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Marburg, Mittwoch, 13. Juli 1887.

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Mustriettes Somitagsblatt

Ervrdition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

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rbe an, hier helfend einzugreifen. Deutschland ist 6, das auf diesem Wege voranschreitet. In unserer ajen Gesetzgebung ist der Umschwung erkennbar, fc Staat betrachtet es nicht mehr als seine Aufgabe,

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ik auch blicken, überall macht sich sein Weben geltend, t wirtschaftliche Humanität ist es, die seinen Spuren IgL Dem, der da leidet, soll geholfen, dem Schwachen tzender Halt geboten werden. Die Befreiung der «erbten von dem Joche, das sie zu tragen haben, reitet sich vor, aber aber nicht der Geist, der im engen Jahrhundert die Fackel der Revolution ent» wdete, ist der Befreier, sondern der Geist der edlen Imschlichkeit. Die Ideen der Revolution haben nichts l Stande gebracht, sie haben nichts gefruchtet, der

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Unter einem Dache.

Roman von Karl Hartmann-Plön.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlakleS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasensteiu undVoglcx in Frankfurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin.München und Köln; ®. L. Daube und Co. in Frank, urt a. M., Berlin, Hannover«. Paris.

Tie wirtschaftliche Humanität.

Wenn im nächsten Jahrhundert einmal die Kultur- Dichte unserer Zeit geschrieben wird, dann wird jjji vielleicht erst ganz und voll die Gedanken würdigen, i Sie großen Geister unserer Zeit bewegten, und le Werke schufen, die gegen das, was frühere Jahr- nherte vollbrachten, turmhoch verschieden sind, gikzutage wird diesen Werken des schaffenden Men- |Oigei)'te§, diesen Werksteinen auf dem Wege der Mreitenden Kultur oft eine sehr geringe Beachtung , Teil, wenn es nicht Bauten, oder Erfindungen eiet andere durch ihre Wirkungen stauneiierregende isluiigen sind. Und die Werke, die wir hier im jitge haben, die wir als so hervorragende Werksteine g Sem Entwickelungswege ansehen, von denen wir toben, daß in ihnen das kommende Jahrhundert 6 uns in unseren Bauwerken, in unseren industriellen xlMgenschaften vielleicht längst überflügelt hat, einen Htigen Wendepunkt der Kulturentwickelung sehen irb, können niemals plötzlich wirken, sind es doch it unscheinbare, nüchterne Gesetzesparagraphen.

Vielleicht lächelt so mancher überlegen und ver­gilt unsere Meinung mit dem Hinweise auf des eßen Savigny Wort, daß unsere Zeit zur Gesetz- tang kein Talent habe. Das mag wohl fein, wir den zu, daß manches, manches an unseren Gesetzen r Zeit wird weichen müssen, daß mancher Paragraph hl richtig-ist. Doch daran halten wir uns nicht, tt Wortlaut thut es nicht, der Geist ist es, der die Hetze macht, der Geist ist es, der ihren Wert be- iigt. Und dieser Geist scheint uns jetzt eben so hoch

zjeint täglich außer an Etagen nach Sonn- und Etagen. Quartal- E«nements-Preis bei der Ebition 21/* Mk.. bei ^Postämter 2 Mk. 50 t (excl. Bestellgeld). Lrtionsgebühr für die Eltene Zeile 10 Pfg., Emen für die Zeile 25 Pfg.

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Hitzen. Deutlich kommt das auch im Schuldrecht m Ausdruck. Das alte römische Recht gab dem iäubtger Gewalt über Leben und Tod seines Schuld- irs, über seine Kinder und seine Angehörigen. Rom ti)te und brachte es zu hoher Kultur, zur Huma-

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain

ge6n, «altsame Umsturz der Verhältnisse hat nicht ver- Mht, den Bedrängten dauernd Hülfe zu bringen, statt dessen schickt sich nun der Geist der Nächsten-

t Zähne hehr, daß seine Einwirkung den Thaten unserer kneration sich unauslöschlich ausprägen wird. Wohin

. 9--ä w Reichen in jedem Falle zu seinem Rechte zu ,c 2,ov, ^n, sondern er sucht auch den Schwachen zu be-

linski, Hobrecht, Rintelen, Stengel, Wessel und Zelle; Omal: Bachem, Barth, Bork, Czwalina, Graf Hue de Grais, Jansen-Aachen, Lehmann, Dr. Reinhold; 8mal: Drawe und Spangenberg; 7mal: von Benda, von Bismarck-Flatow, Dr. Gerlich, Hansen, Jürgensen, Dr. Möllmann, von Rosenberg-Gruszczhnski, Schmidt- Sagan und Wolff; 6mal: Dr. Arendt, Dr. von Sunt), Eberth, Franke-Tondern, Goldschmidt, Hagens- Waldenburg, Lückhoff, Frhr. von Lyncker, Olzem,' von Schenckendorff, Dr. von Stablewski, von Tiedemann« Labischin, Wehr-Konitz und Wißmann; 5mal: Dr. Andrä, Cremer-Teltow, Dr. Dürre, Frhr. v. Grote, Dr. Frhr. von Heeremann, Kennemann, Knörcke, Krebs, Dr. Lieber, von Liebermann, Dr. Mosler, von Oertzen-Jüterbog, Dr. Reichensperger, Eugen' Richter, Rumpff, Dr. Schläger, Dr. Seelig, Szmula und Wirth; 4mal: Fritzen, Gößmann, Hitze, v. Hül­sen, v. Jarochowski, Kieschke, Knauer, Dr. Kropatscheck, v- Quast, Frhr. v. d. Reck, Dr. Sattler, Schmieding' Schreiner, Spahn, v. Steinau-Steinrück, Tramm und Bygen; 3mal: Brandenburg, Gardemin, v. Gerlach, Dr. Graf-Elberfeld, Dr. Hartmann-Lübben, v. Heede, Hellivig, Jordan, Kasch, v. Körber, Korsch, Kräh' Dr. zur Nedden, Peters, v. Pilgrim, Reimers,' v. Schwarzkopf und Stöcker. Außerdem sprachen 34 Abgeordnete 2mal und 38 Imal. lieber den letzten Boulanger-Skandal wird jetzt von den Pariser Korrespon­denten hiesiger Blätter eine Auffassung verbreitet, die Be­achtung verdient, weil diese Korrespondenten wohl nicht mit Unrecht in dem Rufe stehen, häufig die Auffassung der deutschen Botschaft in Paris wieder­zugeben. Danach hätte die Pariser Regierung ab­sichtlich die Vorgänge bei der Abreise Boulangers' geschehen lassen und den Ex-Kriegsminister den manifestierenden Horden preisgegeben, einmal um Boulanger das Treiben der Geister fühlen zu lasten, die er gerufen hat, andererseits um durch diese Skandale den Boulangismus zu diskreditieren. Beachtung ver­dient vielleicht, daß gleichzeittg diePost" einen ziemlich wohlwollenden Artikel über das Ministerium Rouvier bringt, dem sie in größerem Maße die Unter­stützung der gemäßigten Republikaner wünscht.

Die Albernheiten, die m Paris um den Genev .l Boulanger aufgeführt wurden und die dieser Retter Frankreichs anzunehmen sich nicht geschämt hat, haben dem Ansehen des französischen Volkes in den Augen der1 nüchtern urteilenden Menschen mehr geschadet, als die Mißerfolge in Tongking, als über- ' Haupt irgend etwas seit dem deustchen Kriege. Ein Volk, das einen Pomadegeneral, dessen glänzende Thaten vor dem Spiegel vorbereitet werden, wirklich vergöttern würde, wäre nicht mehr ernst zu nehmen selbst wenn es eine noch so strahlende Vergangenheit hätte. Und wenn die Pariser Boulevards, wie es oft eine Zeitlang den Anschein hat, Frankreich wären, so könnte man über dieses Land zur Tagesordnung übergehen. Allein noch bevor Herr Boulanger in Fenster der Kammer noch erleuchtet fei, oder nicht. Er kannte genau die Einrichtung des Mühlenhanses und wußte schon längst, daß die alten Steffens nach oben gezogen und das junge Ehepaar die unteren Raume bewohnen sollte, daß die geschnitzte Truhe früher unten, jetzt oben neben dem Bett des Müllers ihren Platz gefunden und daß dieselbe wegen ihrer Schwere nicht die steile Treppe habe hinaufgetragen werden können, sondern draußen an der großen Winde durch die Bodenluke nach oben befördert worden war. Ja, er kannte sogar ganz genau das Schloß an derselben, denn er hatte vor vielen Jahren, als der Müller sie auf einer Auktion erstanden, ebenfalls darauf geboten und sie vorher genau untersucht. Er wußte übcrhaupt säst alles, was in den Häusern und Familien der GutSange- horigen geschah, und er erfuhr es, weil es allgemein bekannt war, daß eine weibische Neugierde ihn durch­drang; die Untergebenen, um sich bei dem einfluß­reichen Manne beliebt zu machen, kramten vor ihm aus, was sie nur irgend in Erfahrung gebracht. Ihn interessierte auch die scheinbar geringste Kleinigkeit. Nur der Umstand, daß der Müller eiserne Stangen vor seine Bodenkammer gelegt hatte, war ihm aus >em Grunde nicht zu Ohren gekommen, weil außer )em Verwalter niemand im Schlosse diese Thatsache bekannt geworden war. Er sollte sie in der nächsten Minute schon erfahren.

Jürgensen war kaum einige Schritte in den Wald hineingegangen, als er plötzlich horchend stehen blieb, ss war offenbar, daß ihm jemand entgegenkam, es schienen sogar mehrere zu fein. Nun hörte er auch menschliche Stimmen, eine weibliche und eine männ- "cht, aber noch konnte er die Worte, die gesprochen wurden, nicht verstehen. Leise, die Hände vor sich ausstreckeud, damit er sich nicht an einem Baum stoße, trat er von dem Wege ins Gehölz hinein, um die sich Nähernden vorübergeheu zu lassen.

»Nun darf e8 nicht blitzen und mich betraten,* dachte er.

lebigung der die Altersversorgung der Arbeiter be­treffenden Vorlage frei zu halten. Nach dem Sprechregister über die abgelaufene Session des Reichs­tags, welches soeben zur Ausgabe gelangt ist, haben an den Verhandlungen des Hauses sich überhaupt 177 Abgeordnete redend beteiligt; hierzu kommen noch 39 Bundesrats - Bevollmächtigte und Bundes- Kommissare, welche das Wort ergriffen, so daß im Ganzen 216 verschiedene Personen zu Worte ge­kommen sind. Von den 397 Mitgliedern, welche der Reichstag zählt, haben also 220 dos Wort überhaupt nicht genommen. Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck griff nur zweimal in die Debatte ein: bei Gelegen­heit des Antrages wegen der Verwendung der zur Unterstützung der Afrikaforschung im Etat des Aus­wärtigen Amts ausgeworfenen Summe von 150000 Mk. Von den übrigen Bundesrats - Bevollmächtigten steht im Vordergründe Staatsminister v. Bötticher, welcher 44mal sprach; ihm reihen sich an Minister Dr. v. Scholz 21, Schatz-Sekretär Dr. Jakobi 19, Kriegs­minister Bronsart v. Schellendorff; die Vertreter der Bundesstaaten haben überhaupt in dieser Session hervorragend in die Debatten eingegriffen, darunter der bayerische StaatsmiEister Dr. v. Riedel, Graf Lerchenfeld-Köfering, Graf v. Hohenthal und Bergen, v. Schmid, Frhr. v. Marschall, Dr. Neidthardt u. s. f. Unter den Abgeordneten nahm in gewohnter Weise der Abg. Dr. Windthorst am häufigsten das Wort 62mal; ihm folgt Richten-Hagen 53, v. Köller 47, Dr. Baumbach 34, Dr. Miquel und Rickert je 30, Dr. Meyer-Halle 29, v. Kardorff 27, Dr. Witte 24, ü. Beningsen 20, v. Helldorff 17 u. s. f. Diejenigen Abgeordneten, welche als Berichterstatter für wichtige Gesetze fungierten, werden natürlich oft im Register aufgeführt, so Dr. Sattler, Frhr. v. Huene, Graf v. Dönhoff-Friedrichstein, Spahn, Struckmann, Kalle und v. Wedell-Malchow. Von den Elfaß-Lothringern beteiligte sich an den Verhandlungen der Abg. Grad 1 Ornat am häufigsten. In der Rednerliste des preußischen Abgeordnetenhauses steht in der letzten Session, welche eine Dauer von vier Monaten hatte, der Abg. von Minnigerode mit 57 Reden obenan; ihm folgen: Dr. Windthorst mit 51, Dr. Meyer (Breslau) mit 48, von Rauchhaupt mit 42, Frhr. Dr. von Schorlemer-Alst mit 37, Dr. Wehr-Deutsch- Crone mit 33, von Eynern und Dr. Mithoff mit je 28 und Berger - Witten, Dr. Hammacher und v. Tiedemann - Bomst mit je 24 Reden. 23nial sprachen: Dr. b. Jazdzewski und Mooren; 20rnal: Dr. Enneccerus, Graf zu Limburg- Stirum und von Meyer - Arnswalde; 19mal: Bödiker und Rickert; 17 mal: Frhr. v. Hüne und Dr. Langerhans; 15mal: Piesenbach, Dühring, Knebel, Dr. Scheffer und Seyffardt- Magdeburg; 13mal: Jmwalle, Graf von Kanitz, Dr. Natorp, Seer und v. Strombcck; 12mal: Dr. Brühl, Bohtz und Frhr. von Zedlitz und Neukirch; llmat: Dr. Lotichius und Dr. Virchow; lOmal: von Czar-

eutgegengefefefen Ausdruck annehmen konnten. Seine Stimme war für gewöhnlich sauft und wilde, aber Augenblicken der Erregung oder wenn er einen Zweck damit erreichen wollte, wurde dieselbe schrill und durchdringend scharf. Er hatte eine fleischige Nase und dicke, aufgeworsene Lippen, hinter denen man, wenn er sprach, trotz seiner sechzig Jahre gesunde Zähne erblickte. Seine grauen Augen waren sehr klein, und das kahle Haupt war mit einer braunen Perrücke bedeckt. Sein großer Einfluß auf den sonst sehr eigensinnigen und starrköpfigen Baron bestand zum Teil darin, daß er mit großer Uuverdrossenheit bei den mehrfachen chronischen Leiden seines Herrn die schwierigen und bisweilen sehr unangenehmen Dienste eines Krankenpflegers verrichtete, zum Teil hatte dieser Einfluß auch noch einen anderen Grund.

Der Weg, welcher von der Anhöhe, auf welcher das Schloß lag, hinabführte, teilte sich am Fuß der­selben in zwei Arme, von welchen der Rechte ins Dorf und von da weiter nach Schleswig, der linke bei der Wassermühle vorbei nach Malhagen führte.

Der Kammerdiener, der mit Filzschuhen an den Füßen lautlos wie eine Katze den Berg hinunter- geschritten war, wählte den elfteren, ging aber nicht bis zum Dorfe, sondern bog kurz vor den ersten Häusern in einen Seitenpfad ein, der den schmalen zwischen Hellenborn und der Wassermühle gelegenen Strich des Waldes in schräger Richtung durchschnitt und direkt auf den Holzplatz b<8 Müllers führte.

Jürgensen, so nannte sich der Kammerdiener, kannte jeden Weg und Steg tu der Umgegend aufs Genaueste, so daß es ihm nicht schwer wurde, den Eingang in den Wald in der Dunkelheit zu finden. Auch sein Vorhaben war vorher sorgfältig im Kopfe ausgearbeitet, und daß er diesen Weg durch den Wald vorzog, geschah deshalb, weil er wußte, daß die Magd des Müllers ihre Schlafkammer neben der Küche hatte und er nicht erst nötig hatte, den Hofplatz zu betreten, sondern schon vom Walde aus sehen konnte, ob das

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Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)

Als er von Schleswig zurückkehrte und ihm öhlte, was uuterdeß vorgefallen, da zuckte es $ einmal in seiner läppisch gutmütigen Larve, «er der sich der leibhafte Teufel verbirgt, obgleich k jedenfalls innerlich wie dorn Donner gerührt war. Der seine Augen schossen hin und her. War es vor daß er vom Baron durch diese Reise sich hatte «scheu lassen, oder wurde in dem Augenblick der - wes M geboren, sich des Kastens wieder zu bemächtigen? L nZ aJöte in seinem sanften Tone nur: .Die arme I»ige Frau," und ging von dannen. Seitdem habe Zahm h ihn unausgesetzt beobachten lassen, er hat das _ Moß nicht verlassen, so kann er auch nicht in Er- fs Beste Mng gebracht haben, wo der Müller das Testament ^ahrt hat, und wird es da vermuten, wo auch 1 und <t8 sonst vermutet haben würde, in einer großen Men Truhe mit herrlichen, werWollenHolzschuitzereien, ' in Steffens Schlafzimmer steht und die der Letz- i mir auf mein Verlangen selbst einmal gezeigt J wobei er bemerkte, daß er in ihr feine Weit- y» aufzubewahren pflege. Die Vorsicht war für Fälle vortrefflich, Müller Steffens, den Kasten 28mo unterzubringen, aber sie nützt Dir doch Trägt der Kammerdiener sich übrigens, woran ? sicht im Mindesten zweifle, mit irgend einem Plan, totrb er höchst wahrscheinlich bie Ausführung auf spätere Stunde verschieben und die Zett ab« lichtt kJtn, wo alle Bewohner des Schlosses sich zur U gelegt. Dann mache Dich nur an die geschnitzte ^altß Ahe, alter Schleicher, sprenge den Deckel, brich sie 2 Du wirst das Gesuchte nicht finden, und er« Du auch wirklich noch vorher das wahre ^eck, so ist Dir längst ein Klügerer zuvorgekommen! JRid) befällt plötzlich," fuhr er fort, sich von seinem ^erhebend, .eine eigentümliche Unruhe: dieses » Pfg-- *rttn, die Unthätigkeit bringt mich nm, ich muß

nität nicht. Die Erbschaft Roms trat Deutschland an, und übernahm damit die römischen Rechtsanschauungen. Wir können hier nicht den ganzen Verlauf der Rechts­entwickelung in wirtschaftlicher Hinsicht verfolgen, wir können nicht im Einzelnen zeigen, wie Geschlechter kamen und Geschlechter gingen, wie ein Gesetz ge­schaffen und ein anderes verworfen wurde, wie in allen aber der Grundsatz sich zeigt, den Shylock ver­focht. Die Revolution ging vorüber und meist blieb doch alles beim Alten. Das Wort, das der Schöpfer des Landrechts, Suarez, aussprach, daß kein Mittel zurückzuweisen sei, um im Zivilprozeß die Wahrheit zu finden, wurde dahin aufgefaßt, daß kein Mittel zurückzuweisen sei, um den Rechtsspruch durchzuführen. Arn Ende des vorigen Jahrhunderts war die kriminalistische Tortur aufgehoben, in der Mitte dieses Jahrhunderts bestand in dem Schuld­gefängnis noch die wirtschaftliche Tortur. Ob der Schuldner zu Grunde ging oder nicht, das war gleich.

Wie anders dagegen jetzt. Der Staat hat er­kannt, daß auch der Schuldner sein Bürger ist, und seines Schutzes bedarf und er hat darnach gehandelt, Deutschland mit in erster Linie. In manchen anderen Ländern ist man noch nicht so weit, aber eifrig wird allenthalben daran gearbeitet, den Geist der Humani­tät auch da walten zu lassen, wo es sich um mein und dein handelt, so hat z. B. Oesterreich durch eine neue Exekutionsordnung den Versuch gemacht, den Schuldner vor dem Ruin zu bewahren. Freilich ist man noch nirgends am Ziel, auch wir haben noch viel, viel zu thun, gilt es doch nicht nur den Armen vor der schonungslosen Geltendmachung erworbener Rechte zu schützen, sondern ihn auch so zu stellen, daß er des Schutzes nicht bedarf, daß er in schuld­nerische Abhängigkeit niemals geraten kann. In den Krankenkassen und der Unsallversicherung sind die An­fänge dazu vorhanden. In jedem Fall macht sich überall der Geist der Humanität auch auf wirt­schaftlichem Gebiete geltend, und das ist der große Wendepunft, von dem wir vorhin sprachen.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Wenn sich der Bundesrat auch amtlich auf unbestimmte Zeit vertagt hat, so ist den Mitgliedern doch unter der Hand mitgeteilt worden, daß die Ferien diesmal nur bis zur letzten Augustwoche dauern werden. Der nächste Anlaß zu dieser frühzeitigen Wiederaufnahme der Bundesrats­sitzungen ist darin zu erblicken, daß es dieser Körper­schaft obliegt, die Ausführungsbestimmungen für das neue Branntweinsteuergesetz festzusetzen. Sodann dürfte den Bundesrat der Reichshaushaltsetat beschäftigen, der diesmal etwas früher als sonst ferttggestellt werden soll, da beabsichtigt ist, den Reichstag schon in der ersten Hälfte Novembers einzuberufen. Auf diese Weise soll es ermöglicht werden, den zweiten Teil der Reichstagssession nach Neujahr für die Er- mich auf den Weg machen." Er sah auf die Uhr an der Wand.

.Fünf Minuten vor Zehn," sagte er, ans Werk denn!"

Er setzte seinen Hut auf, verschloß von innen seine Zimmerthür, blies die Lampe ans, trat ans Fenster und schwang sich geräuschlos aus demselben.

Einen Augenblick blieb er regungslos stehen und horchte, ob irgend ein Geräusch zu hören sei, darauf brückte er leise die beiden Fensterflügel zu und ging, mit den Fußspitzen anstietend, um den rechten Flügel des Schlosses herum, wo er seine Blicke musternd auf ein hellerleuchtetes Fenster warf.

.Im Zimmer des Kammerdieners ist Licht, er ist zu Hause," flüsterte er vor sich hin, ging dann leis- wieder um den Flügel herum, schritt in schräger Richtuug über den freien Platz vor dem Schlosse und betrat darauf den chauffierten Weg vor dem Plateau, auf welchem das stattliche Schloß lag, in die Ebene hinabführte.

Es war völlig dunkel, nur mit Mühe vermochte er die weißgekalkten Chausseesteine zu erkennen. Die Hitze war erdrückend, langsam ging er den Berg hinab. Von Zeit zu Zeit blitzte es ans, worauf dann nach längerer Zwischenzeit ein leiser Donner folgte.

.Ob das Gewitter zum Ansbruch kommen wird? dachte der Verwalter. .Eine Nacht, wie geschaffen zu einem solchen Werk! Nur dürfte eine Illumination des Himmels während der Arbeit unter Umständen störend sein."

Hätte er gewußt, daß das hellerleuchtete Zimmer, ans das er so eben noch sein Augenmerk gerichtet, leer gewesen und daß dessen Besitzer etwa zehn Mi­nuten früher, als er, den Berg hivabgewandert, er würde seine Schritte wahrscheinlich beschleunigt haben.

Folgen wir einstweilen dem vorangegangenen Kammerdiener.

Dei selbe war ein kleiner, leise auftretenber Mann mit Gefichtszügen, die beim ersten Anblick sehr gut­mütig erschienen, aber zu gewissen Zeiten den ganz