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Marburg, Mittwoch, 6. Juli 1887
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grfdwint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal« gbonnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 «fg. (excl. Bestellgeld). ZnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis - Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. —
Exvedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.
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dem Worte unseres Kaisers zu reden! Vor 25 Jahren, seiner Werke. Was soll ich sprechen über Ihn? als die tiefe Sehnsucht des deutschen Volkes nacMSoll ich reden von den Tugenden des Menschen und
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Einheit und Freiheit die wehrhaften deutschen Männer hier zum ersten Bundesschießen zusammen führte. —
Regenten, beide gleich bewunderungswürdig, soll ich reden von Seinem Thun und Wirken, Ringen und
Festigkeit die Geschicke Deutschlands lenkend, ein Held im Streit, Schirmer des Friedens, mächtiger Förderer
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Durch eigene Schuld.
6in Original • Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.
(Schluß.)
„Sei ruhig I* herrschte ihm Letziugen unwillig zu. Ich habe allerdings die echten Steine aus dem Schmuck nehmen lassen, weil sie ein totes Kapftal waren und weil der Schmuck mir gehörte uud wenn Fräulein Damken ihn behalten hätte, würde ich auch die unechten Steine wieder durch die echten haben ersetzen lasse». Ich hoffe, daß Du mir nicht zum zweiteumale wtt einer solchen Zumuthung eotgegen treten wirst — sonst dürstest Du die längste Zeit in meinem Dteufte gewesen sein."
Der Gutsbesitzer verließ in unwilliger Stimmung das Zimmer und der Diener schaute ihm mit erschrockener und betroffener Miene nach.
Der Konkurs des Hauses Damken zog weit größere uud Wester greifeude Folgen nach sich, als man selbst in vertrauten Kreisen im Anfang geglaubt hatte. Es lag zwar auf der Hand, daß viele von den Geschäften, welche mit ihm in Verbindung gestanden hatten, bedeutende Verluste treffen mußten, aber niemand ahnte, daß gerade mehrere derjenigen Häuser, welche in erster Reihe der Gläubiger standen, sich selbst in einer sehr gefährdeten Lage befanden, die nur eines geringen Anstoßes bedurfte, um zusammeuzubrechen.
TffS betraf vorzugsweise das Haus Günther u. Ko. und Franke. Beide waren schon seit längerer Zest gefährdet, hatten aber ihre Lage mit Geschick zu verbergen gewußt Beide hatten durch Polenz Vermittelung von dem Hause Damken, welches sie für durchaus sicher uud reell hielten, Wechsel zu bedeutenden Preisen angenommen, mit ihrem Giro versehen und an Buchmann verkauft, der auch sie wieder für völlig gut hielt und an ihnen sichere Gewährsmänner zu habe» glaubte, wenn DawkeuS Geschäft falliere. Sowohl Günther wie Franke waren auf das Heftigste erschrocken, als sie die erste Kunde von
Kleusers Flucht und Zahlungsunfähigkeit des Hauses Damken vernahmen, denn beide sahen jetzt ihren sicheren Untergang vor Augen. Kurze Zeit hatten sie sich noch gehalten, bis auch für sie Wechsel fällig wurden, deren Deckung durch Damkens Haus ausge- blieben war und auf welche sie mit fester Zuversicht gerechnet hatten. Beide mußten jetzt ihre Insolvenz erklären.
Polenz jubelte im Stillen, als er sah, wie herrlich sein Plan glückte, denn jetzt mußte Buchmann unausbleiblich ein Schlag treffen, der für ihn um so empfindlicher war, als er, was Polenz recht wohl wußte, auch von anderer Seite her in der letzten Zeit nicht unerhebliche Verluste erlitten hatte. Für kurze Zeit gab der Agent sich der Hoffnung hin, daß auch Äuchmann vielleicht falle», daß er nicht im Stande sei» werde, diese verschiedenen und unerwarteten Schläge zu ertrage». Er hoffte, daß er vielleicht den Kops verlieren und sich irgend eive Blöße geben werde, um sich gleichsam den Todesstoß zu versetzen.
Aber in dieser Beziehung hatte er sich in Buch- manu geirrt. Er wankte allerdings, sein Haus war für kurze Zest auf das äußerste gefährdet, aber er verlor seinen Kopf auch nicht einen Augenblick lang, und das rettete ihn.
Buchmann war über diesen Ausgang seines Plaues, den er mit so großer Schlauheit angelegt zu haben glaubte, auf das Heftigste erbittert und er verwünschte es, je daran gedacht zu haben. Was nützte es ihm, daß Damken tot, daß sein Geschäft zu, Grunde gegangen war, da er jetzt selbst gleichsam wieder von vorn anfangen mußte, da jahrelange Mühen und Sorgen für ihn verloren waren. Er hatte das Ziel seines Planes erreicht, aber um welchen Preis, durch welche schmerzlichen Opfer!
Ihm kam der Gedanke, daß seinem Plane ein anderer Plan entgegengesetzt sei, und Manches schien ihm diesen Gedanken zu bestättge», aber er verfolgte ibn nicht tiefer, denn Kleuser hielt er dazu nicht für fähig, Damken hatte sich viel zu wenig um sein Ge.
Die nationale Bedeutung des Frankfurter Jubiläums-Schützenfestes gibt sich vor allem kund in den bei dem Festesten am vergangenen Sonntag gehaltenen Tischreden. Welch ein Unterschied zwischen den jetzigen und den vor 25 Jahren gehaltenen Reden! — Damals war Herzog Ernst von Sachsen - Koburg - Gotha der einzige der vielen Regenten des schwach verbundenen deutschen Vaterlands, dem unzählige Huldigungen, als dem Repräsentanten des zu erhoffenden Einigungswerkes des deutschen Reiches dargebracht wurden. Und jetzt konnte Frankfurts Oberbürgermeister in Worten, wie sie nicht schöner gedacht werden können, das, was vor fünfundzwanzig Jahren niemand zu ahnen vermochte, als eine vollendete Thatsache preisen. Ihrer wahrhaft nationalen Bedeutung wegen lasten wir denn auch die Rede des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Miquel wörtlich hier folgen. Bei lautloser Stille, die nur von öfteren enthusiastischen Beifallrufen unterbrochen wurde, hob derselbe an:
Hochgeehrte Festgenossen und liebe Gäste! Im Namen des hiesigen Zentral-Ausschusses heiße ich die von Nah und Ferne, aus allen deutschen Gauen, aus dem Jnlande und dem Auslande zum IX. Bundes- und Jubiläumsschießen herbeigeeilten Bundesbrüder und Schützen in unserer alten Kaiserstadt herzlich willkommen. Möge das Fest einen altfettig günstigen Verlauf nehmen, möge dasselbe das deutsche Nattonal- gefühl, die brüderliche Gesinnung aller Stämme noch mehr heben, beleben und befestigen, möge es zur Stärkung der Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes beitragen und allen Teilnehmern zur vollen Be-
ie ciedigung gereichen, möge es seinen vielen Vorgängern gleichen und höchstens von seinen Nachfolgern übertroffen werden. Und nun, liebe Feftgenosten, indem )ir diese nationale Feier eröffnen, der erste Gedanke jjii unser erhabener, ehrwürdiger, allverehrter Kaiser, aiser und Reich! Welch gewaltiger Inhalt in ge- teinnützigem Wirken in diesen zwei Worten. Vor 25 Jahren und heute! Welche Summe von großen Weltbewegenden Ereignissen, welche ruhmreichen Erfolge und erhebenden Großthaten, welche tiefgreifenden Veränderungen in unserem Vaterlande und in der Welt, welche Wandlungen mit Gottes Hülfe, um mit
Wer hätte wohl geglaubt, daß er den Tag der Wiederaufrichtung des Reiches, der Herstellung der Einheit und Herrlichkeit unseres zerristenen Vaterlandes noch erleben und mit eigenen Augen schauen werde, wer hätte wohl zu hoffen gewagt, daß in so kurzer Spanne Zeit unsere Träume Wirklichkeit werden und die Tage der höchsten Machfftellung und Blüte, des Ruhmes und des Ansehens des deutschen Volkes wiederkehren würden. Große und schwere Opfer hat es gekostet und wir wollen auch bei dieser Gelegenheit unserer in fremder Erde schlafenden Helden nicht vergessen. Aber alle Opfer, sie sind freudig gebracht und bald überwunden. Eine Zeit mächttgen Aufschwungs ist gekommen in Wissenschaft und Kunst, in Gewerbe und Handel, in der Fürsorge für die Armen und Unbemittelten, in Schule und Kirche. Neben der Einheit int Ganzen ist die Mannigfaltigkeit und Vielseitigkeit im Einzelnen erhalten und gepflegt. An die Stelle des Gegensatzes und des Mißtrauens ist das innige Verständnis, die gegenseitige Ergänzung die brüderliche Gesinnung aller Männer getreten. Ein mächtiges auf der allgemeinen Wehrpflicht beruhendes Volksheer sichert unsere Grenzen, unsere Flotte beschützt auf allen Meeren die Interessen der Landsleute, eine aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene deutsche Volksvertretung bringt die Stimme des Volkes zur Geltung und bertritt die gemeinsamen Angelegenheiten der Natton. Der deutsche Name ist wieder geachtet bei allen Völkern. In schnellem Anlauf suchen wir die durch die Gunst der Geschichte Vorangeeilten einzuholen. Fürsten und Völker Deuffchlands sind einig auf immer. Jrn Reich findet ein Jeder den besten Schutz und Schirm für das Seine. Ohne das Reich aber ist fein Sein mehr denkbar. Der Weg zum Ziel war und mußte fein an manchen Stellen rauh und uneben, harte Steine, von der Vergangenheit aufgebaut, waren wegzuräumen. Aber nun ist der schwere Weg überwunden. Wir haben unser Aller Ziel glücklich erreicht. (Beifall.) Alle freuen sich dessen, alle Länder, Stämme und Gauen, alle Stände und Klassen, alle Parteien empfinden die Segnungen des Reiches und werden sich deß immer mehr bewußt werden. Es giebt keinen Feind des Reiches mehr. (Beifall.) Und an der Spitze dieses Reiches, welches vor Allem seine Weisheit und Kraft, sein Heldemut, sein Wägen und Wagen geschaffen und aufgerichtet hat, steht unser Kaiser und Herr, älter als das Jahrhundert, geliebt und verehrt von seinem Volke, wie kein Kaiser seit den Zeiten des Kaisers Rotbart, unentwegt durch so viele Mühen, Sorgen, Gefahren und Schicksalswendungen ohne Gleichen, mit Milde und
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auf dem Lande die Landpostboten, in Kirchhain unsere Agentur, sowie die Expedition entgegen.
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Kämpfen so viel Jahrzehnte hindurch, von Seinen Großthaten und Erfolgen, von der Dankbarkeit, welche wir Ihm schulden, von der Ehrfurcht vor dem erhabenen Greise — was ich auch sage, tiefer ist es eingeschrieben in Ihren Herzen, in den Herzen aller Deutschen auf der weiten Erdenrunde. Glücklich das Volk, welches in solchen Zeiten einen solchen Führer und Lenker fand. Noch ist die Zeit der gesicherten Ruhe nicht gekommen. Das ganze deutsche Volk will Frieden und Freundschaft mit allen Nachbarn. Wenn aber Ehre, Unabhängigkeit und Sicherheit auf dem Spiele ständen, wenn die mit dem Blute unserer Söhne errungenen Güter bedroht wären, ganz Deutschland würde Schulter an Schulter zusammenstehen, kein Opfer würde groß genug fein, um die großen nationalen Errungenschaften mannhaft und siegreich zu verteidigen. Deß sei unser greiser Kaiser gewiß für die Gegenwart und Zukunft Auch die kommenden Geschlechter werden ihrer Vorfahren würdig sein. Das leuchtende Vorbild unseres großen Kaisers wird die Nation durch Jahrhunderte begleiten. Allüberall und zu allen Zeiten wird Sein Andenken gepriesen sein. Möge Er noch lange in Segen seines hohen Amtes walten. Mögen dem greifen Helden nur noch Tage des Friedens und der ungestörten Entwickelung der Volkswohlfahrt beschieden sein. Hoch lebe unser geliebter, ehrwürdiger Kaiser Wilhelm! Tausendstimmige Hochrufe und die Nattonalhymne folgten dieser Rede.
In schwungvollen Worten brachte dann der Präsident des deutschen Schützenbundes, Landgerichtsdirektor A. Strezing aus Gotha, ein Hoch dem Vaterlande.
Diesem Redner folgte Herr Dr. Vaniczek aus Wien, dessen Worte ebenwohl ein recht patriotisches Verständnis der Gegenlvart bekunden. Derselbe sprach:
Siebe Stammesbrüder! Verehrte Festgenossen! Gruß und Heil entbiete ich Euch aus meiner trauten Heimat Oesterreich (Bravo!), dem Oesterreich, dessen Söhne freudig und opfermutig ihr Blut vergossen haben am Rhein für Deutschlands Freiheit und Ehre (Bravo!), aus dem alten, guten, treuen Oesterreich. Unser Gruß gilt zunächst der Herrlichkeit des deutschen Reiches, dem stammverwandten Brudervolk, jenem Heldenvolk, das auf den Trümmern der antiken Welt eine neue Welt geschaffen, dem Heroenvolk, das in Wehr und Waffen aus eigener Kraft entstanden und nunmehr den Frieden des Weltteils hütet als Mehrerin der Gesittung und des Fortschritts. (Bravo!) Diesen Gruß bringen wir von unserem Vaterlande, dem treu verbündeten Mutterlande. Ein tausendfältiger Chor begleitet ihn von unferen Grenzen mit dem Rufe: Heil Oesterreich, Heil dem deutschen Reiche! (Lebhaftes Bravo!) Wir sind der Ladung zu diesem Feste mit Freude gefolgt, denn es gilt ja zu beweisen, wie Oesterreich sich Eins fühlt mit dem ganzen deutschen Reiche, mit der großen deuffchen Nation. (Bravo!)
schäft bekümmert, und er war auch außerdem der festen Ueberzeugung, daß niemand um feine Absicht gewußt hatte.
Er dachte allerdings an Polenz und er wußte, daß dieser Mann einer solchen Handlung fähig war, aber keiner seiner Vertrauten und Spione, welche auch den Agenten so viel als möglich im Auge behielten, hatten ihm je mitgeteilt, daß Polenz mit Kleuser oder Damken in Verbindung gestanden hätte. Er ließ deshalb auch diese Vermutung als unbegründet fallen und schrieb alles einem ungültigen Schicksale und seiner eigenen Schuld zu.
l3» der ganzen Stadt herrschte her Glaube, daß DamkenS Villa und sein Haus in der Stadt verkauft werden würde», um von deren Ertrage die Gläubiger zum Teil zu befriedige». Es war kaum ein anderer Fall denkbar. Auch Hermann glaubte es, mir war ihm das Eine befremdet, daß sein Onkel ziemlich ruhig davon sprach, da er doch wußte, wie nahe ihm der Fall dieses Hauses ans Herz gehen mußte.
Hermann begriff seinen Onkel nicht und doch hatte er gerade in der letzten Zeit noch mehr Ursache als früher gehabt, ihn doch zu achten. Er war mit vielen und bedeutenden Häusern in Verbindung gekommen und überall ward er als Neffe und Vertreter des alten Steider mit der größten Zuvorkommenheit uud mit einem Vertrauen behandelt, als ob er der Sohn des ersten Kaufmanns in der Stadt gewesen wäre. Erst jetzt hatte er erkannt, in welchem Ansehen und welcher hohen Achtung der Alte in kaufmännischen Kreisen dastand. Ja, er war nur ein einfacher Geschäftsführer gewesen, und doch würde Jeder, der ihn kannte, ihm unbedingt den größte» Kredit gegeben haben.
Steider lächelte znfriedeu, wen» ihm Hermann hiervon erzählte. Auch er hatte seinen kleinen Stolz darüber, daß er, länger denn fünfzig Jahre, einem einzigen Hause in einer Treue gedient, welche nie gewankt hatte. Auch ihn erfreute es, daß andere dies anerkannten, daß sie ihm schweigend durch das Vcr-
Illustriertes Sonntagsblatt.
Wenn im Laufe der Zeit sich die Ereigniffe anders gestaltet haben als es ehedem war, so ist zwischen Oesterreich und Deutschland nur eine andere Einteilung geworden, eine andere Einteilung zwischen Deutschland und Oesterreich, aber nimmermehr der Herzen und unserer Bestrebungen. (Beifall.) Wenns notwendig, wollen wir, Schulter an Schulter geeint, int Verein kämpfen. Uns bleiben im treuen deutschen Herzen die Worte des Dichterfürsten geschrieben: An's Vaterland, an's teure, schließ' dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. In dieser warmen Selbst- Empfindung hat die Stadt Frankfurt ihre Thore geöffnet. Mit deutschem Sinn, mit deuffchem Geist und Stieben ist Frankfurt stets verwachsen geblieben. Wie uns Frankfurts Herzen entgegenschlagen, so können wir Ihnen die Versicherung geben, daß in den Herzen aller Oesterreicher die gleiche Sympathie der Stadt Frankfurt entgegengebracht wird. Wenn ich Framkfurt feiere, so thue ich es nicht nur in Uebereinftinunung mit den Einwohnern Oesterreichs, sondern mit allen in meiner Heimat weilenden Staatsangehörigen. Ja insbesondere im Auftrage der Stadt Wien. Ich spreche aber gewiß aus Herzen aller deuffchen Brüder, welchen Landes sie immer sind und Aller, die sich znm Feste eingefunden. Ich fordere Sie auf, der Stadt Frankfurt, die uns so liebevoll ausgenommen, ein dreifach begeistertes Hoch zu bringen. (Beifall.)
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Juli. Der Kaiser empfing gefteri nachmittag den Staatssekretär Grafen von Bismara zum Vorträge und machte abends eine Spazierfahrt. Heute nahm Se. Majestät die Vorträge des Oberhofmarschalls Grafen von Perponcher, des Wirkt. Geheimen Kabinettsrates von WNnowski und die Meldung des Generals von Wartenslcben entgegen. — Der frühere Feldpropst, Dr. Thielen, ist heute ftüh in Potsdam gestorben. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge kommen von dem Ertrage der Getreide- und Viehzölle pro 1886/87 außer 15 Millionen Mark, welche der Staatskasse verbleiben, auf Grund der lex Huene 6180112 Mark auf die Kommunalver- banbe zur Verteilung und zwar auf Ostpreußen 349 821 Mark, Westpreußen 259 570 Mark, Berlin 438 997 Mk., Brandenburg 493 608 Mk., Pommern 335 241 Mark, Posen 309 363 Mark, Schlesien 788 569 Mark Sachsen 613 528 Mark, Schleswig- Holstein 351 757 Mark, Hannover 533 007 Mark, Westfalen 431 411 Mark, Hessen-Nassau 361981 Mark, Rheinprovinz 899 243 Mark und auf Hohen- zollern 13591 Mark. — Die etwas auffällige That- sache, daß Staatssekretär v. Bötticher seinen Urlau!, vor der Vertagung des Bundesrats angetieten hat, dessen eigentlicher Geschäftsleiter er ist, wird dami in Verbindung gebracht, daß der Bundesrat demnächf das Kunstbuttergesetz annehmen wird, obwohl sich Herr v. Bötticher bekanntlich sehr enffchieden gegen
traue», welches sie ihm schenkten, zugeftauden, feine Haudelsgrundsätze seien die zuverlässigsten und die richtigsten.
„Weshalb man mir so offen vertraut," sprach er dann wohl in solchen Augenblicken, „das verdanke ich weniger mir, als dem alten Herrn Damken, den» von ihm habe ich die festen uud sicheren Grundsätze geerbt, nach denen ich später das Geschäft so lauge Jahre hindurch geführt habe. Denjenigen suche ich mir, der unter des alten Herrn Damken ober unter meiner Leitung auch nur um einen einzigen Thaler betrogen worben wäre, ober ber sagen könnte, es wären ihm Versprechungen gemacht und Aussichten eröffnet worbe», die ihm nicht gehallen seien. Ich weiß wohl, daß viele das alte HanbelSprinzip, »ach bem ich stets gehandelt habe, verlachen und für veraltet erklären; ich weiß, baß vielen die strenge Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit, welche diesem Prinzip zu Grunde liegt, störend ist; ich weiß, daß es nicht in einem glücklichen Schlage reich macht, daß es Fleiß und Arbeit, Ausdauer und einen ehrlichen Charatter erforbert, aber es hat mich auch nie getäuscht unb im Stich gelassen. Und wenn das Hans Damken jetzt gefallen, das ist nicht die Schuld des alten Systems bas ist bie Schuld Damkens, die Schuld Kleuser», die beide nur nach Gelb strebte», ohne Lust gehabt zu habe», es zu verdienen.
Hermann konnte ihm nur Recht geben, denn er selbst hatte bereit» Erfahrungen genug gemacht, bie ihn vor den leichtsinnigen Börsenspekulationen und Spielen zurück schreckte». Der alte Steider schien einen besonderen Plan im Sinne zu haben, well er in der letzten Zeit auffallend ruhig und fast heiter geworden war, allein er teilte niemand etwas darüber mit
So rückte der Tag heran, an welchem dir gerichtliche Auseinandersetzung mit den Gläubigern des Hauses Damken stattfiaden sollte. Mit äußerster Spannung sahen Gabriele und Hermann ihm entgegen, nur der Greis schien ihn mit Ruhe zu erwart en. „Ich hätte mit Freuden alles, was mir angehört.