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Rr. 108

Marburg, Dienstag, 10. Mai 1887.

XXII. Jahrggllg

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Illustriertes Soniitagsblatt.

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bei der Entscheidung der Frage eine energische Vertretung finden werden.

lieber den von den Franzosen so hoch gepriesenen neuen SprengstoffMelinit" bringt dieNordd. Allg. Ztg." heute folgende Mitteilung: Ueber die chemische Zusammen­setzung des Melinits hat der hiesige Profesior der Chemie, Dr. Scheibler, dem Kriegsministerium bereits zu einer Zeit Mitteilung gemacht, wo diese Zusammensetzung noch nicht in weiteren Kreisen bekannt war, und gleichzeitig hatte der­selbe eine Anzahl von Melinitproben wechselnder Mischung an die königliche Artillerie-Prüfungskommission abgeliefert. Bei diesen Proben hat sich nun die interessante Thatsache ergeben, daß sich dieser Sprengstoff mit der Zeit von selbst entmischt, wobei Stickoxydgas oder salpetrige Säure frei wird. Das Melinit eignet sich hiernach nicht zu kriegerischen Zwecken, was man auch in Frankreich schon eingesehen zu haben scheint, da man von seiner weiteren Verwendung ab- sieht und das bereits vorhandene Material vernichtet. Das Experiment soll Frankreich über 50 Millionen Franken ge­kostet haben, wovon nur die deutschen Pikrinsäure- und Schweseläther-Fabrikanten einen Nutzen gehabt haben werden. Vielleicht hat dasselbe noch ein wissenschaftlich interessantes Resultat, da nach der Meinung des Herrn Scheibler die in dem Melinit enthaltene Schießbaumwolle bei der Selbstent­mischung in Zucker übergeht. Herr Scheibler gedenkt den chemischen Prozeß der Selbstentmischung wissenschaftlich weiter zu verfolgen.

Ein bei den zahllosen Berichten über denFall Schnäbele" ganz außer acht gelassener Umstand ist, wie der Metzer Korrespondent derWeser-Zeitung" hervorhebt, der, daß die französischen Spezialkommissare nicht wie die übrigen Polizeiorgane des Departements dem Präfekten unterstellt sind, sondern direkt dem Ministerium des Innern angehören und eine ihrer hauptsächlichen dienstlichen Angelegenheiten darin besteht, alles politisch irgendwie wissenswert Er­scheinende ihrem Chef zu berichten. Dieser Umstand ist durch die Untersuchung gegen Schnäbele festgestellt worden und hat wohl auch nur festgestellt werden sollen. Solcher Spezialkommissare befinden sich an der elsaß-lothringischen Grenze drei: zu Pagny, Avrieourt und Belfort. Gegen alle drei liegen dieselben Anklagen vor, und es soll ganz einerlei gewesen sein, wen die Verhaftung traf, denn es handelte sich nur um Feststellung der Thatsache, daß die

Sachsen-Meiningen Mark 763 242, Sachsen-Altenburg Mark 573290, Sachsen-Coburg-Gotha Mark 707 325, Anhalt Mark 879 123, Schwarzburg-Sondershausen Mk. 261502, Schwarzburg - Rudolstadt Mk. 297 599, Waldeck Mark 201 659, Reuß, ältere Linie Mark 197 465, Reuß, jüngere Linie Mark 390|963, Schaumburg-Lippe Mark 131 973, Lippe Mark 438 172, Lübeck Mark 239 733, Bremen Mark 587 266, Hamburg Mark 1 825 743, Elsaß-Loth- ringen Mark 6 459 414. Ueber die Branntweinsteuer- Vorlage haben heute die Konservativen und Nationallibe­ralen längere Fraktionsberatungen abgehalten. Es ist viel­leicht als Resultat derselben anzusehen, daß konservative Blätter heute abend aus bester Quelle melden, der Gesetz­entwurf werde seitens des Reichstags dahin abgeändert werden, daß unter Fortfall der Nachbesteuerung durch ein Notgesetz bereits für die Brennereikampagne 188788 eine erhebliche Beschränkung der Betriebe herbeigeführt werde.

Der Minister für die landwirtschaftlichen Angelegen­heiten, Herr Dr. Lucius, hat sich in feiner Rede über die in Aussicht gestellte Getreidezollerhöhung auch nut dem Sinken der Butterpreise eingehend beschäftigt. Er stellte fest, daß für den Zentner Butter nach den Rechnungsauf­stellungen einer gut geführten Gutswirtschaft im Jahre 1882 128 M., 1883 119 M., 1884 114, 1885 109 und 1886 sogar nur 102 M. gelöst wurden, so daß also in diesen 5 Jahren der Preis um 26 Mk. oder 20 Prozent herunter­gegangen ist. An diese Thatsache, deren Gewicht niemand leugnen kann, knüpfte der Minister die folgenden, auch das Gebiet der Kunstbutter-Frage berührenden Bemerkungen: M. H., daß dieser Rückgang in den Butterpreisen von einer durchgreifenden, tief einschneidenden Bedeutung fein muß, das liegt ja auf der flachen Hand, und daß somit auch gerade in den landwirtschaftlichen Kreisen, die sich in den letzten Jahren mit besonderem Interesse und mit großer Energie der Produktion von Butter und dem Molkereiwesen zuge­wandt haben, daß man da sehr lebhaft dafür thätig ist, um diese Butterpreise wenigstens vor einer unanständigen und unreellen Konkurrenz zu schützen, das ist meines Erachtens ein durchaus berechtigtes Streben. (Bravo rechts.)" Man wird diese Worte in landwirtschaftlichen Kreisen allenthalben mit Genilgthung lesen und ihnen die zuversichtliche Hoffnung entnehmen, daß auch im Bundesrate diese Gesichtspunkte

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Sie glauben wirklich, Herr Damken," rief der Guts­besitzer scheinbar etwas verletzt,daß ihre Tochter in einem solchen Falle ohne aufrichtige Freunde, die alles, alles für sie thnn und wagen würden, dastehen würde? Ich glaubte. Sie hätten eine bessere Meinung von mir gehabt. Ich habe bis jetzt noch keine Gelegenheit gehabt, die aufrichtige Wahrheit meiner Worte zu beweisen. Aber wenn ich Ihnen als ein Mann von Ehre versichere"

Der Handelsherr ließ ihn nicht ausreden, sondern ergriff zuvorkommend seine Hand und schüttelte sie.

Herr von Letzingen sah seinen Wunsch im Geiste schon erreicht, um aber durchaus sicher zu gehen, beschloß er, noch eine andere Seite zu berühren.Und nun dächte ich," fuhr er scheinbar etwas verlegen fort,Ihre Tochter würde auch in anderer Beziehung nicht allein dastehe», sondern einen vertrauten Beistand haben."

Der Handelsherr blickte ihn fragend und überrascht an. Dann sagte er:Welchen Beistandl"

Ich habe gehört, daß ihre Tochter im Stillen mit einem jungen, sehr tüchtigen Kaufmann verlobt ist," erwi­derte Herr von Letzingen.Haben Sie das vergessen oder wollen Sie es geheim halten, Herr Damken? fügte er hinzu, indem er ihn ruhig und offen anblickte,dann verzeihen Sie meine Dreistigkeit, mit der ich es berührt habe."

Damken war durch diese Worte etwas außer Fasiung gebracht. Was er selbst noch bezweifelt und kaum für mög­lich gehalten hatte, war sogar schon anderen bekannt und selbst dem, dem er es am liebsten vor allen verborgen hätte. Er gewann schnell die gewohnte Ruhe wieder.Ich be­greife gar nicht," sagte er kalt,wie dieses Gerücht, von dem ich selbst gestern Abend zum erftenmale gehört und welches ich, offen gestanden, kaum weiter beachtet habe, weil es mir zu thörichi erscheint, sogar Ihnen hat zu Ohren kommen können. Ich habe dem Ursprung dieses Gerüchtes natürlich nicht weiter nachgeforscht, weil ich es für unmöglich halte, daß meine Tochter irgend eine Veranlassung dazu ge­geben hat. Es ist Thorheit, nichts weiter."

. (Fortsetzung folgt.) -------------#

wenn nicht irgend etwas besonders Freudiges dazwischen kommt und all die finsteren Nachtschatten und Nachtgedanken verscheucht. So ist es mir heute morgen gegangen, seien Sie mir deshalb doppelt willkommen."

Wenn mein Besuch wirklich im Staude ist, ihre ttübe Stimmung zu verscheuchen, Herr Damken, so nehme ich Ihr Kompliment an," erwiderte der Gutsbesitzer, dem anderer­seits der freundliche Empfang um so erfreulicher war, weil er ihm das Erreichen seines Zweckes zu erleichtern schien.

Ich werde Ihnen zeigen, wie günftig Ihre Gegenwart auf mich wirkt, bemerkte der Handelsherr, und in der Thal nahm fein Gesicht einen ganz andern, einen sorgenlos heiteren Ausdruck an.

Mir ist nur das Eine unbegreiflich, Herr Damken," fuhr der Gutsbesitzer fort, nachdem er sich behaglich in den weichen Divan niedergelassen hatte,ja, das Eine ist mir unbegreiflich, wie Ihnen in Ihren Verhältnissen solche trübe Stimmungen kommen können. Sie sind mit fast allen Glücksgütern überschüttet, Sie brauchen sich keinen Genuß zu versagen, brauchen sich nicht mit unangenehmen Geschäften zu beläftigen und haben in Ihrer Tochter stets ein Wesen zur Seite, das Ihnen schon von vornherein jeden trüben Gedanken abwehren muß."

Nicht immer, gab der Handelsherr lächelnd zur Ant­wort.Ja, oft ist es gerade meine Tochter, welche die Ursache solcher Stimmungen ist."

Ihre Tochter?" fragte Herr von Letzingen scheinbar erstaunt und ungläubig lächelnd.Da wäre ich wahrhaftig neugierig, wie das möglich ist. Ich schätze Jeden glücklich, der in ihrer Nähe weilen kann."

Herr Damken nahm diese Schmeichelei mit Lächeln ent­gegen.Und doch muß ich meine Bemerkung festhalten," sagte er.Nehmen Sie den Fall an, daß ich an die Zu­kunft Gabrielens denke. Mich könnte ein plötzlicher unvor­hergesehener Unglücksfall treffen, sehen Sie, dann würde sie allein und ratlos in der Welt dastehen. Geld und Reich­tum allein würden ihr nicht nützen. Sie könnte wohl Diener dafür erlaufen, aber keine aufrichtigen Freunde. Dieser Ge­danke hat mich schon oft so trübe gestimmt, Herr von Letzingen, selbst heute Morgen noch."

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain

Expedition Martt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lug. Loch.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bnreanx von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M-, Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Mvffe in Frankfurt a. M., Berlin.München und

Köln; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M, Berlin, Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal- AdonnementS-Preis bei der Expedition 2*/t Mk., bei dm Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die «spaltene Zeile 10 Pfg, Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Deutsches Reich

Berlin, 7. Mai. Der Kaiser nahm mehrere kurze SSorträge entgegen, konferierte dann längere Zeit mit den Generalen von Albedyll und Caprivi, machte eine Spazier­fahrt und empfing nach der Rückkehr den Prinzen Wilhelm. Der Kaiser wird, wie dasDtsch. Tagbl." wissen will, seine diesjährige Reise nach Ems am 15. Juni antreten und bis dahin in Berlin verweilen, ohne diesmal den sonst regelmäßigen Aufenthalt in Wiesbaden zu nehmen. Zum Regierungs-Präsidenten in Königsberg ist nach der Ernen­nung des bisherigen Inhabers dieses Postens, Herrn Studt, zum Unterstaats-Sekretär für Elsaß-Lothringen dem Vernehmen nach der Geh. Reg.-Rat Freiherr v. d. Recke v. d. Horst, Vortragender Rat im Ministerium des Innern bestimmt. An Stelle des nach Danzig versetzten Reg.- Präsidenten v. Heppe ist dem Vernehmen der ,,.N. Pr. Ztg." zufolge, der Polizei-Präsident, Kammerherr v. Colmar- Meyenburg aus Pofen zum Regierungs - Präsidenten von Aurich ernannt Damit erlöschen auch die Mandate des Herrn von Colmar zum Reichstage und. zum Landtage. Zum Vize-Regiemngs-Präsidenten in Posen, an Stelle des nach Stettin als Regierungs-Präsident versetzten Herrn von Sommerfeld, ist Ober - Regierungs - Rat Zimmermann aus Danzig berufen. Der dem Reichstage zugegangenen Be­rechnung der Mattikularbeiträge, welche nach dem Etat bezw. dem Nachttagsetat für 1887/88 von den Einzelstaaten auf­zubringen sind, ist im Gegensatz zu der im ursprünglichen Etat (vom 30. März) vorgenommenen Berechnung bereits endgiltig festgestellte Ergebnis der Volkszählung vom 1. De­zember 1885 zu Grunde gelegt worden. Nach diesem Er­gebnis entfallen von der insgesamt für das Jahr 1887/88 von den Einzelstaaten aufzubringenden Summe von Mark 186 452 425 auf Preußen (mit einer Bevölkerung von 28 318 470) Mark 100 580 169, auf Bayern Mark 31 423 821, Sachfen Mark 12 263 341, Württemberg Mark 11471096, Baden Mark 8301 051, Hessen Mark 3 403 001, Mecklenburg-Schwerin Mark 2 050 986, Sachsen- Weimar Mark 1 117 603, Mecklenburg-Sttelitz Mk. 351 348, Oldenburg Mark 1 216 032, Braunschweig Mk. 1319 508,

Durch eigen- Schuld.

Ein Original»Roman aus der Handelswelt von Friedrick Friedrich.

(Fottsetzung)

Dies waren die Gedanken, welche des Handelsherrn Stirn verfinstert hatten und ihn beunruhigten. Er hatte das Zeittingsblatt in die Hand genommen, um sich zu zer­streuen und seine unangenehme Stimmung zu verscheuchen, aber stets kehrten seine Gedanken zu demselben Gegenstände zurück.

Menschen, welche ein leichtsinniges, leichtes Blut besitzen, bewahren in den meisten Fällen einen scheinbar festen und ruhigen Blut, weil sie den Emst solcher Verhältnisse selten richtig und in seiner ganzen Tragweite ersoffen; tritt der­selbe aber dennoch hart und nahe an sie heran, so schwindet der scheinbare Mut schnell und sie stehen dann um so rat­loser da.

So erging es dem Handelsherrn. Je mehr er seine Verhältnisse überdachte, um so peinlicher ward seine Stim­mung. Nirgends erblickte er einen festen und sicheren Halt­punkt. Er war schon im Begriff gewesen, Gabriele zu sich rufen zu lassen, sie offen um das ihm mitgeteilte Geheimnis zu befragen, um sich wenigstens nach dieser Seite hin Ruhe zu verschaffen. Er hatte es aber nicht gethan, weil er noch nicht einmal volle Gewißheit hatte, ob das ihm mitgeteilte wahr fei. Er war gern bereit, daran zu zweifeln und sich einzureden, daß es unwahr sei, um sich dadurch eine Be­ruhigung zu verschaffen.

In dieser Stimmung befand er sich, als ein Diener ein- trat und ihm die Ankunft des Herr von Letzingen meldete. Er sah es als ein günstiges Zeichen an, daß der, auf den er die meiste Hoffnung gebaut hatte, ihn gerade in feiner trüben Stimmung überraschte, und empfing ihn deshalb mit zuvorkommender Freundlichkeit.

Sie konnten mir wahrlich zu keiner Zeit erwünschter kommen, als jetzt, mein lieber Herr von Letzingen," rief er ihm freundlich entgegen.Wie es uns manchmal ergeht, er­wachen wir schon früh morgens in einer unangenehmen, trüben Stimmung; sie ist vielleicht das Nachwehen störender Träume, das uns dann den ganzen Tag über nicht verläßt,