Marburg, Donnerstag, 7. Juli 1887
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Die Völker Oesterreichs.
Kronprinz Rudolph von Qesterreich unternimmt gegenwärtig, wie bekannt, eine Rundreise durch Galizien und ist dort von den Polen mit ungemeinem Enthusiasmus begrüßt worden. Die österreichischen Polen haben auch Grund zum Jubeln; die Unterstützungen des Ministeriums Taaffe im Abgeordnetenhause zu Wien hat ihnen alle möglichen Rechte gegeben, und Galizien ist in Wahrheit so polnisch, wie nur ein Land fein kann. Der glänzende Empfang des Kronprinzen ist also völlig begreiflich, und erklärlich, wenn die polnischen Blätter den Wunsch aussprechen, Kronprinz Rudolph möge einst das Regiment im Sinne der gegenlvärtigen Regierung führen. Ministerpräsident Graf Taaffe nennt seine Politik stolz eine Politik der Versöhnung; die Völker Oesterreichs sollen mit einander nicht verschmolzen werden, aber sie sollen einander achten, ehren und lieben. Graf Taaffe hat zu dem Zwecke den einzelnen Nationen, aus denen sich der österreichische Kaiserstaat zusammensetzt, große Rechte gegeben auf Kosten der Nation, welche das Rückgrat der ganzen Monarchie bildet, der deutschen. Die Deutsch - Oesterreicher würden aber zu alledem kein Wort sagen, wenn sie wenigstens von ihren nichtdeutschen Mitbürgern nun wirklich geachtet und geehrt würden; aber davon kann keine Rede sein. Wie es den Deutschen geht, was sie sich gefallen lassen muffen, ist zu bekannt, als daß wir es zu wiederholen brauchten; es genügt, zu konstatieren, daß die Versöhnungspolitik Graf Taaffes ein Programm ohne Durchführung ist, welches nur die Thatsache erzielt hat, daß Polen, Czechen, Slovenen rc. sich zu der Regierungsmehrheit im österreichischen Parlament bekennen. Sie stimmen mit und für die Regierung, aber nicht umsonst. Bei ihnen heißt es: Eine Hand wäscht die andere, und für jeden dem Ministerium erwiesenen Dienst fordern sie neue Rechte auf Kosten der Deutschen.
Mit den nichtdeutschen Stämmen Oesterreichs ist es aber ein eigenes Ding; das ist in diesen Tagen beim Ministerwechsel in Serbien offen zu Tage getreten. Das leitende Blatt der Slovenen in Laibach sprach rund und nett seine Freude über die Ernennung des Russenfreundes Ristics zum Minister aus, und hat ein vielfaches Echo mit seinen Ausführungen gefunden. Dieselben beweisen, daß die slawische Bevölkerung Oesterreichs, und in Ungarn steht es erst recht so, viel mehr Sympathieen für das große russische Slavenreich, als für ein deutsches Oesterreich hat.
Em lustiger Krieg.
Nachdruck verboten.
Der Herr Büchsenmachermeister Fenerstamm saß in seiner Arbeitsstube vor seinem großen altväterlichen Schreibtisch. Die scharfen Augen unter der hohen Stirn mit dem grauen Haar schauten mit sichtlichem Interesse auf den ihm gegenübersttzeuden Mann und schienen diesem förmlich die Worte vom Munde lesen zu wollen. Der Redner aber war der Tischlermeister Schneidewind. Diesmal hatte ihn indessen nicht eine Geschäftsangelegenheit zu seinem alten Freunde geführt, eS handelte sich vielmehr um etwas Höheres. Im gegenwärtigen Augenblick war Herr Feuerstawm der Kommandeur der Blankensteiner Schützengilde, und Herr Schneidewind sein Adjutant. Der Letztere hatte seine Mitteilung beendet.
»Also Kommandeur Scharschmidt von der Grün- thaler Schützengilde hat den Vorschlag zu einem gemeinsamen Schützenmanöver gemacht. Die Grür- thaler gegen unS; die Sache gefällt mir außerordentlich," nickte Kommandant Feuerstamm zufrieden. »Ich bin dabei, und wenn ich kommandiere, bleibt kein Blankensteiner Schütze zurück, mag ihm auch das Marschieren nicht mehr so leicht werden. Aber die Gefechtsidee gefällt mir nicht so recht. Die Grün- thaler wollen unsere Stadt stürmen, wir sollen also die Besiegten sein. Darauf gehe ich nicht ein. Unsere Schützen gilde zählt zwanzig Mann mehr, als die Grüuthaler, wir müßten also die Sieger eigentlich sein. Aber sie können es ja versuchen, Blankenstein zu nehmen. Geliugts ihnen, haben sie gewonnen, andernfalls wir. Aber ich meine, die Blankensteiner stellen ihren Mann. Was, Schneidewind ?* — „Ganz gewiß, Herr Oberst!' antwortete der. Daun wurde »och ein kurzer Kriegsrat gehalten und endlich die Antwort an die Grünthaler Schützeugilde zu Papier gebracht. Ueber die Annahme der Manövers war entschieden und die ersten Bewohner von Blankenstein, welche die große Nachricht erfuhren, war die Familie
Man will mit den Deutschen absolut nichts zu thuu haben. Im Gegensatz zu den slawischen Stämmen stehen die Polen und Magyaren, die die erbitterten Gegner Rußlands sind, welche man sich nur denken kann, und dies bei jeder Gelegenheit bethätigen. In diesen verschiedenen Anschauungen liegt aber die einzige große Gefahr für Oesterreichs Zukunft; sie beweisen, daß die österreichischen Völker nicht aus einem Gusse geformt sind, sie sind die Ursache, daß die Panslawisten die Macht Oesterreichs so gering, freilich zu gering, schätzen.
Oesterreich-Ungarn hat gewaltige militärische Anstrengungen im letzten Jahre gemacht, um seine Wehrhaftigkeit und Kriegstüchtigkeit zu erhöhen. Die Armee ist zweifellos ein geschlossenes Ganzes, das treu zu Kaiser und Reich steht; um so bedauernswerter ist es, daß die österreichische Regierung es nicht im notwendigen Maße verstanden hat, diesen Einheitsgedanken auch den Völkern einzuflößen. In dieser Beziehung mangelt es thatsächlich. In Wälsch- tirol und Istrien träumen die Bewohner von einer Vereinigung mit Italien, die Czechen streben die Errichtung eines eigenen Königreiches Böhmen an, Slowenen und Südslawen wollen nichts von einer deutschen Regierung wissen, in Ungarn stehen große Bevölkerungskreise direkt feindlich gegen die Regierung; gemeinsam ist allen diesen widerhaarigen Elementen nur die Abneigung gegen die Deutschen. Wir wollen ganz gewiß Oesterreich-Ungarn keine schlimmen Tage wünschen, aber sollten sie einmal kommen, so werden Czechen, Polen und Magyerer sofort bemerken, daß sie allein nichts vermögen, ohne die Deuffchösterr.ücher. Leider ist nicht anzunehmen, daß in absehbarer Zeit sich diese wenig erfreulichen Verhältnisse ändern werden; so lange das harte „Muß" fehlt, wird alles beim alten bleiben. Im Deutschen Reiche stand es vor 1870 ähnlich, wie jetzt in Oesterreich-Ungarn. Eine ernste, schwere Zeit hat Großes gewirkt; käme eine ähnliche Zeit für Oesterreich-Ungarn, sie würde dort wohl das gleiche Resultat haben. Aber besser wäre es gewiß, man ließe es nicht zum äußersten kommen, sondern sehe schon jetzt ein, daß nur dann ein Staatswesen blühen und gedeihen kann, wenn feste Eintracht seine Bürger umschließt.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juli. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht das neue Statut für das Deutsche archäologische Institut in Rom und Athen. — Wie der „Magd. Ztg." gemeldet wird, ist die Reise des Fürsten Bismarck nach Kissingen zum Gebrauch der dortigen Kur beschlossene Sache, die Zeit der Abreise aber noch nicht festgesetzt. — Das neueste Gutachten des Prof. Virchow über die von Dr. Mackenzie beim Kronprinzen entfernten Neubildungen zählt, dem „Verl. Tagbl." zufolge, gewissenhaft die einzelnen anatomischen und histologischen (Gewebs-) Befunde, welche deS Herrn Feuerstamm. Frau Feuerstamm war nicht gerade sonderlich enthusiasmiert. „Wenn nur bei Eurem Schießen kein Unglück herauskommt! Die Grünthaler werden sich den Spaß machen, alle Fensterscheiben entzwei zu schießen, die sie treffen können, und wenn Dein Schimmel scheu würde von all dem Geknall und Dich abwürfe, dann könntest Du zu allem Malheur noch ausgelacht werden. Laß die Geschichte lieber sein."
Oberst Feuerstamm stemmte seinen rechten Arm gewaltig auf den Tisch. „Hör einmal, Katharine, Du verdientest eigentlich gar nicht die Frau eines Schützevobersten zu sein. Solch eine Bangbüx ist wir denn doch noch nicht vorgekommen. Hier gehts um die Ehre, da müssen wir alle auf dem Posten sein, ich an der Spitze. Anders geht es nicht! Grete, was meinst Du denn?" wandte er sich an feine Tochter, die bisher nähend und ohne sich in das Gespräch der Eltern einzumischev, am Fenster gesessen hatte.
„Ich bin ganz Deiner Ansicht, Vater," lachte sie fröhlich. „Ihr seid ja große Leute und könnt ja sehen, wohin geschossen wird. Was soll Euch denn passieren? Und ein himmlisches Vergnügen wird es doch werden. Abends ist dann Lall, nicht wahr, und alle Grünthaler bleiben hier? Das wird prächtig werden," schloß das Mädchen, vergnügt wie ein Kind in die Hände klatschend. — „Gieb mir einen Kuß, Grete," rief der Oberst Feuerstamm, „bist eine echte Schützentochter." „Wer blind ist, das bist Du," rief Frau Feuerstawm ihrem Manne zu. Die Grete hofft nur mit des Scharschmidt Sohn aus Grünthal zusammen tanzen zu können; aber daraus wird nichts. Ich dulde diese Liebschaft nicht, dafür bin ich die Mutter. Die Grete heiratet den Kaufmann Bernstein vnd damit basta!" Grete machte ein gewaltig finsteres, aber sehr wenig Gehorsam verkündendes Gesicht. Oberst Feuerstamm sah mit zweifelhaften Blicken von der Tochter zur Frau, und von der Frau zur Tochter uud mit einem „Kommt Zeit, kommt Rat, etwas habe ich auch mitzuredev, dafür bin ich Vater!"
die mikroskopische Untersuchung ergeben hat, auf und gipfelt darin, daß der gutartige Charakter der Neubildung nunmehr von neuem bestätigt und unzweifelhaft festgestellt worden ist. Aus der Thaffache, daß bei der ersten Untersuchung durch Dr. Mackenzie die Geschwulst als linsengroß bezeichnet wurde und nacheinander dreimal Partikelchen in der Größe einer Linse oder kleinen Erbse abgetragen wurden, darf man übrigens durchaus nicht folgern, daß die Geschwulst nach jeder Operation etwa nachgewachsen fei. Vielmehr hat man sich das Krankheitsbild fo vor- zustellen, daß auf dem Stimmbande eine entzündete und erkrankte Fläche sich befindet, auf welcher sich warzenartige Wucherung entwickelt hat. Bei den ersten Untersuchungen vermittelst des Kehlkopfspiegels war für das untersuchende Auge von der Geschwulst nur ein linsengrvßer Teil sichtbar. Nachdem dieser abgetragen worden war, wurde alsdann die dahinter gelegene Partie der Neubildung sichtbar, die — soweit mit den Untersuchungs - Instrumenten zu ermitteln war — nur die Größe einer kleinen Erbse hatte. Als auch dieser Teil entfernt war. wurde der Rest der Geschwulst sichtbar, welcher in dieser Woche von Di. Mackenzie abgetragen und von Geh. Rat Virchow soeben untersucht worden ist. Nachgewachsen ist aber die Geschwulst auf dem Stimmbande bis jetzt nicht. Dr. Mackenzie glaubt, mit dieser dritten Operation die Geschwulst im großen und ganzen enffernt zu haben. Indessen ist dies noch nicht endgiltig festgestellt, da die die Geschwulst umgebenden Teile wegen einer kleinen katarrhalischen Reizung, die der Kronprinz sich bekanntlich während der Jubiläumsfeierlichkeiten in London zuzog, nicht genau zu inspizieren waren. Es ist daher immerhin möglich, daß im Verlaufe der weiteren Behandlung noch kleinere operative Eingriffe erforderlich werden können. — Gegenüber der Meldung eines schlesischen Blattes, daß Bischof Kopp noch im Laufe dieses Monats als Fürstbischof von Breslau inthronisiert werden würde, bemerkt die „Germania", daß dies doch wohl nicht sicher sei, da der Bischof in seiner jetzigen Diözese noch Firmreisen bis zum 25. Juli in Aussicht genommen habe.
— lieber die Alters- und Jnvaliden-Versicherung schreibt die „N- R.-K.": Mit großer Befriedigung ist in den beteiligten Kreisen die Erklärung des Staatsministers v. Bötticher ausgenommen worden, Inhalts deren der Plan der Alters- und Invalidenversicherung vor dem Abschluß der Vorlage dem Gutachten sachverständiger mitten im praktischen Leben stehender Männer unterbreitet werden soll. Mit Recht. Denn gerade die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, daß ohne den Beirat derjenigen, welche aus den eigenen praktischen Erfahrungen die Tragweite und allseitige Wirkung bestimmter Beschlüsse sicher zu beurteilen vermögen, selbst die von der wohlwollendsten Gesinnung getragenen gesetzgeberischen Pläne nur zu
verließ er das Zimmer. Woraus zu schließen, daß der wackere Obnste in seinem eigenen Hause nicht ganz so strenge Disziplin aufrecht erhalten konnte, als in seiner Schützengilde.
Eine große Generalversammlung der Blankensteiner Schützen hatte stattgefunden. Mit kernigen Worten hatte Oberst Feuerstamm das Grünthaler Anerbieten vorgetragen, hinreißend hatte er darauf hingewieseu, daß es sich hier um eine Ehrensache handle, daß alle Blankensteiner Schützen vom ersten bis zum letzten Mann für den Ruhm ihrer Gilde einzutreten haben würde». Nach verbrieften und besiegelten Urkunden hatte Blankenstein im dreißigjährigen Kriege aus eigener Kraft einen heftigen Angriff der räuberischen Kroaten siegreich abgeschlagen, und in dem heftigen Gefecht hatte die damalige Schützengilde große Lorbeeren errungen. „Wir müssen den Grünthaler zeigen, daß wir unserer Vorfahren würdig find; kein Grünthaler darf als Sieger unsere Stadt betreten." Ein donnerndes Hoch antwortete auf diese Schlußworte und einstimmig ward der Manöverplan angenommen. Mit einstimmigem Jubel fast nahm auch ganz Blankenstein die große Kunde auf, nur Frau Feuerstamm verharrte in bangen Sorgen, wagte sie aber dem allgemeinen Enthusiasmus gegenüber nicht mehr laut werden zu lassen. Die ganze weibliche Einwohnerschaft war eine Woche lang mit Kränze, und Guirlanden-Winden beschäftigt gewesen, um den Helden nach siegreicher Schlacht einen würdigen Empfang bereiten zu könne».
Und der große Tag war gekommen. Auf dem Marttplatze war die fünf Kompagnieen starke Schützeugilde aufmarschiert. Alle in vollem Wichs, an der Spitze die Majoren und LieutnaniS. Oberst Feuerstamm erschien mit seinem Adjutanten Schneidewind zu Pferde. Der alte Schimmel des Obersten schien selbst von der Größe des Tages ergriffen zu sein; er zeigte ein nngewöhnliches Feuer und sei» Herr und Reiter galoppierte mit ihm die Front hinab, daß die Funken nur so stoben. Ein lautes Hurrah
leicht zum Nachteile derjenigen ausschlagen können, deren Vorteil beabsichtigt wird. Die Beschlüsse der Reichstagskommission zur Arbeiterschutzfrage und die darauf gegründeten Beschlüsse des Reichstages selbst waren ohne Frage von der arbeiterfreundlichsten Gesinnung diktiert, man hatte sich redliche Mühe gegeben , unter Ausscheidung extremer Forderungen endlich einmal ein leidlich brauchbares positives Resultat zu erzielen. Gleichwohl ist aus den Kreisen der praktisch in der Industrie Stehenden unschwer der Beweis erbracht worden, daß jene Beschlüsse in vielen Punkten teils wirkungslos, teils von so erheblichen pekuniären Nachteilen für die Arbeiter selbst bi gleitet sein würden, daß sie die Arbeiter weder befric bigen, noch zu deren Wohle gereichen würden. In der That faßt man den im Reichstage mit großer Mehrheit angenommenen Gesetzentwurf daher als nichts anderes auf, denn eine verstärkte Resolution. Er soll den verbündeten Regierungen die Richtung im Allgemeinen bezeichnen, in welcher man von ihnen demnächst eine gesetzgeberische Initiative erwartet: ein Engagement für die Einzelheiten dürfte wenigstens ein großer Theil derjenigen, welche für den Entwurf stimmten, damit nicht übernehmen wollen Ein aus der Initiative der verbündeten Regierungen hervorgehender Gesetzentwurf, zumal ein solcher von der Bedeutung und Tragweite der Invaliden- und Altersversicherung, darf aber auf eine derartige nc h trägliche Korrektur durch die Praxis nicht angewiesen fein. Derselbe muß vielmehr, bevor er zur Beratung der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches gelangt, die Feuerprobe der Praxis wenigstens insoweit über standen haben, als ihr der Beirat der Sachverständigen, mitten im praktischen Leben wirkenden Kreff- nicht gefehlt hat. Wenn daher nach den Erllärunger welche der Staatsminister von Boetticher in Fran furt a. M. abgab, daran nicht zu zweifeln ist, da, in ausgiebiger Weise die bezeichneten Kreise zur Sache gehört werden sollen, bevor Bundesrat und Reichstag mit der Sache befaßt werden, so liegt dies offenbar im Interesse der Regierung selbst, der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber, nicht zum mindesten aber auch im Interesse der Sache, indem damit der Gefahr vorgebeugt wird, diejenigen Wirkungen zu verfehlen, welche der Gesetzgeber erzielen will, oder andere hervorzurufen, welche der Gesetzgeber nicht beabsichtig:.
— Der Hochverrats - Prozeß in Leipzig erreg* allenthalben das größte Aufsehen. Man ist starr vor Staunen über die eynische Art und Weise, wie die französische Regierung die Spionage organisier' hat. Es sucht ja wohl jede Regierung, sich^im all gemeinen über die Rüstungen der fremden Staaten zu orientieren; aber so wie diese Orientierung durc diese und die ftüheren Hochverratsprozeffe bezüglic der französischen Regierung enthüllt worden ist, ha dieselbe sicherlich noch keine Regierung geübt. Dieses Gebühren der französischen Regierung wird das Er
begrüßte den kühnen Ritter, der zum letztenmale zu.r mutigen Kampf aufforderte, den Kompagnieführen eindringlich ihre Ordres einschärfte; und dann ging es unter lautem Trommelschlag vorwärts gegen dcu Feind zur Stadt hinaus, und fast die ganze Bevölkerung zog des Weges mit, Schlacht und Kampf als tapfere KriegSbummler mit anzuschauen.
Die Stadt Blankenstein hatte eine sehr günstige Lage auf einem Bergabhang. Nach der Thalebene zu lagen auch die beiden Thore, deren Schutz je einer Kompagnie anvertraut wurde. Die dritte Kompagnie nahm seitwärts der Stadt Aufstellung, um eine etwaige Umgehung zu verhindern, und mit den beideu letzten Kompagnieen zog Oberst Feuerstamm dem Feinde entgegen, um ihm die Annäherung so viel wie möglich zu erschweren. Wenn die Grünthaler nicht fliegen konnten, so hatten sie keine Aussicht, die Veste zu er- ringen; davon war jeder Blankensteiner fest überzeugt Es mußte ein neuer glanzvoller Tag, ein Tag der Ehre werden.
Ein paar tausend Schritte vom Stadtthor schlängefte sich ein Flüßchen durch die Ebene hin. Die Brücke über dasselbe, die mit dichtem Gebüsch umgeben war, bildete die Verbindung zwischen Blankenstein uud Grünthal; sie wollte Oberst Feuerstamm mit den zwei Kompagnieen besetzen, um dem Feind den Ueber- gang über den Fluß zu erschweren. Nichts nm alles in der Welt hätte ihn, den Oberkommandierendev, vermocht, hinter der Front zu bleiben; an der Spitze seiner Truppen wollte er den kecken Herausforderern entgegentreten.
Bis auf hundert Schritte war mau an die Brücke herangekommen. Vom Feinde war »och nichts zu hören «nd zu sehen. Oberst Feuerstamm lachte zufrieden vor sich hin. Diese Grünthaler verstanden doch gar zu wenig vom Kriegswesen. Er zog seinen Dege», winkte nach der Brücke hin — und „Feuer!" rief in demselben Augenblick eine laute Stimme, und donnernd schallte von der Brücke und dem Flußufer eine Salve den überraschten Blankeustrinern entgegen.