Marburg, Dienstag. 12. Juli 1887.
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Stftagen nach Sonn- und vertagen. — Quartal»
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Sitten
j das drille Quartal der
ifofrj Oberhessischen Zeitung
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45 Pst gestern, wonach das Pferdeausfuhrverbot mit der habe/ Kerkündigung der Verordnung außer Kraft tritt;
derselbe veröffentlicht ferner die Gesetze über die Ab
änderung der Gewerbeordnung und die Verwendung
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in dritter Lesung mit 349
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also angenommen werden, daß die Einwirkung des Eisenpräparates die ganze Oberfläche getroffen hat, daß aber nur die gedeckt liegenden Teile derselben die blauschwarze Farbe bewahrt haben, während die
zutage liegenden Teile sich wieder entfärbten, ferner, daß die etwas abgeplattete Basis der Wand aufge-
Basis größtenteils ans kolbig gerundeten papillairen Auswüchsen bestand, die lose nebeneinander lagen, daß aber über die Mitte der ganzen Basis, ziemlich
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nächst ausgesetzten Teile charakterisiere. Die weitere Untersuchung ergab dann auch, daß die abgeplattete
echten: Heute mittag empfing ich im Auftrage des Herrn Generalarztes Dr. Wegner durch einen be- jsuderen Boten ein versiegeltes Fläschchen, welches das kleine, jüngst aus dem Kehlkopfe Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen entfernte krankhafte Gewächs enthielt. Das Objekt war in ab-
jt ihren Beiblättern nehmen alle Postanstalten, jjj dem Lande die Landpostboten, in Kirchhain unsere
Anzeigen nimmt entgegen, die Expedition d. Blattes," sowie d.Annoncen-Bureaux' von Haasenstein undVogler l in Frankfurt a. M., Caffel,; Magdeburg und Wien! - Rudolf Messe i>: Frankfurt' a. M., Berlin.Münckenund ‘ Köln; G- L. Daube und- Co. in Frankfurt a. SR.,; Berlin, Hannover u. Paris. ■
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juli. Der „Reichs-Anz." publiziert eine Kaiserliche Verordnung, datiert aus Ems von
Postämter 2 Mk- 50 jt-, (excl. Bestellgeld). Vertionsgebühr für die Lfoaltene Zeile 10 Dfg-, Mamen für die Zelle F 25 Pfg.
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Ausland.
Wien, 9. Juli. Das „Fremdenblatt" knüpft an eine Besprechung der Ereignisse m Bulgarien die Mahnung, aus der bisherigen Entwickelung der Dinge keine voreiligen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen; es ließen sich noch keine Stimmen vernehmen, welche auf eine gleichmäßige Aufnahme der Wahl des Coburgers in allen politischen Centren hindeuten; es sei nicht unmöglich, daß der schöne Traum der So- branje, dem Lande endlich einen Fürsten gegeben zu haben, der die Verhältnisse im Innern ordnen und nach Außen normale Verhältnisse Herstellen soll, bald ausgeträumt sein werde; daher sei der weitere Gang der Ereignisse abzuwarten. Eine skeptische Auffassung der „Deutschen Zeitung" gipfelt in dem Schlußsatz: Der Prinz Ferdinand werde bei seiner Ankunft in Tirnowa eine Partei Nikolajew, eine Partei Stam- bulow und eine Partei Zankow, aber keine Partei Coburg vorfinden. Die „Neue Freie Presse" erblickt in der Antwort des Coburgers den notwendigen Versuch, die bulgarischen Wirren im Geiste des Berliner Vertrages zu schlichten, vermißt aber den Entschluß desselben, die Dämme d^s Berliner Vertrages zu durchbrechen, wenn die Zwietracht der Mächte eine Beendigung des Provisoriums verhindern sollte.
Rom, 9. Juli. Nach Meldungen aus Catania hat sich die Cholera daselbst vermehrt. Auch von Palermo werden mehrere verdächtige Krankheitsfälle von Personen gemeldet, die aus Catania eingeschifft wurden.
Paris, 9. Juli. Gestern abend durchzog eine größere Anzahl junger Leute die Boulevards und den Börsenplatz mit den Rufen: „Es lebe Boulanger." Die Polizei verhaftete mehrere der Manifestanten. — Die Menge, welche bei der gestrigen Abreise des Generals Boulanger auf dem Bahnhofe war, verhinderte während zweier Stunden die Abfahrt des Zuges. Boulanger verließ schließlich seinen Wagen und bestieg eine Lokomotive, welche allein abfuhr. Der Zug fuhr dann nach Clermont ab und nahm Boulanger aus der Station Villeneuve auf. — Die meisten Journale sprechen sich mißbilligend über die Vorgänge bei der Abreise Boulangers aus und werfen der Polizei vor, daß sie das Eindringen der Menge in den Bahnhof nicyt zu hindern vermochte. — Die meisten Morgenblätter veröffentlichen das Urteil des Leipziger Prozeffes wieder Klein und Genossen ohne weiteren Kommentar. Das „19. Siöcle" lobt dagegen die „edle" und „stolze" Sprache Kleins. Die „Petite rspublique" reproduziert die Worte Kleins, die den besten Kommentar zu dem ganzen Prozesse bildeten. Der „Figaro" sagt: Wenn die deutsche Regierung beweisen wollte, daß die französische Regierung unterrichtet sei, erreichte sie ihren Zweck; wollte sie durch die Kleinlichkeit ihrer Ansichten die Welt in Erstaunen setzen, so sei ihr dies ebenfalls gelungen. Hätte die deuffche Regierung nach dem
hange, und, obwohl sichtlich etwas zusammengeschrumpft, gut erhalten. Es hatte eine platte Basis von läng- »üch ovaler Form, 5 Millimeter lang und 3 Milli- metei breit; darüber wölbte sich eine halbkugelige, stark körnige Fläche von wenig über 2 Millimeter .Höhe. Letztere Fläche hatte ein schwachrötlich graues, die Basis dagegen ein dunkelblauschwarzes Aussehen, offenbar von der Einwirkung eines Eisenpräparates iherrühnend. Denn mit Salzsäure befeuchtet, hellte sich die Farbe sehr schnell auf und verschwand unter
genau der Längstaxe folgend, eine schmale, kaum ein Millimeter breite, weißliche Schnittwunde verlies, welche durch die Herumliegenden papillairen Wucherungen fast ganz verdeckt wurde. Die mikroskopische Untersuchung zeigte in noch viel mehr ausgesprochener Weise, als d?> vorige Mal, daß die Oberfläche des exzidierten Stückes fast ganz mit papillären Exkreszenzen von sehr verschiedener Größe besetzt war. Nur in der nächsten Umgebung der Schnittfläche fand sich eine kleine Zone unversehrten, ganz glatt fortlaufenden Oberflächengewebes. In den Papillen stellten die geschichteten und nach außen plattenartigen, großen und harten Epithelien den bei weitem größten Anteil an dem Aufbau der Neubildung dar; die bindegewebigen Grundstöcke waren dünn, zart und gefäßhaltig. Besonderheiten an der Zellenbildung wurden nicht bemerkt. Die Schnittfläche bot ein unregelmäßiges, weiches und wenig vaskularsiertes Gewebe dir. Tiefe Gewebslagen, wie bei der ersten und noch mehr bei der zweiten Operation, sind diesesmal nicht mit fortgenommen worden. Nirgends waren Drüsen oder Nervenstämmchen sichtbar. Der Schnitt scheint ganz nahe der Oberfläche geführt zu sein, so daß nur Schleimhautteile gefaßt wurden. Sonnt war dieses Mal nur wenig und noch dazu schwierig zu behandelndes Gewebe vorhanden, an welchem ein Urteil über die Beschaffenheit der unterlagernden Teile zu gewinnen war. Dieses Gewebe ließ nirgends alveoläre Struktur, Einlagerung oder Eindringen epithelialer Massen wahrnehmen. Es bestand aus zartem Bindegewebe, welches nicht in der Tiefe, sondern nur in der Oberfläche vergrößerte und zum Teil in Proliferation begriffene Elemente enthielt Nirgends erreichte diese Proliferation den Charakter selbständiger Herdbildung. Das exzidierte Stück hat sich daher in noch höherem Grade, als die bei der vorletzten Operation gewonnenen, als eine, von einer mäßig gereizten und verdickten Oberfläche ausgegangene, harte zusammengesetzte Warze ergeben, und die Basis derselben hat auch nicht den entferntesten Anhalt für die Annahme einer in das Gewebe eindringenden Neubildung geliefert. Pathologisches Institut, Berlin, den 1. Juli 1887. gez. Professor vr. Rudolf Virchow.
— Von der im Kursbüreau des Reichs-Postamts bearbeiteten neuen Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs ist jetzt im Weiteren das Blatt VIII erschienen; demselben wird Ende Juli das Blatt XIII folgen. Ersteres umfaßt die Provinz Brandenburg, letzteres das Königreich Sachsen nebst dem größten Teil von Böhmen. Die Blätter im Wege des Buchhandels zum Preise von 2 Mk. für das unausgemalte Blatt und 2 Mk. 25 Pfg. für jedes Blatt mit farbiger Angabe der Grenzen von dem Verleger der Karle, dem Berliner Lithographischen Institut von Julius Moser (Berlin W., Potsdamerstraße 110), bezogen werden.
Prozesse gegen Köchlin und Genossen über die Gefühle der Elsaß-Lothringer noch den geringsten Zweifel gehabt, so müffe sie jetzt darüber im klaren sein. Auch die öffentliche Meinung wisse jetzt genau, was man von der Art und Weise Deutschlands, aus der Mücke einen Elephanten zu machen, zu hallen habe. Man habe jetzt erschreckliche Enthüllungen in Aussicht gestellt; jetzt nch dem Lesen der Verhandlungen müsse man fragen: Sollte es „Tarlarins Allemands" geben? — Die Deputiertenkammer hat heule den ersten Titel des Militärgesetzes mit 367 gegen 183 Stimmen angenommen. Bei der Beratung des Artikels, welcher eine Aufstellung desjenigen Verwaltungspersonals enthält, welches im Falle einer Mobilmachung unter die Befehle des Kriegsministers treten soll, beantragte der Ministerpräsident Rouvier, im Widerspruche mit der bezüglichen Vorlage der Kommission, daß das Personal der Post- und Douanen- Verwaltung nicht vollständig unter die Befehle des Kriegsministeriums gestellt werde. Es würde dies dem Kriegsminister nur einen lästigen Vorteil bringen und der Oberbefehlshaber für die nationale Verteidigung würde dadurch zu einer Art von Diktator werden, was doch weder die Kammer noch die Regierung wolle. Er halte es für ausreichend, die Beamten der Militär-Telegraphie und die Beamten für den Postdienst bei der Feldarmee, sowie das Korps der bewaffneten Douaniers unter die Befehle des Kriegsministers zu stellen. Von der Kammer wurde die von Rouvier vorgeschlagene Abänderung angenommen.
Clermont-Ferrand, 8. Juli. General Boulanger traf hier heute eir.
London, 9. Juli. Die Königin hielt heute in Aldershof eine Heerschau über die Truppen und Frei- 1 willigen ab, von welchen im Ganzen etwa 58 000 Mann zusammengezogen waren. Der Oberbefehlshaber, Herzog von Cambridge, überreichte dabei eine von der Armee an die Königin gerichtete Adreffe. Die Königin sprach ihre hohe Befriedigung über die Leistungen der Truppen aus und betonte das volle Vertrauen, das sie in die regulären Truppen, wie in die Freiwilligen setze, sie gab aber zugleich dem dringenden Wunsche Ausdruck, daß für den Rest ihrer Regierungszeit dem Volk die Segnungen des Friedens
gegen 262 Stimmen an.
Tirnowa, 9. Juli. Von dem Prinzen Ferdinand von Coburg ist an den Präsidenten der Sobranje auf die telegraphische Mitteilung von der auf ihn gefallenen Wahl zum Fürsten eine Antwort eingetroffen, worin der Prinz sagt, er sei stolz und dankbar für das Votum der Nationalversammlung; er hoffe, sich des Vertrauens der edlen Nation würdig zu zeigen und sei bereit, sobald die Wahl durch die Pforte gebilligt und von den übrigen Mächten anerkannt worden
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erhallen bleiben möchten. — Das Unterhaus nahm die irische Strafrechtsbill
Illustriertes Somitagsblatt. -
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------ jolntem Alkohol aufbewahrt, in vollem Zusammen-
gejundheilsschädlicher Farben hei Nahrungsmitteln. — Professor von Helmholtz ist zum Direktor der neuen _ tt» Hysikalisch-technischen Reichsanftalt ernannt.
F — Die neueste Nummer der „Berliner Klinischen [3M Wochenschrift" veröffentlicht folgendes weitere Gut-
NO -Hinterlassung einer schwachgelblichen Fläche, welche nach Zusatz eines Tropfens von Cyaneisenkalium-
legen hat, obwohl ihre schwarze Färbung die Ver- autung nahe legte, daß dieselbe die frei vortrelenden Md deshalb der Einwirkung äußerer Agenlien zu-
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.
lösung intensiv blau wurde. Aber auch die blassen, nicht gefärbten Teile der konvexen Oberfläche gaben ragen« -jg schwächerem Grade dieselbe Reaktion. Es muß
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Roman von Karl Hartmann-Plön.
Nachdruck verboten.
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(Fortsetzung.)
Dasselbe war mit Friedrich der Fall; um seinen Unmut zu betäuben, hatte er etwas rasch getrunken »ud fich einen kleinen „Spitz" geholt. Er redete viel tob neckte seine Umgebung; sogar seine Tischdame, «B Fräulein Burmeister, verschonte er nicht, doch rfhrd Lttt feine Redseligkeit etwas laut, was am Schluffe nm® big Abendessens allerdings weniger auffiel, da der “ Aarakter der ganzen Tischunterhaltung bereits ein ’enbei( sehr erregter und geräuschvoller geworden war.
Um neuneinhalb Uhr endlich wurde die Tafel auf. Ahoden, man wünschte fich gegenseitig eine gesegnete Mahlzeit und wanderte daraus insgesamt wieder in [26(4 ®tlt Garten, damit der Wirt und seine Leute so rasch die möglich den Saal auSränmeu könnten, um Platz R schaffen für die Tanzlustigen, denen baS Mahl wn viel zu lange gewährt hatte. Draußen war ime noch ebenso schwüle, drückende Lust wie vorhin tot war tS unterdest dunkel geworden, and zwar war Finsternis eine solche, daß man, wie mau zu sagen dstegt, nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Ebenso tontg konnte man sehen, wo die Bäume standen oder siffeur. die Tische und Bänke fich befanden, und alle Augen- tocke verkündete fleht „Ach" und „Oh" mit nachfolgen- is LaÄt = Gelächter, daß jemand gegen irgend einen Segen- "iZ -------i f«. „ , ------®ettt Stern war am Himmel zu sehen, und die Sorst «ophezeinng, daß ein Gewitter kommen würde, schien rftrift griffen zu wollen, denn von Zeit zu Zett sah man 'toter dem Walde einen schwachen Schein aufzncken, ,°d) schien dies ein noch sehr weit entferntesWetter- -tochten zu sein, und baS Gewittet hatte vielleicht die Rücksicht gegen all die fröhlichen Hochzeitsgäste, sich toderswo zu entladen und diese Gegend ganz zu torschonen. ES war schou häufig vorgekommeu, daß solches fernes Gewitter gar nicht über die Schlei
hingezogeu hatte. Einstweilen wollte man fich den Humor nicht trüben lassen.
Nach einer Viertelstunde schon verkündeten mächttge Trommelschläge und ein anhaltender Trompetentufch, daß die Musiker daS Orchester eingenommen und der Saal von allen Hindernissen befrett fei. Nun erfolgte ein Drängen deS tanzlustigen Völkchens nach der Gartenthür, das in der Dunkelheit für manchen und manche nickt ohne Stöße und empfindliche Püffe abging. Die älteren Männer und Frauen zogen langsam hinterdrein, die Ersteren, um sich an den Wänden zu postieren, die Letzteren, nm in die Nebenzimmer zu gehen und sich an die Spielttsche oder um eine dampfende Punschbowle zu setzen.
Johann Hinrich StcffenS hatte sich mit einigen Pächter» der herzoglichen Güter zu einer Partie L'howbre niedergelassen, ein Spiel, welches er gern und auch sehr gut spielte; er halte einen glücklichen Tag und bald feffellen die günstigen Karten ihn der- arttg, daß kaum noch ein flüchtiger Gedanke nach der Bodenkammer seines HanseS abschweifte.
Im Saale hatte unterbeffen das Tanzvergnügen begonnen. Friedrich forderte nicht ein einziges Mal seine Base zum Tanz auf, nichtsdestoweniger ließen fich Beide keinen Augenblick ans den Augen, und je mehr sich der Schmerz in ihren jugendlichen Herzen anhänste, desto mehr suchten sie ihn äußerlich zu ver. decken. Trotz und Aerger brachten den Vetter dazu, Fräulein Burmeister auffällig den Hof zu machen, und veranlaßten die Soufine, die Aufmerksamkeiten Werners ebenso auffällig zu erwidern.
ES mochte wohl eine gute Stunde getanzt worden fein, als plötzlich der Garten wie in ein Feuermeer getaucht erschien und nur wenige Sekunden später ein furchtbarer Donner schlag das Haus erschütterte. DaS Gewitter war langsam hinter dem Walde herauf- gekommen, die hohen Buchen hatten den Hellen Schein der Blitze verdeckt, erst jetzt, nachdem die Wolken über den Spitzen herübergezogen, übergossen die inzwischen anch stärker gewordenen Blitze alle Gegen
stände auf Augenblicke mit Tageshelle. Einige vorangehende schwache Donnerfchläge waren durch den Lärm des Festes übertönt und garnicht gehört worden. Die Ueberraschung war daher eine um so größere, als das Erste, was mau vom Gewitter vernahm, pleich ein solcher Schlag war, daß die Fenster klirrten. Die Musikanten, nicht minder erschrocken, wie alle andern, hielten sämtlich wie auf Kommando mit dem Spielen inne und endeten mit grellen Mißtönen. Die Paare, die gerade tanzten, blieben ebenso plötzlich stehen, und die Zuschauer längs den Wände» fuhren unwillkürlich in die Höhe.
Schon nach wenige» Minute» folgte ein zweiter Blitz und Donnerschlag, noch Heller, noch gewaltiger, als das erstemal. Nun erhoben sich auch die Männer in den Nebenzimmern von ihren Sitzen und kamen allmälig in den Saal, um nach ihren Angehörigen zu sehen. Ein Gewitter auf dem Lande, wo es so häufig einschlägt, erzeugt auch in dem sonst Mutigste» eine gewisse feierliche Stimmung, und jeder eilt gern in die Nähe der Seinen. Draußen erhob fich jetzt ein heulender Wind, und der Wirt und seine Dienstboten bemühten fich, so rasch wie möglich alle Thüren und Fenster des Hauses zu schließen.
DaS Gewitter stand über dem Dorfe, und schien nicht wanken und weichen zu wollen, denn Blitz folgte auf Blitz und Donner auf Donner. Dabei hörte man jetzt den Regen wolkenbrncharttg vom Himmel herunterströmev.
Doch alles nimmt schließlich ein Ende, auch das stärkste Gewitter. Der Donner folgte in längeren Zwischenpausen dem Blitze und wurde schwächer und schwächer, der Regen hörte auf, die Gefahr war vorüber. Die Unterhaltung, die während des tosenden Unwetters gestockt hatte, brach jetzt los, als wenn ein- Schleuse geöffnet worden wäre. Thüren nnd Fenster wurden wieder aufgeriffeu, man wollte der abge- kühlien Lnft Eingang in den heiße» Saal verschaffen, ja einige scheute» fich nicht, de» aufgeweichten Boden des Gartens zu betreten, um draußen die glühenden
Gesichter abznkühle». Auch Friedrich war mit hinausgegangen, kehrte aber schon nach wenigen Sekunden mit verstörtem Gesicht wieder in den Saal zurück.
„ES hat eingeschlagen," rief er mit lauter Stimme, „über dem Walde in südwestlicher Richtung ist ein Heller Feuerschein!"
„In südwestlicher Richtung?" kam es im Tone deS Schreckens von Johann Hinrich Steffens Lippen, der ebenfalls vorhin in den Saal getreten war. Er war blaß geworden wie eine Leiche, eine furchtbare Ahnung stieg jin ihm auf, in drei Sätzen war er zur Gartenthür hinaus, alle Heftigen drängten sich ihm nach, denn die Meisten von ihnen waren aus der Umgegend, jeder dachte zuerst an den eigenen Besitz.
lieber dem Walde, etwas rechts hinüber, war der Himmel gluttot gefärbt: was da brannte, konnte keine Arbeiterkate, sondern eS mußte ein großes Gebäude sein, vielleicht waren eS mehrere.
Der Müller hatte nur einen einzigen Blick nach der Richtung geworfen, wo der Feuerschein war, als er in Verzweiflung ausrief:
„Allmächtiger Gott, baS kann nur im Dorfe Hellenborn sein, oder eS ist mein eigenes Haus! Um Gotteswillen, rasch, wer sattelt mir ein Pferd? Ich muß hi», eS hängt meine Ehre, mein Leben davon ab."
„Ich," sagte ein junger Oekonom, „ich werde Ihne» mein eigenes satteln."
„Dank, tausend Dank, aber nur so schnell wie möglich!"
Jener stürzte in den Stall, um feinen Gaul aufzuschirren.
Christine trat zitternd zu ihrem (Sotten, legte ihre Hand auf seinen Arm und sagte:
„Glanbst Du wirklich, daß das Feuer in der Richtung nach Hellenborn ist? Mau täuscht fich abeudS ja so leicht."
„Nein, nein, ich bin meiner Sache gewiß!" Er ergriff die Hand seiner Frau und fuhr in düsterem Tone fort: „Wenn eS die Mühle wäre, Christine,