btr. 143.
Marburg, Dienstag, 21. Juni 1887.
xxn. JWsiog.
(Dlictljrffifdjr Leitung
25 Pfg.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moffe in Frankfurt a. M.,Berlin,Münchenund Köln; G. L. Daube und Co. in Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover u. Pari-
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I Edition 2'/. Mk.. be.
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Erved'non MarN 21 — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
studentischen Ausschüsse, der in Bonn seinen Sitz hatte, jetzt nach der „Köln. Ztg." vom Reichstag folgender Bescheid zugegangen: „Der Reichstag hat in seiner Plenar-Sitzung vom 18. Mai d. I. den Beschluß gefaßt: über die bei dem Reichstage angebrachte Petition vom 24. März 1887 auf Grund des hier folgenden Votums: „die Petition unter voller Anerkennung der patriotischen Gesinnung der Herren Petenten als erledigt zu betrachten, da der Antrag, aus welchen sich die Petition bezieht, im Plenum nicht eingebracht worden ist und es demnach bei den bisherigen gesetzlichen Bestimmungen verbleibt", in eine Erörterung nicht einzutreten." — Die „Kreuzztg." versichert, die Reichsregierung beabsichtige, die auf die Beamten im Deutschen Reiche entfallenden Wittwen- und Waisengelder aufzuheben, sobald die Wirkung der neuen Finanzgesetze den gehegten Erwartungen entspricht. Eine ähnliche Absicht hat die Regierung bei der Beratung des Militärreliktengefctzes, allerdings in Form einer Vertröstung ausgesprochen. — Der sozialistische Abgeordnete Kräcker ist nach Schluß des Reichstags heute beim Verlassen des Reichstagsgebäudes vor der Thür desselben verhaftet worden. —- Wie die „B. P. N." hören, kann als sicher angenommen werden, daß die Erwägung, ob die neu zu begebende Reichsanleihe auf 4- oder auf 3'/zprozentige Titres lauten soll, maßgebenden Orts dahin entschieden ist, daß 3*/,prozentige Papiere ausgegeben werden sollen.
— Die „N. Fr. Presse" stellt einen Vergleich zwischen den finanziellen Hilfskräften Frankreichs und Deutschlands an, welcher sehr zn unseren Gunsten ausfällt. Frankreich hat durch den Krieg von 1870 an eigenen Kriegskosten und Entschädigungen einen Aufwand von gegen 12 Milliarden Franks machen müssen. Seitdem (das heißt seit 1874) sind, nach einer Aufstellung des Londoner „Economist", abermals gegen 5000 Millionen Franks Schulden in Gestalt von Defiziten gemacht worden, und die französische Staatsschuld erhebt sich gegenwärtig, ohne die schwebende Schuld, auf 31 675 Millionen Franks, zu deren Verzinsung ein jährlicher Aufwandvon 1 267 427 314 Franks erforderlich ist, Frankreich hat demnach unter sämtlichen Staaten der Erde die größte Staatsschuld und den größten Jahresaufwand zur Verzinsung dieser Schuld. Wir sehen also, daß das Deutsche Reich 900 Millionen weniger Einnahmen, beziehungsweise Ausgaben, hat als Frankreich. Dieses Verhältnis wird aber noch durch den Umstand verschlimmert, daß Frankreich, abgerechnet von dem Ueberschuß des Einkommens Deutschlands, an Zinsen und Mehrbetrag an Militär- und Marine-Ausgaben im GaiHen 1793 Millionen Franks mehr als Deutschland auszugeben hat. Da das Budget des letzteren rund kaum 2400 Millionen Franks beträgt, so folgt daraus, daß die Hilfsquellen des Deutschen Reiches weit besser gepflegt werden können, und daß dasselbe daher im Laufe der Zeit einer Konkurrenz sowohl in der Frage
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Durch eigene Schuld.
Kinder
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fehlen, s nur!
lieben der Entwurf, betreffend das Gerichtskoster ri> die Gebührenordnung der Rechtsanwälte
Friedrich Friedrich. (Fortsetzung.)
>clchen 1 n Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhand rufrichWigen. — Auf die Petitionen aus den Kreisen evan zugegü« üscher Theologen um Beibehaltung der Militär n schm icnstpflicht der Theologen ist dem betreffender
Postbestellungen, damit in der tetne Unterbrechung stattfindet.
»Ich kenne Letztngen allerdings nicht," warf Polenz >, „aber auf seine Zurückhaltung und Vorsicht rechne
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tor Be 6in Original»Roman au- der Handelswelt von nsern i
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Auf dem Lande werden von allen Pos
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Juni. Offiziell meldet der „Sta izeiger": Die Fortschritte in der Erholung des Kai nb, wie nach den Vorgängen nicht anders zu arten war, langsam, aber bemerkbar. Der Ka rrließ in der letzten Zeit täglich mehrere Stuu es Bett, nahm auch wiederholt Vorträge entgei kdarf aber auch weiterhin noch großer Schonung luhe. — Der heute geschlossene Reichstag hat er gaiy ichtigen Vorlagen endgültig erledigt den Relchshc : altsetat, den Nachtragsetat, das Militärgesetz, Kilitär-Reliktengesetz, das Marinepensionsgesetz, iesetz betr. den Servistarif und die Klassenteil: n: Orte, das Branntweinsteuergesetz, das Zuc kstätte i nrergesetz, die Unfallversicherungen für Seeleute i lauarbeiter, sowie die aus dem Hause hervo: i angciten Arbeiterschutzanträge, die Novelle zum P Mpfergesetz und das Gesetz, betreffend die Red nhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, die in itionale Litteratur - Konvention, die Nachtrc » 1 vnvention zur deutsch-rumänischen Handelskonvent
itr. die unterirdischen Telegraphenkabel, den Sc —----tr gewerblichen Muster und Modelle, die Jnnur
t einer «läge, die elsaß - lothringischen Gesetze, das Ku bs zch ütergesetz, das Gesetz betr. den Verkehr mit b M ib zinkhaltigen Gegenständen und die Verwend: zuni 18 fundheitsschädlicher Farben bei Nahrungsmitt ^ra* enußmitteln und Gebrauchsgegenständen. Unedel
rntnfi ts au» so fein anfangen, daß er Letztngen über 'uLul 1 Geldes vollständig täuscht. Er braucht 9 «n. 8 8UD1 Beispiel nur als Teilnehm-r für irgen. :nes M I neues Unternehmen zu gewinnen suchen, welch,s hzeitig a » einen reichen Gewinn abwerfen würde — damit dar! Urte er ihn leicht fangen."
Mkali Kleuser stutzte, als Polenz dies berührte, aber er qnet si! 6&e sogleich wieder vollständig ruhig, weil er es >s->aenbi ! unmöglich hielt, daß er von feinem Gespräche t Damken etwas wissen könne.
n; *L(. ,3ch glaube nicht, daß Damken dies thun wird," diderte er. „Es scheint vielmehr, als ob er in tdigen einen Hinterhalt sucht, in den er sich im limmsten Falle, wenn bereits alles verloren ist, zu Gelege chten gedenkt."
anzrw Der Agent schüttelte ungläubig mit dem Kopfe, ikalienh »Nein, nein," rief er, „dazu ist Damken zu schlau. .or< ®te Letztngen wirklich nur des erhofften Geldes
[3 ie» diese Verbindung eingegangen sein, so ist ----y- buken auch klug genug, dies zu bemerken, und er
» sich bann unmöglich verhehlen, daß er von der Wiege« tsndltchkeit Setzingens nicht viel zn erwarten hat, aß die Mn dieser statt eines großen Vermögens nichts er.
Btn würde. Ich glaube auch nicht, daß Damken N. Wdavon überzeugt ist, daß der Stand seines Ge-
7^—ists so schlecht sei: weiß er dies aber, so ist eS -k Mürlich, daß er eS durch seine rechtzeitige Unter, werjcrL fcng zu erhalten strebt. Und dies erscheint mir gauze- » auch als das Wahrscheinlichere."
ch im k Holenz fuhr fort: „Dieser Fall würde aber am v bittelbarsten und störeudsteu in unsere Beratungen fceunl
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He|Ä zu fest Damken ist schlau, und ist es einmal we Absicht, Geld von ihm zu erlangen, so wird
Einladung.
Zum bevorstehenden Omartalswechsel .L/flscbcn wir um rechtzeitige Erneuerung
eiigreisen. S.tzen Sie den Fall, Damken würde unter irgend einem Vorwande zwanzig oder fünfundzwanzig Tausend Thaler von Letztngen erhalten und Ihn n übergeben, um der augenblicklichen Verlegenheit des Geschäfts damit abzuhelfen, wozu sie auch ansreichen würden — was würden Sie wohl dann thun? Win de.i Sie trotzdem an Ihrem Vorhaben festhallen, oder einen neuen Versuch machen, das Haus zu retten,? Sprechen Sie offen, denn hiervon hängt alles ab."
Wiedernm errötete Kleuser, weil er befürchtete daß Potenz ihn durchschaut habe, und wieder beruhigte er sich mit dem Gedanken, daß dies eine Unmöglichkeit sei.
„Hierüber habe ich in der That noch nicht nach, gedacht," erwiderte er.
„Wirklich nicht?"
„Auf Ehre nicht I" versicherte Kleuser.
Polenz faßte ihn j tzt sLarf ins Auge, daß Kleuser unwillkürlich innerlich erbebte und von einem bangen Gefühle erlaßt wurde.
„Auf Ehre nicht," erwiderte er mit Nachdruck; „auf dieses Wort darf ich natürlich nicht widersprechen. Aber gestatten Sie mir noch eine Frag:: Was gedenken Sie mit den zwanzig bis fünfundzwanzig Taufend Thalern zu beginnen, dir Damken Ihnen von L tzinge« verschaffen soll und zwar unt-.r "M von Ihnen ganz fein durchdachten Vorwande, tu M. eint Kowmandite zu errichten, deren Teil, nehmer Letzingen werden solle. Wozu haben Sie dies Geld bestimmt?"
Wie vom Blitz getroffen war Kleuser einen Schritt zuiuckgefahren. Das Blut war ans feinen Wang n gewichen und mit starren, hervortretenden Augen sah er den Agenten an, als ob er wirklich einen Dämon erblickt hätte.
Polenz bemerkte dies alles nicht ohne eine heim- iche innere Freude und Genugtuung.
.Eie wiffeu — Sie wiffeu!" rief Kleuser endlich erschrocken stammelnd. „Woher wissen Sie da»?
der politischen Macht als der Finanzen weit mehr gewachsen ist, als Frankreich.
Breslau, 18. Juni. Die „Schlesische Volks- Zeitung" meidet: Die Ernennung des Bischof Kopp zum Fürstbischof von Breslau stehe in kürzester Zeit bevor; die bezügliche römische Mitteilung sei bereits Eingetroffen. \
Leipzig, 18. Juni. [Urteil int Landesverrats- Prozeß.) Lange vor Beginn der Sitzung war der geräumige Verhandlungssaal bis auf den letzten Platz vom Publikum gefüllt. Ganz besonders zahlreich waren wiederum die Damen erschienen. Die hiesige Garnison war durch eine größere Anzahl höherer Offiziere bertreten. Gegen */<12 Uhr wurden die Angellagten hereingeführt. Sie schienen zum Teil in recht heiterer Stimmung zu sein. Kurz nach 12 Uhr trat der Gerichtshof ein. Unter lautloser Stille verkündet der Herr Präsident das gestern telegraphisch gemeldete Urteil, nach demselben wurde gegen Blech und Schiffmacher auf je 2 Jahre Festungshaft, Trapp 1 Jahr 6 Monate Festungshaft und Köchlin 1 Jahr Festungshaft erkannt. Die Angeklagten Jordan, Reybel, Freund und Humbert werden kostenlos steigesprochen. Dem Angeklagten Köchlin werden 4 Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. In den Urteils- gründen heißt cs, daß sämtliche Angeklagte beschuldigt waren, der Patriotenliga angehört und somit an landesverräterischen Bestrebungen teilgenommen zu haben, da der Zweck der Liga sei, Vereine zu gründen, welche die Wiedervereinigung Elsaß-Lothringens mit Frankreich vorzubereiten bezw. ins Werk setzen sollten. Das Urteil führt aus, dpß sich alle Mitglieder der Liga, gleichviel welche Stellung sie in oder außerhalb der Liga einnahmen, lediglich zu dem vorgenannten Zwecke vereinigten. Die Revision des Frankfurter Vertrages ist der ausgesprochene Zweck der Liga und zwar soll Elsaß-Lothringen durch die Waffen wieder gewonnen werden. Dieser Zweck wird angestrebt durch die pattiotische Erziehung der Jugend. Die Medaille der Liga ist nichts als ein Symptom des erstrebten Kampfes. Die Turngesellschaften haben die Aufgabe, die Jugend militärisch zu erziehen und zum Kriegshandwerk vorzubereiten, damit dieselbe abgerichtet in die Armee eintreten könne. Sansboeuf, der Präsident der Liga, sagte unumwunden, er freue sich, in den Turngesellschaften die unbesiegbare Armee zu sehen. — Der Gerichtshof nahm als erwiesen an, daß die Zwecke der Patriotenliga auch die der Angeklagten gewesen sind. Die Liga strebe an, ihr Ziel mit Gewalt zu erreichen und ihr Mittel ist der Krieg. Der Krieg sei aber keine legale Gewalt, wie von der Verteidigung hervorgehoben wurde. Wenn der Krieg wirklich ausgebrochen wäre, hätte derselbe den Angeklagten zugeschoben werden müssen. Das Treiben der Angeklagten wäre dann keine vorbereitende Handlung mehr gewesen. Die Angellagten haben den Ausbruch eines Krieges erstrebt, um Elsaß-Lothringen für Frank-
Woher — Ha, Sie stehen mit Damlln im Bu. de, er hat es Ihnen gesagt, denn niemand außer ihm habe ich ein Woit dßvon erwähntI Ja, von ihm aussen Sie eS, und Sie haben sich in mein Vertrauen geschlichen, um mich zu verraten und zu verdeiben I"
Polenz hatte für diese in heftigster Aufregung bervorgestoßenen Worte nichts als ein verächtliches Lächeln.
„Beruhigen Sie sich, Herr Kleuser," sprach er; „ich habe mit Damken noch kein Wort in meinem Leben gesprochen; oder glauben Sie, daß er mit auch gesagt haben könne, daß Sie die Absicht haben, sofort mit diesem Gelde nach Amerika zu entfliehen? — Davon weiß Damken nichts, und ich glaube, er darf eS auch nicht einmal ahnen."
Kleuser schien durch diese letzten Worte völlig uiedergeschmettert zu sein. Alle feine Gedanken stürmten wild durcheinander, Furcht und Schrecken wechselten mit einander ab. Es war ihm ein unheimlich 8, beängstigendes Gefühl, einem Manne gegenüber zu stehen, dem er eine übernatürliche Kraft zuschried, der die Macht zu haben schien, in das Innerste seines Herzen» zu blicke» und seine geheimsten Gedanken zu erforschen. Er fühlte den Trieb in sich, sich von ihm loszmeißen, jede Verbindung mit ihm abzubrechen — aber e8 war zu pät, er nahm mit Schrick.u wahr, wie sehr er sein »auzeS LebeuSglück tu die Hand dieses Mannes ge- legt hatte, er konnte ihn vernichten, wen» er wollte, er war nur »och ein ohnmächtige» Werkzeug seines Willens.
Sei» Stolz, fein besseres Selbst sträubte» sich geg-n diesen Gedank u, er wollte diese idm so lästigen Fessel» abstrusen, wollte Polen» fest und entschlösse» entgegentrete» aber sobald er den Blick zu ihm erhob und sein ruhiges uud überlegene» Lächeln erblickte, fühlte er de» Mut und alle Kraft von sich weiche».
„Gestehen Sie e» mir offen, daß ich die Dahr- jtit gesprochen, daß ich Sie richttg erkannt habe,"
reich ivieder zu gewinnen. Die geleisteten Beittäge sollten diesem Zweck dienen. Es kommt hierbei nicht auf die Höhe der Beittäge an. Die Liga war ferner bestrebt, ihre Organisation in Elsaß-Lothringen der deutschen Regierung gegenüber geheim zu halten, die Angeklagten waren daher auch nach § 128 des D. R.-St.-G.-B. zu verfolgen, denn nach demselben ist derjenige strafbar, welcher einer Verbindung angehört, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor oer Staatsregierung geheim gehalten werden soll. — Gegen Köchlin wurde nur auf ein Jahr Festung deshalb erkannt, weil er Franzose ist. Bei Blech und Schiffmacher wurde als erschwerend angenommen, daß dieselben den Eid der Treue gegen den Kaiser geleistet und gebrochen hatten. Der Gerichtshof hat indessen die Ueberzeugung nicht gewinnen können, daß die beiden Angeklagten sich über ihr Verfahren klar gewesen sind, sonst würde eine andere Strafe Platz gegriffen haben. Nach Verkündigung des Urteils heiterten sich die Gesichter der Angellagten, auch derjenigen, welche nicht steigesprochen wurden, auf und sie schüttelten sich gegenseitig herzlich die Hände. Die vier Freigesprochenen wurden sofort aus der Haft entlassen, während Köchlin, Blech, Schiffmacher und Trapp wieder in das Gefängnis abgeführt wurden.
Würzburg, 17. Juni. Ein hier wegen Hochverrats und anarchistischer Umtriebe verhafteter Student heißt, dem „Pf. K." zufolge, Markufe und ist aus Breslau. Derselbe gehörte einem Geheimbunde, welcher zumeist aus Studierenden (Polen, Russen, Franzosen und Elsässer) bestand, an. Dieser Bund hatte seinen Hanptsitz in Breslau. Als Markuse gewahr wurde, daß man der geheimen Verbindung auf der Spur sei, flüchtete er sich von dort und kam am Sonntag hierher, woselbst er am Montag von der Polizei in einem hiesigen Hotel ausfindig gemacht wurde. Von der Staatsanwalffchaft in Breslau war hierher berichtet worden, ihn festzunehmen. In seinem Reisekoffer fand sich eine Menge aufrührerischer Schriften politischen Inhalts und Pläne, ferner ein sechsläufiger geladener Revolver vor.
Ausland.
Paris, 18. Juni. Der Präsident der Armeekommission Demahy, zog fein Entlassungsgefuch zurück. — Der Kriegsminister Ferron legte in der heutigen Sitzung des Ministerrates verschiedene mili- tärische Gesetzentwürfe vor, darunter solche, betreffend die Errichtung von 4 neuen Kavallerie- und 18 neuen Infanterie-Regimentern, sowie betreffenb die Erhöhung des Effektivbestandes der Kompagnieen. Diese Bon- lagen werden in der nächsten Woche in der Kammer eingebracht werden.
London, 18. Juni. Prinz Heinrich von Preußen ist mit 7 Torpedobooten heute in Sherneß angekommen.
Bukarest, 18. Juni. Der König spendete 10 000
fuhr Potenz fort. „Sie sehen ja, daß e8 thöricht tft, mir ein Geheimnis verbergen zu wollen. Hätten Sie mir dies sogleich von Anfang an mitgeteilt, ich hätte Ihnen vielleicht behilflich sein können. Jetzt haben Sie die Sache bereits eingeleitet und ich vermag nichts weiter zu thun, als Sie zu warnen, sich durch ihr Verlangen, möglichst viel für sich zu ge- winncn, nicht zu Unvorsta-ligkeiten hinreiß, n zu lassen, die vielleicht alles verdeiben und Ihr ganzes Vor, haben vereiteln köun-n."
Kleuser schien diese Worte kaum zu hören. Noch immer kämpfte er mit seiner gewaltigen inneren Aufregung. „Woher wiffeu Sie dies alles?" rief er endlich. „Gestehen Sie mir nur das Eine ein, woher Sie dies wissen."
Polenz lächelte. „Lassen Sie sich damit begnügen, daß ich es weiß," erwiderte er ruhig. „Woher ich es weiß, das muß mein G heimnts bleiben, mein Geschäftsgeheimnis, das ich niemand verraten darf. Ich will Ihnen indeß Eins gestehen, daß Sic mir alles verraten habenl Wodurch — das behalte ich für mich."
»3ch — ich habe es Ihnen verrate» ?" rief Kleuser erstaunt." Kein Wort habe ich zu Ihne» darüber gesprochen!"
„Und doch weiß ich e» nur bett Ihnen," entgegnete Polenz. „G be» Sie mir nur recht, daß ich mich auf das, was mir Mienen und Augen verrate», m,hr verlassen kann, al» was ich durch Worte er, fahre. Worte habe» erst dann für mich Geltung, weu» sie mit dem Gesichte, dem Spiegel, überetu. ftimmen."
Kl-ustr erwiderte nicht». Er versank tu eiu finstere» Sinne» uud Brüteu, iu welchem er an sich, an seiner Kraft, seiner Klugdeit, überhaupt an seinem ganzen L benSgluck verzweifelte.
Polenz störte ihn darin. „Lassen Sie u»S über diesen Gegenstand schweige»," sprach er. „Ich zweifle nicht daran, daß Sie Dawk-us Absicht, welche er mit dem Glanze und der Pracht der VerlobnugLfestlichkett