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Marburg, Dienstag, 14. Juni 1887.

XXII. Jahrgang.

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^cl. Bestellgeld).

Illustriertes Sonntagsblatt.

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Anreizen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasenstein undVoqler in Frankfurt a.-, Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin,München und Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. 8W Berlin, Hannover u. Paris.

Wonach Sonn-und ; *!7n. Ouartal-

®Ue* Xents-PreiSbei der . Ln 2/* Mk., bei

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. »och.

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t dem Eindruck, welchen Kaltblütigkeit und Ent-

^ichtmilitär des Interessanten die Fülle. Die lenden allgemeinen Bemerkungen spiegeln den wieder, welcher nach dem Gedanken des Kaisers

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hen Kräfte lassen sich entwickeln und stählen, nur im Laufe der Zeit kann die Manneszucht kt werden, welche den Grundpfeiler der Armee, Vorbedingung für jeden Erfolg bildet, und welche talte Verhältnisse mit Energie begründet und er- ht werden muß."

fieber die Aufgaben des Offiziers sind folgende btsame Grundfätze aufgestellt:Lehrer und Führer [ollen Gebieten ist der Offizier. Das bedingt für k sowohl Ueberlegenheit an Kenntnissen und Er- dmgen, wie Stärke des Charakters. Ohne Scheu iBerantwortung soll der Offizier in allen Lagen,

den außergewöhnlichen seine ganze Persön- y*wit einsetzen, um seinen Auftrag zu erfüllen, selbst

11 i ganzen Armee herrschen soll, und welchen zu

1 jen und zu pflegen Zweck der gesamten Aus-

nb RS des Soldaten ist.

।1 jot allem ist die Notwendigkeit der Manneszucht ' st t,Wohl kann der Soldat, so heißt es wöri- i das Marschieren und die Handhabung der Waffen

'! Hebung erlernen, auch seine geistigen und kör-

Die neue Felddienstordnung

Iran^L « deutsche Armee, welche, wie schon gemeldet, kaiserlichen Erlaß vom 30. Mai in Kraft ge- ist, bietet in ihrem allgemeinen Teil auch für

j : Befehle für Einzelheiten abzuwarten. Die per- lnedsll $e Hauung des Offiziers ist dabei für die Truppe bestimmendem Einfluß, denn der Untergebene

ipfer sfenheit vor der Front hervorbringen. Es ge- i nicht, daß man befiehlt, auch nicht, daß man

I nBI N^t dabei im Auge hat; vielmehr hat die Art, 1 Ulu man befiehlt, einen großen Einfluß auf die Unier-

reise.

Erfolg verbürgen.

Hisste aen Haltung und Beispiel stählen das Ver- - en und reißen die Truppen zu Thaten fort, welche

zöglici Zum Schluß werden folgende Gesichtspunkte her- pNexm gehoben: Bei einer systematischen Ausbildung in aclusii i Dienstzweigen, welche vom Einfachen zum

teeren, vom Einzelnen zum Ganzen steigend, fort- eitet, darf der gewichtige Grundsatz nicht außer r*Engl 1 gelassen werden, daß eine Hauptstärke des Heeres habe! feiner Bereitschaft ruht. Um beiden Rücksichten »«««glichst gerecht zu werden, dürfen alle Uebungen, "-^'Dbe der unmittelbaren kriegerischen Thätigkeit am ==Tjften stehen, wie das Schießen der Infanterie, der p H ddieust bei allen Waffen und die Erhaltung der [ Q, tbe in leistungsfähigem Zustande nicht an bc-

Ms und Batterieen ihre Ausbildung beendet

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Durch eigene Schuld.

«in Original «Roman au» der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung)

en müssen, und zu welchen die Herbstübungen der äuk f

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nj)a0[ mte Jahreszeiten gebunden werden. Im allge- edsd» Icn find für die Festsetzung der Ausblldungs- t ^g( oben im Verlaufe des Dienstjahres die Zeit- acrkar maßgebend, zu welchem die Bataillone, Es-

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, Gabriele rang mit allen Kräften nach einem Ent­risse. Sie würde vielleicht noch längere Zeit ge­rankt haben; die Nennung dieses namens, bie merung au diesen Manu entschieden den Kampf, i, ste konnte sich nicht mit ihm vereinen, sie konnte wann nicht verraten und ausgeben.

sprich, sprich, Gabriele I" drängte Damkeu ganz ldig.

»Nein, ich kann eS nicht, ich kann es nicht I" Gabriele. Sie hatte diese Worte mit der größten engung hervorgebracht und sank erschöpft auf Ltuhl zurück.

Du kannst eS nicht? Du willst eS nicht!' rief en, und in feiner Stimme lag etwas Heftiges Wildes.Du willst Deinen Vater nicht er.- Du willst ihn dem Verderben und der Schande eben! Du willst mir trotzen, willst Deine eit nicht aufgeben ha, Du sollst es, ich e, daß Du es sollst! Noch hat mir niemand tzeu gewagt, und bet meinem eigenen Kinde ich es am wenigsten dulden. Du sollst Letzingen u und wenn ich Deine Hand mit Gewalt in stinige legen sollte. Du sollst eS!*

ging aufgeregt im Zimmer auf und ab. In Augen lag ein wilder und drohender Ausdruck.

hatte Gabriele ihn tu solcher Aufregung er, Aber gerade diese rücksichtslose Heftigkeit und uschafilichkeit waren es, die ihr Herz in seinem bluffe noch fester machten. Hütte er sie in Milde Liebe gebeten, hätte er durch stillen Schmerz sie Wunen gesucht, eS wäre ihm vielleicht gelungen. " diese Leidenschaft konnte er es nicht. Auch . sthr floß sein Blut, auch sie besaß Stolz und Weit, auch ihr Herz konnte leidenschaftlich schlagen.

36.

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Truppen ihren Anfang nehmen. Dringend notwendig aber ist es, die Ausbildung nicht zu erschweren durch die Erfindung von Formen und Mustern, die weder das Reglement, noch der Krieg kennt. Hierauf pein­lichst zu achten ist die Pflicht jedes Vorgesetzten. Nie darf aus dem Auge verloren werden, daß der Krieg nicht mit den schwachen Friedensstämmcn, son­dern mit der mobilen Armee gesührt wird, daß Künsteleien mit dem ersten Mobilmachungstage ver­schwinden. Anstrengungen und Entbehrungen bei den Friedensübungen find als Mittel zur Erziehung des Soldaten von hoher Bedeutung, sie stählen die Willenskraft und das Selbstvertrauen. Aber es fehlt diesen Hebungen das im Kriege vorzugsweise be­stimmende : der Gegner, mit dessen Willen und Kraft so lange gerechnet werden muß, bis beides gebrochen ist. Daher darf niemals übersehen werden, daß die Verhältnisse des Krieges nach sehr vielen Richtungen andere Erscheinungen mit sich bringen, als bei den Friedensübungen zum Ausdruck gelangen können, und daß jene ost außergewöhnliche Leistungen bedingen. Vom jüngsten Soldaten aufwärts aber muß überall volles, selbstthätiges Einsetzen der ganzen persönlichen, geistigen und körperlichen Kraft gefördert werden. Nur so läßt sich die volle Leistungsfähigkeit der Truppe in übereinstimmendem Handeln zur Geltung bringen. Die von oben gegebenen Befehle bezeichnen die Auf­gaben, zu deren Lösung die Kraft jedes Einzelnen an feiner Stelle einzufetzen ist. Vor allem aber ist enffchlossenes Handeln sür die vorliegenden Zwecke zu fordern. Ein jeder der höchste Führer, wie der jüngste Soldat, muß sich stets bewußt sein, daß Unterlassen und Versäumnis ihn viel schwerer be­lasten, als ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel."

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juni. Im Befinden des Kaisers ist größere Ruhe eingetreten. Der Schlaf war in der Nacht weniger oft und nur kürzere Zeit unter­brochen ; das Allgemeinbefinden ist befriedigend. Der Kaiser verließ heute nachmittag das Bett. Die offiziellen Berichte konstatieren insofern eine leichte Befferung des Gesundheitszustandes des Kaisers, als der Schlaf in der vergangenen Nacht weniger oft unterbrochen war und die Schmerzen abgenommen haben. Es ist zu hoffen, daß die Krankheit denselben günstigen Verlauf nimmt, wie in verschiedenen früheren Fällen. Das Hauptbestreben der Aerzte ist darau: gerichtet, einer Abnahme der Kräfte des hohen Patienten vorzubeugen und man wird hoffentlich bald erfahren, daß auch dies gelungen ist. Die äußere Erscheinung im Allgemeinbefinden des Kronprinzen ist durchaus zufriedenstellend, so daß sich der Kronprinz ganz wohl fühlt und in gewohnter Weise sich im Freien bewegt, dagegen ist die durch die langandauernde örtliche Affektion des Kehlkopfes bedingte Heiferkeit noch nicht gehoben und bedarf weiterer örtlicher Be-

Scheiubar ruhig erhob sie sich, aber jeder Nerv an ihr zitterte.

Hoch aufgerichtet stand sie da und hatte ihre Augen fest aus ihren Vater geheftet.

Du willst mich zwinge«? Du willst mit Gewalt meine Hand in die Letzingens legen?' sprach sie und ihre Stimme erbebte.Du kannst es nicht, denn ich weiß, wie weit Deine Macht reicht und wie weit mein Wille! Du kannst Dich von mir lossagen und mich verstoßen ja, Du kannst mir fluchen aber zwingen kannst Du wich nicht, wenn ich es selbst nicht will, und ich will eS nicht, ich kann es nicht

Du willst es nicht!' rief Damken noch leiden­schaftlicher als zuvor.Du willst es nicht? Ich habe darauf geschworen, daß ich Dich zwingen will!'

Du mußt Deinen Schwur eher brechen, ehe Du meinen Willen beugst," erwiderte Gabriele mit derselben Festigkeit.Ich gebe Hermann nicht auf, ich kann ihn nicht opfern!"

Schweig schweig,'- unterbrach sie ihr Vater, und seine Stimme erbebte vor gewaltiger Aufregung. Mit einem Worte kann ich Dich zur Bettlerin machen, mit einem Worte Dich aus meinem Hause stoß-n, und eine Bettlerin wird wohl noch zu beugen sein!" Du beugst auch eine Bettlerin nicht, wenn sie lieber den Bettelstab trägt, als daß sie ihre Hand einem Manne reicht, den ste nur verachten kann," entgegnete Gabriele fest und bestimmt.Verlange nicht von mir, was mir unmöglich ist, Vater. Ich kann Hermann nicht ausgebeu, ich darf eS nicht, well er auch dadurch unglücklich werden würde. Aber glaube mir, Du bist nicht verloren, und wenn Du alles verlieren würdest, ich kenne Hermann, er würde mit Freuden für Dich arbeiten und sorgen, er ist nicht ohne Veimögen, tr wird es gern hergeben, Dich zu retten, warte nur noch kurze Zeit, bald kehrt er zurück, dann"

Ha," rief Damken mit bitterem, wilden Lachen, ich soll mich durch den ernähren lassen, der in meinem Hause als Tieuer -lebte! Von seiner Gnade

Handlung, Aus Wunsch des Kaisers und des Kron­prinzen wird während des bevorstehenden Aufenthalts in England die Behandlung im Einverständnis mit den begleitenden Aerzten Wagner und Landgraf von dem durch die hiesigen Autoritäten zugezogenen Spezial­arzt Mackenzie fortgesetzt werden, nachdem darüber ärztliche Beratungen stattgefunden haben. Die letzten Hntersuchungen deuten auf eine, wenn auch langfame, doch bestimmt zu erwartende Befferung der örtlichen Erkrankung. Unmittelbar nach der Konsultation machte der Reichskanzler dem Kronprinzen feine Auf­wartung, um sich nach dem Befinden zu erkundigen. Gutem Vernehmen nach reifen Prinz und Prinzessin Wilhelm am 16. d. M. nach England. Geh. Rat Dr. Virchow hat gestern auf Grund mikroskopischer Untersuchungen der beiden am vorigen Mittwoch durch Dr. Mackenzie unternommenen Partikelchen der Wucherung auf den Stimmbändern des Kronprinzen ein schriftliches Gutachten erneuert dahin abgegeben, oaß kein bestimmter Anlaß zu der Annahme vorliege, daß diese Neublldung eine nicht gutartige sei. Durch dieses günstige, die frühere Untersuchung wesentlich bestätigende Gutachten ist den bisherigen ernsten Be­denken über das Befinden des Kronprinzen die Grund­lage entzogen und die von Dr. Mackenzie ausge­sprochene Hoffnung erscheint völlig gerechtfertigt, daß der Kronprinz bci Fortsetzung der bisherigen Be­handlung und tiorfief)tiger Vermeidung alles unnötigen Sprechens in wenigen Monaten feine volle Gesund­heit zurückerlangt haben wird. Das Gutachten Virchows ist dieses Mal besonders bedeutungsvoll, weil die beiden mikroskopisch untersuchten Partikelchen, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, nicht bloß größer waren als die vor vierzehn Tagen untersuchten, sondern auch weil ihre Beschaffenheit ergab, daß sie nicht bloß von der Oberfläche der Wucherung herrühren, sondern aus dieser im vollen Querschnitt entnommen waren. Um übrigens auch die unbeteiligten ärztlichen Kreise von der Schlüssigkeit des Gutachtens zu überzeugen, ist die baldige Veröffentlichung des­selben allerhöchsten Orts angeordnet worden.

lieber den bisherigen Verlauf der Behandlung des Kronprinzen gibt ein Artikel des Londoner Fach­blattesThe Laneet" nach Mitteilungen Dr. Mackenzies folgende Darstellung:Im Januar stellte sich bei dem Kronprinzen eine leichte Heiserkeit ein. Schon im März bemerkte der Direktor der medizinischen Klinik Pros. Dr. Gerhardt eine warzenähnliche Neu­bildung an dem rechten Stimmbande, die er so erfolg­reich durch elektrische Ausbrennungen behandelte, daß sie wesentlich an Umfang abnahm. Tie darauf in Ems unternommene Kur hatte keine Besserung der Heiserkeit und ein Wiederwachsen der Neubildung zur Folge. Professor Dr. Tobold wurde zu einer Be­ratung mit den Leibärzten Dr. v. Sauer und Dr Wegner berufen. Auf Verlangen dieser Aerzte, welche an einen bösartigen Charakter der Neubildung dachten, soll ich leben, von ihm mir dm Pfennig zuerteilen lasfen, der vielleicht mein-Dasein fristen würde! Ha, dahin kommt es nicht, denn lieber will ich einen hundertfachen Tod erdulden! Schweig davon. Nenne mir den Name» nie wieder, den ich nicht einmal hören mag. Ich will Dir einige Tage Bedenkzeit laffen. Gehe, verlaffe mich. Nur noch einmal will ich Dir wiederholen, daß e8 für Dich und mich besser ist, Du fügst Dich ruhig meinem Verlangen, al» wenn ich mit Gewalt Dich dazu zwingen muß, und ich weide es thun, ich habe es geschworen! Geh, Gabriele!'

Einen Augenblick stand Gabriele noch ruhig da und blickte ihren Vater fest an. Sie schien noch eiwaS erwidern zu wollen, verschwieg eS iudeß und verließ ruhig das Zimmer.

Als Gabriele in ihre Stube trat, fuhr sie mit der Hand über die Stirn, um die schweren, trüben Bilder, die sich dort gelagert hatten, zu verscheuchen ste schwanden nicht. Ihre Brust war schwer be­drückt, eine unnennbare Angst hatte sie erfaßt. Sie vermochte nicht zu weinen, denn ihre Aufregung war eine zu gewaltige. Thräneu find ja stets das sicherste Zeichen, daß der Schmerz, der das Herz bedrückt, anfängt, sich zu lösen und zu verflüchtigen.

In diesem Zimmer hatte sie sich stets glücklich und zufrieden gefühlt. Jeder Gegenstand war ihr bekannt und blickte ihr lieb und traut entgegen, und doch war ihr mit einem Male alles fremder geworden.

Eine bange Ahnung ergriff Gabriele, daß alle diese Gegenstände vielleicht bald nicht mehr ihr Eigen­tum sein würden. Männer kennen nicht das schmerz­volle Gefühl eines Fiauenherzens, wenn es sich von Gegenständen trennen soll, welche die vertraut stillen, ja einzigen Zeugen seines Glückes waren. Die Er­innerungen an di-seS Glück scheine» selbst mit ihnen zu schwinden. Das Frauenherz genießt daS Glück aber am schönsten und reinsten in der Erinnerung. Dann kann eS gleichsam alles Irdische und Prosaische davon trennen, und das Glück weht ihm wie ein

wurde Prof. Dr. v. Bergmann um feine Meinung befragt. Er zeigte sich geneigt, jene Diagnose für richtig zu halten. Ein äußerer chirurgischer Eingriff wurde für notwendig erachtet, doch blieb es unent­schieden , ob diefe Operation sich auf Oeffnung des Kehlkopfs vom Halse aus beschränken, oder auch ein Teil des Kehlkopfs mit zu entfernen wäre. Mit Rücksicht auf die mit der Operation verbundene Gefahr und die selbst beim Gelingen nachfolgenden Sprachstörungen lehnte Dr. v. Bergmann es ab, die Verantwortung für eine solche Operation zu über­nehmen, ehe die Unausführbarkeit einer die Ent- :ernung der Neubildung von der Mundhöhle aus ermöglichenden Operationsmethode von Dr. Mackenzie bestätigt worden wäre. Letzterer hatte am 20. Mai eine Beratung mit den vorgenannten Aerzten. Bei der Untersuchung mit dem Kehlkopfspiegel hatte er eine ungestielte, etwas längliche, erbsengroße Geschwulst an der inneren oberen Fläche des rückwärtigen Teiles des linken Stimmbandes gefunden und darauf be­standen, daß eine größere Operation nicht vorgenommen werden solle, bevor nicht ein Stück von der Neu­bildung behufs mikrofkopischer Untersuchung heraus- ' geholt worden wäre."

Der Bundesrat hat gestern beschloffen: Einer gäbe wegen Anrechnung der von Studierenden deutscher Nationalität auf der Universität zu Prag verwendete« Zeit keine Folge zu geben. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 20. Mai d. I. zur Ergänzung der Bestimmungen im § 23, Ziffer 4 der Dienstvor­schriften vom 29. Mai 1880, betreffend die Be­steuerung des Tabaks, Folgendes beschlossen: Die Direktivbehörden sind ermächtigt, soweit sich dazu ein Bedürfnis ergiebt, zu gestatten, daß bei der Ver­wiegung des Tabaks 1) auch für ungleichartige Um­schließungen und Schnüre die Fesfftellung des Ge­wichts auf Grund von Probeverwiegungen stattfindet, 2) auch Gewichtsmengen von 0,05 kg ober mehr, jedoch höchstens von 0,5 kg außer Betracht bleiben. Die Zuckersteuerkommission beendete die zwecke Lesung des Gesetzes und beschloß die Erhöhung des Eingangszolls im Paragraphen 1 von dreißig auf fünfunddreißig Mark, sowie mehrfache redaktionelle Aenderungen. Sie lehnte mehrere zu den Para­graphen 3 und 6 (Materialsteuer und Exportbonisi- fation) gestellte Anträge ab, ebenso die Fassung der Vorlage; für die Paragraphen über die Höhe der Steuersätze ist somit keine Einigung erzielt. Mit dieser Lücke wurde das ganze Gesetz sodann mit 25 Stimmen gegen eine angenommen. Der schriftliche Bericht soll am Sonntag festgestellt werden. Dem Professor Dr. Josef Meyer, Direktor der medizinischen Poliklinik, ist der Charakter als Geheimer Medizmül- rat verliehen worden.

Aachen, 11. Juni. DieAachener Volksztg." meldet, die bischöfliche Behörde werde gegen ein Zentrumsblatt vorgehen, wegen Beleidigung des poetisch schöner Hamy in der Erinnerung entgegen. Das Glück des Mannes besteht in dem Ergreifen und Genießen des Augenblicks, er ist realistisch und jedes Glück muß für ihn einen materialistischen Bei­geschmack haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Genuß eines Weibes poetischer und reiner ist; dem Manne bleibt der Gewinn, daß er praktischer und auch gründlicher genießt. ES währte lange, ehe die gewaltige Erregung in Gabrielen? Brust gemildert wurde. Sie hatte sich auf einen Stuhl geworfen, daS G'sicht in den Händen verborgen und ließ so den Schmerz sich selbst bekämpfen. Das ist aber der schwerste Weg, um ihn zu überwinden, wenn er auch am schnellsten eine gewisse Festigkeit und Fassung verleiht.

Endlich erhob sie sich. Sie trat ans Fenster und blickte starr in die dunkle Nacht hinaus. Bilder aus Bilder stürmten an ihrem Geiste vorüber, alle trübe und schwer. Kein? vermochte sie zu fesseln, es war ihr, als ob sie selbst mit diesen finsteren Phantafie- gebilben gewaltsam fortgerissen werde.

Endlich dachte sie an Hermann, und ihre Ge, danken suchten ihn in der Ferne auf. In demselben Augenblicke fiel ihr Auge auf ein kleines Wasser- basst» vor dem Fenster, daS helle Bckd eines Sternes schimmerte ihr freundlich vom Wasserspiegel ent­gegen. Unwillkürlich wandte sie das Auge zum Himmel. Da stand er, der Stern, groß und hell. Das zitternde Schimmern seiner Lichtstrahlen erschien ihr wie ei» freundliches Grüßen. Es war ihr, als ob dieser Stern gerade auf sie so hell und so freund­lich herabschaue, und dies übte einen beruhigenden und tröstenden Einfluß auf ihr Herz aus. An Her­mann hatte ste in dem Augenblicke gedacht, als dieser Stern ihr Auge getroffen, wie ein Stern strahlt» dieser Gedanke in ihrem Herzen wieder, hell und fteund- lich. Er erschien ihr wie ein Zeichen GotteS, daß ste auf Hermann hoffen nnd vertrauen solle, daß^er der Stern, das einzige Glück ihrer Zukunft sei. S>e sand Beruhigung in diesem Gedanke». Leise und