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Marburg, Freitag, 24. Juni 1887.
xxn. Jahrgang.
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Nach dem Reichstagsschlutz.
Der Schluß der Retchstagssession hat mit einem schlage eine plötzliche und große Stille im inneren politischen Leben herbeigeführt; es folgen noch Betrach- ungen über den Verlauf der Reichstagssession, über Ijre Resultate und die den Schluß bildende kaiserliche Zotschaft, aber im übrigen ist alles still, das politische !eben weicht der Hundstagsruhe. Der Reichstag hat
... den letzten acht Tagen seiner eben geschlossenen "Eejfton mit einer bisher unerhörten Schnelligkeit ge- sind weit mehr Gesetzesvorlagen fertig ^^-^Äcstellt werden, als sich vorher annehmen ließ. Freilich R allen ist die Zustimmung der verbündeten Re- ' greift Zungen gesichert, und dies gilt besonders von dem
ämstbuttergesetz und von den Arbeiterschutzanträgen. Lagegen erfolgte über die Jnnungsvorlage noch wider stwarten eine Einigung, indem die Reichstagsmehrheit >ie dem Bundesrat nicht genehmen Kommissionsbe- , chliisse, welche direkt die Einführung der Zwangs- mung erstrebten, wieder umstteß. Dabei hat sich «tut mit voller Deutlichkeit gezeigt, daß für die obli- h «torischen Innungen zur Zeit wenigstens im Bundes-
4l>te keine Mehrhe'i vorhanden ist und daß diese wünsche vorläufig auf eine Erfüllung nicht zu rechnen
1 iben. Die Bemühungen zur Hebung des Hano- .........." rtkerstandes werden sich also anderen Richtungen Udil-k wenden müssen. Unsicher ist, wie gesagt, auch die
" ukunft der Arbeiterschutzanträge, namentlich wegen „ J r Reichstagsbeschlüsse über die Frauenarbeit. Mögen e>e nun auch für die Praxis etwas zu weit gehen, ^wünschenswert wäre ihre Annahme deshalb, damit
>al ein Anfang nach dieser Richtung gemacht wird, ilverkad der Reichstag zu scharf ausgedrückt, kann ja in kt, ——————————.
der Ausführung gemildert werden. Ohne Ausnahmebestimmungen geht es doch nicht ab.
Die beiden Steuergesetze, Branntwein- und Zuckersteuer, sind vom Reichstage abgeändert worden, aber natürlich besteht nicht der geringste Zweifel, daß der Bundesrat beide Vorlagen nach den Reichstagsbeschlüssen annimmt. Es wird das wohl in dieser Woche noch geschehen, denn am 1. Juli tritt bekanntlich die Erhöhung der Maischraumsteuer, die Verdreifachung der Ausfuhrvergütung, die Einschränkung des Brennereibetriebes bereits in Kraft. Man hat es sich im Reichstage weder in Abgeordnetenkreisen, noch in denen der Vertreter der verbündeten Regierungen verhehlt, daß die Ausführung der Branntweinsteuer mit manchen Mißhelligkeiten verknüpft ist. In gewissem Sinne ist das ja bei jedem neuen Steuergesetz der Fall, aber hier tritt dieser Punkt noch schärfer zu Tage, und deshalb hat sich auch wohl der Finanzminister von Scholz veranlaßt gesehen, das Versprechen abzugeben, die Ausführung des Gesetzes solle mit möglichster Schonung gehandhabt werden. Die schlimmste Stelle in dem Branntweingesetz ist der § 43, der über die Nachsteuer, die von allem am 1. Oktober im Umlauf befindlichen Branntwein erhoben werden soll mit 30 Pfennigen pro Liter reinen Alkohols, soweit nicht Befreiungsbestrmmungen ein- tteten. Ueber diesen Paragraphen und seine sehr tief einschneidende Wirkung herrscht im Publikum noch manche irrige Auffassung, und es wäre gewiß sehr wünschenswert, wenn die noch zu erwartende Verordnung des Bundesrates über die Erhebung der Nachsteuer nicht erst im letzten Moment, sondern bei Zeiten erscheinen wollte. Mancher Geschäftsmann wird dadurch in die Lage versetzt, den Verhältnissen Rechnung zu tragen und sich vor unnützen Steuerausgaben zu bewahren. Außerdem wird auch der Neigung zu Defraudationen, an welcher es bei keiner neuen Steuer zu fehlen pflegt, vorgebeugt.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juni. Der Kaiser hatte eine recht gute Nacht und war gestern von 12 Uhr mittags bis 91/* Uhr abends außer dem Bette. Heute nachmittag erscheint der Wirkliche Geheime Kabinettsrat von Wilmowski zum Vortrage. Um 5 Uhr diniert Se. Majestät gemeinsam mit der Großherzogin von Baden. — Der „Post" zufolge dankte der Kaiser dem Staatssekretär von Bötticher in einem eigenhändigen Schreiben für die Ausführung des kaiserlichen Auftrages an den Reichstag und sprach die Erwartung aus, daß seine Worte auf den Reichstag den beabsichtigten Eindruck gemacht haben möchten. Ferner dankte der Kaiser dem Minister für die würdige und erhebende Anordnung der Grundsteinlegung in Kiel und bemerkte dabei, wenn er auch darunter habe leiden müssen, so habe es ihn doch mit Genug- thuung erfüllt, der nationalen Feier beigewohnt zu
haben. — Mit Rücksicht auf den leidenden Zustand des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck ist demselben ärztlicherseits thunlichste Enthaltung von den Geschäften vorgeschrieben worden. Dem Fürsten dürfen daher während seiner Abwesenheit von Berlin keine Schriftstücke vorgelegt oder nachgesandt werden, so daß auf eine Beantwortung derselben nicht zu rechnen ist. — Der „Nordd. Allg. Ztg." wird von Berlin berichtet: Das Jnnungsgesetz und das Kunstbuttergesetz werden nicht die Zustimmung des Bundesrates finden. Die unerledigten Gesetzentwürfe über die Anwaltsgebühren und die Beschränkung der Oeffent- lichkeit von Gerichtsverhandlungen werden wahrscheinlich umgearbeitet und in der nächsten Session wieder vorgelegt werden. Es wundert uns, daß gar nichts vom Arbeiterschutzgesetz gesagt ist, oder sollte das die Zustimmung finden? Wenn aber beide Gesetze abgelehnt würden, so wäre das aufs höchste zu bedauern. — lieber die neuen deutschen Volksschulen, die in Westpreußen einzurichten sind, wird offiziös berichtet: „Von diesen Anstalten sind bis jetzt 12 eröffnet ; für 5 Schulen sind die Lehrer berufen, haben aber ihr Amt noch nicht angetreten; ferner 17 neue deutsche Schulstellen bereits begründet, welche sofort besetzt werden können. Die Gewinnung geeigneter Lehrkräfte für diese Schulen wird eifrig betrieben. Für 10 deutsche Volksschulen sind die Neuoder Erweiterungsbauten bereits in Ausführung. In der Stadt Berent ist eine neue deutsche höhere Privat-Mädchenschule eingerichtet, in Zoppot die dort bestehende deutsche höhere Mädchenschule erweitert; die Einrichtung einer neuen deutschen höheren Mädchenschule in Carthaus und die Erweiterung der höheren deutschen Mädchenschule in Pr. Stargard ist m Aussicht genommen." Ferner sind gewerbliche Fortbildungsschulen in 9 Städten des Regierungs - Bezirks Danzig ins Leben getreten. Ueber die Einrichtung solcher Schulen in Olpe, Zoppot und Oliva schweben zur Zeit Verhandlungen. — Zu unserer Freude hören wir, daß auch für den Bau von Kirchen gesorgt werden soll.
— Es ist schon mehrfach davon die Rede gewesen, daß Prinz Wllhelm, welcher seit dem 16. September 1885 als Oberst das Garde - Husaren- Regiment kommandiert, demnächst, bevor ihm der Kaiser eine Brigade anvertraut, noch erst das Kommando über ein Infanterie - Regiment übernehmen würde. Ehe der Prinz Kommandeur der Garde- Husaren wurde, nannte man vielfach das Grenadier- Regiment König Friedrich Wilhelm IV. in Stettin, doch ist es viel wahrscheinlicher, daß er das 1. Garde- Regiment z. F. übernehmen dürfte, das ja auch den Kaiser und den Kronprinzen zum Kommandeur gehabt hat. Der jetzige Kommandeur des 1. Garde- Regiments, Oberst und Flügeladjutant v. Lindequist, ist nahe heran zum Brigadier. Von den Obersten, welche mit ihm unter dem gleichen Datum, 16. Sep
tember 1881, zu dieser Charge befördert worden sind und bereit die letzte Rangliste 27 aufweist, sind nur noch sehr wenige, welche noch nicht zu Generälen befördert sind, resp. eine Brigade führen. Sein unmittelbarer Vordermann, Oberst und Flügeladjutant v. Winterfeld, Chef des Stabes der 4. Armee-Inspektion, hat schon vor längerer Zeit den Rang eines Brigade - Kommandeurs erhalten, und sein zweiter Vordermann, Oberst und Flügeladjutant von Stülpnagel, führt seit einigen Wochen die 11. Infanterie- Brigade. Was nun die Avancementsverhältnisse des Prinzen Wilhelm anbetrifft, so stehen dieselben weit hinter denjenigen des Kaisers und des Kronprinzen zurück. Während der Kaiser mit 20 Jahren, am 30. März 1817, und der Kronprinz mit 23*/« Jahren, am 31. August 1855, zum Oberst befördert wurde, rückte Prinz Wilhelm in diese Charge erst mit 26'/» Jahren ein. Jetzt ist Prinz Wilhelm saßt 28V> Jahre, wogegen der Kaiser schon mit 21 Jahren, am 30. März 1818, nachdem er nur 1 Jahr Oberst gewesen, und der Kronprinz mit 26'/« Jahren Generalmajor war. Als event. Nachfolger des Prinzen Wilhelm in dem Kommando über die Garde - Husaren nennt man den Oberst Grafen v. Wartensleben, Kommandeur des Thüringischen Husaren - Regiments Nr. 12 in Merseburg, der früher als Major im Garde-Hu- saren-Regiment gestanden hat und zu der kürzlich erfolgten Vorstellung des Regiments vom Prinzen eine telegraphische Einladung erhalten hatte.
— Ueber die Anwesenheit des Prinzen Wilhelm in Wilhelmshaven wird von dort berichtet: Als der Prinz das reich dekorierte Offizier-Kasino betrat, fand er das gesamte Offizierkorps der Nordfeestation vor, auch die Offiziere der holländischen Korvette „Nautilus" waren geladen. Er wurde von dem Vize-Admiral Grafen von Monts durch eine Ansprache begrüßt, welche mit einem Hoch auf den Prinzen schloß. Der Prinz dankte in einer Rede, in welcher er betonte, daß der Kaiser ihm bei seiner Abmeldung behufs Antritts seiner Reise nach England seine hohe Be- riedigung über die Marine ausgesprochen habe. Se. Najestät habe bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Kiel, welche,unvergeßliche Eindrücke bei ihm zurückgelassen habe, die Ueberzeugung gewonnen, daß die Marine ihrer älteren Schwester ebenbürtig zur Seite iehe und wie diese in der Stunde der Gefahr vollauf hre Schuldigkeit thun würde. Die Marine habe chon durch ihr gutes und energisches Verhalten in plonialpolitischen Angelegenheiten seine vollste Zu- riedenheit erworben, und diese Anerkennung sei durch )as, was Se. Majestät von seiner Flotte in Kiel ge- ehen, im vollsten Maße bestätigt. Als Zeichen seines hohen Vertrauens habe Se. Majestät daher ihn, den Prinzen, ä la suite des Seebataillons gestellt, und dadurch sei gleichzeittg ein langgehegter Wunsch des Prinzen erfüllt worden. Der Prinz gab ferner feiner Freude darüber Ausdruck, daß er nun auch die Uniform
Durch eigene Schuld.
hitrr» ihm en Nimbus Hervorrufen, den ein Adel bringt.
>es Bürgerliche klebt an jedem Gegenstände. Samten mH nrnfcpti vtizeffin
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Caffe 1887. Die Eh«
hatte anKleuser manche Hoffnungen geknüpft, 87 b von seinen Börsenspekulationen äußerst günstige 101 folge erwartet, diese waren nicht eingetroffen; wser hatte btS jetzt, so lange er dem Geschäfte »stand, nur entschiedenes Unglück gehabt. Aber
29ii »te störte diese Ruhe in etwas, nämlich der Ge- 951 »ke an Kleuser. Er traute ihm nicht mehr recht, 76 Se sich der Gründe dieses Mißtrauens völlig klar
' »8 mit großen, massiv goldenen Buchstaben das
—Mt „SDamfen* über das Thor seiner Villa setzen —Wen, man wird darüber lächeln. Wenn ich aber 106 «st ein adeliges Wappen über dem Thore einfach dSPStein bauen lasse, so wird eS einen ganz anderen U SIldruck machen. Ha, es geht doch nichts über den Adel «qi ®r Bar i" heiterer Stimmung und schrieb noch । demselben Abend an Damken einige Zeilen, in 66i kn er ihm seine bestimmte Teilnahme zusichelte ! ® das Geld in einigen Tagen versprach.
9t1 Damken lächelte still und listig, als er diesen ,04' tief empfing. Nun wußte er, daß er Letzingen fest 67* - sich gefesselt hatte. Er hatte ihn jetzt in seiner 7S »b. Außerdem glaubte er sein Geschäft aus seiner so, mlicheu Lage gerettet zu haben, und er gab sich 071 'halb einet leichtsinnigen Ruhe hin. Nur ein Ge-
-Das alles wird einst Dein Eigentum I* riefen ® seine Gedanken zu. „Du wirst dort wohnen und M sein und alles wird dann einen noch ganz an« lichingMen Reiz bekommen, wenn es heißt, das ist die Lla des Herrn von Letzingen, während es jetzt ganz »fach heißt, das ist die Besitzung des Kaufmanns timten. Pahl* rief er laut, „alles Geld, aller eichtum eines Kaufmanns kann doch nicht den vor-
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Ein Original«Roman auS der Handelswelt von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung)
dies alles würde noch nicht hingeretcht haben, um sein Vertrauen zu erschüttern, denn er war verständig genug, um stch selbst zu sagen, daß eS in eines Menschen Macht nicht liegt, das Glück zu fesseln und edem Ungeschick auszuweichen. ES konnte auch eine Zeit kommen, wo daS Glück Kleuser mit derselben Beharrlichkeit zu seinem Liebling erwählte, mit der eS ihn jetzt floh.
Das alles war eS nicht, was Damken gegen ihn einnahm. Kleuser hatte bis jetzt sein ganzes Ver- mögeu iuzdem Geschäft zugesetzt, er mußte, wenn es wirklich zum Fall des Hauses kam, alles verlieren, trotzdem erschien er ruhig. Mit keinem Worte hatte er Damken eilten Vorwurf gemacht, daß er ihn bewogen, als Kompagnon in sein Geschäft einzutreten daS fast saon unrettbar verloren war. Diese Ruhe und Zurückhaltung fielen ihm auf, und nicht mit Unrecht vermutete er, daß Kleuser int Geheimen dahin strebte, sich selbst sicher zu stellen.
Ueber diesen Plan selbst irrte er sich sehr. Er vermutete, Kleuser wirkte dahin, aus de« Geschäft herauszutreten, ohne dabei etwas einzubüßen, und fies war ihm vollständig recht, denn er selbst hatte Aon übet einen passenden und nicht auffallenden Weg nachgesonnen, um ihn zn entfernen. Erst jetzt empfand er, wie viel er an dem alten Steider ver- loren hatte, denn unter dessen Leitung hatte er nie nötig gehabt, sich durch Vermutungen zu beunruhigen, und dem Herrn Damken war nichts mehr verhaßt, als solche beunruhigende Befürchtungen, welche ihn nötigten, seine Gedanken auf sein eigenes leicht- nuiges und verschwenderisches Leden zu richten.
Von all den Jntriguen, welche die Festigkeit des Hauses Damken untergraben sollten und es endlich mm Falle bringen mußten, hatte der alte Steider keine Ahnung. Und wohl ihm, daß er nichts davon wußte! Sein altes Herz, welches mit so unendlich ' el Liebe an diesem Hause hing, würde noch schmerz- icher dadurch berührt worden sein. Aus der Idee des Handelsherrn, Letzingen zur Vorstreckung einer
hinlänglichen Summe zu bewegen, hatte er neue Hoffnungen geschöpft. Es wurde dem bedrohten Geschäfte dadurch Vorschub geleistet und weiter wollte er nichts. Er wünschte nur Zett zu gewinnen, bis Hermann glücklich zurückgekehrt war, um dann mit dem mühevollen Erwerbe seines langen Lebens vor Damk-n hinzutreten und eS ihm zur Rettung seines Hauses anzudieten.
Kummer und Sorgen hatten an dem schwachen und stark ablaufenden Lebensfaden des alten Mannes in der letzten Zeit stark genagt und seine Kräfte fast gänzlich erschöpft. Er hatte sein Zimmer nur selten verlassen, denn das Gehen wurde ihm schwer, und was sollte er, der alleinstehende Greis, unter den Menschen l Er sehnte sich nicht nach Vergnügungen, nur nach Ruhe, und die fand er nirgends besser, als auf seinem Zimm-r. Ihn verlangte nicht nach Unterhaltung — eS lag eine lange Vergangenheit hinter ihm, die feiner Erinnerung einen reichen, schwer zu schöpfenden Stoff darbot.
Der alte Steider war an diese« Tag: außerordentlich heiter. In allen seinen Bewegungen lag eine fteudige Aufregung und Unruhe, welche er nicht zu verbergen mochte. Er ließ fich in seinem Seffel nieder, in dem er oft stundenlang saß und seine Gedanken in der Vergangenheit weilen liefe, aber heute hatte er keine Ruhe dazu. Er erhob sich wieder, chritt ans Fenster und blickte durch dasselbe auf die Sttafee hinab. Aber auch dies schien ihn nur auf krze Zeit zu befriedigen, denn bald trat er wieder 1 das Zimmer zurück und nahm von seinem Schreib- rtsch einen Brief zur Hand, den er schon zu wiederholten Malen gelesen hatte.
Sein Auge nahm einen heilem Glanz an, um seinen Mund spielte ein freundliches Lächeln, während er diesen Brief las — und dieser Brief, er war ja hie Ursache all seiner Freude und heiteren Stimmung. Er war von Hermann und enthielt die Nachricht, daß er bald heimkehren werde. Er lautete:
Mein guter, lieber Onkel!
Wenn mich nicht fchon mein eigenes Herz, das fich nach Gabriele und nach Dir sehnt, getrieben hätte, meine Geschäfte hier so bald als möglich zu beenden, um zu Euch zurückkehren zu können, so würde Dein letzter Brief gewiß der kräftigste Spom gewesen sein. Die arme Gabriele! Ich vermag mir zu denken, was sie unter solchen Verhältnissen erduldet; ich kenne sie, um zu wissen, wie schwer ihr dieses Opfer ein muß. Doppelt hoch achte ich sie aber auch deshalb, und meine Liebe soll fie reichlich für dieses Opfer lohnen, das sie mir gebracht. — Ob ich es billige? fragst Du. Ich weiß, daß Du ihr den Rat gegeben hast, mein guter Onkel — darin liegt meine Antwort. Weder Du, noch Gabriele könntet ein Unrecht thun.
Ich kann Gabriele nicht schreiben, ich kann eS nicht. Meine Hand zittert vor freudiger Ungeduld, mein ganzer Körper ist in der heftigsten Aufregung — denn — denn in einigen Tagen fahre ich von hier fort, obschon ich erst vor wenigen Tagen hier angekommen bin. Was mein Herz Gabriele zu sagen hat, muß sie anS meinem Munde hören, es läßt fich nicht schreiben.
ES muß noch alles gut werden, ich weiß eS und fühle es, sonst könnte ich nicht einen so freudigen Mut haben. Dir mein Onkel, hoffe ich durch daS Gluck, das mir hier so gewogen ist, eine freudige Überraschung zu bereiten — doch heute noch nicht davon, bald bin ich ja bei Euch.
Tausend Küsse und Grüße für Gabriele und für Dich von Deinem
Washington, den 8. Septbr. Hermann.
Deshalb war der alte Steider so froh. Er sollte einen Hermann, seinen Sohn Wiedersehen, denn wie einen Sohu liebte er ihn. Er sollte nicht mehr allein und verlaffen dastehen und er — er sollte noch die Freude erleben, das Hans Damken gerettet zn sehen, gerettet durch ihn. Dieser Brief und die durch denselben erweckten Hoffnungen schienen den alten Steider