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Rr. 152.

Marburg, Sonnabend, 2. Juli 1887.

XXII. Jahrgang.

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grirdeint täglich außer an gBerttogen nach Sonn- und «vertagen. Quartal- Monnements-Preis bei der Expedition 2/t Mk.. bei bcn Postämter 2 Mk. 50 Pfg. lexcl. Bestellgeld). »nsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg , Lellamen für die Zeile 25 Pfg.

GerMchk jeitmig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annvncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Gaffet, Magdeburg und Wien; Rudolf Blosse in Frankfurt a. M., Berlin München und Köln; G- L. Taube und Go. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition Martt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.

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DieOberhessische Zeitung" erscheint von jetzt ab in erheblich vergrößertem Format unter Bei­behaltung ihrer seitherigen Gratis­beiblätter und zu ihrem seitherigen Abonnements-Preis.

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Im Feuilleton kommt nach dem Schluß der gegen­wärtigen Erzählung der höchst spannende Original- Roman :

Unter einem Dache

von Karl Hartmann-Plön

| zum Abdruck, sowie im Erzähler nach Schluß der gegenwärtigen Novelle ein höchst interessanter Abschnitt L aus der

I Geschichte Marburgs.

Den Abschlust der deutsche» Sozialgesetzgebung soll bekanntermaßen das Gesetz, betreffend die Arbeiter-, i Alters- und Jnvalidenversorgung bilden, nachdem das Krankenkassen- und das Unfallversicherungsgesetz vor- : ausgegangen sind. Es wird für den Arbeiterstand

heute viel gethan; weite private Kreise haben ihre

Thätigkeit in den Dienst der Bestrebungen zur För­derung des Arbeiterwohles gestellt, und wenn ein- - zelne sozialdemokratische Agitatoren dies alles für nichts erklären, so schlagen sie einfach der Wahrhejj ; ins Gesicht. Die Arbeiter stehen heute ganz anders da, als vor zwanzig Jahren; freilich nicht jedermann hat das glückliche Geschenk der Zufriedenheit in die Wiege gelegt erhalten und in seiner Mißstimmung i bemüht er sich, auch andere unzufrieden zu machen, j Zugestanden muß indessen werden, daß alle Thätigkeit

zu gunsten des kräftigen Arbeiters in vielen Fällen noch nicht die Frage beseitigt, was soll werden, wenn der Mann alt geworden ist? Selbständig kann nicht jeder werden, nicht jeder auch so viel erübrigen, daff er davon im Greisenalter ein bescheidenes Dasein fristen kann. Die Masse der alten Arbeiter wird zudem erst noch kommen; denn erst seit 1870 haben

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vicht selbst bloszustellen. Das war es, was ihn nach allen Seiten hin störte. Er konnte die Flucht auch nicht zur Anzeige bringen und gleichwohl sah er ein, daß, je länger diff Flucht verborgen bliebe, der Ge­flohene um so »ehr Zeit gewönne. Ihm blieb nur das eine Mittel übrig, Kleusers Flucht und den Stand des Hauses Damkeu durch einen vertrauten Gefährten verbreite» zu laffeu, er selbst konnte bann immer noch genug thuv, um diesem Gerücht die all­gemeinste Verbreitung zu verschaffen.

Für Samten war es auf diese Weise unmöglich, Kleusers Flucht geheim zu halten, und es lag auf der Hand, daß er die Hülfe der Polizei in Anspruch nehmen werde, um den Flüchtigen zu erreichen.

Polenz hatte sich nicht getäuscht. Was er bezweckt hatte, sah er erreicht, nur entsprach der Erfolg seinen Wünschen nicht.

Auf diese Weise waren die öerschiedensten Ge­rüchte in der Stadt verbreitet worden und hatten das größte Aufsehen erregt, ehe Damken selbst noch ttv Wort davon erfahren. Zugleich hatte der Agent

aber auch den Zweck damit verbunden, den Sturz des Hauses Damken dadurch zu beschleunigen und

Durch eigene Schuld.

Ei» Original»Roman au8 der Handelswelt von

Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Er hatte ihn so gering geachtet und geglaubt, daß er ein willenloses Werkzeug in seinen Händen sei, und nun sah er sich von »diesem Menschen betrogen und ' getäuscht, besiegt an Schlauheit.

Er hatte jede Hoffnung aufgegebev, in den Besitz des Geldes zu kommen, das Kleuser ihm versprochen; aber er gönnte es auch ihm nicht. ES würde ihm eine Freude und Genugthuung gewesen sein, hätte er ihn wie einen Verbrecher zuröckbrivgen sehen.

Poleuz würde vielleicht die Spur des Geflohenen aufgesnvden haben, hätte er feine Nachforschungen nicht ganz im Geheimen betreiben müssen, um sich

sich die Arbeitskräfte fo ungeheuer vervielfacht, hat sich der Strom der Arbeiter der Industrie zuge­wendet. Vorher bestand in Deutschland eineaeit geringere Teilnahme am Weltmarkt, und war dem­gemäß auch die Zahl der Arbeiter weit geringer, als gegenwärtig, wo Hunderttansende von der in die Mannesjahre getretenen Industrie beschäftigt werden.

Ein sorgenfreies Alter. Das ist eigentlich der Kernpunkt der ganzen sozialen Frage. Der Berg der Unzufriedenheit, der jetzt besteht, würde in sich selbst Zusammenstürzen, wenn jeder Arbeiter wüßte, dich erwarten sorgenfreie Tage, wenn deine Kraft ein­mal erlahmt Es würde dann allerdings auch nicht an trägen Leuten fehlen, die glaubten, sich das Leben schon bei Zeiten bequem machen zu können, und die Sparsamkeit für einen überflüssigen Luxus erachten würden. So etwas darf nicht durch die Aussicht auf ein ruhiges Alter geschaffen werden; es bedeutete das eine Lähmung der Arbeit statt einer Kräftigung, die doch erreicht werden soll. Ein zweite, noch schwierigere Frage ist die der Aufbringung der Kosten. Wer soll sie be­zahlen? Arbeitgeber oder Arbeiter könnten nun wohl noch zu einer gewissen Beitragsleistung auf dem Wege des Gesetzes zu einer Arbeiteraltersversorgung ange­halten werden, aber diese Beiträge werden nicht ge­nügen, wenn dann Tausenden von Arbeitern nach eingetretener Arbeitsunfähigkeit ein entsprechender Zu­schuß zum Leben gegeben werden soll. Der Zuschuß darf nicht so groß sein, daß die Aussicht darauf die Trägheit erweckt, aber auch nicht so gering, daß es zum Sattessen zu wenig, zum Verhungern zu viel ist. Vor allem aber muß die Altersversorgung beim richtigen Zeitpunkt beginnen. Man kann nicht alle Arbeiter über einen Leisten messen; der mit geschwäch­tem Körper kann nicht so lange arbeiten, als ein anderer, der ein halber Riese ist. Ein bestimmtes Jahr verschreiben zu wollen, von welchem ab erst die Jnvalidenversorgung beginnen soll, ist also un­möglich. Will man aber die Gesamtkosten völlig der Industrie und den Arbeitern auflegen, wird es an lebhaften Protesten sicher nicht fehlen; dazu sind auch die Zeiten nicht.

Die Frage des Llltersversorgungsgesetz ist schwie­riger als Krankenkasse und Unfallversicherungsgesetz zusammengenommen, mithin die Kernfrage wird immer der Geldpunkt bleiben. Ohne eine bedeutende Summe geht die Sache absolut nicht. Bon Seiten der Reichs­regierung ist schon widerholt angekündigt, daß das Gesetz über die Altersversorgung in seiner Ausar­beitung fast beendet ist und den Reichstag bald be­schäftigen wird, und eine harte Arbeit wird es sicher werden. Das Unfallversicherungsgesetz beanspruchte mehrere Sessionen und verschiedene Umarbeitungen und auch in diesem, Falle wird es nicht viel anders werden. Die Hauptsache ist, wie wird sich der Reichs­tag zur Geldfrage stellen? Ein Reichszuschuß wird

Damke» jede Möglichkeit zu rauben, dasselbe noch einige Zett aufrecht zu erhalten. Durch diesen un­erwartet schnellen Fall sollte ober endlich, und das war seine vorzügliche Absicht, Buchmann überrascht werden, und dies war ihm gelungen.

Buchmanu war durch die Flucht KleuserS, welche er sogleich erfahren batte, unangenehm überrascht. Er hatte das Haus Damken stürzen wollen, ohne selbst erhebliche Verluste ,u erleiden. Er hatte nicht geglaubt, daß dies alte Geschäft sckon so völlig ge­brochen und haltlos fei, jetzt sah er ein, daß er sich durch seinen Plan selbst eine Grube gegraben. Ein nicht unerheblicher Teil der Wechsel, welche er auf das Haus Damkeu in Händen hatte, waren jetzt ohne alle Deckung, er mußte sie einbüßen oder sich wenigstens mit geringen Prozente» begnügen.

Er war her festen Ueberzcugung, daß Kleusers Flucht mit Damkens Einwilligung geschehen sei, um für Beide gemeinschaftlich eine Summe zu rette n. Der Umstand, daß Kleuser noch an demselben Tage fünfundzwanzig Tausend Thaler von Damken er­halten hatte, befestigte ihn in diesem Glaube», denn als Kaufmann war es ihm undenkbar, daß Damken sich so wenig um fein Geschäft bekümmert hätte, wie eS allerdings der Fall gewesen war. Er hatte Damken von jeher gehaßt, fitzt traf ihn seine Erbitterung noch im erhöhten Maßstäbe.

So leid eS auch Vielen that, daß das alte Geschäft Damken, das sie stets nur als durchckus solid und reell gekannt hatten, fallen werde, mit seinem Besitzer fühlten wenige Mitleid. Alle kannten seinen Stolz und wußten, daß er es durch seine leichtsinnige Ver­schwendung verschuldet hatte.

Nur ein Mann in der Stadt gab es, der diese Gerüchte mit tief mitfühlendem Schmerz vernommen batte, der sich von ihnen betroffen fühlte, als ob sie sein eigenes Lebensglück vernichtet hätten, das war der alte Steider. Still und traurig saß er auf seinem Zimmer und es war ihm, als müsse es nun auch mit seinem Leben zu Ende gehen. Alle seine

ganz sicher in Aussicht genommen werden; von der Höhe und der Leichtigkeit, denselben aufzubringen, wird alles weitere abhängen.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Juni. Der Kaiser machte gestern abend eine zweite Spazierfahrt und war dann bis 9 Uhr im Schauspielhause. Der Kaiser empfing heute vormittag den Oberhofmarschall Grafen von Perponcher, den Kriegsminister Bronsart v. Schellen­dorf und den General von Albedyll und machte mit­tags eine Spazierfahrt. Später hat bei Sr. Majestät der Staatssekretär Graf von Bismarck Vorttag. Der Kaiser empfing heute vormittag in Gegenwart des Staatssekretärs Grafen Bismarck den bisherigen griechischen Gesandten Rangabs in Abschiedsaudienz. Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwürfen, betreffend die Zuckerbesteuerung und die Unfallversicherung der Seeleute mit den vom Reichstage beschlossenen Aenderungen zu und überwies die vom Reichstage bei Beratung des Branntwein­steuergesetzes beschlossenen Resolutionen dem Reichs­kanzler. Durch Allerhöchste Ordre vom 20. Juni ist bestimmt, daß die Tierarzneischulen in Berlin und Hannover fortan die Benennungtierärztliche Hoch­schule" führen sollen. Die neue Reichsanleihe soll im Betrage von 100 ^Millionen Mark am 5. Juli zur Subskriptton aufgelegt werden, und zwar wahr­scheinlich zum Kurse von 99 Prozent. Auch alle Reichsbankstellen sollen Zeichnungen annehmen. Die Dauer der Subskription ist auf den Tag beschränkt worden. Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwürfen betreffend die Besteuerung des Zuckers und betreffend die Unfallversicherung der Seeleute mit den vom Reichstage beschlossenen Aenderungen zu und überwies die vom Reichstage bei der Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Branntwein - Besteuerung beschlossene Resolution dem Reichskanzler. Zu der Nachricht französischer Blätter, daß zwischen der französischen und der deutschen Re­gierung Verhandlungen behufs Freilassung des vom Reichs,,ericht verurteilten Köchlin-Claudon stattfinden und letztere bald zu erwarten wäre, bemerkt die Kreuzzeitung": Was die von Frankreich unternom­menen Verhandlungen betrifft, so können sie allerdings nicht in Abrede gestellt werden. Von einer baldigen Freilassung des Genannten kann, wie wir hören, nicht die Rede sein. Die Pariser Presse würde sie der deutschen Regierung nur als indirektes Zugeständ­nis eines begangenen Fehlers oder als Schwäche aus­legen, obschon die §§ 91 und 102 des Reichsstraf- gefetzbuches dies widerlegen, von welchen aber die Leser der chauvinistischen Hetzblätter keine Kenntnis erlangen. Allein es steht zu vermuten, daß man in dieser Frage schließlich zu einem Verfahren ähnlich dem in der Landesverratssache des dänischen Kapitäns Sarauw gelaugt, das will sagen, dem Köchlin-Claudon

Hoffnungen, alle seine Mühen sah er nun mit einem Male vernichtet, sein ganzes Leben erschien ihm als nutzlos und vergeblich. Was hatte er damals ge­wonnen, nun daS alte Haus zu Grunde ging?

Vergeb ns hatte er nach einem Rettungsmittel gesucht, er hatte seinen alten greifen Kopf angestrengt, aber er fand nichts, keine Rettung, ft ine Hilfe. Er barg daS Gesicht in den Händen und gab sich eine Zeit lang ungestört seinem Schmerze hi». Dann fuhr er wieder unruhig in die Höhe, der Gedanke ergriff und trieb ihn, daß er helfe» müsse, und mit peinigender Angst suchte er »ach einem Mittel, nach einer Hülfe vergebens. Das Schuldenmaß des stolzen, leichtsinnigen Handelsherr» war bis zum Rande gefüllt; noch ein Tropfe» hinzu, nur eine leise, kaum bemerkbare Erschütterung und eS mußte über­fließen und dann war alles zu spät.

Es trieb den Greis, zu Damkeu zu eilen und ihm In der Stunde der Not helfend beizustehen; aber war er denn im Stande, Hilfe zu bringen, konnte er hoffen, daß der stolze Handelsherr feinen Beistand annehmen werde? Konnte er ihm nicht wieder wie einst jenes schreckliche Wort entgegenrufen: Ich bedarf Ihrer nicht, eS bleibt dabei, was ich Ihne» einst gesagt habe!" Der Gedanke an dieses Wort raubte ihm allen Mut, den» es schnitt ihm tief ins Herz hinein, mochten auch bereits Wochen und Monate seitdem bei flössen sei».

Er hatte fast den ganzen Tag Über gehofft, daß Gabriele zu ihm kommen werde, auch der Gedanke war in ihm aufgetaucht, daß der Handelsherr selbst komme» könne, um feine Hülfe in Anspruch zu nehmen. Er lächelte zwar darüber, weil er ihn kannte, weil er wußte, daß er nie einen solchen Schritt thun werde. Und wenn er eS nun dennoch thäte, wenn er in der Stunde der höchsten Not zu seinem alten Diener käme und spräche:Steider, helfen Sie mir, retten Sie mein Haus! Die äugen des alten Mannes leuchteten hell bei diesem Gedanken und eine selige Freude erfüllte ihn, es war ja die schönste Geuug-

einen Teil seiner Strafzeit im Gnadenwege erläßt, sofern er von dem Betreffenden betreten wird, woran wohl kaum zu zweifeln ist.

Deutschland und Frankreich", unter dieser Ueberschrist schreibt dieN. R.-C-": Unsere Nachbarn im Westen sorgen trefflich dafür, daß Deutschland sich nicht in trügerische Ruhe und Sicherheit einwiegeD läßt. Kaum, daß die Beseittgung des Generals Bo 5 langer in Verbindung mit der Mäßigung, welche Deutschland in dem Falle Schnäbele bewies, die Hoff­nung auf eine ruhigere Gestaltung der Verhälnisse in Frankreich wach werden ließ, regt die Verurteilung der reichsländischen Mitglieder der Patriotenliga wegen Landesverrats die öffentliche Meinung daselbst bis zur Glühhitze aus. An sich ist zu dieser Erregung nicht der mindeste Anlaß vorhanden; denn es ist völlig selbstverständlich, daß der Angehörige eines Landes, welcher einer ausländischen auf Abreißung eines Teiles desselben gerichteten Verbindung angehört, sich des Verrats schuldig macht und mit Recht dem Straf­richter verfällt. Die Franzosen selbst würden Be- wohner von Nizza und Savoyen, welche sich einer etwa in Italien bildenden Vereinigung mit dem Ziele der Wieberabtrennung dieser Landesteile von Frankreich anschlössen, unzweifelhaft und ganz mit Recht, als Landesverräter behandeln. Wenn sie gleich­wohl in dem entsprechenden Vorgehen Deutschlands eine Herausforderung erblicken wollen, so liegt der Grund eben darin, daß sie noch immer die Wieder­vereinigung von Elsaß-Lothringen mit dem Reich nicht als den daraus und zu Recht bestehenden Zustand anerkennen wollen, sondern in dem Gedanken sort- leben, daß der Wiederanschluß dieser Landesteile an Deutschland nur ein rein thatsächliches Verhälnis sei, dessen Abänderung Frankreich herbeiführen könne oder gar müsse, .sobald es nur die nötige Macht dazu be- ffitze. Es ist klar, daß, so lange die Franzosen sich in dieser Anschauung gefallen, die Erhaltung des Friedens nur so lange gesichert ist, als sie nicht die Stärkeren zu sein glauben. Mehr denn je zeigt sich daher jetzt wiederum, in wie hohem Maße die Stärkung der Wehrkraft und der Finanzen des Reiches, wie sie in dem letzten Reichstage herbeigeführt worden, die Voraussetzung für die Erhaltung des Friedens bildet. Die Entschlosfenheit, mit welcher Deutschland die An­forderungen erfüllt, welche im Interesse der militäri­schen Kraft des Reichs an die persönliche und finan­zielle Leistungsfähigkeit seiner Bürger gestellt werden mußten, hat die Kriegslust rasch abgekühlt, welche Anfang des Jahres den Frieden gefährdete, und die Stellung des Hauptträgers des Revanchegedankens erschütterte; verharrt Deutschland in der gleichen Ent­schlossenheit, für seine Sicherheit nach Außen zu sorgen, und läßt es zugleich mit der nämlichen Entschieden­heit seine feste Absicht erkennen, Elsaß-Lothringen zu behalten, so wird auch jetzt der tobende Sturm sich legen, ohne den Frieden zu gefährden. Allein er lehrt

tuung für feine langen und treuen Dienste und für das Unrecht, das er erduldet hatte. Aber alle diese Gedanken schwanden, sobald er sich an Damkens un­beugsamen Stolz erinnerte.

In diesem Augenblick hörte er rasche und kräftige Männerschritte auf der Treppe, sie näherten sich feiner Thür ha, wen» seine Gedanke» dennoch zur Wahr­heit würde», wen» es Damke» wäre, um ihn zurück- zurufen!

Das Herz des Greises schlug unruhig und rasch. In fast bebender Erwartung hielt er die Augen auf die Thür gerichtet. Sie wurde ungestüm geöffnet und eine schlanke Männergestalt trat ein. Die starke Dämmerung hinderte den Alten, den Eingetretenen sofort zu erkennen. Er suchte die Dämmerung mit feinem Auge zu durchdringen ja, der Gestalt nach konnte eS Damken sein!

Da eilte der Eingerittene mit geöffneten Armen und dem Rufe:Mein Onkel, mein Vater!" auf ihn zu und schloß ihn fest in seine Arme.

Ein freudiger Schreck hatte den Greis erfaßt. Er hatte die Stimme erkannt, aber zu unerwartet war ihm die Ueberraschuug gekommen.

Hermann, Hermann, mein Sohn!" rief er, indem er den jungen Mann fest an feine Brust preßte und ihn auf Mund und Stirn küßte. Er hätte laut auf- jnbcln mögen, nun er den an seinem Herzen hielt, nach dem er sich so sehr gesehnt. Nun war eS ihm, als ob noch nichts verloren sei, als ob jetzt »och alles einen guten Ausgang nehmen müsse.

Ich habe Dich überrascht, mein lieber Onkel?" fragte Hermann, indem er sei» Haupt emporhob und dem Greis in die alten, Heben äugen blickte.Du hast mich »och nicht erwartet?"

Nein, nein, ich habe Dich noch nicht erwartet," entgegnete der Alle mit vor Freude bebender Stimme, aber ich habe mich unendlich »ach Dir gesehnt. Gott habeDauk, daß erDich jetzt hat zurückkebren last'"

Und glücklich bin ich' zurückgekehrt, List' Hermon».DaS Glück ist mir günstig '