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Marburg, Sonntag, 26. Juni 1887
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Illustriertes Sonntagsblatt.
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Prozentigen Anleihe im Gesamt - Betrage von 1004 970 Mark Die Tilgung erfolgt durch die Reichsetat dazu bestimmten Mittel; dem Reiche
der nächsten Sitzungen des Bundesrats wird die Gesetzentwürfe, betreffend die Unfallver-
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Mellenden Frist die Anleihe zu kündigen. Die eihe ist bestimmt zur Deckung der Kosten des Anschlusses von Hamburg und Bremen, des Nord-
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t, UM Kleuser die beiden dunkeln stechenden i erkennen zu lassen, welche auf ihn gerichtet waren, ir einen Augenblick zitterte er und die Bläffe ichreckevS überzog seine Wangen, als er diese» । erb. .re. Seine Absicht konnte ihm nicht ver- l bleiben, er wollte ihn beobachten, und sich wie surie au seiue Fersen heften. Er überwand Schrecke» indeß schnell und da» bittere Lächeln, I um seinen Mund zuckte, verriet, daß er fest
entschlossen war, seinen Gegner zu täuschen. Er stellte sich, als ob er Poleuz nicht bemerkt habe. Mit lauter Stimme verlangte er ein Billet zweiter Klasse nach M. und trug einem Packtröger auf, für seinen Koffer Sorge zu tragen.
Polenz glaubte sich nicht erkannt, das ruhige Wesen Kleusers täuschte ihn. Wie ein Schatten folgte er ihm, indem er sich selbst stets im dunkeln verborgen hielt. Seine Augen blieben fortwährend auf den Boden geheftet. Erft als Kleuser in den Wagen eingestiegen, als die Thür desselben hinter ihm geschloffen war, als bereits das Signal der Abfahrt ertönte, schlüpfte Polenz noch rasch in die offen gehaltene Thür eines anderen Wagens.
Aber Kleuser hatte ihn bemerkt, als er über de» erleuchteten Perron eilte. Der Zug setzte sich in Bewegung und jetzt erst athmete er freier auf. Polevz wollte ihm allen Anschein nach bis M. folgen; das war ihm erwünscht, ja für seinen Plan günstiger, als er gehofft hatte, den» Polen; fürchtete er vor allen am meisten. Er wußte, daß er nur ein Spielball in der Hand dieses Mannes war, sobald er seine Ruhe verlor.
Auch Polenz wurde ruhiger, als der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte. Jetzt konnte ihm Kleuser nicht mehr entfliehen, jetzt war er fest entschlossen, ihn nimmer ans den Augen zu lassen, bis er die zehntausend Thaler empfangen hatte. Er war fest überzeugt, daß Kleuser ihn zu betrügen beabfichttge, >aß er über M. zu fliehen beschlossen habe, um seine Feinde zu täuschen und auf eine falsche Spur zu ffhren, um so mehr freute es ihn, daß er diese Spur entdeckt zu haben glaubte und ihm nachfolgte wie ein Schweißhund der Fährte des fliehenden Wildes.
Polen; rieb sich vergnügt die Hände. ’ „Nur Ge. >»Ib Herr Kleuser," rief er in Gedanke», »nur Geduld, Du entgehst mir nicht. Auch in M. werde ich mich vor Deinen Blicken verbergen, aber auch nicht eine» Augenblick werde ich Dich ans meinen Auge» lasten. Ich werde schon erforschen, welchen Weg Du
Neubildung auf einmal vornehme, die größte Schonung des Stimmbandes gewährleistet und demgemäß auch der größtmögliche Erfolg für Erhaltung der Stimme zu erwarten sei.
Breslau, 24. Juni. Der „Schles. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Der Kardinal - Staatsserketär Rampolla richtete an den Weihbischof Gleich für das Breslauer Domkapitel ein Schreiben, in welchem es heißt: Nach Erwägung aller sachlichen und persönlichen Berhältniffe dieser Diözöse und unter Berücksichtigung der ausgezeichneten Verdienste des Bischofs Kopp in Fulda, sowie seines Talentes, seiner Klugheit und Frömmigkeit, endlich auch auf Empfehlung mehrerer Bischöfe Deuffchlands hat der Papst zu keinem anderen Zwecke, als zur Beförderung der Ehre Gottes und des Heiles der Seelen der Gläubigen es für gut befunden, unter Hintansetzung der Vorschlagsliste des Kdpitels den nunmehr schon so lange verwaisten Bischofssitz mit dem Oberhirten Kopp zu besetzen. Dieses beeile ich mich, Dir anzuzeigen, damit Du es dem Domkapitel mitteilst, in der Ueberzeugung, daß der Enffchluß des Papstes allen erfreulich und willkommen sein wird.
Mönche», 24. Juni. 200 liberale Wahlmänner beschlossen, im ersten Wahlgange als Landtagsabgeordnete die Herren von Schauß, Hübler und Frhr. von Stauffenberg aufzustellen. Für die beiden anderen Münchener Sitze werden sich die liberalen Wahlmänner morgen schlüssig machen. — Der Regierungsdirektor von Oberbayern Kopp ist zum Regierungspräsidenten von Schwaben ernant worden.
Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
ichelnd und zugleich besorgt blickte ihm Pauline »ach. Sie hatte indeß keine Zeit, dieser Be- ir jetzt Raum zu geben, sie mußte zu der Geäst zurückkehren.
He ein Verfolgter stürmte Kleuser über den stur und zum Hause hinaus. Seine Aufregung de» höchsten Grad erreicht. Die Nachtluft wehte
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien, Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin.München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. SM., Berlin, Hannover u. Paris.
sicherung der Seeleute und betreffend die Zuckersteuer, befchlossen werden. Die Anträge des Reichstages über Festsetzung von Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter wurden den Ausschüssen für den Handel und das Justizwesen überwiesen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, daß nach dem Ergebnisse der sofort eingeleiteten Untersuchung das Eisenbahnunglück bei Wansee durch den Betriebsbeamten am Telegraphenapparate veranlaßt worden ist, welche eigenmächtig und ohne die Gewißheit zu haben, daß das Einfahrtsgeleise frei sei, vorschriftswidrig das Einfahrtssignal gegeben hat. Gegen denselben, welcher nach 12stündiger Ruhe erst eine Stunde wieder im Dienste war, ist die straftechtliche Verfolgung eingeleitet worden. Wie bereits mitgeteilt worden ist, werden auf der Strecke Berlin-Zehlendorf zwei weitere Geleise samt Zubehör auf den Bahnhöfen gebaut, wozu die nötigen beträchtlichen Geldmitteln vorhanden sind ; die Strecke ist alsdann viergeleisig. Die „Nordd. Allg. Ztg." versichert, die Regierung werde den sonstigen infolge des in den letzten Jahren außerordentlich angewachsenen Verkehrs hervortretenden Bedürfnissen zweifellos ihr volles Augenmerk zuwenden und ohne Rücksicht auf die Kosten das als notwendig und zweckmäßig Befundene durchführen.
— Nach Anhörung sämtlicher Provinzial-Schulkollegien hat der Kultusminister über die etwaige Ein- sührung der sogenannten Blechmusik in die Seminare sich dahin geäußert, daß zunächst der größte Wert darauf gelegt werden müffe, die Zöglinge der genannten Anstalten in dem durch die allgemeinen Bestimmungen vorgeschriebenen Unterrichte in der Musik.— Gesang, Violin-, Klavier- und Orgelspiel — so zu fördern, daß sie in den Stand gesetzt werden, die in gesanglicher Beziehung ihnen zufallende Ausgabe in der Schule zu lösen und der Kirche mit ihren erworbenen musikalischen Fertigkeiten, soweit dies zu ihrem Amte gehört, zu dienen. Wo ihre Aufgabe voll erfüllt werde, habe der Minister kein Bedenken, daß auch Hebungen mit anderen Instrumenten nebenher stattffnden. Es dürfe jedoch eine Verpflichtung hierzu nicht auferlegt werden und diejenigen Zöglinge, welche in den einzelnen Unterrichts-Gegenständen nicht Genügendes leisten, müßten ausgeschlossen bleiben. Die Uebungen in anderer als der vorgeschriebenen Instrumentalmusik trügen durchaus den Charakter der Freiwilligkeit. Der Minister verkenne nicht, daß diese Musik, wo sie getrieben werde, dem ganzen Anstaltsleben , zumal bei Ausflügen ins Freie, zur Feier patriotischer Feste, bei Turnfahrten und anderen Gelegenheiten zu gute komme, aber für die nächste Aufgabe, welche der Seminar-Musikunterricht zu lösen habe, sei sie ohne Bedeutung. Diese werde nur in gewissem Umfange dem Posaunenblasen zugestanden werden können für gewisse Gegenden, wo es herkömmlich sei, daß der Choralgesang im Gottesdienste, bei Begräbnissen und anderen Anlässen mit Posaunen be-
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gleitet werde. Den Provinzial - Schulkollegien bleibe jedoch überlassen, zu bestimmen, wo diese Uebungen zuzulassen und wo sie nicht zn gestatten seien.
— Zwischen dem englischen Arzt Dr Mackenzie einerseits und den deusschen Aerztekreisen andererseits ist über die Verantwortlichkeit in der Diagnose des Leidens des Kronprinzen eine Polemik ausgebrochen, die uns ebenso taktlos wie bedenklich erscheint und die man wenigstens nicht bei offenen Thüren führen sollte. Dr. Mackenzie hatte dem Vertteter der „Pall Mall Gazette" erklärt, er habe keine Verantwortung übernommen und wolle keine Verantwortung übernehmen in Bezug auf die Natur der Gefchwulst. Hierfür bettachte er Virchow als voll verantwortlich. Gegen diese befremdende Auslassung polemisierend bemerkt die neueste Nummer der „Deutschen medizinischen Wochenschrift": „Ein derartiges Vorgehen dringt Mißtrauen unter die Aerzte und wird zur Quelle von Befürchtungen für die weitesten Kreise, und wir können den Verdacht nicht unterdrücken, als wolle Herr Mackenzie sich dadurch in bequemer Weise den Rücken decken. Es giebt nichts schädlicheres, als dergestalt bei einem verwickelten Krankheitsvorgange jede andere nicht ausgeschlossene Eventualität mit solchem Bewußtsein von sich abzuweisen. Das verstößt gegen die einzig richtige Handlungsweise des Arztes, der auf die reinste Objektivität sich stützen soll. Soweit die pathologische Anatomie im vorliegenden Falle die Handhaben für das Handeln bieten kann, sind dieselben von der berufensten Seite und mit vollster Objektivität gegeben. Nach dem Gutachten Virchows ist die Erkrankung als eine gutartige anzusehen. Weitere Umstande, welche von Einfluß auf das Urteil sein können und denen sich Herr Mackenzie entziehen will, sind nach dem Gutachten nicht ausgeschlossen. Andere Deuteleien sind unpassend. Virchow hat konstatiert, daß in den exstirpierten Stücken nichts vorhanden ist, was den Verdacht einer weiteren und ernsteren Erkrankung hervorzurufen geeignet wäre, und auf diesen Befund darf die deutsche Nation ihre Hoffnungen einer baldigen Genesung ihres Kronprinzen stützen." Bezüglich der ursprünglichen Absichten der deutschen Aerzte erzählt das „Berl. Tgbl.": Es hat sich nach der seitens der Professoren v. Bergmann, Gerhardt und Tobold stattgehabten ersten Konsultation zunächst nicht um eine Resektion, sondern um die durchaus gefahrlose Spaltung (Laryngofissur) des Kehlkopfes gehandelt. Man hat dabei geltend gemacht, daß die intralaryngeale Operation (vom Munde aus) einen ausreichenden Erfolg nicht erwarten lassen könne, indem die schon vor der Emser Kur vorgenommenen Operationen insofern erfolglos gewesen wären, als ein bettächtliches Nachwachsen der Wucherungen zu konstatieren roar,- und Professor Tobold habe speziell betont, daß, wenn man von außen her, also unter Umgehung wiederholter Reizungen des kranken Teiles eine sorgfältige, exakte Abwägung der
: den Verkehr mit Nahrungsmitteln, die Gesetze, essend die überseeischen Post- und Dampfschiffsbindungen, ferner betreffend die Ernennung der germeister in Elsaß - Lothringen, sowie über die lenbung abgeänderter Reichsgesetze auf laudes- llche Angelegenheiten in Elsaß - Lothringen. In
i Einladung.
bevorstehenden O.nartalswechscl Hm wir um rechtzeitige Erneuerung der HKestellunge«, damit in der Ueberseudung
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Ine dunkle Ahnung sagte diesem, daß fein Ver- iLi4i : in der Nähe fti. Fast zufällig wandte er das 67* zurück. Ein Schaffner eilte in diesem äugen» 76» »eben dem lauernden Agenten vorbei, der Schein so* Laterne fiel auf das halb verhüllte Gesicht 83 f. ES war nur ein flüchtiger Augenblick, denn
l trat sofort einen Schritt zurück; aber er hatte
Köchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Exred'tion Markt 21. — Redaktion, Druck und Setlag von Iah. Aug.,.Loch.
von dort eiuschlägst — das ist auch mein Weg. Nicht beim Beginn Deiner Flucht will ich Dich auf» halten — nein, Du sollst Deinen Plan erst für gelungen und Dich selbst in Sicherheit wähnen, sollst in Gedanken über den dummen Polen; triumphieren, der sich wie ein Schulknabe von Dir täuschen ließ — ha, Du sollst mich erst als einen Angeführten und Bltrogenen verlachen — bann, bann will ich Dich mit einem Blick vernichten — Dir soll kein Ausweg mehr bleiben, von meiner Macht unb Gnabe soll Dein Zünftiges Schicksal abhängen. Ha, Du hast mich um bie zehntausenb Thaler betrügen wollen, Du sollst mir noch einmal, ja zweimal so viel geben, ober ich vernichte Dich unb führe Dich als einen Betrüger, als einen erbärmlichen Dieb zurück. Ha, Du sollst keine Wahl mehr haben, wie ein Wurm sollst Du Dich unter meiner Hand krümmen. Du sollst es bitter büßen, daß Du es gewagt hast, mich zu hinter- gehe» unb zu betrügen." z
Mit größter Behaglichkeit günbete er sich eine Zigarre an unb legte sich zurück in bie Ecke beS Koupecs. Er war ja gewiß, baß fein Opfer ihm nicht zn entrinnen vermochte.
Als btr Zug auf ber nächsten Station angelangt war, öffnete er noch ehe ber Zug still hielt, bas Fenster bes Wagens. Er war fest überzeugt, baß Kleuser nach M. fahre» werbe, aber trotzdem wollte er keine Vorsicht versäume», um sich nicht durch ihn äufchen zu lasse». Es lohnte sich schon der Mühe, denn auch für ihn staub viel auf bem Spiele habet.
Unausgesetzt hielt er baS Ange auf das Koupee gericht't in welchem Kleuser saß — aber ber Wagen blieb geschloffen. Niemanb stieg ans. Erst als ber Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, lehnte er sich zurück, znfrieben mit sich unb seinem Thun. .Ich konnte eS mir beule», daß er hier nicht aussteigen würde, so nahe ber Stabt wäre feine Flucht doppelt chwierig", sprach er ;n sich selbst. ,Ha, wenn er ahnte, daß ich ih» so nahe bin!" Er glaubt mit jeher Minute feiner Rettung sich zu näher» unb eilt
iO2» . Schon staub Kleuser auf bem Bahnhof vor l' 51 affe, um sich ein Billet zu lösen, ha trat auch 99] | in bie Thür, doch blieb er absichtlich im In stehen, um sich vor Kleusers Blicke» zu 6er»
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rntufit. rekanals, der Verwaltung des Reichsheeres und I Saai®‘arinc’ zur Vervollständigung des Eisenbahn- - im Interesse der Verteidigung des Landes. — 's Bundesrat hat die Gesetze, betreffend die Brannt- miJ5”"4fteuer und betreffend die Unfallversicherung der w Erlichen Arbeiter, ferner die Gesetze, betreffend die
Durch eigene Schuld.
Hier. 6in Original»Roman aus der Handelswelt von
1C6 stunden vor feiner Thür gewartet hatte und 8S> »tfchlosfen war, ihn nicht aus dem Auge zu ber,
Mrfahrt. — Heute wurde ein Allerhöchster Er- nugeif veröffentlicht, betreffend die Aufnahme einer
.„..•geln gegen Anwendung gesundheitsschädlicher *9*’ Mi, sowie betreffend die Rechtsverhältnisse in den stand. Schutzgebieten und betreffend die Abänderung rtafel : Gewerbeordnung (Jnnnngswesen) in der Form,
Ausland.
Paris, 24. Juni. Die Patriotenliga hielt heute eine Versammlung im Winterzirkus ab. Der Eintritts- preis betrug 50 Centimes. Der Saal füllte sich sehr allmählig. Deroulsde wurde mit stürmischem Beifall begrüßt. Eine sozialistische Liga der Antipattioten streute Zettel aus, die gegen die kriegerische Propaganda protestiert. Der Urheber Biman wurde hinausgeworfen. Deroulöde erklärte, die Liga wolle nicht den Krirg, sie protestiere blos gegen die ungerechte Annexierung des Elsaß und bereite Frankreich für alle Fälle vor. Die Familie Köchlin habe ihn gebeten, jegliche Manifestation zu unterlassen, da jedoch der in Leipzig verurteilte Köchliu-Claudou nicht nur seiner Familie, sondern Frankreich angehöre, habe er das Ansuchen abgelehnt. Delonele schildert den Leipziger Prozeß. Das Urteil sei gegen den deusschen Sttafkodex. Er protestiert gegen das Verbot der Trikolore nnb der Marseillaise im Elsaß. Frankreich sollte nicht zugeben, daß eine fremde Macht feine Farben verfolge. (Applaus.) Deroulöde schließt die Versammlung mit dem Ruf vive Boulanger, vive la Patrie. Eine Masse Zuhörer durchziehen die Boulevards, vive Boulanger schreiend. Die Polizei verhaftete einige. Während der Versammlung wurden
doch nur feinem Verderbe» entgegen." Wieder gab er sich in völliger Ruhe unb Sorglosigkeit feiner Bequemlichkeit hi», bis der Zug auf einer neue» Station stillhielt. Wieder ließ er de» Wagen, in welchem Kleuser saß, keinen Augenblick aus den Auge» — er blieb wie das erste Mal ungeöffnet
Müdigkeit senkte sich auf seine Augen, denn er war den ganzen Tag über unablässig thätig gewesen, aber mit Gewalt verscheuchte er den Schlaf, um sich nicht in feiner Wachsamkeit störe» zu lasse». Bon Station zu Station beobachtete er Kleusers Wagen mit derselben Aufmerksamkeit unb ließ sich keine Mühe verbrießen. Er würbe es sich nie vergebe» habe», wen» Kleuser ihm burch feine Achtlosigkeit entschlüpft wäre.
Der Morgen hämmerte bereits, als ber Zug endlich in M. anlangte. Kaurn hielt er still, als der Agent ans bem Wage» sprang, um Zett zu gewinne», Kleuser zu beobachte» unb sich selbst zu verbergen. Mit großer Spannung blickte er auf beu Wage», in welchem Kleuser saß. Der Schaffner öffnete bie Thür — aber niemanb trat aus berfelben.
Er war überrascht. Vielleicht hatte ihn Kleuser bemerkt unb zögerte nun, ben Wagen zu verlassen — vielleicht war er auch eingeschlafcn unb hatte bie Ankunft unb baS Stillstehen des Zuges nicht bemerkt. Das Letztere schien ihm jeboch baS Wahrscheinlichste zn sei». Einen Augenblick war er unschlüssig, was er ihn» sollte — bann schritt er vorsichtig an ben Wagen heran, nm sich zu überzeugen. Er trat nahe jeran, warf einen Blick in bas Koupee nnb fuhr er- chrocken zurück, eS war leer.
Er konnte sich nicht geirrt haben, benn das herein» »rechende Tageslicht erhellte ihn hinreichend. Ein Gedanke stieg in ihm auf — ha, wenn Kleuser ihn erkannt nnb, um sich vor ihm zu verbergen, sich unter »er Bank versteckt hätte! Entschlossen trat er in baS Koupee — untersuchte ben Raum unter ben Sitze», auch er war leer. Erschrocken blieb er einen Augenblick nneutschlossen stehe». Er war inbeffeu nicht ber
ss unb kalt — sie that ihm wohl, benn sie kühlte ourge t Stirn nnb bie erhitzte» Wange». Ohne sich 40. «schaue», eilte er rasch zum Bahnhof.
Sine in einen Mantel gehüllte Gestalt folgte ihm, _ fbaß er eS bemerkte. Es war Polenz, ber schon
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fit Unterbrechung statt findet.
Die „Oberhessische Zeitung" ,'cheint von jetzt ab in erheblich j IlMößertem Format unter Bei 1 EMHaltung ihrer seitherigen Gratis- Blätter und zu ihrem seitherigen ___—Honnements-Preis.
• Auf dem Lande werden von allen Post- aphie w Bestellungen angenommen, in Kirchhain h unserer Agentnr und hier von unserer »edition. Neu zugehende Abonnenten in chhain und hier erhalten bis znm 1. Juli Zeitung gratis.
Marttf Deutsches Reich.
„ b Berlin, 24. Juni. Ter Kaiser hat die ver- ILttterun Nacht gut geschlafen. Heute nachmittag wiahm der Monarch zum erstenmale wieder eine
che sie im Reichstage erhalten haben, genehmigt, .^vnnt Allerhöchsten Vollziehung werden vorgelegt werden I. 45 31 Gesetz, betreffend die Abänderung des Gesetzes