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Marburg, Mittwoch, 4. Mai 1887.
XXII. Jahrgang.
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ist schon vor zehn Jahren in Rußland beim K'ruka-Gewehr verwirklicht, aber wegen des nur geringen thatsächlichen Stützens der Anordnung bei vielen Nachteilen wieder aufgehoben worden. Die Auffrischung dieses Gedankens beim sranzosischen Gewehr wird wohl nur ein Mittel sein, das Vertrauen des Soldaten zu seiner bisherigen Waffe zu heben, welches durch die als vollendete Thatsache hervorgetretene Bewaffnung des deuffchen Heeres mit dem so sehr übcr- legenen Mehrlader einen starken Stoß erhalten hat.
Durch eigene Schuld.
Ein Original-Roman aus der Handelswelt von Friedrick Friedrick.
(Fortsetzung.)
Während Buchmann seine Pläne im Geheimen vorbereitete und die Knoten zu schürzen suchte, durch welche er seinen Gegner zu stürzen hoffte, hatte Kleuser in dem Geschäftsgänge des alten Hauses eine gewaltige Umwälzung hervorgerufen. Das Vermögen, welches er zugebracht hatte, war hinreichend gewesen, um der augenblicklichen Verlegen- heit ^abzuhelsen, aber zu den Spekulationen, welche Kleuser im Sinne hatte, waren neue Fonds erforderlich. Es lag in den Warenspeichern ein großes Kapital und auf diese richtete er zunächst sein Auge. So rasch, als es irgend, ohne Verdacht zu erregen, ging, wurden die Waren verkauft und die daraus gelösten Summen zu Börsenspekulationen und Einkäusen von Papieren verwandt.
Der unerschütterliche Kredit und das feste unbegrenzte Vertrauen, welches er genoß und fich durch die größte Solidität errungen hatte, kamen ihm schon trefflich zu statten, denn sie machten es ihm möglich, neue Warensendungen in Kommssson kommen zu lassen, um sie auf gleiche Weise zu (Selbe zu machen, ohne selbst Zahlungen dafür geleistet zu haben. Um Gründe, weshalb dieselben unterlassen wurden, war er nicht in Verlegenheit und sie fanden überall Glauben, da der alte Steider sich nie einer Unwahrheit schuldig gemacht hatte.
Der Handelsherr, welcher jetzt häuffger als früher in das Geschäft kam und an seinem Gange ein lebhafteres Interesse zu nehmen schien, war mit diesen Transaktionen Kleusers einverstanden, und dadurch ward auch das Erstaunen gemildert, welches dieses Verfahren des neuen Geschäftsführers unter den Dienern des Hanfes hervorgernsen hatte.
Rach außen hin und für den, der in die Bücher und Geheimnisse des Geschäfts keinen Einblick zu thun vermochte, schien das alte Geschstft einen neuen Aufschwung zu nehmen. Kleuser war aus der Börse sehr thätig, unternahm großartige Spekulationen und Anfangs auch mit vielem Glück.
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Landesvertretung vorgelegt worden. Die Schweiz hat den Mehrlader schon seit 1869, denkt aber zu einem kleineren Kaliber überzugehen.
Am weitesten vorgeschritten in der Einführung des Mehrladers ist gegenwärtig das deuffche Reich, bei welchem nicht nur die Durchführung der Bewaffnung der Feldtruppen in diesem Jahre bevorsteht, sondern auch schon umsassende Uebungen der Mannschaften des Beurlaubten - Standes im Gebrauch des Gewehres stattgefunden haben und noch stattfinden. Italien hat die Bewaffnung des Heeres in erster Linie bis Mitte 1888 in Aussicht genommen, während Oesterreich-Ungarn die Ausrüstung der Infanterie binnen drei Jahren auszuführen gedenkt. Deutschland wie Oesterreich sind beim bisherigen Kaliber von 11 Millimetern geblieben, ebenso Italien bei seinem Kaliber von 10,5 Millimetern. Der deutsche Mehrlader hat das röhrenförmige Magazin im Vorderschaft; dasselbe saßt 8 Patronen, außerdem 1 im Löffel. Der österreichische Mehrlader des Systems Mannlicher hat ein Mittelschaftsmagazin, in welches die Patronen jedesmal bündelweise zu 5 Stück eingesetzt werden. Aehnlich ist die Anordnung beim italienischen Mehrlader, welcher eine ziemlich einfache Umarbeitung des bisherigen Vetterli-Gewehres nach einem Vorschlag des Hauptmanns Vitali ist; es werden hier jedesmal vier Patronen, welche in eine besondere Ladebüchse gesteckt sind, eingeschoben. Die Umarbeitung kostet für jedes Gewehr nur 8 Mark. Das österreichische Gewehr, welches von Grund aus neu ist und 36 Gulden pro Stück kosten soll, erhält durch Annahme einer neuen Pulvergattung eine Geschoßgeschwindigkeit von 480 Metern. Bezüglich des neuen französischen Gewehres, an welchem Oberst Gras und Oberst Lebet, Direktor der Normalschießschule in Chalons, beteiligt sind, ist mitzuteilen, daß dasselbe bei einem Kaliber von 8 Milirnetern ebenfalls ein Mittelschaftsmagazin hat. Es verschießt ein Verbünd- Geschoß nach Lorenz mit einem Pulver von Bougere und erreicht eine Geschoßgeschwindigkeit von 530 Metern.
Es ist möglich, den bisherigen Lauf zu verwerten, welcher mittels eines kalibermäßig ausgebohrten Rohres verengt wird. Der für das bisherige Gewehr Ende Februar d. I. eingeführte Schnelllader, ist eine Ledertasche, welche 8 Patronen faßt und nach Belieben am Gewehr in der Gegend der Patronen-Einlage befestigt werden kann. Der Schütze hat die Patronen aus dieser Tasche in das Gewehr einzuführen und somit einen kürzeren Weg, als wenn, er die Patronen aus der Patronentasche zu entnehmen Hätte. Der Gedanke Selbst die näher stehenden Kreise ließen sich dadurch täuschen und glaubten, daß Damken durch den Wechsel seines Ge- schästsführers in der Thal viel gewonnen habe. Der Kredit seines Hauses schien dadurch sogar noch zu wachsen.
Nur zwei Menschen durchschauten Vas ganze und erkannten den wahren Grund — der alte Steider und Buchmann. Beide verbargen ihre Ansichten sorgfältig, wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen.
Steiders Herz hing immer noch an dem Hause Damken, es erschien ihm wie ein Elternhaus, aus dem er geschieden war. So weit er es vermochte, verfolgte er im Sttllen alle Schritte Kleusers. Er sah, daß der von ihm eingeschlagene Weg den Fall des Hauses wohl um einige Zeit verzögerte, aber er erkannte auch, daß der Sturz dadurch um so schwerer wurde, und doch gab er die Hoffnung noch nicht ganz aus, retten zu können. Er sprach gegen niemand von der Gefahr, welche das alte Handelshaus bedrohte; denn ein einziges unvorsichtiges Wort wäre ja im Stande gewesen, den ganzen künstlich aufrecht gehaltenen Kredit zu stürzen, und dann war keine Rettung mehr möglich.
Weniger edel waren die Gründe, welche Buchmann bewogen, über das was er erforscht hatte, zu schweigen. Um seine Pläne auszuführen, war es notwendig, daß der Kredit des Hauses Damken noch einige Zeit lang sest stand, es durfte noch kein Zweifel daran aufkominen, denn diesen Kredit benutzte ja Kleuser, um sich immer tiefer und kühner in Spekulationen und Börsengeschäfte hineinzustürzen; dieser Kredit war ja das Siegel, welches allen von ihm ausgestellten Wechseln volles Vertrauen und volle Gültigkeit verlieh, und erst wenn diese Spekulationen den höchsten und gefährlichsten Punkt erreicht hatten, wenn die ausgestellten Wechsel alle Kräfte des Geschäftes überstiegen — erst dann wollte er seinen Plan ausführen, dann sollte das Haus plötzlich mit einem Schlage gestürzt werden und unrettbar ] usammenbrechen. Das war sein Plan, den er im Ge- i Heimen brütete. .
Auf der Villa des Handelsherrn hatte niemand ein Ahnung davon, aus welchem gefährlichen Grunde sein ganzer
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Mai. Ter Kaiser nahm heute vormittag den Vortrag des Geheimen Kabinettsrats von W-lmowski entgegen, machte mittags eine Spazierfahrt und empfing nach der Rückkehr von derfelben den Oberpräsidenten vvn Schlickmann, und darauf den Staatssekretär Grasen Bismarck.
In der am 30. v. Mts. abgehaltenen Plenarsitzung genehmigte der Bundesrat den Entwurf eines Gesetzes über die Besteuerung des Branntweins mit den von den Aus- schüsien^ für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr, für Justizwesen und für Rechnungswesen vorgeschlagenen Abänderungen. Der Gesetzentwurf wegen Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etats- jahr 1887/88 wurde an den Ausschuß für Rechnungswesen zur Vorberatung überwiesen. Mit der bereits erfolgten Ueberroeifung des Antrages Badens, betreffend die Aenderung der Statuten der Badischen Bank, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Den Vorsitz in der Sitzung führte zunächst der Staatsminister, Staatssekretär des Innern, von Bötticher; nach eingetretener Behinderung desselben der Königlich bayerische Bevollmächtigte zum Bundesrat, Staatsminister Dr. von Riedel. — Nach Allerhöchster Bestimmung sind bet den Infanterie-Regimentern zu vier Bataillonen, soweit dieselben nicht Füsilier-Regimenter sind, sowie bei den Infanterie - Regimentern Nr. 135 und 138 die Mannschaften sämtlicher Bataillone nach Maßgabe der dieserhalb bestehenden allgemeinen Grundsätze „Musketiere" zu benennen. Für die Mannschaften der 4. Bataillone von Füsilierregimentern wird in gleichem Umfange die Bezeichnung „Füsiliere" geltend. — Die sämtlichen Militär-Maga- zinverwalttmgen erhalten fortan die Dienst-Bezeichnung: „Proviant-Amt". Die Vorstände der Proviantämter sind je nach spezieller Bestimmung des Krtegsminfflerinms entweder „Proviantmeister" oder „Proviantamts-Rendanten." — In Abänderung der Ausführungsbestiinmungen vvn 20. März
Reichtum ruhte. Es war in keiner Beziehung weder eine Beschränkung des Luxus noch der Vergnügungen eingetreten, denn Damken war schlau genug, um zu erkennen, daß der von ihm so offen und verschwenderisch zur Schau getragene Reichtum jetzt die beste Stütze für den Kredit seines Hauses sei. Wem konnte, wenn er durch den Park schritt und die großartigen und kostbaren Anlagen sah, oder wenn er von den lustigen und verschwenderischen Festlichkeiten, welche fast jede Woche auf der Villa gefeiert wurden, hörte, der Gedanke kommen, daß das Geschäft, welches alle die Kosten bestritt, bereits dem Verderben nahe sei?
Kleuser hatte sogleich im Anfänge gewagt, dem Handels- Herrn vorzustellen, daß es notwendig sei, seine Verschwendung einzuschränken, da sie es sei, welche das reiche und mächtige Haus dem Falle nahe gebracht habe.
Damken hatte ihm darauf mit einem spöttischen Lächeln geantwortet: „Wenn Sie wirklich glauben, Herr Kleuser, daß meine Ausgaben daran Schuld sind, so können Sie mir als Kaufmann, der Sie den Stand des Hauses kennen, unmöglich den Rat geben, daß ich sie jetzt', gerade jetzt ein- schränke. Sie müssen wissen, daß jetzt, wo schon die Entlassung des alten Steiders die Aufmerksamkeit der hiesigen Handelswelt erregt hat, eine Einschränkung meines Lebens noch mehr auffallen würde. Man würde sich natürlich fragen, weshalb ich es thue, und würde zuerst auf den Grund fallen, welcher der wirkliche ist. — Damit wäre unser Kredit erschüttert nnd es notwendig eine offene Krisis her- beigesührt werden. Glauben Sie, daß wir jetzt im Stande sind, eine solche Krisis aufzuhalten?"
Kleuser hatte schweigend, aber mit einer unwilligen, ver- zweislungsvollen Miene den Kopf geschüttelt.
„Sie werden also einsehen, daß jede Einschränkung meines Lebens jetzt eine Thorheit wäre. Ich muß so sort- leden, rote ich früher gelebt habe, ja, wenn es möglich ist, noch glänzender. Glauben Sie mir, daß dieser Glanz die Menschen besticht und täuscht!"
(Fortsetzung folgt.)
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Die heutige Jnfanteriebewaffnung.
In der Bewaffnung der Infanterie mit Mehrladern (Repetiergewehren) sind die Staaten des mitteleuropäischen Friedensbundes, Denffchland, Oesterreich-Ungarn, Italien, am weitesten vorgeschritten. In Frankreich scheint zwar die Herstellung des neuen Modells Gras-Lebel bereits in größerem Umfange stattzufinden, doch dürften wohl noch nicht alle Schwierigkeiten gehoben sein, welche mit einer so tiefgreifenden Aenderung verbunden sind und zu denen namentlich die notwendige Peinlichkeit in den Abmessungen der Läufe, sowie die Herstellung^ der Munition Anlaß geben. Daß man auf einen längeren Zeitraum bis zur Durchführung der Neubewaffnung rechnet, beiveist eine kürzlich vom Kriegsminister Bonlanger versügte Einbringung einer Schnelllade - Vorrichtung am bisherigen Gewehr. England ist in Bezug auf die Wahl des Mehrlader - Modells noch zu keinem enbgiltigen Entschluß gelangt. Eine Zeit lang hatte das System des Wiener Gewehrfabrikanten Schulhof Aussicht, jetzt spricht man wieder von einem Gewehr von Richard Morris. Gänzlich ablehnend gegen die Mehrlader verhielt sich bis jetzt Rußland; es scheint in maßgebenden Kreisen die Ansicht zu herrschen, als sei die Feuergeschwindigkeit des Verdau - Gewehrs auch künftig ausreichend. In diesem Sinne äußerte sich in jüngster Zeit her bekannte General Dragomirow, unter gleichzeitiger Hervorhebung aller mit dem Mehrlader verbundenen Nachteile. Aehnlich lautete auch ein von General Roop, Kommandant des Militärbezirks von Odessa, an seine Truppen erlassener Tagesbefehl. Portugal und Dänemark haben Mehrlader von 8 mm Kaliber angenommen; entsprechende Versuche finden schon seit Jahren in Spanien statt. Die Türkei hat eine ansehnliche Bestellung von Mehrladern des Systems Mauser in Deutschland gemacht. Seitens Belgiens ist ein erheblicher Kredit zur Anschaffung von Mehrladern der