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Rr. 105.

Marburg, Freitag, 6. Mai 1887.

XXII. Jahrgang.

| lauschend an der Hütte stehen. Endlich verließ der Andere I dieselbe und eilte auf die nahe, den Park umgebende Mauer zu, über welche er sich leicht schwang. Der Diener hatte mit seinen stechenden Augen die Dunkelheit des Abends zu durchdringen versucht, er hatte sich selbst auf die Gefahr, hier bemerkt zu werden, aus feinem Versteck hervorgewagt, aber es war ihm nicht gelungen, den Fremden zu erkennen.

Unwillig über dieses zweite Mißlingen eilte er zu dem Platze zurück, wo er zuerst seine Geliebte erwartet hatte.

Du hast mich lange warten lassen," sprach sie, indem sie ihm entgegenflog.Ich glaubte schon, Du würdest nicht mehr kommen, und wäre fast zurückgekehrt."

Ich war bereits hier," erwiderte der Diener,und habe soeben erfahren, daß mein Plan, Herrn Damken die heimliche Liebe seiner Tochter mitzuteilen, vereitelt ist, denn er hat es heute Abend bereits aus einem anderen Munde erfahren."

Von wem?" fragte das Mädchen neugierig und rasch.

Ich weiß es so wenig wie Du," entgegnete der junge Mann.Um ihn zu erkennen, war es zu dunkel, und selbst seine Stimme war mir fremd. Doch die Hauptsache ist, daß ich weiß, daß Dein Herr das Geheimnis bereits kennt. Was hast Du ausgerichtet, Emma? Was hast Du bei Deinem Fräulein erreicht?"

Nichts," erwiderte das Mädchen mit einer Stimme, die ihren Unwillen nur schlecht verbarg.Meine Herrin ist noch nicht geneigt, mich zu ihrer Vertrauten zu machen, und als ich sie merken ließ, daß ich bereits um ihr Ge­heimnis wisse, that sie nicht im Geringsten erstaunt. Sie scheint in ihrem Verhältnisse gar nichts Außergewöhnliches zu erblicken."

Hast Du das Gespräch nicht auf meinen Herrn gelenkt? Wie spricht sie über ihn, fragte der Diener weiter.

Sehr wenig spricht sie," entgegnete Emma,aber selbst aus den wenigen und gleichgültigen Worten habe ich erraten, daß sie ihm nicht im Geringsten geneigt ist. Ja, er schien ihr sogar zuwider zu sein."

.Ha," das ist schön!" rief der junge Mann mit unver-

ist Goldes wert, aber nicht er ist der Bürge für den Eriolg, sondern der Kopf und die Tüchtigkeit seines Arbeitgebers. Trennt die Hand vom Körper und sie ist ein totes Glied! Der Kopf arbeitet aber auch ohne die Hand weiter und sucht Ersatzmittel für das verlorene Glied. Daraus folgt, wenn sich die Arbeiter von den Arbeitgebern lossagten, so würden eher sie zu Grunde gehen, als jene. Die Hand­arbeit ist heute zum wesentlichen Teile durch die so hart bekämpfte Maschinenarbeit ersetzt, und immer neue größere Vervollkommnungen erfahren diese eisernen Künstler. Sie sind aber, wie eingangs schon gesagt, kein Nachteil für die Menschheit, sondern ein Segen. Zunächst verbilligen sie, wie schon eingangs gesagt, sehr viele Produkte. Dann stehlen sie auch nicht den Menschen die Arbeit, Maschinen­arbeit und Menschenarbeit ergänzt sich im Gegenteil. Die Maschinenarbeit richtet sehr viel vor, was der weiteren Behandlung durch die Menschenhand bedarf. Sie schafft die Massenproduktion, die massenhaft Arbeiter beschäftigt und welche zur Voraussetzung billigere Preise hat. Bei billigen Preisen steigt der Konsum aber ganz gewaltig, da­mit Produktion und Gelegenheit zum Verdienst.

Verkannt soll und darf es nicht werden, daß die Maschine auch auf einzelne Handbetriebe einen tätlichen Einfluß aus­geübt hat. Das ist traurig und zu beklagen, aber auch ohne die Einführung von Maschinen wäre im gewerblichen Leben der Satz bestehen geblieben: Der Große ist der natürliche Feind des Kleinen. Und die Maschine stellt sich doch eben so gut in den Dienst des Kleinen, wie des Großen. Um nur e i n Bild aus dem alltäglichen Leben anzuführen: Mit wie mißtrauischen Augen wurde die Nähmaschine bei ihrem Auftauchen beobachtet? Heute nährt und hilft sie Millionen. Man sage nicht, ohne Maschinen würde die Arbeit besser bezahlt. Teure Preise mindern den Absatz, geringe erhöhen ihn, und wer will endlich gegen den Strom schwimmen? Alle Kulturvölker der Erde sind aufs eifrigste in diesem friedlichen Kampfe thätig, sie strengen die höchsten Geisteskräfte _ an, durch Schaffung gediegenerer Hilfsmittel immer wohlfeiler produzieren zu köimen und damit den Absatz zu vermehren. Deutschland nimmt in diesem Kampfe der Geister einen hohen Rang ein, und im allgemeinen können wir getrost sagen, wir sind unseren französischen und englischen Konkurrenten völlig gewachsen. Und das wird mehr und ncehr eingesehen, immer mehr wendet sich die Kauflust deutschen Artikeln zu und weist französische und

Durch eigene Schuld.

Ein Original-Roman aus der Handelswelt von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Der Diener war fest überzeugt, daß Damken dort jemand erwarte oder bereits treffe. Der abgelegene Ort dieser Zu­sammenkunft, die ungewöhnlich späte Zeit ließen ein-Ge­heimnis vermuten, und er war nicht der Mann, der eilt solches Geheimnis unbelauscht gelassen hätte. Um sich indes der Hütte unbemerkt nähern zu können, mußte er einen ziemlich großen Umweg machen, und so rasch er auch eilte, so ging ihm doch einige Zeit durch diese Verzögerung verloren. Als er dann die Hütte erreicht hatte, hörte er den Handelsherrn mit einem Manne sprechen. Er legte das Ohr dicht an die Wand, bog vorsichtig und leise den Epheu zurück, aber es gelang ihm nicht, das ganze Gespräch zu belauschen. Nur einige Worte vernahm er und diese verrieten ihm nichts. Selbst die Stimme des anderen Mannes kannte er nicht.

Schon war er int Begriff, unwillig über seine miß­lungene Bemühung, sich zurückzuziehen, als der Handelsherr aus der Hütte trat und mit etwas lauterer Stimme sprach: .Wenn ich auch vor der Hand noch zweifeln muß, daß meine Tochter sich soweit vergessen, mit einem Menschen, der tief unter ihr steht, der in meinem Hause als Diener gewesen ist, einen Briefwechsel zu unterhalten, so danke ich doch für Ihre Mitteilung. Ich werde die Sache näher untersuchen. Schweigen Sie gegen jedermann hierüber und, Sie sollen mit meiner Belohnung zufrieden sein."

Er eilte nach diesen Worten mit raschen Schritten fort. Der Lauscher stampfte unwillig mit dem Fuße die Erve, denn diese Belohnung hätte auch er verdienen können, wenn er dem Handelsherrn das Geheimnis seiner Tochter mitge- teilt hätte. Er hatte es im Sinne gehabt und jetzt war chm ein anderer zuvorgekommen, der dasselbe Ziel wie er zu verfolgen schien, nämlich das, aus diesem Geheimniffe Vorteil zu ziehen. Es war ein Rival von ihm und oben­drein kannte er seinen Gegner nicht einmal.

Ohne sich zu rühren, blieb er noch eine Zeit lang

Der internationale Wettbewerb

auf industriellem Gebiete hat in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren einen Höhepunkt erreicht, von dem man annehmen sollte, er könnte nicht ferner gesteigert werden. Die Periode des Dampfes hat ihren Glanzpunkt bereits überschritten; König Dampf ist nicht mehr der nnumschränkte und unanfechtbare Herrscher, der winzige elektrische Funken hat bereits begonnen, ernsthaft den Kampf mit ihm aufzu­nehmen. Und wer weiß, nach dreißig oder fünfzig Jahren wird man unfern heutigen technischen und maschinellen Ein­richtungen, mit denen so Gewaltiges geleistet wird, vielleicht als ganz altväterisch und altes Eisen bezeichnen. Und der , Urheber solcher Revolutionen ist nur der menschliche Geist;

mag sonst alles im selben Kreislauf verharren und unver­ändert bleiben, die Forschung rastet nicht; sie arbeitet uner­müdet weiter und ersetzt Vollkommenes durch Vollkommeneres, verbilligt und verbessert alle industriellen Produkte und er­leichtert damit die Lebensbedingungen. Denn was würden alle die Gegner geistiger Regsamkeit und der Maschinenkraft wohl sagen, wenn sie die vielfachen Produkte, welche das tägliche Leben erfordert, nach früheren Preisen, welche aus der erschwerten Herstellung entsprangen, bezahlen sollten? Da wäre des Klagens kein Ende. Manche Behaglichkeit müßte aus den Wohnungen der minder bemittelten Klassen schwinden und ein Zustand würde hervorgerufen, der der erwähnten heutigen Menschheit unerträglich sein würde.

Die Grundlage der modernen Arbeit ist nicht die Hand­arbeit, sondern die geistige Arbeit, die Kopfarbeit. Wenn deshalb die sozialdemokratische Lehre die Arbeiter als die alleinige Macht bezeichnet, welche dem ArbeitgeberSchätze sammelt", so ist diese Ansicht so falsch, wie nur möglich. Strengte der Arbeitgeber nicht Kopf und Kapital an, so säßen die Arbeiter auf dem Trockenen. Ein guter Arbeiter

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O-erhesfische Zeitung

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hohlenerFreude.Ich habe es mir zwar denken können aber tm Geheimen, befürchtete ich doch, Dein Fräulein könnte sich durch den Adel meines Herrn blenden lassen."

. "$»2 i)t schön?" fragte Emma erstaunt,Du freust Dich, daß mein Fräulem den Herrn von Letzingen nicht leiden mag? Aber sie wird ihn auch nicht zum Manne nehmen."

soll sie auch nicht, das wäre gegen meine Wünsche und Pläne " gestand der junge Mann offen.Mein Herr soll nicht heiraten, denn hätte er eine Frau, so würde ich den größten Teil meines Einflusses an ihm verlieren. Ich will keine Frau im Hause, weil ich nicht der Diener einer gnädigen Frau fein mag. Wozu soll mein Herr auch heiraten? Er ist reich genug ohne Dein Fräulein und F ^nn ^hundertmal angenehmer und auch sorgenloser ohne So?" rief das Mädchen unwillig und beleidigt.Du meinst, es lebt sich für einen Mann also angenehmer ohne Frau? Weshalb willst Du mich denn heiraten, wes­halb denn?"

Du verstehst mich falsch, Emma," erwiderte Earl, indem er sie mit dem Arm zärtlich umfaßte.Was ich qesaat habe, gilt nur für reiche Männer."

Du hast mir aber mehr als einmal gesagt," warf ®mma ein,daß es Dein ganzes Streben sei, auch ein racher Mann zu werden, bann würdest Du mich also auch nicht brauchen?"

Der schlaue Diener schien durch diese Worte wirklich in ewige Verlegenheit gebracht zu werden, aber er war klug unb besonnen genug, sie zu verbergen.Ja, bas wünsche ich," rief er lächelnb,aber so reich wie mein Herr werbe ^4 nie, ha, ha, bazu gehören reiche Zanten ober dergleichen So ein vornehmer Herr hat so viel Passionen im Kopse baß er keiner Frau bebarf. Mit mir ist das etwas Anderes und außerdem habe ich Dich lieb und freue mich auf den Tag, an dem wir vereint werden."

(Fortsetzung folgt)

Deutsches Reich

Berlin, 4. Mai. Der Kaiser nahm heute vormittaqs mehrere Vorträge entgegen, arbeitete mit dem Geheimen Kabmettsrate von Wilmowski, machte nachmittags eine Aus­fahrt und konferierte nach der Rückkehr von derselben mit dem Oberstkämmerer Grasen Stolberg. Morgen findet eine Soiree bei dem kaiserlichen Paare statt, wozu 200 Ein- ladungen ergangen sind. Gestern nachmittag fand unter bent Vorsitze des Ministerpräsidenten Fürst v. Bismarck eine S'tzung des preußischen Staatsministeriums im Reichskanzler- palais statt. - Der königlich württembergische Justizminister vr. v. Faber hat in der dortigen zweiten Kammer Mit­teilungen über den Stand der Ausarbeitung des Allgemeinen deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs gemacht. Die gehoffte Beendigung der ersten Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs bis Mtern ist nicht zu erzielen gewesen, weil Meinungsver- schledenhetten in Sachen des Erbrechts und des internatio­nalen Rechts hervorgetreten waren. Die Fertigstellung werde bis Ende Juni auf sich warten lassen, jedenfalls wurden jedoch die Mitglieder der Kommission nicht in die Ferien gehen, bevor die erste Lesung beendigt ist Der ge­samte Entwurf solle alsdann in irgend einer Form der öffentlichen Kritik unterbreitet waren. Der Minister fügte fjtnju, daß es sich im weiteren um die Ausarbeitung des Elnfuhrungsgesetzes für die einzelnen Länder, Landschaften und Rechtsgebiete handle. Die Dauer der zweiten Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs hänge davon ab, wie groß das kntische Material fein werde, welches inzwischen zu erwarten steht. Dann erst solle das Gesetzbuch dem Bundesrat vor- getegt werden. DasArmee - Verordnungs - Blatt" ver­öffentlicht eine vom 29. v. M. datierte Dienstvorschrift für ^uArmee-Musikinspizienten, dessen Stelle im neuen Etat geschaffen ist. Danach ist der Musikinspizient oberer Militär­beamter, er wird vom Kriegsminister ernannt und steht

engü^e Fabrikate ab. Auf diesem Weg muß ständig fort- gefchntten werden. Allerdings, wo viel Licht, ist auch viel Schatten und an letzterem fehlt es auch in unserem mdu- tnetlen Leben nicht. Aber es ist bei uns doch schon wirk­sam begonnen, diese Schatten zu vertreiben) und wenn auck> mcht alle Wünsche erfüllt werden können, das Mimmste kann doch beseitigt werden. Und, was die Haupffache - Unsere Zett öffnet tüchtigen Köpfen stets Aussicht auf bessere Tage! ^-ahin soll man arbeiten.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Quartal« LbonnementS-PreiS bei der Expedition 2'/t Mk.. bei feen Postämter 2 Mk. 50

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Köln; @. L. Daube unb Eo. in Frankfurt a. M.,

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