone des Mit- gefüdls gesprochenen Worten sich erhob:
„Meine gute, liebe Mama!*
Ein schwerer Seufzer war auS der Sophaecke an ihr Ohr gedrungen und hatte sie veranlaßt, mit dem Spielen sofort aufzuhören. Jrn nächsten Augenblick stand sie schon neben der Mutter, ergriff deren Hand, und stch zu ihr niederbeugeud und ihren Kopf an der Brust der älteren Dame bergend, sagte sie, jetzt ebenfalls schluchzend:
„Ich kann Dich nicht weinen sehen, beste Mama!*
„Es ist das erstemal, daß Du mir wieder etwas Vorspiels!, eS find die ersten Töne, die ich feit des PapaS Tode höre; die Musik war fein Lebenselement
leichtgerötete, so wunderbar schöne Antlitz mit dem rührenden Ausdruck der Sorge um ihre Mutter sah, da war es ihm, als wenn ein elektrischer Schlag seinen Körper durchzucke, und noch fitzt zitterte alles in ihm. Er mußte an die Worte denken, die Roderich vorhin gesprochen: „Das ist sie, die Du in Deinen Träumen schon so oft gesehen, die Du mit Deiner ganzen Seele würdest lieben können."
„Ja, das ist sie," sprach er fast laut, „dieses Mädchen werde ich lieben können, glühend, heiß, ja ich liebe sie jetzt schon!"
Gern wäre er noch geblieben, bis das Mahl im Nebenzimmer zu Ende und die Damen in feinen Gesichtskreis zurückgekehrt wären, allein so lange konnte er den Freund unmöglich allein im Boot lassen. Die Fragen, die ihn auf dem Wege vom Ufer bis zur Villa beschäftigt hatten, wer der Spieler sei und wie er in den Besitz der Sonate gelangt fein könne, Fragen, deren Lösung zu suchen er über dem Anblick des lieblichen Mädchens ganz vergessen hatte, legte er sich jetzt auf Nene vor, aber nur noch mehr des Rätselhaften war hinzugekommen. Wäre der Spieler der Profeffor v. Becker gewesen, so hätte er sich die Sache sehr leicht erklärt, aber seine Sonate wurde von einem jungen Mädchen und zwar nicht aus dem Gedächtnis, sondern nach Noten gespielt; wie war sie in den Besitz einer Abschrift gelangt? Wie war es überhaupt irgend jemand möglich geworden, eine solche zu erhalten? Nur die kurze Zett von einem Abend bis zum andern Morgen, hatte bet Professor die Sonate in seinem Besitz gehabt.
HanS verkehrte, als er in Leipzig war, viel im Hause des ProfefforS Barlandt, des Onkels von Roderich, der, Wtttwer und kinderlos, sehr häufig alte und junge Männer um sich versammelte. Hier traf er häufig den berühmten Künstler und Profeffor am Konservatorium, v. Becker, der mit Roderichs Onkel sehr befreundet war. Roderich hatte betraten, daß HanS eine Sonate komponiert habe, Letzterer wnrde von Becker aufgefotbett, sie ihm zu zeigen, und hatte
ober Gemeindebehörden- als untere Verwaltungsbehörden anzusehen sind, ist von den Landes-Zenttal- behörden in Gemäßheit des § 109 des Unfallver- sichernngsgesetzes seiner Zeit bestimmt und öffentlich bekannt gemacht worden. Für die nicht angemeldeten Betriebe hat die untere Verwaltungsbehörde die Angaben nach ihrer Kenntnis der Verhältnisse zu ergänzen. Dieselbe ist befugt, die Unternehmer nicht angemeldeter Betriebe zu einer Auskunft darüber innerhalb einer zu bestimmenden Frist durch Geldstrafen im Betrage bis zu einhundert Mark anzuhalten. Außerdem wird eine Anleitung, betreffend die Anmeldung der qu. Baubetriebe, veröffentlicht. — Behufs Ausführung des Branntweinsteuer - Gesetzes läßt, wie die „B. P. 9t.K mitteilen, der preußische Finanzminister mit einem von der kaiserlichen Normal- Aichmigskommission konstruierten Apparate, welcher zur Ermittelung der Alkoholstärke von Likören und anderen versetzten Branntweinen dienen soll, Versuche bezüglich feiner Brauchbarkeit für das steueramtliche Abfertigungsverfahren anstellen. Sollte die Prüfung ergeben, daß mittelst dieses Apparates die Alkoholstärke mit annähernder Genauigkeit sestgestellt werden kann, so soll, wie eine Zirkularverfügung des Finanzministers ankündigt, den inländischen Kirschfabrikanten und -Händlern eine Steuervergütung für den in ihren Fabrikaten enthaltenen Branntwein nach Maßgabe der wirklichen Alkoholstärke desselben von den während der Zeit vom 1. August bis 30. September d. Js. zur Ausfuhr aus dem deutschen Zollgebiet gelangenden Sendungen gewährt werden. Jene Untersuchungen sollen derartig beschleunigt werden, daß bereits am 1. September die Berichte über die Prüfungsergebnisse dem Ministerium vorliegen, so daß noch rechtzeitig die Entscheidung darüber getroffen werden kann, ob der Apparat vom 1. Oktober d. I. ab allgemein zur Ermittelung des Alkoholgehalts ver- setzter Branntweine zuzulasien fein wird. — Die Reichshauptstadt hat zur Zeit hohen und zahlreichen siamesischen Besuch. Zunächst ist gestern mittag eine siamesische Gesandtschaft aus London eingetroffen, die in Zukunft am hiesigen Hofe beglaubigt werden und sich hier häuslich niederlassen wird. Sie besteht aus dem Gesandten Marquis Damrong Rajabholvkandh, zwei siamesischen Sekretären, einem englischen Sekretär als Dolmetscher, Mr. John Loftus, und einem Mili- tär-Attachö. Gestern abend endlich kehrte aus Stockholm^ der siamesische Prinz Devawongse mit seinen vier jugendlichen Söhnen und großem Gefolge hierher zurück; er ist hier Gast des Kaisers und wird mit königlichen Ehren empfangen. Demgemäß waren am Bahnhof zu seiner Begrüßung außer Herrn von Reichenbach ein Kammerherr des Kaisers und ein Vortragender Rat des Auswärtigen Amtes anwesend Der Prinz wird demnächst in feierlicher Audienz dem Prinzen Wilhelm die diesem und dem Kaiser verliehenen hohen siamesischen Orden überreichen und
Ausland.
Wien, 15. Juli. Eine amtlich publizierte Verordnung vom 11. Juli gestattet die Ausfuhr von Pferden aller Art über die Grenzzollämter Passau, Limbach, Braunau, Salzburg, Kufftein, Bregenz (Lindau), Margarethen, Ala, Pontafel, Cormons, Brazzano, Viseo, Sttaßoldo, Triest, Spalato, Bodenbach - Tet- schen, Lieben, Oderberg, Oswieeim, Sezakowa, Pod- woloezyska, Jtzkany, Fiume, Semlin, Orsova und Kronstadt. Die Ausfuhr von Rennpferden und Vollblutpferden ist, sobald bereit Eigenschaft als solche nachgewiesen ist, über alle Aemter ungehindert, die Ausfuhr anderer Pferde über anderen als die genannten Zollämter nur unter gewisser Beschränkung gestattet. — Die bulgarische Deputation ist heute mittag nach Ebenthal abgereift.
Rom, 15. Juli. Der „Opinione" zufolge ließ die italienische Regierung die Regierungen von Frankreich und Oesterreich-Ungarn wissen, daß sie geneigt sei, mit ihnen über neue Tarife und Handelsverträge zu unterhandeln und Mittellung über ihre Intentionen hierüber entgegenzusehen. Das Ministerium würde vorziehen, daß die Unterhandlungen in Italien statt- fänden und die Initiative zu den Vorschlägen von Frankreich und Oesterreich-Ungarn ausginge.
Paris, 15. Juli. Als Grevy gestern bei seiner Fahrt zur Truppenschau am Eingang zum Song« champs anlangte, wurde er von der Menge, welche sich zwischen den Wasserfall und der Mühle drängte, mit einem betäubenden Lärm empfangen, in dem sich die Rufe: „Es lebe Boulanger!" verloren. Zugleich marschierte eine Bande Boulangiften mit Stohhüten ü la Boulanger dicht am Präsidenten vorüber und fang: C’est Boulange, lange, lange! Greoy war blaß, aber sehr ruhig. Als Ferron und General Saussier Grevy grüßten, wurden auch auf den Tribünen lebhafte Hochrufe laut. Beim Ausbruch waren die Vorsichtsmaßregeln gut getroffen. Ein Bataillon der republikanischen Garde hatte vor der Präsident- schaftstribüne Aufstellung genommen, so daß die
voraussichtlich am 18. d. Mts. über London in seine Heimat zurückkehren. Die Herren tragen alle europäische Kleidung. — Der wegen Landesverrates zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilte dänische Kapitän Sarauw ist vom Kaiser gänzlich begnadigt und heute in Freiheit gesetzt worden. — Die „Post" enthält folgende scheinbar auch inspirierte sNotiz: „Von gut unterrichteter Seite wird uns die vielfach bestrittene Mitteilung bestätigt, daß in Rußland in diesem Augenblicke Versuche gemacht werden, eine größere Anleihe zu plazieren. Da der deutsche Markt ähnlichen Unternehmungen verschlossen ist, so wird in Paris deswegen sondiert, mit welchem Erfolg lassen wir dahingestellt. Daß das Unternehmen deutscherseits unterstützt werden könnte, erachten wir, trotz des Kosmopolitismus der haute finance für ausgeschlossen.
Boulangiften, welche nur auf ben Aufbruch des Präsidenten und der Minister gewartet hatten, sich nicht nahen konnten. Man hörte ihre Rufe ganz in der Ferne. Die Boulangiften, welche unter Terou- lödes Führung am Wasserfall Aufstellung genommen hatten, empfingen Ferron und Saussier bei deren Ankunft ebenfalls mit den Rufen: „Es lebe Boulanger ! Nieder mit Ferry!" Nach der Truppenschau war ganz Paris ein großer Festplatz, überall wurde getanzt, oft hörte man auch die bekannten Boulan- giftenlieber, aber die Hochrufe auf Boulanger fanden bei den Parisern wenig Widerhall: das Vergnügen war jetzt Herrscherin und die Politik mußte verstummen. Die Beleuchtung der Privathäuser war nicht so glänzend, wie in den ersten Jahren der Feier, aber die Seine, wo ein veuetiauisches Nachtfest veranstaltet war, bot in einer Ausdehnung von 6 km einen wahrhaft feenhaften Anblick. Erst gegen 6 Uhr morgens zerstreuten sich die ausdauernden Festschwärmer. Der Polizeibencht verzeichnet, nur einen einzigen ernstlichen Zwischenfall bei den ©eenen im Boulanger Wäldchen. Mehrere Personen versuchten den Ring der Stadtsergeanten zu durchbrechen, wurden aber zurückgeschlagen. Unter den Verhafteten befand sich auch der Advokat Marrou, der von der Tribüne herab: „Nieder mit Ferron!" gerufen hatte; später wurden die Festgenommenen wieder auf freien Fuß gesetzt. ,— Der Präsident Grsvy hat an ben Kriegsminister folgendes Schreiben gerichtet: „Die Truppenschau, welcher ich soeben beigewohnt habe, war glänzend. Ich habe die kriegerische Haltung der Truppen, welche bei mir vorbeimarschierten, sowie die vollendete Bestimmtheit ihrer Bewegungen bewundert, und ich bitte Sie, den Truppen meine lebhaftesten Glückwünsche zu übermitteln und denselben meine hohe Anerkennung auszusprechen." — Die aus ben Departements vorliegenden Depeschen weisen aus, daß das Nationalfest dort ohne jede regierungsfeindliche Kundgebung verlaufen ist. Wie versichert wird, sind die Minister mit dem Verlaus des Tages sehr zufrieden ; man glaubt, daß infolge der Vorbereitungen größere Ausschreitungen vermieden worden sind.
London, 15. Juli. Der deutsche Kronprinz wohnte der von der Königin Viktoria vollzogenen Grundsteinlegung zu dem Reiterstaubbilde des Prinzgemahls im Park von Windsor bei. — (Unterhaus.) Bei der fortgesetzten zweiten Beratung der irrischen Landbill erklärte der Schatzkanzler Goschen, die Regierung glaubte, ihre Ansichten bezüglich der Bill aufrecht erhalten zu müssen und werde keine Amendements zulaffen, welche das Hauptprinzip der Bil' ändern würden. Die Regierung wünsche alles z vermeiden, was die für später in Aussicht genommen Bodenankaufsbill gefährden könne; sie sei aber bereit sonstige Amendements sorgfältig zu erwägen. Parnel und Gladstone glauben, die Erklärung Goschens dahi verstehen zu sollen, daß die Regierung den Artikel,
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Juli. Ter „Reichsanzeiger" publiziert bas Zuckersteuergesetz und das Gesetz, betreffen!) bie Fürsorge für Beamte infolge von Betriebsunfällen. — Privatnachrichten aus London bestätigen die im Befinden unseres Kronprinzen eingetretene Besierung und geben genügenden Anhalt, daß die jetzige Behandlung des Leidens zur völligen Genesung des Kronprinzen führen wird. — Die „Post" sagt in einer Besprechung der deutschfeindlichen Broschüre „Dans attente de la guerre. Cornet d’un diplomate russe 1883—1887“: Sollen wir für derartige Auslassungen die russische Regierung verantwortlich machen? Nur zu oft wird einer Privatperson als Trägheit oder böser Wille ausgeleqt, was eine Folge von Kraftlosigkeit oder gar eines organischen Leidens ist. Wir vermögen nicht die Machtstellung der russischen Regierung nach innen zu ermessen; aber das sehen wir wieder in diesem Buche, daß die russische Regierung Elemente unbehindert schalten läßt, die mit einer Phantastik, wofür die Wahrheit bis auf die letzte Spur verschwindet, vor der jeder gegebene Rechtszustand wie in einem Märchen aus „Tausend und eine Nach!" entflieht, das Reich lieber heute, wie morgen zur Katastrophe treiben möchten. — „Reichsgesetzblatt" und „Reichsanzeiger" enthalten das Gesetz, betreffenb bie Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen. Vom 11. Juli 1887. Gleichzeitig erläßt das Reichs - Versicherungsamt unterm 14. Juli eine Bekanntmachung, betreffend die Anmeldung unfallversicherungspflichtiger Tiefbau- und anderer Baubetriebe, welche lautet: In Gemäßheit des § 11 des Gesetzes, betreffenb bie Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, vom 11. Juli 1887 (Reichsgesetzblatt Seite 287), hat jeder Unternehmer eines gewerbsmäßigen Eisenbahn-, Kanal-, Wege-, Sttom-, Deich- und sonstigen, nicht unter die Bestimmungen des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 oder unter die nach § 1 Absatz 8 desselben vom Bundesrat erlaßenen Anordnungen fallenden Baubetriebes den letzteren nach den Vorschriften des § 11 des Unfallversicherungsgesetzes innerhalb einer von dem Reichs-Versicherungsamt zu bestimmenden und öffentlich bekannt zu machenden Frist anzumelden. (Vergl. § 4 Ziffer 1 des Gesetzes vom 11. Juli 1887.) Tie Frist für die Anmeldung wird hiermit auf die Zeit bis zum 1. September 1887 einschließlich festgesetzt. Die Anmeldung hat unter Angabe des Gegenstandes und der Art des Betriebes, sowie der Zahl der durchschnittlich darin beschäftigten versicherungspflichtigen Personen bei der unteren Verwaltungsbehörde zu erfolgen. Unternehmer von Betrieben, welche schon gegenwärtig einer BerusSgenossen- schaft angehören, haben in der Anmeldung anzugeben, ob der angemeldete Betrieb den Hauptbetrieb oder den Nebenbettieb bildet, und welcher BerufSgenossen- schaft der Betrieb bereits angehört. Welche Staats«
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Unter einem Dache.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
Nachdruck verboten.
lFottsetzung.)
Das Zimmer, in welches in diesem Augenblick der nnge Mann seine neugierigen Blicke richtete, war ehr hübsch, fast elegant auSgestattet, wie es alle »erarttgen Zimmer in den Villen und Gartenhäusern, owohl in Düsternbrook, als auf Bellevue zu sein »flegeu, die während der Badezeit an vornehme und wohlhabende Gäste vermietet werden. Was Haus zunächst in Erstaunen setzte, war der Umstand, daß er sich in der Annahme, der Spielende könne nur der zufällig hier anwesende Profeffor v. Becker fein, völlig getäuscht sah. Diejenige Person, die dort an der gegenüberliegenden Wand einem Pianino so herrliche Töne entlockte, war gar kein Mann, sondern eine Dame, und anscheinend noch jung. In der ganzen Figur, in der Haltung, in den Bewegungen beim Spiel lag eine solche Fülle von Grazie, — der mit asckblondew, etwas krausem Haar bedeckte Kopf ruhte so sicher auf einem schön geformten Nacken, — die kleinen Hände, denen man kaum zugetraut hätte, eine Oktave greifen zu können, fuhren so gewandt über die Tasten; zu diesen sichtbaren Vollkommenheiten mußte notwendigerweise — die Natur hätte sich sonst selbst verhöhnt — das nicht sichtbare Antlitz der Spielerin in gleich vollkommenem Ver- hältnis stehen.
Der erste Satz der Sonate war fitzt zn Ende; ohne sich nmznsehen, sagte die Spielerin, während sie die folgenden Notenblätter unten umbog, um rasch Umschlagen zu können: „Soll ich weiter spielen, Mama ?*
„Ich bitte darum,* erwiderte eine Stimme, die »us der Ecke deS an der linken Wand des Zimmers stehenden SophaS hervortönte, „nichts beruhigt ein ttauerndeS Gemüt mehr, als gute Musik.*
„Als gute Musik* hatte die Stimme gesagt; noch vie hatte den jungen Komponisten ein Urteil so an« benehm berührt, al» das so eben gehörte. Aber wer
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover ».Paris.
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Expedition Markt 21. — Webaftion. Druck und Verlag von Ioh. Lug. Koch.
Erscheint täglich außer an «ottagen nach S onn- und ■vertagen. — Quartal- DonnementS-Preis bet der grwbition 2*/4 Mk., bei 2, Postämter 2 Mi. 50 «g. (erd. Bestellgeld). dertionSgebühr für die Zpaltene Zette 10 Vfg., Rellamen für die Zeile 25 Pfg.
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