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Nr. 128.

Marburg, Sonnabend, 4. Juni 1887.

Ml. Jahrgang.

Durch eigene Schuld.

Ein Original-Roman aus der Handelswelt von Friedrick Friedrich.

(Fortsetzung)

Kleusers peinliche Stimmung schien mit jedem Worte gewachsen zu sein.Ich begreife in der That nicht, Herr Potenz," erwiderte er verlegen, wie sie zu diesem Gedanken kommen. Sie irren, ich habe in der That noch nie daran gedacht"

Offenheit gegen Offenheit, Herr Kleuser," unterbrach ihn der Agent.Sehen Sie, Sie haben diese Wechsel er zog mit diesen Worten einige Papiere aus der Tasche auf Ihr eigenes Haus ausgestellt. Es sind Wechsel über 600 Thaler, Herr Kleuser, und ich glaube mich nicht geirrt zu haben, wenn ich vermute, daß Sie das Geld dieser Wechsel zu einem anderen Zweck bestimmt haben, als es im Geschäft zu verwenden. Seien Sie offen, habe ich mich geirrt oder nicht?"

Kleusers Verlegenheit steigerte sich, als er diese Wechsel erblickte.Wie kommen diese Papiere in Ihre Hände?" fragte er hastig.

»Herr Günther, der sie aus Gefälligkeit gegen das Haus Damken angenommen hat," erwiderte der Agent mit ruhigem Lächeln,hat mich gebeten, sie zu verkaufen und ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, weshalb ich diesen Auftrag gern übernommen habe ich werde sie in die Hände Buchmanns gelangen lassen. Es ist mir lieb, daß Sie meinen neulichen Rat in Betreff Günther u. Kompagnon befolgt und auch diese Wechsel auf Anfang November aus­gestellt haben. Nun, Herr Kleuser," fuhr er in vertaulichem Tone fort,Wollen Sie es mir noch geheim halten, daß Sie jetzt nur für Ihr eigenes Interesse arbeiten, daß Sie zu retten suchen, was noch zu retten ist, ehe das Haus zusammenbricht, daß Sie mit einer Summe, welche Ihr

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Leben sicher stellt, fliehen wollen, ehe der Konkurs des Ge­schäfts ausbricht?"

Kleuser ging mit hastigen Schritten im Zimmer auf und ab. Seine Wangen waren gerötet, seine Stirn mit Schweiß bedeckt. Er sah sich verraten, alle seine Bemühungen glaubte er verloren, er erblickte sich ganz in den Händen eines Mannes, vor dem es eine Thorheit erschien, ein Geheimnis verbergen zu wollen. Er kam sich in diesem Augenblicke wie ein Kind vor, das im Bewußtsein seiner Schuld nicht die Augen zu seinem Vater emporzuheben wagt.

Sie verkennen mich, Herr Kleuser," fuhr Polenz fort, wenn Sie glauben, daß ich Ihrem Entschlüsse irgendwie hindernd in den Weg treten werde. Ja, ich mißbillige ihn nicht einmal und verdenke es Ihnen wahrlich nicht. Damken hat sich nicht gescheut, Sie seinem Leichtsinn und seiner thörichten Verschwendungssucht zum Opfer bringen zu wollen. Sie bezahlen mit gleicher Münze. Nicht einmal mit gleicher, denn er würde verloren sein, auch wenn Sie zu­gleich mit ihm untergingen. Sie können jetzt Ihr Haus nicht mehr retten, auch wenn Sie Ihren letzten Pfennig daran setzen wollten. Es ist das Klügste, daß Sie Damken allein dem Verderben überliefern, welches er ja allein ver­schuldet hat."

Ja, er soll untergehen!" rief Kleuser, der jetzt einsah, daß es ihm nicht mehr möglich sei, seinen so geheim ge­haltenen Plan vor den Augen des Agenten zu verbergen. Er soll untergehen, denn er hat mich schändlich bettogen! ^;ch will es Ihnen gestehen, daß ich entschlossen bin, mein Vermögen zu retten und damit zu fliehen, ehe der Konkurs ausbricht, für den ich durch den Konttakt als Kompagnon haftbar bin, mag für mich daraus entstehen, was will. Helfen Sie mir dabei, Herr Poleuz, stehen Sie mir bei, es soll Ihr Schaden wahrhaftig nicht sein. Sprechen Sie die Bedingung aus, unter denen Sie es thun wollen."

Erhöhung der Maischraumsteuer unter entsprechender Er­höhung der Exportvergütung ein. Die Nachsteuer am 1. September oder 1. Oktober 1888 fiele auch in diesem Falle fort. Beiden Vorschlägen ist also die Beseitigung der allerdlngs bedenklichen Nachbesteuerung gemeinsam, und es läßt sich schon jetzt als das wahrscheinlichere Ergebnis der Kommissionsberatung hinstellen, daß die Nachbesteuerung be­seitigt werden wird. Alles andere bleibt bis zur Entschei­dung ungewiß. Es mehren sich, wie man uns noch schreibt: die Zeichen, welche daraus hindeuten, daß die Börse daß größte Interesse an der Nachsteuer hat. Die einfluß­reichsten Börsenspekulanten haben ihre frühzeitige Kenntnis des Inhalts des Gesetzentwurfes reichlich ausgenutzt und auf Grund des in demselben enthaltenen Passus der Nach­steuer ä la baisse spekuliert. Nun brauchen sie eine Nach­steuer und zwar eine recht hohe, welche den inländischen Spiritus entwertet, der Hunderttausenden von Beteiligten große Verluste zufügt, der Börse aber gleich große Gewinne abw'.rft. Um dieses Ziel zu erreichen, werden alle Hebel m Bewegung gesetzt. Den Reichstagsabgeordneten wird die Sache plausibel gemacht durch den Hinweis auf den stockenden Export, ohne welchen die Spiritusindustrie sofort zu Grunde gehen würde. Glücklicherweise kehrt sich die Sache gerade um, denn das Ausland Hamburg hat nun eben die Gute, mit seinen Preisen stark in die Höhe zu gehen, und es scheint sich unseren höheren Inlandspreisen zu nähern. Es ist dies viel vernünftiger, als den Export ä tout prix ju bewerkstelligen, wodurch die Auslandspreise herabgedrückt werden und damit auch die Inlandspreise. Man sieht, um wie viel besser es ist, wenn mit dem Export einmal ange­halten wird, bis das Ausland uns kommt. Aber freilich, Spirituspreise muffen billig fein, denn die Börse braucht eS so. Die Lagerbestände werden natürlich um mehrere Millionen Liter zu groß angegeben, das Aeltesten-Kollegium wird sachverständig beraten, sich für die Nachsteuer auszu­sprechen. Man wird abwarten, ob die Aeltesten der Börse diesen Gefallen thun werden, oder ob sie das allgemeine wirtschaftliche Jntereffe nicht doch lieber dem der Börse vorziehen werden. Hoffenttich wird sich die Gesetzgebung um die Börse überhaupt nicht kümmern und die Frage der Nachsteuer so erledigen, daß den zahlreichen Gewerbetrei­benden, welche infolge des Gesetzes durch einen verkleinerten Geschäftsbetrieb so sehr geschädigt werden, wenigstens ein milderes Uebergangsstadium geschaffen wird. DieNordd. Allg- Ztg." bringt an hervorragender Stelle folgende Mit­teilung . Die in Konstantinopel erscheinendeTurguie" ver­öffentlicht nachstehende amtliche Kundgebung:Verschiedene i Lokalblätter haben eine oom General Leflü demFigaro" i gemachte Mitteilung nachgedruckt, wonach Herr v. Radowitz

im ^ahre 1875 mit dem Auftrage nach Petersburg ent­sandt worden wäre, Rußland seitens der deutschen Regierung Zugeständnisse auf Kosten der Türkei in Aussicht zu stellen, um sich auf diese Weise der russischen Neutralität für den Fall emes Krieges mit Frankreich zu versichern. Die hohe Pforte ist amtlich davon in Kenntnis gesetzt worden daß jene Mitteilung durchaus erlogen ist, und daß Herr von Radowltz wahrend seiner vorübergehenden Mission in Peters­burg keinerlei Eröffnungen gemacht hat, welche mit jener Mitteilung in Einklang gebracht werden könnten."

Goth«, 1. Juni. [27. Allgemeine deutsche Lehrer- Versammlung.j An die gestrige Versammlung schloß sich ein Diner, bei dem der erste Toast Sr. Majestät dem Kaiser und Sr. Hoheit dem Herzog von Sachsen - Koburg- Gotha galt. Alsdann wurden an beide Monarchen Be­grüßungs-Telegramme übersandt. Den ersten Gegenstand der heutigen Sitzung bildete;Der Weg zur Verständigung zwischen Schule und Kirche." Der Referent, Pfarrer Baehring (Minfeld in Bayern) äußerte sich etwa folgen­dermaßen: Es widerspricht dem Geiste des Christentums, daß sich die Menschen dogmatischer Grundsätze wegen an- feinden. Wir sollen nach der inneren Wahrheit forschen und uns nicht um Aeußerlichkeiten streiten. Die Kirche soll die Grundwahrheiten des Christentums predigen, die Schule soll aber durch ihren geschichtlichen, physikalischen, mathema- tlfchen, sprachlichen Unterricht rc. die Jugend zu diesen Grundwahrheiten erziehen. Es entsteht nun die Frage: in welcher Weise soll die Bibel in der Schule gelehrt werden Ich halte es für erforderlich, eine Schulbehörde einzusetzen, tue auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnis im Stande ist, die Bibel in die Schule einzuführen. Das ist der beste Weg zur Verständigung zwischen Schule und Kirche. (Leb­hafter Beifall.) So lange der Geistliche dem Lehrer sagen kann. das und das mußt du thun, so lange kann von einer Verständigung zwischen Schule und Kirche keine Rede sein (Stürmischer Beifall.) Wenn mein Vorschlag auf Einsetzung einer Schulbehörde behufs Regelung des Religionsunterrichts m der Schule Annahme findet, dann wird Ruhe und Frieden eintreten, man sollte alle konfessionellen Streitigkeiten ver­meiden und lediglich das innere kirchliche Leben pflegen. (Beifall.) Wir haben etwas Besseres zu thun, als Millionen sür die äußere Mission zu fordern, um die Heiden zum Christentum zu bekehren. (Lebhafter Beifall.) Will man die Heiden zu Christen erziehen, dann ist es zunächst er­forderlich, die heidnischen Kinder zu Kulturmenschen zu er­ziehen, ihnen die Erkenntnis vom Christentum nach päda­gogischen Grundsätzen beizubringen. Man sollte die Heiden­mission mit den Kolonialbestrebungen verbinden. Sowie bei den Heiden, so kann aber auch bei uns nur die Schule

Der Agent lächelte.Es ist freilich meine Absicht nicht gewesen, einen Gewinn daraus zu ziehen", erwiderte er, aber ich müßte ja eben kein Kaufmann sein, um ein solches Anerbieten von der Hand zu weisen. Gut, Herr Kleuser, hier haben Sie meine Hand, ich meine es ehrlich mit Ihnen, ich will Ihnen beistehen. Die Bedingungen werden wir schon festsetzen, denn ich weiß, daß Sie mich nicht täuschen werden. Wer zwei Verlangen muß ich von vornherein an Sie stellen. Erstens müssen Sie in allem, was diese Ange­legenheit betrifft, meinem Rat folgen. Es ist nicht Miß- ttauen betreffs Ihrer Klugheit und Gewandheit, was mich dies verlangen läßt, denn ich schätze Sie als klugen und feinen Kopf; da indeß Ihre ganze Existenz auf dem Spiele steht, da es für Sie eine Lebensfrage ist, können Sie un­möglich alles mit einem so ruhigen und berechnenden Auge bettachten, wie es mir möglich ist. Eine Unvorsichkeit oder Uebereilung könnte alles verderben. Sodann darf ich mir, ohne Ihnen nahe treten zu wollen, wohl anmaßen, daß ich in solchen Fällen mehr Erfahrung besitze und die Verhält­nisse der verschiedenen Geschäfte mit denen Sie in Ver­bindung stehen und deren unmittelbare Hilke Ihnen zur Ausführung Ihres Planes durchaus notwendig ist, besser kenne als Sie. Zweitens muß ich das Versprechen von >;hnen verlangen, daß Sie jetzt und auch später über meine §iffe und überhaupt über meine Verbindung mit Ihnen gegen Jedermann das tiefste Schweigen beobachten und nichts Schriftliches hinterlassen,. das mich irgend verraten oder bloß­stellen könnte. Sie können mir dies nicht verdenken, Herr Kleuser. Ihnen schadet es nicht im geringsten , und mein Interesse, ja meine Sicherheit verlangt es durchaus. Sind Sie damit einverstanden?"

Vollkommen", entgegnete Kleuser.Ich gebe Ihnen mein Wort darauf."

(Fortsetzung folgt.)

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Deutsches Reich.

Berlin, 2. Juni. Der Kaiser nahm heute vormittag die Vorträge des Kriegsministers und des Generals von Albedyll entgegen und reifte nachmittags 3 Uhr nach Kiel ab, begleitet von dem Prinzen Wilhelm und Friedrich Leo­pold und dem Gefolge. Die Fraktions - Vorstände des Reichstages haben, wie dieNat.-Ztg." erfährt, an die Mitglieder die Aufforderung gerichtet, mit dem Wiederbeginn s?fr Milchst vollzählig sich hier einzufinden, um

bie Beschlutzunfähigkeit zu verhüten, durch welche die Session nur verlängert werden würde, da die Regierung sich dar­über schlüssig gemacht habe, abgesehen von den Steuer- Gesetzen, noch eine Anzahl von Vorlagen unter allen Um­ständen zum Abschluß bringen zu lassen. Keine von den vielen Fragen, welche den Reichstag noch zu beschäftigen haben, regt so viele Interessen auf, wie die Erledigung der Nachsteuer auf den bei Einführung des neuen Gesetzes vor­handenen Branntwein. Die Kommission hat die Beschluß­fassung über diese Frage auf den 7. Juni angesetzt und verdient hierfür schon aus dem Grunde volles Lob, weil b,s dahin die zahlreichen sich kreuzenden Erwägungen für und wider die Nachbesteuerung Zeit gewonnen haben, sich an entscheidender Stelle geltend zu machen. Es ist völlig unmöglich, vorherzusagen, wie die Entscheidung fallen wird: aber immer mehr ist die Bedenklichkeit einer Nachbesteuerung alles vorhandenen Branntweins an einem von heute so ent­fernt abliegenden Zeittaum wie Herbst 1888 hervorgetreten. D>e Kölner Handelskammer hat zuerst auf den besseren Weg gewiesen, von einer Nachbesteuerung des im Verkehr befindlichen Branntweins abzusehen, das Gesetz schon zu Be­ginn der diesjährigen Hauptbrennzeit in Kraft treten zu affen und sofort schon die Maischraumsteuer entsprechend zu erhöhen. Wenn man einer Meldung des konservativen Deutschen Tageblatts" Verttauen schenken darf, so wollten die Konservativen den 1. September oder Oktober 1888 als Einführungstag aufrecht erhalten. Für die nächste Brennkampagne würde aber eine erhebliche Einschränkung der Bettiebe festgesetzt, etwa auf 70 Prozent der letzten Kampagne. Für den Mehrbettieb träte eine sehr bedeutende

MMIW Mmg 25 Pfg. / III / S*/ M7 -.....

-J. ------------------------------------------------------------------_2__________Berlin, Hannover ».Paris.

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____ Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. «och. ö *