Rr. 106.
SRavOurg, Sonimbcnd, 7. Mai 1887.
XXII. Jahrgang.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt f. d. Kreise Marburg «. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt.
__Ekpeditron Markt 21. — Redaktion, Druck und Strlag vou Joh. Sag. 4toch. "
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können. — Das Branntweinsteuergesetz enthält 45 Paragraphen in vier Hauptabschnitten. Außer den bereits bekannten Angaben über die Verbrauchsabgabe von 50 bezw. 70 Pfg. von der Gesamtjahresmenge des Branntwein« welche auf Grund von 41/. Liter auf den Kopf berechnet wird, bestimmt das Gesetz im wesentlichen folgendes: Der Branntweinzoll wird in den Brennereien von der Steuerbehörde nach der Menge und Stärke des Branntweins festgestellt; der Branntwein bleibt unter Steuerkontrolle, bis er zur Ausfuhr oder zur Verwendung abgefertigt, oder bis die Verbrauchsabgabe gezahlt oder gestundet ist. Die.Erhebung der Maischbottichsteuer findet nur in den landwirtschaftlichen Brennereien und in solchen Brennereien statt, welche Melasie oder Rüben und Rübensast verarbeiten. Vom 1. Oktober 1887 ab werden 150 Mark Zoll für 100 Kilogramm von dem aus dem Zoüauslande eingehenden Branntweine erhoben; ferner werden vom 1. April 1888 ab von dem im Verkehre befindlichen Branntweine für das Liter Alkohol 60 Pfg. als Verbrauchsabgabe in Form einer Nachsteuer erhoben. Bezüglich des Beitritts der süddeutschen Staaten wird bestimmt, daß das Gesetz nach erfolgter Zustimmung des betreffenden Staates für den letzteren in Kraft tritt. Die Gesamtmenge des Branntweins, der während eines Jahres in dem neu hinzugetretenen Staate hergestellt werden darf, wird auf drei Liter für den Kopf bemeffen. Die Paragraphen 15 bis 35 enthalten die Strafbestimmungen, betreffend die Kontrolle und die Defraudationen. Den wegen Defraudationen bestraften Brennereibesitzern kann die Ausübung der Brennerei untersagt werden. Bezüglich der Branntwein-Materialsteuer bestimmt das Gesetz: Vom Hektoliter cingestampfter Weintreber sind 35 Pfennige, von dem Hektoliter Kernobst oder den Trebern von Kernobst und Beerenfrüchten 45 Pfennige, vom Hektoliter Brauereiabfälle, Hefebrühe, gepreßte Weinhefe und Wurzeln aller Art 50 Pfennige, vom Hektoliter Trauben- und Obstwein, flüssiger Weinhefe und Steinobst 85 Pfennige zu zahlen. — In einem Erlöste spricht der Herr Kultusminister aus, daß die von den verschiedenen Vereinen, Korporationen re. der Zentralstelle der Vereinigungen für Sommerpflege erstatteten Berichte über Ferienkolonieen und andere Formen der Sommerpflege armer Kinder ein sehr erfreuliches Bild von den weitere» Forffchritten dieser wohlthätigen Werke geben. Der Minister hat aus diesen Berichten die Ueber- zeugung geschöpft, daß in allen Gesellschaftskreisen der Wert
"Laß das," unrerbrach ihn der Herr. „Ich weiß, daß Du klug genug bist, nie gegen Dein eigenes Interesse und zu Deinem Schaden zu handeln. Jetzt erzähle, was Du erforscht hast."
.Sie haben recht befürchtet, daß Fräulein Damken eine heimliche Liebe hat und mit ihrem Liebhaber in Briefwechsel steht."
„Befürchtet?" fragte der Gutsbesitzer scheinbar erstaunt, indem er pch bemühte, das Interesse, welches er an Gabrielen nahm, vor seinem Diener zu verbergen. „Weshalb sollte ich es befürchten? Glaubst Du--doch erzähle
weiter. Wer ist der Begünstigte des Fräuleins?"
„Sie werden ihn nicht kennen, ich selbst habe ihn nie gesehen und nie von ihm gehört," erwiderte der Diener.
„Wer ist es?" fragte Letzingen ungeduldig.
„Ein Kaufmann. Er ist einige Jahre in dem Geschäft des Herrn Damken als Buchführer thätlg gewesen, er hat, glaub ich, in ihm auch gelernt."
„Ein Kaufmann?" wiederholte der Gutsbesitzer sichtbar beruhigt. „Wie heißt er? Besitzt er eine eigene Firma?"
„Er ist ein Neffe des alten Geschäftsführers, welchen Herr Damken vor kurzer Zeit entlaffen hat, und heißt Hermann Bootmer. Ein eigenes Geschäft besitzt er noch nicht, aber er soll darüber aus sein, sich mit dem Vermögen seines Onkels ein solches zu gründen. Er ist jetzt in Amerika, um dort zu diesem Zwecke neue Verbindungen anzuknüpfen und die ersten dortigen Einkäufe am Orte selbst zu besorgen."
„Bah!" rief der Gutsbesitzer, „und Du glaubst, Fräulein Damken stehe mit einem solchen Menschen in einem ernstlichem Verhältnisie?" sei wirklich mit ihr verlobt? mit einem Diener? einem Buchhalter? Bah!'
„Der Onkel, der alte Geschäftsführer," erwiderte der Diener, „soll sich ein ziemlich bedeutendes Vermögen erspart und dasselbe durch glückliche Geschäfte sehr vermehrt haben. Das Alles wird sein Neffe erben."
Letzingen verzog das Gesicht zu einem spöttischen Lächeln und sagte: „Ich hätte Dich für weniger leichtgläubig gehalten, Karl. Das Kammermädchen des Fräuleins hat sich
D«rch eigene Schnlv.
gin Original - Roman aus bet Handelswelt von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung)
hatte durch diese Worte jede fernere Einrede Emmas abgeschnitten, aber sie fühlte doch, daß er über ihre baldige Verheiratung anders als sie dachte, und dies berührte sie unangenehm.
Carl bemerkte es. Er gab dem Gespräche schnell eine andere Wendung, indem er ihr mitteilte, daß er nun seinem Herrn das Geheimnis von Gabrielens Liebe entdecken werde, da keine weitere Aussicht vorhanden sei, daraus Nutzen zu ziehen.
Die Liebenden trennten sich. Langsam schritt der Diener durch den Park hin, unwillig über das Mißgeschick, welches ihn feit mehreren Tagen verfolgte und seine Pläne zu vereiteln drohte. Nur das Eine freute ihn: die Abneigung Gabrielens gegen seinen Herrn, well er auf sie neue Pläne bauen konnte.
Früh am anderen Morgen trat Hart in Setzingens Zimmer. Er traf ihn in einer heiteren Laune und da er wußte, daß er in solchen Augenblicken für eine gute Nachricht seine außerordenlliche Sparsamkeit doch in etwas ver- gesien konnte, war er schnell entschlossen, diesen Zeitpunkt zu benutzen.
„Jetzt endlich ist es mir gelungen, über die geheime Liebe des Fräulein Damken ein Näheres zu erfahren," sprach er. „Es hat mir außerordentlich viel Mühe gekostet, denn das Fräulein ist sehr geheim damit, und hätte ich ihr Kammermädchen nicht bestochen, es wäre mir nicht gelungen."
„Nun?" fragte der Gutsbesitzer gespannt, als er schwieg. „Ha, ich merke, Du willst erst den Lohn für Deine Bemühungen empfangen. Hier! Ich weiß ja, daß Dein Gedächtnis ohne Geld nicht gut zu beschaffen ist."
Er gab ihm bei diesen Worten einige Geldstücke. Mit einem schlauen Lächeln ließ sie der Diener in seine Tasche gletten. „Ich verlange nichts für meine Bemühungen," erwiderte er, „aber sie haben mich selbst viel gekostet."
dwser Veranstaltungen von Jahr zu Jahr richtiger gewürdigt wird, daß die Gebenden sowohl wie die Empfangenden einen dauernden Nutzen für die Tausende armer Kinder erwarten, welche einer Sommerpflege teilhaftig geworden Itnk sodann weist der Erlaß auf das von den allerhöchsten Kreisen in fast sämtlichen deutschen Ländern be- kundett lebhafte Interesse hin; auch seien Provinzial-, Kreis- und Kommunalbehörden sowie Armenverwaltungen durch Bewilligung von Geldern oder durch direkte Aussendung von Kindern für die Sache eingetreten; ebenso hätten sich eine grofje Anzahl älterer Wohlthätigkeitsvereine, namentlich auch Frauenvereine, im Laufe der Jahre an dieser Arbeit be- telligt. Die Ueberzeugung von der Notwendigkeit, für die armen, kränklichen Kinder in wirksamster Weise zu sorgen, wenn es deren Eltern nicht möglich sei, Ausreichendes zu thun habe in weiten Kreisen Wurzeln geschlagen, die Zahl der Städte, welche mit der Arbeit begonnen, sei bedeutend gestiegen, die Zahl der verpflegten Kinder erheblich ge- wachsen immer neue Anstalten wurden zur Aufnahme der kranken Kinder errichtet. In den 10 Jahren 1876 bis 1885 wurden im Ganzen 34722 und im Jahre 1885 allem 9999 Kinder in Sommerpflege gesandt, und der dadurch erwachsene Kostenaufwand hat für das letztere Jahr 272 035 Mk. betragen. Mit Rücksicht auf die schnellen unb erfreulichen Fortschritte der Sache veranlaßt der Ministtr dle.könMchen Regierungen, den Ferienkolonieen, wie bisher, Aufmerksamkeit und Förderung angedeihen zu lassen. — Der Bundesrat hat heute seine übliche Plenarsitzung abgehalten. Auf der Tagesordnung standen nur kleinere Vorlagen, darunter der Bericht der Ausschüsse über den Entwurf eines Gesetzes über die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen,
— lieber die Sage der Landwirtschaft äußert sich eine anerkannte landwirtschaftliche Autorität, Geheimer Rat Settegast, in einem offenen Briefe an den General-Sekretär der ^°u°"'Maftlichen Vereine für das Großherzogtum Hessen, anläßlich einer dort angestellten Enquete, u. a. wie folgt: Ich wende mich nun zu den Ergebnissen der Enquete, deren Zusammenstellung die Gesammtlage der Landwirtschaft in Hesten klarstellen und darüber Auskunft geben soll, ob und inwieweit durch Umgestaltung bestehender Verhältnisse bezw. durch Beeinflussung oder Eingreifen von der einen ober an- i)eren Seite die wirtschaftliche Lage der Landwirte einer
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Verkitt, 5. Mai. Der Kaiser nahm nachmittags eine Reihe militärischer Meldungen und darauf den Borttag des Kriegsministers, sowie des Generals von Albedyll entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr erscheint bei Seiner Majestät der Minister v. Putt- kamer zum Vortrage. — Der Kaiser hat alle Teilnehmer der Truppenbesichtigung in Potsdam durch fein vorzügliches Aussehen, seine körperliche Frische und durch seine freundliche Munterkeit zur Bewunderung hingerissen. Er hat den sämtlichen Truppenübungen bis zum Schluffe stehend beigewohnt und nur die Front der Fähnriche der Kriegsschule abgefahren. Nach dem Frühstück unternahm der Monarch bann noch eine Fahrt nach Babelsberg, nahm bei dieser Gelegenheit die neuen Anlagen in Augenschein und kehrte hierauf von der Station Neubabelsberg aus nach Berlin zurück. — Wie aus Madrid gemeldet wird, hat der Kaiser an die Königin Christine von Spanien em Telegramm gerichtet, um ihr im Namen der deutschen Armee für das Porträt des verstorbenen Königs Alfons zu danken, welches die Königin dem in Straßburg garnisonierenden 15. Ulanen- Regiment geschenkt hat. — Dem Reichstage ist das Ergebnis der Ermittelungen über die Lohnfrage der Arbeiterinnen in der Nähwaren - Fabrikation und in der Konfektionsbranche zugegangen. — Der Präsident des Herrenhauses, Herzog von Ratibor, hat durch Zirkular vom 3. d. Mts. die Mitglieder zu den am Donnerstag, 12. Mai, und an i>en folgenden Tagen stattfindenden Plenarsitzungen eingeladen. Der Präsident bittet die Mitglieder des Herrenhauses dringend, ebensowohl an den bevorstehenden Arbeiten und Verhandlungen sich rege zu beteiligen, als auch dafür Fürsorge zu treffen, bis zu dem demnächst zu erwartenden Schluffe beider Häuser des Landtags hier anwesend sein zu
einen Scherz mit Dir gemacht, Fräulein Damken ist zu stolz, um mit einem Kommis zu korrespondieren!"
„Und wenn ich nun die Briefe gelesen hätte?" er- widerte der Diener, indem er seinen Herrn mit stolzem Lächeln anblickte. " 0
»Du hast sie gelesen s"
„Ja."
„Und es waren wirklich Liebesbriefe?" fragte Herr von Letzingen weiter.
„Ja wohl," erwiderte der Diener. „Und wenn Der, der sie geschreiben, auch nur ein Kommis ist, die Briefe sind herrlich geschrieben und würden keinem Dichter Schande machen. Es ist viel Glut und Leidenschaft darin, er weiß, was dem Herzen wohlthut — und wenn ich ein Mädchen wäre, so . . ."
„Thorheit," unterbrach ihn der Herr. „Ich kenne Fräulein Damken bester, als daß sie eine solche Thorheit als wirllichen Ernst ansehen sollte."
„Die Liebe ist ein eigenes Ding, Herr," warf der Diener ein, „und ich habe gehört und gelesen, daß sie oft eigen- thümliche Wege einschlägt. Ich kann es zwar auch nicht begreifen, daß man, wenn man reich ist, jemanden lieben und heiraten könnte, der weniger reich ist, aber die Liebe soll nach dem allen nicht fragen.“
Der Gutsbesitzer schien diese Worte nicht gehört zu haben. Seine Augen waren gedankenvoll auf den Boden geheftet. „Weiß Herr Damken um diese Thorheit?" fragte er endlich.
Der Diener überlegte, ob er auch diese Frage beantworten sollte, denn vor der Hand war sie noch sein Geheimnis. Er enstchloß sich dazu. „Er weiß sie seit gestern Abend," gab er zur Antwort.
_ „Seit gestern Abend? Und durch wen?" fragte der Gutsbesitzer weiter.
Der Diener zuckte mit den Achseln. „Durch einen Fremden," entgegnete er. „Ich habe ihn zum wenigsten nicht erkannt."
Fortsetzung folgt)