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Rr. 154.

Marburg, Dienstag, 5. Juli 1887.

xxii. Iuylgang.

Erscheint täglich außer an Verklagen nach Sonn- unk gtiertagen. — Quartal- «bonnements-Preis bei der Eriedition 21/* Mk., bei kn Postämter 2 Mk 50 efg. (excl. Bestellgeld). Mertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 $fg., Weüamen für die Zeile 25 Pfg.

(O’jcrljeffifdic Jeitung.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlotteS, sowie d.Annoncen-Burcaux von Haasensteiu undVogler in Frankfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in graut furt a. SB., Berlin,München und Köln; G- L. Taube und Co. in Frankfurt a. M. Berlin, Hannover u. Paris'

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. -

Ervedttion Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Iah, Ang. Loch.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Bestellungen

auf das dritte Quartal der

Oberhessischen Zeitung mit ihren Beiblätter« nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande die Landpostboten, in Kirchhain unsere Agentur, sowie die Expedition entgegen.

Die neue deutsche Reichs-Anleihe.

Deutschland ist nicht arm, wie man hier und da wohl hören kann; es verfügt über ungeheuere Kapi­talien, die bereits beginnen, mit denen der ersten Geldmacht der Welt, mit England, zu rivalisieren, und zwar nicht ohne Erfolg. An den großen deut­schen Geldplätzen, besonders in Berlin, Hamburg und Frankfurt a. Bi., ist in den letzten Jahren eine der­artige Thätigkeit entwickelt, daß sie von London aus, rmd erst recht von Paris, mit scheelem Neid betrachtet worden ist. Paris hat als internationaler Geldplatz überhaupt viel von der früheren Bedeutung ver­loren ; der fortwährende Trubel, welcher an der Seine herrscht, die ewigen Krisennachrichten machen einen schlechten Eindruck, und in Geldsachen hört bekannter­maßen die Freundschaft auf. Ohne die politischen Wirren würde das reiche Frankreich ganz anders da­stehen, und es fehlt nicht an einsichtigen Personen, welche darauf wieder und wieder Hinweisen; aber sie predigen, wie der Erfolg lehrt, tauben Ohren. Das deutsche Kapital hat über seine Grenzen hinaus, über die ganze Erde hin, eine umfassende Thätigkeit ent­wickelt, es beherrscht namentlich Osteuropa. Deutsch­land ist ein Hauptgläubiger der Oststaaten, Rußlands, Rumäniens und Serbiens. Hunderte von Millionen deutschen Geldes sind in den Papieren jener Staaten angelegt. In Rußland sind auch die Panslavisten nicht zum geringsten Teile dieses Geldverhältnisses wegen gegen uns erbost; sie häufen alle möglichen Beschuldigungen auf, ohne sie zu beweisen. Es ist Thatsache, daß Rußland im eigenen Lande die nötigen Summen nicht aufzubringen vermag, und daß es auch in Paris oder London nicht billiger Geld erhält, als bet uns. Das ganze wüste Geschrei hat also gar keinen Wert. Schulden drücken, das ist eine be­kannte Sache; darin geht es dem einfachen Privat­mann nicht anders, als dem großen Staat.

Trotz der heiklen politischen Berhältnisie hat sich doch ein so bedeutender Teil des deutschen Kapitals bei den Anleihen der osteuropäischen Staaten engagiert; namentlich kleinere Kapitalisten haben darin ihr Ver­mögen angelegt. Der Grund ist einfach der hohe (5prozenttge) Zinsfuß jener Papiere, während die sicheren deutschen Papiere, die schon über pari stehen, nur 4 Prozent Zinsen tragen. Früher war man wohlhabend, wenn mau zehntausend Thaler, reich, wenn man zwanzigtausend Thaler Vermögen hatte. Jetzt gewähren die Zinsen von zwanzigtausend Thalern

Durch eigene Schuld.

6m Original - Raman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Erschüttert blickte der Greis auf das Haupt des jungen Mädchens uteder. Er wußte, was ihr Herz empfinden mußte, er fühlte es au dem eigenen Schwerz. „Weine Dich aus, mein Kind," sprach er, weine Dich aus. Thräneu sind das Einzige, was Dir Trost und Linderung zu geben vermag. Gott hat Dich schwer und hart geprüft, er wird Dir Kraft geben, es zu tragen, er wird Dir helfen. Sei ruhig, Gabriele, Du stehst noch nicht allein und hilflos da, ich bleibe bei Dir Md werde Dir beistehen."

Er führte sie sanft zum Sopha zurück und er wie Hermann boten alles auf, sie zu beruhigen.

Schon nach kurzer Zett erschienen Gerichtsbeamte ans der Villa, um den Leichnam des Geschiedenen zu untersuchen und die Angelegenheiten, denen er sich durch den Tod entzogen hatte, in die Hand zu nehmen. Und jetzt war des alten Steider ganze Thätigkeit nötig, um von dem unglücklichen Mädchen die Härte des Gerichts abzuwenden, die ihres Vaters That auch für sie hervorgerufen hatte. — Bereitwillig leistete « mit feiner Person und seinem Vermögen für alles Bürgschaft, uud nur hierdurch wurde es ihm möglich, für Gabriele Schonung zu erlangen.

Hermann kehrte mit dem Gericht nach der Stadt zurück, um bei der Schließung und Versiegelung des Geschäfts zugegeu zu sein uud alle Schritte zu thun, welche nun nötig wurden. Der alte Steider blieb auf der Villa, denn er konnte Gabriele nicht allein Md hilflos zurücklassen, jetzt wo sie der Hülse am weiften bedurfte, wo es von allen Seiten auf die einzige Erbin und Besitzerin des Hauses Damke» einstürmte.

Und er, der all dieses Unglück so schnell herbei­geführt? Kleuser? — Er stand in'diesem Augenblick in Liverpool auf dem Deck eines Schiffes, das ihn

nur knapp noch ein Auskommen, wenn das Geld in unbedingt sicheren inländischen Papieren angelegt ist.

Zu besürworten ist das „Geld aus dem Lande- tragen" auf keinen Fall, aber es ist erklärlich, so unruhige Stunden die Besitzer ausländischer Renten auch manchmal haben mögen; denn, um ein Ver­mögen zu erwerben, welches, in inländische Papiere umgesetzt, ein behagliches Auskommen gewährt, ist eine so lange Arbeit in vielen Fällen nötig, daß die Ruhezeit auf ein Minimum zusammenschrumpft. Trotz alledem bestellt ein sorgsamer Hausvater sein Haus doch vorsichtig; wer gar zu sehr auf Sand baut, darf über einen Einsturz nicht erschrocken sein.

An eine Steigerung des Zinssatzes sicherer deutscher Wertpapiere ist vor der Hand nicht zu denken; das beweist die bevorstehende Aufnahme einer neuen Reichs­anleihe von 100 Millionen Mark zu .nur 3 V2 Prozent Zinsen; man kann eher annehmen, daß eine weitere Umwandlung vierprozentiger Papiere in SViprojentige erfolgen wird. Es ist das erste Mal, daß eine große Reichsanleihe zu diesem niedrigen Prozentsatz ausge­nommen wird, und das wird nicht ohne Rückwirkung auf den Geldmarkt überhaupt bleiben. Man hat der Reichsfinanzverwaltung aus der Zinsreduktion Vor­würfe machen wollen; es sind ja die überaus schmerz­lichen Gefühle aller Rentenbesitzer recht wohl zu ver­stehen, das Rentiergewerbe wird von Tag zu Tag schwie­riger ; aber die Rücksicht auf einen Teil der Staatsbürger und Steuerzahler kann die Finanzverwaltung nicht veranlassen, die Rücksichtnahme auf die Gesamtheit außer Augen zu lassen. Sie hat die Pflicht, das Geld so billig wie nur möglich zu nehmen, denn wer in letzter Reihe die Zinsen bezahlt, das ist doch nur die Gesamtheit der Steuerzahler. Bei den 31/* Prozent wird es also sein Bewenden haben muffen; anders handeln zu wollen, wäre nicht klug. Freilich, eine Folge wird das Sinken des Zinsfußes schließlich doch haben, und das ist eine Reduktion der Kurse, deren jetzige Höhe die Zinsen noch beträchtlich schmälert. Die Geldflut ist etwas gar zu stark und zu reichlich geworden, und ohne Ebbe bleibt nun einmal keine Flut; jedenfalls thut das Reich aber ganz recht, die Situation möglichst auszunutzen.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Juli. Der Kaiser empfing heute vormittag den deutschen Militärbevollmächtigten in Petersburg, Oberstleutnant von Villaume, hörte darauf den Vortrag des Chefs des Militärkabinettes, General von Albedyll, und machte nachmittags eine Spazier­fahrt. Die Abreise des Kaisers nach Ems ist nun­mehr definitiv auf Montag abends 10 Uhr festgesetzt; die Ankunft in Ems erfolgt Dienstag vormittags 11 Uhr. — Dem Kaiser ist heute der Bericht zuge- gangen, daß die neueste Untersuchung der aus dem Kehlkopf des Kronprinzen durch die letzte Operation entfernten Teile der Neubildung durch Professor

nach Amerika führen sollte, uud mit banger Ungeduld sah er dem Augenblick entgegen, wo das Schiff seinen Anker lichtete, nm zwischen ihm und seinen Ver­folgern eine unübei schreitbare Grenze zu ziehen.

Ehe er das Schiff in Liverpool bestieg, schrieb er an Pauline, um sie aus der bangen Ungewißheit und Sorge um ihn, in welcher fie sich befinden mußte, herauszureißen. Noch zwei Tage und Kleuser befand sich auf dem offenen Meere und segelte dem Lande entgegen, das schon so viele Verbrecher gastfreundlich aufgenommen und ihnen Schutz verliehen hat.

Die unglückliche Frau des Flüchtigen hatte in der That bange und kummervolle Tage erlebt. Kein Verdacht war bei der Abreise ihres Mannes in ihrer Seele aufgestiegen, daß er fliehen könne; ktine Ahnung hatte sie, daß, als er sie in leidenschaftlicher Er­regung an sein Herz drückte, fie in den Armen eines ehrlosen BettügerS ruhe. Auch als von Damkens Buchhalter wiederholt bei ihr nach ihm gefragt wurde, selbst als das Gerücht von Kleusers Flucht zu ihren Ohren drang, vermochte sie einen solchen Gedanken nicht zu fassen.

Aber Stunde auf Stunde verrann in vergeblichem Harren und mit jeder Stunde steigerte sich ihre Angst, mit jeder Stunde schuf ihre Phantasie sich wildere und düstere Bilder. Noch wankte ihr Vertrauen zu dem Manne nicht, der ihr so nahe stand, dem sie ihr Herz und Leben geweiht, mit dem sie für immer verbunden war.

Da traf fie die Nachricht von Damkens Selbst­mord. Sie war auf das heftigste erschrocken und jetzt zum erftenmale stieg der Gedanke in ihr auf, daß all diese Gerüchte über ihren Mann Wahrheit seien, daß er ein Flüchtiger — ein Betrüger — ein ehrloser Mensch fei. Sie fuhr erbleichend vor diesem Gedanken zurück, sie wollte und konnte ihm keinen Glanbe» schenken, denn alles, alles, was sie glücklich gemacht hatte, riß mit einemmale aus ihrem Herzen — und dennoch kehrte er immer nud immer wieder und folterte fie mit entsetzlichen Qualen.

Virchow ein „sehr günstiges" — so wird es aus­drücklich bezeichnet — Resultat ergeben hat. Diese Nachricht soll auf den Kaiser einen sehr erfreulichen, auch in seiner Stimmung sich äußernden Eindruck ge­macht haben. — Vom Hosmarschallamte ist in Gastein die offizielle Anzeige eingetroffen, daß die Dispositionen für die Badereise des Kaisers Wilhelm dahin geändert worden sind, daß die Ankunft des Monarchen daselbst auf den 28. Juli verlegt wurde. — Eine Bekannt­machung des Reichskanzlers publiziert den Bundes- ratsbefchluß, daß für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September d. I. die Steuervergütung für Liköre, welche aus dem deutschen Zollgebiet ausgeführt werden, auf das Dreifache ihres bisherigen Betrages erhöht wird. Eine andere Bekanntmachung teilt auf Grund des Reichsstempelgesetzes mit, daß nach der vom Ham­burger Senat getroffenen Feststellung an der Ham­burger Börse seit dem 11. Juni Terminpreise für Good-Averge-Santos-Kaffee notiert werden. Es be­zieht sich das auf die Stempelfähigkeit der Abschlüsse in diesem Artikel. — Der Ausschuß des Bundesrates für Handel und Verkehr trat gestern zu einer Sitzung zusammen, um über die Konsular-Angelegenheiten zu beraten; es handelte sich bubei um die Besetzung der erledigten Wahlkonsularämter in Westerwik, Tulca Torrevieja, Panama, Santa Ana, Monteney, und um die Neuerrichtung von Konsularämtern. — Die „Post" schreibt: Die „Köln. Ztg." bringt einige Angaben über die geplante Altersversicherung, welche wörtlich dem Aufsatz von Winnich in den preußischen Jahr­büchern (Dom 1. Dezember 1886) entnommen sind. Wir hören jedoch, daß die Absichten des Reichamtes des Innern zwar in manchen wesentlichen Punkten, aber keineswegs durchweg mit dieser Arbeit überein- ftimmen. — Die „Kreuzzeitung" konstatiert mit Ge- nugthuung, daß die „Times" ihre Artikel über Ruß­land und die russischen Anleihen als ein ernstes und bezeichnendes Zeichen der Zeit ansehe, welche mit der gleichzeitigen deutschen Hundertmillionenanleihe nichts zu schaffen hätten. Das Blatt fügt hinzu: „Wir brauchen wohl kaum zu versichern, daß die Gründe tiefer liegen, welche alle besonnenen Leute, auch anderer politischer Richtungen dazu bewegen sollten, die deutschen Mit­bürger vor Ankäusen zu warnen, die von einer Re­gierung ausgehen, die sich als unzuverlässig erwiesen hat. — Aus Rom wird der „Germania" depeschiert: Die Nachrichten und Deutungen über ein Zirkular des Vatikans an die Nuntien find dahin zu berich­tigen, daß dasselbe einfach besteht aus einer Depesche des Vatikans, worin die Erläuterung der letzten Allokution gegeben ist mit besonderer Betonung der absoluten Notwendigkeit der territorialen Unabhängigkeit des heil. Stuhles. — Der hiesige chinesische Gesandte Hsue-Ching-Cheng ist infolge seines Ansuchens nach seiner in diesem Jahre ablaufenden dreijährigen europäischen Missionsdauer nach China zurückbe­rufen. Zu seinem Nachfolger ist Hung-Suen, Mit-

Jn solcher bangen, selbstpeinigenden Stimmung empfing sie Kleusers Brief. Ein freudiger Schrei entfuhr ihr, als sie an der Aufschrift erkannte, daß er von ihm war. Es waren ja die Züge seiner Hand und diese Züge gaben ihr mit einemmale das volle Vertrauen und den festen Glauben ihrer Liebe zurück. Mit tntgebulbig zitternber Hand erbrach sie den Brief. Erwartungsvoll durchflog sie die Zellen, aber je weiter sie las, desto mehr wich das Blut aus ihren Wangen, um so starrer blickten ihre Augen auf die Zeilen.

Mit lautem Schrei ließ sie endlich den Brief sinken, als sie ihn zu Ende gelesen, und einer Ohn­macht nahe, sank fie ans den Stuhl zurück.

Also war eS wahr, was sie befürchtet uud was sie sich nimmer einzugestehen gewagt hatte — eS war wahr! Ihr Manu, dem sie ihr ganzes Herz in Liebe ergeben, mit dem sie verbunden war, war ein Be­trüger. Sie konnte nicht mehr mit Achtung zu ihm aufschauen, ihn nicht mehr verehren, wie sie eS einst gethan hatte. Wohl hing ihr Herz Mch mit Liebe an ihm, und diese Liebe suchte nach einer Entschul- digung seiner That, aber vergebens.

Ihre bange Stimmung, ihr verzweifluugSvoller Schmerz machten sich in Thränen Luft. Sie weinte nicht um ihr vernichtetes Glück, sondern um Den, den sie so innig geliebt, der ihr Herz so ganz aus­gefüllt hatte.

Und fie sollte dem Manne folgen, der ihre Liebe so wenig geartet hatte! — Sie sollte mit diesem Manne von dem Gelde zehren, auf dem der Fluch einer schlechten That hastete, an dem das Blnt Damkens klebte. Sie sollte sich wieder zu Liebe und Glück mit dem vereinen, den fie nicht mehr zn achten ver­mochte! Nie, nie, fie konnte es nicht!

Als ihr Schmerz gemildelt war, als fie stch etwas Fassung errungen hatte, zog eS sie zu Gabriele hin. Diese war ja ihre vertrauteste Freundin, ihr allein konnte sie gestehen, was sie so Mglücklich machte. Pauline fuhr hinaus nach der Billa zu Gabriele.

gheb des geheimen inneren Kabinetts ernannt worden.

— 3. Juli. Heute empfing der Kaiser eine Depu­tation des Königsgrenadierregimentes Nr. 7, welche dem Kaiser anläßlich seines 70jährigen Jubiläums als Chef des Regimentes ein Oelgemälde, einen Moment aus der Schlacht bei Königgrätz darstellend, überreichte. Dann empfing der Kaiser noch verschiedene Offiziere, darunter den General von Heuduck aus Straßburg. Beim Vorübermarsch der Schloßwache wurde der Kaiser mit solchen stürmischen Ovationen begrüßt, daß er dreimal an das Fenster seines Arbeits­zimmers treten mußte. — Nach dem nunmehr fest­gesetzten Reifeprogramm wird Se. Majestät der Kaiser morgen, Montag d. 4. Juli seine Reise nach Bad Ems antreten. Der Kaiser verläßt Berlin mittelst Exttazuges abends 10 Uhr vom Potsdamer Bahnhof aus. Die Ankunft in Magdeburg erfolgt um 12 Uhr 30 Min. nachts, in Kreiensen um 3 Uhr, in Wilhelms- höhe uck 5*/i Uhr früh. In Gießen wird um 81/* Uhr früh der Kaffee eingenommen, die Ankunft in Ems erfolgt 11 Uhr vormittags. Empfang und Begleitung finden auf der Reise nicht statt. Die Zeit des Aufenthaltes in Ems ist auf 16 Tage bemessen, nach der Anschauung der Aerzte eine zu kurze Zeit. Der Kaiser verläßt dann Ems und begiebt sich nach Koblenz, später nach der Insel Mainau. Als Tag der Rück­kehr nach Berlin ist der 20. August fixiert. Das Reiseprogramm, so wie es jetzt vorliegt, läßt die Fahrt nach Gastein gänzlich unberücksichtigt. In der Begleitung Sr. Majestät befinden sich der Oberhof- und Hausmarschall Graf Porponcher, der Chef des Zivilkabinetts v. Wilmowski, vom Militärkabinett Ge­neral v. Albedyll, Oberst v. Brauchitsch, Oberstleutnant v. Oidtmaim, ferner die Generaladjutanten Graf v. Lehndorff u. v. d. Goltz, Geh. Hofrat Bork und die Leibärzte Dr. Leuthold und Dr. Tiemann. Dr. v. Lauer macht die Reise wahrscheinlich nicht mit. Als Vertreter des Auswärtigen Amtes reift wie früher, der Gesandte in der Schweiz v. Bülow mit

Freiburg im Breisgau, 2. Juli. Heute, vor­mittags um 11 Uhr, ist die oberrheinische Gewerbe­ausstellung durch deren Protektor, den Erbgroßherzog von Baden, welcher mit seiner Gemahlin seit Donners­tag hier weilt, feierlich eröffnet worden. Sowohl die Begrüßungsansprache des Präsidenten des Ausstellungs­komitees, Ficke, wie die Antwort des Erbgroßherzogs wies auf die Teilnahme des Oberelsasfes als auf ein Zeichen eines guten nachbarlichen Verhältnisses hin. Der badische Staatsminister Dr. Turban und die elsaß-lothringischen Unterstaatssekretäre Studt und Back nahmen an der Eröffnung teil. Etwa 1400 Aus­steller haben die Ausstellung beschickt.

Straftbnrg, 2. Juli. Heute nachmittag fand die feierliche Einweihung des Denkmals Ludwigs L von. Bayern statt. Die Festtede hielt der Senats- sekretär der Universität Schricker. Der frühere Unter- Sie weinten sich Beide aus und hierin lag eine Er­leichterung und auch ein Trost für Beide.

Der Selbstmord DamkeuS hatte in der Stadt ein noch bei weitem größeres Aufsehen erregt, als die Flucht seines Geschäftsführers und der bedenkliche Zustand seines Hauses. Die alte Firma Damkeu war jedem in der Stadt bekannt und hatten auch nicht alle den reichen Handelsherrn gekannt, so hatten sie doch alle seine herrliche Besitzung gesehen und be­wundert.

Buchmann triumphierte im Stillen. Er hatte mehr ei reicht, als er gehofft hatte, denn jetzt sah er sich zugleich von dem ihm so sehr verhaßten Rivalen befreit. Er erlitt zwar selbst einen nickt unerheb­lichen Verlust dadurch, der ihn anfangs geschmerzt hatte, aber jetzt ertrug er ihn ruhig, ja selbst mit einer gewissen Genugthuung, denn eines solchen Preises war er wert.

Das Gericht hatte durch einen sachkundigen Mann die Bücher des Geschäfts Damken durchsetzen Md revidieren lassen, und da es sich herausgestellt, daß es unmöglich war, den eiugegangemn Verpflichtungen nachzukommeu und die Wechsel einzulosen, so wurde öffentlich der Konkurs des Hauses Damken bekannt gemacht uud seine Gläubiger wurden aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. — Jetzt erst stellte stch die Größe der Schulden, welche teils durch Damkens Leichtsinn, teils durch Kleusers unglückliche Spekulationen und Betrügereien auf dem Hause Damkens lasteten, heraus. Wechsel im Betrage von über huudertuudfiebenzig Tausend Thalern, welche früher oder später fällig waren, wurden angemeldet, und von diesen waren allein in BuchmanuS Händen über fünfzig Tausend, Tie Bücher wiesen außerdem noch die bedeutende Summe von fünfundsechzig Tausend Thalern Schulden für unbezahlte Warenposten nach, und Letzingen endlich meldete die dem Handelsherrn dargeliehene Summe von fünfundzwanzig Tausend Thalern Passiva, gegen welche die vorhandenen Aktiva fast verschwanden. In den Warenlagern fanb sich